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Full text of "Heinrich von Treitschkes Briefe. Zweiter Band"

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Breiter 93 a n b 

3«*ite$ © 11 $ 1859-1866 o flR \t 2 foxtr&ti in ?ic|>tbru(f 
nnb einem ©ttmarefbrief in JafflmUe 




9ß«rUs »o»i €>. Jg>ir 5 «l, Stipjia 
10 13 


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T/D ail 
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V- St 

INDIANA UNIVERSITY LIBRARY 


Copyright by S. Hirzel at Leipzig 1913. 



FRATRUS 


ÜberfeflunflttedSit t>orbt&«lt*n. 


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3n$alt 




3t vtittt 

beginn bet afabemif<$en ?ebrt(StigFeit. 
#ijtorif($e unb SuffAgc. €rfh Sammlung. 

1869—1866. 


J».K. 

QWC 

Anfang bet £tip|tgcr Dojentenjot. 1 

©tubienurlaub in 9Jiün<gtn.136 

9fbf$(ufj btr £tip|tgcr Sagte.196 

Stcibutg.294 

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Anfang Ut Ceipjtger £)ojentenaett 


£j^a* <*ffe 3abr bet beginnenben afabemifeben ?ebrtitigfeit in 
Stetig Weit SEreitfebfe in wiffenfcbaftticber unb titerorifcber Sfrfeett 
unb batb auch in politifeber Crregung fo angefpannt wie fein* juoor. 
Cr forberte non feine« tmgen>&$n(i<$en geiftigen Ära ft ein Übermaß 
an Stiftung, unb wiebcrbott mußte ber ÄJrper ba* büßen: über bie 
Äunft, fteb bergteicben gar nicht anfeebten ju taffen/ unter harter 
ütbeit tebcn*frob/ ja übermütig ju bleiben, »erftanb er febon au* 
bem @runbe. 2Bie ftarf ba* Sab« 1869 mit feinem farbinifcb* 
fron jbfifeben jtrieg gegen i&fferreieb unb ber barauf fotgenben Cin* 
beittentwieftung in Statten auf bie preußifebbeutfeben Unitarier wirft*, 
ba* fommt in Xreitfcbfe* Briefen $u (eibenfebafttiebem 3tu*bruef. 
Seinen Sebreifcr belohnten rafeb für einen fo jungen ©ojenten utt* 
erhärte Crfotge; er aber, mit jener gegen fteb fetbft getoenbeten an* 
ft>ru<b*t>o(ten Strenge, bie febon ber SReftor Ätee fajl tabetnb ihm 
oorgebatten, war nach mehr at* 3abre*frift noch nicht mit fteb ju* 
frieben. ^unäebft bewegte er fteb in feinen Sortefungen auf 9t» 
bieten, bie einem at* ^reußenfreunb ber Regierung oon oornherein 
bebenftieben afabemifeben Sebrer ganj teibtieb anftanben; febon im 
vierten Semefter aber fa* er „©efebiebte be* preußifeben Staat* 4 ' unb 
im fünften — unter einem £ubrang oon J^brem, wie fetbft er ihn 
noch nicht gefeben — Gefehlte ©eutfebtanb* feit bem SEobe ftriebricb* 
be* ©roßen, ©a unterbrach er jum (ebbaften, auch äffentlieb au** 
gebrochenen Schauern feiner Stubenten biefc Zätigfcit, um einen 
längeren Stubienurtaub in Siüneben anjutreten. Cr fuebte vor adern 
SRuße )u emfUiebet Sorbereitung für eine grbßere btftorifebe ürbeit, 
bie erg achten Sabre fpäter auf viel breiterer ©runbtage at* 
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2 


Anfang bn Jcipjigti: X!ojcntcnjtit. 


„Deutfcfe ©eftfi $te im neunjebnten Sabrbunbert" ju erfcbeinen 
anfing. — 

SQJäbrenb biefer £eipjiger 3«* erhielt auch £reitfcbFe$ engfer 
greiinbeöFrett no<b einen für ihn bebeutung$»ollen ^uroacbö; er fblof 
hier feine ^>er}en«freunbfcf»aft mit bem Geologen granj Doerbecf. 
©ie mar batb ein 58anb »ertrauen$»ollfer Zuneigung unb gänjticber 
Eingabe unb bauerte fo jahrelang. Da mürbe ein neuer greunb* 
fbafttbunb, mit griebricb 9lie$f<be, an bem ber gereifte 5£reitf<bFe 
ohne Untreue gegen fcb fetter nity mehr teilnebmen Fonnte, bem 
jüngeren jum 2eben$»erbängntt, unb er entfrembete fcb geifig 
immer mehr bem »ormatt fo ^ingebenb geliebten unb bemunberten 
erfen greunbe. 5£reitf<bFe brach jebn Sabre »or feinem £obe ben 
au6brucf6lo$ gemorbenen SSriefmecbfel ab; entließ bocb mufte auch 
er fcb ttfen von bem, ber lange £eit für ihn ber Benjamin im Greife 
ber 9täcbfen gemefen mar. Die SJänbe feiner Deutfben ©efcbicbte 
ohne SBegleitmort lief er ibm btt julefct noch jugeben. mar, att 
Fbnnte er nicht glauben, obmobl er e$ mufte, baf ber ibm einf fo 
nab ©erbunbene auch biefe beugen feiner geizigen Äraft nicht mehr 
nach ihrem eigenfen SBert ju fcfäfcen vermochte. 

granj DoerbecF mar ber ©obn eine« Kaufmann« beutfcfer #er* 
Funft, ber aber, in Snglanb aufgemacbfen, att Snglänber in Stuf* 
lanb f?<b niebergelaffen hotte 1 . Jjier, in *Peter$burg 9to». 1837 »on 
einer franjbffcben «Kutter geboren, mürbe er junäcbf in 9>nrtt, bem 
8Bobnf $ ber mütterlichen SJermanbten, jur ©cbule gegeben. 211$ bie 
Eltern fpäter nach Drttben uberftebelten, holten fie ben elfjährigen 
jurücF unb ftfjicften ihn auf bie Äreujfchule; er faf in ber Unter* 
tertia, att ftreitfcfFe bie Slnffalt »erlief. 

Sn £eipjig 1857 Famen fe juerfl ftch näher; Sßolfgang fettig, 
ber, mie fpäter amb ßverbecF, in ©öttingen ©rüner gemorben mar 
noch mäbrenb 5£reitfcbFe$ älnmefenbeit bort*, führte fe jufammen*. 
3mei Sabre barauf, att ber junge Dojent jum erfenmal fein Kolleg 
über ©efcbicbte ber potitifcben Ibeorien la$, mar auch £>»erbecF unter 
ben Jjürem — noch 1877 erinnert ihn IreitfcfFe baran — unb 1860 
im Suli, bei SJeginn be$ erhaltenen SBriefmetbfett, fnb fe fcfon ganj 

1 €. Ä. ®emouDi, fron) Dverbetf unb Jritbrid) Kietftye. 3 tnft 1906. ®b. 1, 
©. 1. 3 „ein fu«btb«t grünt* jungt* $ü<b*4>en" nennt foceitföte 9lo». 1866 

int ®ritf an ben 83ater ben noch ni<bt Sftfnjt^njd^rigen. 23gt, o. 93b. 1, ©. 406. 
* ©etneufli 1,3. 


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Anfang txr Sftpjig« Dcjtntrnjtit. 


3 


vertraut. 3m nüchflen 2Binterfemef!er war OverbecF in Berlin, unb 
Dftern 1861 trat itreitfchFe feinen breiniertelj^rigen SRünchener Ur* 
laub an. Dann aber, nach feiner StücFFehr folgte in Xeipjig für 
beibe eine »Seit täglichen Serfebr« unb GebanFenauStaufcheö, bi« ber 
Jj>erbfl 1863 fie trennte, SlreitfchFe al« aufjerorbentlichen ^rofeffor 
nach greiburg, jDverbecF jur Vorbereitung feiner Habilitation nach 
3ena führte. Sine ^fingflreife in ben Har} unb SlreitfchFe« Siebe 
»or ben beutfc&en Bumern „}ur Erinnerung an bie Seipjiger VülFer* 
fchlacht" »oaren bie lefcten fronen Srlebniffe ihrer Gemeinfchaft. 

3n 3ena, ein Saftr nach feiner 2lnFunft al« ^rioatbojent ber 
3$eo(ogie jugelaffen, verbrachte Dverbecf bi« Dflern 1870 bie glücf* 
lichfle $eit feine« ?eben«. Ohne allen äufjern Shrgeij, im an* 
gcnebniften gefelligen VerFehre flehenb, fchien er gar nicht über biefe 
Stellung hmauS}u»erlangen; Faum bafj ihn einmal ein leifer Unmut 
fafjte, weil feine wiffenfchaftliche Arbeit literarifch noch immer auf 
SHejenfionen fich befchränFte. 3Jlit XreitfchFe blieb er eng »erbunben. 
Geborener Kosmopolit unb in fpäteren 3ahren auch Qetflig al« folcher 
immer bewufj ter fleh gebenb, baju ein „im Grunbe recht unpolitifche« 
fflefen", wie er fich fetter erFannte, bringt er in feinen Söriefen bi« 
1870 nicht« al« ba« Scho »on^reitfehFe« nationaler ^olitiF. Deutfcher 
Sinheit«flaat, SluSflofjung Dflerreich«, Einverleibung ©achfen« in 
^reufen 1866 — in allem ifi er getreulich berfelben Überzeugung 
wie DreitfchFe. „^richtige geflabenbe" feiert er bei ber üeFtüre ber 
Hiflorifchen unb ^olitifchen Sluffd^e im Dezember 1864, freut ftch 
»or allem, wenn hier für ihn fo manche« wiberFlingt, „was ich au« 
Deinem SJtunbe gehört unb mich an Dage unb ©tunben wieber er* 
innert, an bie ich nie aufh&ren werbe mit innigfler greube jurücFs 
ZubenFen*. Unb wieber ein 3ahr fpäter flimmt er bem Urteil über 
9)apoleon im erflen ber grofjen^ äluffäfce über granFreich« Staats* 
wefen unb ben VonapartiSmu« rückhaltlos ju. XreitfchFe tue 
Vapoleon „nicht im geringflen Unrecht. SDlan Fann ihn boch nicht 
anber« als mit teilnahmSlofem ©taunen betrachten". 

3m H«&fl 1869 würbe DoerbecF, beffen forgfältige, flchere, »on ben 
gachgenoffen fchon gefehlte GelehrfamFeit balb hernach auch m einer 
grüfjeren Arbeit hervortrat, al« aufjerorbentlicher ^rofeffor für Fritifche 
Rheologie nach SSafel berufen, gall« fein theologifcher SRabiFaliSmu« 
ber am weiteflen linf« flehenben unter ben in Vafel einanber be* 
fämpfenben Firchlichen Parteien Hoffnung auf fein tätige« Eintreten 

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Vnfang btt 2tip)tgtr Boiartayttt 


für fie gegeben hotte, würbe fie halb enttiußbt. £>»erbecf fünfte ß<b, 
wie er im ©e$embcr 1871 bem greunbe ßbreibt, „in ber üblen unb 
glütflicben Sage", $u feiner ber brei Parteien ju geboren. Sr fanb 
ßcg felbß in bie tage, SDlitglieb einer tbeologißben gafultdt gu fein — 
im #erbß 1871 würbe er jum Dtbinariud ernannt — ohne bie ge« 
ringfte reKgibfe Steigung unb Begabung unb mit flar! bewußter 9lb* 
neigung gegen bie Serologie. Sr ^atte hier bo<b, wie er gelaffen 
crftört, eine ©tdtte, an ber er „beffer ald fonßwo Äi«bengef<bi<bte 
lernen unb bamit einer gebendaufgabe obliegen fonnte". 9Bie wenn 
jlemanb ohne alle Aßbetißge Anlage unb ber au<b tbeoretifcge Stff^etif unb 
Äunßwiffenßbaft oeratgtet, ft<g bocg jum ©eßgicgtftgreibet einer 3agr« 
bunberte begerrftgenben Äunßentwicflung geeignet glaubte. Unter ben 
rationalißißgen StufftArem vor ber franjfißfcgen Revolution, in ber 
mütterlichen Heimat bitte överbecf feinen paffenben ^>lag gefunben. 
©a er nun aber jugleicg im ©runbe feinet SBefend feinfühlig unb 
gewiffenbaft war, fo empfanb er ben SBiberfprutg biefer Anlage unb 
ber ibr entfpretgenben Überjeugung mit feinem tgeologif<gen gegrämt 
Sr frngte ibm abjugelfen, in bem er feinen ^ugürern „ald ibr Eegrer 
im Sgrißentum" nügt jeigte, wad er bavon annabm, fonbem vor« 
trug, wo* er „unter ©oraudfegung igred ©laubend baran jur ©cgo* 
nung bedfelben für jroedEmißig hielt" Unb in einer 1873 geraud« 
gegebenen fteinen ©cgrift „Über bie Sgrißtiebfeit unferer heutigen 
©geologie" empfahl er ben geißliegen ©egürben überall auch »an ben 
Pfarrern ihren ©emeinben gegenüber ni<bt mehr gu verlangen. Stur 
fo war ihm überhaupt bad gortbeßegen einer fritifcben £geologie in 
ben proteßantifegen Äiregen benfbar. 

Xreitfcgfed Teilnahme batte ben auf feiner ©efcgrtenßraße befrag« 
lieb unb gewiffenbaft vorwirtd gebenben greunb mit »ollem ©erßinbnid 
feiner perfinlügen Slrt begleitet, unb banfbar hotte ber bie erfrffegenbe 
Äraft foleger Stöfre gefühlt „©u... fraß old ber Altere, erfahrenere 
unb fo viel frergbafter angelegte mir guerß einige ^uverßegt ju mir 
felbß gegeben, unb ©ir werbe ich »on allem wad ich bin, benfe unb 
tue immer ein ©tücf verbanfen." ©o fegriefr ßverfreef noch im 
Slovember 1873, bamatd heftig erregt bureg Streitfegfed legten ©rief, 
ber enblicg aueg bad erfebnte Urteil über jened fegon im ©ommer 
erßhienene wiffenfcgaftlicge SWanifeß enthielt Sd wäre wohl begreif« 
lieft, wenn S£reitfcgfe> in feiner £eit gerabe bamald ßarf bebrAngt, niegt 
allein aud biefem ©runbe mit ber Antwort gegbgert bitte, ©ie ßel 


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Kn fang b« Sapjigfr ®ojfntfnjrit. 


6 


hoch, obwohl er nur teilweid )ufHmmcn tonnt«, fo mitte aud tute 
von ihm überhaupt benfbar. Sinfl, am Sage feiner erffen Uniöerfttdtd» 
vorlefung in teipjig ^atte er bem Sater auf beffen 3D?a$nung ju 
Sorfidjt unb Sftücfficbt in ber neuen Steifung ruhig unb feft erwibert: 
„3ch lx»be ald afabemifcfter £«brer nicht btof bad Stellt fonbern auch 
bie audbrücflicb« Pflicht niehtd anbered ju lebten ald meine volle 
»iffenfcbaftlicb« Überjeugung". Unb noch in feiner gutberrebe in 
Sarmflabt 1883 nannte er «d „bie Stofe bed ^rotcflantidmud", baf 
er gebietcrifch forbere: „»ad bu ertonnt buff, bad bctonne unb bat» 
na<b bonble!^ So galt ibm ald bücbfleö nicht nur fittlicbed, fonbern 
auch fünftlerifched £ob eined Scbriftflellerd, baf man bei feinen 
Sorten fogleicb cmpftnbe: bad ifl er, fo tonnte er allein fprecben. 
Son einem feiner ndchflen greunbe bagegen follte er feft bie 5Se* 
bauptung binnebmen, ed fei im Srunbe „bie brüefenbft« Stlaverei, 
bie auf bem proteftantifcfen Seiflticben loftet", baf er au<b in ber 
Sudübung feined Slmtd „immer er felbfl" fein muf. Sad lief fleh 
mittered in Xreitfcbled SDlunbe gegen ben von ßverbetf in feinem 
Serufe ängef«biogenen unb weiter empfohlenen 9fud»eg aud folcber 
vermeintlichen Stlaverei erwibem ald: „Sein Heilmittel tonnte ich 
pcrfbnlich nicht ertragen." 3a, alle Jtritif »ibetruft Zrcitfchto 
)ule$t noch »nit ben Sorten: „Su buff bie Schrift fchreiben muffen, 
bad fühlt i<b <*ud feber Seite beraud, unb bamit ifl für Seine 
greunbe 9llled gefügt". 916er ßverbecf beruhigte ff<h nicht bei biefem 
nachftchtigen Urteil. „9lach SerfWnbigung 9Jerlangen, beftiged 98er» 
langen tragenb", fehictte er «ine vierjebn Seiten lange 9(ntwort jurucf. 
9li«ht ftch allein, jugleicb auch fernen neuen greunb batte er gegen ben 
alten feft ju oerteibigen. 

Ser dufere Zufall, baf ßverbecf in Söofel in badfette $aud J*fl/ 
wo 9lief fctye fchon wohnte, bette gundchfl bie beiben jufammengefübrt. 
Sie fanben aneinanber (Befallen, unb feit bem Spdtberbfl 1870 pfleg» 
ten fte mehrere 3abre bütturch gemeinfcbaftlieh in ßverbectd Sobnung 
ihre 9ttenbmabl)eit ju nehmen. 3m Schiebt 1873 fchreibt Sieffcbe 
an feinen greunb Jftobb«, ber bann ebenfatld mit ßverbecf gteunb» 
fchaft fchtof: „ßverbecf ifl ber ernftefle, freimütigfte unb perfünticf 
liebendwürbig»einfachfle Senfeb unb gorfcber, ben man fleh i um 
greunbe wünfehen tonn, babei von jenem SRabitolidmud, ohne ben 
ich nun f<b»n gar nicht mehr mit femanbem umgeben tonn." Siel 
rafcher noch würbe ßverbecf burch 9lieffch«d Seifl, verbunben mit 


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6 


Stnfang ber Sripjigtt Dojfntfnjfit. 


natürlicher Jjerjenögüte unb faP gefucptem Zartgefühl im perfönltcpen 
Umgang/ gefeffelt. 3m gebruar 1871 nennt er ihn, an £reitfcp!e 
fchreibenb, einen ungewöhnlichen unb fehr liebenßwürbigen ©lenfcpen, 
unb im 3uni barauf lautet e« fchon: „Ser tägliche Umgang mit ihm 
feit »origem 2Binter iß baö erße, roa« mich, feit mir beibe getrennt 
ßnb, an bie in Seipjig gemeinfchaftlich »erlebten 5£age erinnert hat." 
i ©tatt eine« eigenen »on Xreitfcfße gemünzten Beitrag« bietet ß»er* 
i becf jugleich in biefem ©riefe mit ©ießfcpe« Z u ß>mmung ba« ©lanu* 
• jTript ber „@eburt ber Iragobie" für bie ©reußifcpen Saprbücper an. 
©on bem barau« fchon gebrucften Slbfcpnitt (in 30 Slbjügen, für 
greunbe beßimmt) „©ofrate« unb bie Dragobie" hat ©iepfcpe jmei 
Sjremplare/mtt äBibmungen für Dreitfcpfe unb Zeller, £>»erbecf« ©riefe 
beigelegt, Dreitfcpfe antwortet wa« ©ie§fche angeht fehr freunblich 
unb peißt, mit einer ©orauöfefcung, baß angefünbigte größere ©Janu« 
ffript für bie Saprbücper „perjlicp willfommen". Die Slbpanblung 
{am inbeffen nicht hier perau«, fonbern nach einem halben 3abre 
al« Sinjetbrucf. Xreitfcpfeö »on ©oerbetf lebhaft gemünfehte Slner« 
fennung, im ndcpßen erhaltenen ©riefe — eö fcheint einer »erloren — 
iß jept fchon flärfer bebingt, boch freut er fich perjlicp, bei bem be»or* 
ßepenben Zufammentreffen mit Doerberf in ©afel auch ©ießfepe fe« 5 
nen ju lernen. Sin 3ahr fpäter, 2luguß 1873, jufantmen mit £>»er= 
berfß „Sprißlicpfeit" unb in bemfelben ©erläge erfchien ©ießfepe« 
©chrift gegen £>. g. ©trauß, bie erfie „Unjeitgemäße ©etrachtung". 
2lucp biefe« Jpeft ließ ber ©erfaffer burch ©»erbeef £reitfcpfe jugehen 
unb jugleich fein ©ebauern außfpreepen, baß ein heftige« 2lugenübel 
ihn pmbere, einen ©egleitbrief mitjufepiden. ©och immer bemühte 
fleh SCreitfchfe, gemiß jundepß um Doerbecf« millen, roenigßen« bie 
Denbenj ber ©chrift nicht ju »erfennen, in ihr „einen burepau« eblen, 
grunbbeutfehen ©eiß" ju ßnben. Zugleich aber hob er trejfenb her* 
»or, baß burch bie gorm ber IMuöfüprungen boep felbß „bie Denfenben 
»erßimmt roerben" müßten. Sr fagte nur maß fiep alßbalb beßitigte. 
©Wnner, bie auch ©ießfepe hoch Pellte, 3afob ©urefparbt, ©ottfrieb 
Äeller gaben in mehr ober minber braßifepen 2lu«brürfen ihren SfBibers 
mißen gegen fotepen Angriff auf einen ©lann mie ©trauß ju er: 
fennen; neben ©trauß mar beiläufig auep griebriep ©ifeper an ben 
©ranger ber ©ilbungßppilißer gePeltt. ©ußa» ©ümeltn aber, ber mit 
feinem Sanbömann boep ebenfall« feparf in«©ericpt ging, meinte imJpin* 
blief auf bie gefcpmacflofe ©lanier, in ber ©ießfepe felber in feinem 


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Anfang brr 2eip$iger XJojmtmjeit. 


7 


Pamphlet Beifpiele fKlifftfchet @efchmacf(ofigfeit bei ©traufj aufreihte, 
begleichen möge man bocf> benjenigen ©chulmeiflern überlaffen, bie 
an ber Äomftur ihrer ©chülerhefte noch nicht genug hoben 1 . 9lur 
$at( ^ittebranb flellte fich freunblicher, wenn auch natürlich nicht uns 
bebingt jufHmmenb ju bem Berfaffer. 

Soerbecf tonnte ba« töngfl nicht genügen. 3n peinlicher & s 
Wartung ber föumigen Antwort Xreitfchfeö fchrieb er: „Blan muf 
ja ein fühllofe« Bieh fein/ um au« einem 93uch wie ben ,Unjeits 
gemifjen Betrachtungen* nicht bie tiefffe, ernjiejie, urfprünglichfle 
Teilnahme an beutfchem 2Befen unb beutfcher ®röfje, unb »ielmehr 
Jpohn über biefe Dinge herauöjuhören." ©ein überhaupt mehr 3been 
al« SWenfchen burchbringenber tritifcher ©charffinn tiufchte ftch grünb* 
(ich. Boch nicht ein 3ahr banach »erriet 9tiegfche feinem greunbe 
Stohbe, worauf e« ihm wefentlich bei biefen „Unjeitgemifen Be= 
Pachtungen" anfam: „ben Heuten grob &u fagen, wie Unfereiner 
fich eigentlich unter ihnen bcftnbet". Unb 1880 urteilte er: „gaft 
überall/ wo in ihnen bie (Rebe auf 2(nber«bentenbe fommt, macht 
ftch jene blutige 2(rt ju Idflern unb jene Begeiferung in ber Bo«heit 
bemerflich/ welche bie Slbjeichen bei ganati«mu« finb." 

Sluch noch bie beiben ndchfen Unjeitgemäfjen Betrachtungen: 
„Bom Bugen unb Nachteil ber Jjiforie" unb „Schopenhauer ale 
€rjiehet" gingen »on Biegfche ju Ireitfchfe burch Soetbecf. Diefer 
hatte auf Biegfche« gtage, ob et fte fchicfen follte, nicht nein fagen 
fönnen; er wollte bie Jpoffnung, XreitfchFe« Ablehnung $u milbern, 
nicht aufgeben. ©ewifj noch nie, fchrieb er bewunbemb, fei ©chopen* 
hauer fo bargeflellt worben wie in Biegfche« legter Betrachtung. 
3lber auch biefe Bewunberung follte noch ben Berfaffer fein Äinb 
»etleugnen fehen. XreitfchFe hatte bie »Jnfunft »orau«geabnt, al« er 
auf Soerbedf« lebhafte« Eintreten für feinen unb Biegfche« ^efftmi«* 
muö an bie bauembe Jjerrfchaft folcher £eben«auffaffung bei Biegfche 
nicht glauben wollte. SBührenb biefer, ben hürtegen förderlichen £eiben 
unb Hemmungen jum 3>og, in einen Dptimi«ntu« ber Berjroeiflung 
wie ©»erbeef fagte hineinftürgtC/ machte ©»erhebt, für fich immer 
mehr refigniert, fag eine feiner 2eben«aufgaben au« bem nie auf* 

1 Sieben unb Suff&ge. freiburg (1875). @. 402; in äuSfüfjrungcn «brr ©traufj, 
mit benen £reitfchfe* (SfjarartrrifHf im tsitrtfn SBanbe ber Deutfdjcn ®ef<hid>te 
€>. 487 {f. eine auffaOenb weitgehenbe, ficher nicht jufdOige ÜbereinfHtnmung geige. 
Siftmelin ftanb hoch in Xreitfchfe« Urteil. 


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8 


Anfang btt Jfwjifl« Dcjmttnjeit. 


hürenben ©emühen, fich in Der gewaltfam unbefidnbigen Gkifieg» 
wirtfchaft beg bdmonifchen gteunbeg jurethtjufinben. 

Son Dreitfchfe, btt fich hieran burchaug nicht beteiligen lief, ent» 
femte et fich auf biefem 3Bege in feinen Sebenganfchauungen, in feinet 
ganjen @eifieäri$tung immer »eitet. Shte ©emütgfreunbfchaft er» 
hielt fich big Snbe bet ftebgiger Sabre ungetrübt; auf eine ^ufftmmung 
aber wie früher ju feiner publijifHfchen unb »iffenfchaftlichen 2dtig« 
feit hotte Streitfchfe bei Dmbecf fegt nicht 'mehr ju rechnen/ »dhrenb 
et felbet jebe neue gelehrte Arbeit beg gteunbeg mit fteubiger @e» 
nugtuung aufnahm. Alg einen fühlen SRonarchifien unb gegen ben 
Ärieg unüberwinblich antipathifch gefümmt hotte fich bet Süngere 
fchon im grühfahr 1870 befonnt/ alö in bet neuen golge bet ^ifh>« 
tifchen unb ^Oofittfchen Auffä§e bie große Abhanblung „bat fonfhtu» 
tionetle Königtum in Deutfchlanb* fcreitfchfeg entgegengefe|te Sin« 
fchauungen $u flarfem Augbrucf brachte. 2Rit hitflofer SRefignation fleht 
er, am 20. Suli, aug granfreich bag ©ewitter beg Äriegeg heraufjiehen, 
bag Xreitfchfe in einem jehn Stage fpdter gcfchriebenen ©riefe von #erjen 
begrüßt; unb im gtühling 1871 Deutfchlanb burchreifenb, iff et gang 
verwunbert über bag 2Bohlbefinben, bag er allerorten antrifft in einem 
Sanbe, bag eben crft einen ber grüßten Kriege burchgefdmpft hot. Sn 
fotcher ©efinnung befefügt et fich mehr unb mehr; halb finb ihm 
bie Kriege nur noch „©eißeln für bie Sföenfchheit". Unb fo ent« 
frembet et fich neben ÜRießfche politifch bem alten greunbe burchaug; 
Xteitfchfe muß ihn in ben Urteilen übet Deutfchlanb ganj in bag 
bloß negietenb fritifche SBefen jurücffinfen fehen, bag ihnt ehebem an 
anbeten ©efannten fo juwiber gewcfen war. 9Hchtg mehr tonnte et a(g 
9>ubli}ifi feinem früher treuefien ©emunbrer ju Danfe fchteiben. Der 
inhaltreichen unb »eitfichtigen Abhanblung 1876: „Die Dürfet unb 
bie ©roßmdchte" entnimmt Soerbecf nur, ganj anberg alg früher 
bem „©onapartigmug", baß bie ©efchichte für Dreitfchfe in feinen 
Urteilen übet Snglanb unb granfreich ju augfchließlich eine 9tüfi» 
fammet beg $affeg fei. ©ent unb allju felbftgefdllig feinet ©elaffen» 
heit, feinet Dulbung abweichenbet Meinungen ftch rühmenb, fotbert 
et in grellem SBiberfpruch h*«rju fotche gelaffene «Stimmung non 
Streitfchfe in Urteilen auch über firchlicht Angelegenheiten. Unb babei 
hotte biefet, in ben $reußifchen Sohrbüchern 1877 eine taftlofe 
in ©erlin gehaltene ©ajtyrebigt rügenb, vom eoangelifchen Pfarrer 
auf bet Äanjel nur ganj bagfelbe »erlangt wie einft ©oerbecf in feinet 


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Anfang btt äripiiga Dojm»fnjwt. 


9 


„Shrifllichfeit*. BefonberS unserftänblich für ßoerbecf wirb bann 
bie Stellung bei alten greunbeS in ben antifemitifch erregten 3ahren 
1879 unb 80. Sine Bewegung, bie auch ber non SWiegfcpe fo h«><h s 
gefeilte, beutfchnattonaler SBefc^ränft^ett fef>r unserbächtige Äarl 
4>illebtanb, ber nabe greunb 2ubwig BambergerS, etnffer Beachtung 
wert hielt unb bei ihren befonnenen Teilnehmern ganj wie Treitfch(e 
erdärte: nicht als gegen bai beutfche 3ubentum überhaupt gerichtet, 
fonbem nur gegen bie (Befahr, baf auf biefem „burch ein unser: 
pältniSmäßtgeS Übergewicht beS SemitiSmuS bem echten Deutfchtum 
Eintrag* gefchähe 1 — biefe feitbem nicht mehr jur Stube gekommene 
„Subenfrage" fonnte ßserbecf mit 9liegfche nur als eine (aum fahr 
überlegenSwerte, auf baS jur 3<i* innerlich fo serworrene Deutfchlanb 
befchrinfte „geitmobt" anfehen. Unb er gab beutlich ju oerflehen, 
baß er ftch in biefer Auffaffung unb in feiner Enthaltung son jeber 
öffentlichen Parteinahme im Segenfag ju Treitfchfe als ein „frei unb 
menfchlich benfenber Sann" fühlte 1 . 3n ber immerwährenben Sorge 
befangen, er (önnte herrfchenben Vorurteilen nachgeben, befcpränft fein 
wie menfchlicherweife anbere, felbfl (luge 2eute auch/ mürbe gerabe 
biefe fülle gurcht ihm jur Befchränfung. SS ifl ein £ug, ben er, in 
siel fchwücberer Ausprägung natürlich, mit Viegfche gemein ^otte. — 
Treitfchfe erhielt biefen Brief furj sor Seihnachten 1880, ju einer 
$eit, ba eben bie son ßserbecf sermeintlich fo überlegen.-abgetane 
3ubenfrage ihm bie bitterflen Erregungen gebracht hatte, einige Soeben 
sor bem Tobe feines jungen, einjigen Sohnes. Dreimertel 3abr fpäter 
erfl — auf eine nicht erhaltene Anfrage ßserbecfS, wie eS fcpeint — 
antwortete er. Aus tief gefränftem #erjen heraus auch j«f}t noch; 
IDserbccfS Briefe an ihn feien feit langem nur ein beflänbigeS Schelten, 
unb bie Deutfche (Befeuchte habe er mit ein paar wegwerfenben Sorten 
abgefertigt. Das jwar batte ber greunb nicht getan; mit wenigen 
Sorten in einer AuSfprache ftch i u begnügen, war nicht DserbeefS Art. 
3n ntühfam gewunbenen unb serfcgränften Sägen sielmehr, auch &*m 
gebulbigen Xefer jur Pein befonberS in ber für bie Beurteilung 9liegfcheS 
in füllen Vieberfchriften aufgewenbeten pfpchologifcpen Dialefti!, fucht 
er bem ehrlichflen BebürfniS burcpbringenber Einficht ju genügen. Aber 
hinauSgreifenb über bas ihm gehörige gelb grünblicher Äenntniffe, war 
biefer frltifdße Äopf immer mehr jum Krittler geworben. Auch barin 


1 „Bnttn, SB MI« nnb VRmfötn* ©b. 6, 6. 881 f. 9 ©«nonBt 1,361. 364 ff. 


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10 


Anfang btt ieipjigft Dojfntfnjfit. 


war er ein nachgeborener franjoftfcher SRationalift beö acfttjehnten 
Sohrhunbertö, baß »or fremben (Beiffeäwerfen ihm baä noter les 
fautes bie ndchffe Aufgabe festen, wdhrenb im rechten @egenfa§ hierju 
Xrcitfcfjfe alö Jpifforifer immer mehr befhrebt war, überall jundchft 
baö 2Bert»olle unb ©auernbe ju finben unb herauöjuheben. 3« biefem 
©eroußtfein hatte er im SJJdrj 1879, nach jahrelanger mühfeligffer 
3lrbeit, ben erffen ©anb feiner ©eutfepen ©efepiebte bem greunbe ge* 
fepieft, hatte noch roie »orapnenb hcrjKdh gemahnt: „eö ift nicht 
recht »on ©ir, baß ©u in ©einen ©riefen immer baä heworpebll 
road unä trennt unb fo gar nicht »a6 unä gemein iff". ©rofcbem 
mußte D»erbecf — ein anbreö Verhalten fonnte er offenbar fich 
nicht mehr abgewinnen — fetbff einem folgen 2Berfe gegenüber »or 
allem bemerfea, baß er mit einer „gülle »on Urteilen" nicht einoer* 
ffanben fei, ja gerabeju erfldren, baß ihm biefe 2lrt ber ©efchicht* 
fchreibung wie eine ungeheure Ungerechtigkeit erfcheine. Dffenbar hatte 
er ganj »ergeffen, maß mit feiner »ollen ^uftimmung ©iefcfcpe »or 
wenig fahren erff »om 9lu|en ber „monumentalifepen" jjifforte ge* 
fchrieben, »ergeffen auch/ rote ganj anberO £reitfcpfe bie Keine Schrift 
über bie „Shrifflicpfeit ber Rheologie" alö greunb empfangen unb 
fritifiert hatte, ©ie Äorrefponbenj enthalt Feine Antwort Xreitfcpfeö 
auf biefen ©rief. 2lber nach 3af>r unb £ag noch fcpnterjte er ihn. 
Sä war ber erfte unheilbare Schnitt in biefe ©erbinbung; ju offenbar 
hatte hier ber greunb nicht mehr 9>robe gehalten, ©aö altgewohnte 
©ebürfntö perfönlicpen ^ufammenfeinö »erlor £reitfcpfe tro|bem noch 
immer nicht. 3m Sommer 1879 fuchte er »on 3«g auö Doerbecf 
in 3&ricp auf, unb noch 1882, ein 3oht nach jener bitteren Antwort 
auf ben unglädflichen äBeibnacptöbrief, wollte er ihn auf ber ©urch* 
reife in ©afel fehen. ©ann folgte nur noch ein ©rief £reitfcpfeö, 
3anuar 1886 in bunfelffer Stimmung gefchrieben, ben eben erfchienenen 
britten ©anb ber ©eutfehen ©efcpichte noch ber Äenntniä, nicht mehr 
ber Teilnahme Doerbecfö überlaffenb. 

©aö war ber trübe 2lbfcpluß biefer Äorrefponbenj. 2Bie heiter 
hatte fie einft begonnen. So bruberlicp (iebeooll wie biefem greunbe 
hatte ©reitfepfe faff feinem ©ereli fich nicht gegeben; „lieber kleiner", 
„lieber 3unge", rebet er Doerbecf noch in ben ©riefen nach ®afel 
an. ©efonberö in ben erffen 3ahren nach ihrer Trennung, auö 
greiburg läßt er bie Sepnfucpt nach bem ©erfehr mit ihm laut 
werben: „hier habe ich feinen Sföenfcpen, bem ich roie ©ir alle« 


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Anfang b« Setpjigcr Dojttttenjfit. 


11 


fugen Bonnte". 2Baö Xrettfc^fe in feinen Seipjiget Sagten inner* 
lieb bewegte unb erregte/ f)at fo wie DoerbecB Bein anbrer greunb er* 
fahren. 2Bie er ihn erBannt ju hoben glaubte, „liebeooll unb be* 
fcbeiben" — felbfl 1881 noch glaubt er ihn fo ju Bennen — fo wollte 
XteitfdjBe i^n ficb unb anbem bewahren. 2Ba# er »on 9tie§fcbe für 
OoerbecB fürchtete, fpricf)t er fcbon 1874 au#. $ebn Sabre juoor 
batte er ihm in heitrem Vertrauen jugerufen: „Erholte Dir froben 
3But unb mit Dein treue# #erj"; je§t mabnt er beforgt: „Sieber 
greunb, lafj Dir Deinen Blaren ©erjlanb nicht burcb SDtyffiB, Deine 
©efcbeibenbeit nicht burcb gewaltfamen Hochmut oerberben." Doch 
gerabe in ben junäcbfi folgenbcn Sabren bann noch geben bie 18er* 
ftcberungen ^erjtidber greunbfcbaft unb Slnbänglicbfeit bin unb btt. 
9locb in bem ©riefe, ber ibm ben erften ©anb ber Deutfcben ©e* 
fcbicbte anBunbigt, nennt XreitfcbBe DoerbecB neben 9loBB unb 
grangiu#, ben bocb viel älteren, al# einigen ibm gebliebenen 
Sugenbfreunb. Da Bam bie fcblimme Antwort eben auf biefen 
©rief. SoerbecB wufte „au# J£>erjen#fenntni#", wie er treffenb fetber 
fagt, bafj ütreitfcbBe fein Such fo fcbreiben muffte wie e# getrieben 
war. 6r freute ficb biefe# ©ewufjtfein# unb Bonnte bocb jugleicb fo 
hochmütig wiberfprecbenb, fo ohne alte §reunbe#$artbeit aburteilen. 
5£reitfcbBe# gurcbt oor 9tie$fcbe# Sinfluf} war nur ju begrünbet ge* 
wefen. @ben in biefer ©emeinfcbaft hotte ficb OoerbecB# Britifcbe 2ln* 
läge ju einer SHeijbarBeit unb Überbebung gejleigert, bie nur gegen 
9lie§fcbe felber jwar nicht BritiBlo# war, aber bocb unbegrenjt oon jener 
greunbeönacb(icbt, bie ÜreitfcbBe nicht mehr fanb. 2Ba# noch an ©e* 
wunberung#* unb ®lauben#bebürfni# in biefem Steligionölofen lag, 
ber ba# «Streben, ficb einem „Jobbern, Steinern, UnbeBannten" bin* 
jugeben, fo gar nicht fühlte, ba# hotte alle# %'e§fcbe aufgefogen. 

DoerbecB ftarb in ©afel am 26. Suni 1905. 


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216] Vn btit {Botet* 


24/1 60. 


3Rri»i lieber 93ater, 

. . . #eute »erfleht ft ($4 von felbfl, baff ich einige feilen fchreibe> 
benn ich habe foeben meine erfie {Bortefung übet beutfehe Skrfaffungl* 
gefehlte feit bem weftpbdlifchen grieben gehalten. 3# bin bielmal 
weit jufriebener mit mit all nach meiner ^Jrobevotlefung, unb wenn 
ich ffeifig bin unb befonberl wenn ich «tfl Anfängen werbe mich auf 
bem Äatheber heimifch ju fühlen, f» wirb el leiblich gehen. 3ch hatte 
über 20 £uhürer, alfo weit mehr all ein junger ©ocent für ben 3ln* 
fang erwarten fann . . . 

{Roch einige SBorte auf ©eine SBemerfungen Aber mein 3kr* 
halten ber {Regierung gegenüber 1 . 3ch banfe ©ir aufrichtig bofür; 
fie haben mir im 2Befentlichen nur bal betätigt wal ich erwartete, 
©ennoch mufft ©u mir bie {Behauptung verjeihen, mein lieber 
®ater, bafi bie ©tellung afabemifcher Sehrer eine anbere ifl all ©u 
meinff. 3ch habe all afabemifcher Sehrer nicht blol bal Siecht fon* 
bem auch bie aulbrücfliche Pflicht {Richtl Slnberel ju lehren all 
meine volle wiffenfchaftliche Ueberjeugung ohne jebe {Rebenrücfficht. 
©urch biefen Omnbfah, baf SRdnncr von ben verfchiebenften politi* 
fepen unb religibfen Slnfchauungen ihre Meinung frei unb ungehinbert 
aulfprecpen bürfen — baburch allein finb unfre proteffantifchen Uni« 
verfititen grofj unb ein @tolj ber {Ration geworben. ©ebunben bin 
ich allein burch bal @efe§, unb ich halte el für überflüfftg ju vet* 
fichern, baf ich biefel nie übertreten werbe. 9fuf etwaige {Meinungen 
ber Stegierung barf ich feine Slücffüht nehmen; noch mehr/ ich fann 
el gar nicht/ aul bem einfachen @runbe weil ich fie nicht tenne. 
SBal benft benn bie Slegierung über bal heilige rümifche Sleich beutfeher 
{Ration/ beffen (gefehlte ich legt meinen £uh&rem vortrage? 3ch 

1 3» «non ©ritf oom 20.3<»nuat; f. ©chiroumn ©. 186ff. 


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3omtar 1860. 


IS 


weifj (0 wahrlich nicht, ich weif} auch gor nicht, woher ich tiefe ihre 
Meinung erfahren fottte. <Si tft alfo feiner Zufall, wenn ich im 
Scrtaufe bet Sorlefungen Meinungen äuffem fottte, bie bet Regierung 
nid)t gefielen; unb fottte man mi<$ befbalb von ber Unioerfttdt ent« 
fernen, fo finnte ich nur fagen: bet <5onflict ift wiber mein Riffen 
unb ffiitten entftanben. Snbefj glaub' ich bie« nicht; ich habe mir 
bie ©acb« überlegt unb finbe je$t, baf ©einlig« Sermutbungen über 
bie Siebenten bei ©inifier« teine«weg8 fidler unb bie büftem Slot» 
berfagungen, welche mir neulich ein ^|>oc^on&rifc^er ^rofeffor machte, 
ganj befKmmt $u fchworjfichtig ftnb. Sch glaube, ein ©ann oon 
meinet politifchen {Richtung tann hier nicht auf Segünftigung rechnen, 
aber e« wirb feiner atabemifchen <th&tigteit auch Sticht« in ben ©eg 
gelegt — unb mehr »erlange ich nicht. ♦ . 

3um Ueberfluf} will ich Dir noch bie Serficherung geben, baf) ich 
auf bcm Aatbebcr fehr oorftchtig fein werbe, nicht au« SRücfftcht auf 
bie {Regierung fonbem au« {R&cfficht auf meine wiffenfchaftlichen 
Pflichten. Sch betenne mich |u ber ©cinung, bie freilich heute webet 
oben noch unten fehr gern gefehn wirb, baf) bie ©iffenfehaft niemal« 
9arteifache fein barf; unb ich weif au« meiner eignen Qtubentcnjeit, 
wie oft bie £uhbrer sfruferungen ihrer Sebret mifjoerftehen unb auf 
bie @pi$e treiben. Sch bin mir ber ganjen Schwere biefet Ser* 
antwortlichteit bewußt, fte ift für mich ul« ben füngfien hüftgen 
Docenten, ganj befonber« emft Du ftebft lieber Sater, ich weiche 
in ben ©otioen meine« Verhalten« wefentlich »on Dir ab, aber in 
ben SRefultaten ftimmen wir vielfach überein. Unb ich b»ife. Du 
fottft hierin feine Urfache buben mit mir unjufrieben ju fein . . . 
Die Sefuche bei ben ^rofefforen waren eine feciale Tortur ohne 
Qieichen . . . Den lieben«würbigften ©nbruef unter ben mir noch 
Unbetannten machte mir Srocfhau« 1 , ein hbchft gefcheiter unb unter* 
haltenber ©ann . . . Xaufenb Qrüfje an Sitte unb meinen heften 
Danf an ©ama. 

Heinrich. 


l Hermann Btodhau*, ber 3nbe(ege, ©o&n »on griebricb Ämolb SB. (1806—1877). 
ln ber llnivetfit&t $cip)ig 1848 )um o. $tofeffor brr „oftaflatiförn Sprach«* 
ernannt, wirfte er bort bi* ja feinem Xobe. €r »ar mit ber j&ugfien Öchwefter 
Olicharb Sffiagnrrt, Ottilie, »erheiratet 


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14 


3anuar 1859. 


216] 9ln 3uttu6 Älee. 

£eipjig, San. 25. 59. 

9ßm$rt«tr Jfren SXectotr, 

bür finb »erfprochnermaaßen bicReiben ©Triften. ©ie focialc 93ranbs 
fchrift bat ,#ert Jjtrjel mit gewohnter Liberalität au«geflattet, wäbrenb 
bet Äleifl burch ben Umwtb »on ©rucffeblern Sb* Somctorgefübl 
empören wirb. 3<b bin berjlich froh, baß ich biefen foctalen Sammet 
»om Jpalfe habe, unb e« wiberjlrebt mir, bet Schrift noch etwa« 
binjujuffigen. ©och »iß ich bemerlen, bie Streitfrage ijl ?eine«meg«, 
wie e« Sbncn bei ben erflen 2lbfchnitten »ülleicht feinen wirb, eine 
bloße gormfrage. ©er Äem bet Sache liegt barin, baß man burch 
bie Trennung beö Staat« »on ber ©efeßfcbaft unroißfürlich in jene 
formalifhfcbe Sluffaffung be« Staate« al« einer bloßen SRechtöanflalt 
jurucffäßt, welche SRobt felbjl früher fo glücflicb bettmpft bat. 53ieU 
leicbt freut e« Sie auch ju feben, wie icb felbjl in unfrer mobemen 
©ijfenfchaft gern auf bie erfle Üueße gefunben SBiffenö, auf bie 
3llten, juriicfgebe. Scb »erbanfe biefe Sinficbt jum guten Zfytile 
3br«r Schule, unb ich muß fagen, ich habe »on Slrijlotele« mehr ge* 
lernt al« felbjl oon 5Wa<hia»eßi unb 23aco. Uebrigen« bat mir ba« Such 
bereit« einen ©rief »on meinem großen ©egner SDiobl eingebracbt, 
unb ich batte felbjl »on feiner befannten Jjumanität fo »iel greunbs 
licbleit nicht erwartet. Sr propbejeit mir eine „glänjenbe ^uFunft", 
unb ich Fann baju — ohne mich ber wiberwärtigjlen 2lrroganj, ber 
falfcben SBefcheibenbeit, fc^utbig ju machen — nur ben Äopf fcb&tteln; 
benn ich weiß nur ju wohl, mein ©iffen ijl bei ©eitern nicht fo 
gebiegen wie e« nach biefer Schrift fcheinen mag 1 , ©agegen foßt’ 

1 Die ©riefe Wohl# an Dreitfchfe finb leib« nicht erhalten. $>afi in Robert von 
Wohl unb Jpeinticb von Dreitfchfe jwei gleich vornehme $h<*raftete ftch gegenüber 
ftanben, betont eine bem 3«h ft lt von DrettfchfeS *©efellfchaft$wiffenfchaft" burchau* 
ftufümmenbe ©efprechung im 2iter. Sentralblatt 1869, ©p. 765 f. Die $olemif 
gegen Wohl wirb f)itx am ©chlujj in ihrer Jotm „gerabeju old Wujter* 

„@lei<h weit entfernt von ungejogener Überhebung wie von Uebebienenber 2ob; 
hubelei, weiß ber ©etfaffer {ich eben fo gut bie ©elbßdnbigteit feine* Urteil* }u 
bewahren, al* bamit bie unverhofft™ Slnerfennung ber ©erbienfte be* Wanne* ju 
verbinben, ben er vorjuglweife befdmpft... Dabei aber flingt befonber* erfreulich 
ein Don burch: e* ift ber ber Verehrung, welche bem Weijter nicht blofj wegen 
feiner wiffenfchaftlichen Xeiftungen, fonbern vornehmlich noch wegen ber überall be= 
wahrten fittlichen Düchtigfeit unb tapferen Wanne*würbe gejoflt wirb. Diefe £ut 
bigung be* Shwrafter* an ben <§h<*rafter gkbt ber ganzen ©chrift einen aufers 
orbentlich wohltuenben Jpintergrunb." 3” fwnen „$eben*erinnerungen* jdft Wohl 
Dreitfchfe al* ©egner feiner „Jorberung einer voQfldnbigen Trennung ber ©efeO= 


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3anuar 1869. 


16 


ei mir eine Jjerjenöfreube fein, wenn J£>err SRiegl fief» Aber mein 
©uef» erbolfe. ©er ÜRenfcg gat gerabe in einflußreichen Greifen, unter 
dngftlichen confemtiven ©emütgern bureg feinen feilten ©ilettantibs 
mug fegr »tel Unheil gelüftet, unb eö war goge 3«* baf igm enb* 
lief» auf bie ginger geflopft würbe. — 

@e|fern hielt ich t>or einem vergältnißmäßig jaglreicgen Sfubitorium 
meine erfte Söotlefung. 3cg bin bamit jufrtebener a(6 mit meiner 
g»robevorlefung, unb icg ^oltc ei je§t nicht mehr für unmöglich, baß 
ich auf bem Ratgeber geimtfeg werbe. 3cg fühlt/ wie ba« helfe 2Bort, 
befangen unb ohne bie rechte Betonung auögefprocgen, feinen ganjen 
SBert verliert. Unb hoch i|f eö fchwer biefe Sicherheit ju erlangen: 

ein Anfänger gat, wenn er Stoffe vorträgt bie er nicht ganj be* 

herrfcht, fein ganj gute« ©ewiffen, unb bie SÖerantwortlicgfeit für 
jebeö »erfehrte ffiort i|f fehr groß. — Üläcgffen Sommer benf ich 

©efchichte ber 9)olitif ju lefen. ©ie$ fleine ßotleg wirb mir fehr 

oiel Arbeit machen, aber eö iff eine unerläßliche Schule, £>gne gtünbs 
liehe Äenntniß ber potitifegen ©georieen barf ich wich nicht an bie 
9>olitif felb|f wagen. — ©ie ^Pflicgtbefucge bei ben 9>rofefforen waren 
fehr unerquieflicg ... 8Buttfe, ber natürlich bie fegwarje ©alle felb|t 
war 1 , wollte mir ba6 Jperj fchwer machen unb propgejeite mir für 
bie ottemächfte ^ufunft meine 3lbfe§ung. 3n biefem fünfte fühl’ 
ich wich jegt jiemtieg ficger, wenn ich auch ebenfo fieher weiß, baß 
ich auf @un|t von äDben nicht rechnen fann. — 

3u bem äluffaße über Äleiff will ich uoch bemerfen: ©ie fegüne 
Stelle von bem „fegarfen unb fcharffinnigen Äritifer" * i|f nicht von 
mir. 3cg hatte ben gleifcg geworbenen gefunben SDlenfcgenverffanb 
feineOroegö fo güflich behanbelt, aber ülücfficgten auf baO gute @in* 
vernehmen mit ben ©renjboten swangen ben SRebacteur bie Stelle ju 
änbern. Jj»at»m hat mich fehr gebeten, ihm noch mehrere äffgetifche 
Äuffdge ju fchreiben. Vielleicht geb’ ich ihw nach. 3n ber £gat, 
t$ würbe ber SOiüge lohnen, in bem fmnlofen ©ejänf über SHealiOmuß 
unb 3beati6mu6 ein 2Bort mitjufpreegen, wüßte man nur nicht vors 

fegaftfc unb ber ©taatfmiffenfegaften" nur neben anbem auf (1,268). Sefonbert 
mftrbigt er ign bagegen (2,196) aß SRebner int (ReicgStag, bem SRogt noeg 1874 
unb 1876, bii )u feinem Sobe angeg&rte: „eS mären gemaltige Sieben, sofl ©eifi, 
Jtenntniffe unb namenttieg 9Jiut". i Über biefen Segter unb jtodegen Sreitfcgfrt 
(1818—1876), ber noeg ©eutfege ©efegiegte 6,344 fummarifeg aW »ein giftiger 
Heiner rabicater 9Ro(<g" egarafterifiert ifl, »gl. 2Wg. $. SBiograpgie 44,669 ff. 
2 tyreufj. 3agrbb. Sb. 2 (1868) @. 602. 3 tt( ‘ an ©<g«»»bt ifl gemeint. 


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16 


3anuat 1869. 


her, baß Stiemanb barauf Streit würbe, 3Rit ff eint, ber ganje Streit 
*ot nur bann einen Sinn, wenn man ftf etwa Sophocle# unb 
Sßafefpeare at# Steprifentanten ber beiben Stiftungen benft, wenn 
man — um ein »ietfagenbe# 95itb ju gebraufen — ba# Sbealiftren 
in ber SBeife ber Scutptur unb ba# Sbealiftren naf Slrt ber SRalerei 
einanber gegenüberflefft. gür bie lobten ber ©egenwart paßt ber 
©egenfafc burfau# nift. Sn SBabfeit liegt e# fo: Sie fog. Stealiften 
beftgen ba# «talent lebenbiger (Sharafterjeif nung, ben Sbealiften fehlt 
biefe ftdbigfett mit wenigen S(u#nabmen (wie etwa #epfe). Siun 
hat Sf mibt mit ber logiffen Xaffenfpieterei, worin er SReifter ifl> 
bie Safe auf ben Jtopf gefüllt: er fpenbet ba# £ob, worauf bie 85 es 
gabung ber Sluerbaf u. f. f. »offen Sfnfpruf hot, ben Stoffen, 
weife fie behanbetn. Seine ©egner nehmen biefe 25egriff#»erwirrung 
banfenb an, unb ff impfen weibtif auf Sütenbrehen unb Sünger* 
wagen. Unb bof ijt flar: bei Sfuerbaf h«t bie 2Babt linblifer Stoffe 
einen rein perfinlifen ©runb. Saß gubwig fein eminente# brama* 
tiffe# Talent fegt auf bie Sorfgeffifte geworfen ifl eine betlagen#* 
werfe ©erirrung: wer einen folfen altteffamentariff erhabnen 
©eifl befffct, wer e# vermag fo gewaltige geibenffaften in feiner ©ruft 
umherjuwAljen, ber foff ftf auf eine große freie SltmofphAre für 
feine SRenffen fufen; fonft mafen feine SBerte ben Sinbrurf eine# 
Sturm# im ©tafe SBaffer unb jeigen je ne# SRiß »erbiftniß »on gorm 
unb Stfalt, woran jcbe Äunft ff eitern muß. Stun gar greptag mit 
feiner ©rajie, feiner gühigfeit auf an bem obfhraften Sf inen, an 
bem tpfmiffen Sfwung einer £inie feine £ufi ju hoben unb biefe 
greube barjufleffen — wie man ihn einen Steatiften nennen fann, 
ifl mir unerttirlif. Sn biefem fritiff en ^ejrenfabbaf ffeint e# mir 
oft, al# feien bie geute affe befeffen. Stof wtberwdrtiger erffeint 
mir ba# sieben am Stoffe in bem afferneueften ©eff rei naf natio* 
nalen Stoffen. Sf glaube, febe 3eit unb febe# Stoff bietet eine Stefc 
»on Srffeinungen, weife nur jeitlif bebingte SBereftigung unb 
barum feinen fünffferiffen SBerth hoben, aber auf febe ©olf#geffifte 
bietet >}üge »on affgemeinsmenfftifer SBahfeit, »on »offenbeter Sf in* 
heit. Slbfofut unff in ftnb nur bie feiten »iffiger ©arbarei unb in 
nof hibtrem ©rabe bie Spof en fittlif er giulniß, be# haut goüt’s 
bpjantiniffer Ueberbilbung. — 

Sterjefen Sie, lieber S)en Stertor, bie ginge biefe# ©riefe# ... 
grabe biefe ©ebanfen gingen mir fegt burf ben Äopf, ba if jüngft ©ott* 


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3<uiwu 1869. 


17 


fgatt* la« ober vielmehr ju lefen verfugte — einen ffiug von 
gegohlnen ffiahrheiten unb eignem Unfinn . . . ©rügen ©ie S)tx% 
Dr. ©alger unb feien ©ie ber aufrichtigen ©erehrung ff et« vergehe# 
Sbre« banfbarm ©chüler« 

Streitffhfe. 

217] ttn Jpetnricfc ©ac&mann. 

2eip}ig, 3an. 29. 69. 

Diefe flüchtigen feilen, mein lieber Fachmann, finb unverffhämt 
genug für einen ©rief gelten |u weilen, unb noch baju — fo fahre 
ich fort, um Dir bie greube ju gemühten, bag Du wieber über ben 
ffereotppen Anfang meiner ©riefe lächeln fanng — noch baju nach 
fo langem ©chweigenü Sch höbe mich enblich bobilitirt ... Sch 
fehiefe Dir unb £inbemann 1 meine «Qabilitationflffhrift ... Du 
wirft fehen, rt gedft viel Arbeit brin, am Steiften in bem wag ich 
nicht fage; ge ig fchon feit ©uguff fertig unb wäre noch eher 
vottenbet gewefen, wenn mir nicht Äranfbeit unb anbre Arbeiten ben 
halben ©ommer geraubt hätten. Da« ©uch hot mir bereite einen 
mehr al« fchmeichethoften ©rief meine« grogen ©egner« SRohK«) ein« 
getragen; ich fflbff bin nicht fo jufrieben bamit: ba« Sterna ig ju 
grog für einen Sfnfänger. Uebrigen«, wenn Du ben SDfutb hog ba« 
3eug ju lefen, fo bitf ich, Kr# e« ganj: Der ©treitpunft ig nicht, 
wie e« Dir im Anfänge fcheinen wirb, eine btoge gorm frage. Der 
tfuffag über Äleiff ig ein naqeqyovf entganben währenb ber wiffen* 
fchaftlichen Arbeiten be« legten Jfrerbffe« . . . 

Unb nun, lieber greunb, noch ein emffe« 2Bort. Deine Srjählung 
vom £obe Deine« ©ater« hot mich tief ergriffen unb ich höbe mich 
babei wieber an Deinem 6mg. unb Deiner gegigfeit gefreut. SCRfichteg 
Du nur )u Deiner @ewiffenhoftig!eit. Deiner unerbittlichen ©trenge 
gegen Dich felbg auch etwa« von jenem grobmutb erlangen, ber allem 
menfchlichrn ©treben erg bie ©pannfraft giebt! ©Jährlich, mein 
greunb, ba« ig lein leichtfertige« ©Sott. Sch meig auch, b«ta* 
©inn ig weniger ©ache be« ©Jtllen« at« be« Xemperamente«. ©ber 
bie geifüge Klarheit, nach ber Du mit fo vielem 6rfolge grebg, ig 
unächt, ig werthlo« wenn ge Dich nicht hat" macht, wenn ge Dich 
nicht abhält, affjuviet in Deiner eignen ©mg ju wühlen. SBenn 

* W« stad. jar. aftiver granfone @-©. 1861 bU ®^®. 1862. Später DbeibÄrgers 
steiftet von Dortnurab; 1900 geftorben. 

n. fl 


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18 


3«nnar — JAmM 1869. 


utt* ftie Beftetgeftitbe fter Sptftotogie nieftt fcftrecfen, wenn wir ein 
reinere* Stift von fter Sei*fteit, weiche ftie ©efefticfe btt Seit tentt, 
itn ^erjen tragen/ ftann fott aueft unfer Äuge ftett unft freuftig fein. 
€twa* wenigfien* vermag ftier fter Sitte, fetftft in ften engen Ber* 
ftdttniffen, worin Du (eftfi ... Sn alter Streue Dein 

Oeinricft X 


218] 9Hn ©uftava von J^aftlbng. 

Seipjig, San. 29.59. 

@ndftige* §rdutein, 

. . . Bietteicftt intereffirt e* Sie, ftie beifolgenfte ©tuftie After 
0« JMeifi ju lefen. €* ftrdngte mtcft mir ein leiftftaftige* Bitft ftiefe* 
fettfamen SDienfcften ju entwerfen ... 3<ft geftefte, mein Urtfteü After 
Jtteifi* verfehlte* Seften wArfte ftdrter tauten, wäre icft nieftt Afterjeugt, 
ftafj er von frAfter Sugenft an mit wirHicfter ®eifle*franffteit gefdmpft 
ftat. Unft icft meine, vor fo grdfjlieften Störungen fter natArlieften 
jDrftnung fott fta* Urtfteü verfhtmmen; einen Äranfen witt icft lieber 

ftettagen ai* verftammen-3(ft ftaite bereit* ßottegia; e* 

geftt gut ftamit, unb i(ft ftoffe, mit fter £eit etwa* )u nAften. — 
©eneftmigen ©ie, gndftige* grdutein, ftie wiefterftoite Berficfterung 
fter aufricfttigen Bereftrung 

Sftre* ergebenen 

Xreitfcftfe 


219] 9n btn ©ater. 

ÜRein Hefter fOater, 


Äeipjig, 13/2 59. 


ber Heine JJepp ftarf mir nieftt gram fein, ftafi icft iftren tieften** 
wArftigen Brief fAr jeftt noeft nieftt beantworte. ®* ftrdngt mieft 
natArticft, bei fter Senftung, ftie je|t in Deiner Sage eingetreten ift, 
gerafte an Dicft ju feftreiften, mein lieber Bater, unft Dir meinen 
fterjtieften ©tAcfwunfcft ju fagen 1 . Senn ftie ©eftweftern aueft auf 
ftem fftnigfteine fieft fo munter unft verftdnftig in ftie Berftdttniffe 
feftiefen wie JJepp e* in iftrem Briefe tftut — unft, unter un*, 
ieft wAnfeftte, Du ftdttefü ften Brief fte* guten Sdfteften* lefen 
(Annen — ftann werbet Sftr ftort ein fteitre* unft gtAeHicfte* Eeften 
fAftren. Scft bin fegt feftr viet in ©eftanfen bei Sucft: Du wirft jeftt 


i Der Bater ftattr jnxi Sagt juvor btt Smtnnmtg jun» Äommanbanttn btt ftjhrag 
■JUmgfttin trftalttn. 


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$tbraor 1869. 


19 


manche ernfte Stunbe haben, mein gütet ®ater, unb auch bet Un* 
glütfafötf im lön »glichen Jjoufe ijl Dir fielet fehr nahe gegangen. 
Such auf mich bat bie 9ta$ri<$t einen tiefen Sinbrucf gemalt, unb 
nicht bie« Deinetwegen: eine folcbe ununterbrochene J&eimfucbung 
eine« fo vortrefflichen gürflen ijl boeb gar ju traurig 1 . Die XfriU 
nähme be« £anbe« ift ftcher aßgemein unb aufrichtig: ich hebe SDtönnet 
gerührt gefefjen, »on benen ich« am SRinbejlen erwartete . . . 

Steine Sorlefungen machen mir fehr viel Arbeit, boch geht e«, 
@ottlob, gut bamit: meine £uhörer fchwünjen nicht/ obgleich 
wiffen/ baf} ich bei ber Äürje ber 3eit ben «Stoff nicht )u Snbe bringen 

tann; unb ba« ijl ein fehr glückliche« Reichen- 

Stit ben beflen ©rüfjen unb ©lücfwünfcben an Such SW« 

heinrich- 


830] 9n ben fBattr. 

Seipjig, 22/2 59. 

SRein lieber 93ater, 

. . . 3ch habe ndmtich biefer Dage mit bem Director ber lanb* 
wirthfchaftlichen Slnflalt in Süfcfcbena eine Uebereinhinft gefchloffen: 
ich werbe »om 1. Slpril bort wöchentlich jweimal eine Doppelflunbe 
lang 9tationalötonomie »ortragen unb erhalte bafür fdhrllch 300 rl... 
3hh geflehe, ich wüte froh/ wenn bie erffen Stonate, wo ich «ticb in biefe, 
mir (eine«weg« fehr »ertrautt/ SBiffenfchaft erjl hineinarbeiten muß, 
überffanben wüten. Nachher benle ich« bahin ju bringen, baf} mir 
bie «Sache nur 2 Stage wöchentlich lojlet, je einen halben Dag für 
ben Starfch unb ba« Solleg, unb wieber einen halben für bie ®or* 
bereitung. Uebrigen« ijl ber Director, ein früherer furhefftfeher Dffijier 
Sogelep, ein gebilbeter eleganter junger SRann; meine Zuhörer finb 
grofjentbeil« flubirte Seute ober frühere ßfftjiere; unb bie älnflalt 
jhht unter ber neuen Direction im beflen Stufe. — Die JJauptfacbe 
bleibt, baf ich ©ottlob enblich einen Dheil meiner Unterhaltung 

abnehmen fann-9tdchf!cn SBinter halt’ ich «in Snnat* 

cotteg, bejfen flingenbe grüßte ich am folgenben 1. Slpril einfaffire — 

1 3m ftbt. 1869 jiatb «Unis 3®b <u,n * Zechtet Sfnna, mit bem Srbgtoiheqog 
getbinanb von Zoleana »etmAhlt. 3b« Schweflet Sftargautb« »at, in ganj jungte 
Sbt, ®e»fc 1868 gtflotben, unb n>i«btr tin 3«h* »otb*t na<b langen Seiben ^rinjtg 
Worin, bie dltefie Zechtet brf AAnig*. 3 m Sauft tinrt Sobwb 0 ^ 1362 unb 
1867, folgern ihnen noch 1®** ®ch»ejltni im Zobe nach. 

2* 


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20 


ffebruor 1869. 


unb fo benf i<$/ wert’ i<$ in ntc^t gar langer 3«t auf eignen Seinen 
ße&n, o^ne von Dir ober vom Staate etwa« ju 6«anfpru<$en . . . 

8m 17. SKdrj fötieße icf> mein €otleg unb fomme vielleicht noc$ 
benfetben 8benb $u £uxf>, um bie vierje&ntigigen gerien, bie ich W«<* 
mal fia&e, ganj ober tßeilweid bei Sucf> ju verbringen . . . 

3$ grüße <§u$ 811« b«*jlith . . . 

Heinrich 


881] ®n ftrbinanb grtn4borff. 

g, 23/2 59. 

#ie r baO gewunfüfße Sjtemplar 1 für SBaiß; auf Deine Seranlaffung 
fchicPe i<f>’d, ergo mußt Du e* i&m auef» felbfl bringen unb bie 
tanbeääblicben grafen von lingß gehegter »ewunberung — natio* 
naler Partei pp. baju $erfagen. SWir ißd phpf*f«h unm6gti<$ no<$ 
einen folgen »rief ju fc^reiben — unb bie ©ctyrift? ich utag fie 
gar nicht mehr anfe&n, geföweige ben famofen Drutffebler auf« 
fue^en*. 9944»ßen« muß tch ße noef» an JE ftfncfen; babei »erb’ iify 
bie ©alle abfhütteln, welche fich in meiner »ruß maßenweife an« 
gehäuft h^t in golge ber fränftfe^en politiföen aBeid&eit* unb — in 
golge no<b einer anbern pu6ltctßif<f>en 2eißung 4 . »lad ich &«mit 
meine / wirft Du erraten, wenn Du eingeweibt biß. <£d iß mdfirhen* 
baft, baß ein fo brillanter Hopf fo viel Unßnn feb reiben fann. 3<b/ 
lieber grenßborff, will ibm nicht naebabmen; barum fcbließ’ ich utit 
beßem ©ruß an Di<b unb £ugo. 

Z. 

i V« ,@efeflf<fjaftfu)ifftnf<bafr\ 2 ben ^rof. Jperrtnann in btt au<$ ibm gefanbten 
©<$rift, von btt tt ,ft$r «baut* «vor, gtfunbtn f>atte. * in btn Vttifein »9(u* 
grünten*, von Segibi, bamali Profejfor in Srfangen, für bit 9ug«b. 8flg. Jtg. gt= 
ftptitbtn. €intt vom 6. gebruar, »Da« ©cfciotigm ^reufjenä", vtrteibigt bit immtt 
no<b, im ©egtnfafc )u btm ganjtn übrigen Deutfcfjlanb, „laude** bteibtnbt notb* 
btntftbt Statut. €* genügt, tvtnn $ranfrti$ ni$t im ßmtifti ftin f&nne, bof, 
gegenüber btt »Sebanbtat'' eine« franjif. Sinfall* in Dbtritafitn, ^reufien »auf 
feinet onbttn Seite att auf btt feint« btutf$tn Sunbt*genofftn* ju finben ftin 
nntbc. „X>a* atte ©pti<b»ort*, fo fölieft btt ttrtiftl, »bleibt im Qteeh«: Weben 
ift ©ilbtt, ©<$ »eigen ift @o!b. Unb »tn bitft preufj. @$»tigfamttit all tu fefct 
Ärgert, fo baf tt mit btm alttn Stör au«rufen mbtfcte: ,®at ni$tt? 8u« gar 
nitbt« »itb au<b gor ni<6»‘, btt trinnttc fi$, bofi btfagttt Jtfoig aifo ftintn ßotn 
aulliefi übtt ftin tttutfW jtinb — ,SBa» foU gotbeiio t$un? fit (itbt unb 
f<$»eigt*. SDiefelben SHJotte englifö fielen f$on al« üRotto übtt btm 8ttifd. 
©gl. Sb. 1, ©. 288f. 4 Saum cuiqae. SBgL Sb. 1, Sritf 214. 


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«pri( 1869. 


21 


. . . Sin #ugo meinen Danf für feinen tritißben essay über meine 
SBerfe. 6r bot übrigen« g«nj Utecht. 3<b fühl’ e« täglich mehr: 
nur in ber Slcßbetif fann icb tbeoretifcb unb praftifcb etwa« leißen, 
bcm man anfiebt: Da« iß mit greube gefcbrieben. — Sinnen Äurjem 
wirb übrigen« ba« 3oumalfcbreiben ganj aufbüren. 3cb habe... 
m bie natröfon. Sorträge an ber (anbmirtbßh. Slnßalt )u £ü$fcbena 

übernommen; bann miß icb an ber Univerßtät ba« fcbwere bocb jebetn 
Slnfänger unerläßliche Soßeg üb. ©efcb. ber polit. Dbeorieen — von 
Platon bi« jum großen ©tobt — lefen. Du fannß beulen, baß biefer 
©ommer ein febr arbeit«rei<ber wirb, benn icb muß auch noch £eit 
für größere litterarifcbe Arbeiten behalten... 

Sorbin febiefte mir #irjel bie ©ebrift „SBoran un« gelegen iß". 
3cb bin grabeju erfebroefen über bie Slebnlicbfeit vieler Slnßcbten be« 
Serf. mit ben in meiner @efeßf<b*2B. au«gef|proebnen. Oft ißfelbß 
ber 3lu«brucf ber gleiche — felbß bie ©täte au« Slrißotele« ftimmen 
überein. Sin ein Plagiat iß nicht ju beulen; bie ©ebrift jeugt von 
einer polit. Durcbbilbung, womit ich mich feine«weg« meffen tann — 
aber wer mag biefer alter ego fein?! 1 

828] än bie ÜÄnttet. 

fe leipjig, Slprit 10. 69. 

Slbenb« 

SDfeine lieb« SDtama, 

ich tann nur flüchtig ßbreiben, benn morgen brobtmir wieber eine 
jweißünbige Sorlefung, unb ich bin noch nicht barauf vorbereitet. 
Such hob’ ich wenig ju berichten; ich febreibe nur al« geborfamer 
©obn, bamit meine liebe SWutter ßcb nicht um mein unfehlbare« 
SBoblbeßnben ängßigt. ßflfo, mir gebt e« ganj gut; feit 8 Dagen 
baufe ich in meiner neuen SBobnung 2 , bie gang aßerliebß iß: nach 
aßen ©eiten feb’ ich vor meinen genßern blübenbe Säume — wa« 
miß ich mehr? 3cb fann wirflicb fagen my house is my castle, 
benn ben halben Dag über bin ich ber einige SDtenfcb im Jjaufe. 
3um Sntfeßen meiner frommen ©cbweßem füge ich noch bei, baß 
mich mein büfer ©tem wieber ju Deutfcblatbolilen geführt bat: von 
g aßen Deßem lacht mir ba« einfältige ©eftebt be« Sobanne« 

i Jtatl Surften. Die SCnjeige V« Stoföftre im nä<bften 9Kdtjf>eft bet Sp tns 6» 
3af>tbt>. (89b. 8, 6. 368 ff.), von St. getrieben, «ft »af)rf<btintitb von .bapm, 
nach btfftn ©ett»bnf)eit, nicf>t unvct&nbett abgebtudt. 2 Woritngt. 19. 


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22 


ttpril 186». 


Wongc entgegen 1 . — 3n ?u|fc^eno war ich bereit» einmal bei ffrümen* 
bem Siegen unb einmal beim herrlichften grühling» wetter, unb beibe* 
male (am ich fpdt $benb» tüchtig mübe jurücf. Angenehm ijl ba» 
2tmt nicht, ich wüfjte wenig Dinge bie mir fo gleichgültig wären 
wie bie begriffe non ©ut, ffiirthfchaft, Weich thurn, bie ich b«* biebren 
Sanbwirthen erfuhren mu§. 8lber e» ift hoch nicht fo fchlimm alö 
ich bachte: meine £uhürer ftnb wenigften» Äußerlich burchweg ge« 
bitbete Seute, meiften» 3unfer, auch cimö e ehrmalige ßfftjiere. 8Benn 
ich *» nur bahin bringe, bafj mir bie Vorbereitung weniger £eit 
(oflet. — 3 U arbeiten giebt e» genug, aber ich fann e» noch immer 
nicht ri»ftren unmittelbar oor bem £ubettgehn ju arbeiten, auch hob’ 
ich ben Vetlocfungen be» fernen grühling»wetter» nicht immer 
roiberftanben. — Von ßuern Vefannten hab’ ich nur üBolbemar 
Viebermann einmal gefehn 1 ; ba erfchien auch ferne grau unb bie 
fieben grüßte jehnjibriger She; ba» wimmelte wie bie Kaninchen, 
unb ber ©charfftnn Deine» ©ohne» jeigte fich babei in feinem gldnjen* 
ben Sichte: bie 3ungen ftnb alle gleich groß, e» war mir unmöglich 
ben Slelteflen herau»juftnben. SHuch #an» SRangolbt befuchte mich 
neulich, unb ich bemühte mich vergeblich ihm etwa» SKuth einjureben: 
er will ein grofje» 23udj fchreiben, ift aber ju verjagt bie ©ache fo 
anjufaffen wie e» gefchehen mufj; er war fchwach genug ju fagen, 

ba» fei ihm ju fchwer-©elefen hab’ ich greptag’» neue» Brauers 

fpiel, ein göttliche» 2Berf, fehr erng, ganj rbmifch, aber für mein 
©efühl ju falt unb leibenfchaft»(o». — Wun lebe wohl, herjliebe 
Vüama . . . Vor SlUem grüfjt ben guten Vater recht Verglich • • . 

Dein treuer ©ohn 

Heinrich 


1 Vgl. ©tutfeht @*f<hi<bte 6,336 ff. * ©amaK in Stipjig all ftftfofrtrtttnbtt 

jBerft»tnbtt in btt ©itthion b*t wtfHichtn f&chf. Staat* tiftnbahntn. Spät« nanu 
haft gnvotbtn in btt »ifftnfchaftlicbtn ©ottbflitrratut btfonbtt* alt Wlitatbtitti 
an btt .pftnprffcbfn, auch «n btt 3Btimartt 2fa*gabt unb all $ttatt<gtbtt von 
,®otth«* ©tfpiÄchtn*. (S. btn Wtfobg von 9tboIf ©tarn, ©ottbt=3abibucb 84, 
289 ff.) ,€t bthanbtbt mich ft f* fDttttt anf Du unb Du*, haut ©ttitfchft btm 
SBaitt am 24. Januar von ftintm ttfltn ©tfuch bti 83. gtfchritbtn. ©tt ©tab 
bitftt Vtttttfchaft ift hin wohl tbtnfo »fit mit bti „SÖrtttr* ©ntfehmib. 


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Äpril 1868. 


23 


283] Sn bi« SQtutter. 

Seipjig, 29. tlpril 59. 

tDteine liebe SBlam, 

. . . ich weiß jefct oft nicht wo mir bet Jtopf ßeht: ich fyabt 
mir mit beti beiben ©otlefungen Aber ©egenßAnbe, bie ich felbß erfi 
fennen lerne 1 , bo<b eine große Soft aufgelaben; unb außetbem ^ob’ 
ich einen Huffaß für bie preuß. SabrbA^er unter ber gebet, bem im 
Saufe beb Sommere eine gtbßete Arbeit folgen fott. Stun, ich benfe, 
i<b werbe eb f<bon burchfeßen, wenn nur erß bie etßen ®ochen Aber« 
ftanben finb. — Kenn Stainer fcßreibt, baß in Drebben Sllleb in 
grüßtet Aufregung herrfdjt, fo tann ich Dir von unb in eorrectem 
Deutfcß nur babfelbe oerficbem. Soeben werben bie Depefcßen Aber 
ben SBeginn beb Äriegeb unb bab rufßßh*franj6ßfche »Anbniß* »on 
JJxmb ju #aub getragen. Die braven Ärdmet finb natürlich außer 
ft cf»; ich aber geßehe, baß ich mich Aber bie Stacbricßten, fo furchtbar 
emft fte lauten, hetjlich freue: wir fehen hoch nun enblicß Har Aber 
bie Hbßcßten unfrer Segnet; ber unfelige Zweifel hot ein Snbe. Du 
fennß mich, (übe SRutter, unb weißt, baß ich »on ber gretheit nicht 
laffen fann; barum erfchien mir ein Jtrieg, in bem eb ftch barum 
hanbelte, ob bie Jtnechtfchaft Sftalienb fortbauern folle — alb etwab 
feßr Uraurigeb: ich hätte ben Oefhreichern ©lAcf gewAnfcht — ße ftnb 
hoch b«l& unb h“lh meine Sanbbleute — aber ich fünnte biefem 
Kampfe nur mit fehr geteilten Smpßnbungen jufehn. Sfeßt aber, 
ba wir unjwcifelhaft wiffen, baß Deutfcßlanb, nicht Sßalien, ber 
Jtampfpreib ber Säfaren in ^)arib unb ^eterbburg iß — jeßt bin 
ich utit voller Seele bei ber Sache. Stoch nie ^ab’ ich *b fo 
bitter empfunben, baß ich nicht gefunb bin; ich &eneibe Stainer: er 
wirb vielleicht fchon in ein, jwei Stohren mit inb gelb )iehen — unb 
ich ntuß jufehen! SWein S£roß iß Preußen: ich hohe bab vodße 58er* 
trauen ju ber Stegierung beb sprinjen; ich flfoube, unter feiner Leitung 
tann Deutßhlanb getroß in ben gerechten Ärieg gehen. Sin paar 
Stieberlagen? nun ja, wir ßnb ßart genug um bab aubjußalten — 
aber an Deutfchlanbb fcbließlicßem Siege jweiße ich feinen Hugenblicf, 

i an btt UnioerfitAt Ober btt polit. Shevritn*; sgt. ©. 16. * ©ie in 

jenen Sagen, ju Beginn beb italienifchen Äritgrt, von bet beutf<h«n unb englifcben 
treffe gebrachten Stacßricbten übet ein ruffif(b^rat4&ftf<bt< ßfftnfiv= unb ©efenfifc: 

Mknbni* fanben bi* in bie 9Mbe be* pteupifeßen ^rinjregenttn ©tauben. ©. „®n* . 

bem Sehen ©ttnßarbi** 3,207. 


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24 


SRai 1869. 


fonft lebt fein ©ott im Jpimmel mehr. Su wirft [«gen, meine gute 
Niutter, ich bAtte auch einen erfreulicheren ©egenftonb jum Xhema 
meine« Briefe« nehmen f Annen: — gewifi, aber wer tann unter bem 
erften Sinbrucfe biefer Nachrichten an etwa« Slnbre« benfen? . . . 
Neue« giebt e« hier Nicht« aufjer bem ewigen Sommer über bie 
fchlechte Nleffe. Sn biefer allgemeinen Niebergefchlagenheit ho* bie 
fehr gute englifche ©chaufpieterbanbe non ^help« 1 ba« Nublifum 
nicht )u feffetn vermocht Sch fab Äing Eear mit ber grbfjten greube: 
e« tfl Naffe in biefen SRenfchen, energifche, tiefe Eeibenfchaft unb 
feine ©pur von ©entimentalitAt; babei nimmt man einige ©eltfanu 
feiten fchon in ben Äauf. Sie ©oneril ber Nlift Sltfinfon wirb mir 
unvergeßlich fein, ba« tannft Su Nlifi Soof erjAblen. Sie Stuf* 
fhbrung bot mir Niel ju benfen gegeben: ich fab recht, wie fremb 
ba« betrliche 8Berf ben ©ebinbeittbegriffen unfrer 3«* gegenüber 
fleht — ©iebe ba, Rapier unb Jeit finb }u Snbe, alfo leb wohl, 
bergliebe Niama. 

Heinrich 


224] ben ©ater. 

Eeipjig, Niai 22. 59. 

SDlein lieber Sßater, 

-Snjwifchen bin ich wohl, hübe Niel ju tbun, freue mich 

ber fchonen Stage unb ber enblich erfolgten $nfunft meiner Nefannten, 
womit fegt bie aßju arge ©nfamfeit aufgebbrt bot. — Niein ©At* 
tinger Nerleger bat al« Achter tyantee bie £eitverbAltniffe benu|t unb 
meine Natert ©eb. hinter meinem Nucfen in 2 ter Auflage erfcheinen 
laffen . . . Niein Solleg in ber ©tabt gebt gut unb macht mir bei 
vieler fW&b* viel greube; ich glaube, bie £ubbrer finb jufrieben. Sa* 
gegen wirb mir bie Sägfchenaer Arbeit Verglich fauer: e« ift boch eine 
verzweifelte SBiffenfchaft, bie mir bei aller Sinficht in ihre Notb* 
wenbigfeit fehr wenig Sntereffe abgewinnt. Sa braunen lerne ich 
ben ffiertb ber beutfehen UniverfitAten mit ihren tüchtig gebilbeten unb 
eifrigen ©tubenten erfl fehlen: ich habe jwar ©ottlob mit ben ?anb* 
funfern nicht )u repetiren, aber ich fab« «* ihnen boch oft an, wie 
wenig fie felbfl von ben einfachem Singen verfleben. ©leichviel, e« 

1 Non Samuel $h<4>* (1804—1878), bn im grAhfahr 1088 «ine Äunfheife na<b • 
©rotf^Ianb macht«, hat gontane, ,3tul Snglanb*. Stuttgart 1880, 6.68g. gc 
banbeit. Sr gellt ihn al* Sbatefpearefpieler «her Short«* Aean unb 9tif Vtfinfon 
Aber beibe. 


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' Wai 1869. 25 

hat auch fein @ute«, baff ich bie gangweile ber 5£age«arbeit einmal 
grünblich fentien lerne. — 9ln bie preufjifchen Saptbücher ftfjicfe ich ' 
noch in biefer äBoche einen äflpetifchen 3luffa$, ein $enbant ju bet 
Srbeit über Jiteift/ bie ju meinet greube recht gefüllt unb viel in 
^eitfcpriften erwähnt wirb. Wachher fod et wiebet an eine praftifch* 
äfthetifcpe Arbeit. ÜÄeine „©tubten" hoben je$t einige« (Blucf 
1 bei ben Deutfcpen in gonbon, Dant bem watmen gobe, ba# ihnen 
@ottfr. Ätnfel in feinet 1 gefpenbet. 3<h freue mich bat« 

übet/ benn ich glaube/ Äinfel« äftpetifche« Urtheil ifl ebenfo fein ge« 
hübet/ wie feine politifche Denfweife confu« unb »erfehrt. — ©age 
nur ben ©chroeftem, bafj fte Steptag« gabiet lefen; ba« ©tief ifl 
wittlieh wtptbetfehftn . . . Jjeute Slbcnb tommen bie erflen Oeftet* 
reicher hier burch*; ba« erinnert wiebet an ba« 91 unb ba« £> aller 
heutigen ©efpräcpe/ an ben furchtbaren Smft ber gage. 3<h hoffe 
noch immer ba« SBefie wenn bie Keinen gürften fo tlug unb fo un* 
eigennügig finb fiep ber geitung $reu$en« ju fügen. Da« bleibt in 
biefer ferneren ©efapr bie erfle 2torau«fe$ung ber beutfchen Cinpeit. 
©ott gebe/ bafj et wahr werbe! — SRama wirb fiep hoffentlich in ber 
gtofjen Jjau#« unb ganbwirthfchaft recht wohl fühlen. 3ch grüfje 
fle unb bie ©chweflem petjlicp. 

* Dein treuer ©ohn 

Heinrich 



286] *n OCubolf $ 0901 . 

©eeprtefler Jgwrr, 


geipjig, 90 9Rat 59 


. . . ©ie hatten gan) 9tecpt, ich fa&e mir biefen ©ornmer wirt 
lieh Siel aufgelaben/ ich fanb leine »Jeit für meinen Otto gubwig. 
Jpier ifl enblich ber gtuffag; bei ihm noch mehr a(« bei ber Arbeit 
über älleifl ifl bie Sitte an ber ©teile/ bafj ©ie ben essay gan) 
burchlefen beoor ©ie ihn oemerfen. S3on ber politifchen Wichtung 
ber 3ahrbb. ifl freilich Wicht« barin ju fpüren/ aber e« fcheint mir 
fehr jeitgemäfj, wenn ein ganj unabhängige« Slatt ein unbefangene« 
SBort fpriept über 3beali«mu« unb Weaüömu«, über bie @efapr 


* jrJßennatui*" 2 t>on ben in Stemmen für einen f elb|ug am ÜMjein infamnten? 
gelogenen Xnqppen, bie »fec^iefcn £age lang in ununterbrochenen ©ftifn|ügen bat 
fcmtb parierten, nm b*mb Stetem na$ 3tdien geworfen |u werben"* glatte, 
fc^ic^te oon Gaffen 8,741* 


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26 


Wai 1869. 


in banauftfch* j?äßtich?eit ju »erfaßen, bie mehreren unfrer Neffen 
Rotten fegt fo nahe bropt. Denn bie ©egner ber „Stealiflen* finb 
metfi Scpwacpföpfe ober perfönlicp intereffirt, unb 3. Scpmibt 
pat burcp ben langen Storteipabcr fege Siel »on feinem Haren Ur? 
tgeite unb beinah gänjlicp bie rechte Siebe jur Äunff emgebüfjt . . . 
Senn icg früher oft ben ©runbfap ber Slnonpmitüt ber 3abrbb. 
im Stiften »erwünfept/ fo ifl er mir bieimal angenehm, benn ei 
fommt mir bo<h feltfam vor, wenn fo’n junger Schnüffel über einen 
oerbienten Rotten ju ©eriept fi|t. 3nbeß hob’ ich hoffentlich nicht 
ali Scpulmetfier, fonbern ali einfacher Dewunbeter bei Schönen ge« 
fproepen. Seiber Sonnte ich niepti Stäperei über bei Dicpteri Seben fagen; 
bafür bin ich — eine unerläßliche Pflicht für jebe gerechte Äritif — 
ettoai tiefer auf bai Detail eingegangen. Senn Sie bie Arbeit über« 
paupt brauchen (önnen, fo finb Sie wohl fo freunblich über toefent« 
liehe Slenberungen mit mir Stütffpracpe ju nehmen? — Advocem 
Sleffpetif. Siffen Sie Siiemanben, ber ben 3ahrbb. einen gebiegenen 
Sfoffap über 58ifcp** fchreiben Sonnte? Dai Stach wirb fo fchamloi 
abgetrieben unb auigebeutet, unb boch — lanbläuftge SHebeniarten 
haben oiele ^»tfepriften trüber gebracht, aber auch nicht eine ber 
Sache getoachfene Slrbeit. ®i fcheint mir eine Shrenfache für bie gute 
treffe, bem Sanne ju feinem JRechte ju oerhelfen. Denn bai Stach 
gereicht, trog ber Sprache unb ber Sethobe, unfrer Station jur Spre, 
(ein anbrei ®ol( hätte bai treiben (innen; einzelne ©eban(en, fo 
ber Sntwurf einer Seltgefchichte nach bem @efttipun(te ber Schön« 
heit, finb wirtlich babnbreepenb. 3<p geffepe gern, feit ich w>t 3 Sapren 
bai Sert gelefen, fepe ich eine Senge Dinge mit helleren Singen 
an *. Sticht wapr, geehrter Jperr, Sie jiepen biefe S3itte ein wenig in 
Ueberlegung? 

gur bie politifcpe Sauregurtenjeit oerlangen Sie meinen Sluffag. 
©uter ©ott! Dann brutfen Sie ipn fcpfcunigft im Sunipefte ab, 
fonft oermobert er gänjlicp. 3cp (ann niept fagen, mit welchem Sfel 
miep bai Äriegigepeul erfüllt. Slllei Stiebertrücptige pier im Sanbe 
fhmmt mit ein: biefe 3un(er, benen (ein Schimpfwort ju gemein 
war um bie beutfepe Sacpe Dranialbingieni ju bejubeln, biefe Dipto« 
maten, bie ben greoel ber Dreibner Sonferenjen oerfcpulbet, biefe 

1 6. Sb. 1, 6.400. Smtfcpfc pat ©ifepert Äftprtif fogar in fein« ff @efetIf(pafW-' 
»iffenfepaft* gittert (©. 78). SBgt. noep Jgtfter. u. fpolit. VnffAp« 4,641 f. imb 
Deutfcpe @ef<pi<P« 6,419. 


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<Wai 1869. 


27 


f 


jämmerlichen ©ärger, feie noch oor 3 Monaten @ratulation«abreffen 
an ben frangbf. (Befanbten f(hielten — fte Sitte jubeln, wenn bie ent« 
artete Stoffe ber atbertinifchen ©pnaftie ihr „fyie .ftaboburg" ruft. 
Unb bie proltifche Sonfequeng? 2Bir ©eutfehe finb ©rüber, unter 
©rübem borf Üliemanb hertfehen — atfo fein preufifcher Oberbefehl! 
Sie Sinnen baf wirtlich in unfern officieden ©lättem (efen, beren 
gemeinfte ©<hmdhortilel jeft, wie ich beflimmt oerfichem fann, au« 
Stuft* hWeignet gebet flammen. 9Ba« finb ba« für Stilen, wo 
folche ... bie ßhorffihrer beö beutfehen spatriotiemu« abgeben! ©ie 
©eflen unter ben Leuten finb noch bie, beren ©aterlanb«liebe nur au« 
Jpafj gegen 2. 9t entfpringt; baf fi<h in biefem SDlanne bie Sünben 
feiner gangen Nation mit 9tothwenbigleit oerlürpem, will 9liemanb 
einfehen. ©er Fimmel gebe ^reufenö Regenten SRutb unb Karen 
»lief, benn fchlagen muffen wir, halb fchlagen. 3<h fehe je|t täglich 
bie jtaiferlichen hier burchmarfchtren, — bireft nach Verona! Sine 
folche „Neutralität" ifl gu unfinnig um bauern gu Sinnen. 9Rit bem 
Schwert in ber Scheibe hot noch nie ein Staat feine fSRatft behauptet; 
wir muffen entweber Oefhetch« Vernichtung oerhinbern unb fein 
Netter werben ober — oerhinbern, baf ba« fiegreiche öefhreich bie 
läge »on ©regeng erneuert 1 . ©eibe« erreichen wir — fo parabor e« 
Ringt — nur wenn wir ©efhreich nicht allein fdmpfen taffen. 

©itte, fchretben Sie mir, ob Sie ^teufen« ^olitil in guten JJänben 
glauben, unb erflären Sie mir, warum ber eingige migtiche Siege«« 
prei«, ben wir oemänftigerweife erwarten finnen — warum bie ©es 
freiung Schte«wighotflein« je|t in ©erlin oergeffen gu fein fcheint. 

gut bie Ueberfenbung be« ©rief« oon SCweflen, ber mit bem SDtfcr. 
gur&cffolgt, banfe ich 3hnen h« r Jli<h> 6« hot mich f*h* gefreut ben 
hellen Jtopf Sennen gu lernen; auch bin ich begierig bie Schriften 
oon SL Somte gu lefen, ber — nach biefem Schüler gu fchliefen — 
in ©eutfchlanb offenbar ungerecht beurtheilt wirb; ich hob’ ihn bi«her 
nur al« confufen Äopf, ber mit SSomte nicht gu oergleichen fei, nennen 
bbren*. — 

1 3» ©r*8*n| <un 11. Oft. 1860 war bei rinn gufantmenfunft bri Äaifn* «on 
Äftmricb mit btn JUnigen «on ©atjem unb SBftrttembng rin ©ebu«: unb Sru«: 
bftnbni« gegen ©teufen «etabeebet morben. ©pbel, ©egrftnbung 1,428. 3 Sin Äuf: 

fag «on Äart Zneften Ckbn Hugufe Somte erfd^ien im n&<bften ©eptemberbeft bn 
©renf. 3abrbb. (93b. 4, 6.279—807). ©on Sbarfct Samte, bem ©erfaffn bet 
Tratte de llgislation, banbeit ©tobt, @ef<bi<bc< bn ©taattoiffenfebaften 3,390f. 
©gl. an<b Aarf jpiiiebranb, grang. ©ef<bi<bte 2,49. 204 f. 


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28 


Juni 1859. 


©en 3ahrbb. bleib’ ich natürlich treu fo lange pe mich hoben 
wollen, cela va sans dire . . . 

Jpirjet grüpt bePenO; ich aber, geehrter Herr, erwarte balbige Knts 
wort unb fomme pcper in furjer grip fefbp nach Holle hinüber. 

3Rit befannter Hochachtung 

ber 3htige 

Slreitfchfe 

SRarienPrape 19. 211* ©egenfWcf ju biefem Kuffag wäre ein 
essay Aber bie SRünchener ganj an ber ©teile, aber wo foP man ben 
SOJuth h«mehmen fo viele* lahme* Jeug grünblich ju pubiren? 

226] 9ln ferbtnanb gratftborff. 

gePung JtönigPein 13/6 59 

Sieber §ren«borff, 

einmal will ich ®ir boch antworten; am bePen alfo, ich f<h*tibe uns 
erhört punFtlich, benn warte ich bi* jur StucFFehr nach Seipjig, fo ers 
hdltp ©u ben Sörtef ©ein gebtag nicht. Stimm oorlieb mit einem 
©efchretbfel, fo confu* wie e* nur 1200 gup überm SReere wachfen 
(ann. 2luö meinem genPer feb’ ich ein weite* wellige* Plateau, 
worau* ©teilen bet Slblaufe* wie eine Steibe Keiner ©eeen hw><* 
gucfen; nach ber anbern©eite aber ip ber SSlicf wahrhaft entjürfenb: 
bie 6lbe umpiept in einem weiten ®ogen — beiläufig in einer ©chön* 
heitolinie, wie pe ein SRaler pch träumen mag — ben bewalbeten 
SBerg, ber ben Äegel be* gilienPein* trögt. 3ch höbe feit gePern ber 
f&hpfchen ©chweij oiel Unrecht abgebeten. 3<h höbe pe jept in Stube 
belaufet »on ben erPen SRorgenPunben, wo bie Stebel noch ouf ben 
5£hölern liegen bi* ju bem wunberbaren ©piele ber 2Bolfenfchatten 
um SRittag unb bi* jum Sonnenuntergang wenn ber Spiegel bet 
gluffe* eine älette feuriger Greife bilbet. 3ch »eip jjept, wie wunbers 
bar fchön bat ©tücf gelfen iP, wo mein 9>apa pch ein Kpl gcfucht. 
3n folcher Umgebung iP et begreiflicherweife nicht möglich eine fo 
wohlgeorbnete unb fäuberliche Spipel ju ©tanbe ju bringen, wie pe 
ber ©fp. 1 verlangen barf. ©egnüge ©ich *nit rin paar Stotijen. 3<h 
bin fept überau* befchäftigt. Um boch enblich ein unabhängiger SRann 
ju werben hob’ ich 1« Kpril bie nationalötonomifchen Sorlefungen 
in güpphena übernommen, ©a walle ich benn 2mal wöchentlich im 

i ©«(hftnfpitgsl. Sögt. 891>. 1, 6.991. 


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3uni 1869. 


29 


©onnenbronbe hinau* um ben ©anaufen je jwei ©tunben Hinternn« 
unter tiefe banaufifche Di*ciplin »orjutragen. 3ch glaube, ein reifer 
Denfer fann (einen Stangunterfchieb ter Siffenfchaften anertennen; 
ich bin noch nicht fo unbefangen; mir ift tiefe Ärdmerlehte unbe* 
fchreiblicg wiberlich unt e* ift mir faft lieb, baff ich bem roacfem 
( Siefermann nur bie Elemente oorjutragen atfo nicht auf btonomifche 
©peculation mich einjulaffen braune. Sann wirb bie ^>lage enben? 
Defto mehr greube macht mir mein deine* aber, wie Du benfen 
tannft, fehr mühfelige* (Solleg über ©efch. ber polit. X$eorieen. Sir 
fehlt noch unenblich Siel oon ber nothwenbigen Sicherheit, aber e* 
geht viel beffer at* im legten Sinter, unb ich benfe, ich habe ba* 
*}eug ju einem leiblichen afabemifchen Segrer. Uebrigcn* erfenne ich 
immer flarer, wie oerfehrt e* war, baf ich nach 2«ipjig gegangen: 
oon ber politifchcn Sage ©achfen* ju fcgweigen, bie mich atlmdlig ju 
einer fafl neroöfen Dppofition bringt — auch Aber ber Unioerfitdt 
liegt ber glueh inbuftrieffen hanbwerf*mdffigen Sefen«, unb e* ift 
fchwer babei guter Saune ju bleiben ... Sein Sehgefchrei ift: Suffe, 
Suffe! — ich *nuff etwa* Stube haben um mich i u fammeln für 
eine gtiffere Slrbeit ... 3ch hoffe auf September, wo ba* Süg* 
fcgenaer Äaerenfcgieben 4 Soeben lang unterbrochen wirb ... Sei 
k un* heult Sitte* wa* muefertfeh, gemein unb oolftoerrdtherifch ift fein 
„J?ie Jgab*burg^ lieber ^reufien* ^olitif fonnte mir JJapm, ben ich 
Ktrjlich in ^atte fpraeh, burchau* feine 9lu*funft geben. ©ertrauen, 
©ertrauen — ba* ift Sitte* wa* bie Sinifter felbfl ihren bereiteren j 
greunben fagen. ©ott bewahre un* oor bem greoel jur Knechtung / 
Statten* mit ju wirten — aber fchlagen muffen wir unb balb! 6« 
fehlt mir an Sufi bie* ^arabojron ju begrünten. Stur fei oerfichert, 
baf ich frine*weg* an Deutfeh thümelei leibe . . . ©ruffe #ugo. 

ftreitfegte 


897] «» SBilhrim ©ott 

geftung Äbnigftein, 15/6 59 

Seine ©utmütgigfeit ift wirtlich märchenhaft. SK* Slntwort auf 
brei, fage brei ©riefe unb ©enbungen fegiefft Du mir einen Sifch, 
worin Du bei all ben 20000 heiligen, an bie 3h* bumrnen Schwaben 
noch glaubt, oerfpricgft, Du werbefi ndcgften* einen wirtlichen ©rief 
fehreiben. 9tun ift wieber ein ©iertelfagr hin! 3ch wage, menfchttch 


i 


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90 


3tmi 1869. 


geßimmt burcg bie fc^one Satur, ber icg fegt 4 fur)e »tage mibmen 
barf, noeg biefen — ben (egten — Serfueg, ob icg ©einer gaulbeit 
ein Snbe rnacgen fann. Unb ein munberlieblicge« Stücf Srbe iß et 
mirtlicg, bie« meißner JJmcglanb, ba« icg erft jegt, bei längerem Sluf* 
entgalt in ben entlegenen Xgeilen, ju mürbigen meiß ... ©fein (Bater 
gat bie Sommanboßeße beö Äinigßein« erhalten/ ben Sofien/ nacg 
melcgem unfre alten ©enerale getjen. 3cg freue mich/ baß igm ein 
alter SBunfcg erfüllt iß; bie Familie iß feit bem grugjagr getaufge« 
jogen unb muß ficg burcg bie munbetfcginen Sommer für bie traueren 
(Sinter fcgablo« gatten. 3cg, ber i(g nur bann unb mann auf einige 
»tage gerfomme/ genieße natürlich nur bie (Bor)üge biefe« gelfen» 
neße«. — 

Sinen ernßen (Brief midß ©u, lieber (Bereli! ®uter (Bott, feget*)* 
gafte Stimmung liegt geute magrlieg nicgt in ber Suft. (Sir gaben 
bet Scgmeren unb ©cmütgigenben genug erlebt, feit bie ^abOburger 
bie »tage von (Bregen) unb ©reOben über un« »ergdngten; aber ein 
: fo troßlofe« ©ilemma mie bie gegenmdrtige Sage tonnte ber leiben« 
, fcgaftließße geinb ©eutfcglanb« laum erßnnen. Sollen mir ©eutfcgen, 
mir $roteßanten, mir bie mir admdlig nachhaltiger politifcger greigeit 
entgegengegen — foden mir gelfen ba« italienifcge Soll unter ba« 
3ocg beO alten Srbfeinbe« bet beutfcgen Singett, unter bie« entartete 
»erlogene pfdfftfcge Jjau« #a&«burg )u beugen? ©ber foden mir biefen 
Sapoleon unterßügen, ber ben ©eOpoti«mu« in anberer aber nicgt 
minber abfcgeulicger (Seife barßeßt, unb »on bem mit miffen, er 
merbe aucg un« näcgßen« unter feinen „moralifcgen Sin« 
fluß" )u bringen fucgen? ©ieß Segtere, meine »cg, entfcgeibet 
allein, unb icg goffe )u ®ott, Preußen« (Regierung, ber auO Süb* 
beutfcglanb gimmelfegretenbe« Unrecgt getgan mirb, mirb ficg halb )um 
(Recgten entfcgließen. (San fod nicgt auf (Senfegen bauen, unb fo 
mid icg aucg geßegen, S)a gm »erßegerte mir neulieg: „bie (Regierung 
be« ^rinjen maegt eO igren greunben fegmer ße ju »ertgeibigen. 
©unefer — jegt betanntlicg Jgogen)odern« reegte J&anb 1 — fegreibt 
immer: „„icg fann noeg nicgt« fagen, aber »erlaßt Sueg auf un«. — 

— So meit Jga^m; ba« iß nicgt ber »ton, in bem SSinner, bie igrer 
Sacge ßeget ßnb, fpteegen. Slber bebente ghreußen« Sage! 3<g fann 
©ir au« berfelben ganj fiegern Üuefle mittgeilen: gJreußen gat in 


l aU Seit« bet Ottgimmolptefft; f. Jgo»tn, ba* itbm 9W. IDundert, ©. 194 ft. 


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3uni 1869. 


31 


SBien fefr billige unb burcfau« beutfcfe ©ebingungen geftellt: 
preufifc^e Dictatur wdbtenb bet* Äriege«, Wettung S<f le«wigbolffcin«, 
SßieberberfteUung be« Sftecft« in Äurbeffen. Slber in SBien ^rrfc^t 
ein Spftem, weit weit f(flimmer ol« ba« SRetternicffcbe; bei bent 
bloßen Warnen Scfle«wigbolftein bdumt man ft cf unb ruft: lieber 
unteren al« hierin nacfgeben! — Wun fage mir: wer trügt bie 
«kfulb an unferm Slenb? — «Kein lieber ©eteli, i(f braune Dir 
meinen $atrioti«mu« nicft erft }u »etficbern; Du weift, bie Hein* 
liefen Jpdfeleien jwiftfen Worb unb Sfib ftnb mir von jeher ein Srduel 
gewefen; aber in ben legten SJlonaten — i<f fann rt nitft leugnen 
— bat in Säbbeutfiflaiib. eine fb<ffl oerfefrte Stimmung geherrfeft. ' 
®on bem gemeinten ©latte, ba« Deutfcflanb« Srbe fcf dnbet, von ber 
bejaflten Wiebertrdcftigfeit ber 2lug«burgerin lafjt 3fr Sutf imponiren 1 
unb — 3fr weint Sucf für bie greifeit reif ju beweifen wenn 3ft 
ba« SRecft ber freien Webe buttf Demonfhrationen »ernitftet, wenn 
3ft ba« ©latt, welcfe« bie Slrnbt unb Dahlmann mit ihren ^ufcfrtften 
beefren 1 , al« foefoerrdtferiftf abftfafft! 3cf mdtfte weinen, wdre ber 
Unoerftanb nitft gar ju finbifcf! Du würbefl mir eine J&erjenös 
freube matfen, lieber greunb, wenn Du mir oerftefem Wnnteft, bafj 
Du unb viele anbre täcftige ÜRdnner an biefer grenjenlofen ©erirrung 
(einen Dfeil hoben. — Da« 7iqütov tpevdog ber Stimmung im Silben 
f(feint mir bie Meinung, eO fei Deutfcflanb« 9>flt(pt bem DetyotiOmu* 
Wapoleon« ein 3»cl ju fegen. Da« maeft Suter greifeittliebe alle 
Sfre; aber finb wir bie ©ormünber ber granjofen? unb ift bieJfert* 
f(faft Wapoleon« nur um ein Jfaarbreit ftfletfter al« bie ber JJrnb«» 
bürget? Sapenne unb bie ©algen Ungarn« — bie« bie SRecftttitel, 
auf benen bie 3wwflb«ttftfoft biefer Sanbobgte fufjt! 

Slber ber Sotfe (ann minbeflen« ba« allgemeine Stimmrecft für 
fi(f anfufren unb bie Dfatfacfe, bafj er in feinem entarteten ©ol(e 
ber SDtann ber Situation ifh — 3<f hoffe, Deutfcflanb wirb unter 
^teufen« gufrung fcflagen — aber ni(ft um 3talien ju fneeften, 
fonbern um eine europdifefe Hegemonie granfreief« ju oerfinbem. j 
Jfier ju Sattbe ift bie Stimmung unfdglief elenb: alle Wiebertrdcf* 
tigen — bie SRucfer, bie ^attieulariffcn — unb einige bef(frdn(te 
£6pfe ftnb fcfwarjgelb; bie „guten ©ärger", grobmateriell, hoffen auf 
Trieben. Siner fo (letnltcfen Hoffnung geh’ icf mitf nitft fin: icf 

1 ©gl. bie ©efpreifiMg einer bie tiugiburger Ä. Leitung angreifenben Stoftyfae 
im n&tfften Ungufifeft ber Vrenji. 3afrbb. (®b. 4, ©. 827f.) 1 Die ÄMn. $eitung. 


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32 


3«ni 1869. 


hoffe auf «ne fernere atbeitvoffe 3eit. 5R6ge fte enben mit ber 93er* 
nichtung be* 83unbe*tage* unb ber 34 SRaubftaaten, vor Allem aber 
— mit ber Aufläfung jene« unfeligen SJanbe*, bat un* an bte $an* 
büren unb Kroaten fchmiebet. @h< nicht Deffreich un* politifch ganj 
fremb geworben/ eher ifi unmöglich wa* un* affein frommt: bie Snt* 
wicflung politifcher unb religiüfer Freiheit unter einem preufjifchen 
Äaiferthume! — Du hoff fo lange gefchwiegen, mein greunb, ich weif 
nicht wa* Du benfft; aber ich hoff«/ Du wirft über ber SJorliebe 
für Defhreich baß nicht vergeben hoben wa* jebe* rechten Spanne* Stolj 
unb Aleinob ift — bie Freiheit. 2af mich «nbffch wa* von Dir 
hüten; ich möchte nicht/ baff wir in einer fo emften grage affjuweit 

auOeinanbergingen-Abe, ich mache noch «io« @pri$e in 

ben £eufel*grunb. 

Heinrich % 


298] ®n $«mri<h ®a<hm«nn. 

geflung Äbnigftein, Suni 16.69. 

SReiti lieber ©achmann, 

Die wunberbar reiche 9tatur, in ber ich i«|t auf 4 glücflich« Sage 
frei aufathme/ hot affe guten (Seiten meine* SBefen* mächtig berührt» 
mein beffere* Selbfl fängt an rege }u werben unb mit Sorwürfe ju 
machen wegen meine* (Schweigen*. Alfo ich beffre mich unb um 
Alle* ab ovo )u erlebigen beantwort’ ich }unächft Deine fragen. Du 
wiffft wifjen, wie e* mit ben Zitaten in meiner Schrift au*fieht 
3«h barf ehrlich fagen, fie finb burchou* felbfl erarbeitet — ein ge* 
ringer SHuhm, benn biefen nieberfien ©rab 1 befifcen h«ute wohl faft 
affe ©eiehrte, bie nur einigermafen ftimmberechtigt finb. freilich 
finb mir oft in fehr bebeutenben Serien bebenfliche Au*nahmen 
begegnet: boch im Allgemeinen hot bie SBiffenfchaft feit ^ugo’* 
feiten auch in ber SRethobe gortfchritte gemacht 3dj> felbft wollte 
bie Schrift ohne Zitate brucfen taffen, aber bie gacultät verlangte 
ben afabemifchen £opf. $u leicht hob’ ich mir* mit ber Arbeit nicht 
gemacht: ich höbe jahrelang baran ffubirt unb betrachte bie 9Rühe 
nur barum al* unverloren, weil ich babei einen Ueberblicf über bie 
polit. Literatur befam. JJ>6chftenö 3 Zitate hob’ ich hei Anbem ge* 
funben, aber bann nicht bie betr. Steffen, fonbcm bie ganjen SBücher 

1 [*on €^r(id^fritj 


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3uni 1869. 


33 


gelefen unb bie Steßen nur bann au«gefchrieben, wenn fie mir felbß 
bejeichnenb ßhienen. Bon Sammelroerlen hab’ ich natürlich nur 
bie betr. Strtifel gelefen; buch grabe bie ßhwerßen Serie — Slrißo* 
tele«, Jj?egel u. bgl. — ßnb wirtlich ßubirt, jwei, breimal. 3ch fage 
ba4 nicht um mich i*» rühmen fonbern um Sir einen beffem Begriff 
i t>on ber heutigen beutfchen Siffenßhaft beijubringen. Ser Sfaupt* 
fehler ber Schrift iß wo hl/ baß fie aßju prägnant getrieben tft 
unb fo bto« ein polemißhe« Blatt ju fein ßheint, wäfjrenb fie hoch 
mehr fein will. San fagte mir neulich: Sie hätten au« bemfelben 
Stoffe ein biete« Such machen linnen; ich tonnte nur antworten: 
ja wenn ich «m befferer faiseur wäre; aber ich bin ju ungebulbig: 
fobatb ich «w« Srage mir tlar gemacht intereffirt fie mich nicht 
mehr; muß ich barüber ßhreiben, fo mach’ i<h* f° furj al« miglich. 
Sa« Buch hat mir jwar eine SReihe äußerß fchmeichelhafter privat« 
briefe — Ginlabungen jur Beteiligung an gelehrten ^eitßhriften u. bgl. 
— eingebracht . . . aber ber Unßem, ber meine poütißhen Schriften 
verfolgte/ fcheint auch auf biefer $u laßen. 3<h habe noch Hin« einjige 
Snjeige ber Schrift gelefen ‘. Ser ©runb liegt nahe. Ser Stoff iß 
fo fchwierig/ wer mein Such fritißren wiß muß ßch felbß fehr ein* 
gehenb mit ber Sache beßhäftigen. Sobann — ich habe einige 3111* 
1 mächtige/ in«befonbre ben feilten SRiehl, ber über ben gefammten 
Gotta’ßhen Berlag unumfehränft gebietet, hart getabelt, ja oerfpottet; 
wenn mich biefe Seute nicht wiberlegen linnen, fo ßhweigen ße mich 
minbeßen« tobt. 3<h bin Sann« genug ober beffer — jung genug um 
mich barüber nicht $u grämen. Ser wie ich mit Schriftßellem in 
perfbnKchem Umgänge lebt, wo eine fcäußhung über bie Befähigung 
ber ?eute auf bie Sauer unmöglich iß, bem Hingen Schiller« fehine 
Sorte »on be« SRuhme« h*it’8«n äränjen, bie auf ber gemeinen Stirn 
entweiht ßnb, unaufhirlich in« Shr. Unter ben fetpjiger ^rofefforen 
ßnb ?eute von europäißhem Flamen — Su lannß ße an ben Beinen 
aufhängen, e« fällt lein gunlen ©eiß herau« — unb baneben einjelne 
* burch unb burch geißvoße gebiegene Naturen, bie lein Senßh lennt, 
bie für Sonberßnge gelten. 3<h fc^reibe ba« ohne jebe Bitterleit, 
benn ich bin feß überzeugt baß folche Beritrungen ber öffentlichen 
i Seinung ßch früher ober fpäter au«g(eichen. 3ch müßte lügen woßf 
ich fagen, ein Barne von gutem Älang fei mir gleichgültig. G« geht 


1 ©♦ oben 0.14 9nm« 1« 

n. S 


l 


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34 


3mü 1868. 


und ©chriftßellero nicht anbtrd jwie ben ©chaufpielem. 2Ber bte 
Bretter befreitet bet fagt: ich mache anfpruch auf einigen Stuf — 
unb wer bied ^iel nicht erteilt, ber gilt für einen 2ump mit oer« 
fehltet Cyißenj. Sied minbeßend mbchf ich oermeiben. @o fornm’ 
ich benn gleich auf Sein jweited Sbmia, auf Seine grunbeßrlichc 
Betrachtung wie man ed anfängt fleh einen 9tamen ju erwerben. 
Sch benfe, wenn mir bad Jj>er$ »oß ift fo werb' ich fchreiben fo gut 
ichd vermag. 2Bad baraud wirb Hegt nicht in meiner $anb. Su 
haß ganj Stecht/ bad ^ublifum iß heute oorwiegenb fritifch/ materia* 
lißifcp — hoch grabe biefe £eitßimmung iß mir ein Antrieb mehr ju 
poftßchen Arbeiten, ttnfre ©egenwart iß wunberbar groß burch 
Arbeiten bed Serßanbed unb bed SBißend, unb ich geßeh«, biefe in 
©enuß unb Shat rafch lebenbe Generation iß mir lieb, ich f&htc 
mich heiiuifch bei ihr; aber bad ©emuth »erfummert in folgen 
Sagen — bad troefne £ahlenwefen unb bie ebenfo ibeeeniofe ©enti* 
mentafität ßnb bie jtlippen unfrer ©ebilbeten. Sarum hat bie Äunß, 
unb wenn ße auch uur in wenigen 4?erjen junbet, niemald eine fo 
fegendreiche Aufgabe gehabt a(d heute. 3<h benfe £eit unb Jjerj baib 
wieber frei ju hüben für pottifche arbeiten: — ed treibt mich baju, 
aAüa öl ravra &ewr ev yoimaai xelrai. — Su baß wieber Stecht/ 
bad Cliquenwefen wuchert furchtbar in unfrer Literatur (beiläufig, 
bad ©chmibtchen, biefer gleifcp geworbene gefunbe SDtenfchenoerßanb, 
iß )war eine burchaud fleinliche profaifebe Statur, aber er ßeht hoch 
hoch über feinen ©egnem burch feinen ©charfßnn unb burch feinen 
€barafter: ber SJtann iß ehrlich unb hot noch nie einem ©cpriftßeller 
fein Stenommie „gemacht". greptagd Stuhm iß wahrlich nicht von 
©chmibt gemacht, fonbern ehrlich »erbient, wie fein neued fehr fchJned 
Drama bie gabier glänjenb bewet'ß.) aifo mit biefem Cliquenwefen 
fann ich mich nicht einlaßen; Du erweifeß mir feine unoerbiente Shre, 
wenn Du meinß, ich fei )u ehrlich baju. aber auch baju bin ich 
ju ehrlich um Seinem üBunfche gemäß Soumaliß ju werben. SJteine 
wenigen Berfucße auf biefem gelbe hüben mich genügenb gewarnt. 
9Bie oberflächliche wie unwahr iß bied ©ewerbeü Sch werbe noch 
einige äßhetißhe auffäfce fchreiben — einer über £>. Subwig wirb 
fchon gebrueft — um mich fetbß Aber ein paar wichtige gragen auf« 
guflären unb — offen geßanben — um mir etwad ju oerbienen, 
aber bad foll nicht bauern; folche Heine arbeiten bieten einen Sohn, 
ber mit bem £>pfer an Hrbeit, an £crfplitterung ber Kräfte burchaud 


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3«ni 1860. 


35 


nicht im IBerhältnif einig« Muntert 2 eute lefen bie ©achten, aber 
mit getheiften ©innen/ (aum gebrutft wanbert Sitte« in ben Rapier* 
fort. SBer mag fein £ebtag eine folche €intag«fliege fein? — Sßa« 
ich fe§t treibe? Stach unenbliehen ©ehwierigfeiten, hinter benen wohl 
potttifche Sebenfen be« föbl. SJtiniftertum« ftecften, bin ich entließ 
Docent. 3<h fcf« »on Steujabr bi« ©ftern btfcbe 8 }erfaffungö@efch. 
»om weftpb. Srieben bi« j. Untergange be« (Reich«; feit öftern lef 
ich ©efehichte ber poKt. Stbeorieen — offenbar ein fchwer ©tüef Slrbeit 
wenn man fein üBücherorjeiehnif}, fonbern eine wirtliche ©efchichte, 
bie (fntwicflung ber Xbeorieen an« ben potttifchen £uftänben, geben 
mitt. Da« Dhenta ift für einen Sfnfdnger unerläßlich, benn nur 
tnbern ich fähig werbe frembe ©pfteme ju wurbigen bin ich ju einem 
eigenen @ 9 fleme berechtigt. (Stein Sammer aber ift: um enblich 
((onomifch hnlbweg« felbftänbig ju werben bah’ ich in ber lanb* 
wirthfch« SHab. ju £ü$f<hena (2 ©tunben 0 . üetpjig) 2 mal wbchent* 
lieh eine Doppeloorlefung über Stationaföfonomie übernommen . . . 
Sllfo 2 (Borlefungen unb Kterarifche Arbeiten — ba« ift fieper vollauf 
genug ... #ier alfo bie Slntwort, lieber greunb, auf Deinen freunb* 
liehen (Brief unb jugteich ein ©tücf von meinen Srlebniffen. Dir 
aber wünfeh’ ich frohen SStutb unb room (glich — wenn anber« Deine 
Samittenverbältniffe e« Dir wünfchen«wertb machen — batbigen 2uft» 
wechfel ... S« ift fafl fünblieh, baß ich in biefen furchtbar* 
«mften Dagen fo Stiel von mir gefprochen. SBa« finb ba« für -töten, 
wo wir bem Cfrbfeinbe Deutfchlanb«, bem Jpaufe Jj>ab«burg, helfen 
fotten, helfen müffen Statten ju Fnecpten — unb ba« in einem 
Momente wo (Preußen unb bamit Deutfchlanb foeben ben (teilen 2Beg 
ju politifcher Freiheit betreten ^at! Stic ift mir ba« oielgefchmäbte 
©othaer Programm fo einleuchtenb, nie ber lächerlich« Unfinn be« 
Deutfchen SBunbe« fo unwürbig nicht«würbig erfchienen, wie fegt, ba 
täglich Stonburen unb Kroaten bireft nach &«n Ärieg«fehaupla§e burch 
ba« neutrale Xeipjig jogen! J^erau« mit Deftreich au« Statten 
unb au« bem beutfehen SJunbe: bann ift e« benfbar, baß biefer un* 
fettge (Stifchftaat ein (Recht jur Spftenj erhält inbem er eine jtultur* 
miffion im flaoifchen Dften erfüllt. Sbtttch gefprochen: Preußen fott J 
Deftreich in biefem Kriege helfen um ©eftreieh ben empftnblichften 
©chlag beijubringen. SBirb ein wunbetbare« ®lücf bie Stu«führung 
biefc« parabojren @a§e« etm(glichen ? Sch glaube an ba« Stäben einer 
großen furchtbaren ;töt; bi« beutfehen J$(fe wittern bie« mit bem 

8 * 


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36 


3uni 1869, 


feinen ©efüble be$ ScbulbbewußtfeinO unb ber Schwäche: ich Bönnte 
Dir non ben ©rabeOgebknBen, welche an unferm Jjjofe fpuBen, wunbet* 
bare ©efebübten erjäblen. SRögen bteämal enblicb bie Xräurne nicht 
lügen! — 

• SJReine »aterlänb. ®eb. bot ber Serleger in 2tet (Xitel»)Auflage 
wiber meinen SBillen erfcbeinen (affen; er meint baO ßbwarjgelbe 
ÄriegOgefebrei mürbe an biefen ©ebtcbten, beren ^atrioti6mu< boeb 
von etwa« anberem SRetall iß, ©«fallen ftnben. — $ut iß noch in 
Sonbon unb fc^eint ein reifer (JRenfcb ju werben in ben großen Ser* 
bdltniffen be« engtifc^en Seben« ... Seb wobt unb fcbreibe balb. 

Heinrich X 


229] ttn ben 95ötcr. 

Setpjig, 26. 3un. 69. 

ÜRetn Heber (Batet, 

-SReine Sorlefungen geben ihren ruhigen ©ang fort; boeb 

bemerf ich mit greuben, baß ße mir je$t weit weniger £eit unb 
SRübe Boßen. Da wirb ß<h ja enblicb 2Ruße ßnben )u größeren 
literarifeben Arbeiten. Sinen Meinen 2luffa§ über SRilton will icb 
jebenfall« biö jum #erbß für bie preuß. 3abrbb. febreiben. ©er große 
({Rann feffelt mich gleich febr al« ^olitiBer wie al« Dichter; für 
meine Sorlefung muß ich obnebieO bie SRebrjabl feiner profaifeben 
SBerfe lefen, fo wirb mir bie Arbeit nicht alljuoiel 3eit Boßen. Daju 
brauch' ich aber unter Ülnberm SReeb’ö £iteratur@efcb, bie ich Johanna 
geliehen 1 ... #eute früh fab ich im SRufeum wieber ein Selb, baO 
ber herein für bißorifebe Äunß beroorgerufen — jwar Bein »oüenbeteö 
2 Berf, aber ich benfe boeb, wir ßnb auf bem SQJege eine beutfebe ©e* 
fcbicbttmalerei ju erhalten. Die fteifen conoentioneßen giguten ober 
bie langweiligen Slllegorieen, womit wir noch vor jebn, jwanjig 
fahren bie ©eßbiebte »erfüllten — unb feßt bie« lebenbige natur* 
getreue Erfaßen ber 2BirBlicbBeit, wie in bem prächtigen Silbe von 
Die[t]j: Sernbarb oon ÜBeimar unb bie Königin vor ber Seiche ©ußa» 
Slbolf«, baö fürjlicb b»« »ar — ich meine, ba« iß ein großer gort* 
febritt. Solch’ ein Sonntag«befucb im SRufeum iß boeb feltfam. 
Unenblicb oiel publicum unb bie weit überwiegenbe SRebrjabl au« 

1 Jbaufy 8t, Lectares on the british poets. 2 ®be. <pi)i(ab. u. 2onb. 1867. 


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guli 1869. 


37 


ben ntebem ©tänben. SBtnn ich ben!e, wie langfam bem ©ebtlbeten 
ß<b ba« gbttlicbe 8Befen bet Äunß erßbließt, fo jweiße tcb ßatf, ob 
biefe Seute etwa« babei empßnben. Slber »ober bann biefer reget« 
mäßige »überholte SSefucb? — 3<b f&rdßte, wir »erben jefct auf 
lange £eit ber Kunß ben SRüden »enben mäßen. Sie neuen ßblimmen 
9ta<bri(bten au« bem ©üben mahnen nur ju (aut an ben Smß be« 
Seben«. 2Bie »irb ba« enben? Unfre ©tabt empßnbet bereit« ßatf 
bie preußifcbe aKobilmacpung. ©ehr »tele — man fogt, über 1000 — 
preußifcbe SRefetoißen unb Sanbwebrmänner, bie hier befepäftigt waren, 
ßnb einberufen. (Sott gebe/ baß ber fleinlicbe Jjaber j»if(pen 9torb 
unb ©fib enblicb enbe, baß fo große Opfer nicht umfonß gebraut 
»erben. Sine #anbel«ßabt in einer 3eit ber Kriß« iß ein »ibrigeO 
SBUb. Sine 2lctionär«5Betfammlung jagt bie anbere/ unb in allen eine 
ßRuthloßgfeit felbß ber rubigßen SDtänner, ein frampfbafteö 93e* 
ßreben um jeben ^reio ben lebten <£ba(er in ©ieperbeit ju bringen — 
e« iß »irflicb fläglicb* — 9iun leb »ob! lieber SJater. Jpabt noch« 
mal« San! für bie fcb&nen ^ßngßtage . . . 

Sein treuer ©obn 

f* Jjeinrtcb 


890] «n SOObtlm Stoff. 


Seipjig 9 3uli 59 


Sieber alter bereit, 

fpät, ju fp&t für ben großen Slnlaß, fommt mein ©liicfwunfcb *. 
SBenn bie SBunfcbe eine« erflärten Jpeiben »ie icb noch einigen Sin« 
ßuß haben bei ben SDtäcbten be« 4?<mmel«, bann baff’ üb ®üb Sir 
au« biefem flägßen ©treibe Seine« Seben« ade« Jjetl erfprießen. 
Su biß ber SDtann baju um ein 2Betb glucfdcb ju machen unb Sein 
eigne« ©Ifidf (acht mir ja au« jeber 3eile Seine« 95rief« entgegen. 
$aß »irb mir« fcb»er mich in Seine Sage binein|ubenfen, Su @(fic!«« 
finb. 3cb habe immer — oiedeiebt unfern ßbftnen 93onner ©ommer 
auögenommen — mehr in ber ^ufunft gelebt al« in ber ®egen»art; 
ich trug mich mit planen/ bie oon bem »a« ich erlebte bureb eine 
»eite Kluft getrennt »aren; wa« mich umgab febien mir meiß nur 
ein Uebetgang. ©o »ie Sir e« jegt befebieben iß ganj ber ©eligfeit 


1 Su fBerlobung mit Afara Jreün von 83obman, ©<£n>eftcr bet §uMknftigfn 
Stau von Strcitfäfe. 


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88 


3wli 1869. 


be« Slugenbticfrt leben unb boch ber £utunft nicht »ergeffen, nein/ 
flc Rar unb fteher, wie wir bie grucht in ber 93lütbe obnen, »or ftch 
[eben — ba« ifl wohl ba« freunblichfle Soo«, ba« un« fallen tarnt ... 
3ch fc^tefe Dir hier . . . bie gabier ... 3ch hoffe, baß prächtige 
©erf wirb einen grofjen Sinbrucf auf Dich machen — einen befferen 
alß bie 93efprechung beßfelben in ben preuft. 3ohrbb. Sie ifl — ob« 
wohl au« J&aptn« gebet — ein rebenber 93et»ei« bafür, wie wenig 
ber weitfcbweifige SWacaulapfcpe Sffat*Sti( ber beutfcben Statur 
jufagt 3<b höbe fegt für meine Soriefungen mehrere essays »on 
91t gelefen unb ich begreife nicht/ wie man bie« hochtrabenbe ©e* 
fchwäg bewunbern fann. Sine gebantenreiche futje prägnante Schreib* 
weife/ nicht fchilbemb/ fonbern mit einzelnen brafüfchen SBeiworten 
^hontafie unb ätopf anregenb 1 — ba« fcheint mir ber einzige profaifche 
Stil/ ber eine« Genfer« würbig ifl unb ftch mit ber Sichtung »er* 
trägt, welche ber Hutor »or ben geifligen gähigfeiten be« Sefer« hoben 
foU. fOtir ifl biefe englifche Breite, bie ben Sefer jur SRafchine herab* 
würbigt, ein ©räuel. Unb boch beneiben wir bie englifche 9>rofa — 
unb hoben unfren gühte, unfern SDtommfen! — ©eitet fchicT ich 
ben Huff. über Äleifl. . . Sn blich will ich unfern politifcgen Streit 
beilegen, tnbent ich ®if bie Schrift »on »efeler, bie mir ^»irjel ge* 
fchenft hot, jur Settüre empfehle*. S« ifl immer gefährlich burch 
Dolmetfcher $u reben; boch bin ich utit 99. in ben meiflen fünften 
einoerflanben, unb ba« Sine wenigflen« wirb Dir bie Schrift jeigen: 
man tann ein SOtonn »om lauterften 9>otrioti«mu« fein unb boch f«h f 
anber« über biefe unfetige grage benten a(« bie Rugßburgertn. 9tur 
noch (in ©ort: fobalb man auf Sübbeutfchlanb ju reben tommt 
wirft Du allemal empfinblich: Du bilbefl Dir immer ein, bafj wir 
»on Such Hein benten — wa« bi« wahrlich feinem 9Jtenfchen, ber 
überhaupt $urechnung«fähig ifl, einfällt. 3e mehr meine Äenntniffe 
/ ftch erweitern, beflo flarer wirb mir: e« giebt in ganj Suropa lein 
Stoff, ba« eine fo einheitliche 9toff«thüm(ichteit hätte, wie wir: ber 
J ©alifer unb ber 99rite, ber fanfaron ber 9tormanbie unb ber plumpe 
Shompagner 95auer — fte unterfcheiben fich weit fchärfer »on ein* 
anber at« Sommer unb Schwabe. Unb bennoch biefe tranthofte 
8 deijbarfeit jwifchen 9torb unb Süb! 3hr wollt teine preufj. Heloten 
fein, fagfl Du. ©er in aller ©eit will ba«? 99in ich boch felbfl 

1 ©gl. 6.16 Sinnt. 1. 3 au*füf>rti<« angqdgt int nichPcn Jb*ft bet Prtnf. 

3ab*bb. 


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3uR 1869. 


39 


(ein ^reufe, bin ich boch bur<h meine ganje Srjiehung auf J^af / 
gegen ^teufen bmgewiefen — hüchfteni bag ich bie Begeiferung 
für ben alten gri§ von. meinet 9Rama geerbt bat*. — ©chtoatj* 
weife ©eftnnung ift ei wahrlich nicht, bie mich i u ^teufen bringt, 
fonbetn bie einfache Ucbcqeugung: wir Deutfchen werben nie bie 
©tellung unter ben Sittern (innehmen, bie uni gebührt, wenn wir 
nicht ein ©taat werben, Unb oergig nicht, 9>reufen if ber einjige j 
beutfche ©taat; bie Äronen Baben unb ©achfen fann man boch nur ~ / 
mit einer fehr fühneti 9)tetapb<r ©taaten nennen. Bergig auch nicht: / 

^teufen if noch unenbtich weit von wahrhafter potitifcher Freiheit / 
entfernt, boch « hot trogbem freiere £ufdnbe ali irgenb ein anbrcr ( ' 
Xheil Deutfchlanbi *. 3<h benfe immer, unfer ©treit ift ein ffiort* 
gefecht; Du würbef Dich nicht grämen, wenn Baben preug. ^rooinj 
würbe. — 2cb wohl, ich hob« furchtbar )u thun unb fehne mich *>on 
.frerjen aui biefcm £ufanbe ber Zageiarbeit beraub, ber mehr noch 
meine ©ebantcn alb meine £cit mit Befdjlag belegt: ei barf nicht 
lange mehr fo fortgehn . . . 

Dein 

Heinrich X 


k 881] 8n Submtg JCrgibi *. 

Sieber §reunb, 


(eipjig, 3uli 13. 69. 


heute früh im €odeg bürte ich bie grofe Nachricht*; bann jog ich 
nach (ügfchena unb fomrne je§t fpät abenbi oon meiner theuem 
lanbw. Sttabemie jurucf (bai ifl natürlich ironifch gemeint). J^alt’ 
ei nicht für eine gotge ber $unbitagbhi$(, wenn ich ®i* i«§t 
— aufgeregt wohl, aber nicht »erwirrt — biefe feiten fenbe. Sch 
hüte. Du feig in Berlin beim ^refbureau, fo fehiefe ich ben SÖrief, 
um gehet ju gehn, burch J^opm. — Stlfo — bie Bürfenmenfchen 
Jubeln, unb bie Soumaligen meinen, wir tünnen nun auiruhen oon 
bem mühfeligen Äriegitreiben. Unb wir? Klarheit hoben wir — 
bie Klarheit bei ©chwimmeri, ber bie ffieUe langfam an feinem Serbe 
aufwärtb feigen fleht. 2Rir ift, ali hätte ich ben geheimen griebeni* 
drittel: ©chlefien unb Stheinlanb! mit biefen meinen dugen 

1 ®gL J^ijtor» u. qtolit. iüfüie 4,79. 86f. 99g. 3 9}a<b kan Dmd bei 

©chtanann 142 f. $QgL oben ©b. 1 , ®. 889 Vwn. * $8om gricbcn o. S8iHa= 
franco. 




40 


>n 1869. 


gelefen. SBirb ber furchtbare Srnfl ber Sage in SBerlin bie SRdnnet 
ftnben, bie un$ Rettung bringen? 3<h glaube, nie bot ein Staat eine 
totalere unb ntinber eigennugige ^olitif befolgt alö ^teufen unter 
bent Stegenten, aber nie war auch b ‘ e ®«f«h* gtöfjer, bafj baö alte 
SBort fich bewahrheite: in ber $o(itü sieht ber Shrlicpe immer ben 
furjeren. 3egt ober nie ifl ber SRoment gefommen, wo eO fich 
jeigen tnufj, fonnenflar fich jeißen muf?, ba§ bie Stegierung beO Sie* 
genten eine beutfche ifl. Sine Steform ber 83unbe$»erfaffung, bie nicht 
§u Stecht befleht, bie thatfdchlich noch in biefern Slugenblicf mit gufjen 
getreten wirb — bai rnufj 9>reufen in granffurt beantragen. Unb 
wenn biefer Antrag, wie ooratWjufehen, fcheitert — bann eine 3tppe(la« 
tion an baO beutfche Soll, ein beutfche* Parlament! 3h r wogt 
Such ftellen, wie 3h* wollt; ber flarfe unb ftrenggefeglicpe SBille beO 
ebten SJlanne* in Berlin, auf ben mit mir Millionen ©eutfcfje »et« 
trauenb blicfen, mag fich noch fo fefjr ftrduben: ohne biefen — grab 
herau» — revolutionären 9Beg, ber boch nicht revolutionär ifl — 
benn er fn&pft an ba* unoergeffene „Slnrecpt" ber pteufjtfchen dlrone 1 — 
ohne bie* ifl 9>reufen »erloren. Salb, noch in biefern Sommer, 
mufj ber entfcheibenbe ©chritt gefchehen, ehe bie ©e*poten im ©üben 
unb ffieflen (unb wohl auch i m öflen?) 3«* hoben, ihre erbrurfenbe 
Uehermacpt gegen un* ju wenben! Unb bann? Stun ja, ©eutfch* 
tanb wirb wieber wie »or 200 Saheen für bie greiheit be* 
ganjen SBelttheil* bluten, aber mit einem flarfen ^reufen an ber 
©pige werben wir einen beffem 3lu*gang erfechten al* jenen un* 
feligen weflphälifchen grieben. ©laub’ mir, ich lenne jiemlich »iel »on 
ber ©efinnung „mafjgebenber Äreife" in ben ©afaßenflaaten Oefler« 
reicht: ber Untergang Seeufjen* war nie fo fefl befchlofien al* jegt. 
©a* ifl ei, warum ich ®ür fc^retbe. 3cfj ?ann nicht felbfl al* 9>ubli* 
cifl in biefer Sache auftreten: mir fehlt bie gulle ber Äenntniffe, 
bie baju gehört 3<h bitte ©ich, fch*eib' ein Pamphlet: „ein beutfche* 
Parlament"! — fo ©u fannfl mit ©einem Slarnen — flarf, tief, 
ohne jebe ©pur »on ©einer gewöhnlichen ©anguinif, ©einer ©ut« 
mutfjigfeit. Sertufche nicht* wie im Suum cuique, fprich ihn grab 


1 ba$ $ritbri<$ SBübelm IV. am 3, typ ril 1849, in ber 9tnfpra<$e an bie Depm 
tation ber Jranffurter ^ationaberfammlung, bur<b feine 2Baf)l juin Deutfdjen 
Aaifer erhalten $u fyxbtn erffdrte; f. $tf>n 3a^re Mn qpfe 2« ty. ©• 78* 6<$on 
in feiner $Befpre<bung von 2legibift Saum cuique batte Str. an biefe* „ttnretbt" 
erinnert (^rettj}. 3abrbb. 3, 236)« SBgt* au<b ©Umartf, ©eb* u« €rinn* 1,57* 


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ttuguft 1869. 


41 


berau«/ btn &t\, ben Unmuts über baö beutfebe Slenb, bet unfern 
©ufen bi« jum Sprengen füllt. ©treibe flar, fembeutfeb wie 
3B. ©efeler, aber ohne jene 9lapoleon«s Vergötterung, bie feiner 
neueften ©ebrift anbaftet. Du fannfl e«, wenn Du wiKfL 
Sfft aber/ wa« i<b hier al« tübnen üBunfcb au«fprecbe, in ©er(in 
bereit« befcbloffene ©acbe, bift Du vielleicht f<bon tbätig bei 
9u«fübrung brt grofen (plane«, bann will ich lOOOmat biefen 
©rief umfonfl gefebrieben haben. Dann aber gieb mir umgebenb 
9lacbricbt. Denn i<b geflebe: ade« wa« in mir ift non Siebe jum 
©atertanbe unb jur greibeit, ift mächtig erfchüttert bureb bie 2lu«* 
ficht auf eine unbeilfebwangre »Jufunft. 

Dein 

J^einricb 5t 

232] 9n bm f&üttr. 

Seipjig, Slug. 10. 59. 

SOiein lieber Später, 

. . . Da«'€o(leg bat mir manche greube gemacht/ boeb bin ich 
froh/ bafj e« fegt ju (Snbe gebt: finb’ ich hoch nun enblicb einige 
SBocben ^eit jum jufammenbängenben Arbeiten. Die Süßfcbenaer ®or* 
(efungen geben fort bi« jum 8. ©eptbr, boeb verlier’ ich babureb nur 
jwei Stage wöchentlich: bie anbre %dt gehört mir ganj. Ueber jwei 
©cbwierigfetten muf? ich noch binwegfommen wenn ich mich in biefer 
Saufbabn wohl füllen fotl: bie Vorlefungen — natürlich nur bie 
hiefigen — nehmen meine 3«* unb noch mehr meine ©ebanfeft ju 
febr in Slnfprucb; ich gelange in ber £wifcbenjeit nur baju blo« ju 
lernen ober äleinigfeiten ju febreiben — nicht« ©anje«. 3cb baffe/ 
ba« wirb ftcb einriebten, e« gebt fegt febon beffer. 9locb lieber wäre 
mir«/ wenn ich mir etwa« wiffenfcbaftliche Seicbtfertigfeit anfebaffen 
fönnte: oft erfebeint mir« fofi gewiffenlo«, wenn ich morgen meine 
Zuhörer über eine grage belehren fod, über bie ich mir felbff noch 
nicht ganj flar bin. Da« ifl ein ewiger 2Biberfprucb: wiffenfcbaftliche 
Arbeit ifl freie feböpferifebe Stbätigfeit — unb boeb fod f»e auf Stag 
unb ©tunbe geliefert werben. Manchmal möcbt’ ich ©urftan« triviale 
©elbfljufriebenbeit beneiben, ber an folgen ©frupeln fein Sebtag nicht 
gelitten bat. — SBir waren biefe $eit über recht in ©orge um ^rof. 
^arnefe, ber wieber auf bem Stöbe lag. (Sr ifl für bie«mal ©ottlob 
noch mit bem Sehen baoongefommen, aber nach einem jweimaligen 


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42 


SBlutfturj au« ber Sunge ift (ei feiner Gewinnung an geiftige 9n* 
fhengungen bie Hoffnung auf feine Srbaltung teibcr gering. Sr ifl 
mir in biefen 2 Sauren bocb febr lieb geworben . . . 9m Sonntag 
war icb enblieb ’mal wieber im 3$eater: Die Seebacb gaftirt §iex, fte 
batte mir (egten £erbft im Sauft febr mißfallen, unb ich tonnte mich 
taum entfcbliefen wieberbinjugebn. Da fab i<b f»e al« Ädtbcben oon 
$ei(bronn, unb i(b muß fagen: e« war reine Jjejrerei, ich höbe noch 
nie etwa« Slebnliebe« oon einer grau auf ber SBübne gefebn — unb 
ba« in einer Stolle/ wo bie ^Berechnung gar Stiebt«, ba« ©enie 9(te« 
tbut — unb unter einer Sebaufpieler*S8anbe, bie nach ^>erjen«luft 
gegen ba« äBerf meine« lieben Heinrich steift wutbete! 3cb begreife 
nun wa« man oon Subwig Deorient behauptete, baß er feine Stollen 
entweber glänjenb fpielte ober gdnjlieb oerbarb, weil er unfähig war 
einen Sbaratter, ber ihm nicht jufagte, bureb Weine Äunjtgriffe über 
2Baffer ju holten. Sie ift wirWicb ein wunberbare« SBeib. — 

Die SRärfcbe nach Sügfcbena )u Mittag in ber J^unb«tag«bige 
waren grabe fein ©enuß, aber ich bin für bie 2Bärme wenig cmpfmfe 
lieb/ unb niemal« wirWicb mübe geworben. £urüct geh’ ich gewöhn* 
lieb burep ben SBalb unb höbe febon eine 5Renge bübfeber Stellen ge* 
funben: beimliebe frifebe 9Biefenplä§e mit oereinjelten hoben Stieleieben 
beftanben — unb faft regelmäßig ein Stubel Stehe im JJmferfelbe. 
Snjwifeben ftnb biefe befebeibnen Staturgenüffe für mein oerwbbnte« 
9uge benn boeb ju bartnlo«, unb ich freue mich betjlicb auf Suren 
feponen gelfen . . . fDtit taufenb ©rußen — auch an ben £ropf — 

Dein treuer Sohn 

Heinrich 


238] 9n SWa* Dumtcr. 


Seipjig, Slug 19. 69. 


©eebrtefter -Oert ©ebeimet Statb, 

mein greunb Slegibi war fürjlieb «uf ber Durcbreife b»<r. Sr fagte 
mir/ baß 3b«en baran gelegen fei au« allen Steilen be« iBaterlanb« 
unbefangne Berichte über bie berrfebenben Stimmungen unb £uftänbe 
ju erhalten l . 3eb begreife/ baß eine genaue Äenntniß ber ^botfacben 

1 ©gl. Sfrapm, 2«btn SW. Dundee« 6.198. ©on Dundert J^nnb gebt «w 
brt Original« mit ©leiftift cennerft: »t>t&<btige Sborafterifüt ber f&<bfif<bcn 9«* 


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43 


ber preuf. Regierung bei bern SfBerfe bet beutfcben Reform, ba« fte 
will« @ott »ottenben wirb, nur förbetltcb fein fann. 3«b beeile mich 
Äegibi« ffiunfcfy nacbgutommen unb 3bnen (natürlich gang prioatim) 
eine Scbtlberung fdcbftfcber Serbdltniffe gu geben. 

Die großen Hoffnungen, bie man an bie £bronbefleigung be« 
Äönig« fnupfte, ftnb fdmmtlicb getdufcpt worben, ^erfinlicb neigt 
ftcb bet Äbnig wohl in noch b&berem @rabe at« fein Vorgänger bet 
3unferpartei gu, unb nur bie ©ewiffenbaftigfeit feiner Statur unb bie 
Solibitdt feiner Silbung trennt ihn oon bem frioolen Sjrtreme be« 
3un!ertbum«. 2)ewunbem«wertb ift feine fleißige Sorgfamleit: Jebe 
Delegrapbenflation, jebe Schule be« Sanbe« beehrt er mit feinem SBefucbe, 
aber — rt ifl tebiglicb bieilBifbegierbe be«©elebrten bie ibn bagu treibt: 
er unterriebtet fieb unb — Sitte« bleibt wie guoor. Son feinen beibcn 
©bbnen ifl nur fo Siel gu fagen, bafj au<b ber lopalfte Leutnant ihre 
gdbigfeiten nicht gu loben wagt Der Äronpring geiebnet fieb «u« but(b 
blinbe perfönliebe Serebrung für ben Äaifer oon Defhei<b* Der S)a% 
gegen ^teufen ifl in ben ^offreifcn oon feber — felbfl in ben Xagen, 
wo Preußen webet geneigt noch geeignet war moralifcbe Eroberungen 
gu machen 1 — trabitionette ©eftnnung gewefen. Der wahre Senkt 
be« Staat« ifl SJtin. Seuft. 3n ber Xbat, er b«t e« meiflerbaft oet* 
flanben bie Siegfamkt't be« fdebftfeben Stammebarafter« gu benugen 
unb ein Spflem oottenbeter Sebrttefung eingufufiren ohne formell 
attgufebr gu oertegen. Stm SKetflen geachtet oon feinen ©enoffen ifl 
Stiit. Sehr, ein au«gegeicbneter ©efchdft«mann, ber fieb »on ber hoben 
9>olitif giemlicb fern bdlt; am SOleiflen »erbafjt 9Rin. frtlknflein, ber, 
obwohl perfönlicb feine«weg« ein ©Idubiger, bie St&ge unferer oer* 
rufenen frommen bitbet unb baburch jene Seite »erlegt, an welcher 
allein unfre öffentliche Meinung empfinblicb ift Hinfiebtlieb be« 93e* 
amtentbum« befolgt man ba« Softem: Sermebrung ber Seamtengabl 
unb Serminberung ber ©ebdlter; bie Kammern, welche (ebiglicb auf 
bie fahlen be« ©ubget« feben, ftnb bamit in ber Siegel oöttig ein* 
oerflanben. Die Slbbdngigfeit ber Seamten ifl oottfommen; felbfl ber 

fMnbe* : ^tragen mufi bur<$ ober minbeftenS beutft$e frfldrung 

beweifen, bn| e* bie €>a$e ©entf<$(anb* ju ber (einigen machen »UL 4 gu biefen 
Vnlfityrnngen Xreitföfe* »ie ju brnen im ©rief 235 ifl ber 1862 im SWdrjfceft 
ber $mif« 3a$rbb. erf$ienene „Die $ufi&nbe be* Äbnigreitb* ©a<$fen 

unter bem ©euffföen (Regiment 4 |u vergleichen (£iftor, u. $olit. Buff&fc 4,97 ff.)* 
* {Rebewenbmtg aul ber 9nfpra<he bei ^rinjregentrn 8.9lov. 1868* ®gL ©i*s 
martf, ©eb* ru Crinner. 1^5.77« 


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44 


ttugufi 1868. 


SRicbterfianb Fann in einem 2anbe, wo 3ufftj unb Verwaltung <m* 
mifcbt ftnb, bie SelbfldnbigFeit feiner preufjifcben Kollegen nicht haben. 
Die ©lanjfeite bet Verwaltung bitbet ba«, in ber £f>at mufierbafte, 
VerFebr«wefen. Ueberbaupt gefehlt für bie materiellen Sntereffen 
jiemticb viel/ feit @eb*3latb SBeinlig, entfliehen eine Ciapacitdt, mit 
beren Leitung betraut ifi. 1 Doch befifjt 2B. nicht bie Energie/ bem 
^unftwefen, ba« in üppiger Sötutbe fiebt, ein Snbe ju machen. Selbfl 
bie £eipjiger @roffo:Äaufleute bitten eine „Äramet:3nnung"; auch 
hier binbert bie Abneigung gegen bie preufjifcben 3nfiitutionen ben 
gortfchritt. ©er Entwurf eine« ©ewerbegefefce« bittet fbatt ber biflo* 
rifeben fünfte Funfiticbe „©ruppen" unb ifi bereit« gefcheitert an bem 
©eldchter ber 3nbufirietten. — Soweit in ber älrmee eon potitifeber 
©efinnung bie Siebe fein Fann, befiebt biefette in leibenfcböftlicbem 
Jgioffe gegen Vreufjen, ber fich bei ben Älteren jDffijieren, welche bie 
©brilmtfl be« #eere« mit angefebn, burch ihre Stlebniffe, bei ben 
jüngeren burch bi« SRacbt &e« mititdrifchen Ürabition erFldrt. Ueber: 
baupt ifi e« eine unbefireitbare 2fjotfacbe: bie potitifebe Vittung unfrer 
bbberen Stdnbe befianb bi« vor Jturjem in Variationen über ba« 
5Eb«ma „bie ^reufjen höben un« ’« 2anb geflöhten 1 " ic. €« ifi ein 
ungeheurer gortfebritt, baf b«»»te wenigften« bie allerunftnnigfien Ver: 
bdchtigungen ^reufjen« fettner geworben ftnb. Stur Stegierung unb 
Kammern höben ficb eon biefem gortfehritte au«gefchloffen. ©ie 
Kammern* gldnjen in bet £bat burch einen, in biefem bochgebitteten 
unb gewerbfleifjigen Stamme völlig unbegreiflichen, Vtangel an 3n* 
teßigenj. ©ie 1. Kammer befiebt au« ber Slittetfcbaft, ben geifiL 
Stiftern u. f. w., unb wir erteben in ihr ©inge wie jenen Antrag 
be« Jj?m e. 6rbmann«borff, ber 9ti<f)ter folte ba« Siecht höben einen 
2lngeFlagten, ber fich töub ober blobfinnig fietle, fo lange prügeln ju 
taffen bi« er antworte, ©rofcbem ifi biefe Kammer ihrer ©enofftn 
weit »orjujiehen: fte böt wenigfien« einige Slebnertatente unb bann 
unb wann ben Vtutb eine eon ber Slegierung abweicbenbe (natürlich 
reactiondre) Vteinung au«jufprechen. VollFommen nichtig ifi bie 
2. Kammer. $ein SBunbet: feit bie alten Stdnbe wieber octropirt 
worben höben fich ölte fetbfidnbigen SOldnner ber 2Babl enthalten unb 
bie wenigen liberalen Elemente ber Stdnbe (Vrocfbau« 4 , Stewiger ic.) 
fich au« ben Verfammtungen jurücFgejogen. Seitbem befiebt bie 

1 ®. ®b. 1, <3. 28 «. 3 u. @. 211. 3 Dtutfd« ©efobübte 3,602. » Sbenba 

4,180. * Heinrich, ein Altem Stüber be« $rofeflot«. 


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auaujt 1869. 


45 


jD|>y>ofttion auß einigen ©auem, welche in aßen ©elbfragen gegen bie 
«Regierung fftmmen, unb auß ein paar eifrigen SRationaliflen, bie bem 
Sultußminifter baß Sieben fcfwer machen. Dafj folgen Kammern 
gegenüber baß publicum fiep »ollFommen pafft» »erpült bebarf ber 
SrFlürung nicht: finb hoch fetbfl in ben ©tübten nur bie ©runbbeftfcer 
» wahlberechtigt; mit Stußnapme ber SfunFerpartei ift ©iemanb im Sanbe, 
l ber in biefen Kammern eine SolFßoertretung erblicFte. Ueberhaupt ift 
bieß charafterijlifch für bie fücpftfchen ©erbültniffe: »on ©taatßftreichen 
unb eraffen 3Rechtß»erle(}ungen hoben wir nicht »iel erlebt, aber Faum 
irgenbwo fonft in Deutfchlanb befteht ein folcheß SRifjoerhültnifj jwifchen 
ben Seiftungen beß ©taatß unb ben ©eburfniffen unb SüpigFeiten beß 
SolFß. Sine blühenbe Snbuftrie — unb ^unftjwang; ber ©KttelpunFt 
beß ©ucpponbclß — unb eine gefnebelte treffe; ein üufjerfi profaifchet 
aber bem Füpl«»erflünbigen SBefen ber ©aepfen natürlicher 9Rationaliß* 
muß im SBolfe allgemein »erbreitet — unb eine ©eiftlicpFeit, bie bet 
SWecFlenburgifcpen völlig gleich Fommt; weit verbreitete ©olFßbilbung 
— unb baß benfbar geringfte SDJaaf) politifcher 3tccf>te (felbft baß 
Schwurgericht entbehren wir noch); ©Joplftanb, ©ilbung, für) alle 
Slemente ber ©elbftverwaltung reichlich »orhanben — unb eine büreau« 
Fratifcpe Sentralifation, welche fich nicht einmal mit Sinjiepung ber 
* ftübtifepen ^olijeigewalt begnügt, fonbern fogar bie ©pmnafien unb 
©«hüten ber ©emeinben in ©taatßanflalten »erwanbelt. — Sine $eit 
lang fehlen eß, alß fei baß Jicl ber Regierung, bie »ollFommene ©tag« 
nation, erreicht, alß fei baß getefenfie fücpf. ©latt, ber Dorfbarbier 
mit feiner orbinüren ©ier«@emiitbtichFeit, in SBahrheit ber 2lußbrucF 
ber ©olFßfHmmung. Doch hot bie ÜBenbung ber Dinge in ©erlin im 
9to»ember unb befonberß ber Stiebe »on ©illafranca baß Sie gebrochen. 
©iO bahin war baß einzige öffentliche 3ntereffe, wofür man ©inn 
hatte, baß confeffionelle gewefen; in ber S£pat befteht im Sanbe ein 
burepauß ungereeptfertigteß SDJifjtrauen gegen ben Fatpolifcpen #of; auß 
eonfeffionellen ©rünben wunfept ber gemeine fOtann baß SluOfterben ber 
SHbertiner. ©eit leptern Jjerbft warb baß Sfntereffe an ber ^olitiF leben« 
biger; bie franjöfifch« Haltung, welche bie officiellen ©lütter biß $u 9leu« 
fapr einnapmen, inbignirte ebenfo allgemein wie fpüter ihre öfierreiepifepe 
y ftürhung. SBüprenb beß Äriegeß war bie Stimmung biefe: in erfter 
Sinie ftanb ber trüge SBunfcp nach Stieben, in jweiter bie Ueberjeugung: 
wir müffen febenfallß mit ©reufjen gehen, ©on ©egeifterung für 
Sefterreicp war nur unter bem Stfbel, ber in ber öftr. Slrmee fepr ftarF 


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46 


«ugnff 1869. 


vertreten iff, etwa* ju fpüren. Der Empfang ber jtaifertichen 1 war 
höflich, wie ftch ba« im Sanbe bei Slnffanb« «an feCfeft »erfleht; einige 
{iebebiener ber Regierung unb einige brave SRenfchenfreunbe veran* 
falteten Sammlungen, aber ber vielgerühmte <£nthuffa«mu« beffanb 
barin, baff von ©affenbuben bem Äaifer Rapoleon $ereat« gebraut 
würben. Seit bem Stieben iff auch biefe philantropiffhe Xhcilnahme 
für jDeffteich gdnjlich verfchwunben; bie Seröffenttichung ber Depefchen 1 
bat unenblich viel ©ute« gewirft, ffe hat Sielen bie Sfugen geöffnet 
unb vor 2Went fte hat SWanchem von ben Unjdbligen, bie burch ifae 
Sfntereffcn auf 9>reuffcn angewiefen ftnb, ben SJiuth gegeben feine 
Meinung ju fagen; bie ehernal« lanbe« üblichen Sticheleien gegen 
$reuffen jeigen ftcb nur noch in ben offfcietlen Slittem. greilich iff 
biefe Bewegung noch immer febr fchüchtern. 9fm Rührigffen ftnb bie 
Demofraten. 3ch jweifle nicht, baff ihre neueffen Dcmonffrationen 
ehrlich gemeint ftnb; aber in biefer Partei iff hier ju Sanbe vor» 
wiegenb jene ÜRacf;t vertreten, mit welcher bie „©öttet fetbff vergeben« 
fimpfen". Roch vor Äurjetn febworen fte auf ba« groffe Start eine« 
ihrer gühtet: „ich will lieber ein freier Sachfe fein al« ein beutfeher 
Sflave". ÜRit einem Starte, bie fichfifche Demokratie war bi« )um 
legten J^erbff eraff »partieulariffifch, e« iff alfo unmöglich ju fagen, 
ob ihre neueffe b&<hff unerwartete Schwenfung nachhaltig fein wirb. 
3bt Anhang iff fehr jahlretch, obwohl fte bunh bie treffe nicht wirfen 
barf. SJeit febwichet an -Jahl ftnb bie ©othaer, befonbet« vertreten 
unter ben £eipjiger Äaufleuten, Schriftffellem unb glrofeffoten; boch 
beffeht in tiefen Greifen noch eine trofflofe Scheu vor öffentlichem 
Auftreten, hieran unb an einem anbern ©runbe iff auch ber wieber» 
holt angeregte Sorfchlag einer SRanifeffation im Sinne ber hannover* 
fchen Srflirung * gefcheitcrt — an bem unwiberleglichen ©runbe nim* 
lieh, baff biefe Srflirung fofort paralpffrt werben würbe burch eine 
©egenbemonffrution beiber Kammern, fimmtlicher Seamten u. f. f. 
Stn (ebenbigffen verhiltniffmiffig iff ba« öffentliche lieben in Setpjig, 
ba« ftch auch vor 11 Safjren burch Sefonnenheit auöjeichnete 4 ; ber reiche 
Kaufmann iff, wenn er überhaupt etwa« benft, ©othaer, ber deine 


1 Sgl. ®. 26 3nm. 2. 3 ber prragifcbm in ber $r*nfKfch*n ffeitung 22. u. 28. 3uli. 

6. Jpapm, I)ander ®. 204. 8 (Rubolf son $B*nnigfen$ unb ©rnoffen, bi* n>*it<rs 
hin, nach JMammenfönftm gefinnungttxrwanbta 'Politifer in €ifenach unb grants 
furt, h}ur ©tftnbung bei b*utf<h*n Rarionafoertini führt*; f. $}. JDnden, 
CR. ». »omigfen 1,324 ff. * 6. 85b. 1, 6. 9f. 


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Sagnft 1869. 


47 


Vurger Setnofrat; bie ©tabtverorbneten finb »ortvügenb Semofraten 
unb erdirten formell, bte Verabreichung von S3raunbter an bie Äaifer* 
liehen fei „ohne Sympathie" erfolgt; bet Jtonig wirb bie ©tabt nicht 
wieber befugen fo lange fte eine folche Vertretung bot Sre*ben bagegen/ 
obwohl oon offtcießen gebem gern eine „SBeltftabt* genannt/ ift in 
allen öffentlichen Singen ein wahre* Ärdhnnnfel: ber ©tabtrath hot 
ein Vebfirfniß ju (riechen/ er grotulirte bem fronjof. ©efanbten ju 
ber Errettung feine* ©ebieter* nach bem Attentate vom 14. San. 1 — 
In Summa, ©tumpfßnn unb ©emlitdt ftnb weit verbreitet/ hoch 
wirfliche ^ufriebenheit nirgenb*. Veuerbing* wirb ba* ©ef&hl/ <4 
(Snne nicht mehr fo fortgehn/ unb befonber* bie Verachtung gegen 
ben Vunbc*tag immer allgemeiner. dber ein Jptnlenfen biefer undaren 
©timmungen auf reale polttifche ^wecfe wirb nur bann eintreten/ wenn 
bie preuß. Regierung burch Xhaten jeigt, baß e* ihr ©nfl ift mit ber 
beutfchen {Reform. Einige ©nichtige freilich jweifeln baran nicht; um 
aber ba* ©* ju brechen/ um ber ftumpfen ©leichgultigfeit ber Vtaffe 
ein €nbe ju machen/ bebarf e* einer Xhot ober minbeften* einer beut« 
liehen €r(litung, worau* fonnendar hervorgeht/ baß Preußen Seutfeh* 
lanb* Sache jur [einigen machen wiü. Sie fctehßfcb« {Regierung wirb 
[eben 9>lan für Scutfchlonb* wirdieße ©nheit auf* S&ußerfte be« 
(impfen; ber fichßfche Stamm aber wirb/ wenn ihm eine pofitive 
Hoffnung gezeigt wirb, feinerfeit* {eigen/ baß er von $rn von Veuft 
fo wenig ruinirt worben ift wie weilanb von ben polnifchen duguften. 
— ©eneßmigen ©ie, verehrtefter Herr, bie Verficherung ber au*ge« 
jeießneten Hochachtung 

3hre* ergebenen 

Dr. S). v. SCreitfchfe 


284] *n SBUhdin %>ff. 


£eip)ig/ dug. 26. 69. 


SieBcr i8ereli, 

. . . Sa* ©emefter ging leiblich; ich hotte für hiefige Verhiltniffe/ 
wo freilich ber inbufhrieüe ©achfe niehtsobligatorifehe €ottegia ganj 
vcmachUffigt/ fiarfen Julouf. Safür war meine £eit gonj mit Ve* 
fchlog belegt/ unb ich freut wich bie (utjen gerienwoeßen für mich 
ju hoben. — Ser Otto Subwig, ben ich ®ir verfprochen, ift noch 


1 VftL »b.1, 6.463 «.1. 


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48 


Geptemb« 1850. 


immer nicht gebrucft 1 . ©ielteicht fchreib’ ich nächflen« al« ©enbaitt 
baju einen 2luffa§ über Gottfrieb fetter, beffen grünen Heinrich, ein 
böchft oerrücfteö aber bü<hfl lieben«würbige« Such, Du tefen mußt: 
eö ifi ba« erfle ©tat, baß ein Schwerer bie JperrUcbJeit feiner beimatb* 
liehen ©atur mit poetifcher Äraft feiert. — Die ©fenacher Slbteffe 1 
ifi fegt hier; idf» »erbe bochfiwabrfcheinlich f*e mit unterfcbreiben. 
Gott im Himmel, Sorte finb Sille«, »a« wir jegt für unfer oon 34 
jgefrönten ^oeboerrdtbern jerrtßne« ©aterlanb tbun fönnen. Siber ich 
habe gute, febr juoerläffige ©acbrichten au« Berlin: e« ifi bort 
bittrer Srnfl mit ber beutfcben ©erfaffung; bie näehfle ^ufunft wirb« 
lehren. ^aft Du „Preußen unb ber griebe oon ©illafranca" gelefen?* 
Der ©erf. Slegibi befucbte mich neulich; bie «Schrift ifi oortrefftich; 
witlfi Du fo fchicf ich fie Dir; bie mitgetbeilten 5£batfa<ben finb trog 
ber Dementi« ber HH* ©orrie« unb ©euft autbentifcb. Sin Sluer«* 
»alb bot fie bem ©erf. mitgetbeilt. — 2eb wobl, fei glücflich unb 
laß mich nicht figen. 

Heinrich 5t. 


236] Wtfljt Dtnufer. 


Seipjig, «Septbr. 3. 59. 


©eehrter Herr ©eheimer SXath, 

Slegibi bittet mich meine ©iittbeilungen bei Gelegenheit fortjufegen. 
Die Gelegenheit, unb bie unerfreulich^, ifi gegeben burch ba« ftägtiche 
©efultat ber eifenacher Agitation, worüber 3h«en »ietleicht einige 
Detail« willfonunen finb. Die eifenacher Srflärung war nur bi«t in 
2. in größter ©title oerbreitet, fie fließ felbfl unter ben unabhängigem 
unb freifinnigftcn großen ätaufleuten auf jene oon mir bereit« ge* 
fchilberte maßlofe Scheu oor öffentlichem Auftreten, ^tdtte man bie 
Schrift öffentlich au«ge(egt, fo hätten fich befonber« au« bem nieberen 
©ürgerfianbe oiele Unterjeicgner gefunben; hoch man wollte nur wenige 
aber gute ©amen, unb auch bieß fchlug fehl. Die Hoffnungen, welche 
man auf bie Unioerfität fegte, finb ju Schanben geworben jum Stbeil 
burch ben unfeligen Zufall, baß Sllbrecht, beffen ©eifpiel ficher gewieft 
hätte, oerreifl ifl. Die älteren ©rofefforen, bie überhaupt feit bie 


1 Srfdjiett ab« noch int 21ugu|tbeft bet «Pteu§. 3<tbtbb. 2 ©gl. G. 46 Sbim. 3. 
8 3m 3“ii etf<b«enen; f. Uegibi fetb« Ab« biefe ©roföftre bei Geheftet, »Die 
pteui. aublijifKf i. 3 . 1869», G. 170 f. 


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September 1869. 


49 


Univerfitdt burch einen ©ewaltftreich jur ©taatPanftalt geworben 1 
ihre ©eftnnung entweber burch ©ervilitdt ober burch ©chmolten be* 
tätigen, fügten 9tein ober machten 2luPflüchten. Unter meinen jüngeren 
Coltegen waren 5Btete mit greuben bereit, aber man fagte unP (leiber 
mit Stecht), ba bie Alteren Herren abgelebt fei eP um ber Übeln 
Stachrebe willen beffer, wenn bie Univerfitdt ganj auP bem «Spiele 
bleibe. 3fm übrigen £anbe $at nur äDehmichen*€horen unterjeichnet, 
einer ber gühter ber Säuern, ein ÜJtenfch ohne alle Sntelligenj, ber 
nur 2Bege fueht ftch geltenb ju machen; boch wirb fein Seifptel, ba 
er unter bem Sanbvolfe alp Drafel gilt, vielleicht golgen haben. Sie 
hiefigen Semofraten (Dr. #epnet* unb ©enoffen) haben eine Stbreffe 
an ben Äüntg entworfen, worin er mit wahrhaft rührenber 9taivetAt 
gebeten wirb ben beutfchen gürften ein Seifpiel ju geben burch 3lb* 
tretung mehrerer ©ouverdnitdtPrechte an bie neu ju fchaffenbe Central* 
gemalt. Um biefe Hpathie auf ber einen, biefe politifche Unfchulb auf 
ber anbem ©eite ju begreifen, müffen wir ben Charafter biefeP 
JnbufhriclanbeP unb bie Xhatfache bebenfen, baß feit 10 Jahren alle 
unb jebe ©elegenhcit ßeh am üffentlichen £ebcn ju betheiligen fehlte. 
€rft jüngft wieber auf einer Steife burch« Crjgebirge hab’ ich mich 
bavon überjeugt, wie bort bie materiellen gragen alle« anbre Jntereffe 
abforbiren; ba häuft ft eher ber tüchtigfte unb thatfrdftigfte Xheil unfreP 
©tammeP: aber, guter ©ott, wenn ich nicht weif wovon morgen 
leben, woher foll ba ber ^atriotiPmuP fommen? Jn DrePben hat 
man nicht einmal ben Serfuch gemacht bie Sifenacher Crfldrung ju 
verbreiten; bie ©ttmmung in ber Steftbenj ift bie fldglichfte. Cin 
anefbotifcher ^ug für hunbert. Jn ber grüßten bortigen gefegefellfchaft, 
bem ©ammelplafje vieler Seamtcr, machte ein mir befreunbeter 
©eiehrtet ben Sorfchlag, bie von J^aptn h**auPgegebnen liberalen 
„beutfchen" Jahrbücher anjufchaffen. SDtan erhob einige Sebenfen 
wegen bep SiberaliPmuP unb frimmte enbtich bei; ba fagt ber älntrag* 
Peiler er habe ftch verfprochen, ber Xitel fei „preußifche" Jahrbb. 
ffiaP? ^reußifche! Unb ber Antrag fiel fofort. — Sine ungeheure 

t Der ©ttberganb bei Senat* gegen rine ©ertretung bet UnioerfttÄt in bem nach 
bem Staat*grei<b von 1860 mieber in bet alten gfcfammenfebung, gemdg bem 
Onmbgefep von 1881, berufenen Sanbtag, batte bie (Regierung 1861 meniggen* ju 
einer Umgeftaltung ber bUberigen Unioerjitdttoerfaffung beftimmt. ßlatbe a. a. £>. 
©. 694f. 2 3" ber Jpanbfcbrift gebt beutlieb .pepmer; e* ig aber boeb »obl an 
ben balbigen fdebf. 8anbtag*abgeotbneten Dr. .$epntr (»gl. ©f. 266) *u benfen, ber 
1861 in ben gtutfcpug bei 9tational»erein< gemdplt mürbe. 

n. 4 


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60 


September 1869. 


©cßutb an biefem nichtßwfirbigen Storticularißmuß trägt bie treffe. 
Daö »erbreitetfte, weil bem ©cfchäftömann unb ben Stauen unent« 
bebrliche, SBlatt ift bie Seipjiger Leitung. 3Ran fpottet ihrer, man 
nennt fie bie SRuhme, ben Äinbetfreunb l , aber man lieft fte unb 
semper aliquid haeret Da« Sölatt erfcßeint in einer toniglic^en 
©pebition, trägt baß ©taatßwappen an ber @pi|e unb muß mit 
feinem Ueberfcßuffe baß Deficit beß Dreßbner Soumate beeten; ben: 
noch fott eß nicht für offteied gelten, ©o ift eß baß beguemfte ÜRittel 
um ©erteumbungen gegen ©reußen unb neuerbingß wieber ®erhetr* 
Übungen beß Stetterß ber ©efellfchaft ju »erbreiten, welche für ein 
officielteß SBlatt benn boch ju arg wären. Um bie ganj gemeinen 
®erhe|ungen unterjubringen hot baß ©latt jum Ueberfluß noch einen 
„©precßfaal" eröffnet, ffir welchen bie SRebaction (eine moratifche ®er= 
antwortlichfeit fibernimmt. Sn biefem ©precfifaalc trieb wäfirenb beß 
Äriegeß „ein in Preußen begüterter angefehener SOtann" fein Unwefen 
— wie ich 8 a nj genau weiß fein ©eringerer alß J?r. ». SJeuft felbfl! Daß 
finb fo fächftfehe ^uftänbe.— Daß Dreßbner Soumal wirb factifch geleitet 
»on StegeSft. Jjäpe, einem fächf. ?inbenberg *, ber früher rabical, im 3.1848 
SRebacteur eineß reactionärm ©cßmufcblatteß „bie gacfel", unter ©euft 
ßfief ber geheimen ©olijei unb ein wichtiger fOtann geworben ift. Dieß 
©latt unb feine ©erjroeiflung barfiber, baß felbfl Deftreicß bie Xriaß »er* 
hbhnt», fennen ©ie wohl. Steuerbingß bringt eß ürtifel eineß „ümeri* 
fanerß", welcher nachweift, bie beutfeße Station fei unreif, unfähig 
jur 'Politif, baher ber Freiheit unb ©nßeit unwörbig. Unb biefeß 
beutfefie ©latt ift baß Drafel unfteß ©eamtenthumß! Der unab* 
hängigm ©lätter finb 3. Die D. 2111g. £tg, »on Siebermann ge« 
leitet, recht bra», aber leiber oft ffir bie -Swecfe ber girtna ©rocfßauß 
gemißbraueßt. Die Sonftitutionelle Leitung beß üb», ©iegel in 
Dreßben (er war mit in ©fenaeß) nennt fleh gotßaifch, meint eß auch 
ehrlich, ift aber leiber nur ein £>rgan ffir bie Sierbanf, baß atlerhanb 
lofale unb — waß hier befonberß burcßfcßlägt — confefftonelle gragen 
beßanbelt. Die Leitung ift unter bem (leinen ©firgerflanbe feßr »er* 
breitet unb gilt bort »iel, eß ift barum $u bebauem, baß fte nicht bie 

1 ®gt. Seutfcße 6,19b. 2 Deffen ®irfen unter bem Schirm ber 

prengifeßen Oieaftion f<hi(bert bie von Xreitfcßfe in ben tyreug. 3ahrbb. angejeigte 
„epotitifeße Xobtenfcßau*. ®. 8b. 1, 1. 9t. ®. 478 9(nm. 1. 8 Sieben Öfter: 

reich un b $reugen ben SRittetftaaten in Deutfcßtanb flirteten politifcßen ffinftug )u 
»etfcßaffen, mar gerabe bamatt, ®ept. 1869, ber fdeßfifeße SRinifterptdfibent ©raf 
©ruft mieber befonbert rührig* 


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©cptnub« 1860. 


51 


Sittel befigt ftch einen guten ^Berliner (Sorrefponbenten ju polten. 
Enblich baO Ehemnißcr Xageblatt, unßerblich geworben burch bie Ent* 
becfung, baß ©erlin ouö Stolen, Suben unb granjofen behebe, iß 
nic^t infpirirt, fonbem giebt bie Rnßhooungen brt fdchf. gabrifanten 
roiebe»v ber Preußen in ber Zfyat nach ben in geipjig erfcheinenben 
berliner Seßfremben beurtbeilt. Die ^ieftgen SBochenblätter (Grenj* 
boten k.) jdplen nicht mit, fte ftnb exterritorial unb hoben unter ber 
ßillfchweigenben Sebingung ©achfen ju ignoriren baä Recht über baO 
„Huötanb* frei )u reben. fflon Sichtigfeit für ©achfen iß lebtglich 
ber Dorf barbier; ©ie erlaffen mir wobt in tiefem Pfuhle ßttlicher 
unb politißher Gemeinheit ju wühlen; leibet flnbet triefe Rrt oon 
„Gemüthlich?eit" hier febr großen Entlang. 

3fn ber £hat, ich höbe Sbnen wenig Erfreuliche^ )u erjdhlen, hoch* 
geehrter Herr. Xrogbem glaube ich, mürbe bie beutfehe Reform hier 
feinen nachhaltigen Siberßanb, ja fogar lebhafte Unterßüfcung finben, 
wenn fie oon Oben herab begonnen wirb. So e* gilt bie ^olparcfjie 
jur XpranniO umjugeßalten, ba muß ber Rngriff oon bem auOgehen, 
ber jur h&<hß«n Sürbe berufen ift. Srgenb ein Einfloß ju einer 
nationalen ©ewegung wirb oon biefem nüchternen unb materiellen 
©tamme fchwerlich auögehen, aber bem einmal begonnen[en] Unter* 
nehmen wirb et auch hier nicht an ehrlichen unb rüßigen geifern 
fehlen. — 

Genehmigen ©ie, ho<hgeehrter Herr, bie ©erßeherung her auOge* 
zeichneten Hochachtung 

3hre$ ergebenen 

Xreitfchfe 

236] «n 3uKu« JU«. 

Äünigßein, ©eptbr. 13.59. 

föerehrter Herr SXector, 

... 3ch femme mir felbß recht lufh'g oor wenn ich über einen Sann 
wie gubwig ju Gericht ftfce. Da$ alte trioiale Sort „felber machen, 
beffer machen! 1 ' behält in meinen Rügen fettißhen Rrbeiten gegenüber 
burchau* Recht; oodenbo heute, wo ber fritißhe Geiß in ber ?uft 
liegt, fcheint mir bie Äritif eine wenig oerbienßliche Slhdtigfeit Sch 
lefe folche Sachen gar nicht mehr unb würbe ße auch nicht fchreiben, 
wenn ich triebt währenb bei ©emeßert oft baO ©ebürfniß nach Er* 
holung hätte; unb fo etwa* läßt ßch ja ju jeber ©tunbe unb in 

4 * 


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52 


September 1869. 


jebet Stimmung fcbteiben. Die Ueberfcbtift* unb bi« 9lr. 1 ifl eine 
Äriegßlift ber Stebaction, bie mich jur gortfefcung zwingen miß; ich 
werbe jebocb bocbfienß noch einen mobemen Rotten befprecben, ©ott* 
frieb Äeller, ber mir bie ©lonzfeiten beß Schweizer Sebenß, bie Slatur* 
fcbonbcit unb bie grcibcit, febr glücfticb barjuftetten fcbeint. 3m 
©runbe ifl eß beffer ftcb fein 3^ema unter ben ©roßen ber Skr* 
gangenbeit oufjufueben; baß bot boeb mehr Stiefe. Stich hoben meine 
Sorlefungen auf Stilton febr begierig gemalt: jammetfehabe baß 
feine profaiftben ©Triften bei unß laum bem Samen nach, feine 
©ebi(bte nach ber alten beutfeben Unfitte vorwiegenb bureb Sitteratur» 
gefebiebten befannt ftnb. 3<b gloube, baß war ber ibealfle Demolrat, 
ben bie mobeme ÜBelt gefeben; unb febon barum wünfehte icb bie 
defensio pop. Anglicani 2 in vielen Jpdnben, weil wir bran lernen 
fünnen, wie bolb unb jagbaft unb leibenfcbaftßloß wir heutzutage 
über bie beiligflen Dinge reben. — 

©eit votgeflern bin ich von einer Keinen Steife nach S»og juruefs 
gelehrt; bie Sage ber ©tabt bot mich entjieft, aber bie Pfaffen» 
wirtbf<b«ft unter bem unglüclticben verbummten Solle war felbfl für 
meine Xoleran) }u arg. Der jweite Stenfcb ein ©olbat, ber britte 
-ein Sfoff — fo erfebeint baß wiebergeborne Deffreicb! 33iß jum 
1. jDctbr. bleib’ ich nun bi*»/ unb eß wirb mir oft recht ferner, ben 
Sreußenbaß, ber mich ringß umgiebt, ruhig mit anjufeben. Uebrigenß 
ifl eß b«t oben febr bübfeb/ nur zwingt mich mein angeborner greis 
beitßftnn alltäglich minbeftenß einmal bie ÜBälle zu oertaffen; mir 
wirb immer ganz wohl wenn ich bie Stauern hinter mir höbe. 3cb 
fließe, lieber JjJ>err SRector, mit ber Serftcberung, baß in biefen b«H*n 
Jjperbfhagen bie f. Schweiz ganz befonberß fchbn ifl. ©ie werben 
natürlich tingfl gemerft hoben, baß biefer ©rief ©ie nur erinnern 
foll an 3b» Serfprechen, im Saufe beß ©eptbr’ß einmal inß J^ocßlanb 
Zu fommen. Daß ich mich b*»jli*b ouf 3b» kommen freue unb 
pünftlicb b»»» ober wo fonfl ©ie mir ein SRenbezvouß geben zu finben 
fein werbe, verficht fleh von felbfl. Stit alter Knbänglicbleit unb 
Serebrung 

3b» ergebner 

Streitfcbfe. 


1 ^dtgmifjifche Dichter. L Otto Submig. * Jpi(tor. u. ^otifc VuffAße 1,22 f. 


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Dftotar 1869. 


63 


237] Mn Jßciiuty ®a<$mann. 

3Retn lieber SSatbtnann, 


Seipjig, Dctbr. 4. 59 


nicht grabe alö einen Xretbrief, fonbem Mo« um ein alte« Besprechen 
}u erfüllen, fcbicte i<b b*<* ben, nun enblidj gebrucften, 9Juff. über 
D£ubwig . . . Die furjen 3 Soeben Serien fytb’ ich gut benufct. 
3<b bin oielfacb in B&brnen unb im Srjgebirge umbergejogen. Sine 
geheime Borliebe für Bbbmen fierft mir im Blute (meine Familie 
würbe att eoangelifeb im 30. j. Är. non ba oertrieben) — baju bie 
wirtlich jaubcrifeb fcbbne Statur biefe« ?anbe«, ba« fleh getroß ben 
berrlicbßen 9tbcin*@egenben jur Seite ßellen bann. Der #itnmel bat 
alle« getban biefen belieben @au ju fegnen, bie Btenfcben Sitte« ibn 
ju oerberben. S« läßt ft<b nicht febilbern, wie bie« geniale Sott all: 
mittig )u einer Bigotterie/ $u einem getifebbienß gebracht iß, bie nur 
in SRußlanb ihre« Gleichen fueben. — Schreib mir wa« Du oon ben 
2lu«ficbten unfre« unglucflicben Baterlanb« benfß. $ier fpriebt man 
in maßgebenben greifen ganj offen oon ber febenen $eit, wo 
Saebfen mit #ftlfe Sranfreicb« unb iDeßreicb« feine oerlome Wülfte 
wieber erobern wirb; mir aber wirb immer flarer, baß Deutfcblanb 
oon Breußen erobert — pbhfifcb erobert — werben muß . . . 


Jfrerjlicb Dein 

Heinrich X 


298] Mn ben Batet. 

?eipjig, £>ct. 9. 59. 

ÜReiit lieber Skater, 

... Der Xag in Dre«ben ging rafcb oorbei: ein oergeblicber Ber* 
fu<b ben Btinißer ju treffen/ ein febr intereffanter Bcfucb beim alten 
JMee, ein ©pajiergang an ber Slbe, enblicb eine febr ungl&cflicbe Bor* 
ßettung im Xbeater. 3<b fab wieber/ baß bie Aom&bie boeb noch 
oiet mehr ein Jtinb ihrer $eit iß al« ba« Xrauerfpiel: biefe $al* 
ßaffiaben, bie beim Sefen 3eben ^tnreißen muffen — auf ber B&bne 
machten ße boeb ben Sinbrucf eine« gelebtten Srperimentö: ba« Bubli* 
cum blieb ganj falt, e« tonnte ficb in biefe frembe Seit nicht ßnben. 
freilich/ fo — langweilig (benn ba« iß ba« rechte 2Bort) wie Da* 
wifon feinen ^atflaff fpielte ich« nimmermehr erwartet Sr* 
freulicber war mir/ baß mich #epne in ba« Sltetier eine« jungen Bilb* 


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54 


Cftobtt 1869. 


Gauert Jettet 1 führte (brtfetten, von bem vor’m 3ahre ein feinet 
fchitthaltenber 9>age auf ber $(u*fledung war unb grofje* Sluffehn 
machte). @8 war ba* erffe Mal, baf ich biefe wunberbare Äunfl in 
ttrem SBetben belaufchen fonnte; meine S^rfurcGt vor ihr fyat (ich 
baburch nur vermehrt; ba lernt man ben rechten Äünjllerfleif}, biefe 
Eingebung be* ganjen Mengen an eine 3bee, bie fielen nur al* 
ein Phantom erfcGeint. Monatelang eine einzige ©efialt in ber Seele 
tragen unb bei adern Steife Sticht* bavon vor Slugen feGen al* einen 
Gatt formlofen XGonGaufen, ber enblicG langfam, langfam jum geben 
erwart — ba* ertrügt nur wer feine* ßünfHerberufe* t>od unb freier 
ift. Diefe Sicherheit unb bewufte Stube ift ba* Schöne an ber Sculp* 
tur. Ueber bie Sigur, beren Anfänge ich »« ber ffierfffatt fab. Gab’ ich 
natürlich — wie wohl ber fünfter felbjl — nur Ahnungen, fein UrtGeil. 

Jjier bin ich vodfommen einfam ... 3<G hätte gegen ba* 
ittdeinfein gar nicht fo Siel einjuwenben, wenn nur nicht — fofort 
nachbem bie gefunbe Äänigjteiner SBummelei ein 6nbe nahm — ba* 
(eibige alte geiben, Äopfweb unb Slugenfcbmerjen, fitt wieber ein* 
gefiedt hätte. Da* ift fe|t meine grbfjte Sorge, baf ich gefunb bleibe 
um arbeiten ju fonnen; benn ju ber geben*pbilofopb<e bin ich benn 
boch gelangt, baf (ich nur bann wa* Siechte* fchaffen läf t wenn man 

(ich grünblich wohl fühlt an geib unb Seele-SBiele, unb nicht 

immer angenehme, geetfire fleht mir für mein <£odeg bevor; in* 
jwifchen Gab’ ich, wa* ich (ängjt gewodt, Einige* au* Dropfen« $otf 
gelefen. Da* ifi boch «ne ^Biographie wie fte fein fod; aber fo fchö» 
bie ©ehanblung, ba* £auptintereffe Hegt boch in bem Stoffe, in biefemt 
herrlichen €harafter. Mir ifl ba* Such befonbert lehrreich, weil man 
baran recht ben Unterfchieb von hoffte unb Sefchichtc erfennen fann. 
Dicfcr grofje heroifch« üampf, ber bem $o£ten al* eine ibeate SBe* 
wegung erfcheinen muff — wie ganj anbert ifl er in feiner hifa* 
rifchen SBabrbeit, wenn wir bie S(((tag*miftre> ben {(einen ;5anf biefer 
mächtigen (Sharaftere vor Slugen fehen . . . 

3e|t fett ihr wohl 31de wieber auf bem föhnen Seifen. 3<h grüf’ 
Such taufenbmal unb werbe noch *ft bie gföföenaer Chauffee über 
bem Sebanfen an ben guifenfleg ober ben gilienftein ju vergeffen 
fudften. 

Heinrich 

1 SSobm Qtxtd au4 SBtratar, €><bü(et von in Drriben, war bantaU 

28 3a^re alt; gtfh 1894 in SreMau. 


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I 


Dfteb« 1869. 


56 


239] 3bi ÖJob«tt von 9)lo|(. 

Seipjig, £>ct. 26. 59 

Hochgeehrter J&err ©epimer Dtoth, 

Sie werben mit vollem Rechte über meine Ungejogenheit erjimt 
fein; noch immer ifi 3hr uberau« freunblicher SBrtef, ben ich im 
Sanuar ju empfangen bie Shre hotte, nicht beantwortet, (Seftatten 
«Sie mir, wo nicht eine Rechtfertigung, fo boch ben ©erfuch einer 
Sntfchulbigung. Seneö Schreiben verlangte, auch wenn e« für mich 
nicht fo ehrenvoll unb fchmeichelhaft gewefen wäre, fchon au« Sin» 
flanborucffichten fofortige Srwiberung. Slber ich faifl mich: fott ich 
ben wiffenfchaftlichen Streit brieflich weiter fpümen ober mich mit 
einem bloßen JjbfticbfeiWbriefe begnögen? £aö Srfle fchien mir nicht 
an ber Stelle, ba« ^meite 3h«r nicht wörbig: fo jog ich & »or, 
vorläufig ben Schein ber Ungejogenheit auf mich S u loben. 3«h 
wollte warten, bi« ich <me neue Schrift fertig unb bamit bie <Be» 
legenheit hÄttc> 3hnen meine Hochachtung ju bezeugen. Diefe @e» 
legcnheit wirb freilich nicht fo halb ein treten, benn meine £eit wirb 

burch bie ©orlefungen gar fehr in Slnfpruch genommen- 1 

8Ba« ben (Segenfianb unfreO Streite« anlangt, fo hab’ ich mich aller» 
bing« uberjeugt, hochgeehrter H<tr, baß 3hrt Sluffaffung be« Staate« von 
berjenigen, welche ich mir $u bilben beginne, mehr ber $orm alfl bem 
Snhalte nach abweicht. 3nbeß bin ich nwh immer be« (Stauben«, 
baß bie (Semeinben gAnjlich, bie großen ©olf«flänbe minbeflen« in 
ihren wefentlichen ?eben«bejiehungen einen (Segenßanb ber Staat«» 
wiffenfehaft bilben. Sobann fcheint mir bie Rothwenbigfeit, bie 
Rationalofonomie al« eine untrennbare 2ßiffenfchaft ju behanbeln, 
noch immer feftjußehn. Snbltch meine ich, baß — bei ber univer» 
feilen Ratur unb anjiehenben Äraft be« Staate« — bie StaaWwiffen* 
fchaft wohl tßut, auch jene focialen (Sruppen näher ju betrachten, 
welche mit bem Staate nicht pfammenfaden, j. 99. bie Kirche. Rur 
fo fcheint e« mir möglich nicht nur jene Staattformen ju vergehen, 
in benen bie Kirche krrfcht, fonbern auch bie mannigfachen SBechfel» 
bejiehungen jwifepen Staat unb Kirche ju begreifen, welche ber große 
Haufe burch 3lu«brucfe wie „proteflantifcher, fatholifcher Staat* mit 
richtigem 3nfHnfte h<mu«fuhlt. — 

1 Statt btfftn faift It«itfd)(« n>«nig|J«n4 «in« oon ihn wrfajite ölcjfnfioit V«« 
1869 «tfcbitntntn €n^fIop4bi« 5Rof)I4. ©gl. 83b. 1, 1. V. ®. 484 Kran. 1. 


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66 


Oftobtr 1869. 


Hier haben ©ie, hochgeehrter Herr, bie Sntflehtwgögefchicbte be« 
bcifolgtnben {(einen 2luffage«. @9 bleibt mit nut noch übrig/ wegen 
meine« langen ©Zweigen« normal« 3h** SWot^fic^t in (Hnfpruch ju 
nehmen. Slegibi befugte mich Bürjlich unb bat mich/ 3hnen feine 
Smpfehlung au«jurichten. St war »oK non guten (Nachrichten au« 
bem »erliner SRinifierium. ©ott gebe/ baß er nicht mit allju fan* 
guinifchen Slugen gefehen hat, baß bie alte hohenjollemfche Sthatfraft 
noch nicht erftorben ifl. 

©enehmigen @ie, geehrter Herr ©eheimer Slath, bie (Betficherung 
ber au«gejeichneten Hochachtung 

3h«$ ergebnen Diener« 

SCreitfchBe 


240] Kn btn 93ater. 

2eipjig, Dct. 29. 59. 

Herjlichen Danf, mein lieber (Batet, für Deinen »rief. 3«h fann 
Dir ganj gute (Nachrichten geben. Deine (Mahnungen hob’ ich nach 
Prüften befolgt: ich rauche weniger unb leichtere Sigarren unb gehe 
fchon feit längerer -Seit in ber Siegel früher ju »ett. Uebrigen« geht 
e« — jwar fchwerlich au« biefen ©rünben, benn bie Urfache be« 
Uebel« fcheint anber«wo ju liegen — jegt mit meinen 9lugen ganj 
gut. 2lm Dien«tag hob’ ich ntein Solleg in ber ©tabt angefangen 1 : 
ich hatte al« jüngfier Docent ba« einjige Sfubitorium ba« übrig blieb 
erhalten, ein Hämmerchen für 15 »erfonen; ba waren bie ^uhärer 
wieber fortgegangen unb ich mußte bie nieberfchlagenbe Erfahrung 
machen »or einem halben Dugenb ju lefen. 3«h fah babei recht, wie 
nahe jtch ber Doeentenberuf mit bem be« ©chaufpielet« berührt. 3n* 
jwifchen gelang e« mir einen großen ©aal ju erobern, unb am Freitag 
la« ich »ollen »änfen. S« waren weit mehr ©tubenten an* 
wefenb al« im legten ©ommer, unb ich muß, wenn ba« fo bleibt, 
fehr jufrieben fein. — ©oeben fomme ich von »ülau’« »egräbniß 
jurürf. ©ein Xob ifl, obwohl er al« Docent hü<hft unbebeutenb 
war, für bie Unioerfität ein großer (Berluft. Der ejrttemjlen reactio* 
näten Stiftung jugethan war er bennoch ein ©elehrter im guten alten 
©tile: bie Freiheit ber (Biffenfchaft war ihm unbebingt heilig. 3« 

1 @ef<$ic£te M englifäm unb be$ fran|&fif$en ©wart." $wti 

©tunbm n>&$entti<$. 


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9Jo»mb« 1869. 


57 


biefern Sinne fcot er feinen großen Sinßuß beim SRinißerium benußt 
unb ßcb viele ©erbienße erworben, ©erfönlicb Bann icb ibm nur 
®ute« nacßrübmen: er bat mir immer jene Humanität gezeigt, bie ein 
fcböner £ug feine« SBefen« war. Sie große grage iß jeßt wer fein 
Stacbfolger wirb. ©ießeicbt erleben wir ben Spaß, baß ber hbcbß 
mißliebige ©tangolbt b*«b« berufen wirb. So iß wirBlicp fomifcb, 
baß biefeo bormtofeße Äinb unter ber Sonne für einen gefährlichen 
Sftenßben gilt: er wirb oon 3abr ju 3af>r gemäßigter, unb bie pbili* 
ßröfe Steigung, bie in ihm ßetft, entwicfelt ßcb jufebenbO. Statürs 
lieb würbe ich mich feiner ©eförberung berjlicb freuen, obgleich Slegibi 
mir in jeber Jjinßcbt bie beffere Saht febiene ... Sie Arbeit über 
SSubwig bot mir noch eine intereffante ©eBanntfcpaft oerfepafft: 
ber ©enremaler ©rof. Sonne auO SreOben, ein gteunb S’o, fuepte 
mich beßbalb auf unb bot mir febr gut gefallen. ÜBie fepabe: grabe 
jeßt hob’ ich eine Steife tüchtiger Äünßler in S. Bennen gelernt unb 
Bann eO nicht mehr benußen. — SReine bießge ©efeßigBeit iß noch 
immer ganj gering . . . UebrigenO quält mich oft bie grage, wie 
lange baO 2lße0 noch fo fortgebn foß. ©ei biefer ^erfplitterung ber 
£pätigEeit bureb btei Soßegia unb Britifcpe äuffäße iß eO beinah ein 
Sing ber Unmöglichkeit, bie Sammlung |u einer größeren poBtifcpen 
Arbeit ju gewinnen. Unb boch f«b* ich «in: nur eine folcbe Arbeit 
Bann mir Blar machen, woju ich tauge- 

Som h«il* älbenb biO jum Spbeßer werbe ich mich wohl frei 
machen Bönnen. 3ch freue mich perjlicp barauf unb grüße Such unb 
ben Sropf injwifchen taufenbmal . . . 

Sein treuer Sohn 

. . . Heinrich 


841] Vn @nfta«a »ob Jßafdbets. 

Seipjig, Sto». 4. 59. 

SRarienßraße 19. 

©näbigeO gräuletn, 

-Sehr nahe ging mir bie Nachricht »on bem 5£obe 

meine« ©onner SeibfucpfeO SBeßmann. So bleibt boch mahr, folcbe 
fcheinbar troefne nüchterne Staturen führen baO geheimnißooßße @e* 
mütßOleben. 3«h wage Bein Urtheil: fo gebrechlich ßnb wir, ber @e* 
banfe eineO BugenblicBo Bann biefe unbegreifliche 3$at »erfcpulbet 


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58 


Soeratber 1869. 


haben/ unb wer tiefen nicht Cennt tft nicht befugt ju rieten, äber 
merfwürbig, wie ber Oümbuö beb Jperoiföen, bet fofc^e Saaten um« 
fchmebt, mir fchon butch eine ganj furje Srfahtung verfchwunben ift 
Dab ift fcfjon ber jmeite Satt unter meinen Univerfttätbfreunben — 
unb beibe SRale mar bie Seranlaffung, fcheinbar menigftenb, voll* 
tommen nichtig 1 . Sb ift boch faum wab anbetb alb bie ©chwäche eine* 
9Renfchen, ber ben SRutb nicht ^at fein Snneteb ju änbern unb meint/ 
eine Slenberung feiner Auf eren Sage werbe Sitte* jum Sefien wenben. — 
Stoch mit meinen Serhältniffen ift wähtenbbem attethanb 9teuei 
vorgegangen. SRein Saterhaub fleht je§t hoch auf einem gelfen in 
einer einfamen 23ergs unb SBatbwilbnifj ... 3<h höbe fonft nicht 
Stiel von biefer fogenannten ©chweij gehalten/ ich tonnte nur bie 
abgetretenen Setliner ©pajietgdnge. 3e|t hob’ ich verborgnen 
©chbnheiten beb Jpocblanbeb gefchen unb hob’ eb lieb gewonnen. Der 
Herrgott ift in feiner (uftigftcn Saune gewefen alb er biefj wunber* 
liehe ©ebirge fchuf. @ie tbnnen ftunbenlang meinen in ber Seipjiger 
fibne ju wanbem, unb plbglich flehen @ie an einem jähen Slbgtunbe 
unb fehen 1000 gufj unter fleh bie Slbe ober einen jener traulichen 
füllen SBalbgrunbe, welche nur Süttelbeutfchlanb befi$t. Ober eb 
fteigt aub bem Plateau eine getbmaffe empor/ fo fuhn, fo feltfam 
jerfluftet: eb braucht bann nur noch ein Unwetter/ eine fchwere SBolfe, 
bie an ben gelb*9tafen hangen beibt, unb bab Sftubejablmärchen ift 
fertig, greilich ftnb wir nicht fo genugfam um oon biefen Statur* 
wunbern attein ju leben. Dab Seben ba oben ift boch bei Stttebem 
abfcheulich: ein paar Dfftjierbfamilien, auf bem einfamen Seifen ju* 
fammengepfercht/ im SBinter oft wochenlang von jebem Serfehre ab* 
gefchnitten — @ie tonnen benfen, wab bab für ein Älatfchen unb 
3ntriguiren ift — fo arg/ bafj mir nach ein paar Xagen ber J&umor 
aubging unb ich onfing emftlich inbignirt ju werben. SBiffen @ie 
wohl/ bafj biefe Untugenb ber grauen mich oft an bem ganjen @e* 
fchlechte irr macht; mir fcheint, alle Rohheit unb ©ewaltfamfeit ber 
ffRänncr ift hormlob im Vergleich mit biefer kleinlichen höflichen 
@&nbe. Steine SRanta unb meine ©chweftem hoben Stichtb bavon 
unb ftnb recht woffenlob in biefer ©efettfehaft. — 3ch hohe bieb 3ohr 
viele unb nicht immer angenehme Arbeit gehabt 9Rit bem Dociren 
geht eb gut . . . Steinern Sätet war ich* boch f<hutö»8/ Mi «h 

1 ®. Sb. 1, ©. 804. SEBtflmann, 3«rig, batte ft<b na<b mifglMiw f<bttfHi<h« 
€x«mfn#rbnt vergiftet. 


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9iM*tnb« 1860. 


69 


auf einer lanbtvirtbßb. dnßalt 2 ©tunben von $tet bie national 
üFonomißben (Borträge übernahm, ©o viel greube mir bie Sotlegien 
an ber Univerßtät machen, fo wibrig iß mirO, bie 2Biffenfcbaft in 
ben Darren ber tyrafit ju fpannen; ©ie glauben mir wobt ohne 
weitere Skrßcherung, baß ich baju grünblüb verborben bin. ©ie 
dingen rec^t gut, bie fernen Sieben von ber Sfjre ber Arbeit; baö 
SBefen brt SHücfo liegt boeb barin baß man fein Dilettant iß, unb 
baO bleib’ id} mein Sebtag in ber 9lationalüfonomie, noch baju ein 
Dilettant ohne Siebe. 9lucb bie ©tellung an ber Univerßtät bat ihre 
häßlichen ©eiten: immer mieber vor einer ^ubürerfebaft reben, bie 
man nicht fennt, von ber man nur auf Umwegen erfährt ob man 
verßanben wirb — eO iß bo<b etwa« Stobteo, Unnatürliche^ in biefem 
Berufe. DaO ©cblimmße iß: meine £eit iß uberauO beßbränFf. 
Sollen ©ie ©tunbe ju ©tunbe jäblen, fo bleibt mir allerbing* SWuße 
genug, 9lber bie Freiheit, bie ©ammlung beO ©eißeO, bie unerläßs 
lieb iß wenn id} wieber etwa* ^oftifcpeO febafen foll — ße fehlt 
mir villig. 3cp feb* dar, baO muß ßcb änbern, unb ich haßt/ baß 
ich 3bnen halb bavon febreiben Fann. ®anj von ber Äunß abge* 
fornmen bin ich nicht: ich habe mir wenigßenO manche Dinge flar 
gemacht. Sine ^>robe bavon fchicF’ ich 3h«en hier; id} glaube baß 
Subwig leiblich getroffen iß, leiber erfahre ich, baß eö fehr fcblintm 
mit ihm geht. Äärperleiben unb 9iabrungtfforgen reiben ihn auf, eö 
ßeht ju fürchten, baß biefeO fchbne Xalcnt verloren geht. — Sin 
jweiter 9fuffag über ben ©cbweijer ©ottfrieb Heller, einen prächtigen 
SWenfcben, iß bereite an bie 3ahrbücher abgeßbieft, aber ich fürchte, 
bie SRebaction wirb ihn nicht annehmen. Denn — Heller iß ein 
Stabicaler, unb wie barf ben ein gothaifepee SBlatt (oben! Dae 
iß ee wae mir an meinen ^arteigenoffen am Meißen mißfällt: 
bice Jpinubertragen politifcher dntipathieen auf bae ßttliche unb 
äßhetißhe ©ebiet. ©ie werben mir wohl beißimmen, wenn ©ie je 
bae ©lücf hatten, einen gothaifchen ©eiehrten ächter SRace (j. 99. 
3ulian ©chmibt) ju Fennen. — DenFen ©ie nicht nach ben vielen 
Klagen, bie ich 3b*wn vorgetragen, baß ich irgenb unjufrieben bin. 
3cb fchreibc fo unenblich feiten (Briefe, unb ba ©ie mir einmal ein 
Anrecht auf 3b* Vertrauen gegeben haben, fo ßellt ßcb unwillFürlich 
auf bem Rapiere 9111rt ein roa* mich quält — wären eO auch nur 
bie Fleinen ©orgen, welche in meinem 9((ter faß 3eben plagen, ber 
etwa* mehr fein will alo ein bloßer Xagelbbner . . . 


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60 


9lowmbft 1869. 


9locp «in paar SBorte ju bem reifen 3npalt« 3prer beiben SBriefe. 
Ueber jDSubwig werben wir wobt fepr ipnlicp benfen. Slucp J&epfe 
geb’ icb 3pnen ohne ©eitere* prei*: ber ©enfep if! t>i«( ju fftfjtiep 
um «ine gewaltig« unb wahre 2etbenfcpaft barjuftetten. Stber greptag* 
gabier fotten Sie mir nicht fcpmäpen. Slucp ich ftnbc ipn lieben** 
wörbiger im £uftfpiete; bennoep ift ba* £rauerfpiel fcpbn, «0 entpdlt 
im reiepften ©aafje roa* Sie »or Sittern »erlangen — Slaturwaprpeit. 
3cp glaubte oft im 2i»iu* ju (efen. Unb bie 2i«be*gefcpicpte? 
©tauben Sie benn, baf jebe 9t6merin eine Portio war? ©ottlob, 
bie SRenfcpen paben fiep geliebt, fo lange fie fiep auf biefetn fcp&nen 
SBall tummeln, unb €atult pat in ber ernffcn ffrengen ätbmerfpracpe 
Si«be*lieber gebieptet, fo jart, fo buftig wie Jfreine. kennen Sie bie 
wunberfepbne ©emme, worauf eine Stimerin ipren Änaben, ber fiep 
ruefwürt* gebogen )u ipr neigt, umarmt? 3cp benfe, biefe jarten 
ebten Smpftnbungen finb ein ©emeingut ber ©enfeppeit, niept ein 
Sonbergut ber mobernen ©eit. — ©eine »ollfommene Äeperei aber 
muß icp befennen pinfiepttiep ©acaulap’*. 3cp gefiepe, bafj icp ipn 
weber liebe noep paffe: ganj einfach, er ifl mir langweilig. . . 3cp 
glaube. Sie paben in bie eleganten fetten biefe* Soppiften ®iel oon 
bem SRcicptpum 3pre* eignen J£>erjen* pineingelegt: grabe ben $Pul*« 
fcplag be* #erjen* »ermiffe icp bei ipm ginjlicp. Der erfle befte 
einfach« beutfepe ©efcpicpWfcpreiber ifi mir lieber: bie fcplicpte <5r* 
jäplung in Stenjel* preufjifcper ©efepiepte regt meine 'Ppantafie mepr 
an unb giebt mir mepr ju benfen al* biefe IBilberpracpt, biefe ©affet* 
flarpeit. So poep icp oon ben Dicptern ber SBriten benfe — oon 
ipren ^rofaiften paben nur 3wei meine ooUe IBerounberung — ©ilton, 
in bem fiep ber greipeit*mutp ber mobernen iö&lfer wie in feinem 
Slnbem oerfbrpert, — unb 99aco, bie* Urbilb be* englifepen 9tationa(* 
eparafter*, ber bie Statur burep ba* ©iffen beperrfepen will. 

3n ben gerien pab’ icp mir mein „engere* SBatertanb* (wir 
Deutfcpen finb ja allein baju oerbammt jwei SaterWnber ju paben) 
ndper angefepn, ba* mir, ber icp fafi ganj Deutfcplanb jiemtiep 
genau fenne, noep beinap unbefannt war. 3m (frjgebirge pab’ icp 
©ott jum erften ©ale »ergeben, baf er miep in Sacpfen pat jur 
©eit fommen (affen. Dort oben ifl bie fatale aufbringtiepe Jpif* 
Ucpfeit ber Sbnenfacpfen noep naturwhcpfige (ieben*würbige jDffenpeit 
unb £utpu(icpfeit. g<p pab« ben $e(benmutp biefer ©enfepen be* 
wunbert: eine SSotp, ein CElenb opne ©leicpen, ba$u bie fiepere Slu*« 


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«Jtwnnbft 1869. 


61 


ficht, ba# bie SOlafchine ben Spigenflöpplerinnen unb (pofamentirem 
in wenig Sahren ben (egten Serbien# rauben wirb — unb boch eine 
wunberbare Weiterleit unb eine rührenbe Slnhänglichfeit an bie 6be 
Weimatb mit ihrem achtmonatlichen üBinter. Dann war ich m meinem 
(ieben (Böhmen ... immer wieber, wenn ich bie# herrliche ?anb fege 
unb barin eine (Bigotterie welche nur Sefuiten ju begrünben oerflehen 
— bringen füg mir bie Silber au* jenen entfegficgen (Religion*friegen 
oor bie Obigen. — 

Sch buchte um Sgre Serjeihung ju bitten, meine oerehrte greunbin, 
unb nun macht biefer fchrecflich lange (Brief meine Sünbe nur noch 
grö#er. 3<h benfe, wir werben un* boch noch einmal perfönlicg be* 
gegnen: Entfernungen giebt e* ja nicht mehr. 3luch mir ifl ein (Brief* 
wechfel nur ein (ümmerticher Erfag für bie perfönlicge (Befanntfcgaft; 
boch bebarf ei wohl laum ber Serficherung, wie belieb ich Shnen 
trogbem für jebeö «Schreiben banfe. Sch bin, gnäbige* gräulein 

Shr aufrichtig ergebener 

dreitfcgfe 


242] «n SHHl&tlm (Wott. 

SRfin lieber bereit, 


geipjig, 9loo. 7. 69. 


. . . oft weht ei mich an wie ein JJtouch <m* ben fcgönen (lagen 
am (Rhein/ ich möchte wieber in Dein treue* (Kuge fefjn unb Dir wie 
fonfl 3We* erjählen, @ro#e* unb kleine* wa* mir Äopf unb #erj 
bewegt. Da* ifl e* wa* mir hier gänjlich fehlt: ich höbe {einen greunb, 
feinen (Dlenfcgen, bem ich 3lKe* oertrauen fönnte . . . ÜRit geipjig 
hab* ich mich immer mehr befreunbet: trog all be* craffen SWateriali** 
mu*, ber hier mit unterläuft — e* ifl boch ein flattlicher unb fühlen* 
ber Slnblicf, biefe* rafllofe (Ringen mit bem {eben, bie# fräftige (Bor* 
wdrt*flreben eine* wacfren (Bürgerthum*; ich glaube, ich mürbe jegt 
oon hier nur ungern in ein inbolente* (leine* Unioerfiüt*fÜbtchen 
überftebeln. 3lber mit meinen perfönlicgen Serhältniffen fleht e* noch 
wunberlich genug au*: bie wenigen angenehmen (Befanntfcgaften, bie 
ich gemacht, beginnen fleh bereit* ju lichten . . . (Oleinen geben** 
jweefen bin ich üum um einen Schritt näher gerüeft. Sch bin rafch 
ein beliebter. Docent geworben, ja für geipjt'g, beffen Stubenten a(* 
ächte Söhne eine* Snbuflrielanbe* auch bie UBiffenfchaft nur mit ber 


i 


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62 


9}ratmfcCT 1860. 


$rage nach bmt proftifchm £wccfe anfeben, ifl brr Erfolg meiner ®or* 
lefungrn bi«btr ein febr glücflitbrr ju nennen. Dennoch »eif ich 
nicht, ob iä) jurn Dorentm tauge. Do« ©cbaufpielerbafte be« SJerufO, 
ba« ©ewiffentofe einer Ärbeit, welche mich jwingt bie oft ganj un* 
fertigen bolbtvabren SRefultate einer leichtfertigen gorfchung jur be* 
ftimmten ©tunbe mit orafelbafter Sicherheit oorjutrogen — ba« macht 
mir oft Sorge unb €FeL Den einen $we<t be« {ebrerberuf«, bie 
{eute anjuregen, ebnen einen SJegrijf von ber SfBürbe unb bem {Reich* 
tbum ber SBiffenfchaft beijubringen — biefen glaub’ icb ju erreichen; 
aber ben anbern nicht minber wichtigen löeflanbtbeil, ba« eigentlich 
Doctrindrt be« ^rofefforentbum«, bie pofitive SBelebmng, ba« Slnffiflen 
ber ^ubbret mit ÜRaterial — bie«, glaub’ ich/ nerffeb’ ich nicht. Da« 

©chlitnrnfk aber ifl ber Mangel an griffiger Sammlung- 

3ch hotte ein Zrauerfpiel begonnen unb hob’ ei vernichtet/ weil ich 
fühlte/ ba§ mir in biefem jnuegetheilten {eben bie Stotalitdt ber 
(fmpftnbung abbanben gekommen war/ bie )u einem rechten jtunfl* 
werfe gehört. Da« war eine arge leibenfchaftliche Üborheit: ich nnifjte 
bamal« noch nicht/ ba§ man Blicht« von feinem {eben vernichten fann, 
baff ber BRenfcb fo leife unb notbwenbig fortwdehfl wie ber 95aum 
bie 3ahre«ringe anfeftt. 3e|t hoff’ ich bie Arbeit wieber vorjunebnten, 
aber ich fühl« wie bie .$onbwerf«thdtigfeit in {tyfehena ... meinen 
Äopf vertroefnet. Da« muß fich dnbern: ich «tag nicht« Jjalbe«, ich 
mag fein Dilettant fein. — 3Ba« meinfl Du ju bem Sluff. über 
{ubwig? 3«h glaube ich höbe {. leiblich getroffen ... $ut ifl noch 
in {onbon/ bot fich einen Btamen gemacht burch eine Srfinbung, 
aber ifl noch ebenfo wenig wie ich int klaren über feine {eben«« 
flellung- 

2Bie e« in $reu£en fleht, barüber }erbreche ich mir ben Jtopf um* 
fonfl. Die Srflärung in ber furbefftfehen Sache, in gomt unb 3nhalt 
muflerhaft, nach 3abren ba« erfle mutbige brave unb wahrhaft flaat«* 
mdnnifche fffiort, ba« eine beutfehe {Regierung gefprochen 1 — unb 
baneben bie ©emrinheit mit ber berliner ©ebifferfrier* — ba« reime 

i ©. ©pbel 2,842 ff. 3 Dag Komitee für bie ©chißerfeier ©erling am hunbetfc 
jungen ©eburtgtage beg Dieters fyattt in feinem Programm jur Vorfeier am 9* 
Sbenbg Fcftjüge unter mftgtichfi großer Beteiligung ber gimvohnerfchaft vorgefefjen; 
mit ©tocflaternen von ben vergebenen $l&fcen ber ©tobt augjiehenb, 9Q?ufifc$6re 
voran, faßten fte auf bem ©enbarmenmarft jufammentreffem 9uf bem tagegheß 
erleuchteten ^lafce foßte bann vor ber Freitreppe beg ©chaufpiefhaufeg nach einer 
(Hebe unb nachbem bie gatt|e flXenfchenmenge bag Sieb an bie Jreube anges 


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I 


9taxmfe<r 1869. 


63 


ftch Einer jufammen! 3ch glaufee, ba« ©ute überwiegt in ©ertin 
bettnoch’. minbeflen« ifl ©teufen« ©erhalten in ber £otloerein«fache 
muflerhaft gewefen — wir brauchen unfre patriotifchen Hoffnungen 
noch nicht herabjufümmen. — Slbe, ber ©rief ifl oiet länger geworben 
al« et follte. 

» Heinrich X 

243] Sin btn SOatrt. 

Seipjtg, 9loo. 15. 59. 

©eflen Sanf für Seinen freunbtichen ©rief, mein lieber ©ater, 
»uch ich tonn Sir oon einer ©chitterfeier erzählen, unb ich muf 
fagen, fte hot all meine Erwartungen ubertroffen. Seit 14 Xagen 
fchon tonnte man feine Leitung mehr lefen: fo wimmelte Sille« oon 
©chifletfchen ©erfen. Unb jwar fchien mir«, al« ob bie Seute ba« 
wahrhaft ©oftifche an ihm nicht ju wurbigen wußten, al« ob fle nur 
©inn hätten für feinen ©ornbafl unb feine tbnenben ©entenjen. 
Saju bie ©peculation, biefer wahrhaft ameritanifche Huntbug mit 
©chUlerfeife, ©chillercigarren unb Oott weif wa«. Sa« Sille« hotte 
meine Erwartungen tüchtig herabgefümmt, aber ber gefltag hot mich 
angenehm enttäufcht. 3ch höbe gefehen, welch ein reiche« tüchtige« 

R unb wactre« ©ürgerthum biefe ©tabt birgt. Ein gefljug oon min« 
beften« 10,CX)0 ©tenfehen — feine einzige Sache aufgefletlt, unb boch 
feine ©tbrung, nicht einmal eine ©erwirrung be« enblofen £ug«, ber 
jwei oolle ©tunben marfchierte. Unb auch flattlich anjufehen war e« 
— am fpafhafteflen bie ©arbiere, welche ©chiller al« Ehirurgen für 
einen ber 3b«gcn erflärten unb befhalfe al« Äarlöfchüter erfchienen — 

ftfmmt, fine improvifierte Äoloffalftatue ©ebidert feierlich entbödt unb befrdnjt 
werben. Der tpofijeiprdfibent verbot biefe ^(uftftgf, unb ber 9Wfnifter bei 3n«em 
@raf ©<bwerin begütigte bal Verbot einer fo ,6ffentli<ben unb gerdufebvoden 
geftlicbfeit", bie weit binaulginge über bol ©lag beffen, wal bei dbn(i$en 
innerunglfegen f)tx$ebxaü)t wdre; jubem wdren mit (Rfttfficbt auf bie Umfidnbe 
(bie Aranfbeit bei Äbnigl) auch bie eigentlich preugifeben Jefftage nur emft unb 
ftid begangen tporben. €l würbe bem Komitee anbeimgegeben, „eine bei Dagel 
w&rbige Jeier innerhalb geflogener CEdutnc" ju veranßalten unb bie für jenel 
grl^ere Unternehmen eingegangenen ©eittdge §u bleibenben Denftnalen ber €t: 
innerung an ben grogen beutfeben Dieter $u verwenben. — Die Aufregung über 

b biefen €ntf<beib war grog, beruhigte ftcb aber, all ber ©lagifftat unb bie ©tabt: 

ve rorb nete n von (Berlin befcbloffen batten, an bem ©ebdcbtniltage ben ©runbgein 
einel vor bem ®<baufpielbaul ju erriebtenben ©cbiderjtonbbilbl $u legen. Dal 
gefebab bann im (Rahmen einer grogen, volfttftmücben €rinnerunglfeier, ber auch 
ber sprinjregent unb anbre ©litglieber bei Jtbniglbaufel beiwohnten. 


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64 


Wwembet 1869. 


< 


am ßattlichßen wohl bk SBüder in ber Fracht beö 30j. ÄriegO, mit 
einer gähne, bk ihnen in jener £ek für bie mannhafte Skrtheibtgung 
ber ©tobt gefchenft warb — unb fo fort. 

Sch jog natürlich mit bem corpus academicum, vor unb hinter 
un$ Sheenwachen von ©tubenten in jfoßer unb Kanonen, Draurig 
waren natürlich bie Sieben, aber fie flörten wenigßenO nicht, unb c 
felbß bie fchreienbe Ungerechtig(eit, baß man ©oethe’* nicht mit einer 
©ilbe erwähnte, fanb icb erflürlich: benn ba$ geß war ein rein 
populäre*, unb wie unzählige biefer braven #anbwer(er hoben aßein 
burcb ©chißer eine Ahnung baoon erhalten, baß eö noch (ine anbere 
reinere 3Belt giebt außer bem SKßtagOkben. — Stecht (täglich geigte 
fich kiber bk Unioerfität. Die ©tubenten hotten ihre (leinen Slang« 
ßreitig(eiten fo weit getrieben, baß fie nicht einmal in Einern £uge 
auftraten. Die 9>rofefforen hoben jwat ihre Teilnahme burch Shrens 
Promotionen be(unbet, aber ich höbe hinter bie Soußffen gefeben unb 
ben jämmerlichen #aber betrachtet, ber vorherging, biefen maßlofen 
©efcbrtenbünfel Sin ^rofejfor frag grabeju: roa* hot ber SRann 
eigentlich genügt? — unb wenn man ba* ©erebe mit anhbrte, fo 
(onnte man )u bem trofllofen Sfrrthume gelangen, Äunft unb ©etebr« 
fam(eit feien Slntipoben. — 

Son mir (ann ich gon) ©Ute* metben: mein Soßeg iß über aße * 

Srwartung zahlreich befucht, unb ich hohe nur ben einen ßBunfch, 

baß e* fo bktben möge-in ?ü(}fchena fleht e* nicht fo au*, 

al* ob bie Slnßalt fleh halb wieber heben würbe. Seht e* irgenb, fo 
trete ich ju ©flern in ?ü$fch. au« unb übernehme vießeicht eine h»ßv* 
rifche Arbeit, welche Dir weniger ©elbnoth unb mir weniger ffiiber« 
wißen bereitet al* ba* ?ügfchenaer «treiben. ®on meinem wirth* 
fchaftlichen {eben (ann ich nur fagen, baß ich nttch auf* &ußerße 
einfehränfe 1 . . . Sfnjwifchen kbt wohl, feib verwert, baß ich feb* 
oft Suer ben(e unb mich herjlich brauf freue ben Reifen im ßBinter« 
fchmurfe )u fehen. — ©ütau’* Stob wirb auf mich (einen Sinfluß 
haben, greitich hot mir SKobt fchon $u ber ^rofeffur gratulirt, aber 
er (ennt bie hkftgen ©erbültniffe nicht . . . 

2Bie immer 

Dein treuer ©ohn 

Heinrich 

r £reitf<hte muhte in biefem ©rieft ben ©ater um einen aufjcrotbentlicbrn guföufi 
von 90 ri bitten. 


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i 


1860. 


66 


* 


> 


244] Bit SBÜ^ltn 9Wf* 

Sieber 95ereit, 


i 14/12 59 


-Deine äButh über baß ©cbillerfefl in Berlin gebt ent« 

ftyieben ju weit 64 war eine ungeheure büreaufrat. Dummheit, bei 
ber man (ich urfprünglich SRidF>t^ backte unb bie man/ alß man fte 
etngefebn, wieber gut ju machen fuebte. Die {Regierung ifl bureb baß 
@efebi<f/ womit bie $abßburger bie Sache außgebeutet, ferner genug 
beftraft. 2Bir aber follen barüber ernflere Dinge/ ittßbef. Äurbeffen, 
nicht oergeffen. 3<b fußpenbire mein Urtheil biß jur Äammerfi§ung; 
ba mufj ficb/ wenn bie Kammern ftcb nicht ganj unwürbig betragen/ 
atterbanb aufflären. 


246] #n gnbinonb frntfbotff. 

gefhtng Äbnigflein 28/12 59. 

Siebet §renßborff, 

. . . wenig Xage nach .ftugoß SIbreife mufjte ich eine ©tunbe ju 
meinem Solleg jalegen; fo (ef ich je|t 7 ©tmtben über 3 oerfchiebne 
Xbentata. Da bleibt wahrlich (eine £eit übrig. Sß ifl febabe, baff 
^ Jpugo nicht noch 2 £age länger blieb: baß ©cbillerfefl in i. war berr* 
lieb. Seit 48 bab’ icb niebtß Slebnlicheß gefeben — ein wirflicbeß 
IBottßfefl, ein felbflbewufteß tücbtigeß Auftreten beß SBürgertbumß 
worauf Xeipjig ftolg fein (ann. 

Schlecht benommen bat ftcb bei ber Sache nur bie Unioerfität: 
bie 9>rofefforen (amen fafl alle nicht — auß jämmerlichem gelehrtem 
Dün(el: im Docentenclub bebattirte man aUeß Srnfleß barüber waß 
ber SWann eigentlich genügt habe. Die ©tubenten erfchienen in 2 $ar« 
teien gefonbert. Darnach (annfl Du Dir ungefähr benfen/ wie baß 
Jubiläum ber Unioerfität ablief. Sine gemeine Safaiengeftnnung oon 
Anfang biß $u Snbe. ***, biefer noXvtQonos, ber allmälig auch 
bem blbbeflen Kluge feinen wahren Sharafter/ bie inß ©pflem gebrachte 
@ef»nnungß(ofig(eit/ enthüllt/ hielt eine nieberträchtige Siebe. Durch 
bie ©unft unb KBeißheit ber fächf. Sürflen, befonberß ber Kllbertiner, 
£ fei hier eine ^ochfchule entflanben, an beren SStüthe bie ^rofefforen 
nur einen untergeorbneten Klntheil hatten. 33on Deutfchlanb war nur 
einmal bie {Rebe/ atß baß fchwere Unrecht erwähnt warb/ welcheß 
©achfen oon Deutfchlanb im 3. 1815 erlitten/ ein Unrecht/ baß (ein 

XL 6 




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66 


jDt)raib<t 1869. 


treuer ©acbfe je »ergeffen wirb. S8eim Sommert erftürte gattenftein: 
rt will »tel fagen, wenn ber Suttu«minifter beit ©tubenten ba« Zeugnig 
ber £opatitit au«ftetten fann; icb bin fo glüefticb rt tbun ju bürfen. 
Zwei ^Prinjen würben promooirt, non benen ber Sine bebauerte, bog 
er fein £otein nergeffen unb ba« Diptom nicht tefen fbnne. Sotten« 
flein erbiett jum £obne bafur bog er unfre £anbe«fircbe für 3obr* 
jebnte ruinirt b<tt ben britten Doctortitet (rt febtt nur noch ber 
Dr. med.) Such in ber gerne mag ba« Stile« fomifcb ftbeinen, id) 
fonnte meinen 3ngrimm ?oum bewältigen. £> rt ift fcbroer inmitten 
biefe« »erfn&cberten ^orticutariOmuO g<b ben ©tauben (ober fott id) 
fagen bie 3(lufton ?) ju bewahren, bog nion an einer beutfeben S)*d)* 
febute wirft. 

S« ift übrigen« merfwürbig, wie reigenb ba« ©efübt ber Siicbtigfeit 
ber Äteinftooterei fortf(breitet. 3<b fwbe barüber non fäcbf. Dffijieren 
bie ftltfamften ©eftinbniffe gehört. Jpeute früh erMärte mir mein 
Meiner SBruber — fegt Sobet — ju meiner freubigen Ueberraftbung, 
er wolle, wenn er feine 3tu6bitbung im Sobettenboufe oottenbet, in 
eine grbgere Strmle treten; in biefen Mein(i<ben SJerbättniffen falte 
er’« nic^t au«. Sr meint, atte feine Someroben büßten ebenfo, aber 
ben Reiften febte ber Mutb ju einem entf<beibenben Schritte. Da« 
finb JUeinigfeiten, aber ge gnb bejeiebnenb. Die ©otbaten ber Ätein* 
ftaaten muffen enbticb lernen, bag ba« Jjeiligtbum brt ©otbaten, bie 
Sbre ber gabne, in einem Äteingaate gar nicht norbanben ift. Unter 
bem Sinit hob’ id) nicht minber wunberbare ©anbtungen mit ange* 
febn: ber robe fäebf. 9>artifutari«mu« ftirbt fiebttieb ab. SBirb ^reugen« 
{Regierung biefe gefegnete SBanbtung ber ®otf«ftimmung, biefe glüef* 
liebe Sonfteftation ju benügen wiffen ? Du verpflichtet! mich ju Danf, 
wenn Du mir Sinige« mittbeitft wa« meine febr grogen Söeforgniffe 
jerftreuen fann. Unfre Snfet beneiben un« oietteiebt bereinft bag wir 
ba« Morgengrauen ber beutfeben Sinfait gefeben; auf meine unge* 
butbige Statur wirft biefe Zeit brt Darren« quitenb ja aufreibenb. — 

Scb ftge wieber auf bem gelfennefte, beftnbe mich für ein paar 
Doge febr bebagticb in ber gamilie, boeb bebaure icb fie aufrichtig um 
bie« eintönige SEBinterteben. Morgen benf’ icb in Drrtben in« Soncert 
ju gehn unb mit J^etbig bie Kneipen einer forgfältigen Prüfung ju 
unterwerfen. Meine groge Stotb in Beipjig ift ber Zeitmangel. Denfe 
Dir meinen Montag: früh Sotteg bi« 1 Ubr, um 2 Dauertauf 
nach £ügf<bena, bort 2 ©tunben tefen, Stbenb« arbeiten auf ba« 


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Dejember 1860. 


67 . 

DitnStagScolleg. ©och hoß’ ich SinigeS für bi« $reuß. Sahtb, bi« 
im 3anuor meinen thiff. über Heller bringen/ fertig ju matten. 
3m Sommer muß eS anberS werben: bann iß mein iüfßchenaer Jpeft 
fertig/ unb ich tefc in ber Stabt entweber gar nicht ober ein 2. ßünb. 
Solleg über $reuß. Sefchichte (o galfenßein!) — fo bleibt 3eit ju 
* felbßünbigem Arbeiten. Steine SluSßchten in 2. ßnb febr fehlest: ein 

ungegrünbeteS ©erficht Aber eine Serwamung, bie ich au« ©reSben 
erßalten haben fotlte, hat mir boch gejeigt, wie man über mich benft. 
Stohl, ber mich rührenb gütig behanbelt, buchte freilich/ ich würbe 
BülauS Nachfolger werben — bie 3bee ifi Wirtlich fpaßhaft. Sott 
weiß welchen 3ammerferl ße berufen werben: Slegibi würe meiner 
Steinung nach ber Beße, aber wie iß baS benfbar? — Jarncfe iß, 
fehr, fehr fchwer erfranft, in Stalien; Sott gebe baß wir ihn wieber* 
fehen. Stir geht baS wirflich nahe ... Stein Umgang iß etwa* beffee 
als ju Seiner Jett, aber noch immet befchrinft genug: bie Stünchener 
4?aüe mit ihrem gefegneten Stoß hab’ ich auS JRücfßcht auf mein 
©ocentenamt aufgegeben ... Stangolbt grüße recht herzlich/ wünfche 
ihm Stücf ju feiner Senefung unb fage ihm meinen aufrichtigen ©anf 
für feine jtritif 1 . 3ch unterfchreibe feinen Stabe! burchauS, nur fcheint 
mir ber gerügte gehler bei jebem „fritißhen Berfuche" unoermeiblich ju 
^ fein. SO iß ßarf, baß ich ihm nach biefer greunblichfeit nicht felbß 

fchreibe, aber — meinen alten, jefct glücflich oerlobten, 9toff unb eine 
greunbin ausgenommen — hab’ ich baS Sorrefponbiren ganj aufgegeben, 
ffiie ßeht eS mit St’S fchriftßellerifchen planen? 3ch habe mir bie Sache 
> überlegt unb bleibe babei: ein ÜJtann wie er foll eine wirtliche Se* 

fchichte ber Nationalifonomie fehreiben, für bie Jgumbwerferarbeit 
einer ©ogmengeßhichte iß er ju gut. — 3Bo jum Teufel haß ©u 
noch anbre Besprechungen meines Buchs gelefen? Schreibe mirS — 
nicht meinetwegen, fonbem jur Beruhigung für meinen unglücflichen 
öerleger.. gemer, ©u wanbelnbeS SonoerfationSlericon, fage mir: 
wer iß ber üleßhetifer in ÄolatfchefS Stimmen ber *kit — ein JJebbel* 
fchwürmer, aber ein grunbgefcheiter Stenfch? ?ebt wohl — ber Brief 
gilt ©ir unb #ugo — fchreibt mir halb unb erinnert Such, baß ich 

1 2Bof)l bi« ®. 14 j. X. jitiette im 2it«r. Sentralblatt vom 26. 9tov. SWit btt 
d formellen Bebanblung be# Zfytmai bn „@rfMf«baft*tt>iffenfchaft* iß ße infofem 

nicht einverßanben, al* ber ®«ef. bie Üu*fikbrungen 9Xof>U jur Brunblage ber 
Bnnoidlung {einer eigenen Vnßchten nehme. ,®ie Bebanfen e ntfall e n ßc| nicht 
von innen heran* au* ber Orunbanfdjaumtg, au* ber ba* Buch htworgegangen iß, 
fonbem nach einer Mieren, jufdUig burch ein anberc* Buch gegebenen Drbnung.* 

6 * 


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68 


3<muar 1860. 


am 31. Dee. $tcr in biefem f. fAcßf. ©urgoerließ frech genug fein 
werbe ein ©la« auf ben beutfchen Sinbeit«ßaat ju trinfen. 

-Heinrich X. 

246) «n SKlbelm ©off. 

Teilung Äinigßein, 1. San. 

1860. 

... Du willß einen langen SBrief; ba« wirb ferner galten auf 
biefem abgegebenen gelfenneße. Denn wa6 iä> eben fab — wie bie 
guten ^O^iltfier im ©tAbtehen Äinigßrin um ©ier unb harten faßen 
wie bie Stiegen um ben £ucter — ba« wirft Du in Deinem Sttenbeim 1 
auch genießen: — unb wie ba6 Si« ber ÜRolbau ba« felftge ©ett ber 
Slbe berabwogt ba« tAßt ftch ohne einen für einen gefltteten ©rief 
unjutAffigen gBortßhwaß niebt febitbem. — 3eb wAnfehe Dir, baß Du 
Deinen ©chaß recht oft ju feben befommß unb, wenn anbert bie« 
in Deinem 9>lane liegen follte, noch beuer Deine frobe JJocbjeit feierß: 
— mir aber, baß i<b enblieh wieber etwa« £eit gewinne, ©or bem 
grubjabr iß baju wenig 2lu«ßcbt: i(b gebe am 4. San. wieber in bie 
XretmAhle meiner 7 wbchentl. Sollegten unb werbe babei nur für 
einige Heine StuffAße £cit übrig bebatten. Siner Aber ©. Leiter ifl 
ftbon gebrueft; er fo(t, fobalb ich ibn erbalten. Dir in Deine Stten« 
beitner Sinfamfeit jugefehieft werben ... Sin jweiter 3lrt. Aber 
&$>ebbel (ein ungeheuer ftbwere« Dbema: ber ©fann iß wirftitb ein 
Problem, unb e« iß nicht (eicht feiner maßtofen Anmaßung gegen« 
Aber gerecht ju bleiben) unb ein politißher 9tuff. Aber ©neiß’« ©taat«« 
recht von Snglanb ©b. 2. (beilAußg bie gebiegenße politifebe ©ehrift, 
bie feit 10 3<*b*en in Deutfchtanb erfchienen iß. Dir im Sntereße 
Deiner für. unb polit. ©ilbung febr ju empfehlen) — biefe beiben 
Sfrtifel fotlen noch »or JDßern folgen. Doch hob’ ich feßt ba« gelehrte 
Xreiben unb ba« Sßap«@chreiben beglich fatt: ber ©ommer foll beffer 
werben, foU enbtich ju felbßAnbigen Arbeiten oerwenbet werben, gur 
jeßt iß ba« leiber gan$ unmöglich — benn bie furjen SRußeßunben, 
welche meine Kollegien Abrig laßen, ßnb nur )u ©tAcfarbeit ju ge« 
brauchen. — Die fchbne Süubewoche hier oben b*b’ ich in ber gamilie 
jugebracht unb befonber« meinen ©ruber, ber Sabet iß, jeßt erß nAber 
fennen gelernt: e« iß ein prAcßtiger Sunge an 2eib unb ©eele; ©ott 
l ©off war swi ©rpr. 1869 bU €nbr 1860 beim ttmMgmcbt in bc 


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4 


3<wuar 1860. 


gebt/ tag er burcb ta# (Stent te6 ©amafcbenbienfle# nicht wrberbt 
werte/ fontern fcfmn früh an einem ebten unt oeretetnten getbjuge 
tbeftne^me. — 

greptag# bramatifcbr SBerfe wurten mir ju SBeibnacbten gef^enft; 
ich bab’ fte mietet getefen unt mich erfreut an ter äcbt*beutfcben @e= 
wiffen&aftigfett/ womit tiefer SRann an ficb arbeitet. 2Bie unwahr 
unt oerföwommen ift tie SBettanfcbauung in ter Satentine/ unt wie 
etel unt täcbtig ter b«tre 6mft ter Sournaliften. Da# fettfame 
©täd „bet ©etebrte" — unFtar unt taU, weit ter (Poit ten Sonftict, 
ten er fcbilbert, offenbar fetbfl noch nicht innerticb äberwunben batte 

— ift mir febr anjiehenb gewefen weil man barin fo tief in tie 
©eelenFdmpfe eine# wadfren SRenfcben blicFt. SKeine Meinung über 
tie Sottet W icb — teiter nur Furj — im (Sentratbtatt gefagt. 3cb 
(ege tie Stummer bei burcb (inen fpagbaften ^ufatt fint tarin notb 
2 Slrt. »on mir unt Aber mich, Du fannft ba# Statt natärticb be* 
batten. ?. ift mit meiner ÄritiF febr jufrieben. 3<b wünfebte febr 
ibn Fennen ju lernen; aber e# ift gegen meine Statur mi<b aufju* 
bringen/ unt tag er mi<b auffucf>en fottte ift no<b weniger ju er* 
warten. — SBottte ter ^immet/ i<b Finnte unfrem Satertante mit 
ebenfo fefier $in>erfubt ein frohe# Steujabr jurufen, wie Dir lieber 

% greunb! Die ^uFunft erfebeint mietet unenttieb träte. 3n beugen 

ein febmache# SRegiment, eine SÄenge nicbttwftrbiger ©cbetme (©tieber \ 
Sinbenberg!!) au# ter fftanteuffelfcben Jeit noch in Slmt unt SBätben 

— unb (ba# ©ebtimmfte »on Ütttem) in ter treffe ©cbweigen unt 
puräefbattung/ atterting# au# guten @ränbem benn ten nietertrieb* 
tigen Sägen gegenüber/ welche unfre 9tbeinbunb#btitter unb tie 


i Sh. 48. ©ie «ub&tt noch Dreitf(anonyme) tlnjrige »on 8rgibÜ Siebe )ur 
@inf6f>rung in bie tyhrbfeffur bn ©ejebiebte am Wabern. ©pmnaftmn in Hamburg 
nnb unmittelbar barauf fotgenb bie febon wieberholt erwähnte ®<fp«cb un 8 ter 
«©efeüfchaftfwiffenfcbaft*. 2 Cnbe 1869 begann bie Dberflaattanwaltfcbaft in 
(Berlin ein ©trafoerfahren gegen ben (JJolijfibirtftor ©tieber einjuleiten unb bffentlicb 
}ur Angabe »on für bie Unterfutbung wichtigen Xatfadjm aufjuforbem, währenb 
©lieber {unäcbft unbehelligt im Ämte blieb; erft Slnfang Januar 1860 beantragte 
er fetbfl einen oitrwMjigrn Urlaub. (Born ©tabtgeritht im SRai unb in {weiter 
Jnftanj »am Aanunergericht im Siooember freigefproeben, würbe er nach einer »on 
ihm unfltittelbar barauf gegen Dberfiaattanwalt unb Jufti)minifier »erbffentlicbten 
»Siotgebrungenen (Rechtfertigung* am 1. Dej. 1860 jur DUpofition gefieOt Stoch 
»or ihm aber auch ter Dberftaatianwalt ©chwarct; ebenfo würbe bie »om Jufti^ 
minijler ©imont nachgefuchte Sntlaffuug am 14. Dej. genehmigt. Denn auch 
bem SRinifler felbtr jur Saft faOenbe ©efehwibrigfeiten h«*** ©lieber benun|iert. 


M 


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Sonboner Demofraten)eitungen über Preußen, ba* trog Stffebem botg 
ba* am Seflen regierte £onb Deutfcgtanb* ifl, oerbreiten — tiefen 2tn* 
griffen gegenüber fcgeint e* für jebe* patriotifcge preuff. Statt pflügt 
bie Regierung )u unterflügen. Unb bocg fann biefe £urü<fga(tung 
nicgt glüeflicg enben. 3n ßeflerretcg 8ttte* au* ben $ugen, ©taat** 
betrug unb Vfaffenrnirtgfcgaft — in ben 9tgeinbunb*ftaaten eine 
SRiflre toie fie nicgt jammerooffer fein fann. 3Bie fott ba* enben? 
Da* Xraurigffe ifl: nur burtg eine SRaffenbemcgung fann eine JReoo* 
tution gtücfen, unfre SRaffe aber benft an Sitte* anbre eger at* an 
bie beutfege Eingeit, Da* SJticgtigfle fegeint mir bocg, baff affe egr* 
tiegen Patrioten fieg auf ben 9te<gt*boben ber 8teicg*oerfaffung oon 
1849 fteffen fofften. Jgier ifl etwa* ^ofitioe* (bie Eifenacger ge* 
brauegen ja boeg bie ©praege nur um bie ©ebanten )u oerbergen 1 ) 
unb oor Stffem gier ifl ein 9tecgt*boben, un)mcifetgafter at* ber be* 
roieber belebten Sunbe*tage*. — Du tguff mir teib in Deiner mittel« 
a(ter(ieg<t(ervfa(en Umgebung: magrtüg e* ifl fegtoer in bem Zeitalter 
ber Concorbaten ben ©tauben an ben gortfegritt ber ÜRenfcggeit niegt 
}u oerticren. — Die tounberbarffc Erfahrung maege ieg fegt: ieg lerne 
mie fegneff bie 3Renfcgen oergeffen. 3cg fann jegt auf eine Steige 
fetbffertebter 3agre unfter nationalen Entroicflung jurüeffegauen unb 
erftaune oft/ mie fegneff biefe fegmeren Erfahrungen bem ©ebücgtniff 
ber SRenfcgen entfegminben. ©an) fo mie ber ein)etne ÜRenfcg e* 
übet nimmt menn man ign an ein geffem begangene* Unreegt er« 
innert/ gan) mie 3eber oon un* benft: ma* für mi(g oergangen unb 
innertieg abgetgan ifl/ ba* fett aueg für Slnbre oorbei fein — gan) 
fo ifl e* mit ben ©efegiden ber fßbtfer. Die groffe Röfung be* 
SRdtgfet* affe* geben*: fein Vergangene* gegt unter/ febe Stgat ifl 
unflerbticg — fie ifl ben meiften SRenfcgen )u emfl, ju fegmer; über 
igre trüben befegimenben Erinnerungen getfen fteg SRenfcgen unb 
Sbtfer ginmeg mit bem a<gfet)udenben Stu*ruf: e* mar eine^eit be* 
ffBagn*, ber £gorgcit! — unb bo<g ifl ba* ©emiffen unoergünglicg!... 

8eb mögt unb fei gtüdlüg. 

Jgeinricg Z. 


1 SBgl. jg. Cndrn, 1,348ff. 


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3«»uar 1860. 


71 


947] Kn ben ©ater. 

i, 3an. 16. 60. 

ÜWein liebet 93ater, 

-- — 3<h bin enblich fo flhlau geroefen bei Sei Secchio 1 ju 

abonniten unb freue mich an ben wirHich frönen Silbern, bie je$t 
bort flnb. Sin Silb von Stofenfelber, bie Shurf&tflin Slifabetb (bie 
weife grau), wie fle heimlich ba6 proteflantifche Slbenbmahl nimmt, 
ifl berrlief: ba< rühren b fchine, tief unglücfliche (Befiehl biefer grau 
vergift man nicht wieber*. — 

Uebrigen« gebt mir« gut: 5Sama unb ©chrocflem haben wieber 
rebtieb geforgt mir meine Jj>duöli<h?eit angenehm ju machen; unb bie 
SDtärfche nach Sufcfchena flnb ein gefunbeO Suftbab. 9tur neulich, al6 
bet jDfhvinb eO gar )u arg trieb, bin ich noch 3 /« ©tunben mit bem 
ffiinbe biO ©thfeubtf gegangen unb von ba gefahren. — 

Stecht leib ift mirt baf ich mit Stainer fo ganj aufer Serbin* 
bung flehe: bet 3unge ifl mir in ben paar Stagen boch fehr lieb ge* 
worben . . . 

©ein treuer ©ohn 

Heinrich 


h 


b 


248] Sin 3«Iiu4 JU«. 


©eehrtet #err dtector, 


Xeipjig, 3an. 27. 60. 


ich fc^ieS« 3hn<n b»<* einen neuen fritifchen ffluffaf* unb bemerfe ju 
meiner Sntfchulbigung: ich habe, beO Staume« wegen, viel bavon 
flreidjen muffen, fo baf ber Stefl mehr alO mir lieb ifl ben Sharafter 
einer Sobrebe trägt. Sinigrt erinnert ©ie vielleicht an ben 91 a<h* 
mittag auf bem Silienflein, unb )u meiner ©enugthuung flnb bie 
harmlofen ©eiten bereitd verfeuert worben. UebrtgenO bleib’ ich babei, 
baf baO armfelige Äritiferhanbwerf nur in ber erflen -Seit ber SRühe 
lohnt 3eft fehne ich mich httjlich barnach, wieber felbfl etwa« ju 
fchaffen. 216er ich bin fein ©ehnellfchteiber; fo nehmen mir meine 
flehen wöchentlichen Sollegien jwar nicht jebe ©tunbe ^eit, wohl aber 

1 Gläubige äunftonljleaung in bet JtaufhaOe am Warft. 3 Ofofenfetber (1813— 
1881) mar von 1846 faß bretfig 3 fl 6 ct (and ©iteftor ber Slfabcmie in Atnigfc 
berg, beffen SWufeum von ihm eine ©arfhUung ber ©efihnahme von 9Jtartenburg 
bimh ben bentfchen Crben enthält. 8 ben Ober ©ottfrieb ÄeHer (J^tftor. u. tyolit. 
SluffAhe 4,19 ff.). 




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72 


3äöuot 1800« 


I 


jebe unbefangene Süße. 3cp Me ba« ©epeimniß be« regten Jta* 
tpebervortrag« nocp immer nicpt erratben: meine ^upirer fingen, meine 
Siebe fei {u reichhaltig, e« fei fepwer mir nur mit bem Obre, ge* 
fcpweige benn mit ber $eber, ju folgen; unb boeb bringe ich« mir 
meiner Ungebutb vielleicht nie {u ber notpwenbigen SeitfebweißgFeit 
unb Stope. 3n biefem Sinter fann i<b an eine orbent(i<be Arbeit 
nicht benten, aber )u JDftern muß e# anbert werben. 3<b werbe im 
Sommer, entweber gar nicht ober nur etn 2ßünb. Solleg über preußifcpe 
@efeb«bte (efen, fo baß mir Süße bieibt mich eroßliep ju fragen, ob 
icb für Äunß etwa« tauge. 3n ben jerßreuten unb {erfahrenen 
greißunben oor äDßern benf’ icb noch einen Sluffap über Jjebbel J« 
fcbreiben. Da« iß wirfiicb ein SRätpfel. ®o eiet Unnatur unb 9(bs 
gefcbmacftbeit, unb babei fo viel gefunbe Ära ft. 3cb meine, er ver* 
birbt ftcb unb feine Äunß butcb ein anmaßliep formierte« Sefen: feine 
äßpetifcpen Schriften wenigßen« entbaiten, wenn man näher pinßept, 
nur jiemlicb triviale ^Behauptungen, bie lebiglicp wegen ihrer ejrtremen 
gorm verblüffen. 3. ©cpntibt tbut Hebbel übrigen« ficberlicb bittre« 
Unrecht Ueberpaupt begreife ich fegt faum mehr, wie ich jmtal« in 
©cpmibt« SBucpe etwa« SBebeutenbe« höbe finben Finnen: a(« ich e« 
juerfl la« fannte ich noch beinah 9licht« von ben ©cpriftßellern, bie 
er febtaebtet. — Sin politifebeö 2Berf muf i<b noch vor ßffern ju 
Snbe bringen, ben {weiten SBanb von ®neiß’« engtifchem ©taat«recht. 
3ch mutbe Spnen nicht {u, 1000 enge ©eiten über ba« felfgovemment 
{u lefen, aber ich glaube, eine bauerbafte SBefferung be« beutfepen 
Staate« wirb nicht eher erreicht werben al« bi« bie politifchen 3beeen 
biefe« Such« {u SBorurtpeilen berSaffe geworben ftnb. Die tägliche 
SrfüUung ernßer politifeber Pflichten in Äreiö unb ©emeinbe fcheint 
mir ba« Sin{ige, wa« unfre gebilbeten klaffen nachhaltig an ben 
Staat fnüpfen, ba« Sinjtge wa« un« ben SBürgerfinn be« antiFen 
Senfehen einigermaßen erfepen Fann. Da« fchwere SBucp »fl wir fo 
recht au« ber ©eele gefebrieben: bie foßematifepe Sntfrembung unfrer 
beßen Äopfe vom politifchen Sirfen febien mir immer unnatürlich, 
unb noch weniger Fonnte ich begreifen, baß man nur benen ein un» 
abhängige« politifebeö Urtbeil {u{utrauen pflegt, welche fiep praFtifch 
um ben Staat nicpt fümmern. — Diefe beiben SJuffäpe über ©neiß 
unb J^ebbet für bie preuß. 3aprbb. — ba« iß mehr al« genug Arbeit 
für bie greißunben bi« ßßem. Slacbper foll e« fo ©ott will an eine 
orbentlicpe Arbeit geben. S« iß traurig, baß icp mit meinen ?eben«* ' 


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i 



m 


Jebruat 1880. 


73 


plinen noch immer fo ganj im fünften umbertafte. Slucp fonft (amt 
ich nic^t fagen, baf e« mir hier gefüllt: ich bin gar ju unnatürlich 
vereinfamt. — gfir ©ütau ift neulich benominirt worben: man fpricht, 
fchrerflkh genug, »on Stiehl — geben ©ie wohl, mein lieber gebrer, 
unb feien ©ie häßlich gegrüßt von 

w 3htem treuergebnen 

fcreitfchfe 


249] «n mtytlrn «»off. 

geipjig gehr. 3. 60. 

fDtein lieber föereli, 

... Du glaubfl nicht, wie wohl e« mir thut, baf Du mir noch 
wa« Siechte« jutraufh ich bin ber Äunfl fo lange entfrembet unb auch 
im geben begegne ich bem @<hbnen fo feiten: (ein SBunber, baf mich 
bann für Slugenbticfe traurige verjagte ©ebanfen anwanbeln. Da ift 
folch’ ein frifche« greunbe«wort eine greube. Daf ich mich noch in 
einjelnen SRufeflunben mit ber Äunft abgebe — um hoffentlich halb 
ju ihr jurüdjufebren — baoon hot Dir meine legte ©enbung Äunbe 
gegeben. SBa« meinfl Du ju biefem, von ber Slebaction leiber be* 
beutenb caftrirten, ©chweijer Rotten? . . . 3egt foll ber JJtebbel 
bran, bamtt ich J*> Dflern frei bin: ich bin über bie« SWtbfel noch 
nicht im klaren. Die ©ammtung feiner ©ebiepte ift jum ®erj weif ein: 
einjelne entjütfenb fchone ^>oCfeen, meijl Stach tflücle — unb baneben 
£eug von wahrhaft fünblicher ^Jrofa. Der Urgrunb feiner nur halb 
erfreulichen ^hrobuction ift boch wohl bie Slnmafung — ein Reichen, 
baf ihm ber gebiegne Steichthum be« Seifte« fehlt. Stur wer fleh im 
©tiüen feiner Slrmutb bewuft ift wirb auf jebe« feiner hingeworfnen 
2Borte ein folche« ©ewiept legen wie 4?. ©o lange bie üBelt fleht, 
haben grofe Dichter nur 2 Slrten ber SBeltanfcpauung gehabt — bie 
hiftorifefe (ba« rechte gelb für bie Dramatifer ©bafefpeare, ©chiller 
unb — in feiner SBeife — Dante) ober bie naturwiffenfchaftliche — 
©oethe, Slücfert u. f. f. ©ei Jjebbel fmb e« ein paar au« bem grofen 
©anjen ber Statur unb ©efepiebte h«rau«getif ne Probleme — wie ba« 
©erhültnif jwifepen SRann unb 8Beib — welche be« kosten ganje« 
DenFen erfüllen, ©o bleibt er feinem ®ot(e entfrembet, — Jp’« 
Dramen pah’ ich — o ©epanbe, aber woher foll ein armer Xeufel 
eine ©ibliotpef fiep anfehaffen! — nur au« ber geipbibl; bagegen (ann 


1 


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74 


ffttaun 186 a 


« 


ich ©ir, wenn ©u eb wünfcpefi, bie ©ebicpte unb bab gpob {Kutter 
nnb Äinb fchicf en. — ©eine Klagen über ©eutfchlanbb -Jerriffenheit 
finb leibet nur ju wahr/ mein greunb. 3ammervoller ifl mit biefeb 
ölenb nie vor bie klugen getreten/ alb beute wo biefelben ©lätter/ 
welche ben ©errath/ ben SRbeinbunb prebigen, um S. 3)1. glrnbt $u 
trauern ficb untergeben! ©ennocb meine ich/ ©u tbufi unferm ©olfe ^ 
( fchwereb Unrecht/ wenn ©u unb hinter bie Italiener jurücfflellfl. 
Unfre Sittlichfeit unfre ©olfbbilbung, jwar nicht ber @lan§ wohl aber 
bie gefunbe ©ertheilung unfrer Solfbwirthfchaft — bab SUleb fleht 
hoch über jebem anbern europ. Solle; unb eb lebt fein ©ott im 
Fimmel/ wenn biefem fäfllichen Stoffe feine einige mächtige politifcpe 
gorm )u 5the»l werben follte. ©er Mangel an wirtlicher politifcher 
©ilbung — ober vielmehr an warmer/ teibenfchaftlicher Setheiligung 
am polit. geben ifl aUerbingb »orbanben, boch ifl er nicht fo gtof 
alb ©u meinft. ©ebenfe bie eine unleugbare Xhutfache: 18 3Rill. 
©eutfche, 3ung unb 511t/. ©emofraten unb €onfervative leben ber feflen 
j Ueberjeugung, baf ihr Staat — baf $reufen baju berufen ifl 
©eutfchlanb ju werben. Kimmfi ©u ein paar 1000 Ultramontane 
unb taum fo viele ber verrannteflen 3unfer hinweg/ fo ifl biefer ©eruf 
spreufenb in Reußen felbfl gar nicht mehr ©egenflanb beb Partei* 
flreiteb. ©araub magfl ©u ©ir etflären, warum man im preuf. 
ganbtage fo wenig bavon fpricht. 9tUe JBelt ifl baruber einig. Sicht 
alb ob bie preuf. Stämme beffer unb gebilbeter wären alb wir: aber 
ein lebenbigeb politifcpeb ©ewuftfein erwirbt fich nur in einem wirf* 
liehen Staate. Unb außerhalb ^reufenb? ©ebenfe, baf Italien unter 
grembherrfchaft gefchmachtet hot unb baf bab polit. geben fich bort 
aubfchlieflich in geheime Parteien flüchten mufte. fflir aber haben 
in unfern ßleinflaaten jwar ein burchaub unfittlicheb {Regiment/ aber 
eine leiblich fchlaue unb nicht allju plump vorgehenbe {Regierung/ vor 
9l(lem feine grembherrfchaft; unfer Selfgovernment in ben ©emein« 
ben/ fo befepränft eb ifl/ giebt bem ©ärger unb ©auem boch ®e* 
legenheit fich um iffentL geben ju betheiligen. Äein SBunber, baf 
ber nationale ©ebante nur in einer 3Rinberjahl helfer Ääpfe (ebenbig 
ifl: ber ^hiliftw fühlt ben ©ruef nicht flünblich/ er fleht ben Kroaten 
nicht vor fich/ n fuun fich einbilben ein freier 3Rann ju fein/ ba feine 
Stimme im ©emeinberathe gebärt wirb. Um fo bringenber bie ©er* 

! pflichtung für unb/ bie nationale 3bee, wo unb wie wir fünnen ju 
färbern, unb jwar ohne #intergebanfen. Sicht blob ein Staaten* 


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I 


gtbruac 1860. 


75 


bunt mit ßeftr. unt Preußen, nein/ auch (in 23unbe«ftaat »ott 
SRonarcbieen ift (in Unbing — (in Äinb mag e« faffen« 9lur (in ) 
Jpett giebt e«: Sin Staat, (in monarthtfch«« Seutfcfilanb unter btt/ 
Spnaflie ^ottnjoßem. Vertreibung bet gürflenbdufer, Slnnejrion an 
$rcufjen — ba« ift runb unb nett mein Programm. 2Ber glaubt, 
bafj bie« frieblich gefc^e^en wirb? SKber ift bie Sinheit Seutfchlanb« 
unter Aaifer SVithelm I (ine 3bee, bie nicht (in paarmal bunberttaufenb 
geben aufwiegt? Siefer 3bee gegenüber ift mir mein geben feinen 
Schilling wertb- Siefen ©ebanfen gilt tt ju »erfteben unb bann 
}u verbreiten. 3<b glaube, bafj er in« geben treten wirb, aber i<b > 
fürchte — nur nach enbtofem Sammet. Sie Schmach eine« {weiten f 
Stheinbunb« wirb un« nicht erfpart bleiben. — Jjalte Sir ben bhfen 
SBillen bet ft Staaten vor gfugen, fo wirft Su billiger über $reufjcn 
urtheilen. Sein Vorfchlag 1 wegen ber 5£hei(«ng be« Cberbefehl« ift 

— unter ben heutigen Verhdltniffen — ba« einzig Süchtige, 
jugteich ein Reichen ber hbchften Vtdfjigung. 2Benn ber Rübling bie 
Revolution in Ungarn unb 3talien bringt — unb er wirb fie bringen 

— fo wirb JDeftreicb einfehen, bafj e« mit 9>reufjen gehanbelt hat wie 
jener alte Abnig mit ber SibpUe. — Von ben Slltgothaern fo viel: 
bie ^reufjen barunter halten fefter jufamraen benn je; unter ben 
Slichtprcufjen fteht et fldglich: #@agern — ein fchwacher confufer 
Kopf — ift Seftreicher geworben; einige Sfnbre wie Sablmann finb 
alt unb ber ^olitif mübe; noch SInbre wie £acharid* ftnb feige; wirf* 
lieh tüchtig ift nur Vefeler*, ber mit bem ehrenhafteften Sifer für bie 
gute Sache wirft. S« ift traurig, aber — wdchft unfre ©eneration 
nicht betau? — Sine grofje Vttte, bie Su mir nicht abfchlagen 
barfft: halte Sir bie preufj. Sahtbüchet: ba baft Su nicht bie 
{erfahrene 3<itung«leftüre (ba« ift Kraut für ben gebilbeten *P6bel), 
fonbem gefammelte ruhige polit. Unterfuthungen — ba« einige 
review, ba« unfre treffe befifjt. Su thuft mir unb ber Partei, {u 
ber ich bie Sbre habe mich {u rechnen, einen ©efatlen. VHltft Su 
nicht über ba« Soncorbat 4 an Jpapm eine @orrefponben{ fehiefen ... 

1 jut (Reform bn ©unbfifrifgtottfoffung; egt. 89 b«! 2,341 f. 2 Üb«r bm 
@4ttingtt ©taatfte<b t*[«hr«r unb Ariminatiflen 4>«inridp SUbttt jiaebari A (1806—1875) 
in b« 900. ©. ©iogr. (44,617—82) f. frtntborff gerieben. 8 SBilpetm ©., 
btt btbcutmb« f<bIrtn>ig=bo(ff«in. ^otirifn. Seit 1861 Kurator bn UnioerfitAt ©onn 
unb hi« gtft. 1884. (VOg. ®. ©iogr. 46,478 ff.) * Di« D«}. 1869 mb bfm 

bab. Winifferimn Ctmgrl mit b« Auri« gef<h(off«n«, ab« bann, €nb« (WArj u. 
Snfang Sprit von b«n Kammern abg«(«hntt Konvention. 


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76 


februar 1860 . 


Seltfam, in wie wunbetlicher SBeife fleh ber unftare spatnotißmuO 
jefct Suft macht. Sa fchwirmt man für #einrtch v. Schwerin non 
Jjr. v. SDJepem *. 3(h hob’ baß ÜRachwerf je|t gelefen — bi« aller* 
lobenßwürbtgfle ©eflnnung, aber ((bäuerlich profaiflh. SKuf ber 83ühne, 
mo üb natürlich ben Stalog nur errietb/ machte eß einen ganj flott* 
liehen Sinbrucf. 

©rüße Stubolf. 3n alter Siebe 

Heinrich Z 

360] 9ln @uftaoa von $öfctt>frg. 

Seipjig, Sehr. 8. 60. 

©ndbigeß $räulein, 

. . . miß wenig fagen, wenn ich 3h«en verfiebre, baß mir 
3bf ©rief eine große greube gewefen ifl. 3<h büre hier feiten ein 
freunbticheO 2Bort; Sllleß um mich ifl in ben JBüchern vergraben. 
SOleine .fcauptfreube in bem gelehrten Treiben ifl, baß meine Juhbrer 
etwaß von mir holten, greilich ifl eß manchmal feltfam wenn ich 
mich noch gar nicht brein flnben fann unter biefen großen Schülern 
alß Sehret ju flguriren. ©ei bem Univerfltdtßjubildum, baß wir neu* 
lieh feierten 2 , ifl mir ber alte ©ebanfe, ob ich ntich alß Seutnant 
nicht gtücflicher fühlen würbe, wieber recht lebenbig geworben. ÜBenn 
©eiehrte bie fafcbucfelnben JJwfleute fpielen, fo ifl baß grabe wie wenn 
ein Seutfcher ober Snglinber verfucht frivol ju werben: eß lüuft gegen 
bie Blatur, unb baß bißchen gormgewanbtbeit, baß ber flttlichcn ©<* 
mcinheit einen Schleier umhüngen fann, fehlt. Sß war wirtlich ein 
tlüglicheß Schaufpiel, biefe fchwer*gelebrten Herren friechen ju febn 
vor einer (Regierung, welche erfl vor ein paar 3<»hren burch einen 
brutalen ©ewaltflreich bie uralte beflhworene ©erfaffung unfrer #och* 
flhule aufgehoben hot. Sie fehen, eß ifl mir nicht wohl in biefer 
Umgebung, ich fomme fetten jum unbefongenen ©enuffe beß Slugen* 
bliefß unb hoffe auf ben Sommer, wo einige brüngenbe Arbeiten be* 
feitigt fein werben unb ich wieber etwaß auß bem gelehrten Staube 
heraußtomme. — Sie wollen etwaß von meinen beiben Schweflem 

t flrbt. «. SWeprau^ebenbetg (1808—1878). Diplomat, bann $oftheaterintenbant 
in coburg. Dienfien. Seit 1860 auch f<briWWkriJ<b titig, )umeift aU Dramen: 
unb SchaufpielverfafFer. Sein Scßaufpiel »Heinrich von Schwerin 4 ' erfchien 1860. 
b am 2. Dej. 1869, jmn Seb&chtnil ber ©rönbung «er 460 3«b rfn * Vach it&nig 
3 ohann nahm teil. 


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I 


gebniöt 1860. 


77 


wiffen? Ca ift fetter antworten. 34» ftehe ihnen auch geiflig fo 
nahe, ba« führ Htte« wie Eigenlob au«, ©enug, ich fte^e im beflen 
BerhAltniffe ju ihnen; befonber« meine jungfte ©chmefter ift fo fc^&tt 
unb gut/ fo weiblich in Sittern — unb icb bin al« $tnb ihretwegen 
fo oft befhaft worben — benn ich war ein arger Sieget unb fie hatte 
k immer Stecht — ba wir’ e« ein ttßunber wenn ich fw nicht *(ieb bitte. 
Cie armen SDMbchen hoben auf bem gelfennefte einen harten ©tanb: 

bie grau be« Slbjutanten meine« Sater« ift ihr einjiger Umgang- 

3ft c« nicht fchrecflich wie pebantifch ich j«be meiner Behauptungen 
oertheibige? Cafur witt ich 3hren SWacaulap nicht noch einmal am 
greifen. 3ch weif nicht/ ob ich ju ftarfe Sluöbrüdfe gebraucht; bitten 
wir über ihn gefprocpen, fo würben ©ie an meinem «tone gehört 
haben/ baf ich f«n §««b nicht bin. 3e$t am wenigften mag ich ihn 
tabein/ ba bie ganje ffiett mit Stecht feinen 93er(uft betrauert, ©rabe 
heute (a« ich für mein Solleg einen essay oon ihm/ elegant unb 
gtünjenb, wie immer/ aber ©ottiob auch tief empfunben. 3rgenb ein 
hingeworfne« ffiort hat ©ie auf bie Meinung gebracht/ ich tbeiite ben 
heute fo beliebten Britenhaf. Ca« thut mir aufrichtig (eib. 3<h 
meine atterbing«/ Snglanb« ©taat unb ©itte flehen jefct oor einer 
furchtbar emften Ärift«. 916er wenn wir unfrer eignen £u!unft benfen, 

* fo hoben wir wenig ©runb herabtaffenb oon Snglanb ju reben. 3ch ) 
müfte jebe« ©efuhte« für menfchüche ©röfe baar fein, wottte ich / 
biefe gewaltige Station nicht bewunbem. Ueber ba« nicht«rourbige 
«treiben ber beutfchen glücf>tlinge in Sonbon benfe ich Strich 3bnen, 
obwohl ich Sinen meiner Kebften greunbe barunter weif 1 . 916er ich 
meine, ein grofe« ©ebiet ber reinen SWenfchenbilbung ift ben Briten 
immer oerfchtoffen geblieben: bie Stamen splato unb Äant finb ihnen 
flet« ein leerer ©chott gewefen. 3Benn ©ie SDtacaulap« essay über 
Baco fennen, fo werben ©ie oerftehen wa« ich meine. Cer $eroi«mu« / 
be« Cenfen« (nicht be« ttßiffen«) ift nur oon jroei 936lfern, ben j 
©riechen unb ben Ceutfchen, oerftanben unb gehegt worben. Ciefer 
Mangel ber englifchen Bilbung ift mir befonber« in ihrer neueften 
Literatur fehr fühlbar. — 

Cie Blätter über ©fetter ftnb oon ber Siebaction fehr ftar! be* 

, fchnitten — e« wirb einmal in bet 3ournaliftit Sille« mit ber Stte 
gemeffen. 3ch will übrigen« hinjufügen, fetter ift Jeine grauenleftüre 

1 Oppatham. 


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78 


ßt&niat 1800. 


4 


— fo grün, um nicht ju fagen fo fre$ ifl oft bie Aufrichtigfeit biefer 

Setbflgeftdnbniffe. ©leine greunbe unb müh b«t btt grünt Heinrich 
munb«bar ergriffen: ed »fl mie tint ©eichte. — Sie finbtn in btn 
©lüttem mieb« $@rotb «mübnt: ich (itbt btn ftuidfborn febr unb 
habe im Schmeiße meined Angefichtd ^JMott »erflehen gelernt. Sine 
abfcbeuliche Arbeit: et ifl al< ob man laut« frtmbt Skficbter ftebt < 

unb im Stillen fich fragtn muß, ob man nicht jebed f$on fennt; 

tint frtmbt Sprache ju Itrntn tfl »itl feiert«. — 

3d> banft 3bncn b«jlich/ mtint »erebrte greunbtn, für 3bte guttn 
ffiorte jum ntutn 3abre. 3<h fürste, mir m«btn bed Segend unb 
b« guttn SBünfcbe btbürftn. ©ie nücbfte Jlufunft mirb und Schmered 
bringen. 3cb hoffe btn «lag noch ju trltbtn, mo Äaifer äßilbelm I 
bei und einjiebt. ©ad 3* e l 'ft erhaben genug: felbff ein ©lenfcbens 
alt« hurt« Äümpfe wäre fein ju fyofyex ©reid. ©ietleicf)t btneiben 
und unfrt Snfel, baß mir biefe Üagt bed Uebetgangd erlebt; ab« ed 
ifl ferner unb angreifenb, biefen Sßirrmarr miberfptecbenber Anficbten 
ju ßbrtn. Sin ÜRann, b« burcf) fein bloßed ©affin und ein Unt«* 
pfanb mar für unfre nationalen Hoffnungen, ifl nun auch bingegangen 

— mtin lieb« alt« Sehr« Ambt. Sr lonnte nicht glütflüber flerbtn. 

3cb bemabre noch einige Briefe von fein« berbtn H ö nb: benn « b«t 
feinen fein« Sd&ül« »«geffen. Seltfam, mie menig felbfl ein fo * 
langtd unb offenb«jiged ?eben gerecht beurteilt mirb. 9Ran rebrt 
imm« nur »on feinem guten Semiffen — unb gemiß mar fein 
Sbaraft« mehr beworragenb ald fein @eifl: — ab« ed ifl lücb«licb 

biefen ©lann »on ein« feinen ©ilbung, bie bem beflen Sffapiflen 
Sbre gemacht bitte, mit einem plumpen Slawen mie ber alte 3abn 
ju »«gleichen, ©ottlob, ber ben ©erd fcbtieb „fein @enie, bocb 
ein Sbaraft«* mar fein ©eutfcber, fonb«n ein 3ube: unfet ©olf ifl 
»iel ju gefunb um an folche Hulbmabrbeiten ju glauben; unfre flarfen 
9Rünn« finb auch immer gefreite Mpfe gemefen. — 

^mei Sotlegien, mit benen ich morgen bie miffendburflige Sugenb 
erquüfen foll, mahnen mich unbarmb«jig jum Schließen. ?eben Sie 
mobl, unb Sie miffen ja, je eher mich ein ©rief »on 3b*un auf ein 
Stünbcben »on bem Soßegienbefte abruft, befto lieber ifl mird. 
Aufrichtig 

3bt «gehn« 

©reitfchfe 


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Stbnsar 1860. 


79 


ft 


251] 9fa bm fBattr. 

£eipjig, gebr. 12. 60. 

SDtein lieber 93ater, 

... 3ch habe ftiller benn je gelebt, bin feit 9leujabr nic^t ein einjig 
3Jlal in Gefellfchaft ober im Zbeater gewefen unb batte febr viel für 
» mein €odeg ju tbun: benn ich bin je$t bei bem fchwierigen Sterna 

ber englifchen IReoolution. Dafür hob’ icb bie greube, baß meine 
3ub6rer etwa# oon mir holten: e# ift fegt immer febr »oll, unb auch 
au# gelegentlichem ^riootoerfebr mit ©tubenten febe ich, baß meine 
Vorlefungen gefallen. Doch fehlt »iel, baß ich mit mir jufrieben 
wäre . . . Der Stob be# ölten Slmbt ifl mir al# feinem Schüler 
natürlich nabe gegangen, boeb ift fein Zob ber glücflichfte gewefen. 
{Rechte 2Bürbigung flnbet er noch immer nicht . . . 3cb bin neuer« 
bing#, befonber# butch bie Xeftüre eine# äflbetifchen SKuffafce# »on 
Schiller, wieber lebenbig an biefe Generation au# bem €nbe be# 
lebten 3abrbunbert# erinnert worben. S# ift boch nicht blo# ber 
{Reichtum an Geift unb ßbarafter waö bie 8Berfe jener Jeit unoer* 
gdnglich macht: — felbft burch bie fleinften, fcheinbar fluchtigften 
biefer Schriften gebt ein £ug ber Eingebung, ber anbächtigen ©amm« 
lung, ber befonber# au# ber Vetletrijtif unfrer rafch lebenben Zage faft 
» »erfchwunben fcheint. 3ch mbchte in feiner anberen Epoche leben: 

e# ift etwa# Große# in bem ftürmifchen gortfeh reiten biefer «Seit, bie 
bereit# gleichgültig über SBorb wirft wa# »or 10, 20 3abren noch alle 
Gemüther entflammte: aber e# ift unenbtich fchwer bei biefer Siel« 
feitigfeit unb bem jähen SBechfel ber 3ntereffen ju jener ruhigen bar« 
monifchen SRenfchenbilbung ju gelangen, bie bem Seben feinen SBertb 
giebt 3n ber ^olitif, in ber Zechnif geigt ficb ba# Große folcher 
Zage; bie Äunft leibet unfäglich barunter: überall mit wenig 2lu#« 
nahmen ein jerftreute# unb boch berechnete# Schaffen für bie ©tunbe, 
ein gefchäft#mäßige# {Betreiben äftbetifcher Dinge, ba# jebe# Zolent, 
jebe ächte SBegeifterung »erberbt. — 3Ba# wirb un# bie# 3abr noch 
bringen? 3ch fürchte, ber gäbe ßgoidmu# ber SBöfen unb ba# »age 
^btafenmachen ber Guten wirb fich in furjer griff furchtbar rächen 
«n unferm armen Vaterlanbe. Vielleicht ein 3abr noch ober jroei, unb 
wir werben ju fpät bereuen, baß wir e# »erfäumten, Deutfchlanb jur 
rechten 3eit einen SDtonarchen, einen #obenjollem«$aifer $u geben. — 
911# ich b»«t ftubirte, fab ich bei Demiani# oft einen SRaler 
9>loefborft, ber bamal#, nicht mehr ganj jung, ftcf> mit gamilcen« 


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80 


tyril 1860 . 


bilbem . . . fein 33rob oerbiente. Nun ift er nach (Berlin gegangen 
unb h«t pl6|lich burch 2 große biblifthe (Bitber allgemeine unb ge* 
rechte (Bewunberung erregt 1 . Da* eine ift je§t hier; ei ift febr fcb&n 
— leine ©pur non bem gemachten glaubenlofen SBefen, baO bie 
mobernen (Bibelbilber fo wtberlich macht. ©olch ein Srfolg ift wirf* 
(ich fthün. 

deinen lieben Dropf grüßt mir ^ergttchr w«nn er fleh wieber ju 
(Juch oerirrt; bie @ch»eftem fotten fich mit mir triften, »enn bie 
Hoftrauer ihnen ben (Sinter ettoaö einförmig macht. 3n etwa 
5 (Soeben hoff’ ich ®«<h ®öe wieberjufehen. (Sie immer 

Dein treuer ©ohn 

Heinrich. 


262] 9fa ötobolf Jpapm. 

geftung Jtinigftein, 5. äpr. 60. 

©eehrtefter Jg>err, 

-©eit 14 Dagen &aufe ich aü f biefem gelfennefte unb 

fonnte meinen guten Sorfag bie ^olitif lieber ganj an ben Nagel ju 
hingen ftatt mich über bie Niebertracht beo Dre6bner 3ouma(6 ju 
irgetn, (eiber nicht au6fü(jren. Denn ber tenbenjibfe Sifer ber Dfftjiere, 
worunter ein ftaattgefangener Leutnant noch ber hefte, (ißt mir feine 
(Ruhe. Sin inftinctioe* beutfepe* @efühl h^kn fie SKÜfe, boch eö 
bleibt machtlo* gegen ben 9>reußenhaß, ber h»« tiglcch ftch oerjüngt, 
»o man ben Xitienftein unb bie Sataftrophe »on 1756 hanbgreiflich 
»or äugen b°t. 3h re Nachrichten finb traurig, geehrter Jfcrr, aber 
boch heffer, alö baO (Bilb, baO ich mir nach unfern ©chanbb(ittern 
oon ben (Berliner Dingen machen mußte. (Nichten ©ie »ahr reben 
mit 3hw* Hoffnung, baß i. Nap. für jegt jurüefgehen »erbe. 3ch 
fann ti faum glauben: benn einen hefteten äugenblicf jur Nieber* 
»erfung unfreo 2anbe6 lann er nicht ftnben al* biefen, wo bie beutfehe 
Zwietracht ootlfommen unb baO preuß. jjeet in ber Umbilbung be* 
griffen ift. Jpier an ber (Sanb hingt ein oon meinem (Batet bei 
Scfemfirbe erbeuteter binifcher ©ibel unb erinnert an ben ®rün* 

1 ©ernfjatb *p. geb. 1826 in ®raunfd>n>eig, erhielt 1868 fftt ba* ©tmdlbe „ÜRaria 
u. 3#h flnnf t“ bi* golbene (DtebaiU* in ©erlitt. Unb 1860 vod*nb*t* «t f)i*t f*in 
bann in ba* 8tq>jifl*t SERufeum gelangte* ©ilb „S&rifht* nnb bi* €h*br«hmn". 


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» 


«firit i8ea 


81 


bonner«tag vor 11 Sauren*, — beinah ben etnjigen Zag beutfeben 
£rieg«rubm« in «nein falben Sahthunberte! Sffier weif ob wir folcbe 
Zage wieberfeben — aber id) benfe, einen grieben von Sillafranca 
ju ffblieffen ubertaffen wir ben Jpabobutgem — Seutfcf)lanb ffbliefft 
ben feinen in gtanfreicb« SRitte ober in ßffpteuffen. — 

5öfo in ben nücbffen Zagen SWehr, bi« bahin nehmen Sie her)« 
lieben @ruff von 

3b«m aufrichtig ergebenen 

Zreitfcbfe 

3Ran munfelt ^ter von einem Slinifferwecbfel. ffienn irgenb 
3emanb ©aebfen vor ber ©<banbe eine« SRbeinbunb« bewahren fann, 
fo ift eö ber Äbnig — fein ÜRann von 3beeen, aber ganj gewiff ein 
Ehrenmann. SBir hoffen auf Seuff’ö ©turj, benn bÄonig benft 
an eine Slnndherung an ^reuffen — aber ich fürchte, bie j?ab«s 
burgifebe gamilienpolitif wirb überwiegen. 

263] tln OJubolf ^apm. 

geffung Ä&nigffein 8/4 60. 

©««brteffer #err, 

hier iff ber Sluffaff unb zugleich bie fettige Serffeberung, baff ich nie 
wieber einen jeitgenüfpffben Siebter fritifiren werbe. 3cb hob’ e« 
furchtbar fatt: man muff gar fo viel burnrne« Jeug lefen. üBenn ich 
3hnen wieber einmal einen dftbetiffben Sluffafc febiefe, wetb’ ich bie 
©acbe an ber« angreifen, entweber eine allgemeine grage ober ein ein« 
jelne« gute« SfBerf behanbeln. ©egenwirtige Slrbeit wirb, benf teb, 
20—22 ©eiten füllen, unb e« b«t mir bie gröffte SRühe gefoffet 
wenigffen« bie« SRaaff einjuhalten. @ie fehen, ich höbe bereit« felbff 
ffarf geffrieben; unb ich bitte @ie, wenn mbgticb nicht« üBefentlicbe« 
mehr wegjunehmen. Senn Jpebbel iff e« immer noch jujuttauen, 
baff et 3hnen eine feiner albernen SReplifen fcbi<#t; für biefen gall 
wünfebte ich äffe« verantworten ju Wnnen. Slueb iff e« wohl natür« 
lieb/ baff ich in biefetn Sluffage, ber ben Spctu« fcbliefft, auf einige 
allgemeine fünfte eingegangen bin. 3<b will befennen: meine Äritif 
be« „grünen Heinrich" febeint mir jefct fetbff ju günffig. Siicb feffelte 
ein pathologifcbe« Sntereffe an ba« Such, benn febr Siele« barin er* 
innerte mich <m Sinbrücfe au« meinem eignen ober meiner greunbe 

* auf ben £a&, 6,9pnl 1849« 93gl. 1/ 8» 3.63« 

n. 6 


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82 


tyril 1860. 


geben. Die gerühmten iBorjüge bed SBucb# ßnb wirtlich aße bann; 
aber ich bitte bie ©(battenfetten, bie fcbwäcblicbe Sbnrafterloftgfeit 
brt gelben unb bie ßttßcbe Unftcberbeit beV Nerfafferfi, viel febärfer 
bervorbeben foßen. Dagegen tann t«b für ben gegenwärtigen Rlrtifel 
ebenfo wie für ben über gubwig ffiort für SBort einßeben. SRancbe 
antitbetif<be ÜBenbung, bie 3bnen vießeiebt überflüfßg febeint, iß nur 
eine SRepltf gegen #ebbel ober Sinen feiner Anbeter. 3m Uebrigen 
iß ber 9Rann freilich» ein fataler @efeß mit feinem gefpreijten Jpocb* 
mutbe, aber er iß tppifcb für viele ber innerßen ©cbwidmen ber 
heutigen $unß. geiber burfte i<b bie treffenbe boeb unparlamenta* 
rifebe iuferung SNommfeni, ber Jp. perfinlicb fennt, ni(bt erwähnen: 
„ein bitmarftber SBauemjunge, ber in ^ari« in bie SSorbeße geraden 
iß" . . . 

Noch 8 Zage bleib’ i(b b‘« r — ber grübling iß wahrhaft erguiefenb 
nach ben fcbrecflicben SRegenwocben. Nur bin i(b leiber €iner von 
ben ©terblicben, bie ftcb über bie Nerfebrtbeit ber SWenfcben but<b bie 
©cbbnbeit ber Natur nicht triften taffen. 3cb fuebe f)iet nie ein 
tenbenjiofeö ©efpräcb, aber i(b werbe grabe ju gebest mit religiifen 
unb politißben Nebenkarten, bie ich aße, fogar noch beffer, Zagö 
juvor in ber geipj. 3*8 gelefen ^abe; ba foll ein Demofrat wie i(b 
ruhig bleiben! #eut’ Nachmittag miß ich mich erholen auf einem 
tüchtigen Ntarfcbe mit meinem SSrubet, ber alk unfcpulbiger Sabet 
von bem 93(6bftnn ber Srwacbfenen noch nicht angeßeeft iß. geben 
@ie wobt unb feiern ©ie ein friblicb«* Seft. 

@anj ber 3btige 

Sreitfcbfe 


254] $n Jßetnri$ ©aefcmann* 


geipjig, Rlpril 16. 60. 


SDleto lieber Sreunb, 

eben lefe ich Deinen 95rief wieber, unb ek fäßt mir febwer auf« JJerj, 
baß ich biefe liebevoßen feiten fo lange liegen taffen fonnte. 3cf> 
ginnte mich entfcbulbigen . . . Dich aber, mein lieber greunb, bitte 
ich recht inßänbig: faffe SJtutb unb taffe Dich nicht nieberfebtagen. 
SJtünblicb woßt* ich Dich wohl beffer triften: ba genügt ein 8Bort, 
ein »lief, ein ©efpräcb übet gonj entlegene Dinge um anjuregen unb 
aufjuriebten. 2Bie wertblok iß bagegen ein SJrief, ber botb nimmermehr 
ein gebenbigeö wirb, immer ben Sinbrucf ber 2lbßcbtli<b?eit macht. — 


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Sprit 186a 


83 


©eine große 9Rot^ ift nach wie vor ber ©angel an Sammlung 
unb ©uße. Soeben (wb’ ich einen Sluffafc über Jpebbet an bie 
preuß. 3<*htbb. abgefc^icft ... 3n 8 Stagen beginnt bann mein 
(gotteg Aber preußtfche @ef<$iunb in biefer furjen grift muß 
noch eine Steife ((einer Suffdfce für »erfcbiebne ©Idtter fertig werben. 
Dab ift ja bie ficßerfie Sinnahmequette eineb heutigen ©chriftfietterb 
— leiber, (eiber! Du b>afl eine ©orliebe für bie 3ouma(iftif unb 
meinft, ich taugte befonberb baju — ein Srrthum, ben ich nur Deiner 
ttntenntnib biefer Dinge »erjeiben fann. ©ei unfrer Zerfahrenheit/ 
bei ber unfettgen ©ielfeitigfeit unfreb ©iffenb giebt eb auf ber ©eit 
9ti<btt, bab einen ju befferen Dingen brauchbaren ©eift fo von ©runb 
aub »erberben f&nnte wie biefe Sthdtigfeit. Huch mit ben Qottegien 
bab* i<b noch immer ©crupel: eine folche ihrem ÜBefen nach freie 
unb trofcbem an bie ©tunbe gebunbene Arbeit führt nur ju oft jum 
biogen 2Ra<ben, jum ©ißbrauchen beb formellen Stalen tb, wovon 
bab gute ©eroiffen ber ©iffenfchaft ft<b abwenbet. 2111 bab (wt min« 
beftenb bie eine gute gotge, baß ich nie bran benfen werbe tttwab ju 
entwürbigen, wab noch viel freier unb mir noch unenblicb heiliger ift 
alb bie ©iffenfcbaft: — itb werbe nie einen ©erb um beb Srwerbb 
willen machen/ unb wenn bie ©chriftftetterei nach ©tobe gehen muß/ 
fo fott mir bie Äunfl wenigflenb biefem gluche nicht verfallen, ©eine 
joumaliftifchen unb bgL Arbeiten werbe ich <wfb 2leußerfte befchrdnfen: 
ich nuiß für bab ©taatbwhrterhuch einen 2lrt. über ©ilton alb 9>oli* 
tifer fchreiben — biefen herrlichen Puritaner, ben wir Deutfchen fo 
unbegreiflich wenig !ennen — unb will bann unb wann für bie 
pr. 3ahrbb. eine dfthetifche grage behanbeln, bie mich grabe befchdftigt. 
@o hoff ich 3eit $u behalten für eine grbßere Arbeit — aber bar* 
über fchweige ich gegen 3ebermann. — Du fragft nach meinen 2(ub* 
flehten auf eine ^rofeffur? Jpier ift jcQt ©ülau’b ©teile frei unb 
mancher ©tubent fdhe mich wohl gern alb beffen ©achfolger. 3<h 
habe boch fchon manchen Zuhörer, ber mir von ©emefter ju ©emefter 
treu bleibt/ unb ich meiß ju meinem großen Strofte/ baß ©iele von 
biefen nicht aub 9>arteirücffichten mir anhdngen. Sber ebenfo ficher 
werb’ ich webet biefe $rofeffur (für bie ich ohnebieb viel ju jung unb 
ungelehrt bin) noch eine befcheibnere hier erhalten. 6in Sotteg über 
ßreuß. ©efchichte gilt hier alb halber Jjochverrath: gegen bab über 


1 ,©ff<hi<btt beb pmifüf<b«i ©taalb.* Igcb publicum. 

6 * 


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84 


«pril 188 a 


englifcbe unb franjüfifcbe ©efcbicbte, baö ich irrten Sinter la«, 
batte ©iemanb wa« etn$uwenben. 3br habt jeßt wahrlich wenig Urs 
fache Such Sure« Staate« ju rühmen: fenntefl Du aber unfre $u* 
fidnbe, müßtefl Du täglich bie fcf>amto«=niebertriebtigen Sügen bbeen, 
bie unfre offtciellen Sehern unb Säuler über Preußen verbreiten (j. 39. 
ba« ©erebe von einem ©ertrage jwifeben $r. unb granfreicb; 9tb= 
tretung ber SH^eintonbe gegen Hannover!! *) — Du tvütbefl begreifen, 
baß hier jeher ehrliche Deutfcbe mit voller Seele an Preußen bängt, 
mit febmerer Sorge auf bie Soffen blicft, bie Preußen« Stern äugen« 
blirflicb verbellen. 3(11 meine Hoffnung beruht auf bem guten ©es 
tviffen be« beutfeben ©off«, ba« im Salle einer tmrüi<ben ©efabr für 
Preußen unb Deutfeblanb hoffentlich — nein, ftcherlich — flärfer fein 
wirb al« bie€brfu<bt vor ben angeflammten Sürflenbäufem unb ber 
mächtige Apparat ber fleinflaatlieben ©ureaufratie. — Die paar 
Soeben auf bem Äbnigflein finb mir rafcb genug vergangen. Sin 
monotone« {eben bort — aber icb [bin] hoch febr gern einmal ju 
Jjaufe. 3<b war ein leibenfcbaftlicbe«, unlieben«würbige« Äinb unb 
habe bamal« mich nie recht in meine nerobfe reizbare Sutter finben 
finnen; ich machte ihr vielen Kummer, ich verftanb ihre Siebe nicht 
unb trug mich wohl mit bem frevelhaften ©lauben, baß ich ihrem 
4?erjen fremb fei. 3eßt feit ich erwaebfen bin, ifl fie mir mit einer 
Sirene nahe getreten, bie mich unbefcbreiblicb ergreift. 3cb erfebreefe 
oft vor biefer grenjenlofen 3nnigfeit; e« ifl mir wie eine Offenbarung 
getvefen, al« ich jurn erflen Sale ben SReicbtbum eine« mütterlichen 
Jjerjen« erlannte. Du wirfl felbfl tviffen, wie falt, wie leer, tvie 
berjlo« wir Sinnet un« in folgen Slugenblicfen erfebeinen. 3<b 
habe bureb meine eigne Scbulb bie« ©lücf erfl fpit ju genießen an« 
gefangen; nun ifl e« mir unenblicb wertb. — 

Du fiebfl, eö geht mir ©ieterlei bureb Äopf unb Jperj, unb ich 
finnte ©ogen füllen wollte ich einen rechten ©rief febreiben. Äber 
ich fagte Dir febon, wie fnapp mir bie £eit jugemeffen wirb. Darum 
leb wohl für brüte, ©ielleicbt febreib’ ich in 14 Xagen noch einmal, 
wenn $ut (wie e« ben 2trtfcf>ein bat) au« Sonbon auf ©efueb b*r« 
überfommen follte. 3<b benfe ihn reifer unb fefler wieberjußnben, 
al« ich ihn verließ; aber ich fürchte, ber Umgang mit äinfet, ber 
wahrlich 9licbt« gelernt unb ©ich« vergeffen hat, wirb ben ^o^len 

1 Sögt. 2IuS btm 2<b«n 2b- »• ©ttn&arti« 3,336. 337 ft. SBiimatJ an ». SBdon>(7) 
22. 8. 1860. 


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Wtti 186 a 


85 


SRabicali*mu*, woju $ut neigt, verfWrft gaben. ÜRan fcgümt ft<b 
wirflich, wenn ein SDtann von @eift beute 9tob. ©tum mit ©Ziffer 
unb £utger jufammenflellt: ber 3werg fönnte fi<b auf betn Singer« 
naget Sine« ber beiben Xttanen ^duölicf) niebertaffen . . . £ebe wobt 
unb faffe URutg, mein lieber greunb. 

SC. 


265] Än ^t'mxvSf ©«ermann. 

Sieber greunb, 


i 9/5 60. 


$ut ifl feit einigen Stagen hier. 3<h tonn Dir von ifjrn nur 
@ute* fagen: er ifl in Snglanb weit feffer unb reifer geworben, auch 
fein 0tabicali*mu* ifl, naegbem er jahrelang bie 2ot>atitdt eine* freien 
©olfe* gefeben, jegt b«wn(ofer. SRit feinen 2eben*pldnen fiebt e* 
freilich leiber noch unflar genug au*. Sein 2lufenthalt, ber beute 
Rlbenb ein Snbe nimmt, ifl mir eine wahre Srfrifcbung; benn ich 
habe bie ffiabrbeit, baff nur unenblicb wenig URenfcgen eine# tieferen 
3ntereffe* wertb finb, in ben legten 3agren oft genug erfahren: $ut 
ifl boeg probegalttg geblieben. Sr grüft Dich taufenbmal . . . 3cg 
felbfl bin bur<b mehrfachen ©efueg in biefen Soeben ftarf am 2lr6eiten 
vergröbert worben. Doch hob’ ich mein Solleg über preuf. ©efegiegte 
unter — für fctpjig — febr ungewöhnlich glüeftiegen ©erböltniffen 
begonnen. 69 ^ugörer auf ber 2ifle eine* ^rioatbocenten — ba* ifl 
@lücf! wenn e* nur bauert! Diefe feilen follten auOfügrlicger werben, 
aber eben flört mich ein ©efueg . . . 2luf einen ©rief hoffe »cg 
natürlich fo halb e* Deine ©efunbgeit erlaubt, gür fegt begnüge 
Dich mit biefem Reichen alter freunbfegaftlicger SZ^eilna^meJ 


[Deine* 

- SCreitfcgle 


266] Vn Wubolf Jjapm. 

©eegrter #err, 


Eeipjig, 2Rai 21.60. 


foeben ftg* ich Aber ben petty sessions ber grieben*ricgter; ba fommt 
3br ©rief um an bie alte @cgulb ju mahnen. Sntfcgulbigungen 
hob’ ich i<t güße. Die Sollegien forbem ihr Utecht: ich lefe bieOmal 
preufifege (Sefcgicgte vor 80 Zuhörern, unb ich weif, baff bie* ®tücf 
in Dre*ben febr übet verwerft wirb, hohe auch fchon einjelne @e« 
fichter auf ben ©infen bemerft, bie ber üeipj. 3tg nabe flehen. Da* 


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86 


SRoi 1860. 


nennt man hier afabemifche greiheit. Saju tarn ein lieber SJefuch 
eine* alten $reunb6 au* Sngtanb, ber mir fehr viel 3eit nahm . . . 
3<h fühle ba* ®ebürfnifj mich ju einer größeren Arbeit ju fammeln 
unb roa* von SRußefhinben bleibt wirb burch einen 3tuff. SDtilton 
für ba* ©taat**8Börterbutb Verfehlungen, — ®twa* Nat*£ef. ju 
fchreiben 1 ift mir phpfifch unmöglich: ein paar 2luffüge im ©t.2B*5B, 
bie ich »or einigen 3ahren fchrieb, jeigen mir jur ©enüge, baß ich 
baju verborben bin, unb bie ?ü|fchenaer ©orlefungen quülen mich fehr. 
Sollen ©ie nicht an Jpan* v. SRangolbt, ^rof. in ©öttingen, 
fehreiben? ... 8116 verlorner Sohn be* füchfifchw 2lmt*abet* ift er 
natürlich eifriger ^urteigenoffe. ©ebiegen ift Sille* wa* er fchreibt, 
aber leiber — ein wenig langweilig, ©onft weif ich 3huen wirtlich 
Niemanben vorjufchlagen (vielleicht Knie* in greiburg), benn SRofcher 
ift viel ju eitel um anongm ju fchreiben unb Sieget in Jjeibelberg 
halt’ ich für einen ©chwachfopf. — ©enug für h«ute. Senn Sie 
mir auf bie ©enbung bei ©neift antworten, fo fcf>icfen ©ie mir 
boch eine Karte mit jwei feilen an SJtathp, bamit ich einen ®ot« 
wanb höbe ihn aufjufuehen. Shue bteö wag’ ich ba* nicht, weil ich 
Niemanben mit meinem fchweren ©ehör jur Saft fallen mag. Sann 
will ich mein SBefte* thun ihm bie Sahrbb. in* ©eböchtniß ju rufen, 
©ie würben mich mit biefer Karte fehr ju San! verpflichten, benn 
ich fenne hier buchftüblieh außer ,£irjel feinen öfteren 9Rann von 
JBebeutung. Soch ba* Sille* finb ungelegte Siet; laffen ©ie mich 
fließen unb ju meinen grieben*richtem jurüeffehren. 

aufrichtig ber 3hr»gc 

Sreitfchfe 

Nach SRiU’* liberty will ich wich umfehen*. 3ener englifche 
greunb, beffen Urtheil ich [fehr fehüße, hat mir ba* Such bringenb 
empfohlen ... Sie hiefigen ^uftdnbe finb fauler benn je. Seipjig wirb 
Dr. J^epner in ben Sanbtag wühlen, einen ziemlich gewöhnlichen Kopf, 
aber fehr muthigen Nationalen*. Sir hoff««/ er fofl ben böuer* 
liehen möcontents in ber Kammer einen JJalt geben unb eine Slrt 
nationaler ßppofition organifiren. 

i n>a4 ju tun Jpapm in feinem lebten ©rief, vom 19. 9Wai, Xreitfcbfe gebeten haut. 
9 Jpaprn fchreibt in bemfelben ©riefe: „Kennen Sie benn bat ©uep von ÜRiU On 
Liberty? Vu<h botftbet h&tte i<h gern einen Reinen tlrtifri." 9 Jpifior. u. ^Jolit. 

«uffAhe 4,106. 


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Wfli 186a 


87 


867] 9n tat ©am. 


Seipjig 26 ©tat 60. 


SDteta lieber Später, 

wenigßen« eine« Stedoertreter wid ich für bie geßtage auf bie geßung 
fcfncfen . . . ©on meinem €odeg hab’ ich jeßt ben Sinfchteibebogen 
erhalten unb ju meiner großen greube 80 barauf gefunben — 

ein für einen ©rioatbocenten fehr großer Erfolg. SRateried wirb er 
mir, b»« wenigßen«, ßhwerlich etwa« Reifer». — Sin paar wirtlich 
fcf)6ne Zage waren eö, al« neulich ein alter ©onner greunb, 
Dr. Oppenheim, au« Snglanb nach jahrelanger Slbwefenheit mich hier 
befugte — einer von ben Wenigen, bie fiep bewahrt haben. S« iß 
traurig — fepon nach biefen paar Sohren läßt ßch« überfehen, welche 
Heine ©iinberheit »on ben nieten frifchen »ieloerfprechenben Sungen, 
mit benen un« ber Zraum beö ©urfchenleben« jufammenfuhrt, ba« 
3eug ju ©tännern hat. Unb e« iß fieper, bie @eßor6enen unb ©er« 
borbenen gehören faß Sille ju ben ©efferen; an ben ganj alltäglichen 
©tenfehen läuft jebeö ©chicffat fpurto« herunter wie an ben ©puppen 
eine« gißhe«, fte haben gar nicht bie Äraft ju ©runbe ju gehn. 
£>pp. hat ©icl erlebt ... SH« er fort war, fiel e« mir hoch fchwer 
auf« J£erj, baß ich »nir in biefen 3 Sahren in i. nicht einen greunb 
erworben habe, ©on bem ©eißreichßen meiner hiefigen ©efannten, 
von ***, bin ich getrennt burch einen Hbßanb ber ©eßnnung, ber 
mehr tft al« ein Unterfchieb ber ©arteimeinung. 3<h fornrne nicht 
bariiber hinau«: bie« rein negative ©erhalten bem ganjen Smße ber 
©efchichte gegenüber, biefe unprobuftioe £riti!, biefe ©erjweiftung an 
unfrem ©olle, bie« ©pottjn über jeben ©erfuch bem beutfehen Sommer 
ein €nbe ju machen — ba« iß boch nur geigheit, bie unmännlichße 
©eßnnung unb mag fie mit adern Slufwanbe »on ©eparfftnn (ich 
fchmhden. Ueberhaupt ifl e« ein recht feltfamer ©ahn, ber ©laube, 
ber auf Schulen unb Unwerßtäten geprebigt wirb, baß ein corpus 
academicum eine Slriflofratie be« ©eiße« repräfentire. Sch habe in 
jebem anbern ©tanbe ebenfooiel gute Äöpfe gefunben, ebenfooiel 
©tenfehen »on Sbeeen unb ganj gewiß mehr ©tänner, beren ©ilbung 
unb €harafter ju einem harmonifchen ©anjen »erfehmotjen waren, 
©taube nicht, lieber ©ater, baß ich irgenb erbittert fei gegen ba« 
Uni»erßtät«leben: ich «etfenne nicht ade« ©roße unb Züchtige barin, 
nur iß e« nicht mehr unb lann e« nicht mehr in bem ©taaße ber ©littet* 
punft ber nationalen ©ilbung fein wie »or jwei, breihunbert Sohren. 


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88 


3um 1860. 


8Benn ich überhaupt für eine fefle Saniere paffe, fo ifi e6 tiefe, fcpon 
barum weil unfre jpochfchulen jtemlich bie einjige nicht prooincielle 
fonbetn nationale Snflitution finb bie wir $aben: wir ftnb fchlicht 
unb r td)t beutfche Bocenten. jpeute erhielt ich einen fegt guten 
SmpfehlungPbrief an ben, burch fein Auftreten gegen Jpecfet 1 be* 
fannten, babifcgen Staattrath üRat(t)hp, ber jegt an Bufourt Stelle 
bie Leitung beO Credit Mobilier übernommen bat. 3cg freue mich 
brauf, ben intereffanten üRann fennen ju lernen. — 

3n £ügfcgena nimmt ber iBefucg wieber ftarf ju, ber 9lame beO 
Birectort fcheint unter ben Sanbwirtben einen guten Älang ju b^ben. 
Bie ÜRirfcge ftnb jcgt eine Srguicfung; neulich ging ich bie Scgteubig 
unb würbe nur burcb eine mitleibige Seele in ben Stanb gefegt mit bem 
£uge jurücfjufabren, ba 9liemanb baö „auötdnbifcge* füthftfehe Rapier* 
gelb nehmen wollte. 5Rit fotcgen Argumenten muß man fcgließlich 
auch ben übet jeugen, baß wir flott unfter fogenannten 

„Sinigfeit" bie Singeit brauchen ... Bie 3Reffe ifl ©ottlob ootbei. 
2Benigflen6 einen wirtlichen ®enuß oerbanP ich ihr. Sin h*trlicher 
Anblicf — bie großen Bran6parente nach berühmten ©emülben. Unb 
ba$ SBunberltcbfle: — eine ?anbfcgaft »on Glaube fcottoin machte 
ben grüßten Sinbrucf. Unfet SRufeum wirb morgen eine neue £ierbe 
erhalten: bie große Sampefcge ßupferfltchfammlung wirb enblich ge« 
ü ff net 2 . 3<h freue mich brauf, benn fonfl ifl von Äunfl hier nicht 
mehr bie Siebe, feit baö Xheater nur noch Slirt «nb glocf unb Stöbert 
unb SBertram in erbaulichem ÜBecgfel oorfügrt . . . 3njwifcgen 
wünfeh’ ich Such unb mir fegüne Bage*. 9Rit taufenb Örüßen, auch 
an ben £ropf, 

Bein treuer Sohn 

Heinrich 


268] &n ben 93ater. 

Seipjig 19/6 60. 

SDteta lieber ©ater, 

♦ ♦ ♦ 3c$ fd^idPe jugletcb bat oerfproc$ne S&ud) t>on ©p&el 4 , unb 
3$r fetb mobl fo gut rt mir mit ber lebten Stummer oom Sentral* 

i Jpiftor. u. spolit ttuff&te 1,493« * Über Sari Sampe, beu um ba* mirtfebaffc 

(t<be unb geiftfgc 2ebeu unb befouber* um bie öffentliche Äunjtpflege feiner Söater: 
ftobt fe$r oerbienten 2eipjiger Aaufberm, f. 3uliu$ föogel, ®a$ ftdbt. $J?ufcum ju 
Seipjtg. 2. 1892. ©♦ 30 f. 67 f. 3 für bie beoorfte^enbe tyflngfb unb gerienjeit, 
bie Xrettf<$fe faft nur arbeitenb in Seipjig jubringen modle. 4 bie im 


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3uni 1860. 


Matt gelegentlich jurücfjufenben: — aufjerbem meinen StuffaQ Aber 
JJtebbel ... gür bie Damen »ft et wohl ju p^itofoph>ifc$. Sin anbter 
— ftaattwiffenfchaftlicher — 2luffa$ für bie preufjifchen 3ahrbücher 
ftecft bereit« mit feinem $opfe unter ber Drucferpreffe, wdhrenb ba« 
Snbe noch jum 3$eil auf meinem ^ulte jum £$eit in meinem Äopfe 
liegt, unb folf in 3 ©tunben jur ^>oft 1 ... 3Jl»t ben (Sollegien geht 
e« gut, nur tritt bereit« bie grage wegen be« nichflen ©emefler« an 
mich b«wn. 3ch lomme in biefem ©ornmet nicht weiter al« bi« 
jum Dobe griebrich« Q- Da bie fpitere 3eit nur ganj auefü^rtidf) 
behanbelt werben barf, wenn bie Darflellung oerfldnblich fein folf, 
fo werb’ ich »»hl, wie meine ^uhbrer wünfchen, mich «ntfchliefjen 
muffen, im äBinter eine polit. @efch- oon Deutfchlanb feit 1786 )u 
lefen. Sin fernerer Sntfchlufj — benn für bie Jeit bi« 1815 ifl 
jwar burch neuere Arbeiten reichlich geforgt, für bie golgejeit aber 
fehlen bie »ücher fehr, unb mir würbe ba« Solleg fchrecflich oiel Arbeit 
foflen. — Skflem ich einen ber wenigen fchünen Slbenbe biefe« 

gtegenfommer« benufct um von Süfcfchena über ben ^5ienih nach 
9)larfranfldbt ju gehen. Seiber war ich fo gefühllod, bafj mir ber 
Sonnenuntergang, vom ©ipfel be« 9Heni§ gefehen, feinen Sinbrucf 
machte. Der 9Beg oon ba nach SWarfranfldbt ifl wie eine 9>rdrte — 
eine unüberfehbare grüne gliche, fo eben, bafj man bie SRunbung ber 
Srbe erfennt. Äetn Süenfch, fein Söerg, fein Söaum, e« ifl etwa« fehreef« 
lieh Debe« — eine folche Sulturwüfle . . . Jpier rebet alle 2Belt oon 
ben Dagen in SBaben»Söaben l ; feine greube baran fyat ftcherlich 9lte* 
manb. SBa« fann babei hwau«fommen al« beffen galle« Glicht«, 
fchlimmffen galle« Sffluftonen? Denn Slluftonen ftnb e«, wenn un« 
bie Leitungen je$t oon ber wunberbaren Sintracht ber beutfehen gürften 
reben. 3<h benfe, e« ifl eine SJeleibigung gegen unfre ©ouoerine, 
wenn man grofjen Sirm baoon macht, bafj fte jeben Angriff auf 
Deutfchlanb mit ben ffiaffen jurücfweifen wollen. Da« oerfleht fleh 
unter Spinnern oon Shre oon felbfl. Sfber wa« will folche gute @e* 
ftnnung bebeuten, wie wenig ifl fte werth, wenn man über bie un« 
umginglichen SDfittel ju ihrer praftifchen Durchführung, über bie 


fttet. Senttalbl. oom 7. 3uli u. Suff. 4,688f.) angejeigten 3 93or= 

Icfungen «Oer „bie <£tb«bung Sutepai gegen Otapeleon*. 1 »Da* ©elfgooetn= 
ment*, erf«bienen im nA«bften ^inlifjeft ber 'Preufc 3<»bfbb. (#tftor. u. fotit, Suff. 
4,38—69.) 3 (Begegnung Äinig SBUhelml oon ^tragen, an bet ©pi«e bet 

anbeten Einige Deutfchlanb«, mit Napoleon m. 


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90 


3uni 186a 


Steform brt ©unbtf, in offner Jroietroc^t lebt? SWir bringt bao ©lut 
jum Äopf wenn icf> eine frembe Leitung lefe unb fege, mit welcgetn 
Subei bie gr ent ben ben Sommer ber ©unbe6tag6*jj»ietracgt be* 
grölen . . . Xaufenb ©rüfje an Such Sille . . . 

Dein treuer ©ogn 

Jgeinricg 


269] Sn 3»Iiul &Ut. 


Setpjig, Suni 20. 60. 


©eegrter Jg>err SKector, 

icg fc^icCe Sgnen gier ben legten 3eitgen4fftfcgen Dieter 1 unb ent* 
fcgutbige vor Sgrer unbarmgerjigen Äritif baö gragmentarifcge beO 
Sluffagri bamit, bafj bie SHeboction (wegen ber unglücRicgen SRücf* 
ficgten auf ben Staum unb auch auf einige gart mitgenommene 
9>o«ajter, bie jur nationalen Partei gegüren) megrere ©teilen ge* 
flricgen gat. — 3“ Oflem . . . macgte i(g au<g enblicg, enblicg 
©t Sr jeden j 1 meine Slufwartung. ©egr artig unb — fegr (ugL 
9Sacg bem befannten 9toturgefege barf icg ni(gt goffen igm gefaden 
ju gaben/ benn er gat mir grunbticg mifjfaden. Uebergaupt benf 
icg emftticg baran, nacg Sena ju gegen ober nacg ©erlin. 9Ba* 
micg gier gilt jtnb (ebiglicg materiede ©rünbe (bie Sugfcgenaer 
Sodegien) unb bie Slngdnglicgfeit meiner ßugorer, ein erfreulieget 
©egag/ ben icg mir niegt leicgtftnnig »erfegerjen mag. SBie man in 
SRegierung<freifen von mir beult, gab’ icg neulieg erfagren. 9teg.* 
SRatg ffiigleben, bie ©eele ber offijieden treffe, gat e6 niegt für un* 
paffenb gegolten ju einem meiner £ugbrer ju fagen, eO fei grabeju 
eine ©eganbe/ bafj ein 9Renfcg wie icg lefen bürfe. Sin paar Sagte 
galt* iego wogt noeg au6, aber ti bleibt ein ungefunbeb ©etgültnif 
in meinem Sitter fegon in fortwigrenber Dppojttion mit meiner ganjen 
Umgebung leben ju müffen. Diefer Doge gab’ icg mir ©ottlob eine 
grofje politifege Slrbeit für bie $reu§. Sagrbücger unb einen ganjen 
©aden lingft oerfptocgenet Centralblattrecenjionen oom Jpolfe ge* 
fcgüttelt. Diefe jerfireuenben Äleinigfeiten »erb’ icg emfdicg linfo liegen 
laffen. 9lun bleibt für biefen]@ommer noeg ein Slrtifel für batf 
©taattwürterbueg über SDlilton, unb goffentlicg gewinne icg fegt enb* 


1 J^ebbeL 2 bem Untem^timinifler ton $a(frnßein* 


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3u« 1860. 


91 


licb SRufte für eine grifjere Arbeit. 3cb fc^tte mich febr belieb 
barnad). SBieber unb wieber »ft mir, al* icb ©lilton* geben la*, ber 
©ebanfe aufgeftiegen, wie freunblicb et bat ©cbicffal mit ben SRenftben 
meint, benen e* netginnt ift ftcb ftdtig unb fieser ju entwickln unb 
au*juleben. ^tootf »olle 3ab*e »erbringt SRilton nach feiner Uni* 
»erfttittjeit mit Steifen unb ©tubien; er ift ein ©retfjiger, al* er 
mit feinen erften Arbeiten bernortritt, aber bann ftnb et auch golbene 
grüßte. Unb al* ein @ecb*}iget fammelt er ben Üiefftnn unb bie 
8Bei*beit eine« gangen geben* für fein fromme* ©ebicfit. S* ift nie! 
95eneiben*»ertbe* in folcbem goofe. Slber icb glaube, wir mobernen 
SRenftben finnten einen fo Jangfamen 6ntwirflung*gang ni<bt er« 
tragen. 6* liegt etwa* Slufregenbe*, JRubelofe* in ber guft biefer 
3eit, bem ftdj ber Stnjelne nic^t gang entgieben fann. — ©inge e* 
nach meinem ffiiUen, fo würbe icb ftntt SRilton* je§t bie Sllten lefen. 
3<b bnbe biefen grübling — gu meiner ©ebanbe fei e* gefagt — 
bie SJntigone gum erften 2Rale im Originale gelefen, unb @ie (innen 

©icb ben Sinbrucf benfen-3n 4 3Bocben febiefe icb 3bnen 

ben polit. Sluffag. g* wäre mir eine grofje greube wenn @ie mir, 
benor icb ©« * m ©rptbr. ober 0(tbr. felbft feb«, einige feilen febreiben 
wollten. 3n)wiftben fage icb 3bnen bie lanbe*üblicb«n ©rufe non 
#itgel, 8Beinlig u. 91. unb bleibe 

3b* banfbarer ©cbüler 

fcreitfebfe. 


260] Sn ben 93atft. 

geipjig, 29. 3uli 60. 

SWeitt lieber Sßater, 

. . . 3u SJticbaeli* erhalt’ icb einen neuen Sollegen — wenn wir 
9>atia* ber afabemiftben ©efellfcbaft bie ^rofefforen fo nennen bürfen. 
Slber leiber wirb 9ft>ren* au* ©rag 1 jwar 95ülau ficberlicb erfegen, 
boeb ftbwerlicb ber Uninerfitdt wahrhaft 9lu$en bringen ... 3cb 
wünfebe, baft er wenigften* gehrtalent beft|t, benn [e* thut fehr 
Sftoth, baft ber enblicb unter ben ©tubenten wieber erwachte Sinn für 
bie ©taat*wiffenfcbaft einige Söefriebtgung ftnbe. — ©er Sluffag über 
ba* Selfgovernment, non bem ich ©ir febrieb, ift febon gebrueft; 

1 Jprinritb Sbrenl, ©<$&« von fritbr. Jtraufr; 1808—1874. ®. 

S0 9 . ©. ©iogt. 46,714 ff. unb ogf. Jpiftot. u. Suffixe 4,602.610 u. no<b 
folitif 1,81. 


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92 


3u(t 1860. 


id} werbe Dir tag Jjeft, worin er entgölten ift, iw J&erbft mitbringen. 
3e$t bin ich noch tabri, tan lebten tar Sluffäfce Aber Rotten, tan 
über SRilton, ju fcbreiben. 3n 1 */i SBocbe ben!’ üb fertig ju fein 
unb ich freue mich febr tarauf, benn bie granbiofe Sinfeitigfeit biefrt 
SRanneg wirft auf bie Dauer febr ermütanb . . . aug all feinen 
SRenfcpen fiebt immer fein eigneg ebleg JJerj b«r»or. Slucb ftnb wir 
Äintar beg 19. Sfabrbunbettg bocb ju frei unb weltlich gebitbet um 
bie tbeo(ogif(be Jpüttc aller Schriften biefer puritanifcben Demofraten 
ju ertragen. Sitar herrliche SRenfcben finb eg gewefen; bie »on SRilton 
»erfaßten Depefeben Sromwellg an bie augwärtigen SRäcbte hoben 
mich wieber in tar Ueberjeugung beflärft, bafj Snglanbg augwärtige 
9>olitif nie wieber in fo grof artigem unb reinen Seifte geleitet worben 
ift wie unter tar 4)errf<baft ber Äoniggmbrber. Slucb barum ift eg 
mir lieb/ bafj icb mit bem SRilton halb ju Snta bin (er bot beiläufig 
gegen 40 febr umfängliche 23ü<ber gefcbrieben!), weil ich bann enblicb 
ein bolbfreier SRann bin unb meinen eignen Plänen nacbgeben (ann. 
SRein lieber alter „Scbulmeifter" — wie et ficb nennt — Rector Älee 
meinte freilich/ olg er mir fürjlüb feine fämmtlicben SEBerfe (b. b* 
eine bumoriftifcbe Slbbanblung aug feiner Stutantenjeit) fd^icfte, eg 
fei gleichgültig, ob ich ein paar 3obre früh« ober fpäter mit einer 
gräfjeren Slrbeit beroorträte; bocb fühl« üb Üb 01 » je(}t febt lebhaft bag 
SBebürfnifj nach Sammlung. — Sin paar intereffante SBefanntfcpafttn 
hob’ ich gemacht: ich war beim Staatgratb 9Rat(t)bp unb lernte burcb 
Sllfreb ben berühmt«» Seograpben Äarl Slnbree fennen — benfelben, 
ber in ber £eipj. £eitg. bie begeifterten £obretan auf bie Regerfflaoerei 
fcbreibt. Offenbar ein febr guter Äopf unb ein 2Rann »on ftauneng* 
wertbem SBiffen — eg ift ihm Äleinigfeit, aug bem Äopfe mit fohlen 
bie wabrfcbeinlicbe Rentabilität biefer unb jener merifanif<b«n Sifenbabn 
}u berechnen — aber einer von ben unleiblichen SRenfcben, bie immer 
Sftonologe holten, unb jum Starften ood von parabopen SDteinungen ... 
3n jpalle fab ich mit Rainer 1 tag fchüne JJänbebDenfmal; ba fiebt 
er in ber pomphaften Stracht feiner 3eit, wenbet ftch »on bem Roten* 
pulte ab mit einer gebieterifeben Jpanbbewegung bem Orchefter ju, 
recht wie ein gürfl in feinem Reiche. — Slm SRittwoch über 14 «tage 
(15. Slug.) werb* ich mein Solleg fcbliefjen unb hoffe bann wo mäg* 
lieh fogleich in bie frifche £uft ju gehn. Sg ift bocb taffer, wenn ich 


1 ber in ben Serien bei bem ® ruber ju SBefucp getreten mar. 


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Slugujt 1860. 


93 


meine SRittel noch $u Statue Mt«5 i<h M« baber ba« Stiefengebirge 
ober SRüncben aufgegeben unb werbe mich mit einer gabrt in ba« 
febbne frdnKfche ©ebtrge begnügen . . . 2BoUt 3b« «Ufa fo freunb* 
lieb fein^ mir mein ©eburt«tag«gefchenf in ©eftalt »on Steifegelb ju 
geben/ fo wünfebe üb f«b« <« bi« «Ritte Sluguft ju erbalten ... gür 
eine ©Sache fann üb müb in Sügfcbena to«eifen, wenn i(b in ber 
folgenben ©Joche boppelt lefe. £u Such aber werb* ich fcbwerlicb »or 
meinem ©eburWtage fommen, benn leiber nur »om 15. ©eptbr bi« 
1. jDctbr. bflb’ ich »ollfommene gerien . . . £ebt SWe berjlicb wobt 
— SRama wirb ^öffentlich ihr« 8lu«flüge fortfegen — unb laßt mich 
bur<b Stainer halb etwa« »on Such erfahren. 

©ein treuer ©obn 

Heinrich 


261] Sin 3ulra< Äl«f. 


©eebrter #err Stector, 


Seipjig, 1. Slug. 60. 


i<b will meinen b*«iiüb«n Danf für 3b«n ©rief unb bie ©ebrift 
nicht erft in Drüben abjlatten . . . fonbem febon fegt einige feilen 
unb ben »erfpre ebenen politif<ben Sluffag fdjitfen. Sin großer S£b«U 
ber Slrbeit ift blo« Steferat: Da haben @ü ©neift« Selfgovernment in 
nuce unb fonnen ©ich freuen, baß ©ie ba« fcbrecfltcb ungenießbare 
©ueb nicht felbjt ju lefen brauchen. €« wirb 3b««m ©cbarfblicfe nicht 
entgehen, baß ich meinen ©efüblen gegen bie Rationalbfonomie mehr* 
mal« £uft gemacht höbe, SBirflüb ift e« eine febr wunberliche Saune 
be« ©lüef«, baß ich mit meinen dußerft befebeibenen prtoatbfono* 
mifchen Stalenten jwang«weife ein Sebrer ber Rationalüfonomie ge* 
worben bin, wdhrenb üf> müh nur für bie ©rdnjgebtete biefer ©Jiffen* 
fchaft, ihre politifcben unb moralifchen ©eiten, lebhaft intereffire. 
Slber auch obgefeben von meiner perf&nlicben Slntipatbü weiß ich wirf* 
lieh nicht, ob bie Rationalbfonomie b«ute mehr Rügen ober ©chaben 
fhftet ©iebt man freilich bie fehreefliebe Unwiffenbeit ber meiften 
SRenfchen über bie einfachen oolf«wirtbfcbaftlüben gragen, bann 
mbcht’ ich 5« ?eute wohl am Äragen in Stofcher« Jjörfaal führen. 
Unb hoch wünfebe ich nicht, baß bie Rationalbfonomie bei un« je fo 
populdr »erbe wie in Sngtanb. Die ©efabr einer materialiftifeben 
Sluffaffung aller ethif<h«n, unb befonber« ber politifeben, Dinge liegt 


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94 


Stagufi 1860 . 


gar )u na(e. Mm SBeffm, wir (alten un6 an ben alten beutfc(en 
Droff, bafj ba$ SEBiffen immer weniger fc(abet al6 bie Unroiffen(eit, 
unb (offen/ bafj ber 3beali6mu6, ber unß ©ottlob no<( immer in 
ben ©liebem liegt/ un< trog atlebem vor englifc(er 9Rammon6sMn* 
betung bewa(ren wirb. — Da tc( einmal »on ©taa«wiffenf<(aften 
rebe, will ic( 3(nen auc( not( erjd(len, bafj M(ren< SBulau’ö 9lac(* 
folger geworben iff — eine rec(t unglöcfliche Erwerbung, ein 3Rann 
ber )iem(ic( alle Stanbpunfte, oom ©ocialiffen bie jum „aufgefldrten" 
©c(warjge(ben, burchgemacht unb ®ö((er f((reibt/ bie fi<( recht bequem 
lefen laffen unb feinen einjigen ©ebanfen ent(a(ten. 2Ran fie(t beut* 
lic( SButtfe’6 Sinflufj, ber um himmefewitlen feinen ©ot(aer (oben 
wollte — unb in ber D(at ftnb augenblicklich alle Sapacit&ten unfrer 
2Biffenfc(aft biefer ober einer oerwanbten Stiftung juget(an. 2Ba(r* 
fcheintich iff bamit auc( bie grage wer J(artenftein6 £e(rftu(t er(alten . 
foH erlebigt; benn 2l(ren$ wirb auf 2Bunfc( beO SRiniffert jugkich 
9>(ilofop(ie lefen/ unb jroat — Ätaufef<(e ^P(ilofop(ie, welc(e oon 
allen beutfc(en p(ilof. Spftemen in Deffreich baö populdrffe iff. Dar: 
au6 mögen Sie auf ben 8Bert( biefer Speculation f((liefen; tch (<*be 
mi<( leibet/ al6 ic( meine J(abi(itation6fc(rift f((rieb, etwa* mit bem 
bummen ^euge abgeben muffen. 

2Rit SRiltonä ©((riften benf’ ich noc( (eute ju Snbe }u fommen/ 
fo bafj in 8 Dagen etwa ber Muffag fertig fein wirb. Mufric(tig 
geffanben, iä) bin beffen fro( . . . gut mi(( ftnb erbaulic(e ®üc(er 
eine ftttenoetberbliche Reftüre, fte mac(en mir immer gottc6täffer(ic(e 
©ebanfen rege. 66 fc(eint mir unbeffreitbar: waö SRilton a(6 öffent* 
liehen €(arafter fo grofj unb unvergleichlich «in (inffeHt baß (at 
i(m a(6 Dic(ter gefc(abet. ©eine fetfenfeffe Ueberjeugungötreue mac(t 
i(n ganj unfd(ig eine abweic(enbe ^arteimeinung auc( nur ju »er* 
ffe(en; fo iff er auc( in feinen ©ebic(ten immer tenbenjiö* unb (at 
eigentlich feinen leben 6fd(igen S(arafter gefchaffen. Sin grofjer ^>o€t 
bleibt er ftc(er, aber bafj i(n bie Snglänbet mit ©(afefpeare unb 
unfren 2Beimarfc(en gelben jufammen ff eilen, ba$ fann ich mir nur 
au 6 bem fchdblic(en Sinfluffe erführen, ben bie D(eo(ogie noch immer 
auf bie englifc(e SBilbung auöubt. Sine greube iff e6 mir, ben 
9Renf((en ju fc(ilbern: rt (at in einer ffürmifchen ^eit faum jernalö 
ein fo »orwurf6freie6 Reben gegeben. — 

9leu(ic( war ich eine 2Boc(e recht unwo(l, tonnte mit 3Rü(e 
f&t mein Solleg arbeiten unb la6 ju meiner 6r(olung Sop(ofle6 — 


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Buguft 186a 


95 


|um erfien fWale mit ©enuf unb ©erflänbnifj. 3cb war febr »er* 
wunbert, wie grunboerfcbieben biefe SBerfe ftnb. Oft festen e« mir, 
at« läge ein »otfe« Sabrbunbert j»if(f»en bem 2tiaö unb ber Antigone; 
bort eine SBeltanfcpauung, bie wir nic^t mehr »erflehen, ^ier ein 
reinsmenfebtieb« Sonffict, ber »on einem mobernen Rotten gan§ äbn* 
tief) ijätte bebanbelt werben fünnen; unb botb in att biefen grunbs 
»erföiebnen ©ebiebten berfetbe ©eift ber Harmonie unb Älarbeit, ben 
ich nie genug bewunbem fann. 3bnen barf iä> ja fo reben, benn 
@ie finb Siner non ben fettnen ^ilotogen, bie e« niefit übet nehmen, 
wenn wir auch ben Sitten gegenüber auf ba« Süeefit ber Sebenbigen 
pochen unb ehrlich fagen: bie« unb jene* ift für mich tobt/ erweeft 
feinen ffiiber^ail in meinem fersen. — 

Sllfo in 8 2agen etwa bin id> ein leiblich freier ÜRann, werbe ein 
wenig in ba« frdnfifefie ©ebirge wanbem — ^ab’ ich boeb in biefem 
©ommer faft oertemt, wie ein ©erg unb eine 2Biefe au«fieht — unb 
bann fott hoffentlich etwa« au« einer grüneren Arbeit werben, @ie 
aber, lieber J&err SRector, ermatten @ie 3bre greunbfebaft 

Syrern alten ©cbüler 

. . . Xreitfcbfe. 


262] Bn SEBil^cIm Stoff. 

Sieber trennt, 


2 11/8 60. 


jur ©träfe für bie mädchenhafte Unbefcbeibenheit Seine« ©rief« will 
ich Sir nur für) antworten, bamit wenigsten« auf Sein Jjaupt bie 
©<bu(b füllt wenn unfer ©riefwecbfel )u ©runbe gebt Stnigeö ©ute 
bab’ i<b »on biefem ©ommer allerbing« )u fagen. SWein Solleg über 
preuf}. @ef<bicbte gebt über ade (Erwartung gut . . . unb überbie« 
bin i<b bureb ben ©efueb 9>ut« unb §ran$iu«’ erfreut worben. *Put iff 
febr englijtrt ... erfreut war itb, wie »iel fefter, ficberer, ruhiger er 
geworben ift grangiu« (Su fennft ihn nicht näher, in meinen Slugen 
ift er (Einer ber lieben«würbigften ©terblicben, mir wirb in feiner 
Stäbe immer wobO bot eine SlrjteStetle am J^ofpital in Hamburg 
angenommen unb wünfebt febr al« praft Slrjt bort )u bleiben, aber 
— ba« ift ja unmöglich nach btfebem ©unbe«recbt unb Hamburger 
©tabtreebt, unb wer fann e« über ficb gewinnen ba« preuf}. ©taat«* 
bürgerreebt gegen ba« bamburger )u »ertaufeben? . . . Siefe 2 ©e* 
fuebe b^ben mir hoppelt fühlbar gemacht, wie einfanr ich h‘« lebe. 


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96 


«uguft 186a 


unb ein fortroäbrenbe« Unwobßein fyat mich auch nicht erweitert 
Seine J^auptnoth iß noch immer bie Unruhe, ber Sangel an ^eit... 
Seiber wirb ber Sinter toieber wenig Süße bringen: ich tefe btfche 
©efch. in ben-jüngßen 100 Sagten — eine fegr große Arbeit, aßer* 
bing« für mich unb meine Zuhörer nüglicg; oießeitgt führt fte auch 
ju meiner — Äbfegung, wovon ich bi« fcgon manch« ©öglein fingen 
hbrt[e]. (Doch halt’ ich Seuß für ju fcglau baju). Sinen ©orwurf 
muß ich machen: warum biß Du reicher Sann fo fcgäbig nicht 
auf bie preuß. 3af>rbb. ju abonniren, ba Du boch weißt/ baß ba« 
tüchtige ©(att in Stotg iß unb ba boch Put, ßrangiu« ja fetbß ich 
Proletarier 1 um ber guten ©acge wißen un« baju entfcgloßen? Statür* 
lieh W»«*’ i<h ®it feinen ber Äuffäge mehr, bie ich ^ewnfc^rerbc. — 
Sinen Droß, ein wahrhaft ergebenbe« ©efügl verbanf ich meinen 
hißorifchen ©tubien. San nennt mich einen Reiben, unb ich befenne 
mich unfähig bei bem chrißlichen ©otte«bienße irgenb etwa« anbre« 
al« ©pottluß ju empftnben. Äber eine tiefe Änbacgt hot mich oft 
burehfegauert, wenn ich in ber großen Stragöbie ber beutfehen ©es 
fchichte jene hbhere gügung ganbgteiflich oor Äugen fab, bie un« 
nicht ßnten (aßen wirb, wenn ich über bem ©taube menfcglicher 
Xhorheit unb ©ünbe ba« erhabene Sicheln einer göttlichen Sacht er* 
fannte, welche weiß, baß ße un« jum £iete führen wirb. ©Jährlich, 
bie« ©olf iß wunberbar geführt worben; wäre biefer Serbegang unfrer 
Station nur eine Äette wüßer ^ufäße — bann hätte ba« Seben für 
mich feinen SRetj mehr. 3<h fann Dir nicht recht fcgilbem, wie ich mit 
bie« ©ebeimße menfcglichen ©lauben«, bie ©orfebung, oorßefle. Än 
einen perfönlitgen ©ott [ju glauben] verbietet mir ba« monumentale 
„omnis determinatio est negatio“, über ba« meine Sogif unb, benf 
ich, jebe rücfficgttlo« fühne Sogif nicht hinau«fommt J . Äber ba« 
Dafein weltbauenber geißiger ©efege nicht blo« ju glauben, nein, fie 
ju erfennen — ba« iß bet ©egen bet JJtßorie. — Saß mir auch ein 
wenig von bem ©ertrauen auf ein ßchre« gortfegreiten ju Stgeil 
werben, ba« wir ju jebem guten Senfehen h« 9 « foßen; erfpare mir 
alfo ein lange« ©eßänbniß meiner Ärbeittpläne. — Stoch ein ©or* 

i Sgl. ©b. 1, ®. 216. 2 Sielt 3°b w fpättt noch, in feinet" Sorlefung über 

©efegiebtr brr politifcgtn 2f)toritn hat Sreitfcbfe bauen gefproeben, mtlchtn Stic 
bnnt ihm bitft ©orte ©pincjaä gemacht häuen, all et fit jum erftenmal la<: 
folche @Ä$e mirften mit ihm furchtbaren logifeben Strengt bAmonifd) anjirgenb 
auf btn jugtnblichen Seift. €t habe bann fehr lange JJeit gebraucht, um füg ju 
fagtn, ba| menfchliche ©egriffe auf bat Sittliche nicht annxnbbar feien. 


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»Ufluf* 1860. 


97 


fcbfag. ©eit faft 6 3abren faben wir unS nicht mehr. 2BaS meinft 
Du. ©äcbften greitag benfe ich nach granfen ju gehn. 2Benn ich 
jeboch fieser wüßte, Dieb in SlugSburg ju treffen (Du bafl fa 
bie gabrt für 8 ff)/ fo wäre ich fetcfrtftnmg genug meinem ©elbbeutel 
biefe Slnftrengung jujumutben. ffienn Du mir umge&enb fcbreibfl, 
on meinem Sage Du in ben näcbften 2 2öod>en in SlugSburg fein 
widfi, fo verfaß Dieb brauf: ich fomme bin. 2eg’ bie febwäbifebe 
ÄleinfUbterei jur ©eite unb bebenfe: es giebt (eine Entfernungen 
mehr, @rüße Deine ©raut unb/ wenn wir unS nicht [eben folften, 
febreib mir ja wann Du Hoheit bältff. 

Dein 

Heinrich X 


863] Än SRnbolf ^apm. 

Sßunfiebel, 24, Slug. 60. 

Hochgeehrter %m, 

beute enbficb/ naebbem i<b über 8 Zage lang granfen burebwanbert, 
finbe icb bie ©luße auf 3bren ©rief ju antworten. Saffen @ie mich 
jundebff 3bnen aufrichtig banfen für baS ©ertrauen, wo»on 3b* ©or* 
fcblag Äunbe giebt: icb wüßte nicht/ wie mir ein ebrenoodereS Sin* 
erbieten gemacht werben fonnte. Dennoch glaube ich/ ber erfte Ein* 
bruef, welcher mich trieb »ortäußg ©ein ju fagen, war ber rechte, 
©des ©crlocfenbe fpriebt für 3bren Slntrag, unb auch bie ©otb* 
wenbigfeit mein geiziger Eatbeber ju »erlaffen fodte mich nicht 
febreefen, fo b»<h ich ben ©ortbeil anfcblage einer Unioerfität anju* 
geboren. Slber über einige ftttltcbe ©ebenfen fomme ich nicht hinweg. 
3ch würbe ben Sabrbüchern al6 Herausgeber ober SRitberauSgeber baS 
nicht fein tönnen was ich von mir »erlangen müßte. SBenn ich 
wie bisher jährlich einige größere 2luffä§e für bie *P. 3. fchretbe, fo 
haben @ie ba»on mehr ©ortbeil/ als wenn ich bie ©ebactionSgefebäfte 
führte, für welche ich mich nach forgfältiger Ueberfegung nicht geeignet 
halte. Die 9>. 3. bebürfen eines Herausgebers »on bewährtem, an* 
erfanntem ©amen; ein homo novus würbe ihnen nur fchaben. ©te 
bebürfen ferner eines ©ebacteurS, ber »on ben ty»rtei»erbältnifTen u. bgL 
eine auf langjährige Slnfcbauung gegrünbete Äenntniß bot. Urtbeilen 
©ie felbff, ob ich mich hierin nur entfernt mit 3b«en meffen fann. 
Um einigermaßen )u erfefcen was mir an biefer genauen Äenntniß 
a 7 


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98 


«ugujt 1860 . 


fehlt müßte ich nach SSerlin überfiebeln. (Die* fd^etnt mit für mich 
unerläßlich. Denn oon Jjmlle au* fonnten nur ©ie mit 3h«f Sr* 
fahrung unb 9>etfonalfenntniß e* wagen bi« SRebaction ju führen.) 
Slber md) in Serltn Fünnte id) bie berliner Sorrefponbenj nicht 
f cf) reiben. ©ie iß/ wenn anber* id) fte recht »erftanben, immer auf 
ben SlugenblicF unb auf bie (eitenben ^erfonen beregnet unb muß 
bie* auch fein bei ber großen SBichtigFeit ber ^erfonalfragen in Preußen. 
Sine folche feine Berechnung aber, ein folche* tafWoßeö Verfchweigen 
ober 3lu*fprechen wäre mir unmüglich, benn id) Fünnte nie einen fo 
au*gebreiteten Umgang pflegen, wie Dr. Reumann 1 (@ie werben ©idj> 
wobt ni<bt wunbem, baß ich weiß wa* in Berlin 3ebermann ju 
wiffen f<beint) unb — um ganj offen ju reben — i(b bin ju jung 
unb ju teibenfcbaftticb für fotcbe Slrbeit. Die 85. Sorr. atfo müßte 
nach wie vor in 9teumann* Jpänben bleiben; ein in Berlin lebenber 
SRebacteur aber, ber biefe Sorrefponbenj nicht felbff fcbreibt, erf<beint 
mir al* eine ^uppe; ich würbe auf bie Dauer bie* Verhältniß nicht 
ertragen Fünnen. S* iff wahr, ich bin ^olitifer unb JJriftoriFer oon 
gach; bocb e* iff ein Slnbere* bie politifchen Dinge in ihren großen 
Umriffen, fo ju fagen mit hiftorifchem BlicFe, anjufchauen, unb wieber 
ein Slnbere* bie Pflicht be* Soumatiffen ju erfüllen unb jeber SBen* 
bung ber 3ntriguen unb Zufälle be* Xage* mit feiner ©pürFraft 
nachjugehn. 3ene* hofft ich mit ber -Seit ju erreichen, für biefe* 
fehlt mir ©efchüf unb ©inn. Die* bie ©rünbe, welche mich ju bem 
©chluffe führen, baß ich bem Slrnte nicht ganj gewachfen fein würbe. 
Unb bamit ©ie nicht meinen, e* rebe hier falfch« Befcheibenheit, fo 
»ergegenwärtigen ©ie ©ich bie großen Vortheile, welche 3hnen ju 
©ebote flehn, 3h« greunbfehaft mit Duncfer, Veumann u. 81., 3h« 
eigne politifche SChütigFeit, ben 85efuch ber graction*ft$ungen u. bgC 
Daju Fommt ein Zweite*. 3ch fühle nicht blo* ba* Bebürfniß, 
fonbem bie Verpflichtung mich ju fammeln unb eine grüße« Slrbeit 
ju fchaffen. Sch bin leicht erregbar oon $au* au*, ich bin au* einer 
©otbatenfamilie unter bie ©eiehrten gegangen, ich fwbe lebhafte 
dfthetifche Neigungen, meine gachwiffenfchaft enblich feßt ben grüßeren 
itheil menfchlichen ÜBiffen* al* #ilf*wiffenfchaft oorau*. Darum 
liegt grabe mir bie ©efahr ber £erfplitterung unb ber unfruchtbaren 

1 .Start Entmann aul Alniglberg; gefh 1880 all ^rofeffor für ©eograp$ie unb 
©efc^ic^te an brr Uniorrfitdt ©rellau. ©gl. Jfrapm, Mul meinem Seben 278 
u. Mdg. ®. ©iogr. 23^630ff. 


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Voguß 1860 . 


99 


Sietfettigleit fehr nahe; barum bringt ftch mir von fetter, nic^t um 
be* Stufe* fonbern um meiner inneren SBefrtebigung mitten, bie Sftithl 
auf etma* ©rifere*, ©auernbe* ju arbeiten. Unb einem folgen 
ytane ift fidler nicht* fc^dbttc^er al* joumatiftifche ©hiHgfeit. 3«h 
bin natürlich meit bavon entfernt, bie S* 3. irgenbmie mit ben 
Leitungen )ufammen§uftetten, jeboch ift bie von bem Stebacteur ver* 
langte S^itigfeit eine mefentlich journaliftifcf>e. Sa gilt e* SBriefe 
ju fcbreiben, ftch in frembe ©ebanfen einjuteben unb fte umjugejlatten, 
furj, e* gilt fortmibtenb au* ftch b<tnu*)ugeben, mdhrenb e* mich fort« 
mibrenb mabnt mich }u fammetn unb in mich )u gehn. Söteib* ict> 
in £eip)ig, fo hab’ ich )mar einen fehr unerquicflichen Slufenthalt, aber 
ich barf hoffen fpdteften* von £>ftern an, hoffentlich fchon in biefem 
Sinter, Stufe )u geminnen )u gefammetter, fettftinbiget Arbeit — 

3cb höbe fehr aufrichtig gebrochen, geehrtefter JJerr, mie jich ba« 
jiemt )ur Slntmort auf einen fo ehrenvotten Antrag. Waffen ©ie 
mich jeft noch hin)ufügen, baf bie 3. gegenmdrtig in ben heften 
finben ftnb, in melche fte nach meinem Srmeffen für jegt gelangen 
(innen. ©ro(} 3hte* fogenannten potitifchen ©ilett«nH*mu* unb 
trog ber neuen 8lmt*pflichten 1 merben ©ie, ba* hoffe ich/ bie Stebaf* 
Hon fortführen (innen )u unfrer greube. . . gür biefen galt mitt ich 
3hnen gern verfprechen, baf in einigen Soeben ber 2tuff. über Stilton, 
gegen Seufahr ber über Stift unb im Saufe von 1861 minbeften* 
noch ein 2trt. für ©ie fertig merben foft . . . 3<h glaube, ©ie 
merben biefe ©rünbe ftichhatHg finben. Stir ift ber (Sntfthluf ferner 
genug gemorben. ©och mift ich bie ©a<he nicht unbebingt für ge« 
fchtoffen erfliren, ich bin vielmehr gern bereit noch einmal mit 3h*ten 
münblich )u reben . . . 

Stit h«)lichem ©ruf 

3hr aufrichHg ergebner 

©reitfehfe. 


864] 9n btn Satte. 

tOtein lieber Sftater, 


£eip)ig, 27. Stug. 60. 


e* mar mir unmigtich/ mdhtenb meiner Sanberung eine ruhige ©tunbe 
ju finben . . . 3<h »at 9 Sage abmefenb unb bitte fchmertich anber*« 

1 Jpapm war im SWai jum außteotbtntttcbtn ^eofcffot für btutfebt 2itttatur0tf<bt<htt 
an btt Unrotrfit&t J^aOt tenannt »otbtn. 

7* 


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100 


«uguft 1860 . 


wo auf fo fleinem Staunte fo verfcpiebne £anbfchafti« unb Sultur« 
bilber ftnben finiten wie in biefern gefegneten granfen. / ®on Sichtens 
fett gingen wir nach ©ietjehnheiligen ju ben Sapujinern unb liefen 
uni in ©an$ bie Änochen ber Zeitigen ©enebictui, getijr unb 3chthpo« 
faurui (Weiterer eigentlich fein ^eiliger fonbern ein .Rrofobil) jeigen, 
unb brei ©tunben fpdter waren wir auf ber gefie Soburg, ber alten 
Drufcburg bei ^roteflantiimui mit ihren futhererinnerungen. Du 
würbefl Soburg fehr verdnbert ftnben: bie grofen unb burchaui ge« 
fchmacfvollen Neubauten bei Jpetjogi nehmen fleh feltfam aui neben 
ben winfligen alten ©affen mit ihrem reichifidbtifchen ©efichte. Dann 
ging ei über ©amberg unb gorchheim in bie frdnfifche ©chweij, bie 
ihren Warnen mit ebenfo wenig Stecht führt wie bie fdchftfche, mir 
aber auinehmenb gefallen hat. Dai 2anb iff ebenfalli ein von vielen 
Ihülern jerrifnei Plateau, ei entbehrt bei gluffei unb ber grof* 
artigen gelimaffen/ aber ich jweifle, ob nicht ber ©lief vom ©cploffe 
©iftveinfiein felbf! ber ©uificht von Surer gefhing vorjujiehen ift: 
fo lieblich »ft bai ?aubholj unb fo anmuthig bie gorm ber weifen 
ober hellgrauen Dolomitfelfen. Sin ©nblicf wie ber ber ©ophienbüfjle 
bei Staben jlein war mir vüllig neu: ein ?abprinth in brei ©toef« 
werfen unter ber Srbe, gefüllt mit SCropffteingebilben von fo wunber« 
baren, bei ber fpdrlichen ©eleuchtung fortwihrenb wechfelnben gormen, 
baf bie 9>hantafie feinen ©ugenblicf jur Stuhe fommt. — Dann tarn 
ein büfer 5£ag enblofen Stegeni — ber einzige halb verborbne. Wach* 
bem wir ben öfHtnbigen ©tarfch von Äirchahom mit grofer SRühe 
bei ben grunblofen ©Jegen in 7 ©tunben gemacht, fanben wir enblich 
in ©apreuth wieber fchünei ©Jetter. Dai ftnb ftolje prachtliebenbe 
Herren gewefen, biefe alten ©ranbenburgifchen SDlarfgrafen; unb bie 
©ilbfäule jenei tapfern ©latfgrafen Shriflian, bie fo ftolj unb prun« 
fenb unb charaftervod unter ben verübelen ^alüften fleht, ruft eine 
alte farbenlujltge £eit lebenbig vor bie ©eele. ©ber ei ifl ein traurigei 
©ilb, biefe verfallne ©rüfe; bai moberne ©apreuth führt ein fiechei 
?eben. ©Jeber ©chwanthaleri fentimentale 3ean*9>auls©tatue noch 
bie jut Subildumifeiet bei Stheinbunbei fürjlich errichtete ©tatue bei 
jefigen Äontgi, noch bie ©taffen von ©olbaten welche allein bie aui« 
geflorbnen ©trafen beleben, haben mir rechte greube gemacht, ©effer 
behagte ei mir in ben fchünen *Parfi, welche griebrichi bei ©rofen 
geiflreiche ©chwefler anlegte, unb noch wohler warb uni ali wir nach 
bem gichtelgebirge jogen unb von ber Jjühe httabblicften auf ben 


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Oftober 1860. 


101 


»eiten reichen Thalfeffef, ben bie fchönen Sinbenalleeen burchfchneiben 
— ein tfnblicf dhnltch bem von ber Sre«bner J^eibe in bie Ebne 
herab. Sittlich großartig finb einjetne ^Jartieen be« gichtelgebirge« — 
ba« einzige beutfehe ©ebirge, bat ich fenne, bem ber SRetj ber tiefen 
füllen Thdlet fef>lt. ©rofje gewaltige ©ebirgOjüge, getrennt burch 
weite fumpfige 9tieberungen mit dtmlichen ©tdbten unb braven fange«* 
luftigen protefianttfehen Senfehen. Sluf bem ©attel be« ©ebirge« 
ragen plöfjlich au« bem Salbe f>of>e unförmliche ©ranitmaffen hervor, 
in einjelnen glatten auf einanber gefchichtet, unb grabe barum im* 
pofant weif man glaubt fie feien von Senfchenharib erbaut. Snter* 
effant ift e« auch an» ßchfenfopf unb ©chneeberg in ber Entfernung 
von 2 ©tunben bie Quellen von Eger, 9taab, Sain unb ©aale ju 
ftnben (quatuor orbis ad partes ruunt fagt bie Sfafchtift am S3ap* 
reuther Senfmale). Siefe wilben ^artieen, bie burch ftarfe« ©teigen 
unb Säten in Torfmooren erlauft fein wollen, finb ba« eigentlich 
©chöne im ©ebirge nach meinem ©efühle. Sie vielgerühmte Souifen* 
bürg — ein gelfenlabprinth, überfdet mit albernen Srnfchriften unb 
fentimentalen bauten au« ben 1790ger fahren — war mir fchon 
ju civifijirt. — 9luf ber SÜücffahrt hob’ ich bie -Jett jwifchen jwei 
•tügen benufct um flauen unb ba« Elfterthal ju fehen . . . 3ef}t muff 
ich noch 3 Soeben lang in Eügfchena lefen unb älnbete« arbeiten — 
wa« mir leicht fallen wirb, ba faß alle meine Sefannten verteilt 
finb. Sor bem 15. ©eptbr werbe ich f^txretlich ju Euch tommen ... 

Sit taufenb ©tüfen an 3llle 

Heinrich 


266] Än Otabolf fyaym. 


geftung Äönigftein, 3. Set. 60. 


©ehr verehrter Jg>err, 


ich höbe bie grift, bie ©ie mir geftellt, mir reblich ju ©ute fommen 
taffen. Sein liebe« fchöne« Söhmerlanb liegt in gar ju verlocfenber 
9ldhe unb ich bin wacter in ben Sergen umhergewanbert . . . Sir 
fehen hier von unfren ftorren einförmigen gel«fegeln wie Sofe« in 
ba« gelobte £anb herüber. Senn un« nur nicht ber politifehe Kammer 
auf ©chritt unb Tritt verfolgte. 3<h bachte wahrlich auf bem halten* 
berg unb ©chneeberg am Senigften an ©taattfragen, aber jeber 
gühret fingt unaufgeforbert bie £itanei von Oejtreich« Elenb. Ser 
Jpaf? ber Seutfehen gegen bie Ejechen fcheint fehr gefchwunben: bie 


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102 


Cttobn 1860 . 


Seute hofften Sitte auf ein fetbflänbige* Söhnten, baö Sott werbe 
ftd) fchon »ertragen , wenn nur bie Jjaböburgcr jum Deufel wären. 
3 ch tnterefffre mich fehr für ba$ Sanb; ich flamme au 6 einer gamilie 
böhmifcher ^rotefianten, bie im 30 j. Kriege »erjagt warb, unb bin 
atfo ein geborner geinb brt #aufe 6 JpabOburg. 

3 cf> furchte, ber SRilton wirb 3 h«en ju lang ffeinen; ei ftnb 
wobt 0 < 9 <n 30 Drucffeiten. 3ch habe gefhi<ben unb gefhrichen — 
ba< «Dlanufcript fieht aurb banatb ou$ — aber noch furjer bring’ ich 
e 6 nicht jufammen. Dufjenbe »on SWiltonO Schriften ftnb nicht ein« 
mal genannt. Die allgemeinen £eit»erbältniffe fonnte ich freilich 
au 6 ben Sluff. über bte Stunbfbpfe ale befannt »otatrtfefcen, aber 
über SWilton felbft weif unfer ^ublifum wirtlich fehr wenig. 3 ch 
bitte fehr, flreichen Sie mir bie 9>olemif gegen bie englifchen 23es 
urtheiler SSl’i ja nicht. SBBtr haben in politifchen Dingen unenblich 
»iel »on ben 23riten ju lernen, boch nimmermehr fotten wir unferen 
Sorjug grüferer getfHger Freiheit »ertennen. Ueber bie theologifche 
^Befangenheit jener geit haben wir ein beffereO Urtheil afe SRataulap 
unb Dollarn; unb 9>autp — ober wer fonft ben prächtigen Slrt über 
CErontwett gefchrieben — hol bieO nicht laut genug betont 1 . 

Der Sluff. über SJlitt wirb wohl beim beflen Bitten nicht »or 
9teujahr fertig werben. 3ch fehe noch gor nicht ab, wie ich ba * 
Sotteg be 6 nächflen Semefterö über neuefle beutfche ©efchichte be« 
wältigen fott. 

J?aben Sie nicht fchon baran gebacht, einen tüchtigen Deutfchen 
in ^ofen ju gewinnen für eine unbebingt wahre Darflettung ber 
bortigen ^uflänbe? 3 <h glaube, im ©anjen unb ©rofjen tft bie 
Stegierung im »ollen Siechte; um fo beffer wenn man fte burch baO 
Slufbecfen einjetner polijeilicher Uebergriffe jur Slbhülfe bewegen unb 
ben polnifchen Schreiern ben SRunb flopfen fann. 

Neulich war ber $of bei un 6 . 3 <h «*if nicht, waO ich m«h* 
bewunbern fott — bie nai»e Slufrichtigfeit biefer SDlenfchen, bie ganj 
ehrlich fagen: wir werben wohl halb einen unfreiwilligen Slufenthalt 
hier oben nehmen — ober bie mehr al 6 jacobitifche Selbfbergütterung, 
welche auch nicht ben leifeffcn ©ebanlen hot, baff bie Schutt ber 
weit »erbreiteten 9Rif fftmmung in einer nieberträchtigen ^olitif liegen 

1 3m ©eptemberljeft ber 3abrbb. (©b. 6, ©. 221 ff.) war — anonym, wie 

bamatt oöe Hrtifel — ein von fHeinfyrfb $auli getriebener Buffafc übet Sromwett 
ertienen, ber britte unb le$te unter beut ®efamttitel: (Kavaliere unb fftunbfbpfe. 


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Cftobct 186 a 


103 


fbnnte. tiefem ©otfe tfl wirftid^ nut ju Reifen burcb Sroberung. 
3eber ©etfueb «inet wahrhaften goeberation tfl illuforifcb. — 

SSt« jum 15. Dftbr. bleibe ich noch fyitx. ©on ber augenblicf* 
lieben Sage weif? i<b gar Stiebt*, benn aufjer ben ©aterldnbifcb* 
fdchftfchen ©Idttern, bie i<b ni<bt anfeben mag, »erirrte ficb neulieb 
nut eine ^robe*9tummer bet „Stimmen ber $tit u bierber. Da* ©latt 
uberbietet noeb bie 8lug*burger Leitung . . . 

Sehen Sie wobt, geebrtefiet JJ>ett, bebanbeln Sie ben Litton menfeb* 
lieb unb oerargen Sie mir* niebt, ba§ ber fWtll niebt eher fettig 
wirb: mehr al* vier ©eitrige in biefem 3abte gebt wirflieb fiber 
meine Ärdfte. 

SDlit berjliebem ©ruf bet Sbrige 

Drettfcbfe 


266] Än Jjmgo SW« 9 «t. 

Siebet Jpugo, 


geftung Äönigftein, 3. £>ct. 60. 


ieb banfe Dir »on J&etjen für bat feböne ©efcbenf, ba* mir gren** 
borff* Senbung gebracht. 2Bdre e* niebt gegen meine @runbfd$e 
fentimental ju reben, fo würb’ ieb fagen: e* bat mieb gerührt, baf 
Du Dir mit fo lieben*würbig treuem ©ebdcbtnif gemerft baft, wie 
ieb wr 3 3abren wobl eine halbe Stunbe »or bem ©ilbe ftanb unb 
»on @uern Leuten heimlich beobaebtet würbe. 3<b fonnte wirflieb 
rufen wie bie Äinber bei ber <S^riflbefc^eerung: „grabe wa* ieb mir 
gewunfebt bette" *. — Unb nun meinen ©lucfrounfch ju ben m'elen 
froben ©reigniffen, bie biefer gefegnete Sommer Dir gebraebt. 3eb 
weif} von Deiner ©erlobung freilich nicht* weiter al* bie troefne 9lns 
jeige, boeb trauft Du mir wobl ju, baf ich Sehen in bie tobten ©uef^ 
ftaben ju bringen unb Dein junge* ©lief mir lebhaft »orjuflellen 
»ermag. £ro$bem bdtt’ ich gern eine Stacbricbt »on Deiner Jpanb. 
©aturlieb bin ieb nicht fo unbefebeiben noch au* ©fünfter einen ©rief 
»on Dir ju erwarten, aber in ©bttingen wirft Du febon eine freie 
Stunbe finben. 3lueb ju ber ffiabl ber Unwerfitdt 1 wunfeb’ ich Dir 
©lucf. 3n ©. finbet ber ©laube, baf ein corpus academicum eine 
Slriftofratie ber ©eifter »orftetle boeb noch eine Stdtte, wdbrenb er 
fieb mir in Seipjig febr febnell al* ein finbifeber Draum erwiefen 
bat. — 3<b frlbft war biefen Sommer mehrfach franf unb hatte febr 


i ©gl 6.111. 3 für bi« Jpabititation. 


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104 


Oftebn 1860. 


viel ju thun für meine pteußtfche ©efchichte-3e$t fleh* ich 

in Unterbanblungen wegen einer größeren wiffenfchafUichen Arbeit, 
bie mich vielleicht fchon ju Dflern auf einige ^eit aus {eipjig fort« 
fu^rt. Die mehrjährigen Vorarbeiten baju versoffen mir hoffentlich 
bie 9R6gtichHeit wieber Vetfe }U machen, was in bem athemlofen {eben 
eines Docenten fehr fchweir ift. — ©rabe jegt empfinbe ich oft fthmerj* 
lieh bie 9>rofa meiner Sefchüftigung: baS {eben in unfern fch&nen 
Sergen fuhrt mich »»«ber auf bie Vatur jurücf, bie ich unter ben 
Sötern fchier oergeffen . . . {eb wohl, grüße mir Deine Staut 
unb fchreibe halb. 

Dein 

Üreitfchfe 

267] An Jpetnrich Dachmann. 

geftung Äönigflein, 4. Dct. 60. 

Sieber §teunb, 

. . . 3ch begreife Deine Segeifterung für Jjelgolanb, benn auch 
mir finb bie 2 furjen $£age, bie ich bort (auf einer SReife von ©6t* 
tingen aus) jubrachte, eine liebe Erinnerung. Daß ging freilich nur 
wie ein Xraum vorbei, benn ber Einbtucf ift fo frembartig, macht 
jeben Vergleich mit bem, was eine {anbratte gefehen, fo »6ltig un* 
möglich, baß [ich] »n ber furjen ^eit mich faum recht fammetn fonnte 1 . 
Unvergeßlich ijl mir«, wie mir beim Vteberblicfen vom Oberlanbe 
flar warb, warum bie Seeleute von ber „hohen @ee" reben. SBenn 
bie SVolfenfchotten über ben (Wien 2Baffem fchwebten, fo glaubt* ich 
juerfl wirfli^, ferne walbige Serge ju [eben, ©anj unbegreiflich 
war mir ber Slnblicf ber erjien mächtigen ÜBellen — wie eine Stabt 
von weißen gelten — als wir bei jlarfem üBinbe von Eurhoven abfuhren. 
3ch hübe feitbem noch jweimal bie Dfffee gefehen: fte hot eine fchönere 
tiefblaue gärbung, aber ihr fehlt ber wunbervolle 2Bechfel von Ebbe 
unb gluth- Das erfie Slnfchauen biefer ÜBunber bleibt ein wirtliches 
Erlebniß für baS ©emüth. üannfl Du Dich auS meinen Stubien 
beS ©ebichteS ber treue Slbmiral entfinnen? Das hätt’ ich ohne jene 
gahtt nicht fchreiben fönnen. — £war nicht fo Schönes wie Du, 
aber hoch viel SlnjiehenbeS hob’ ich gefehen, ols ich »or 6 SBochen 

1 3n S&achmannS Antwort (27.11.1860) heißt et bagegen: »über meinen Aufenfc 
halt in Jpelgolanb fann ich ®ir auch nichts DefonbeteS mittheilen, ba Du felbfi 
bort gemefen unb in ber furjen 3eit Deines DortfeinS wahrfcheinlich ehenfoviel er: 
fahren unb gefehen f>afl, oTS ich »&h r(n b meines vierwSchentÜchen Aufenthalte*.* 


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JDftotu 1860 . 


105 


mich in Jügfcgena auf 8 Sage frei machte unb nach granfen 

30 g-85i# ©itte ©eptbr’# war ich bann wieber in üeipjig 

unb «erbringe fegt meine leibet nur 4 SEBod^en bauernben gerien 
bi« oben. 3 <b bin in ben, fegt wogt »erfegwunbnen, fronen Sagen 
ber testen ©oegen megrmat# im bögmifeben ©ittelgebirge gewefen. 
Da# ijl mit bem SR^eine ohne grage ba# allerfcgönfte beutfege 
2 anb. 3 $ fann mich niept fatt [eben an ben anmutigen gormen 
ber S5afaltfuppen bie non ben flattlicgen, aber einförmigen unb florren 
getöfegeln be# ©eigner «fcocglanb# fo wunberbar abjlecgen. Unb babei 
liegt ein fo unbefebreiblicber jauberifeger faß [üblicher Duft über ber 
Janbfcgaft. 3 cg glaube, ber ©anbrer, ber »om beutfeben ©ebirge 
«nieberfleigt, ßegt mit einem ähnlichen ©efügle in bie lombarbifcge 
©bne binab wie wir in ba# gelobte 93ögmenlanb. 9tur fegabe, baß 
ber ^enrtte^e ©au einem fo faulen, fegmugigen, energielofen (aller: 
bing# geitren unb für ein paar Sage ganj lieben#würbigen) ©ifeg* 
«olle in bie Jjinbe gefallen iß. Da# rechte Sifen be# reinen beutfeben 
SgaraFter# fehlt ba gönjlicg. 3n 100 3abren, wenn ein nationaler 
großer beutfeber ©taat auf fie eingewirft bat, fönnen fie »ielleicbt 
wirflicge Deutfcge werben, wie Preußen au# ben ©cgleßetn in noch 
furjerer -fcit einen beutfeben ©tamm gemalt bat. — Der ©ommer 
bat mir, außer bem jaglreiegen Sefucg meine# goegoerrötgerifegen 
Solleg# über preuß. ©efebiebte, nicht «iel Erfreuliche# gebracht. 3cb 
war «iel unwohl unb fonnte bie langerfebnte ©uße ju orbentliebem 
fcgriftßellerifebem Arbeiten noch immer nicht ßnben. 9lut 3 größere 
Muffige für bie g>r. 3abrbücber finb fertig geworben . . . Denfe 
Dir, Jjapm bot mir fürjlicg bie SRebaftion ber 3abrbb. an. 3cb 
gäbe ben ehrenvollen Sorfcglag jurüefgewiefen, weil mir bie Di: 
plomaten:9latur eine# SRebafteur# fehlt (ganj abgefebn »on pgpfifegen 
©rünben) unb weil ich wünfege au# biefen jerfplitternben (leinen 
arbeiten ganj g«au#jufommen. Jeiber jwingen mich materielle 
SRücfficgten baju. — Diefen ©inter werb’ ich noch ein große# Solleg 
über neueße beutfege ©efeg. tefen unb hoffentlich ju Dßern £. auf 
einige ^eit «erlaffen um eine größere Mrbeit »orjunegmen. Mn eine 
gJrofeffur iß natürlich für mich nicht ju benfen. 3<b ntuß fegen 
baß ich auf anbrem ©ege auf meine eignen Seine ?omme. ©piter 
megr ba«on. — 93on allen ©eiten ergalt' icg fegt 93erlobung#anjeigen 
(j. 85. »on ®ereli unb bem Dir wogt nicht befannten Jjugo ©eper 
au# ©ünßer). ©ir wirb babei oft wegmütgig ju ©utge; benn bie 


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106 


Dftcb« 1860 . 


eine Jgdlfte beß Sehen«, ber Umgang mit grauen, ifl mir meinet 
©egörß »egen, fajf gan) verfcgloffen, obwohl icg fegr viel ©inn unb 
auch viele Anlage baju h°be. Sine folgte unüberfieigliege leibliche 
©cgranfe bat etmaß furchtbar Demütgigenbeß. — 9hm leb tvobl unb 
fcbreibe halb . . . momöglicg noch heiterer alß baß legte SDiaL 

Dein 

X. 


268] 9In #on Tafelberg. 

gefhmg Äönigftein, 6. £>ct. 60. 
©ttdbigeß $rdulein, 

-Sch gäbe überhaupt viel «Sinn für baß garmonifege 

Sbenmaaf beß Ggarafterß, baß mir bei grauen begreifliegermeife fo 
viel häufiger finben alß unter ben SDldnnern. Dlicgtß verlangen maß 
aufer unfrer ©pgdre liegt, aber gan) unb völlig baß fein maß mir 
alß unfren SBeruf begriffen haben, baß fcheint mir bie ©lütge guter 
SJlenfcgenfitte. 3a, man mirft mir oft vor, ich f ei J« h«t gegen 
jene ftrebfamen SRdnner, bei benen mir baß SRifvergdltnif ber ptele 
unb ber Prüfte gar )u verlegenb erfcheint. 3gnen aber, meine ver* 
ehrte greunbin, münfehe ich, baf bie 93itterfeit beß erften ©cgmer)eß 
ftch verliere 1 unb ber ©cga§ einer glüefliegen Erinnerung 3hnen uns 
gefcgmdlert bleiben möge. 2Bie nieberfchlagenb mirft in Rlugenblicfen 
inneren ^aberß bie tieffinnige 2Bagrgeit, baf 9lichtß )u ©runbe geht 
von Slllem maß mir erlebt unb gethan. Unb boeg iff fte bie ©umme 
atleß ©lüefeß für bie fo ben SRutg gaben fle gefaft unb flar )u 
vergehen. 

Sß ift mir lieb, baf meine ^uftnbungen 3hnen ermünfegt finb. 
Darin tgeilen mir ©cgriftfteller ein fegöneß SSorrecgt ber grauen: mir 
bieten niegt bie gleichgültigen 2Baaren beß SRarfteß, unfre anfprucgßs 
lofeffen ©efegenfe finb (ebenbig, finb ein ©tücf von unß felber . . . 
©ie fagen mir niegt )u iöiel, menn ©ie mir {ugefegen, baf icg niegt 
auf ber 83anf ber Spötter ftge. 3<g fege mit meinen religtöfen, 
politifcgen, dffgetifegen Meinungen fo gan) einfam unter meinen 
liebfen SJermanbten, baf icg eine fegr niebrige Olatur fein müfte, 
menn icg niegt fegr früg hinter baß ©egeimnif ber Dulbung ges 
fommen rodre. üBo eß fteg um Dinge ganbelt, bie SBille unb 58er* 
1 üb« bot, mitgtttiltm, £ob b« SRutttr. 


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Ofttbft 186a 


107 


flanb bewältigen Binnen, ba Bonn id) eifrig unb heftig werben, aber 
i d) fühle nicht ben minbeflen SSeruf in mir über ©etn&th«wahrheiten 
)u freiten. Ohne biefe Selbflbefcheibung bot ©iemanb ein SRetht von 
greiheit ju reben. Sie finb übrigen«, offen gefanben, felbft nicht 
gonj geregt, wenn Sie meinen, baf bie UnbulbfamBeit in bem 
©täubigen ba« J^erj, in bem Ungläubigen nur ben ©erjlanb »erlege, 
©a« Sie Unglauben nennen, ba« ifl auch etwa« spofitioe«, toenigflen« 
für einen lebhaft empfinbenben ©enfehen. ©er gehäffig rebet »on 
ber SlufBlärung, ber »erlegt mir ba« SlnbenBen an all bie gelben ber 
®eifte«freiheit, bie meinem Jjcrjen tbeuer finb, er oerlegt mir ben 
©tauben an eine gütige ©eltorbnung, mit ber e« ficb nicht »erträgt, 
baf unfer ftttlicher ©ertb ober Unwertb von Dingen abbängen foUte, 
bie ein heller Äopf, ein fefer ©ille nicht überwinben Bann. — Der 
Sluffag über J^ebbel wirb 3fmen wobt wenig jugefagt haben: S). ifl 
ba« unerfreuliche 83ilb eine« bebeutenben Dalent«, ba« fich burch Balte 
SReflerion ju ©runbe richtet, ©ehr foll 3bnen ein Sluff. Aber ©ilton 
gefallen, ber nächflen« gebrucft wirb. Seinen Samfon fottten Sie 
einmal lefen: ba« ©ebicht ifl entfeglich flart unb hart, »oUBommen 
jübtfch, aber boch ein wunberfebener J^pmnu« eine« gottbegeifferten 
eblen ©anne«. — ©ir bat ber Sommer wenig ©ufe gelaffen. 3cb 
la« »or einem febr grofen Slubitorium preufifehe ©efchichte — ein 
gute« ©erB, benn Sie machen Sich febroerlich einen Söegriff baoon, 
welcher ganj gemeine 9teib gegen bie beutfehe ©rofmacht ben ©enfehen 
hier in ben ätnochen fegt. 3n ben Serien war ich juerft in granBen. 
Die Sanbfchaft ifl ein 9tbbilb Deutfcblanb« im Steinen. Dicht neben 
etnanber ba« reiche lufiige fchmugige liebenöwutbige SRebenlanb am 
©aine mit allen Segnungen be« Ärummflab« — unb ba« arme 
ernftgafts feierliche giegtetgebirge, ba« Stammlanb ber Sranben* 
burger mit feinen fleißigen eifrig sproteflantifehen ©enfeben. 6« 
hilft 9licht« — ba« Singe unb bie Äebte febnen (ich immer wieber 
nach bem $faffenparabie«, aber ich höbe mehr Äraft, mehr Feinheit 
unb im ©runbe auch wehr wahre g)oSfie bet biefem norbifchen ©enfehen* 
fchtage gefunben. Unb benfelben ©egenfag erleb’ ich roieber hier. 
Sluch bie«mat Bonnt’ ich ber ©erfuegung nicht wiberfleben unb bin 
weiblich auf ben herrlichen ©afaltBuppen be« bihmifegen ©ittelgebirge« 
umhergewanbert, bi« ich boch fegiteflich fühlte, baf ich unter ber 
leichtfertigen DberfläehliehBeit biefer ©enfehen auf bie Dauer nicht 
leben Binnte. Unfte ^nBunft wirb »on ben gJroteflanten im Suben 


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108 


Dftebet 1860. 


unb im Storben entfliehen »erben-Diefer £oge gab mit 

mein ®at«r bie Stufjeiehnungen ju lefen, bie er fich aus feinem langen 
unb fruchtbaren Sehen gemacht Daß ift ein ganj feltfameS beinah 
f(bäuerlich^ ©efühl: man glaubt oft ftch felber im (Spiegel ju fehen, 
unb boch ift es ein grunbverfehiebeneS 2Befen. 2tber wirtlich traurig 
warb ich ols »<h fab/ bafj ich ^> e ©runbgebanfen feines SBirfenS fo 
gar nicht theilen fann. ©ein ganjeS Sehen hot «r unbebingt biefem 
©taate ©achfen verpfinbet, ber boch untergeben, oon ^reufen »er* 
fchlungen »erben muf wenn Deutfehlonb ftch nicht ju ©runbe richten 
fotl. SS thut mir weh, ju benfen, welche SJergeubung ber tbftlichften 
Prüfte unfer politifeheS eienb herbeigeführt hot. Da hoben fo viele 
eble SDWnner, bie ich felbft fenne unb ehre, ihre ganje hefte äraft an 
biefeS fachftfche J&eer gefegt (unb ich barf wohl fagen: ein guter &heil 
beffen was bie Sfrmee heute ift, warb fte buvch meinen 93ater). Unb 
tn wenigen 3ahren wirb eine boch unvermeibliche Revolution herein« 
brechen unb bie legten ©puren ihres SBirfenS verwifehen, unb eine 
glücflichere £eit wirb einft ebenfo fopffchüttelnb oon ber Sjtifienj eines 
©taateS ©achfen reben, wie wir bie alten SWÄhren oon Äurfotn unb 
Äurmainj vernehmen. — 

Das ift vielleicht ju viel spotitif für einen 95rief an eine Dame, 
aber ©ie fehen, bie ^Joliti? hot auch ihre menfchlichen ©eiten, ©tauben 
©ie nicht, bafj ich )u fchworj fehe. ©anj allgemein, befonberS unter 
ben Jpoffreifen, ift hier ber ©taube, ba§ bie Uhr bereits aushebt um 
bie legte ©tunbe ber Äleinftaaten etnjutäuten. Sin unenbticheS ©lücf, 
aber mit wie vielem Slenb »erben wir eS erlaufen müffcn? — Sehen 
©ie wohl, meine verehrte greunbin, unb vergelten ©ie bieSmat nicht 
©leicheS mit ©leichem. 

3hr oufrichtig ergebner 

Xreitfchle 


269] 9tn ERuboTf j^aput. 

Seipjig 26/10 60. 

©eehrtcfter Jjjerr, 

-Den SJrief von ©neift lege ich hei. Sr hot boch nicht 

gan) Stecht: ich verlangte feine populäre, fonbern nur eine überficht« 
liehe georbnete Darftetlung 1 . — 

1 ©, Jßifior« u, tyolit. ftuffdfce 4,38, 


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JDftob« 1860 . 


109 


Soeben la« ich 3^ren SRacautap‘, unb mit greube über 3bw 
©erecbttgfeit. 3<b ^dtt« fo unbefangen nicht fcbreiben fönnen. ÜW 
rfl mir ein jubringlic^er ©cbriftffeller, ber vom ?efer ein gan) 
pafftve« Verhalten verlangt . . . 

?eben Sie wobt. 5Xir gelten noch bie Obren von einem foeben 
genoffenen bitbprambifcben ©efprdche über Oeflreicb« neue SKera — 
unter einem 9te(bberg unb granj 3ofepb! 

©an) ber 5b>rige 

Xreitfcbfe 


270] ttn ben SBater. 

ÜÄeitt lieber ©ater, 


£eip)ig, Oct. 27. 60. 


begliche ©rüge unb ben befkn ©anf für Sure freunbltcbe Aufnahme. 
3n ©re«ben verlief 2llle« tvie ich mir« vorgenommen: icb höbe $lee ge« 
fprochen, ba« #6rrobr wenigflen« probirt (icb benfe bocb, icb »erb* e« 
bebalten) unb ba« 2Beber*©enfmal mir angefebn. SRerfwürbig, tvie 
SHietfcbel au« biefem abfcbredenb bd§tic^en ©üjet ein, wenn nicht 
fcbone«, fo bocb intereffante« 2Berf gemacht bot . . . ©ie 9Rorgen* 
mdrfche nach £ü$fcbena ftnb bei bem fronen Jjerbfhvetter gan) er« 
trdglich. 3n ber ©tabt lef ich feit biefer SBoche*, unb ba« ßolleg 
ifl febr voll; ich benle ba« gleiche günfh’ge SRefultat ju hoben wie 
im Sommer. 3n)wifcben ifl e« hoch gut, bag ich bie Serbonblungen 
mit #ir)el, wovon ich ©fr gefprochen, angefnüpft habe, ©enn bie 
?ü§fcbenaer fümmerlicbe ©elbquelle wirb vermutlich nicht lange mehr 
fliegen, unb ich mug etwa« Slnbre« für mein gortfommen fuchen. 
Ber ©ireftor bot in biefen )wei 3obren febr wenig ©lücf gebobt — 
foviel ich beurtbeilen fonn ficher nicht burch feine ©chulb — unb 
benft }u Oflern abjugeben. 3<b fonn e« ihm nicht verbenfen, benn 
e« ifl mir voHfommen unbegreiflich, wie ein SRonn von ©efcbicf, 
Snergie unb einigem Sermogen tbeoretifcher üanbwirtb fein fann. 
3ch billige e« gan), baf er fttb nach bem gotbnen Saume ber $rajri« 
febnt, unb mir fann e« auch nicht fchaben, wenn ich ou« einem 
Äreife b«ou«fomme, in welchen ich bocb nicht paffe. 3Rft #ir)el 
hoff’ ich «m ?aufe be« üBinter« einig )u werben, unb ich benfe 


l im (««tat Jfrtft b n qtteub. 3af»tbb. (»b. 6,368ff.) 3 „'pofitifcb« »on 

£>«utf<b(anb f«it btm lob« Jrübricb# brf ©rojjtn.* ©mjtftnbige* tyoMicum. 


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110 


Dftobo 1860. 


tonn ju ßffem Seipjig auf etwa ein Sagt ju »erlaffen. Scg forge 
fo am SBefien für meine ^ufunft. 9lacg bem gewöhnlichen ©ebrauege 
fönnte ich atterbing», gejtüfct auf bie guten Srgebniffe einet jwei* 
jtffjrigen afabemifcgen Xgdtigfeit, um eine ^tofeffur angalten unb, 
wenn ich ein weniger belifate» gacg gdtte, aud) ber ©ewdgrung fieser 
fein. 3t6er fefbft wenn wiber alle» Erwarten ba6 ©efueg Erfolg gdtte, 
fo wdre mit bem blofjen Xitel Stiegt» gewonnen. Ueberbie» fegne 
icg mid) fet>r nach einer bauernben bebeutenben Arbeit, obgleich i(b 
biefe jwei Sabre feine»weg» bereue. Scg habe webt gelernt in biefer 
3eit al» bei blo» literarifcger SBefcgdftigung möglich gewefen wdw. 
SDtama unb bie ©egweftem mögen jegt immerbin »on ber ©aege 
wiffen. 2Benn nicht ein unerwarteter £ufaH noch Sitte» jerfcgldgt, 
ifl e» ficber fo am SBejfen. Jpiet iff ber *Plan noch ganj ©egeimnifj, 
febon barum, weil e» nicht woblgetban iff »on klönen viel ju wben. 
— 93i»ger gab’ ich» möglich gemacht, noch <*ufer ben €otteg*@efehdften 
für mich ju arbeiten; unb wenn ich weine £eit ju SRatge halte unb 
mein Unwoblfein, ba» bereit» wieberfebrt, mich tn Stube Idfjt, fo 
benfe ich »orwdrt» ju fommen. ©iebt ber Jjimmel feinen ©egen, 
fo bafj ich etwa» Süchtige» fchaffen fann, bann ift mir auch bie Sin* 

famfeit, in ber ich lebe, nicht jur Saft-Sch lefe manchmal 

im Saffo, bem etnjigen Drama faff, ba» fleh ruhig unb bruchftücf* 

weife lefen Idfjt; unb fo weit ab biefe SBelt liegt »on bem wa» mich 

fegt befegdftigt, ich trage boeg immer eine reine glücflich garmonifege 
Smpfinbung mit hinweg. Sßon biefem ©ebiegte wenigffen» gilt 
©oetge» eigne» ffiort niegt: biefe SDtufe »erftegt auch ju gleiten*, 
niegt blo» ju „begleiten*. — 

®on ben Jeitungönachricgten frappirt mieg augenblicFlicg Stiegt» 
fo fegt at» bie pöbelhaften Sluöfdtte ber englifcgen treffe gegen 
Deutfcglanb — weil wir unfre grauen »on biefen SJeef» niegt bojren 
laffen *. Dieft fcglottembe Slngfl »or SBonaparte unb babei biefe gelb« 


1 Sin tngL jtapitdn »on ba Agl. fcttbgarbt, ©tacbonalb galt* fl cg auf ba rgttn. 
©agn bei ©onn im €oup< orbnungtmibrig unb gtgm eint IDamti brutal ba 
trflgtn, rinai ©agnbfamtfn tdriieg btUibigt (®tpt 1860); a roat ju tina @db= 
ftrafe »on 20 ri »aurttilt aorbm. jgtftigt Srbrtaungat in ba btutfcgtn unb 
tnglifcgfn Piffft unb amtlicgt ©aganbfangat Aba biefe Ä ?appalie* (Sitmanf an 
SRoon 2.3«K 1861) jogtn fl cg bureg ©lonate gin; am 6.©tai 1861, alt bat 
ptfuj». Vbgeorbnatngaut fieg mit ba ©a<|e btfagtt unb ba tngianbftambKcgf 
@totg ». ©inefe bat aiglifcge ©agaiten fegt nacgbcCtdlicg fritiflott, gatttn bie 
btiben fRtgiaungtn baritt 67 fRoten gmagftic. 


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JDftober 1860. — Olovember 1860. 


111 


jlolje Slnmaßung gegen anbre Pötfer — ba* fönnte Sinen im 
machen an ber ganjen Station, wenn ich nicht wüßte, baß Snglanb* 
gefammte Gefehlte ein unbegreifliche* Gemifch von Gemeinheit unb 
Grüße bilbet. — 

2ebt Sille wohl unb nehmt nochmal* meinen Donf . . . 

Dein treuer @ohn 

Heinrich 


871] 9tn granj Doetbecf. 

Seipjig 31. Dct, 60. 

Sieber Ooetbecf, 

... Sin fchanbbare* Ptachwerf von Piarbach ff baö Seipjiger 3ubilÄum" 
hat mir ben ganjen ^tcfigcn afabemifchen Kammer wieber recht flar 
gemacht. Stach ben £«fcmg*nachrichten muß Sure geier* hrrrtich 
gewefen fein: Gottlob, e* giebt boch noch beutfche Jpochfcfwlen. — 
3ch höbe bi* je§t einen geftopft vollen J^orfaal; boch benf ich etnft* 
lieh bran, ber unfruchtbaren Ptühe ein Snbe ju machen unb, auf 
einige pcit wenigffen*, von h»er fortjugehtu — SBenn Du mit Got* 
tingen in Sorrefponbenj ftehfl, fo tritt boch mal Jjugo recht energifch 
»on meinetwegen: ich möchte gar gern etwa* von ihm wiffen. Sr 
unb gren*borff ftnb fo tieben*würbig gewefen, mir mein Siebling** 
bitb (ba* Perlener »on Porbenone)* in einer frönen Photographie 
ju fchenfen, worüber ich wich Knbifch freute . . . 

Sllfo auf weitere Stacpricht 

Dein 

Dreitfchfe 


272] Sin ben Sßater. 

5Dleitt lieber ©ater, 


Seipjig, 13. Sta». 60. 


ich höbe früh in Sü§fchena, Stachmittag* hier gelefen unb will noch 
eine furje Slbenbfhmbe benugen Dir ju anworten. S* wirb boch nicht 
wohl möglich f«in Deinen ffiunfcp wegen ber Profeffur, um bie ich 

1 bei fOnfjigjÄpgen ©ejtepeni ber Unirrrfttät Seelin. 3 c!ine mit ber ©amen; 
fang ©iujtiniani nach Berlin getommqee jDaeftedung ber Sprecherin vor Spfhii; 
bamali noch Porbenone jugewiefen unb von feanj Äuglet, ©efepreibung b. ®e* 
md[be=@a[Ierie bei AgL SRufeutni j. Berlin, 1888 »ein fef)r bebeutfamei ©emdlbe* 
genannt. 


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112 


9}o»«nbff 1860. 


anbatten folt, fcbon je$t ju erfüllen. 3cb geflebe jroar, Du bafl mich 
jiemlicb überjeugt, unb ich glaube, matt würbe baß @efucb gewähren. 
■KL bem füngflen SRectoratßwecbfel M 2Bächter in bem üblichen ffiücf* 
btuf auf bie lebten 2 Sabre meiner mit folcber 2lußjetcbnung gebaut 
(waß fonfl bei einem Srioatbocenten nie gefcbiebt), ba§ ich fegt nicht 
mehr baran jweifetn fann, bie Unioerfitdt werbe mein ®efucb lebhaft 
unterflügen. Slber — ich will ju Dflern auf einige 3eit »on hier 
fortgebn. Daß wäre mir moratifch unmöglich, wenn man mich un* 
mittelbar oorber jum sprofeffor gemacht hätte; benn auf eine 
Stußjeicbnung mu§ man boch burch oerboppelten Sifer antworten. 
3n München würbe mir ber Xitel ju gar Sichtß nügen, ba 
Deutfeplanb mit ^rofefforen überreich gefegnet ifl. Sluch weif 
ich wich ® on folchem Sbrgeije ootlfommen frei: mein Streben gebt 
je$t babin materiell Dir nicht mehr jur 2afl ju fallen unb ber 
8Belt etwaß ju nügen, mir einen guten Samen ju fchaffen. Ju 
Seibern brauch’ ><h ben Xitel nicht, unb eß ifl wohl beffer, wenn ich 
nach meiner SRücffebr barum anbalte, ju einer Jeit wo ich in» Stanbe 
bin ihm burch Sortefungen gerecht ju werben. — 

Seffern ^ott* ich «ne grofe greube. 9Rir warb ein Srief für 
Wibrecht jugefchicft, fo bab’ ich ben alten hofratb befucht unb würbe 
»on ihm mit einer Jperjlicbfeit auf genommen, bie ich non bem alß 
latt unb boßbaft »erfchrieenen SJtanne nicht erwarten fonnte. Daß 
ifl ein ÜJlann, feff, Blar, fcharf, ficher; er machte mir ganj ben 6in* 
brucf, alß fei er »on ben ^iefigen ©elebrten weitauß ber bebeutenbfle 
@barafter. 3ch werbe natürlich feine ßrlaubnif benugen unb oft 
wieberfommen. 3<h b»tte mich gefreut ihn früher, ohne befonbre 
Seranlaffung, aufjufuchen, weil ich ntit meinem ©ebüre Siemanbem 
gern ohne SJlotb jur ?ajf falle; nach ber geffrigen Aufnahme ju 
fchliefen hätte ich tiefe ©fne wohl nicht notbig gehabt. Slucb mit 
meinem ©ebbr wirb eß etwaß beffer. 3cb höbe nämlich burch «nen 
glücklichen Jufall ... ein hbrrobr jur Srobe erhalten, baß mir 
vortreffliche Dienfle tbut. (5ß ifl weit beffer alß baß »on Sietb, 
nicht fo angreifenb wie baß mefftngne 3njlrument unb febr einfach: 
ich l<»nn bamit jwar nicht über ben Xifch büren, aber eine Serfon 
fann im ganj gewöhnlichen Xone, fa fogar teife mit mir reben. 
©ottlob, mehr fann ich i a nicht verlangen . . . 

Dein treuer Sohn 

hcinrich 


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%»onbct 1860. 


113 


878] 9n OUbolf j^n. 

Sieipjig, 20. 9lo». 60. 

©eebrtefler tytvt, 

. . . gür b«ute will xd) Sie nur bitten bie 9teue gotge non 
Sifcbcr* fritifcpen ®dngen $u lefen. 3ch muf fagen, erfl burd? bie* 
5Bu<b tfl mir bie ©eftnnung ber unoerfldnblicbfien aller Parteien, ber 
6 fheieb»f<b* 0 efmnten Demokratie, Har geworben. 3# weif nicht wie 
e* jugebt: ifl e* bie £eftüre ber ceuvres de Fröddric le Grand, bie 
ich jegt treibe unb bie mich, bei bem aUsunobe (iegenben Vergleiche 
ber genialen Kühnheit be* einzigen fWannc* mit bem $reufen oon 
beute, im 3 nnerftcn ergreift — ober ifl c* meine trog £abäburg 
unb Slllebem noch immer bewahrte fülle Siebe für ba* fcb&ne Defi* 
reich — genug, Sifcber* 2 Ju<b, fanatifcb bfhreicbiftb »»« e< ifl, bat 
mich im bütbfen @rabe aufgeregt. Der 9J?ann bot Unrecht binfttbt* 
lieb 3talien* — e* finb bie alten 9 >b*ofen — ganz ficber Unrecht, aber 
Sie werben, gleich mir, bie Seibenfchaftlicbleit feine* 3rrtbum6 bes 
greifen unb mitempfmben fonnen. Seltfam nur, baf biefe Schwaben 
meinen, ba* beutfehe ©emütb gepachtet ju hoben unb bie Verfechter 
ber prcufifchen ^olitif für gelehrte Doctrindre halten. 3<b wenigsten« 
geftehe, baf ich burep reine ©efüblöpolitif auf ben preufifeben Stanbs 
punft gelangt bin unb mich erfl allmdlig burch Slachbenfen barin 
befefügt h«be. Sllfo, wie gefagt, lefen Sie bie Schrift: Sie werben 
viele* Hbgefchmacfte, ja 2 Bibrige barin finben unb trogbem werben 
Sic mir für bie Empfehlung banfen 1 . 

SD?it herzlichem ®ruf ber 3htige 

SCreitfchle 


274] Vn ffetbinanb JmUborff. 

geipjig 26. 9io». 60. 

Sieb« §ren*borff, 

-SReinen herzlichen @lütfwunf<h unb febr grofen Danf 

bofür, baf Du mir Mtbrecb« Sefanntfcpaft oerfchafft hofl. Er bot 
mich mit ber griften Jfcrzlicpfeit aufgenommen, fo baf ich fahr i<b 
bdtte mich boch nicht fo lange geniren follen. Er (dft Dir banfen, 
unb Du magfl benfen, wie febr er mir gefallen bot. 3<b hohe nur 

1 ®gU XrciefchM ©efpeeebung aut bem Sitte. Sentralblatt: giftet, u. tyelit. Stuf: 
f4*e 4,641 f. 

n. 8 


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114 


9to»ember 1860. 


ju fcbnell gelernt, wie fcbrecflieb feig, halb, feuchtem tiefe 9>rofefforen 
ftnb: ©ottlob, entließ ein 9Äonn. 3«b bin tbeilS bureb ben S!et über 
biefe Umgebung tbeilS bureb meine bißorifeben ©tubien (fo legt be* 
fonberS bureb bie Sefture ber ©erfe griebriebS b. ©r. unb bie babei 
von felbß aufßeigenben 85erglei<bungen) immer rabifaler geworben 
unb febe bie Sage beS SanbeS mit ÜJtiß mutb, ja in manchen ©tunben 
mit Nerjweiftung. ©aö iß aus unfrer ©roßmacht geworben? 
©eburferei unb ©tieberei in ber Verwaltung, eine klammer, ber bie 
eine unfrer Parteien gänjlicb fehlt, eine auswärtige ^olittf, feig/ 
unentfcbloffen unb geleitet von „3beeen", beren NicbtigMt mir bie 
©ebreiberei beS beutfeben ©eberS 1 allwöchentlich flat macht 3cb 
traue meinen ©innen nicht, wenn ich febe, bafj man in Berlin bie 
erhabne poßtioe Aufgabe, bie Preußen geflellt iß, gar nicht )u fennen 
febeint. 3<b »erlange nicht eine Hatfer*9>olitif (wer barf fe|t fo 
HubneS hofft«?), ich wunfebe ganj einfach, baß Preußen einen flugen 
unb ehrlichen ©ebritt jugleicb thut unb ben europäifeben Hrieg, ber 
binnen einigen 3ahren boch eintreten wirb, felbfi beginnt JDenfe nicht, 
ich prebige ÄreujjeitungSlehren. Nein, Preußen foö — auf bie ©efabr 
eines ungeheuren HampfeS — enblich, enblicb bie beutfebe Sprenfebulb 
von Dänemarf einforbern. $a fpriebt man in Berlin immer nur von 
Venebig, als ob eine ©roßmaebt baju ba fei für ihren natürlichen 
geinb ju forgen, unb »ergibt, baß Preußen nie baS Vertrauen ber 
Nation gewinnen wirb fo lange jene ©cbmacb im Norben nicht ge» 
fühnt wirb. 2Äag barüber immerhin ber Hampf mit Napoleon aus* 
breepen: in biefer ©acbe ftnb unfre J^änbe rein, tiefer Hampf würbe 
ein VolfSBrieg, ber teufen unermeßlichen fittlichen ©ewinn, wo 
nicht gar bie beutfebe Hrone, bringen müßte. Slber was fott man 
erwarten, wenn bie SNenfcpen fogar in ber furbtffifcbtn ©acbe ein* 
jutenfen beginnen? ©o tief mich oft baS beutfebe Slenb befümmert, 
fo trag’ ich boeb ein flilleS unb ftchreS ©efühl beS ©iegeS unfrer 
©acbe in mir, bas beS SWißmutbeS juleßt immer wieber Jjerr wirb. 
3<b b«be bie wunberbaren ©ege oerfolgt, auf benen bie moberne 
beutfebe ©roßmaebt bie Nachfolgerin beS beutfeben ßrbenS geworben 
iß, ber norbifeben ©roßmacht beS SNtttelalterS: unb Slngeß^ts biefer 
märchenhaften Sntwteflung febeint eS mir eine Säßerung von Zufall 
ju reben. SS iß unwürbig, baß Preußen in einer £eit fo rafenb 

1 im „^reufifchfn bat tx feit Sprit 1860 tebigierte. ffigt. o. 83b. 1, 

©.430 Snm. 


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Srjftnb« 1860. 


115 


f4>neder Sntwitflung, wo affe anbren SWficbte ftd) in ungemefnen 
planen fiberbieten, feinen Schritt tbut um fefber ber 2Beft eine anbre 
©eftalt )u geben. Sie griebenöliebe fifct un8 Sfffen rn'el ju febr im 
SBfute, wir erfebreefen faft cot bem ©ebanfen eine« grofjen 3Iufs 
febwung<, unb botb wirb nur eine tfibne fittliche ^olitif ber ffibnen 
Unfittlicbfeit SBonaparteO gewaebfen fein. — 

Soeb woju baö? Solche b»ngeworfnen 2Borte ffibren boeb nur 
ju SWifjuerflfinbntffen. Sage lieber #ugo, baf er mir halb waö von 
feinen .$er)en*gef<bi<bten febreibt. 58on mir felbft ifl nicht oiel ju 
berichten: icb faU febr füll gelebt, bot« unnatfirlicb viel «Jubbrer 
(fiber 100) unb werbe boeb wobl ju öftem auf einige 3eit fortgebn 
um orbentlicb $u arbeiten ... 3m Uebrigen befebfiftigt ftcb Seipjig 
nach wie vor mit Jjanbel, Scbweinöfn&ebelcben unb ff. ^fanm 
fueben . . . 2ie6 boeb SJtfcber’O Äritifcbe ©finge, neue golge: ba$ 
bebeutenbffe Such, baO bie ojfreicbifcbe Semofratie je getrieben b<*t. 
?eb wobl. 

Sein 

St. 


275] $n Srartj JDt)crbe<f. 

Xeipjig, See. 3. 00, 

Sieber Oberbecf, 

. . . #ier gebt eö leiblich; ich b«be febr viel ju tbun unb in ben 
SRufjefhinben wfirge ich an ber Scham unb ber SJerjweiflung fiber 
unfer SBaterlanb. 2Baö ifl auO ^reufen geworben! Unb hier bie- 
Ificbelnben 9>bäriffiergeftcbter 1 feben ju mfiffen! Dtficbflen grfibling, 
benP ich, fommt ber fitrieg, bann wirb ^reufjen eO bfifen, baf e$ 
ffir grembe jlatt för Seutfcblanb, ffir SJenebig ffatt ffir baö, wie e< 
febeint, wieber t>om SReere »erfcblungene ScbleOwig^olflein 1 geforgt 
bat. ©ott febfife unb, bie Singe finb furchtbar emft . . . Schreib 
mir boeb mit jwei feilen, ob ich Sieb ju üBeibnacbten in SreOben 
treffe . . . 

Jberjlieb Sein 

SC. 


1 im Jpinblid auf bie Sntf)MInngfn be* Ctiebftptojeffrf (»g[. ®. 69 Ä. 2) unb 
Jßaom, Sünder ®. 222f.). 3 X>tt 83unbritag hatte im Sommer 1860 mieber 

einmal eine b&nif<be tRecbttoerlebung Jpolffrin gegen&ber mit ber blofen SCbficfit einer 
€*efution beantwortet (©pbd 3/99). 

8* 


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110 


2>t)onb<r 1860. 


276] Kn Solomon jßiqH. 

S, 16/12 60. 

@eh* geehrter Jj)err, 

3bt ©orfcplag 1 iß für einen alten treuen Schulet Dahlmann« ju 
anjiebenb, a(6 baß ich ihn von bet #anb weifen foßte. Sie würfen 
mich ju DanB verpflichten, wenn Sie mir etwa6 von fern verbrochenen 
SKateriale noch feute jußeßen woßten. Denn foeben hot mir ber 
Slrjt wegen eine« leichten Unwohlfcin« jwei hi« brei Doge J5>au«*$lrreß 
biBtirt, ich h«^« alfo fWuße jur SeBtüre. ©ohalb ich tvieber au«gehen 
barf, werbe ich münbßch noch Einige« von 3hnen ju erfahren fuchen. 
Seiber hin ich ohne Urtheil über einen Zfeil von D’« Schriften, aber 
ich bringe aufrichtige Siebe jur Sache mit unb Sann ben SJerfuch 
wohl wagen. 

3Rit bekannter Verehrung 

3ht ergebender 

JCreitfchBe 


277] Vn Oiubolf J^apnu 

Seipjig, 24. Dec. 60. 

©eehrteßer J^err, 

-SBoßte Sott, ich Bünnte bie guten ßBünfche, bie ich 

Shnen unb un« Slßen jum 3ahre«wechfel bringe, mit froherem Jherjen 
fagen. 3eh ßh« noch Beinen beginn einer Bühneren preußißhen ^)olitiB 
unb ich bin noch immer ber alte 3beologe, ber in SchleOwigholßein 
ba« einjig mißliche Object einer pofitiven preufjifchen ^olitiB für bie 
nichße ^eit fieht. 3Benn ber Äampf mit bem SJonapartiOmu«, ber 
un« früher ober fpdter boch bevotßefjt, wegen biefer Sache jum Slu«* 
bruche Bommt, bann vertraue ich auf einen glücfßchen 3lu«gang, felbß 
bei unfret heutigen 99unbe«verfaffung. Slber jeber 93erfu<h Preußen« 
für öeßreich nur einen Ringer ju rühren (unb fei e« fogar wegen 
Drieß«) ßofjt auf einen grinjenlofen SBiberwißen in ber Station. 
3ch bebaure tief baß e« fo iß, aber e« iß fo. — 

Sehen Sie wohl, geehrter S)m ... Sinen herjlichcn geßgruß von 

3heem ergebenden 

XreitfchBe 

i einen (in ber ©artenfaube 1861, 9h« 11« 12 bann erföienenen) ^hfrofog auf 
$a$fmann ju företben« 


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©QtmbtT 186 a 


117 


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878] Sn ^tiwi0 Sa^nuum. 

Sieber ftreunb, 


2 24. ©ej. 60. 


üb will bi« «infame ©tille biefe« heiligen Slbenbo benufcen um ©ir 
für ©einen ©rief ju banten. Sr giebt mir bie gute £unbe von 
©einer (Senefung/ unb fetber beantworte ich ibn auf bem ©oph« 
liegenb — babcr bie felbfl für mich fcbrt etliche ©chrift. Sch bin 
rec^t unwohl feit mehr al« 8 Zagen unb werbe noch einige -Seit ba« 
Zimmer böten muffen. Seib tbut mir babei meine SRutter, bie in 
ber Sinfamleit brt winterlichen gelfenfchloffe« fich f«hr auf ihren ©ohn 
gefreut hatte. Unb la§ mich« nur fagen, auch i<h wie« lieber in 
bem fröhlichen Zreiben ju J?au«: ich hebe hier 9Hcht«, rein gar 
9lüht« wa« mein ©emüth anjteht — nicht einmal einen Sreunb — 
ba erinnert man fleh boch gern feiner Sieben ... ©u b«ft non 
meinem Zreiben lange nicht« erfahren; vielleicht nur verirren fich 
bie ©r. Sahrbb. nach 9. [aberbom] ba wirft ©u meinen „SRilton" 1 
gelefen hoben — wie mir fcheint, ba« ©efte wa« ich in ?>rofa ge« 
Abrieben. ©eitbem hob’ ich nicht« ©röflere« mehr gefchrieben; benn 
mein Solleg nimmt mir alle $t\L Sch feire freilich ben Zriumph 
vor mehr al« 100 wirtlich anwefenben Zuhörern ju lefen. 2tber wa« 
nü$t e« einem „©emotraten"/ wenn er ben voUften JJürfaal hot? 
Sch fehe ein/ mein hiefige« ffiirfen ift jiello«: ich verbanfe biefer 3«it 
©iel/ benn ich höbe nie mehr gelernt al« burch ba« Sehren. Slber ich 
muf enblich etwa« für meine ^ulunft thun unb — womöglich — 
ber 2Belt etwa« nüfcen. 2Babrfch«inli«b geh’ ich §“ ©ftern nach 
©tünchen um Quellenfhibien für eine hiftorifch« Slrbeit ju machen/ 
)u ber mich $iqel aufgeforbert hot. ©o« ift eine Aufgabe für 
mehrere Sohr«/ unb wenn ich bann nicht mehr an bie ©tunbe ge« 
bunben bin wie hier/ fo werben wohl enblich auch pobtifch« Arbeiten 
mügtich. ©orlüuftg nehm’ ich nur auf ein Sahr Urlaub/ wenn nicht 
ganj unvorhergefehene gdUe ben $(an noch freujen; aber wohl mig« 
(ich/ ba§ ich nie wiebertomme. ©enn ba« Sinnige wovon ich hie? 
mit ©chmerjen fcheibe ift mein treuer jtoböterfrei«, aber wer mag 
auf ba« ©trohfeuer ber ©tubentenbegeiflerung bauen ? ©o ftehn j«$t 
meine 9>l4n«, unb ich leugne nicht: ju ber ruhigen Ueberlegung/ baf? 
nur eine fchriftfteUerifche Stiftung meine ^ufunft ficherfteUen tann, 
tommen noch onbre SBotive. Sch freue müh ouf bie SBelt ber Kunft, 
1 in Itfctcn CRmmbtthtfi/ ©b. 6/ 419—448. ($ißot. u. folit Soffst 1,1 ff.). 


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118 


Dqcmtar 1860. 


feie in ©tünchen fiep mit erfchliefen wirb. Unb — lache nicpt — 
ich bin aufgeworfen in unfern bergen/ bie mehr bem ©üben al» 
bem Storben angebüren, ich habe meine früblicbflen ©urfcbentage in 
ähnlichen Gegenben »erbracht unb fbnnte mich hier in biefer reijtofen 
Statur nur bann wobt fübten, wenn bie ©tenfchen mir Srfag ge« 
wibrten; unb ba» ifl nicht ber gall. Natürlich finb bie Serffanbetfgrünbe 
ba» Kntfcbeibenbe: ich rnuf fort um in ber Gegenwart ju fubpfliren 
(meine Gelbguelle an ber Sügfcbenaer üfabemie bürt ju ©flern auf) 
unb für meine -Jufunft ju forgen. — 

3cb banfe Dir für ben brauen ^om, ber au6 Deinem ©riefe rebet: 
ba» ifl ber rechte preufifcpe SticbtetsGeifl, SRicb but ba» wieber in 
bem Glauben bejlirft, baf Du ben ©etuf gewühlt buff, ber Deinem 
SBefen am ©triften jufagt. Stur bifl Du ju hurt, wenn Du meinft, 
baf ©reufen» Korruption mit ber ßefterreicb» auf einer ©tufe flehe. 
3cb bube nach jahrelangen ©tubien über bie neuere Gefehlte einigen 
Grunb ju ber ©ebauptung: ©teufen b«t auch fegt noch »on allen 
Grofmieten bie weitaus reblichfie unb gerechtere ©erwaltung. 
©ber — ein fchwere», forgenoofle» Slbet! — „©reufen gilt fich nicht 
burch feine eigne ©chwete* (ein SBort griebricb» b. G.), alfo felbfl 
ein »iel geringerer Grab pon ©chwiche unb Unreblicbfcit bringt 
©reufen in grüfere Gefahr al» jene anbem Sticgte. Gerabc jegt 
bab’ ich üie napoleonifcpe £eit genau fhibirt unb bin ju bem mir 
unjweifelbaften ©cpluffe gefommen: ba» ©reufen »on 1806 ftanb 
ohne grage fittlich noch weit hübet al» Öeftreicb unb SRuflanb in ber 
gleichen Jett, unb bennoch brach e» jufammen! JJier liegt ba» furcht* 
bar ©eingfügenbe ber Gegenwärtigen Sage: noch ein paar Sabre 
tiefe» woblmeinenben, aber halben matten fcpwanfenben Regiment» — 
unb ein neue» 1806 fann über un» fommen! Stur Sin» bilt mich 
noch munter: ich glaube, bie Station fleht jegt hoch um ©iele» hübet 
a(» bamal». 2Bir Kletnfiaatler minbeften» wiffen recht wobt, baf 
wir nur mit Steib auf ©reufen blicfen fünnen. — 

©chrecflich ifl auch ber ©lief auf bie au»wirtigen Dinge. S» ifl 
recht gut, baf man in ©erlin ftch mit bem Gebanfen eine» Kampfe» 
mit bem ©onaparti»mu» befreunbet. Slber jiemt e» einer Grof« 
macht nur ju warten, wa» in SBien, ©ari», Durin befcgloffen wirb? 
bat nicht ©reufen eigne fettige fchwer »erlegte Siechte unb Sfntereffen 
ju wahren? Der eine Siame ©chte»wig*JJolflein fagt ©Ke». Sch 
habe neulich in biefem ©inne einen Sfuffag in bie ©übbeutfehe £tg 


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Dfjcmbn 1860. 


119 


gefchrieben *, ater bie moblweifen Selebmngen anberet, ganj braver/ 
SBIdttcr jeigten mir, baff bie griebenoliebe um jeben $rei$, bie (litte 
Sobrtangfl vor bet — roabrlich nur erträumten — Uebermacht beO 
SonapartiOmuO unfrem ©eflechte ferner auf ber ©eele (aflet. — 
3ch höbe mich fonfl mobl einen „Sonflitutionetten" genannt unb icb 
glaube auch b<ute noch, bafj ba$ einige Seutflanb ein monarehifcb«# 
fein mirb. Slber mit ber grofjen Partei von £eifetretem in ber preuff. 
Kammer mag icb nühtt ju tbun hoben: ba lob’ icb »*»i* @chul(t)je* 
Seli^f*. SO tfl ein Sommer, baff ^reuffen an ben (leinen beutfcben 
Jjöfen nicht Staatsmänner, fonbern fabe ©alonmenfchen hält, ©onfl 
mürbe eO miffen — roaö icb oont fächfif<h*n jjofe febr genau meijj, 
— melcber j?aff unb jugleicb roelcbe 2fngfl vor ^reuffen unter ben 
(leinen SeSpoten b<*rf<bt* Sann mürbe auch ba6 unfelige Zetteln 
um bie @unfl ber kleinen ein Snbe nehmen. — Sraurige SBeihnachtS* 
geban(en, lieber greunb! Slber maO anberO als baS ©cbidfal beS SBater* 
lanbS (ann in biefen fwülen Sagen unfer Senlen befchäftigen? 
?ebe mobl. 3<h hoffe, baff in unfrem 93olfe (litt unb verfwiegen 
eine ©pannltaft lebt, bie in ben Sagen ber ©efahr (ich fyttiid) offen* 
baren mirb. 

Sein 


279] 9tn Galomen ^ntj<L 

geipjig, 29. Sec. 60. 

0eebtte(ler J£>etr, 

nehmen ©ie meinen aufrichtigen San( für 3b»n SSrief. Sie vor* 
geflogenen SBebingungen 3 ftnb in jeber #inftcf)t fo günflig, baff ich 
gern barauf eingehe.—3«b »erbe mich ernfflicb bemühen baS maximum 
von 40 Sogen nicht ju überfcbreiten; unb ich meine, bei einiger Sin* 
fhengung muff bieS möglich fein. Ohnehin leibet meine ©chreibmeife 
eher an übemtäffiger ^rägnanj als an ffieitfchroeifigleit . . . 

* Seitartifel 13* ®e|. 1860: „Die Aufgabe ber preufi. tyolitif*. 9?a$ freunbli<$er 
&uifunft von Sfrttxn Dr. X 8. von OTüfle? in üWünc^en. 2 ©$.;£). f>attc ni$t 
mir an ber ©tünbung bei Sftationalvmini mefentft^en Anteil gehabt, er vertrat 
auch bffentlicb Neffen Denbenj befonberi frdftig unb »irffanu ©eine SBa^lrebe in 
Stalin, bai tyn halb barauf, 8. OTdrj 1861 bur<$ eine 9lac$»a$l ini Slbgeorbneteiu 
baui föidte, mufjte Sreitjföfe n>ie aui ber eigenen Seele gefpro^en Hingen. 
9 für ben Stalag ber von Zreitf$fe ju föreibenben *@ef(pichte bei Deutföen 
©unbei\ ©gl. ©* 121 * 


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120 


ZlqtmbfT 1800 . 


I 


®o will ich benn mit gutem ©itten an bie Krbcit geben unb 
ttmnfcben, baf ba« bebenflicbe ©er? webet 3bnen noch mir ben $al« 
(offen mbge . . . 

3Rit au«gejetcbnetet Hochachtung 

3bt ergebender 

2>eitfcb(e 


280] Sn ben ©ater. 

Beipjig, 29. Dec. 60. 

SDtein {über SSater, 

. . . ich war bi«bet ju abgefpannt um etwa« ju ffbaffen unb 
mufjtc mich begnügen im SBorau« ju tefen unb ju fammeln wa« icb 
für mein Sotteg brauchen fann. 3e$t bin ich wiebet »iel muntrer 
unb benfe biefet Xage einen 9lefrofog vom alten Dahlmann ju fcbteiben, 
ber Such eine« feinen borgen« unerwartet jufommen fott. ülfo 
SDlama foCf ja ohne Sorge fein, icb bitte fte belieb brum. Der 
9tarr, ber ba« bumme ©ort erfunben ^at: getbeilter @<b«nerj iff 
halber Scbmetj. Sine fotebe Bappalie wie bie« Unwoblfein wirb’ icb 
jebnmal lacbenb ertragen; nur ber @eban(e, baf 3b* ®u<b barüber 
betümmert, macht e« mir bitter. Unb wie febr b<*bt 3br bafur ge: * 

forgt mir ba« geft ju erheitern: ich weif nicht wo ich anfangen fott 
unb will Such brum nur nochmal« Sitten belieb banfen. 9(1« bie 
Äiffe tarn, war grabe ein üöefannter bei mir, ber mit feinem ganzen 
Haufe jetfaffen ift 3n fotzen Momenten fühlt man recht, wie 
reich *»ir gefegnet ftnb, unb wie Unrecht wir tbun, wenn wir (tagen, 
wir bitten (ein Slücf. — 

3n bem Befffng b<*b’ ich ffhr 5ßiet gelefen 1 . S« iff boch febr 
ernffbaft unb jeigt wieber, welch ein febwere« SRdtbfel ba« Beben ift, 
wenn man pebt, wie biefer ÜJlann, ber fo feff unb (übn unb ficber 
auf jeben Segnet einffürmte, bennoch fein Bebtag innerlich un* 
befriebigt unb jerriffen bleibt. So febeint e« minbeffen« nach feinen 
^Briefen. Biber ich febe baran wieber, wie Unrecht man tbut einen 
SRenfchen nach feinen ^Briefen ju beurtbeilen. ©er Sute« unb Dauern* 
be« gewirft bat, ber war glücflicb, unb mag auch Slugenblid 
feine« Beben« mit $aber unb Unruhe erfüllt fein. 3<h (ünnte noch 

* 2>ieft* 2öwf)na<$tfg<f<$tnf btr ©tntt« — Sefftng« gef. ©«ft. 2<q))ig, @4f<b*n, 

1869, jnxi f<b&nt ©Anbt in SocifoiuOftao — ift noch im Otabiaf tttyüttn. 


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Dfjtmtxr 1860. 


121 




Siel herüber fegen: SRama geht bereu«, wie lieb mir i$r ©efchenf 
ig; ein fotche« ©uch mug men beggen, nicht Mo« (efen . . . 

Sun )u bem eigentlichen £wecfe biefe« ©rief«. Such Äffen ein 
glücftiche« Seujebr unb Dir mein lieber ©ater bie herjlichffen ffiunfeh« 
$um 2. Sonuor. Doch we« oermbgen SBünfche? 3ch fürchte, wir 
h werben febr Srnge« erieben. Unb fottte felbg bie« Sehr noch ruhig 

oorübergehen: e« iff je Stile« nur eine Stege ber £eit. Dog ein um 
geheurer Umfchwung ber Dinge in Deutfchlenb erfolgen wirb, beren 

zweifelt Siemenb mehr. Sch treue ber Setion ju, bog ge mit Shten 

bereu« hetoorgehen wirb, wenn nur bie«mel be« ©lief un« töchelt, 
be« bie Deutfchen nie «erwähnt hat. Sun ©ott weite über un« 
unb unferm Seterlenbe! — 

gür mich hat be« fcheibenbe Sehr noch eine Sntfcheibung gebrecht. 

Sch bin mit Jjm JJKrjel einig. De« Sonorer für be« ©uch betrügt 

c. 800 rl, unb )wer folten mir von ©gern en für be« Sehr in 
München 600 fL rh. = c. 340 rt bejehlt werben. Sn etwa« über 
2 Sehren benP ich bie Ärbeit oollenbet ju heben. üBohrfcheinlich werb’ 
ich auger München noch einige enbre ©tdbte befuchen müffen, we« 
fleh netürlich erfl im Saufe ber Arbeit ergeben wirb, ©lücflicherweife 
iff be« geben in SRünchen fehr billig (euch ein ©runb, ber mich be*, 
^ gimmt, lieber bortbin et« necb ©ertin ober ©bttingen ju gehn)... 

für bie« erge Sierteljehr breuch’ ich vielleicht 100 rl, fpiter eher 
gen) ftcher gbchgen« 50 rl ^ufegug . . . Uebrigen« migt Sht jegt 
erjüglen, tag ich )u ©gern um einer Ärbeit willen )u oerreifen benfe. 
Ueber bie Arbeit felbft ober foU Sicht« noch Äugen betennt werben: 
S) r ^>irjet hat ©rünbe befür, bie ich egren mug. — @o wirb benn 
im gruhjahr wieber ein etwo« ungdte« geben für mich beginnen, unb 
e« geht nicht fo eu«, ol« fotlf ich belb eine fege ©teile in ber Seit 
für mich gaben. 2Bo« tguf«? Sch benfe noch fehr (enge jung )u 
bleiben, unb be« ungbte geben hat euch fein ©cgbneö. Sch bin nicht 
reich genug um Seifen )u mechen; fo erholt’ ich burch ben hüuggen 
SBecgfel be« SBognort« gen) von felbg etwo« oon jener SBeltfenntnig, 
ohne bie wir mobernen SRenfcgen einmel nicht leben fbnnen. SReine 
Stellung Mer behelf ich m it netürlich vor, unb nur oon Sinem 
nehm’ ich mit wirHicg fernerem J^erjen Äbfcgieb, oon meinem treuen 
^ugbrerfreife — bem ©egen, we« ich mir Met erworben unb we« 
leiber nun mir unter ben Jjdnben jergiegt . . . SRorgen giebt ber 
neue Sector Sofcger ein ^rofeffotenbiner unb hat mich — obwohl 


» 


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122 


3<muar 1861« 


I 


ich nur Docent bin — unerbbrterweife geloben, ©»habe, baß ich ben 
©cbwinbel »etfäumen muß. — gebt wobt/ nochmal« ein frohe« Reue« 
3abr unb toufenb Dan! unb ©rüße. 

J&einricb 


281] ®n bm ®<Uer. < 

geipjig 29.San. 61. 

ÜJletn lieber Sßater, 

. . . ©ehr rotber meinen Killen ftnbe ich erfl beute eine freie 
©tunbe für Dieb* Kein Solleg macht mir febteeflieb viel }u tbun. 

3e näher icb ber neuen ^eit fomme (icb fpracb foeben über ©tein« 
Reformen), befto »oller wirb ber $ürfaat. Denfe, icb benufce {egt 
ben grüßten ©aal/ ben wir buben, unb boeb muß bäußg noch ein 
Häuflein flehen jwtfcben ben SBänfen. Ratürlicb erbebt ba« bie Sin* 
forberungen, bie icb un mich felber flelle. 3<h fomme au« ber Slrbeit 
gar nicht betau«, unb in ben näcbflen Kochen wirb e« noch fcblimmer, 
ba ich noch eine ©tunbe jugelegt bube. Uebrigen« macht mich ber 
Srfotg jwar froh, boch nicht eitet . . . 3«h jufrieben, wenn ich 
nur bei einigen tüchtigen geuten in gutem Stnbenfen bleibe. — Sine 
frohe Hoffnung nehme ich uu« bem ©tubium jener großen ^eit mit 
hinweg. S« ift mit ber gerne ber $eit boch nicht anbet« wie mit 4 

ber gerne be« Raume«. Die bebeutenben Känner jener läge waren, 
wenn man näher binbtieft, boch gur arg jerfplittert in parteüfebem 
unb perfünlicbem J^aber 1 : bie häßlichen Scfen unb Äanten »erfchwinben 
eben, wenn bie Sntfemung ihren blauen ©chleier baruber fptnnt. ©o, 
hoff’ ich, »>rb auch ber ^arteibaf, ber un« brüte oft fo febwer er* 
fehreeft, febwinben, wie bamat«, wenn wir »om ©efehief an ben 9tanb 
einer großen Sntfcbeibung geführt werben . . . $äuftg fomm’ ich 
auf ba« Kufeum unb febe in ber Äupferfticbfammlung, welche berr* 
lieben Kerfe ber neuen beutfehen Kalerei ich tu Küncben, boffent* 

(ich, fennen lernen werbe. Dabei ifl mir« lieb, baß ich jrßt an 
Dr. Riffen einen menfehlichen, nicht a(l}u gelehrten, Umgang ge« 
funben bube*. 

Stuf Sure gragen nur fo »iel. Den Kilton bub’ ich $ir, ©tein« 
geben ber Kutter gefchenft, ober, wenn ich Seßtere« noch nicht gethan , 

1 83gf. ®. 64. 2 21botf Riffen, ein J^olffeiner, 1836 geb. Sei» 1868 {privat: 

bojent unb feit 1862 ao. bet (Rechte in Jripjig. SpAtet im SIfaff, »utbe 
et 1878 aU otb. ff)tcf. bei Jtriminaltechti nach SttafibutB betufen. 


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ftebruat 1861 . 


123 


habe, fo tbu’ \d)t jefct 1 . Sllfo braucht 3b* mir bie Sicher nicht ju 

ftbicfen-3<b ^>taubcrte gern no<b mehr um SRama ju 

unterhalten . . . Doch ich ntufj auf ben grubltng hoffen t er wirb 
mir ben (Befallen tbun jeitig ju fommen, bamit i<b noch bei Such 
bie 9latur erwachen febe . . . 

Saufenb btrjlicbe ©rfifje. 

Heinrich 


282] 9n Salomen J?>itjel. 

2, 4. gebr. 61. 

@ebr geehrter Jg>err, 

ich bin ungejogen genug gewefen 3b* lieben6wfirbige« »rieflein 8 Zage 
lang ohne Slntwort ju (affen. 3ch fcheute mich/ 3b«en ohne ben 
verfprochnen 3luffa| unter bie Slugen ju fommen. Snblich bab’ ich 
einige freie ©tunben gefunben unb bitte @ie nun/ nicht bat ganje 
©efchreibe ju lefen, wohl aber auf ©.20 ©ich 3» u&erjeugen, ob 
ich wn bem SRateriale, ba6 @ie mir fo freunblich mittheilten, nicht 
einen adju inbiafreten ©ebrauch gemacht habe* ... bie ent« 
febieben preufifche gdrbung ift ben 2efem ganj gefunb . . . 

3Jlit befannter ©eftnnung 

3b» aufrichtig ergebener 

Sreitfcbfe 

288] 9n Solomon fytitl 

2et>jig, 10. gebr. 61. 

J£>otbgetf>rt« 4>err, 

-SReine Slbreife wirb am genannten Sage ft eher ftatt* 

ftnben — wenn nicht ber ©taat bajwifchen tritt ©enn — benfen 
Sie mi ich faeben au6 alterjuoerläffigfter Quelle hbre — jene an 
ba6 2.3ournal gelangte fJlacbricbt oon einer an mir »olljogenen SRafj* 
regelung ift wahr/ nur mit bem Unterfcbiebe/ bafj bie ffreeution 

1 3fbenfaö< ©tlhelm Sam, Da* ?tben bei freiherm vom Stein. 9ta<h ipetb 
erjiblt* @otf)a 1860. * Sejitljt ft$ auf bie bei £reitf<bfe (J^iftot. n. ipolit. 

ÄuffÄge 1,888 unb Deutle @efcfjicf)te 4,666) in Klammem ftehenben SBorte au* 
Dahlmann* Sinffthrung )ue ©etteibigunglfchrift 91 (brecht*, eine* bet ©ittinget 
Sieben. 93on J?>irjrl hatte 5treitf<hfe ba* Wanuffript biefe* ©ormert* erhalten. 
„Die ©Ute eine* frennbe* be* ©erftorbenen hat mir ba* Statt oetfehäfft* h«ift 
e* in bet ©artenlaabe S. 184. 


i 


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124 


Jebruat 1861 . 


noch n id)t erfolgt iß. 3n biefen üogen muß ßch’* entfReiben, ob man 
wirtlich fo albern fein wirb, bie bereit* angelangte SDtinißeriatsDrbre 
gegen mich au*juftthren unb baburch unnötigen £<Srm ju erregen. 
SDtit au*gejeichneter Jpochachtung 

3br aufrichtig ergebener 

Dreitfchfe 


284] 9n Julius von Jmnfciii* 1 . 

Sticht weit ich e* möbe geworben, ber guten Sache ju bienen, fonbern 
um ihr beffer, wirffamer in großem Greife ju bienen, gehe ich fort. 
3ch will eine ©eßhichte be* Deutfchen Vunbeö fchreiben, furj, fcharf, 
»böig rücffuhwloö, um bem faulen Raufen ju jetgen, baß un* bie 
@runbtagen ade* ßaatlichen Dafein*, Stecht, SJtacht unb Freiheit, 
fehlen unb feine Stettung anber* möglich ift, al* burch Vernichtung 
ber Äleinßaaten. dßdre e* mir um wiffenfchaftlichen Stuhm ju thun, 
wahrlich, ich wühlte ein anjiehenbere*, bereit* ftarer burchforfchte* 
Dhema. 31ber ich weiß, faum ein anbere* hißorißhe* 2Berf iß für bie 
Slufflürung be* großen ^ublifum* nothwenbiger; unb ba von benen, 
bie gelehrter ßnb al* ich, Stiemanb ben SWuth baju ßnbet, fo wid 
ich «0 oerfuchen — auf bie Oefahr hi«/ baß, wüljtenb ich ßhteibe, 
ber Vunb bem gluche ber Völfer bereit* erliegt ÜCebre ich bann 
jur&cf auf ba* Äatheber — unb ich werbe e* thun, benn ich weiß 
je§t, wie fchön e* iß, £ebrer ber 3ugenb ju fein — fo wirb mich 
biefe Arbeit für ben £ehrberuf nur um fo mehr befüh'flt hoben. 
3«h benfe, ba* wirb Dich »erföhnen. 


285] &n ben 23ater. 

üßein lieber flßctter, 


Seipjig 10*. gebt 61. 


ich höbe oor einigen Stunben Deinen 93rief erholten, unb ich ont* 
worte fogleich/ benn ich wog nicht baß in fo emßen Dingen jwißhen 
un* etwa* unftar bleibt. £unächß laß mich ®it fogen, baß man 
Dir eine Unwahrheit berichtet hot, wenn man behauptet, ich hohe 

* Hut Seidig, 10. febt. 1861. ©ticffmgment nach b«n Droct bei 0$ientarnt 
0. 168. SOgL o. 93b. 1, 0. 191. * SBofg am 11. ßebt. gefchriebm; biefe* 

Datum trAgt ber f)in beantwortete, jum von ©chtanann 0.166f. abges 

brutfte ©rief bei SBatert. 


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febraar 1861. 


125 


i 

i 


niept unbeutlicp burcpblicfen taffen, <6 fei ju bebauem, baß ©aepfen 
1815 u. f. w. Die» ift ba» Sinjige, ba» mit roep getpan pat in 
Einern ©tieft/ baf Du mit eine folc^e Unaufrichtigfeit jutraufl. 
ffienn meine ©ortrüge überhaupt ein Setbienfl ^af>en, fo befielt e6 
batin, baf ich niernat» etwa» „burcpblicfen taffe", fonbem immer 
ii grabeju fuge wa» icp für »ab« palte. Sene SReinung aber höbe i<p 

nie, webet »erftecft nocp offen/ au»gefprocpen, au» bem einfachen 
©runbe, weit e» nicht meine SReinung ift. Scp höbe in biefem ©intet 
bie Stage riet ftubirt unb bin $u einem an beten ©efultate gelangt/ 
wetepe» ich oucp in 14 Sagen etwa/ wo i<p erft an bie» Spema ge« 
lange/ »oftragen werbe. — Ueber biefen tpunft mufte ich au»füpr* 
liehet reben, benn et entpült einen ©orwurf gegen meine ©aprpaftig* 
feit/ nicht gegen meine potitifepe SRetnung. ©a» nun biefe anlangt, 
fo benfe ich/ *®ie Du ja tüngfl wufteft, atterbing» hoch oon ^teufen 
unb feinet ©ebeutung für Deutfcptanb. Sch hohe mir oft bie Stage 
»orgetegt/ ob biefe ©efmnung mich pinbern fottte in £eipjig ju bleiben 
unb bin ju bem ©chtuffe gelangt/ baf bie» nicht bet Sott »ft. Unb 
nicht blo» ich/ fonbem auch SRünnet, welche meine Slnftcpten fehf 
genau fennen unb fte feine»weg» günjlüp theiten, ftnb betfetben 
SReinung. Sch war heute früh &ei bem ©ector SRofcper um ihm 
k meine beoorftehenbe Stbreife anjujeigen. Da frug et mich/ warum 

ich noch nicht um eine ^rofeffur angepatten, unb fagte mit beftimmt 
bie Unterftüpung be» ©efuep» burep bie gacultüt ju, ba fte Sitte über« 
jeugt wüten/ baf ich rin für £eipjig brauchbarer ^tofeffot fein würbe. 
Du ftepft atfo, bie ©rofefforen, welche mich unb bie Slnforberungen 
an einen £eipjiger ^rofeffot beurtpeiten fftnnen, fepen an mir niept» 
©ebenftüpe». Denn ber ganje ©ertp ber beutfepen Unwerfttüten liegt 
barin/ baf fte »ottfommenc £eprfreipeit bieten/ fa bieten muffen; 
unb hier in»befonbre ift bafür geforgt, baf meiner Stuffaffung ber 
beutfepen ©eftpiepte ein patb Dupenb anbrer Doeenten gegen überftept, 
wetepe bie ©efepiepte mit ganj anbren Stugen anfepn. — Scp mufte 
Dir ba» fagen/ mein lieber ©ater, weit Du barau» fepen fannft, baf 
icp mit gutem ©ewiffen pier getefen pabe unb mir pinffcptlicp meiner 
©ortrüge burepau» ©iept» »orjuwerfen weif. — ©un aber faft Dein 
t heutiger ©rief bie ©aepe in einer perfünlicpen ©eife auf, wetepe für 

miep Sitte» ünbert. Du fagft, e» maepe Dir perfbnticp ben fcpwerfien 
Jtummer, wenn Dein ©opn pier eine preufifepe ©ieptung »ertritt. 
Damit ift für mich Sitte» abgetpan. Unter bem unenbtiep ©ieten. 


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126 


getarnt 1861. 


mi ich Dir febutbe, weif ich 2Benige$, wa* ich Dir fo berjlicb ge* 
banft habe wie bie greibeit, bie Du von früh auf meiner geifügen 
gntwicPlung gelaffen $aft. 3cb habe »iel barunter gelitten/ aW ich 
fanb/ baf wir in nieten fe$r ernften fragen weit aufeinanber gingen. 
Um fo fefter war ich entfcbloffen, Dir mit meinen abweicbenben 
Meinungen fo wenig Kummer ju machen al* miglicb. 9tun fagfl 
Du mir/ baf Dir mein ©irPen hier — unb nur hier — ganj be* 
fonber* fcbmerjlicb fei. Darauf !ann icb at6 Dein Sohn, ber Dieb 
um Slllrt nic^t Printen will/ nur antworten: icb werbe geben. Denn 
meine Ueberjeugung weebfetn Dir ju Siebe, ba* Pann i<b nicht: aber 
meinen ©obnftg weebfetn, wenn mein tßerbteiben Dir Kummer be* 
reitet unb an anbren Orten bie SR&gticbPeit ju leben oorbanben ift, 
ba6 Pann icb unb ba* witt icb tbun. — 3<b febe Peinen Srunb, 
warum icb n0( b einmal ju SRofcber geben unb bem gremben biefe 
rein*perfbnticben Dinge erjdblen fottte. 3<b werbe oortiuftg nur ab* 
reifen unb erfl wenn icb in ©uneben ober fonftwo eine Sluftficbt für 
meine £uPunft gefunben habe, meine bteftge venia legendi f&rmlicb 
juruefgeben. — ©ir ift ber ßntfebluf nicht leicht geworben, aber ich 
febe Sille* ganj Ptar unb weif, baf ich e* niemals anbert feben werbe. 
Du aber, mein lieber Sater, wirft jwar von biefem Schreiben teiber 
Peine greube haben, aber Du wirft barau* minbeften* feben, baf ich, 
foweit <0 mir fittticb mbgticb ift, Sille* tbun witt um Deine Siebe 
nicht ju oertieren. 

Dein treuer Sohn 

Heinrich 


286] 9Cn ben Starr» 

ÜWeitt lieber SSater, 


Seipjig 16, gebr. 61. 


eine Purje Stunbe witt ich benufen um Dir für Deinen (Brief ju 
banPen unb meine greube barüber au*jufprecben, baf ich Deine 
Meinung benn boeb S u febarf aufgefaft habe. Da« (Besprechen frei* 
ticb, nicht im Sinne ber Seipj. Stttg. Jtung 1 (welche mir, beiläufig, 
jur regelmäfigen SePt&re oiet ju langweilig ift) lehren ju wollen: 
bie* (Besprechen Pann ich Dir nicht geben. Denn ich trage überhaupt 
Peine Leitung** unb ^arteimeinungen oor, fonbern ich febilbere eine 
»ergangene £eit nach meiner wiffenfcbaftlicben Ueberjeugung. Daf 
i ®äü Ocutfcbt b‘< b,i96. 21 a 


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Jtbnmr 1861 . 


127 


ich in ber 6poche von 1807—13, meid* ich (ürjlich befprach/ von 
$reufen unb fogar von ©eflreicb mit größerer greube gefprochen al« 
von ben Staaten be6 Rbeinbunb«, ba« bcbarf für einen Setter an 
einet beutfchen JJochfcbule (einet Sntfchulbigung. ©afj ich bei bet 
Schilberung von Stein« unb Jjarbenberg« Reformen aufmerffam ge« 
macht höbe auf bie SBebeutung ^teufen« für ©eutfcfitanb, barübet 
mag ftch rechten (affen, boch vermag ich nicht abjufeben, wie ba« 
gegen ba« f&hfifche Sntereffe verflogen fott. „Sehr liberal, aber boch 
unparteiifch" — ba« war ba« Urtheil eine« fehr eonfervativen SDianne«, 
bet neulich bei mir hbrte; unb ich ®eif? nicht, welche« Sob mir will« 
(ommener fein ttnnte. — Unb nun erlaube mir auch/ »a« ich neu« 
(ich vergeffen habe, nach ber 3«»erWffigfeit ©einer Rachrichten ju 
fragen. Sffieber #r v. g. noch S) r v. 58. 1 bat bei mir gehört, fie 
wiffen alfo 2Kle« nur au« britter Jpanb. Unb wie (eicht in einer 
politifch aufgeregten £eit wie bie Segenwart (Übertreibungen entgehen, 
ba« magfl £u felbfl ermeffen. 3 u *n Ueberflufj hob’ ich bie Unvor* 
pchtigfeit begangen, vor 2 fahren einmal einen 2Bi§ ju machen Aber 
Jjjrn v. 2Bi$leben« fchriftflellerifebe Seiflungen *. €r bat ba« wieber 
erfahren unb befleifHgt fich feitbem mich in ben Sirfeln ber Äreiö« 
birection pp. ju verbichtigen. So hat er neulich behauptet, mein 
ßolleg fei fo angelegt, bafj ich fchon im gebruar beim 3. 1861 an« 
langen unb bie übrige £eit mit politifchen (Betrachtungen auOfüllen 
(ünnte. 2lu« ber 2Babrbaftigfeit biefet Seuferung (ich fleh« jefct, 
3‘/ 2 Soeben vor bem Schluffe, noch beim 3. 1813) magft ©u auf 
ben SBertb biefe« Serebe« überhaupt fehlten. Rieht einmal ba« 
gebe ich JU/ bafj ich meinen Srfolg jum Xheil meiner preufjifchen 
Seftnnung verbanfe. ©a« beifit ben Seipjiger Stubenten ju viel 6hre 
anthun, wenn man bei ihnen eine fefle politifche Richtung vorau«* 
fe|t. ©ie SRehrjahl ifl gehantenlo« ober beginnt erfl, wie ba« biefem 
Sitter natürlich ifl/ fich eine ^arteimeinung ju bitben. ©ie Senigen, 
welche eine folche bereit« haben/ neigen fich/ fotoett meine perfbnliche 
Erfahrung reicht/ meifl jenem unglücflichen rothen Rabi(ali«mu« ju, 
ber in Sachfen weit verbreiteter ifl al« ba« spreufjentbum, unb ben ich 

1 ©er Aultnlminifler ». ftajftrtfiein nnb ber ?ripjtgft Aretibittftor (fflegitrungS; 
Vt&flbmt) v. ©urgiborf. 3 Saefat ©»trieb »♦ SO-, 9*fr 1882 al« ©itrftor btf 
f&cbf. ^anptflaat«a«bi»*, hatte 1860 eint @ef<bi<bte ber 2ripjigcr Rettung («gl. 0.60) 
gcf<br»ben nnb bat fpAtrr u. a. SOtonographien «bet bie f&<bftf<ben Otinifter 
v. SOieterthrim unb v. 3<f<b fl u betautgegeben. 


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128 


getan 1861. 


i 


olö SRonaregiff entfegteben befdmpfe. «Kein (Jrfolg rügrt, wie ieg über* 
jeugt bin, niegt bloO von meinem ©erbienfle get, fottbem jum Xgeit 
von bem Stoffe, ba bat Sntereffc für neuere beutfege ©efegiegte 
©ottlob wieber lebenbig geworben ifh $tof. SButtfe, bet auf einem 
mir gerabc entgegengefegten Stanbpunfte jlegt, (er tft ein geiffreieger 
Sßertreter ber bfheiegifeg gefinnten ©emoftatte) gat oor einem Sagte 
mit feiner ©efeg. ber greigeitofriege einen ganj ägnliegen Erfolg er* 
jielt. — ©ie SRdnner, auf beten Urtgeil icg etwa* gebe, wie Jgof* 
ratg Sllbreegt unb SRofcger, begreifen oon bem ganzen ©etebe Wiegt«. 
— 9hm genug oon ber Saege, mein lieber ©ater. Sie ifl ja ogne* 
bieO augenblicNicg ogne praltifege Söebeutung . . . 

Xaufenb ©rüge. 

J&eintieg 


287J 9fn Jtanj Ooerbed. 

geipjig 23. gebt. 61. 

Sieber Ooerbecf, 

. . . 3eg goffe am 13. ob. 14. 3Rj na<g ber Jefhrng ju reifen 
unb jebenfaH« einmal naeg ©. gereinjufommen ... 3cg gab’ ©ir 
§ßtel )u erjäglen, wat ju fegreiben langweilig wäre. . . ©rufe ben 
ßefterreiegifegen (niegt megr: beutfegen) ÜBebet* unb fage igm, er 
folle feine ibealiftifege Wafe einmal in ©ropfen« ©efegiegte ber preufji* 
fegen ^olitif flecfen, um ju lernen, wa« ba« $aupt JJabOburg f&r 
©eutfeglanb bebeutet. 3cg bitte ©ieg fegt, fag’ igm ba« wbrtlieg; 
benn ieg fann einmal niegt anbero, ieg bin noeg immer fo bumm ein 
©eutfeger ju fein*. Antworte ja. Jjerjlteg 

©ein 

X. 


1 S. o. © 0 . 1 , 6.490 ttnm. u. S. 889. 3 3 m gbrefentwurf btt Jtommiffion 

be* Vggcerbuetrngaufe* war auf @ecrg 0 . SDincfe* Antrag brat Vbfegnitt Ober bie 
©ejiegungrrt ju bra auswärtigen ÜR&cgten ber gufag gegeben worbra: „Ser fort: 
fegreitenbm ÄonfoKbierung 3 talien* ratgtgrajutrrtra, eraegten wir wtbtr im 
preufüftgen noeg im bratftgen 3 n**trffr.“ Irog eingegenben SBiberfpnttg* bri 
SKinifter* oon Sdjleinig warb« ba* Smenbement fBlnete im .gaufe am 6 . % tbt. 
mit 160 gtgra 146 Stimmen angenommen. Selb ft oiele tßarteigraoffm oerwarfen 
bic bebcntliige Raffung ber ©indefegen Slßorte, au cg Sander gatte bagegen ge: 
flimmt. Sa* fgreugifege Sffiocgmbta», fftr helfen Leitung oor einigen 3 a b wn ' 
natgbem 3 a*munb ge aufgegrbra, man aueg an Sreitfegte gebaegt gatte (ogt. 0 . ©b. 1 , 


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ftbruat 1861. 


129 


288] Sn ©tar Duncfer. 

£ctpjig 24. gehr. 61. 

Jgierr, 

am 12. 22) reift ich auf ben Äöntgßein in bie gerien unb werbe htO 
bahin wobt einen Vuffag von Xahoulape, ben i<b für ben essay 
brauche*, erhalten haben. Dann fott e8 fogfetch an bie Arbeit geben: 
ich werbe Sie befümmt in 3hw* Sloth nicht vertaffen. — ©aß ich 
bisher Stich« für bie 3ahrhb. gethan erfldrt fich batauO, baß ich *« 
biefem gangen 2Binter, außer jenem ©ahtotannfthen SteFrotoge, 
fchtechterbing« Sticht6 für mich faß* 1 arbeiten tonnte. SJtein €otteg 
iß nämlich SRobefache geworben/ ich l«f« vor mehr al6 200/ unb ®ie 
tonnen benfen, baß mich ha6 swingt, meine eignen Stnforberungen 
an meine SBortrige ju erhüben, ©er £ohn iß nicht auOgeblieben. 
SNinißer unb 9tegimmg6präßbent haben e6 nicht für unanßinbig ge« 
hatten/ mich an meiner ßerhlichen ©eite ju faßen, b. h< ft« hoben 
meinen ®ater burch halbe teife ÜBamungen vor bem „ittpoßel 9>teußen8" 
in bie äußerße Unruhe verfemt 3ch werbe wahrfcheintich nicht wteber 
nach £. jurüdffehren. 9tn jtbem anberen Orte (ann ich freier, un* 
beirrt burch perfönliche SRücfftchten, wirten. 2Bo aber? ©avon hob' 
ich noch leinen Segriff. 9tie war mir meine £utunft tuntter. — 
Sorldußg witt ich in München arbeiten unb, wenn e6 irgenb mög« 
(ich, auch bie 3ahrbb. nicht vergeffen. 

©aß in SBerlin bie ©inge nicht ßehn wie fte fodten, bat hab' 
ich tüngft geahnt: benn Stiemanb rebet h««te mit größerer greube 
von Preußen* ÜÄinißern a(6 3me, welche offen bie ^ertrümme* 
rung $reußen6 obigen. — 68 iß ein Sommer, baß Preußen an 
ben Keinen #öfen fo fchtechte Vertreter hat. Serftünben biefe 
SRenfchen ju beobachten, fo müßte man in 93erlin wißen, baß jeber 
©ebante einer Serföhnung mit ben SRittelßaatcn eine Sücherlichteit 
iß. ^inßchttich be8 ©re8bner $ofe8 tann ich ba8 verbürgen; bie 

6. 426f.), unb bat in btn lebten fünfviertel 3<*h ttn feinet ©eftef>ent (bit Juni 
1861) «on Star SB eher ungenannt ttbigiert würbe, batte peg in jwei Srttfeln, 
9. nnb 16. gebt., ebenfallt mi{tbiQigenb ju bem Smenbenteat SBintfe geäußert 3 n 
biefem ßufammenhang haue et fi<h nicht nur gegen ben ©ruch fonbem felbft gegen 
bie ©erfegirfung bet «Sntagonitmut jtDifcfjen ^teufen unb Defterreicb* erfl&rt. 
Overbett, bamalt in ©erlitt, ber in einem ©riefe an Zreitfcgte ftugnft 1860 SBebert 
Stellung bort alt «eine fehr glAnjenbe" bej ei ebnet, antwortet jegt im Aufträge bet 
gemeinfamen ffreunbet, biefer «fei felbft nicht gan) einverftanben mit ber italienifthen 
folitif im SBocgenblatt, nenne fieg hoher auch nicht alt {Rebafteur.* 1 L’Etat 
et io» limitet; f. J^iftot. n. glolit. Süffige 8,4 ff. 

n. 9 


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ISO 


9W4rj 1861. 


i 


^Berliner «Dttnifter fdeinen e6 nicht ju wiffen. — 3cb werbe mich 
freuen, au6 bem gebruarbefte mich baruber ju belehren, ob ein Ärieg 
mit DÄnemarf ohne glotte militÄrifch möglich ifl. — Dafj in bet 
beutfcben gtage enblicb vorgegangen werben muf, ba* erlebt je$t 
9>teufjen fcbmerjticb an feinem eignen £eibe. gür Seine feiner inneren 
@taat*fran!beiten (bie armöereform!) Sann e* Teilung finben ohne 
£öfung ber beutfcben grage. Unb bocb wiegt man fich in bem Xraume 
ber Sßerföbnung mit ben Unverföbnlicben unb fcbeut (ich „Sturm ju 
Ämten* wo be6 8Binbe* bereit* bie gfilte gefdt ijt! — 
aifo ju Snbe SMrj ba* SRfcr. 

Slufric^tig ber 3brige 

S£reitf<h*e 


289] «n SB»bf(m «»off. 


gefhmg Äönigflein, 16 .SRj 61 . 


Sieber bereit, 

acht SJtonate ftnb* wobt/ baf ich ©i<h im SpÄtfommer um ein 
Stenbejvou* in Samern bat, unb noch immer erharre ich Deiner 
®nabe eine Antwort unb — fchreibe Dir wieber ju Ähnlichem £wedk. 
©elbmangel hnt mich bamal* gejwungen, meinen au*flug auf ba* * 

fchine granlen ju befchrdnfen; jefct aber »erb’ tch wohl ein 3ahr 
lang in Samern leben unb etjÄble Dir ba6, bamit Du mich nicht 
ginjlich au* ben äugen vertiereft unb unfer non mir fehr btrjlicb 
erfehnte* SBieberfeben enblich einmal (nach fteben 3af>ten 0 jlatt* 
finbe. — £eipjig ifl mir ju guter £e$t noch febr bolb gewefen . . . 

@o »iel be* Seinen mir biefe afabemifche SlhÄtigfeit bot — unb 
minbeften* ®efcbicbte ju lebten ifl ein herrlicher SBetuf, benn man ifl 
babei mehr ÜJlenfch at* ©elehrter unb rebet ju Skrftanb unb ©cm&tb 
ber Jpörer: — fo begreift} Du bocb, baff meine £cit baoon unb von ber 
Ärgerlichen £u§fchenaer 95ef<hÄftigung ganj in anfprucb genommen 
warb. So warb e* mir jum SBebürfnif mich ) u fnmmeln unb in 
Stube ju arbeiten; unb auch materiell ifl bie* nitbig für meine 
funft: benn ich Sonn eine Sicherung meiner Stiftenj nur von einem 
Stufe erwarten, ben ich immer nur einer arbeit, nicht meinen afob. i 

Srfolgen verbanSen werbe . . . @ott gebe, baff bie* 3ahr berSRuffe 
unb Stille mir auch pobtifcbe* Schaffen möglich macht. Sin 3abt 
lang benf’ ich von £ fortjubleiben unb freue mich unenblich auf bie 


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1 



mn i86i. 


131 




9llpen unb ba« ÄunfHeben. (Seenbet wirb jene Arbeit fuherlich erfi 
iw 3 3abren; für je§t (ann ich nur Stoff fammeln.) — Die«, lieber 
3unge, wottf ich Dir ersten unb jugleicb einen Sorfchlag machen. 
3m Spütfommer geh’ i<h natürlich in bie Silben; ju spfingften 
begnüg’ ich mich mit einem (leinen 9fu«fluge. H6nntefi Du Dich 
n bann in Schaff häufen, €onftanj ober {inbau einftellen? Such’ 

möglich ju machen: wir wachfcn noch immer fo fchnefl, bafj wir 
un«, bauert bie Nennung noch langer, ganj fremb werben müffen ... 

Dein 

JE. 

990) 9tn ferbiitanb grenttorff* 


gefhing Hünigftein, 16. 2R$. 61. 

Sieber 5ren«berff, 

foeben febieft mir ber Verleger bie 9lu«bängebogen oon Dahlmann« 
9lefrolog. Da6 erinnert mich an Dich unb Deine Mahnung ‘, welche 
anlangte, al« ich bereit« mit ber Sache befchüftigt war; boch fonnt’ 
ich n0 <h bie fch&nen ©orte über ^Jreufen, bie Du mir mittbeilteft, 
benufen. Grabe bie« ^>^tl*flcrblatt wühlte ich, weil 9llbrecht, 
J^irjel u. 91. wünfehten, baß ein mbglichft »erbreitete« ehrenwerthe« 
Statt über D. reben foHe; unb bie Gartenlaube bringt ja in aller 
Stille ba« Soangelium be« SJlationaloerein« felbft in reaftionäre 
Familien. Xeiber fchreib’ ich i» emfihaft für ein fo grofje« publicum; 
Du jeboch wirft manche« jroifchen ben feilen lefen. 9(lbr. war fehr 
jufrieben unb er)ühlte mir ben Hergang ber Sntflehung be« Sieb* 
jehnerentwurf«: wie 91. unb D. im tbm. Äaifer ju granffurt, bei 
Stag heimgefucht oon unjübligen Deputationen, in ben 9tachtftunben 
ben Entwurf befprachen, über 9llle« fich einigten bi« auf — bie preujj. 
Jtaiferfrone. Denn, fagt 91, „\d> holte nicht ben fOlutb biefen (ühnen 
Schritt }u thun.* So fchoben bie Seiben bie Jjjauptfache üngftlich 
bi« jule$t jurücf, bi« enblich Dahlmann« Kühnheit ftegte. 3m 
Plenum ber 17 berfelbe Hergang: ba« SBichtigfle wie feurige Hohlen 
genueben unb jurücfgefchoben, fchlieflich mit oerfchwinbenb deiner 
Mehrheit angenommen. Sei 9fllebem Schmerling in guter Eintracht 

1 «ber Dahlmann ju fdjteibro. „bie f<h&nen 2Borte # flehen in ber ©artenlaube 
©• 186; ge fchßefen: »Se ig für Dentfchlanb gar feine gutunft mbglich ohne 
qbenfen.' 

9 * 


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132 


Wir) 186t 


«(brecht* ©acbbar! Senn ich bat §bxt, mein greunb, wenn ich benfe, 
wie t>or 13 Sabren geißreiche beutßbe Sänner ba«, wa« über Deutfch* 
lanb« ^ufunft allein entf(beibet, oto eine offne grage anfaben, 
worüber Sänner ber gleichen Partei attenfatt« verßbiebnen Sinne« 
fein fbnnten, bann Hingt mir ba6 Sort in ber Seele: tantae molis 
erat Romanam condere gentem. Sie oft hob’ ich biefe« Sorte« 
gebaut, unb eö jebnfacb angewenbet auf un6, a(6 ich biefen Sinter 
üb. neuere beutßbe ©eßbicbte la«. Sie (ange wirb e« noch währen, 
bi« ber in Freiheit ßbweifenbe ©eniu« biefe« ©olfe« enblicb feinen 
£eib, feinen Staat gefunben bat! Sir taflet e6 oft unfäglicb ßbwer 
auf bem J^erjen, baß meine Ungebulb bie6 (angfame Serben ni<bt 
ertragen fann. 5ttbr. (beiläufig, er ifi fbßlicb, wenn er fo einfach unb 
befcheiben oon fich fetter rebet) batte hoch Siecht, a(6 er mir fagte, 
mein gebier fei bie 2eibenßbaft meine« spatriotiomu«. Sch fann 
aber nicht anber«; ber bittre Smß ber Sache wirb für mich noch 
verßhärft burch perfbnlicbe ©erbältniffe. Sein Solleg warb nämlich 
attmältg bat befucbteße in 2eipjig: ich habe febr, febr fcharf gefprocben 
über bie belifatefben gragen ber JRbeinbunbOpolitif, fogar über bie 
Xbeitung Sacbfen«, unb mit ber Siener Schlußacte geßhloßen. Sine 
afbreffe ber Stubentcn, Sorrefponbenjen unfrer liberalen Blätter u. 9t. 
bewiefen mir, baß ich nicht vergeblich wirfte. Natürlich begann auch 
ba« Denunciren oon Seiten unberufner Jfrofpitonten; in aller StiHe 
warb eine Unterfuchung gegen mich vorbereitet u. f. w. gür fefct 
fällt ba« 3ftte« ju ©oben, ba ich J«m ^wecfe einer bißot. Arbeit in 
14 Sagen auf ein Sohr nach Sünden gehe ... Ueber« Saht fomme 
ich wo möglich wieber nach £. Stänbe ich allein, fo ließe ich« brauf 
anfommen, ob bie Regierung 6 ff entlieh erflären will, baß ße mich 
behorchen läßt. 9lber — meine gamilie! Sein ©ater würbe mir 
an jebem anbren Orte volle Freiheit (affen — nur nicht tn Sachfen. 
Darum iß bie?, wo ich mehr nügen fann a(« in Preußen, hoch fein 
©oben für mich. (Natürlich bat ber Sinißer mit ber ©itte „feinen 
Gebrauch bavon ju machen" ß<h ^eimlicf> an meinen ©ater gewenbet: 
ba« iß ba« fächfifch? @ 9 ßem ber halben Senfehen unb ber batten 
Saßregeln!) Sch f«b? leiber vorau«, baß wenn bie beutfehen Dingt 
ihrer Srfüßung, ber ©emichtung ber Äleinßaaterei, entgegengeben, 
ba« gamilienglücf, welch?« mich f° lange gefegnet, jerrüttet werben 
wirb. 2tter nur im äußerßen gatte, wenn ich mtt* anber« fann, 
will ich bie« be?au«forbem. Daher weiß ich augenblicklich über meine 


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Spril 1861 . 


138 




3ufunft Sich« ju fagen, unb et ifi nicht unmöglich, baf ich über* 
3a$r an einer anbem Unioerf. (3<na ober 58onn) oon »orn anfange. — 
Vorläufig will ich meine Freiheit genießen unb bieö gefegnete 3ohr 
wa cf er nufen. — Jhafl.©u leibliche Nachrichten aut ^teufen? ®aö 
ich höre dingt trofilot. 2fuc^> $apm fchreibt fehr niebergeferlagen 
i über einen 58efu<h in ^Berlin; er ^offt oiel von SBefeler, ich mehr von 
@cbul(t)je*©eliffch '• ©er unfeiige €irfel, worin wir unt bewegen/ ifi 
biefer: feine preuftfehe ©taattfranfheit, bie anbert geteilt werben 
fömtte alt burch bie £öfung ber beutfeben gragej unb wieber: feine 
£öfung ber beutfeben grage ohne ein ftarfet gefunbet Swufen. — 
®on granfütt erhielt t<b neulieb einen traurigen 58rief: et ifi 
ein 3ammer/ baf biefer berrlicbe Stenfch noch immer nicht weif wat 
fein 5Beruf ifi! . . . £eb wohl unb grüfe $ugo . . . 

©ein 


891] Sn Qtabctf $ap m. 

ßönigfietn, 6. SHpril 61. 

©eebrtefler Jgxrr, 

► auf £ag unb ©tunbe erhalten ©ie b«f ben 2tuffa§. Stber et ifi 
b6t, wenn ein nicht blot referirenber Sfrtifel auf SCag unb ©tunbe 
befieHt wirb. 3ch höbe mich jwar nicht übereilt/ boeb hielt ><h mich 
nur ganj duferlich an Stillt 58uch- ©at Steifte ftnb meine eignen 
.ßerjentgeheimniffe, unb ich tonn nicht wiffen/ wie weit ©ie bamit 
einoerfianben fein werben. Unb boch möchf ich 3hnen Schonung 
empfehlen, ©at ©eltfame an bem 5Cbema ifi biefet: ich **be » on 
ber perföntichen Freiheit; ba aber biefe weit mehr noch burch bie uns 
bulbfame Stacht ber öffentlichen Steinung alt burch ben Staat be* 
fchrdnft wirb unb bie öffentl. Steinung 'wieber fich aut unjdhligen 
(Jinjelmeinungen jufammenfefct, fo wirb mein im 58eginne Politiker 
Xuffaf im ©erlaufe immer mehr moratifch unb wenbet ftch mehr 
gegen ben Sinjetnen alt gegen ben Staat. — Nun prüfen ©ie; ich 
oerbiene wohl einige Nachficht, benn et ifi wohl bat erfie Stal in 
! ber SBeltgefchichte, baf Semanb auf bem Jtönigfieine über bie Freiheit 
gefchrieben hot« — £affen ©ie ©ich burch ben, notbwenbigerweife 
etwat boftrindren, Slnfang nicht abfehreefen; ©ie fommen nachh« in 
* 58gL 6. 119 Viun. 8. 


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184 «peil 186 L 

anmutigere ©ebtete. 3ch benfe, et ift unt recht gefunb, unt ein* 
mal ernfttich ju fragen, wie weit wir benn innerlich frei unb frei 
ftnb für bie politifche greiheit... ginben Sie grofje Siebenten an 
bem 9fuffa$e, fo ift et »iedeicht am Seften, wenn ich am Dienttag 
früh auf einige ©tunben nach #ade fomme 1 . . . Die ©Triften 
»an Saboulaije unb Siebet 1 ftnb noch immer nicht angetommen. 
laugen fte etwat, fo fchretb’ ich »iedeicht über eine anbre ©eite 
ber greiheit. 5Bo nicht, fo benf ich 3hnen im <$erbft ben ©agern 
)U fehiefen. — Uebrigent mfiffen Sie mir’t hoch anrechnen, baf ich 
in biefen b«*tltchen gruhüngOtagen unb mit einer folchen dutftcht 
»or ben gufjen mich an bat ©chreibepult gefchmiebct höbe. Die 
Statur ift bat SBefte wat ich bk* höbe; fte triftet mich Aber ben 
Serwefungtprocef; biefet Äaubftaatet, ben ich on einzelnen deinen 
-Jfigen erfenne. ©eftern war ber ©berbofmatfebod bi«* um ju be* 
rathen über bat Jberauffchaffen ber t&nigt. Setten in einem gewiffen 
gade! 2Bie lange wirb man in Slerlin bie fRenomntiftereien ber 
S)S) Seuft unb Sorriet für baare SKunje nehmen, wdhtenb ftch 
bie flappernbe Dobetangft fo beutlich bahinter »etbirgt. — 

Seben ©ie wohl, geehrtefter J^err, unb fchreiben ©ie mir am 
Montag nach Seipgig, weichet ©chictfal biefem hhtbftyerfinlicben 
Ärtifel befchieben ift. 2Bie immer 

3b* aufrichtig ergebener 

aireitfchfe 


1 £rcitf<bte, n&cbßen SRontag SS mb in Seipjig angetommen, reifte am SRiltiooch 
früh ®on bür nach Wtftnchen ah. 3 S8g(. ®. 129 Snm. 1 SBon franj Sicher 
(®eutf<he Sefchichte 8,419) erfchien On Civü Liberty and Selfgovernment 1868 
nnh in neuer, er» eitert et Vutgahe 1869. 


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I 


©tuWemirfaufc in SDtönc&en. 

SDtonate (infamer Jlrfeeit erwarteten ©reitfefete in SRünefeen. ©ein 
immer ftarfrt SBebürfniO naefe menfcfelüfe anregendem Umgang tonnte 
er feiet fo wenig befriedigen, baf in feinen Briefen bie jUage barüber 
beftönbig wiebertefert unb er fiefe an fein erfieO ©emefter a(0 2eipjiger 
©tubent erinnert füfelte. Sin »fern ganj fremder ftoifefeer SgoiOmuO, 
bie ©orftellung ein« allein auf ftefe gegründeten Dafeinö wollte ifen 
)uweilen faft überfotttmen; SinfamfeitOgrillen, bie et ftefe gern von 
feiner Flügen greunbin unb 2eiben0genofftn oerweifen lief. ^ugteiefe 
aber jeigen bie Briefe auO SRünefeen an fte unb an feinen lieben Seferer 
■Rlee, wie ©reitfefete, in füllen Stunden bie£ufunft überbenfenb, ftefe 
► immer mefer in ber ÄrbettOauffaffung befefligte, bie ifen fo feoefe ffeilt, 

ifen noefe unbewuft immer feffer auf ber ©träfe goetfetfefeer 2ebenO* 
weiofeeit oorfefereiten lief. ©er feit Saferen fefeon rafttoO artige tonnte 
oon ftefe fefeteiben: „iefe lerne jefet erf — letber fefer fpit! — roaO 
gleif ift: fWtig«, auf jeden augenblietlicfeen Srfolg »erjicfetenbrt 
Streben naefe einem entfernten 

SO fefeeint junüefeft oerwunberliefe, baf ©reitfefete in SRünefeen ber 
©iefeter* unb ©eferiftftellergruppe, bie ftefe bert um (Seidel unb JJepfe 
bamalo jufammengefefeloffen featte faft gdnjliefe femblteb. Sinige iferer 
SDtitglieber jwar, befonbert Hermann Singg, ber ifem naefe feiner biefete* 
rifefeen Anlage ^feoefe über (Seidel unb #epfe" ju ftefeen fefeien, unb 
ndfeer noefe ^ant^&opfcn lernte er tennen. ©oefe jigerte biefete, den Ser« 
faffer ber „Saterldnbifcfeen ©ebiefete" in jenen ÄreiO wie er oerfproefeen 
featte etnjufüferen, unb ©reitfefete felber füfelte fiefe jurüetgefealten jum 
©eil wofei burefe baO SSewuftfein, wie „feerjliefe unbequem" ber Um* 
gang mit ifem fei, mefer aber burefe feine ttuffaffung poetifefeet Äunft, 
mit ber er ftefe wieberfeolt, fo in ben Arbeiten über ©ottfrieb ÄeUet 
unb über J^ebbel, fefer entfefeieben ju ©eibel unb J^epfe in ©egenfafe 


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136 


©wbimurfaub in SK4n<b«n. 


gerefft hatte. Überhaupt fiel er al* literaräßhetifcher unb *hißotifcher 
Äritifer — mit Auffä$en, bie ^eute noch nach funfjig Sagten fort 
unb fort gelefen werben — fcf)on ju ßarf in bie SBagfchalc; woneben 
feine eigene poetifche Seißung nur leicht wog. 

Shtjwifcben fchtoß er in 2 Kunchen boch feine erße Jtfinßlerfreunb» 
fcbaft. ©äbrenb bet ^fingßtage lernte er ben ^lotpfchuler Smil 
Sefcbenborff fennen, ber ein Semeßer, furj benot Sreitfchfe eintrat/ 
al* 5£b«ologe ber granfonia angehbrt batte, bann aber jur {Malerei 
fibergegangen war. $ier allerbing* erfüllte er, ber gerabe jur ^eit 
feine* ernßeßen Äünßlerßreben* Sreitfchfe näher ßanb, fpäter nicht 
beffen erfle, b°b« Erwartung. SBJa* in Äopf unb ^erj Süchtige* 
in Sefchenborff lebte unb ihm bie greunbfcbaft auch anberer, nam* 
hafter {Männer erwarb, ba* hol er in {Berlin, wo er mit Sreitfchfe 
bann wieber jufammentraf, al* langjähriger Vertreter be* ©ireftor* 
ber Afabemie unb al* ffinßlerifcher Sßerwaltung*beamter bewährt. ®t 
war 1833 in Stettin geboren unb jfarb jwei Sabre not Sreitfchfe'. 

ffiie fehr {München* ätunßbenfmäler, befonber* bie @chäße ber 
©Ipptotbef Sreitfchfe feffelten, wie £anb unb Seute in ©apern ihm 
lieb würben unb ihr ©tubiurn ben ju fpärltchen ©erhebt mit ©njelnen 
einigermaßen erfeßte — benn auch mit Sefchenborjf fonnte er nicht 
fo oft wie er wfinfchte jufammenfein — ba* jeigen anfchautich bie 
©riefe. Sbenfo aber laffen ße fcharf hemortreten, wie ba* baprifche 
©taat*wefen unb bie baprifche ^Jelitif ihm mißfielen. 5Ba* fte 
hierüber bringen iß ju oeroollßänbigen au* ben jwei Äorrefpon* 
benjen, bie Sreitfchfe währenb feine* {Münchener Aufenthalt* im Sunt 
unb im Mooember ben ^reußifchen Sahrbüchem fchiefte*. ©eachten** 
wert iß befonber* bie jweite. ©ie befchäftigt ßch wie bie erße nicht 
nur mit ©apem, fonbem ebenfo lebhaft mit Preußen unb feinem 
beutfchnationalen politifchen Seruf. Aber währenb jene wie }u beginn 
fo am Schluß ba* Sunfertum Preußen* heftig angreift, — eine Äritif, 
bie Sreitfchfe halb, in feiner großen Abhanblung ,©a* fonßitutionelle 
ä&nigtum in ©eutfchlanb* auf ein billige* {Maß einfchränfte — fpricht 
bie jweite über SBert unb Stecht be* preußifchen „{partifulariömu** 
für Sreitßhfe fchon länger feßßehenbe unb auch in £ufunft feß* 
bleiben be Anßchten au**. Unb hoch war fein Zutrauen jur preußifchen 
{Regierung unb 3 U ihrem Anhang im Abgeorbnetenhaufe nicht mehr 

1 ®. «. SDmttr, Anfpracpcn tmb (Hfboi. ®ft[tn 189*. ®. 88 ff. 8 3<*t 
u. Aolit. 4,70—96. 8 Dort «. 90-92. &9I. Amif. 3«brbb. 8,236. 


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Stubifnuriaub in OTüw^m. 


137 


ba< alte. Sr füllte ft<b ©ebuljesDeti$f(b unb feiner eben gegrünbeten 
gortfcbritwpartei, ber in ben SBablen Snbe 1861 ein fo ftarfer Srfolg 
benorfianb, ndber afe ben oben Politiken greunben. 

Unerf(buttert blieb er tnbefj ber Überjeugung, bafj er auf feinem 
fd<bfif(ben tfatbeber für $reuf?en weiterjufdmpfen bube; jugletcb follten 
feine n&bftot Sortefungen/ wie fcbon ber in SRüncben für bie ^reuffc 
fcben 3abrbü<ber getriebene 8uffa$ über $an< non ©agern, bie 
Arbeit an bem übernommenen ©efdjicbWbucb fbrbem Reifen. Sbereitd 
im Sfuni treibt er Sfrym, bafj er ft „unter ben «Ibpfen £eipjigö 
an ber regten ©teile" wiffe: „ti wdre ein guteO SBerf, bort einmal 
©ettte beO Deutfcben S5unbe0 norjutragen." Der 93orfaß eine* fo 
guten ffierfrt vertief ibn feitbem nicht mehr; ibn mit SBeginn be« 
ndcbflen SabreO ju nerwirflicben, febrte Xreitfcbfe um 2Beibnacbten 
inO SlternbauO jurüdf. jjier butte ber Stob eine jumal für ibn ba* 
male unauOfüttbare Sücfe geriffen: bie Butter/ jule$t unter ben 
©einen fo fühlbar feinem Jjerjen bie ndcbfte, war im ©ommer nach 
ganj furjer Äranfbeit geworben. 

3(m 11. 3anuar 1862 nahm itreittfe feine SJortefungen an ber 
Univerfitdt £eipjig wieber auf mit einem Kolleg über bie ©ettte 

DeutfcblanbO feit ben Wiener ©ertrügen. 

/ 


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292] 9n OTax SBkbrr« 

Stünchen, 17. Slpr. 61. 

Sieber betitfd^er fOtaf, 

feit t>or einigen 3<»bt«n mit mir wegen Uebernabme ber Leitung brt 
pr. ffiochenbtattO verbanbelt würbe, ift bie Sftebattion fo freunblich 
gewefen, mir allwbchenttich ba« Statt jujufenben. Unb ich habe mir 
eine lange $eit hinburch jeben ©onnabenb Sotwürfe baruber gemacht, 
baf meine befchrdnfte $eit unb anbre Verpflichtungen mich verhinberten 
Seitrdge in bat Statt )u geben. DaO ift neuerbingO freilich anbert 
geworben; benn bie gegenwärtige Sage febe ich mit fo gan) anbren 
Stugen an a(0 Du, bafj wir Seibe leibet nicht an ©net 3«‘tfchrift 
arbeiten fonnten. ffiir armen Xteinftaatter empftnben bao beutfehe 
etenb oiet unmittelbarer ato 3br; wir wiffen auch ju 8«t, wie maß* 
toO ber $af) gegen 9reufen unb bie furcht oor ihm bei ben (feinen 
J£hfen ift Daher verlangen wir eine oottfommen tücfftchttlofe beutfehe 
9o(iti(; ber Stur) beO itlegitimen SunbeOtagO ift in meinen 9tugen 
bie wichtigfte Stufgabe 9teufen<. — Die* ber Orunb, warum ich 
bisher nicht oerfucht höbe mich ®**i 9t. ffibt. )u beteiligen unb Dir 
auch teiber für bie «tofunft (ein Verfprechen geben (ann. STOein 
ÜBohnungOwechfet aber ift erfotgt, weit mir meine Kollegien in Seip)ig 
)war vielen Seifatt unb viele greunbe unb geinbe erwarben, aber für 
gr&fjere Arbeiten (eine £eit übrig tiefen. So witt ich hier ein bt< 
)wei Semefter lang ruhig arbeiten. Steine alte ftitte Siebe )u Süb* 
beutfehtanb, wo ich ja meine fünften 3ahre verlebt, erwacht auf* 
9leue; unb ich ben(e b‘« fchbne, wenn auch «infame, Sage )u ver* 
bringen. J^er)(iche Stüfje von Süfow. 

3n alter greunbfehaft 

Dein 

Dreitfchfe 

♦ ♦ ♦ 


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fyril 1861. 


130 


893] Sn ben Cot«. 

Sünden, 19. Äpril 61. 

SDtein lieber SSater, 

. . . 3ch b<*be in £eip}t 0 noch non J^ofratb äClbrcc^t berjlicben 
Äbfchieb genommen unb bann auf meiner gabrt otel ©lief gehabt 
Äl« ich nach einer unfteunbltchen Stacht bei Samberg erwachte, giinjten 
bie fdjinen Dhürme in fyttttm ©onnenfchcine. Stach einigen ©tunben 
in Stümberg fuhr ich noch am feiben Zage burch ba« $egni$tbal, 
beffen ©chünbeiten noch gor nicht gewürbigt finb, in bie Dberpfal) 
unb fah bort Saiern« ©r&fe leibhaftig not Äugen — meitentange 
jjopfenpflanjungen ndmlich in einer freunbtichen Sanbfchaft. Stegen«* 
bürg ifl bie dltefk ©tobt, bie ich gefebn: überall in ben ©trafen 
fefte Sarttbürme neben unfern frieblicben Sürgetbdufem, noch au« 
ber 3*it ba jebe« .$au« eine Surg war. ©teht man nun gar oor 
bem portale ber ©chottenfirche unb fieht bie SUbwerfe, in benen 
bie ©pufgeflalten brt J^eibentbum« noch gan) friebtich neben ben 
^eiligen ber chrifUtchen Äirebe flehen, fo blicft man )uräcf in eine 
uralte Vergangenheit unb begreift manchen ©egenfafe brt Storboflen« 
unb beö ©übroeflen«. Sie jung ifl bie beutfche Sultur bei un«, bie 
wir ben Seifner Dom alö alte« Sauwerf oerehren, unb wie oie( ndher 
flehen biefe fübbeutfcben Äatbolifen bem frubeften Sittelalter, ba« fie 
auf ©chritt unb Dritt umgiebt. Unb mitten unter biefen Denfmdlern 
bie Stefle einer neueren ©efchichte, bie und nicht weniger fremb ge* 
worben: in ber ©efanbtenfhrafe überall bie Sappen ber Steicb«tag«* 
gefanbten, ber 2&we oon Venebig, bie Staute am Scfbau« brt ©acbfen* 
gdfchenO, ba« Stab oon Satnj. Der eine 3teicb«tag«faal ifl noch 
gan) unberührt: ber Dhron, ba« Drinfflübchen im Srfer, bie ©aUerie 
für bie abtigen grauen — Älle« blicft noch fo grau unb büfler unb 
trofHo«, wie bamal«, wo biefe Stdume fo oiete beutfche ©chmach mit 
angefehn. Unb grabe bür mufte Jtbnig Eubtoig feinen „Dempet 
beutfcher Shtm* erbauen. Äber feber ©pott oerging mir, al« ich 
biefe brrrliche Salhalla felbar fab. Denfe Dir eine mdfige, bi« an 
bie Donau oorfpringcnbe unb weithin ba« £anb beberrfchenbe J^ühe, 
unb auf bem ©ipfel, auf einem gewaltigen Dcrtaffenwerfe, einen 
borifchen Stempel oon weif cm Sarmor. Sin Serf, wie e« nur unter 
Halmen unb Sppreffen gebacht werben fonnte, inmitten ber Dürftig« 
feit einer beutfchen Üanbfchaft: unb boch hob’ ich ben Siberfpruch 
faum empfunben. — Sinige ©tunben blieb ich bei ben Saefflein* 


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140 


tyril 1861 . 


bauten von £anb«gut unb in bem Sefuttenfeminare be6 ©ifcgof« von 
gregfing. Dann Farn ich am greitag Slbenb b«t an, fanb ©cbelöfe 
au« Jjeibelberg unb gobe mit igm in bet angenebmften Seife bie 
©tabt Fennen gelernt. 9tacb feiner Slbreife »erb’ ich vermutglicb jiem* 
lieb einfam fein, befonber« ba LAgo» 1 ndcbften« britatbet. Doch Idfjt 
ficb Sille« fo an, a(6 »Arb’ ich fegt viel Arbeit ftnben, unb ein paar 
mäßige ©tunben (affen ftch gier auch allein febr glAcflicg verbringen. 
Slucb mir febeint ÜJtAncgen gemacht unb erFAnftelt . . . J£at man 
aber ben erflen Idcberlicben ©nbrutf Abetwunben, fo mufj 3eber feine 
greube hoben an ber ©djbngeit ber einzelnen ©ebdube . . . Da« 
alte Sunden ift eine luftige »inflige fAbbeutfcbe ©tobt, unb icb höbe 
meine greube baran ju beobachten, »ie febroffe ©egenfdge hier auf 
engem Staunte vereinigt ftnb. ©or ber ÜÄarienfdule am SDlarfte fnieen 
ju jeber ©tunbe ©etenbe, unb ein ©tuef bavon geben JiAnfller in 
bie antifen Xempet um ficb fatt ju feben an ber ©cbbngeit bc« belle* 
nifeben #eibentgum« ... Doch ich muf bem (Frjdglen ein ßie( fegen, 
bamit 3br nur enblicb eine Stacgricbt hobt, ©i« fegt gefüllt mir bie 
©tabt recht gut: ju lernen unb ju febauen ift unenblicb ©iel Die 
Umgebung ift flach, aber ba« herrliche teifjenbe grAne ©ergwaffer ber 
3 far unb ber Slnblicf ber fernen Sllpen Idfjt ba« ©efAgl ber Ebenen* 

Langeweile nicht auffommen-— 

©eib mir taufenbmal gegrAfjt. 

Heinrich 


294] Sin 2ub»ig Vegibi*. 

SAncben, 21. Slpril 1861. 

Sieber Sreunb, 

. . . 3cg will — unb Du brauebfi bie« nicht weiter ju fagen 
— eine ©efebiebt« be« ©unbe« unb ber dtleinftaaten von 1816—1848 
febreiben — felbftverftdnblicb Fein auf einem, boeb unmöglichen Quellen* 
ftubium berubenbe« SerF, aber eine gewifferigafte unb vor Slllem 
vbllig rAcFficgt«lofe Darfiellung be« in jerfireuten ©ebilberungen 
bereit« ©eFannten, in ber Slrt etwa »ie Stocgau’« franj&ftfcge ®e* 
febiebte, boeb womöglich beffer al« biefe. Da« will fagen: ich benFe 

1 Aari v. Jügoro, alt tynf. f. Gefcgicgte ber ©autunjt o. b. Xecgn. Jßocpfcgule in 
SEBien 1897 gefh 9UU SRedienburg ftauunenb, war et 1882 in Obttingen geboren 
unb gatte bott 1861 bie Univerfitdt bejogen; gier gatte ign aueg »agrfegeinfteg Xt. 
alt »Qrftnen* tennen gelernt. 3 %><g bem 2>ruCt bei ©. ©aiOeu, «Jgeinrieg von 
Xreitfcgte.« Deutfege SRunbfcgau Dft. 1896, 6.66f. 


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«pril 186L 


141 


befonberd bie fflanblungen bed ©olldgeiffed, bie felbff in unferem 
fchweren ©olle heute fo erffaunlich rafch geh votljiehen, ju verfolgen. 
3ch witt roirfen mit bem Suche, will ben Stumpfen unb ©ebanfen« 
lofen banbgreiflich jeigen, in welch’ erbärmlicher Uleinlichleit, meiner 
fünbtic^en ©ergeubung fbffltchffer Äräfte bied gtoge ©oll bahin lebt, 
i «Natürlich bin icb barauf gefagt, bag am Snbe bet brei Sabre/ in 

welchen icb bad ungeheure ©laterial ju bewältigen hoffe, bad Such 
überffüfgg unb ber beutfche ©unb ju feinen ©ätern verfammelt fein 
linnte. 3ch fucbe nicht nach unbefannten Quellen j feilten Dir je* 
boch irgenb woher folcbe fliegen, fo bitte ich Dich natürlich beglich 
um ©littheilung. 3m ©erlaufe ber Arbeit werbe ich ohnebied wieber* 
holt Deinen SRath m Slnfpruch nehmen müffen. 

Du wirft fragen, wie ich Unberufener )u biefem ^>lane fomme. 
3cb benle, ein folched Such ifl unferem ©ot!e, bad fo viel auf Sucher 
giebt, nitbig; bie bumpfe Unjufriebenbett nimmt fchrecflich übethanb; 
wir fommen altmätig in bie rechte Stimmung, und auf und felber 
unb bie ©chmach ber jüngffen ©ergangenbeit )u befinnen. Dabei 
, will ich, fo weit ich fann, mithelfen, weil bie metffen JpiftoriFer vor 

ber wiberlicben Stufgabe jutüdfehreden, bie 3urigen jwar einen itheit 
ber ©ache weit beffer ald ich, boch nicht bad ©anje beberrfchen. Sluch 
o Sllbrecht, beffen unfchäfcbarer Umgang mir in legtet 3eit in reichem 

©läge ju 3$eil geworben, butte nur ein ©ebenlen: bie Slrbeit werbe 
mir viele trübe ©tunben machen. 9tun, mir febeint, jum ©ergnügen 
unb mit ©ergnügen fann geh ©iemanb mit bem beutfehen ©unbe 
befaffen. — 3cb bin hierher gegangen wegen ber reichen unb (im 
©ergteich mit ©erlin) wenig benugten ©ibliothel, unb weil ich fo am 
leichtegen £anb unb £eute biefed mir noch unbefannten beutfehen 
SBinleld vergehen lerne. SBad ich bidher gefehen — in acht Sagen, 
bie ich mit @ch.[etdfe] gänjlich bem ©chauen unb ©eniegen gewibmet — 
gefällt mir wohl. Der Slltbaper ig beffer atd fein Stuf: ich gnbe neben 
vieler Dummheit unb ©innlichfeit boch viel fchlichten ©erganb, längs 
(erifchen ©inn unb jene hormlod menfchltche ©itte, bie mich von jeher 
an bem ©üben angejogen. Umgang habe ich nicht viel... 3<h hoffe, 
bie Sinfamleit leicht ju ertragen; Arbeit habe ich int Ueberffug, unb 
i für freie ©tunben wirb bie ©Ipptotgel forgen, bie mich gewaltig, wie 

nie eine anbere Sammlung, vom erffen Slugenbltd an gefeffelt. — 
Die Studffchten ber nationalen «Politil ffnb hier gar traurig. Der 
$reugenbag blüht, unb leibet geht ed ja fo, bag beugen entfehieben 


r 


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142 


«pril 186L 


fchledjter regiert wirb alt SBapem. Unb Slngeßcbt# biefer Bingc rebet 
man in 55erlin wie ein bankrotter Kaufmann nur »ent St rüge a(# 
von einer gebeimnißoollen Panacee, rodbrenb ei jtoei unerläßliche 
Kare Aufgaben giebt: gänjticben 23ruch mit ber geubalpartei unb eine 
entfcbiebcne nationale Politif, ju bcm «Jwecfe ben 23unbe#tag lieber 
beute al# morgen umjußürjen. ©ocb icb betrete ein ©ebiet, wo beö 
Etagen« unb (Wahnen# (ein Snbe wirb . . . 


296] 9ln ^«inri<b £a$mann. 


SWfincbcn, Slpril 22. 61 
Bugußenßr. 6. 

»om 1. 3uni an: Storerßr. 16 


ÜWeitt lieber Q5a<bntann, 

icb tbue gut meine »rieffcbulben einjuldfen in ben wenigen (Wuße* 
fhinben biefer erßen unruhigen Zage, bie icb mit ©(bauen unb SBanbem 
burcb biefc an ©egenfäßen überreiche ©tobt »erbringe, ©oeben fcbrieb 
icb on Put unb bring’ ei nun nicht über# J^erj meine Srjäblung ju 
wieberbolen . . . nach ber afabemifcben Slbätigfeit, bie außer vielen 
anbren greuben auch jene bietet, baß man jeben ©ebanfen, wie er 
entßebt, frifcb unb (ebenbig in bie (Seit fliegen (affen fann, muß icb 
nun auch bie ernße SÄeßgnation bei in bie gerne würfen ben ©cbrift« 
ßeller# lernen, ©ie ^eit wirb einfam genug »ergeben, bocb b®ffents 
lieb auch genußreich; benn außer bem ©liefe gefammelter Slrbeit ßnb’ 
ich bit? bie reinßen ©enüffe. gür jene beiben Äünße, bie icb uäcbß 
ber ©iebtung am Meißen liebe unb »erßebe, für Staufunß unb Söilb* 
bauerei, iß b»« ©roßere# getban al# irgenbwo in ©cutßblanb. Xraurtg 
unb (omifcb freilich, wie ba# beutfebe Slenb auch in biefe reine (Seit 
ber Äunß ß&renb unb erbittemb bweingreift. JJeine SSlütbe ber 
monumentalen Äunß iß rein unb debt, wenn ße nicht auf bcm Staben 
eine# Staate# mit reicher ©efchichte, einer wirflicb großen ©tabt er« 
wueb# . . . e# erregt mein Sachen wenn ich Prachtbauten, bie an 
ben Idrmenben (Warft einer SBeltßabt gebären, ftcf> erbeben febe unter 
drmlicben ©orßabtbäufem ober gar — wirtlich! — auf (Siefen unb 
Slecfern. ©elbß ©re#ben unb daffel ßnb minber (unfHicb erwaebfene 
©tdbte. ©och regt ßcb in bem neuen (Wüncben bereit# ein neuer 
©eiß, unb e# macht mir greube ben Äampf fo txrfcbiebenartiger Sr« 
febeinungen ju beobachten: großartige# Schaffen in Äunß unb SSiffen« 


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ttpi! 186L 


148 


fd^oft neben $fuffentbum unb Unroiffenbeit, gtofjftäbtifcbe gleganj 
neben bdurifcber Plumpheit unb Silieret. Der legte SinbrucF non 
aUebem ift mir bocb ein erfreulicher: bie Stäcbte bed ?«btd ftnb auch 
gier im ^ortfcbreiten, unb bad Sott ftnb’ icb bei ollen Stängeln febr 
tiebendmürbig: fo oiel gutmütige *}utraulichFeit/ treuberjiger J£>umot, 
bie barmtofe Ungebunbenbeit ber fübbetrtfchen Seife unb — grunb* 
beutfcbe 8lrt. Denn bei all meinen Slanberungen burch Deutfcblanb 
mar mein legtet (SebanFe immer mieber/ rnelcbe biutmelfcbreienben 
fables convenues unb griffige ?ügen bie beutfcben „Stämme* ober 
mie man bad Ding nennen foll — einanber entfremben. 3<b glaube 
nicht/ bafj ed no<b ein fo jablreicbed unb fo mefentlieb gleichartige* 
Sott giebt mie bad unfere. — Jpierber mußt Du Fommen um ju 
begreifen/ rnelcbe gfitle Fünfllerifcber Äraft, trog alle* ©erebed vom 
Saterialidmud unb (Epigonentbuni/ noch bid ju biefer ©tuttbe in 
unfrem Sötte mirFt 1 . Stange ©cbritte oon meinem J^aufe fleht ber 
ionifebe SEempelbau ber ©IpptotbeF — ein »ollen bet febined SBerF aud 
meinem Sarmot — unb in feinen geflfdlen prangen bie bomerifeben 
gredFen von Corneliud, Silber/ nach benen unfere SacbFommen mit 
gleicher Slnbacbt matlfabrten werben mie mir )u ben SilbmerFen 
ber Slten. ©o tief ift und boeb ©ottlob bad gefunbe ^eibentbum, 
bad bumane ©efübl in Steifcb unb Slut gebrungen, baß und biefe 
Darfhttungen bed SReimSenfcb lieben ndber (leben ald bie fpecißfcb« 
<briftli<be Äunfl. Sogar gomeliud’ große* jüngfled ©eriebt mirFt 
auf mich fo tief nicht: oietleicbt bin ich noch nicht unbefangen genug 
ber tbeologifcben Sfterbilbung gegenüber um an folcben StarFen eine 
reine Sreube ju buben. €benfo feffelte mich ber — bo<b noch bulb* 
antiFe — bpjantinifebe Kuppelbau ber StferbeiligenFirebe mehr ald bad 
»ielgerübmte gotbifebe Äircblein in ber Su. 3cb liebe bie ©otbiF nur 
in granbiofen Serbältniffen; unb mir febeint/ ber ©runb bauen liegt 
nicht blöd in bem bintmelanfhrebenben gbaraFter biefer Saumeife. 
gine und fo gänjlicb frembe gultur mie bie reltgiife StpfKF bed Sittel« 
alterd Fann und nur ergreifen/ menn fte und ald ein gefcbloffencd 
©anjed, in monumentaler ©roßbeit gegen Übertritt. — Du fiebfl/ bad 
Jbeibentbum/ ju bem ich »on jeher neigte/ bad ©ueben nach bem 
Sittlichen in ber Sielt/ nicht über ihr, ifl in ben legten Sabren in 
mir gütlich jum Durchbruche geFommen. 3cb bube einigen folcber 


* fflgL Dnufch« GtföiQtt 3,614 ff. 4,466ff. 463ff. 


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144 


VptU 1861. 


©ebanfen neulich Huöbrucf gegeben in einem Hrttfel „über bte greigeit*, 
ben ich an bie pr. 3agrbb. gefcgicft, ber aber — bei ber Vagheit, 
welche (eibet auch biefer preuf? ifegen Greife S)ax ju werben beginnt — 
meßeidjt aCfju rabifal befunben werben wirb. — Da bin icb auf bem 
unfeligen ©ebiete ber (»teuf, ^olitif, ba6 Dein (Brief mit fo ges 
regtet (Bitterfeit betritt. 3h ftnbe für bie6 Deutfdjlanb wie eö ift 
nur ©in Jpeit: bie eine unb unheilbare (Konarhie. 3ebeö Sieben non 
einem (Bunbeöflaate non SKonarcbieen fegeint mir eine contradictio in 
adjecto, jebe Hoffnung auf eine (Republif ift eine 2goheit, fo (ange 
non folgen 3beeen in unfrem (Bolfe Kicgtö lebt. Darum gat ^teufen 
feine SBagl: eö muf erobern mit Jgilfe beö beutfhen (Bolfö. Unb 
eben barum muf bie Äriftö in ty*. enblicg jum brilfamen Huöbrucge 
tommen. 3h hoff*/ baö (Belt wirb feine Scgulbigleit tbun unb eine 
miglicbft bemofratifhe Kammer wüßten. Dann liegen bie Dinge Har 
wie e6 einem tüchtigen (Bolfe gejiemt. (Kan foU eö nur oerfuegen 
mit einem 3unferminifterium ober einem Staatöftreiche: für folcgcn 
(Sagnftnn ift bie -Zeit nicht angetan. Die Dinge finb reif jum 
legten entfegeibenben (Brühe mit bem 3unfertgume. Denn f>ier liegt 
bie HhiUeOferfe beö Korbenö, wie bie be6 Sübenö im Ultramontaniö« 
mu«. Der norbbeutfhe Slbet bat niht/ wie ber fübbeutfhe bei 
bem 3 u f Qm menbrehen ber geifHihen Staaten 1803—6, bie Jjanb 
einer gewaltigen neuen £eit triftig über füg gefühlt V er lebt in einer 
Stellung, bie ein galbwegö gefunbeö ©olf niht mehr ertrügt. (Kit 
einem folhen fübnen Shritte ift für ^reufen ber hohe ©eg jut 
beutfhen Ärone jurücfgelegt. Denn $u allgemein ift baö ©efügl 
unferer Scganbej nur bat (Sine binbert ben grifjten Slgeil ber Deutfhen 
noh/ runbgerauö ju fagen: wir wollen in Preußen aufgeben — bat 
(Bewufjtfein, baf? in Sahen beö Hbetö unb waö bamit jufammen* 
hingt beö 9Rilitir*itaftengeifteö 9hreu|en leiber tiefer flögt alö bie 
meinen beutfhen Staaten. — J£ier in (Baiern freilich beftegen noh 
ftirfere Jginberniffe für bie nationale $o(itil. Stiegt bloö bie Raffen 
wütgen unb bie albernen (Borurtgeile gegen (Berlin ftegen in (Blütge; 
oielmegr ftnbe ih gier jum erften (Kaie in Deutfcglanb einen foju* 
fagen naioen ^articulariömuö, ber fo felbfl in Scgnxhen niht 
megr beftegt . . . Doh benf ih/ biefer ©infel beutfher ©rbe wirb 
bem ber Dinge niht wiberflegen finnen, wenn bie Äugel ein« 


1 »«rtfcgr 1,188 f., 338f. 


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*pa i86i. 


146 


mal im Setten tfl — 9Sir fleht eO unumfWßltcb feft, baß biefe 
Sntwicflung emtreten wirb/ unb früher oietteicbt a(6 mir meinen. 
Dorp miberfrebt mirt, heute, me bie Siebertracpt ber kleinen unb 
Preußen* Sebmdcbe in fo öliger Stütze fielen/ länger oon fo großen 
Hoffnungen ju reben. — 

SBertt Soff if oerbeiratbet unb Seferent bei bem liberalen SDWnifter 
£amep (93aben bot in ber neuen $ra beßre grüßte geerntet al* 
Preußen fetbft) ... £eb mobl, lieber greunb . . . Schreib mir 
halb: üb bin fegt febr auf meine fernen greunbe angemiefen. 

Dein 

x. 


296] J(n Salomen .gitjeJ. 

Pfüncben, 24. 3lpr. 61. 

Hochgeehrter Herr, 

. . . Qlücflichermeifc fann ich 3bre Abneigung gegen SRüncben 
nicht tbeilen. 9lur ganj oorübergebenb bah’ ich bisher an Stgen eine* 
großartigen jtunftteben* gelebt; fein SBunber, baß e* mich glüdflicp 
macht/ trenn ich jegt bie reine Scginbeit ber ©Ipptotpef rot meiner 
fcbftr fege. Slber folcp’ ein abfrafter Peflbetifer bin icb bocb nicht, 
baß ich bie miberliche Äegrfeite btefer Äunfblütbe uberfeben fottte. 
Daß bie alte Stabt fo menig ju ben Prachtbauten paßt, oerlegt mich 
weniger: eher freu’ ich müh, *»ie Sin begeiferter ffiitte fo Sroße* ge* 
fchaffen unb attmdtig bie Stabt anfängt ihm nacbjueifem unb bie 
Äunflbenfmälet mie fiep* gebührt mit fBtobnpäufern ju umgeben. 3n 
tieffer Seele gumiber aber if mir ber Staat, beffen Subm all biefe 
fflerfe oerberrlicben fotten. Schon in 8tegen*burg marb mir ganj 
unheimlich, a(6 mein Rührer mit »epagen bie gagnen Sempach* oon 
SBcimar geigte, melcbe „bie Sapem" bei Sörblingen erobert. Seb’ 
ich nun gar im Dgronfaale nicht blo* bie „ttntfcgeibungPfcglaebt* oon 
Slrci* für Stube, melcbe nach ber Sntbecfung ^ieftger Hiforifer „bie 
Sapem* gewonnen gaben, fonbem auch bie fcheußlichen SÄegekien 
2Brebe* gegen bie Xproter im Silbe oerberrticht, feg’ ich auf ben 
Straßen all bie Dittp, SWajt, Emmanuel unb mie bie Schürfen unb 
Sebwacpfüpfe petfen, fo rnerbe ich bie grage nicht to*: ob ein Staat, 
oon bem man oerlangen muß, baß er au6 2lnftanb*rü<f fiepten feine 
Qefcpicpte in Sergeffengeit hülle, nicht am Seften tbue (ich lieber beute 
n. 10 


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146 


Bpril 1861. 


a(* morgen ju begraben? Sott tiefer ritbmlicben 3$at tft matt (etter 
noch fe$r weit entfernt, ^ier junt erffen Stale fant ich bad Kraft* 
lübffe aßet (Befühle, tie „engere Saterlanbdßebe*, in einer faft naiven 
©eftalt. €d verfielt ftch ben Stenfcpen von felbet, baß fie Samern 
fein unt bleiben woßen; bad beutfcbe ©efubl jeigt ftcf> nur in bet 
gorrn bed gtanjofenboffed unt iß mir fcbon tarum febt verbdcptig ... 
Unt babei meint man in ©ertin t>erfähnlich fein ju muffen! £ad 
©cbonfle an tem Soße iff tie bormlofe £iebendtvürbigfett bed Um« 
gangd, ter Stängel jebed Sunlertbumd auch im focialen ©erbeb« — 
bad Sinjige aber unenblicb SBichtige, tvad ter ©üben vor tem Sorten 
vorauf bot* — gut mich wirb bted 3abr ein febr arbeitvoßed. 
Stof, ©luntfcbli bot mitb in ter freunblichffen 2Beife an tie ©iblio* 
tbef empfohlen, unt ich febe fcbon je§t, wie überfcbwdnglicb viel icb 
ju tbun hoben werte. Sin Umgang wirb ed mir faft gdnjßch fehlen; 
tenn ich ßnbe nur wenige oberflächliche ©efanntfcpaften von fr&b«V 
unt baß ich mich in ten Soütenbunb nicht ald flrebfamer Slnfdnget 
einfüb«n (affen mag, werten @ie wohl bißigen 1 . 3<h tenfe, ein 
3abt ftißer Slrbeit foß mir gut tbun, wenn ich mich auch manchmal 
nach tem fieipjiger Jpärfale febnen werte. — ©ratet unt tie b«ffgen 
eiberaten fchwdtmen fegt für tie fäcbfifcbe Kammer, unt cd macht 
mir gtoßed Sergnögcn, wenn ich Dr. «fcepner 1 ald großen ©taatdmann 
prcifcn fybre. 

£eben ©ie wobt, geehrter Sperr. Um 3b«t* unt um meinetwißcn 
mocht’ ich foft ben unpatriotifchen SBunfch oudfpretßen, baß nicht 
emfte Sreigniffe jete ©tiße unt jebe Slrbeit unmöglich machen m&gen. 

3n aufrichtiger Serebrung 

3b« crgebenfter 

Xrettfchbe 


l ®. 186f. ©iefen SWänchenet ©icbtereerrin ber „Arofobile", bat ©egenßfaf 
|um ©etliner „ftunnel*, bet mdcbentlicb einmal Nachmittags in einem Aaffeehaud 
am Warienplab jufammenfam, haben mehrere feiner «Witglieber: felir ©ahn, 
3u(iu< ©reffe, tyaul j^epfe Ongenberinnerungen ®. 213ff.) in fyen felbftbio; 
gtaphif<h«n «ufjeichmmgen gefchilbert. ©etabe |ur Seit von SmtfcbW Aufenthalt 
traten fie mit bem von ©eibel heraudgegebenen „SROacbener ©ichtetbuch* (in bem 
nebtn ©eibel noch SBilheim Jherp, Schacf, Seutfjolb, Singg, 3utiuS ©reffe, Scheffel, 
•pepfe, -Pan« .popfen u. a. ju ftnben finb) in bie weitere £ffenrii<bfeit. * ®gl. 
@. 86 . 


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W«i 1861. 


147 


897] Än ©wjfawö mb ^wfdbttg. 

w SDtänchen, 3. SWat 61. 

So* fegte Vierteljahr ifi für mich fo reich jfewefen an Srlebniffen, 
baß ich mich nicht erft entfchulbigen mag wegen meine* langen 
(Schweigen*/ meine verehrte greunbin. Ungebührlich früh h«&’ ich We 
Seiben unb gteuben eine* Socenten genoffen, ber alle gacultdten in 
feinem J&6rfaafe vereinigt. ©elbfl eine Slbreffe ber ©tubenten ifi mir 
nicht erfpart gehliehen *, unb nur mit genauer SRoth hin /ich einem 
gacfeljuge entgangen. 3ch (a* über bie verhdngnißvolfe 3«t ber 
franjbftfchen Kriege, unb bie mannigfachen Hnfeinbungen politifcßer 
@egner fonnten mich nicht Sffiunber nehmen. Unerwartet aber — fo 
fehr, baß ich mich fch®« brein finben fonnte — war mir ber un* 
politifcge 9leib einiger Sollten. Olatürlich lief e* auch bie Regierung 
nicht an Verfugen fehlen, ben unbequemen Socenten ju befeitigen, 
al* beffen hervorflechenben €harafterjug ein 9tegierung*berieht „gdnj* 
liehen Mangel an Siebe jum engeren Vaterlanbe* bejeichnete. ©o 
verging ber hinter unter fehr vieler Arbeit unb mannigfacher @e< 
müth*bcwegung. 3egt fann ich wohl fagen: e* ifi hoch eine fchbne 
^eit gewefen. 3ch erfenne fehr Har bie großen SWdnget meiner Vor« 
trüge, aber im ©angen hob' ich meine Pflicht gethan, unb ba* Ur* 
theil ber wenigen älteren ^rofefforen, beren Meinung mir etwa* gilt, 
ifi auf meiner ©eite. Sa* ©chbnjie war wohl, baß ich erfi in biefem 
SBinter SMlbrecht lennen lernte unb mir rafch feine Zuneigung erworben 
habe. Sa* ifi ein fichrer hnrmonifcher €harafter, bem bie wiffen* 
fchaftliche 3Bahrhnftigfeit in* Slut übergegangen. Vielleicht lennen 
©ie ihn at* ßinen ber ®6ttinger ©ieben unb al* greunb unb £anb*s 
mann von Jjwfrath Saum, ©o aber flehen bie Singe in Seipjig, 
baß biefer 3Jlann, mübe ber füllen Sevormunbung ber SBiffenfchaft 
burch bie $otijei, alle* Smfie* baran benft ben Sehrfiuhl ju ver* 
taffen — fichertich ber allerfchwerfie Vertufi, ber Seipjtg jegt treffen 
fonnte. 

Soch e* wirb ^eit, baß ich 3bmn ben ^ofifiempel biefe* Srief* 
erftdre. 3<h habe eine große hiftotifch« Arbeit übernommen, bie mich 
mehrere 3ahre befchdftigen wirb . . . Saß ich hierhin unb nicht 
nach Serlin gegangen, baran ifi jum Sheife auch mein Vhinfch 
fchulb, enbtich einmal etwa* von ben Sllpen ju fehen. SWeine ©ehn* 

1 Styianann @. 165. 

10 * 


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148 


Stal 1861. 


fucht jie&t mich boc^> immer wieber nach ©übbentfchlanb, wo üb 
ja meine fcbJnfien 3abte verlebt habe. Da« #erj lachte mir, al« 
icf> nach einer regnerifcben Sacht im €oup< erwachte unb bie Sturme 
unb «Cerraffen von ©amberg im ©trabte ber aufgebenben ©onne vor 

mir tagen-SHe eO mir bi« gefüllt in ber verfcbrieenen 

©tabt ber Änibel? ©o gut al« rt rnüglüb ift in einem Orte,, wo 
man mutterfeetenatfein lebt... 3<h finbe bie £eute febr lieben«würbig. 
Die burmtofe greunbticbfeit ber Stenfdjen beimett mich an. 3<h meine, 
ber fprftbe ©tot), ber mir an ben Sieberbeutfchen fo wobt gefüllt, 
würbe nicht« an feinem SBertbe vertieren, wenn er in weniger ver* 
legenben formen auftrdte. 3n Hamburg unb Hannover fiebt man 
jebem Stenfcben bie fülle gurcbt an, ftcb burcb bie ©erübrung mit 
grentben etwa« )u vergeben. Jüh weiß wobt, ba« ift nur ©cbein; 
aber grabe baß biefer vomebmtbuerifcbe ©<bein b<« f«btt, macht ben 
©übbeutfcben fo lieben«würbig. Stünchen ift nicht fo plebejifcb unb 
fchmußig wie man gemeinbin fagt; aber e« finbet Siemanb ein Srg 
barin, baß im eleganteren Caffebaufe ©eneral unb Fuhrmann an 
einem «Cifcbe fißen ober baß elegante junge Jpetrn jum Shtrfüer gehn 
unb ihr Sbenbbrob in ber «Cafcbe beimtragen. Diefe fchtkhte Steife ift 
mir ungemein wobttbuenb. — SJa« mich an Stünchen wirtlich anwibert, 
ba« ift ber Staat... 3ht biefer gemachten ©tabt fann man ben ffiertb 
geworbener ©tdbtf, wie ©erlin unb Dre«ben ober unfre 9teich«ffübte, 
würbigen. greilicb, nachbem ich mich an bat fonberbare ©chaufpiel 
be6 ©anjen erft gewohnt, bah’ ich weine 2uft an ber unvergleichlichen 
©chbnbeit ber ©njelbetten ... Doch ich will nicht fchilbern wa6 ein 
©rief boch nicht erfcbüpfen fann. Sach bin i<h n«ri )u (ebenOtufüg um 
mich burch biefe J^errlichfeit ber Äunft triften ju laffen über ben Stängel 
an menfchlichetn Umgang... Stiglich baß- ich noch in ben Sotten« 
frei* fomme. SRechte ?uft baju bab’ ich nicht; benn ber^eroO biefe« 
Äreife«, Saul J&epfe, ift mir febr antipatbifch* ©ietleicht bin ich nicht 
gan) gerecht gegen biefen abftraften Seftbetifer, ber von bem ©lute 
unfrer 3«it fo gar Sicht« in feinen Sbern bat. Um mich eine« 
Seß’ren ju belehren la« ich jefct mit großer Snbacht feine ©abinerinnen. 
©ie tennen ba« ©tücf unb halten mich hoffentlich nicht für frivol, 
wenn ich fage, baß‘ber Stoff mich immer erheitert bat. ^Belebe 
reijenbe fomifche Sovrfle müßte e« grien, wenn ©ner fchilbern wollte, 
wie ber beleibigte ©toi) admdlig ber Stacht be« fchelmifchen ©otte« 
weichen muß. Statt beffen faßt ber Stann bie Sache fentimental 


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W«i 1861. 


149 


unb (Afft ben ©offn bet ffiAlfin reben ol« ob Äugtet« Äunftgefchichte 
bamal« fchon gefchrieben »Are. @o etwa« fann ich gar nicht wer* 
jeihen. SWir ffnb alte SRAnnet fchrecftich, benen nie ein rohe« 9Bort 
cntfchlipft ijl. ©eh* bagegen fotlf e« mich freuen, wenn ich 3ut 
©roffe fennen (ernte; ich bat* »on ihm einige fehr fch&ne energifche 
. ©ebichte getcfen 1 . Sine einfame ?eit wirb e« wohl »erben, unb ich 
hoffe nur, baff ich frohen SWuthe« hteihe. Die gahrten in« ©ebirg, 
auf bie ich wich oon $erjen freue, werben ja wobt bafut forgen..— 
Daff ich bem großen publicum oon meinem lieben ?ebter Dahlmann 
erjAblt habe, werben ©ie wohl au« ber adoerbreiteten ©artenlaube 
wiffen. 3n ben pr. Sfabrbb. flnb bereit« einige 3beeen „über bie 
greiheit* gebrudft; ich hoffe 3bnen ben äuffafc fchicfen ju (Annen. 
3ch tebt ba nur wenig oom ©taate, oielmehr oon ber perf&nlichen 
greiheit, unb ©ie werben barau« (eben, wie weit mein ^Unglaube" 
geht 3cb benfe, wir werben un« leicht oetffAnbigen; benn ich (onn 
mir ©elbffAnbigfeit be« reiigi&fen Denfen« nicht oorftetten ohne 
fchranfenlofe Dulbfamfeit gegen frembe Meinungen- 

Der Sßonnemonat tritt hier in fo fragwurbiger ©efialt auf, baf 
meine erftarrten ginger (aum weiter fchreiben wollen. £eben ©ie 
wohl, gnAbige« grAulein, ich hob’ 3hnen ersAhlt wie einfam ich lebe, 
unb ©ie fepen barau«, wie groffen Dan! ich 3hnen fagen würbe fit 
einen balbigen Sörief. ©obalb ber ©ornmet (ommt, etjAhl’ ich 3h«en 
etwa« oon meinen Süpenfahrten. 3ch bin mit aufrichtiger Serebrung 

3bt ergebener 

Xxtitfdftt 

298] ttn ben 

Einehen, 5. 9Jiai 61 — 

. . . £um erften SWale lerne ich, wo« ti heift gans allein in 
einer freut ben ©tabt ju leben. ff« oergehen oft Stage, ohne baff ich 
ein 3Bort ju fptechen brauche . . . ©laubt jeboch nicht, baff ich mir 
ba« adsufehr ju #erjen nehme; bie Neigung jutn Stribjmn, bie un« 
Dcutfche, wenn wir allein ffnb, fo leicht iberfAdt, (Ampfe ich nach, 
ÄrAften nieber- 

ffla« ber Äbnig für bie SBiffenfchaft thut iff hbchff ehrenwerthv 
. Dariber oerjeiht man ihm gern, baff fein Äunftgefcffmacf nicht ber 

r Cin ©aab „@tbi<$tt von 3. ©refft* nxtr in ©ittingtn 1867 bti btm ©erleget 
btt „ffiatertdnbif<«en ©ebichte* trf<$itntn. 


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160 


«Wai 1861. 


teinfit if. 9tlS ein ©egenfüct gut SubwigSfrafe baut er eint SWapt* 
milianSfrafe unb bot bafüt einen eignen/ nach meinet Meinung 
fcbeuf lieben, ©aufil etfunben, worüber bet alte ?ubwig mit feinem 
teinen <SdF>6n^ettdfinn gang troftoS fein fott. 9t(6 point de vue am 
Enbe biefet (Strafe febt ein ungeheurer $alaf auf feitet #6b*/ baS 
SDfarimitianeum, baju befimmt — jebn 3ünglinge gu bebetbetgen/ bie 
für ben b&b<rcn ©taatsbienf notbereitet werben fotten! ©o baut 
man btoS um gu bauen. — ©er atte Äinig if ungemein beliebt — 
merfwürbig genug/ benn um bie ©erwattung beS £anbeS bot fein 
©obn feber grbfere ©erbienfe. 9tbet er »etfanb es beffer als & 
«War ficb gu geigen unb mit bem ©olfe gu »erbebten, ©er ©aper 
grüft ndmlieb gwar mit ber gtbften Ehrerbietung jebe Heine ^ringeffn; 
ba6 gange «$auS erbebt ficb fobatb ber #ef in bie Soge tritt; bafüt 
»ertangt jebocb baS publicum febr entfcbieben, baf ber J^of oft ju 
guf bur<b bie ©trafen ober bie 9trfaben giebe — ein wunberlieb 
patriarebatifebeS ©erbittnif. Xrog biefet Sopalitit fingt man jebocb 
auch b<er an/ feb gu beftnnen, baf eS ein ©eutfcbtanb gebe, ©ie 
3beeen beS ©ationafoereinS jibten au(b b»er fe^r »iete 9tnbinger l . 
©er ©runbfebaben biefe« ©taats, ber UltramontaniSmuS, vertiert ficb Hieb 
an ©oben. Erfauntieb, wie raf(b unfer 3abtbunbert lebt: »or einigen 
©lonaten färb b»et ber erf e in ©tünchen geborene ^rotefant, unb 
bereits bot an ber Uninerftdt bie protefantifbe 2Biffenf<baft ent* 
fcbieben baS Uebergenriebt »or bet fatbotifcben. — 

©euticb bitte icb ©tama b>«r feben mbgen. ©er grofe ©taS* 
pataf, worin »or 3obren bie beutfebe 9luSfeltung gehalten warb, war 
in ein grofeS ©ewicbSbauS »erwanbett. ©er ©drtneroerein b»*tt ba 
feine 9luSfettung, unb es war ein fbflicber 9lnblief, wie gewaltige 
Springbrunnen inmitten ber grünen ©üfcbe unb ber bunten ©eete 
fpielten unb ihre ©trabten bis gu ber betten ©taSbeefe emporfcbitften. 
Unb in bem fdjonen ©arten ein tufigeS buntes publicum. Unb 
wieber macht’ ich bie ©emerfung, wie »iete fattticbe fd5>6nc ©Jinnet 
mit btifenben 9lugen unb wte fcbreefticb »iet bifticbe grauen in 
©tünchen leben. ©efenberS unter ben ©otbaten finb herrliche ©e* 
falten; unb es gefcbiebt »iet für bie ©ewanbtbeit ber Seute. 'Ulan 

1 €ntf<pitbtne weniggen*. Aarl ©tatet, fRitgiieb brt bapetifgwn ianbtagl, g» 
bitte jum Vulfcpufi bei 9fotiona(tfetein< unb »etfotpt in feinet ©ftbbcutfcpen £ eitung 
(feit Oft. 1869 begeben») ^teufen« ^Sprung in ©eutftpfonb. ®gf. giftet, u. 
9>olit. «uffdpe 4,76. 88. 


f 


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Wo» 186L 


151 


ftebt fl« febr old turnen unb im Sauffcbtitt bureb bi« ©trafen jieben. 
Do« fd)6ne ©efcblecbt iff aber wirtlich fable convenue; «in ©aebfe 
fommt ficb oor wie in bet oertebtten Vielt. — SOfit meiner Arbeit 
fleht e* fo, bafj ich je$t uberfebe, wte ungemein fdjwet bie Aufgabe 
ift, aber auch wie ungemein notbwenbig ihre Srfullung. ffiie lang’ 
ich bter bleibe, batüber fann ich noch nicht* befhmmen. ©odj werb’ 
ich in biefem ©ommer wohl faum mit ben nitbigften Vorarbeiten 
ju ©tanbe fommen; unb wie Viele* mich auch wieber nach Seipjig 
jiebt, fo mufj boeb, wenn ftcb Veibe* nicht mit einanber oertragen 
fottte, bie einmal übernommene Verpflichtung ber ätatbebertbätigfeit 
oorgeben. Wun, qui vivra verra ... «Weinen ©cbweflem, ben grofjen 
ianbfcbafterinnen, ratbe ich, fub in irgenb einer ätunffbanblung ©ticb« 
nach SRottmann’* grieebifeben £anbfebaft*bilbetn anjufeben. ©iefe 
Vilber finb ba* ©cbänfk in ber neuen ^inafotbef unb wobt fiberbaupt 
ba* ©tbfjte, wa* bie £anbfcbaft*maletei bi*bet gefebaffen bat. — £ebe 
wobt, mein lieber Vater. Such Sitten betriebe ©riifje unb ben ffiunfcb: 
ein balbige* febine* grhbjabt/ bamit 3bt in* Xbal unb icb in bie 
Verge wanbem fann. 

Heinrich 

« « • 


299] ttn ©itbrfm Votf. 

SK&ncben, 21. «Kai 61. 

Sieber ftreunb, 

£figow ifl biefer Stage ©einem guten Veifpiete gefolgt unb (ebt 
mit feiner jungen grau auf ©ommerfrifcb« in ©cbwabing. ©aber 
fommt et, bafj icb ©ein« feiten erff jefct erbalte, jugteicb mit bem 
Vriefe eine* ©ottinger greunbe* \ ber oon feiner Vraut mit ähnlichen 
gtflcflicben SBorten rebet wie ©u oon ©einer grau. WJunberlicbe 
Vielt: Sille* liebt fleh, aber mich liebt Wiemanb, unb ich benfe nicht, 
bafj ficb ba* jemal* änberri wirb . . . Vebaglicb war ba* ^teftge 
Sehen wäbtenb ber oerregneten geiertage wahrlich nicht. Wur Sin 
©ute* hoben fie mir gebracht: ich lernte fcefebenborff fennen, ber mit 
©iegel jufammen granfone war. Sr ifl auf feine alten Sage J^iflorien* 
malet geworben, gilt für einen fähigen ©ebuter ^itotp* (ich fab noch 
Wicht* oon feinen Vierten) unb bot mir perfänlicb f«b* fl»* gefallen, 
^öffentlich wirb bureb ihn mein Sehen etwa* gefelliger. 2ht bet langen 

1 Jhugo Wtpet. 


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152 


9tai 1861. 


ginfamfeit tiefer Soeben hab’ ich über Slllerbanb nacbgebacbt unb ge« 
funbet), bafj ein fehr ©rojjeS meinem bisherigen «treiben gefehlt bat. 
Sfnmitten ber Sattherjigfeit unb Halbheit, bie mich in Seipgig an 
ben meiflen Senfcben abfüef, festen eS mir immer am Sicbtigfien, 
mir bie SArrne unb ©tdrfe meiner Sntpftnbung unb meines ©laubettS 
ju erhalten, ©o hob' ich fehr tnei nach augenbticKicben Sfmpulfen 
gehanbeft, unb eS ijt mir babei manches ©ute gelungen; aber was 
bem Äeben erfl feinen Sertb giebt, baS SRaafj, ben burchbacbten $lan, 
baS Kare $inauSfeben in bie gerne, hatte ich gar fehr aufjer Sicht 
gelaffen. Ss folf mit unfrern geben boeb nicht anberS fein wie mit 
einem ebten Äunfhnerfe: jeber ©tein mit 2B4rme unb geibenfehaft 
bearbeitet, jeber Stheil lebenbig, unb boch baS ©onje ruhig unb ge« 
orbnet, SllleS Sinem grofen 3werfe bienenb 1 ... Dafj DreSben Such 
fo wohl gefallen, hab’ ich erwartet. ®on Deutfehlanbs großen ©tdbten 
ijl SBerlin bie, wo ich am liebffen leben unb wirten michte, unb 
DreSben jene, wo fich am gieblichflen bie ßeit »erträumen läft*. geb’ 
wohl, grfifje recht hetjlich Deine liebe grau unb bewahre Dir baS 
©tuet, baS Du mit frifchem ©riffe auf Deinen Sagen gehoben hajl. 

Heinrich St 


900] 9fa bm State*. 

Lunchen, 26. Sai 61, 

ÜJlein lieber fügtet, 

... ich tomme jegt tüchtig in baS Arbeiten herein, unb bie Sftugc« 
fhmben werben fpdrtich. Darum tann ich Such auch nicht fo aus« 
f&hrfich wie ich wollte »on meiner herrlichen Keinen Steife ins JJweh* 
lanb erfühlen. 3lm J^immelfahrtStage war ich iu Senterfebweig — 
ber fch&nfie ©pajiergang hier in ber 9ldbe — unb fah bort von 
ber Sifenbahnbrurfe, bie in gewaltiger Jj&b« baS tiefeingefchnittene 
Sffarthal uberfpannt, bie Sllpenfette fo herrlich »or mir, baf ich ntich 
entfchlof baS ©lurf beim ©cbopfe ju nehmen unb bie beiden Stage 

i Such biefet £reitf<hfe oerttaut gebliebene ©«gleich einer wfttbigen Sebeniarbrit 
mit einem tftnglerifchen ©auwerfe flnbet geh ganj Ähnlich fchon bei Socthe im 
SSiilhelm Steiger. SB orte, bie auf ben jugenbUchen 6mg Surtiut, alt et ge bort 
3 trat crgenmal lat, ein« tirfm Sinbrud machten; „ge ergriffen mich fo*, fChreibt 
er an Sophie SBattenbach, „bag ge mir immerfort in ber Seele mibcrhallen, fo Rar 
fprcchen ge ba< aut, uai mir feit Idngerer 3eit in ber ©rag lag.* €. Surtiut, 
6in Sebentbilb in ©riefen. 2. Ä. 1,76. 3 ©gl. Jßigor. u. cgolit. rinffd^e 4,107. 

Deutfcge Sefcgicbte 8,fiQ8. 


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W«i 1861. 


153 


fogleic^ ju tauigen. 3<b ging nach 2Beßen, ba ich ba« grbßere 
£>ßerlanb im Hochfommet febn will. Kuf bet gäbet übet ben ©taten* 
berget ©ee, bet/ ein Söobenfee tm kleinen/ einige ©tunben not bem 
Hochgebirge liegt, unb bann auf einem Sttarfche burcb SRoor unb 
2Balb, jwifcfat Keinen Klpenfeeen ootbei, fatte ich -Jett mich an ben 
unbegteiflicben Mnblicf biefet noch big jum guße mit ©cbnee bebecften 
23erge ju gem&bnen. Kbenb« war ich am Äochelfee, bet im Dlotben 
noch in SWoor auOÜuft, im ©üben fcbon ben guß gewaltiger Klpen 
befpült. Km anbetn SSorgen übet einen ©ebtrgbfattel hinweg/ unb 
nun Jag bet berrtichße ©ee »or mir, ben ich je gefehen — bet SfBalcben* 
fet, tiefblaue« SBaffer, wohl fteben ©tunben im Umfang, boch faß 
((ein etfcgeinenb in biefet Ungeheuern Umgebung von ©ebirg«maffen. 
Dann weitet in« frihticbe Sanb Xptol. Doch woju Samen nennen? 
€6 iß eine oittig neue SBelt, bie« Hochgebirg. 3ebet Sergteich mit 
unfrern SWittelgebirge iß lächerlich, unb — ba« ©chbnße babei — 
eben beßbalb wirb man in ben Klpen nicht gleichgültig gegen bie 
milbertn Sfteige unfetet SJetge, fowenig wie bet Knblicf be« SDteere« 
un« abßumpft gegen ben Raubet eine« fronen gluffe«. Sautet meilen* 
weite 2bäler (nur feht feiten ein Sngpaß), weite glichen, oft »er* 
fumpft, oft mit ßattlichen Häfen bebecft, unb ring« umgeben »on 
fchwinbtlnben Jobben. Cf« iß ba« Unenbliche be« Saume«, ba« Spaßen« 
hafte, wa« ben £mtber biefer Sanbe bewirft. Die Keinen ßiflen 
©chinfa'ten be« SWittelgebirge« fehlen entwebet — fo giebt e« feine 
S3iche, bie im reinlichen IBette babinßießen, fonbetn ßatfe reißenbe 
glüffe, bie ein boppelt fo breite« 93ett »oll ©teingerbll neben ßch 
haben — obet man bemetft ße faum. ©o bin «h auf einem 
lOßünbigen Xagematfche an minbeßen« 7 gewaltigen SBafferfällen 
»orübergefommen, bie in jebet anbetn ©egenb »on kaufen ben befucht 
unb bewunbett werben würben. Kbet wa« will ein SBafferfall t>on 
300 guß bebeuten, wenn er at« ein fchmaler ©trabt an einet gelö* 
wanb oon oielen 1000 guß erfcheint? ©o wüte bie alte geße Cfbren* 
betg — bie berühmte Shtenbetget Älaufe — gewiß fchbn an febern 
anbetn Drte (ße liegt übet bet !£hatfoote etwa fo hoch wie bet Äänig* 
ßein übet bet Cflbe); aber hier erfcheint ße am guße be« SEonellet 1 , bet 
mit feinen ©cßneefelbem ße unenblich überragt. Darum bürft 3b* 
mich auch nicht nach Cfinjelfcbbnbeiten fragen: e« iß ba« ©anje, 


1 lid: S^aneHer* 


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154 


SKtti 1861. 


e6 finfc bi« ungeheuren Soffen, bie un6 b»« Dlnfang* grabeju et* 
fdjrecfen, bann unwiberfteljlicb feffeln. — ©a6 ©otf im ©ebirge tft 
herrlich/ unb rt thut mir in ber Seele weh/ wenn »<h benfe, welch« 
fchmdhliche ©efebichte bieö ©olf unter bairifcher JJertfchaft gehöht hot. 
Din bet ©rdnje geigt fich eine ähnliche, wenn ouch nicht ganj fo fcharfe, 
Scbeibung jweier nabverwanbter Stämme, wie an ber fd<hfifch s 
bhhmifchcn ©ränje. ©et Stproler ift lebhafter unb auf ben erften 
©lief liebenöwötbiget, aber auch noch weniger gebilbet, noch bigotter 
unb weniger juvetläffig unb arheitfam al6 ber ©aiet. gut ben 
Steifen ben ift* alfo in Stprot weit luftiger, unb ei wirb ©nem fchon 
ganj fommerlich ju Sutb«, wenn un6 flatt b«6 fchweren ©iereO 
ber feurige Sein von ©o§en frebenjt wirb. — Si waten 
5 Sage. Seitbem hob’ ich h*tr einen neuen Sinter verlebt, habe... 
einige ©iftten gemacht unb bin fleiffig unb nur ju viel adein ge* 
wefen. ©et tfichtigfte Senfcb, ben ich bi6h« in S. gebrochen, ift 
ein Saler Stefchenborjf, ein Schüler DWlotp’6» © war vor meiner 
$eit in ©onn granfone, unb ich benfe, wir werben un« noch oft 
fehen- 

Sit ben Äunfhverfen Sünden* werb’ ich allmälig wohl vertraut. 
3ch fann nur wieberholen: ben einjigen SBertb ber ©reObner ©atlerie 
lernt man erft hier fchägen; bie ©ilbbauerei bagegen ift nirgenbo in 
©eutfchlanb h«^licher vertreten wie in ber ©ipptotbef. — SOteine 
hiftorifchen Stubien bewegen ftch je§t auf einem febr wibrigen ©e* 
biete. — 3cb ftubtre ben CarlObaber Gongtef von 1819, unb ich wufj 
fagen: ein folcher an Sahnftnn ftreifenber ©rab von Slichtöwurbig* 
feit, wie er bamal$ in ben beutfehen Kabinetten h^rfchte, erflärt bie 
Revolution v. 3. 1848 von felber. Reue geheime ^rotocolle, bie 
Dlegibi aufgefunben hat, ftellen bat ©erhalten ber Kabinette in ein 
noch häßlichere« Sicht al« man bisher glaubte. — 

Seht Dille wohl. Seit 2 Stagen macht ber gtubling einen neuen 
Serfuch ju leben, hoffentlich ift auch ©><b bie Sonne gftnftig, unb 
3h« habt ben 23. 1 recht fröhlich in ©öhmen verlebt 

©ein treuer Sohn 

Jpeinricb 


1 $o<$jeit*tag ber filtern. 


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3um 1861. 


155 


801} 8* Wubolf jgapm. > 

SDtüncben, 11.3uni 61. 

4ta<bg<tbmr Sfrtxx, 

-3cb fabe meine Antwort wtjügm weit ich 3t>nen ju* 

gleich eine SWüncbner Somfponbetij fc^icfen wollte. 3$ tw&e leine 
abnung, ob @ie biefelbe werben Stauchen tonnen; jebenfott« (teile ich 
fte 3b««n gfinjlich jur ©erfügutig 1 . $u fcfjarf b«be ich ficher nicht 
gebrochen: e« ifl jegt feine fait V m ©ertufchen. SDtan folt in 
^reufen wiffen, wie oiet bet ©taot in ben legten «Konnten »ertoren 
M- ®lit treibt eO ba$ ©lut in bie äBongen, wenn ich biefe ©aiern 
über ^Jreufen reben b^re unb nicht mehr wiberfprechen fann. ©«bin 
finb wir gefommen baf wenn einer ^teufen« Flamen nennt ber 
anbre mit ben Flamen ^agfe unb Sicbboff antwortet. Unb fchrecf* 
lieh wie tief folche ©chmug* unb Älotfchgefchichten haften: fle geben 
bem ©ebanfenlofen ein fertige« Urtbeil in bie Jjanb unb fiberbeben 
»bn ber SRfibe ^Jreufen« ^olitif wirtlich ju fatbiren 1 . — Uebrigen« 
haben @ie feine jweite Sorrefponbenj von mir ju fürchten: ich mufj 
meine foflbare fait ernfllich benugen. ©agegen werb’ ich im 4>erbfl 
mein SBort holten unb 3bnen eine größere abbanbtung fehiefen, bie 
in meine arbett einfehlfigt. ©ehr wichtig wirb aegibi’6 ©udj>: er be= 
nugt fegt ©erliner geheime Rapiere. 3n feinem Programme „au* 
b. 3. 1819" lefen @ie ja bie SRegifhranbe fiber bie ©unbrttagbfigung, 
worin man bie Äartöbaber ©efchlfiffe annabm. Sinen folchen Stottern 

i giftet, u. $olit. $uffü$e 4,70—82. 8 8m ß. gjjai war ber folipioberft 

$a$fe in ©etlin von feinem 8mte fu«penbiert worben, nachbem bai ©tabtgeriebt 
bie ©ornnterfuchung gegen ihn wegen Teilnahme an ffülfchung unb ©einig (in 
9oIi)eivenoa(tungtgrf(bAften) bcfcfjloffen hotte. Sr floh, würbe ftcdbrieftich verfolgt 
unb in Cpftabt in Schweben verhaftet. ®er Schriftfleller SBilheint Sicbh«ff hotte 
in Horrefponbetyen für Hinte« tonboner SBochenfchrift „J£> ermann* (vgL o. S. 26), 
bann, 1860 in eignen ©rofehüren bie ©erliner tpolijei angegriffen; fie bedten wirf: 
Ii<he ©tifttünbe auf, fho$ten aber zugleich von verleumberifchen ©eteibigungen. 
gu ©efdngni« verurteilt, flüchtete er nach Bonbon unb fehiefte von bort 1861 mit 
gefch&rftem ©crleumbunggeifer jwei weitere „Serien* biefer „©erliner $olijeü 
Silhouetten* nach ©eutfchlanb. Jgrfer erfchien in Seipjig eine, aUbalb fonftSjirrte, 
Schrift: „8u< bem ©erliner ©e(i|eiprüfibium* (mit iahtet ffiilb), unb bie National: 
jeitung, bie ba8 am 24. ©toi mitteilte, fchrieb Sagt barouf: „©ei bem Urteil, bal 
fich auf Snmb fo augenfcheinlicher unb fchlagenber Entfachen überall über ben 
prenf. Staat feflfrbt, noch gegen bie SBüqburger 3ntriguen unb bergleichen anju; 
tümpfen, ifl viQig verlorene ©tühe geworben.* ©ttmard aber fehlte ipahfe unb 
wo< mit ihm bamatt enthüllt würbe (f. Jgapm, Stander S. 222f.) politifch ebenfo 
ein wie ben ©tacbonalb^onbel (o. S. 110 8.). 


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156 


3um 1861. 


fbnig von Sügen hob* id) felbfl am SunbeOtage nicht fit mbgticb 
gehalten. 

3$ lebe jiemlicb fKlt unb einfam unb benfe baran, wenn eO 
meine Arbeit irgenb erlaubt, f$on im Jjterbfl nach Seipjig jururfjus 
febren. ©ie ftnb ein guter Prophet getvefen: bie lebenbige SRittbeilung 
burcb baö 2Bort tf auch mir jum Sebürfnif geworben. Jubem weif 
i<b, baf icb unter ben 36pfen £eipjig« an ber regten ©teile binj ei 
wäre ein gute# 2Berf bort einmal ©efcbicbte brt Deutfcben Sunbe« 
vorjutragen. — 

Die ©tabt gefällt mir reebt gut. Sine gabrt in bie Serge hob’ 
icb mir nicht verfagen fünnen. Qi waren ein paar beliebe beife 
8Banbertage in ben 9lpen, wo ber grübling eben erf erwachte unb 
von allen gelotvänben bie ©iefbäcbe raufebten. 916 icb bei $oben« 
febwangau wieber in bie Sbne trat, ging ein bitfer 9lebel wie ein 
Sorbang nieber, a(« wollte mir ber Fimmel recht beutlicb jeigen, 
baf 9He« nur ein fcbineO ©cbaufpiel war. Damals fühlte icb mich 
auch jum erjlen SRale fbolj ein Äurfatbfe §u fein — an ber Sbrenberger 
Älaufe nämlich. J^<»t man ben Sngpaf fo leibhaftig vor 9ugen, 
fo tbut ei Sinern noch einmal fo leib, baf unfer 3Rori§ ben fpanifeben 
ätarl nicht gefangen bot 1 . . . 

Ueber Serlin bürte ich gern ein unbefangne« SBort: bie Leitung«* 
berichte ftnb fo entfefclicb verbittert, baf ich mich nicht barauf ver* 
laffen mag. Da« grofte Unglücf bleibt boeb, baf ba« J^errenbou« 
lieh eine neue ©algenfrifl erobert bot*. Diefer Snfütution gegenüber 
bin ich grunbfä$licb ^effimifl*. 

SRit aufrichtiger Serebrung 

3br ergebender 

Üreitfcple 


302] 9n btn Stet«. 

2Rün<ben, 16/6. 61. 
Sarerfh. 15. 

üOlein Heber SSoter, 

. . . 9Rir gebt e« wenn auch nicht allju angenehm boeb ganj 
leiblich. 3<b fomme wenigften« etwa« mehr unter SRenfcben unb 
wohne febr bübfeh in £ü$ow« früherer Sebaufung. ffier hier „über 

i 1362. 3 tanh fein« mMt<ht 9nn*bmt brt @runbftcti«g<ft«rt. 8 3*bn 

3ab« X>eutfib« Mmfff. 2. 9. 6.887 ff. 


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3uni 186L 


167 


brei ©tiegen" wohnt, fieht au« fernen genflem jiemlich ebenfoweit 
wie Sama von ben ihren. Sfch ^abe bie ©Ippto» unb Pinafothefen 
jwifchen Räumen verfielt grabe vor mir unb überblicfe meilenweit 
bie 3far»Soofe. Sir gegenüber liegt, von Seinlaub umfponnen, bie 
93tCTo von wedanb Sota Sontej, ba« ganje Jj>au« ein ©chmucf» 
täfhhen, fo jierlich unb (eitnlic$ wie ein verliebter KJntg fich« nur 
wunfchen fann 1 . Eine fülle vornehme SBorflabtflrafe; nur in ben 
©tunben wo bie Kunflfammlungett gebffnet finb, jiehen ©(haaren von 
Englänbern ginburch; ein „Süncgener Kinbl", eine* von ben bieten 
Säbchen mit lacgenben Pugen unb weifen Bahnen, ba« golbgefütfte 
SRiegelgäubchen auf bem Kopfe, verirrt fleh feiten h»«h«t» — £ie 
legten Soeben brachten ben Pfaffen gute Zage. Pdtäglicb Procefftonen 
ju Egten ber Saria, ber biefe Sr&^ling^jeit geweiht ifl, unb man 
hat reblich bafür geforgt ba« SBolf bafür ju interefftten. 3n febem 
Slltbaiern fleeft etwa« vom Sehniger unb Sater; ba« fflolf ifl offen» 
bar wenig begabt ju rafegem Serffegen, bie ©ewerbc finb in einer 
Seife primitiv, wie 3gr e« im inbufürteden ©achfen faum glaubt: 
unb bie natürliche ©cgwerfädigleit be* Soff« wirb noch verflärft 
burch ben -Junftjopf: lauter „reale" ©egufler unb ©chneiber, bie ihr 
Privilegium ju Zaufenben von ©ulben verlaufen. Um fo auffälliger, 
wie auOgebilbet ade jene ©ewerbe finb, bie mit ber Kunfl jufammen» 
hängen: ba« Soff hot einen fehr lebenbigen ©inn für gorm unb 
garbe, unb wie trefflich weif ber Eleru« bie« ju benugen. Äder 
Pugenblicfe ein neue« ©emälbe, eine neue Kanjel, bie Erbffnung einer 
neuen ober bie $erftedung einer alten Kirche: ba« finb hier }u lanbe 
gar gewaltige Sittel ben fatholifchen ©eifl tebenbig ju galten. J^ält 
man eine Proceffion, fo werben auch ben Saien bie prunfenben fireg* 
liehen ©ewänber umgehangen, unb folch ein fchmeerbäuchiger fegnutr* 
bärtiger ©cgloffergeftd weif fich etwa« barauf wenn er im golb* 
gefücften Egorrocf, bie Kirchenfahne in ber #anb burch bie ©trafen 
ffoljirt. geh bin nicht unempfänglich für ben fRetj biefe« färben» 
reichen heben«; aber am (egten Enbe bleibt mir dlicgt« al« eine 
gränjenlofe Erbitterung gegen bie« raffinirte Zreiben, ba« ba« bumme 
Soff vodtommen in bie #änbe be« Eleru« giebt. Unb teiber ifl bie 
Sacht ber Ultramontanen nur im SRücfjuge, aber feine«weg« ge» 
brochen. ©et #of ifl nicht ultramontan, wie feine getnbe fagen, — 


* Geftgitgtc 6,660. 


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158 


3nai 1861. 


fchon baß Saiern nur proteßantifche Königinnen gehabt bot fprüht 
bagegen — aber er bot auch ni(bt ben 9Ruth ßch bem ginftuffe ber 
Ultramontanen ju entziehen. Soeben hoben fie wieber einen großen 
Striumph gefeiert. J^einr. x». Spbel, ber oerbaßte „S*embe", b. b* 
SRbeinldnber, muß fort — ein fchwerer Schlag, benn er war ni(bt 
nur ber bebeutenbße ©elehrte, ben SRünchen befaß, fonbem mit feinem 
feinen getoanbten SBefen auch ganj baju angetbon bie hößfchen Kretfe 
für liberale 3beeen ju gewinnen. Kaum börte man, baß man in 
®onn baran benfe ibn ju berufen, fo begann in allen ultramontanen 
SSlöttern ein Sturm; unb 3b* im ptoteßantifchen Deutfchlanb wißt 
gar nicht waö boObofteO gemeine« Schmdben iß. Da« lernt man 
erß au« ben Kapujinerbldttchen: fo meinte neulich ber IBolftbote, e« 
fei beffer, #olßein werbe gonj bdnifch a(« baß e« unter preußifcbem 
Schube ftebe. Da b«£ eö: jegt wirb ßch« wieber {eigen, baß bie 
Sremben in SSaiern berrfeben, jegt wirb man ben fremben ^rofeffor 
wegen feiner 33erbienße um Preußen in ©aiern feßgalten. 9(1« ber 
SÄuf fOrn, erfldrte Spbel bem Könige, er fei gefonnen ju bleiben, 
wenn ibm S. 9)1. burch irgenbwelche« Reichen ber Elnerfennung be* 
weife, baß ber JJ>of biefe Seftnnungen gegen ihn nicht tbeile. Darauf 
erfolgte ein abfcgldgiger SBefcgeib, weil man ber Stimme „be« SJolf«" 
nicht fo entfehieben entgegentreten fönne. So mächtig alfo ßnb bie 
Ultramontanen noch, baß ße ihre Meinung für bie Stimme be« 
©olf« au«geben fönnen! . . . 

ÖBie lang ich noch hü* bleibe? SÄuf jeben Sott werbe ich für ben 
9Binter*Settion«fatalog meine Slnjeige nach Eeipjig fegiefen; boch liegt 
noch fo ungeheuer ©iet »or mir, baß ich beßen Soll« fchwerlich »or 
9leufahr nach E. werbe fommen fönnen. Uebrigen« hobt feine 9fngß, 
baß ich mich überarbeite. 3<h gehe altabenblicb ein Stünbcgen au«, 
fchon barum, weit ba« SBiertrinfen — e« iß mein bittrer 6rnß — 
hier wirflich eine ctimatifche SRotgwenbigfeit iß. 

J^an« 3bele« in Eonbon von 3ohonna Kinfel müßt 3ht lefen. Die 
Eöfung iß nicht glücflich erfunben, aber ber lieben«würbige €borafter 
ber ©erfafferin muß 3eben feffeln. 

6inen recht frohen Sommer. 3<h hoffe, SRama wirb fchon jegt 
bie fchönen Stage genügen; ich werbe müh bi« )um Eluguß gebulben. 

SDlit taufenb ©rüßen 

Heinrich 


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3**i 1861. 


159 


808] Vn ©Atomen 

4>o<hgeehrter $err, 


9Rimkert, 23. 3uni 61* 


haben ©« aufrichtigen Ban! für 3h«tt freunblichen Söcicf. 3ebes 
gute 8Bort thut mir jefct breifach gut/ benn wenn @ie über 3h<* 
Sinfamfeit flogen/ was foll ich fagen, ber ich oft halbe SBocßen 
lang ben SDtunb nur 6ffne um bem Äellner bie 2Bimfche meines 
?eichnam8 vorjutragen? Sine faum begonnene ©efanntfchaft/Cnit 
einigen Siteraten (hfl ftch roieber, wie es fchetnt, weil man mir meine 
fegerifchen dftyetifcben Urtheile in ben pr. 3ahrbb. nicht »ergeben 
fann. Boch glauben ©ie nicht/ ich wollte flogen. £6 iff vielleicht 
recht gut ftch einmal füll auf (ich felber ju befinnen, unb Arbeit 
finb’ ich )a im Ueberfluß . . . ©iS SBeihnachten bleib’ ich fieser 
noch hict« Bann werbe ich wo möglich nach Seipjig jurüeffehren, 
um 1*/j ©emefler lang ©efdjichte beS beutfehen ©unbeS vorjutragen: 
ba JJ>r o. galfenfietn mich in ber Kammer gnäbiglich belobt hat 1 / 
fo tonn ich fa mit »erboppelter ©chamlofigfeit auftreten. 3<h 6 ei 
flehe/ ich f<hne mich bann unb wann nach ber lebenbigen Siebe; bieS 
©überleben entfrembet uns boch gar fehr ber 9latur. Slbet noch 
lauter fagt mir mein ©efühf, baß eine £eit wie bie gegenwärtige an 
3eben bie Pflicht jlellt, auch für ben Slugenblicf ju wirfen; unb ich 
thue bieS am ©eflen, wenn ich meinen ©tubenten recht ehrlich er* 
fläre, worin bie ©chanbe beS beutfehen ©unbeSlebenS befielt. 3h* 
Unternehmen/ geehrter #err, wirb barunter nicht leiben/ benn ich fann 
nicht an bie Barffellung benfen, bevor ich nicht burch ©orlefungen 
eine ©tuppirung beS ©toffs gewonnen habe. 8Bie unuberfehbar 
biefer fei/ baS ijl mir fegt erft flar geworben. 9loch baju vermehrt 
er ftch fortwährend Slegibi hat in ben h»nter(affenen papieren eines 
fleinflaatlichen (Befanden unerhörte Sluffcbluffe über bie JlartSbaber 
Äonferenjen gefunben; eine Slnjeige barüber von mir wirb näthffenS 
baS Sentralblatt bringen*. 3e|t hat Sie. burch SluerSwalb fogar Sin* 
ficht erhalten in bie geheimen Berichte beS ©rafen ©ernjtorff an ben 
Ähnigt — natürlich ganj insgeheim, benn baS SHtmflerium Schwerin 
müßte ja feinen flillvergnügten ©harafter verleugnen, wenn bie äßett 
erführe, tvie liberal bie Herren im ©tillen benfen . . . 2Bie ©aiem 
nach furjem liberalen Sluffchwunge wieber in baS alte Slenb jurücf* 
fällt, wijfen ©ie aus ben Leitungen. ©pbelS galt ijl nicht 2Berf ber 
1 ©ebiemann @.178. * $iftor. u. $olit. SuffAfce 4^44 ff. 


I 


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160 


3nK 1861. 


Ulttamontanen, fonbetn «ne Denffcbtift von 0. über bie Striai bat bai 
fouverdne ©elbftgefübl beiJWnigi beleibigt *. Sin »abrei ©lücf, baf 
bie 8Bitteli[bacbet, bie von] 1 offen unfren angeflaramten gürflenbdufetn 
am gefleffen (leben, ftcb je§t butcb Jjjeiratben mit ben SJourboni 
fpflematifcb berunterbringen. (Sie finb bereiti fo »eit, baf man bie 
0tumme von ^ortici verboten bot! — fflon 3brem Xoafte auf ^rn 
v. Seufl bobe icb mit aufrichtigem fDHtleibe gelefen; ein fotcbei Un* 
glücf ifl ja fafl eben fo fdjUmm tvie ein 211bte<bti*£>rben. Uebev ben 
©rtmm bei ©cbriftfleflervereini »erben @ie 0i<b hoffentlich triften; 
biefe Sippe fann in ber 5Cbat bai 2Bort Staffepranbi umfebren unb 
von fub fagen: ei ifl no<b nie 3emanbem fcblecbt ergangen, ben »ir 
»erlaffen hoben ... Die @tabt gefdfft mir noch immer; vellenbi 
feit i(b ju $fmgflen jum erflen üRate bie 9ffpen fab, bin i<b boppelt 
frob, baf ich mieb hierher gewenbet. — Die beflen SBünfcbe unb 
@rufe 

von 3brem ergebenen 

[Switfcbfc]* 


304] Vn 3»Iiul ÄI«. 

SWüncben, 2. 3u(i 61. 

©eefrter $ert SXector, 

. . . (Sie f<bin wdre ei, finnte i(b mal wieber, wie Sie ju fagen 
pflegen, mit Sfönen confabuliren. Sin gar fo einfamei Xeben botte 
i<b für mich in SRüncben bo<b niebt erwartet. 0o bin icb ganj von 
felbfl barauf gefommen, etwai über mich nacbjubenfen — natürlich 
nicht ju grübeln; über biefe Schwachheit bin icb b»naui. Unb 3bn«t 
barf icbi »ob! fagen, baf bai ffaeit mich nicht jufrieben flefft Die 
ädlte, bie ©lafirtb«t, bai 93ergeffen bei Unvergeflieben, bai Srtragen 
bei Unerträglichen — bai war ei, »ai mich biiber — unb ju affer* 
meifl in Seipgig — an ber SJRebtjabl meiner SBefannten abflief, unb 
fo (am ich febon bureb ben ©egenfaf babin, baf ich bie SSBdrme ber 
Smpfinbung, ben flarfen natürlichen ^Vulifcblag ber Seibenfchaft für 
bai (bfHicbfle @ut bei SOlannei hielt. 0o höbe ich viel ju febr nach 
augenblicflicben Smpulfen gebanbelt, unb erfl je§t begreife ich recht 
dar, baf bie Selbftbeberrfchung bie warme £eibenfchaft bdnbigen, baf 
ein (larer $tan bie wecbfelnben Smpftnbungen jufammenfaffen foff. 

1 ®gl. SBatmtfrapp in ». &pbtl, SBortrAgt n. äbbonbfungm* 1897, 0..104. 

2 3n b« #bf<bft. »«ggefönitten. 


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3uli 1861. 


161 


3d> bin fein Hopfbdnget unb tc^> barf mir fügen, baß ich oft recht 
gehanbelt unb gerebet hübe, auch wenn ich nur bem nochging, waö 
mir im Slugenblicfe Hopf unb JJ>etj bewegte. Sttber wa$ auöbauem« 
ber gleiß bebeutet, ber nicht fchon morgen ouf bem Hütheber ober in 
einigen Soeben in ber Drueferet feine grüßte ju drnten hoffen barf: 

— ba8 fotf ich erff je$t lernen. 3ch weiß weht wohl, bie fWtige 
freubige Stimmung ber Seele, jene« „holbe ©leichmaß ber Smp* 
ftnbung", ba8 ben fertigen ÜRenfchen mocht, werbe ich nie völlig 
erreichen, fchon borum nicht, weil mich mein Seiben oft »erffimmt 
unb weil ich bem Umgang mit grauen beinnh ganj entfagen muß. . 
(Schelten Sie hier nicht, baß ich ju fchwarj fehe; eP giebt einmol 
natürliche Schranfen, bie fich nicht uberfprtngen loffen.) Slber gleich* 
müßiger, maß* unb planvoller alP biPher muß mein Sehen boch werben. 
Dap hob* ich in biefen füllen Soeben allmdlig begriffen; unb wie 
eP ju gehen pflegt, eine fittliche Sührheit, bie man an fieß felbff er« 
lebt unb erfennt, öffnet Sinem bie 9(ugen noch für toufenb anbre 
Singe. So iff mir erft jefct ber Sinn aufgegangen für ben $lan, 
bie Totalität eine« HunftwertP. 9118 ich neulich ben tyrinjen von 
Homburg jut J^anb nahm, erfchraf ich grabeju, wie blöbe ich immer 
nur auf Sin jetbeiten gefehen, bie mich erfreuten ober abffießen, unb 
wie ich babei ben beließen Sau beP ©anjen fo blinb überfeßen hatte. 
Seitbcm hob’ ich auch etff oerffanben, worin bie wahre Sebeutung 
ber Seffingfcßen Dramen liegt. (Run fonnte ich bie Smilia ©alotti 
mit ©enuß lefen (ba8 Stücf war mir immer wiberwdrtig mit feiner 
nüchternen Soral unb feinem abfcheulichen Schluffe) unb hatte meine 
greube bie feinen gdben bet Setwicflung ju »erfolgen, (JJaben Sie 
wohl bemerft, baf biefer Schlaufopf SWartnelli eine ganje SReibe 
bummer Streiche begeht, »iel mehr al8 felbfl bem Deufel erlaubt iff, 
ber freilich am lebten Snbe immer ein bummer Deufel fein fotl? 
Unb boch iff 9l(feö fo glücflicß bargeffellt, baf wir immer ben größten 
SRefpect »or bem burchtriebnen SRenfcßen behalten.) #iet in SR. 
»oUenbO hob’ ich überflüfftg ©etegenßeit, bie Hunfl »on biefer Seite 
anjufehn. Die Haulbacßfcßt Hunfl mit ihrer SRaffe geiffreicher Sin* 
fülle, bie boch nie ein ©anjeP giebt, iff mit recht juwibet geworben; 
unb an biefem Siberfpiete empfinbe ich weht bie ganje @rofe ber 
Serie in ber ©Ibptotßef, ber 9lntifen fowoht wie ber trojanifchen 
Silber »on GSorneliup. Doch genug. Da8 Hurje unb Sange ba»on 
iff ja nur biefeP: ich fange an ju begreifen, waö $lan unb Dehnung 
n. 11 


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3uK 1861. 


im Sehen unb in bet Äunff bebeutet. 3ch höbe hi«« Stemanben, mit 
bem ich ein aufrichtige^ SBort reben lännte; fo hat benn meinen 
lieben Sekret bat Sttffgefchitl getroffen/ baff ich ihm alle biefe jungen 
©ebanlen »orgetragen habe. 

Der Aufenthalt in biefer ©tobt, bie brei Sahrhunberte neben ein* 
anber beherbergt/ ift mir fehr lehrreich. 91m Steiften freut mich/ bafj 
ich bat Soll fo riet liebentwürbiger unb gefcheibter gefunben, alt ich 
glaubte. St bebarf wahrlich nur ber peit unb einer halbwegt »er* 
ffänbigen Behanblung »on ©eiten ber Sorbbeutfchen, um bie Saiem 
gut beutfch ju machen, freilich/ lommt bie beutfche Bewegung, wie 
ich hoff«/ über Sacht, bann wirb fte hi«* bie ©tätte noch nicht be* 
reitet finben unb einen hotten ©traufj mit bem patriarcholifchen 
Sarticularitmut unb ber bobenlofen ©emeinheit ber Uftramontanen 
ju befhhen hoben. 3njwifchen lebt ficht hi«t gor harmlot unb bc* 
haglich, ich freilich nicht, benn mir fehlt ein täglicher Umgang ganj, 
unb auch out ben übrigen Belanntfchaften wirb fchwerlich »iel werben: 
ich bin politifch ju fehr S*«ufje unb äffhetifch ju fahr Äefjer alt bafj 
ich in ben bicflgen Xiteratenfreifen wohl aufgenommen werben lännte. 
Son Berühmtheiten tenne ich befonbert Sluntfchli, ber mir wenig, 
unb ©pbel, ber mir ganj aufjerorbentlich gefallen hot 1 . — Sächffen 
Stonat foll et in bie Al|>en gehn: ein Heiner Hutffug ju tyffmgffen 
nach 2Beffcn hat mir unenbliche Suff gemacht bat ffhünere Cfferlanb 
unb ©aljburg ju fehn. 

2Rit ber beutfdjen ©efchichte hob’ ich «ine ungeheure Saff übernommen. 
Dat fKaterial iff wahrhoft unüberfehlich, unb um bat Sfahrhunbert 
ber SRaffenbewegungen unb bat Soll ber Denier unb Sefer ju be* 
greifen, iff ein ©tubium auch ber philofophffch«” unb äffhetifchen 
Literatur nothwenbig, bat mich noch fehr lange aufhalten wirb. Hugen* 
blicflich ffubire ich Seben unb ©chriften bet alten ^>ant ©agem, unb 
et wirb mir baraut erfchrectenb Har, baff et für unfre ^olitiler gar 
leine gräfjere ©ünbe giebt, alt bat fanguinifche «hoffen, bat gut* 
müthige Sertrauen. 3<h fage bat ohne alle Sitterleit Die ©egen* 
fäge unfret Solltlebent finb einmal fchlechterbingt unoerfähnlich5 et 
fragt ftch ob biefe Sation ejriffiren foll ober oh unfre Keinen Det« 


1 8m feiben Zage fchreibt Seeitfchfe Ober Spbel an J^trgct: «Aon hotte nie einen 
fühlen vornehmen £erm gefcbilbert, unb ich fanb einen muntren beglichen 9theim 
linber, ber mit einer riKff«hrtIofen Schroffheit, bie mir unenblicb wohl that, Ober 
bairifche unb f&<bfif<be ®taott»ei«h«t fi<h au8fpta<h.* 


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3uli 1861. 


163 


t 


poten unter ben pumanften gormen bie Station vernieten follen. 3« 
folgern Äampfe ijt jebe ©erfbpnung unmöglich, unb nicpt witflicpe 
©gurten, fonbern folcpe gutmötpige palbfcplicptige Seute wie ber alte 
Gktgem ober bie heutigen preußifcpen üRinifter — fie finb e«, bie un6 
mitten in6 Serberben perein reiten. SDtit jebem ©cpritte, ben icp 
weiter tpue, wirb mir biefe äuffaffung ber beutfcpen ©unbe«gefcpicpte 
flarer, unb icp w&nfcpe mir nur ©ne«, baß icp mich oom Sfel nicpt 
bewältigen (affe unb ba« äuge offen bepalte für bie trog allebem 
ungeheuren gertfcpritte, bie ber @eniu« unfreo ©olf« in biefem palben 
3aprp. gemacpt pafc — 

@ept eö irgenb an/ fo femrn’ icp ju Steujapr nacp Seipjig unb 
lefe 1 Vj ©emeffer lang @efcp. be6 beutfcpen Sunbe« . . . 

Sehen ©ie wopl, lieber Jperr Stector. Senn ©ie nicpt eine Serien* 
reife nacp ©aiern fuprt, bann fcpreiben ©ie mir bocp ja. ©ie möffen 
au6 biefem Briefe fepen, welcpe große greube ©ie mir bamit bereiten. 
Sit ben heften S&nfcpen 

3pr alter ©cp&ler 

ftreitfcpfe. 


806] Kn jpugo 

SR&ncpen, 8.3uli 61. 

SitPev £ugo, 

Deinen ©rief fcpirfte mir S&gow au6 feiner ©cpwabinger Siebe«* 
©nfamfeit jugleicp mit einem Schreiben von meinem alten greiburger 
greunbe Stoff/ ber mir von feiner Jpocpjeit etjäplte. @o jog benn 
bie liebe Siebe gleich in pedem Raufen in meine füllen Sänbe ein/ 
unb Du wirft begreifen/ icp bin ganj unb gar nicpt in ber ©timmung 
Dicp wegen Deiner Sage ju bebauem. Sem ein @türf bet Jj^etjen6, 
wie e6 au« Deinem ©riefe fpritpt, fo frfip ju £ped geworben/ bem 
fann ba« Sarten nicpt adju fcp wer werben. 3<P benfe, Du emp* 
ßnbeft beutlicper al« icp« au« Deinen Stilen erratpen fann/ wie viel 
flarer unb ficpret Dein Sollen unb ©npfinben geworben ift ©o 
fann icp Dir nur meine perjlicpe freubige Zpeilnapme au«fprecpen — 
unb muß jufepn, wie icp« ertrage/ baß icp vermutplicp niemal« 
Deinem guten ©eifpiele folgen werbe. €« ift bocp fO/ e« gepbrt jum 
parmonifcpen SOtenfcpen, baß er bie volle ©efriebigung be« Dafein« 
wenigften« einmal empfunben pabe, unb wem bie« oerfagt blieb, ber 
muß jufrieben fein wenn e« ipm gelingt bie Surfe in feiner ©eele 
vor ber Seit ju »erberfen. — Du fragjt nacp meinem fDt&ncpener 

li* 


I 


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164 


3*li 1861. 


Xreiben. Wun, ich bin in eine abfolute Sinfamfeit ^ereingefommen, 
wie ich fie feit meinem erften ?eipjiger ©emefier nicht mehr fannte, 
aber ©otttob, ich finbe mich barein, benn ich ^abe IBiele« unb Schwere« 
ju arbeiten, unb bie ©tabt bietet mir bet neuen Sinbrücfe fo niete, 
bafj icb wohl jeitweife ben menfchlichen Umgang entbehren fann ... 
(Sin SPtaler Xefchenborff, alter granfone vor meiner «Jeit, ©chfiler 
(J)ilott)’«, ift mein tiebfter, teibcr fettner Umgang. 3tudj ©pbel hob’ 
ich befugt; er unb Sllbrecht ftnb bie einigen alten ©eiehrten, bie mir 
perf&nlich vollfommen gefallen ^aben: ein $errli<$er «Wann unb 
ein unerfe$licher IBerluft für «Dt. — SOfit ben literariföen Äreifen 
fann ich mich nicht recht bcfreunben: bie Seute ftnb politifch fo 
apathifchs unb mir jucft ba« beutfche (Stenb in allen ©liebem; auch 
bin ich fifth«tifch auf ganj anbero fflegen. Sich nerfenne ba6 ©chbne 
in ©eibel« unb J&epfe« Schriften nicht, aber ich ftnbe ju wenig Sr« 
lebte«, ju wenig non bem ^ulöfcplage unfrer «Jett barin; fo bleib’ ich 
ber ganjen Dichtung fremb unb bin wohl bann unb wann ungerecht 

gegen ft«. SWit einem ©enoffen ^et)fe’6, Demctriu« J&opfen (iff ba« 

nicht «in ^crrli<h»er Warne für ein «Wunchner Äinbt? h«Uenifirte6 SJier* 
fafj!) bin ich gut befannt. Stber im ©anjen ift« ein fehr fülle« 

Sehen am ©chreibpulte, unb oft fehne ich mich nach bem ©egen be« 

(ebenbigen 2Bortö . . . «Weine Arbeit ift unfiberfehbar grof; ftcher 
fomme ich über« 3ahr einmal ju Dir unb nergrabe mich in Suter 

©ibliothef- 1 2Baö ich wn ber «Wfinchner Stimmung benfe 

hob’ ich in ben prfj. Sahrbb. gefagt — natfirlich ift bie«, wie alle 
meine Beiträge gemilbert worben 1 . <S« ift ein h«iUo« phlegmatifcher 
$articulari«mu« hi«« S u «$aufe, aber meine lieben Slltbaiem finb tro§* 
bem prächtige Äetle, pwerläfftg, freunblich, g«funb, unb erfüllt von 
einer naiven greube an ber Äunfl, bie mich r&hrt, wenn ich fte am 
gemeinen SOtanne bemerk. — <S« gilbe noch taufenberlei ju fagen, 
aber ich will in ber ^inafothef ben ©abbath feiern . . . ©rufe 
«Wangolbt unb gren«borff. 

Dein 

D. 


l 8ui biffer «bittet ftcb Zreitfchfe junichft von bem freunbe eine 8 njabl in iWMmcben 
nieft «h&idich« Schriften £an< von @agem<, ba « bitfen „efjttvörbigen Son-- 
fufionirath", b« im bnitfehen ©unbe „bie traurige (Rolle be« ^»offnungtvoDen* 
fpiete, jum ©egenftanb einet ÄuffageJ für bie (pteufj. 3afjrbb. gerodhlt höbe. 
3 „erheblich", fegt Zreitfcgfe halb barauf, an ScheUfe fchreibenb ftinju, unb ba« 
gleiche bemerft « autbrüeflieb noch von bem Äuffage Ab« „bie Jteihek*. 


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3«U 1861. 


166 


-SRetmer ßhütte mir neulich gum lohn für meinen grei* 

beittartifel bie ©ehr: S^rifiian @erman, bcr £eitgeiß unb bie 
Hirehe 1 . 2ie* fle ja. Ungelen fe gorm, aber gute febr freifinnige ®e* 
banfen, für mich noch nicht rabifal genug. 

306] 8n bie Mutter. 

«Nünchen, 14. 3ufi 61. 

€6 ifl eine ßhlechte Schmeichelei, meine liebe SDtama, aber ich will 
ehrlich fein unb gefielen: ich fomrne foeben von einem weiten ©pagier* 
gange gurücf, bem erßen nach vielen Soeben, unb bin gu mute um 
ba* ©tünbcben bi* SRitternacbt gur Arbeit gu verwenben. @o will 
ich* verplaubem, unb i<b benfe, bie Erinnerung an Dich wirb mich 
wach erhalten 3 , ©ehr großen Dan! für Deinen Sörief, Du weißt 
gar nicht, wie fr ob ein folcber feltner @aß mich macht. Er bol fi<h 
gefreugt mit ber ©enbung ber preuß. Sabrbucber, unb i<b bitte Euch 
ba* J&eft aufgubeben: e* ifl ba* eingige Ejremplar ba* i<b noch beßße, 
unb icb m&cbte ben 2luffaß nicht gern vertieren, gür Dieb flebt frei« 
ti<b gu viel ^oliti! barin/ aber Einigem barau* wirb Dieb boeb inter* 
effiren; Du wirfl gefeben höben, baß e* mit meinem Unglauben fo 
fcblimm nicht flebt, baß vielmehr bie cbrifllicbfle ber Xugenben, bie 
Dulbung, recht eigentlich mein 3beal bilbet. Ueber bie* Sterna, bie 
greibeit, febreibe ich in gehn fahren ßcherlich ein Such: bie Aufgabe 
ifl gu reigenb unb paßt auch gang für meine ©tubien. SBorberbanb 
ifl teiber an biefen ßbonen $lan noch nicht gu benfen. Die einmal 
übernommene Arbeit wirb mir noch jahrelang gu febaffen machen; 
vor SBcibnachten fomme ich feinenfall* fort, unb ich fürchte fafl, 
baß ich boeb noch bi* gu jDßem werbe bleiben muffen. Die Arbeit 
macht mich immer trauriger, je mehr ich ße forbere — benn e* iß 
entfeßlieb wie man unfer 5Bol? mißbanbelt bat, unb bcr eingige Droß 
liegt barin, baß bie SRation troß allebem fortgefchritten iß unb fort* 
ßbreitet; ße iß nicht tobt gu machen. 2lucb ba* geben iß nicht attgu 
angenehm. 21 ber e* gilt au*gubarren, unb allmilig gewübne ich müh 
auch an ba* einfame Dreiben. v. ©pbel habe ich ingwifchen fennen 

1 ©erlitt 1861* * Dtefer ©rief faab bie ©tntter nk$r mtfyc am Sehen, fle fiarb 

am 15. 3uli 9benb*» 3tyren ©of)n {Rainer ber grabe |u ©eginn ber 

Sommerferien an ben Sptyblattem erfranft mar nnb einfam im grofen Drrtbener 
Äabrttenfcau* lag, batte fle fi<$ felbet bie in wenigen tragen für pe rbtfidf geworbene 
Aranfyeit jugejegen. 


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166 


3 »r« i86i. 


gelernt; er ifl Älter al* ich bockte, fdjon grau, (annte mich bereiw 
burch beit SRuf uttb nahm mtd> fehr hetjlich auf . . . Hu cf) einige 
anbre Sefanntfchaften finben fich nach unb nach. — 

Dem Üropf banP id? herjlith für feinen Sörief unb wänfche ihm 
baf bie gleifchtöpfe ber $efhmg unb ein lufHger Sludflug feinen Seich* 
nant ju anflänbigem — wenn auch nicht bairifchem — Umfange 
anfchwellen unb feine Nafe wieber auf ein menfchliche* Waaf jurucf* 
führen mögen. Da< ifl boch bie leibhaftige Warna: fonfl fommt fte 
bad ganje 3<>hr nicht herunter, unb fobatb ber Schlingel im Sette 
liegt, reifl fte aller Slugenblicfe nach Dredben. Unb non Deinem 
ilteflen muft Du wenigflend bad Silb hoben? 3ch werbe ed ftcher* 
lieh beforgen, liebe Wutter, obwohl ich flnbe, baf junge WÄnner unb 
folche bie ed fein wollen, fich meiff entfefjlich gefpreijt auf ben Silbern 
audnehmen . . . 

SO ifl boch eine greube, wenn man wie ich nach unb nach erlebt, 
wie albern bie Sägen ftnb non ber unnerföhnlichen Serfchiebenheit ber 
beutfehen Stämme. Die Deutfchen finb fleh äberaU gleich; road fte 
trennt finb iuferlichleiten unb anerjogne Sorurtheile. 3ch fäbl« 

mich unter ben nerfchrieenen SUtbaiern ganj ^etmifcf»-Du 

hafl Stecht, h«rjliebe Warna, baf Du mit gutem Wuthe in Stainer* 
Jufunft blicffl. 3hnt ifl bei aller Sebhaftigfeit boch eine gefunbe 
Nüchternheit ju £heit geworben. Die ©efaftr fär ihn liegt, wie bei 
und ©efchwiflern allen, (Sott weif woher? — geerbt hoben wir* 
wahrlich nicht webet non Dir noch nom Sater) in einer fliUen unb 
boch recht flarfen Neigung jum Sornehmtfun, unb er wirb bamit 
minbeflend ebenfo fehr wie fein Sruber ju fämpfen haben. 

@ute Nacht, liebe Wutter. 3ch will ouf biefen 3Banber*Nacb* 
mittag eine recht arbeitdnolle Woche folgen taffen. Darum fchlief’ 
ich unb gräfe Such Sitte. 3rgenb jjemanb giebt mir boch wohl halb 
Nachricht? 

Jßcinrich 


807] 9n b<n SBfltrr. 

Wänchen, 18. 3uli 61. 

Wein lieber Sater, höbe Danf, baf Du mir ben fchweren Srief 
fo halb gefchrieben hofl. Seit geflem Slbenb bi* biefen Wittag höbe 
ich »erfucht mich §u faffen, unb noch immer Sann ich* nicht begreifen, 
baf bie gute Wutter nicht mehr ifl. Sich, 3hr hättet mich boch burch 


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» 


3mU 1861. 


167 


tat Zelegrapfren rufen (offen; aucfr nur ben Sarg frinau*6egletten iß 
ein Droß, unb nun ftge icfr frier unb müfre micfr afr mir oorjußeffen 
wa* boefr gar ju traurig iß für meine ffinbilbung*fraft. Docfr itfr 
will niefrt frlo* oon mir reben. Sott fldrfe Dicfr, mein lieber Sater, 
unb un6 Seftfrwißet, baß wir e* tragen. Stir fam 2llle* fo ganj 
unerwartet; noefr am Sonntag fratte itfr an bie Stuftet geftfr rieben, 
unb Du wirft ben Srief für bie lobte erfralten fraben. Unb icfr frabe ifrr 
fo fefrr, fo fefrr Siete* abjubitten. 211* Äinb frab’ itfr ifrr ba* bitter« 
bbfe Unretfrt getfran unb geglaubt, fie liebe micfr nitfrt, weil fie ju 
fefrr für micfr forgte; unb erft feit ben lefrten jefrn 3afrren weiß icfr, 
wie grdnjenlo* ße un* Site liebte. Da* iß noefr mein Iroß, wie 
fcfrfrn unb glücflicfr ifrr leben war: fo oiele Stenfcfren, bie ifrr nun 
naefrweinen, frat ße burefr liebe unb ßBofrltfrun beglöcft; ifrr blieb ber 
Scfrmerj erfpart Sine* ber 3frtigen §u begraben; unb nun fommt ifrr 
ber SEob füll unb frieblicfr wie ifrr leben war. 

Stein lieber Sater, icfr weiß auf ber SBelt Sicfrt* wa* icfr Dir 
fagen fbnnte um Dicfr $u trbßen bei bem fcfrweren Scfrlage, ber Dein 
Slter getroffen. Kber wir Sefcfrwißer wollen ber Stutter eingebenf 
fein, unb wenn oon ifrrem Seiße ber liebe auefr nur etwa* auf bie 
Äinber öbergefrt, bann foffß Du burefr un* feine bittre Stunbe er« 
leben, bann wirb bie Stutter un* niefrt gonj geßorben fein. 

ISenn Du au* irgenb einem Srunbe meine Knwefenfreit wunfefreß, 
fo fomme icfr ju ffuefr. SorlAußg weiß icfr nur fo Siel, baß icfr reefrt 
balb mit ffucfr ba* Stab unfrer Stuftet fefren will. 

3frr feib fegt feit einigen Stunben oon bem Stabe juruef 1 ; icfr 
fonnte niefrt unter ffucfr ßefren, aber meine Sebanfen waren fort« 
wÄfrrenb bei Sucfr. lebt wofrl, 3frr lieben, unb Soft ßirfe un*. 

Dein treuer Sofrn 

Jfreinritfr 

906] ttn Om 58at«. 

Stüncfren, 28.3uli 61. 

SRetn lieber ©ater, 

-gur bie Ueberfenbung ber Keinen Knbenfen banfe icfr 

meinen Stfrweßem frerjlicfr. 2lm Steißen aber frat micfr gerfifrrt unb 
micfr ofrffig fiberrafefrt Deine Srfldrung, mein lieber Sater, baß Du 

1 ßrftfr am SKergnt bitfrt Za$rt vom bi« OTuttct auf btm ÄinigfWn bmbigt 

»OtbffTL 


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3*(i 1861. 


mich gu Sflainert Sormunb etnfe§tn »©lieft. 3<h fann eilt fo grofrt 
Jetten brt Vertrauen6, bah mit gänjltcf) unerwartet fommt, nur 
mit bem grbften Danfe ^inne^men. 3ch verspreche Dir, baf ich 
Deinem Vertrauen Shre machen will; ade meine 2Biraf<f>e aber gehen 
bahin, baf ber galt biefer Sormunbfchaft nie eintreten mhge . * . 
©egen meine Schweftem rauf ich wich noch vertheibigen. <56 wirb 
mir wahrlich nicht (eicht hi« gu bleiben, faft ohne Umgang, Wiel |u 
viel allein mit meinen ©ebanfen. aber ein (Sieberfehen furj nach 
einem folchen Schlage regt baO gange ©efuhl brt Schmergrt wieber 
auf, unb ba ich einmal ben erften Schmer} nicht mit Such höbe 
theilen fbnnen, fo fann ich« nicht verantworten Such jeft nochmal« 
}u erfch&ttem 1 . 3<h baue auf bie fänftigenbe (Wacht ber Jeitt nicht 
a(6 ob wir bie Unvergefliche je vergeben fbnnten, aber wenn ich in» 
(Sinter gu Such fomme, wirb bie ÜBehmuth unb bie reine Srinnerung 
an baO fchöne Beben ber (Wutter bie (Sitterfeit brt Schmergrt in etwa* 
verbringt hoben ... Du aber, lieber Später, beruhige Dich baruber, 
baf Du mich nicht gerufen hoff» 3<h begreife jeft, baf Du, wie 
bie Dinge lagen, nicht anbert honbeln fonnteft 1 ; unb jeft, wo rt 
gilt, baO anbenfen ber ©efchiebenen gu ehren unb ohne fte einträchtig 
unb gut gu (eben, tft e6 mufig nach folchen Dingen gu fragen. — 
Daf Such »on fo vielen Seiten Reichen ber Dheilnahme gugefommen 
finb, hob’ ich nicht anbert erwartet: bie (Wutter war ja allgemein 
geliebt unb geehrt, auch ich höbe eine angahl (Briefe erholten, am 
(Weiften freute mich ber von aifreb*: baO ift boch, mit all feinen 
Schwächen unb Bächerlichfeiten, ein burchouO wahrer unb reiner 
Sharafter . . . Bebt wohl, 3b* alle. 3ch lebe in ber alten (Seife, 
aber rt vergeht fein Dag, baf ich nicht mit Drauer an Such benfe... 

Dein treuer Sohn 

Heinrich 


1 Km 2. Suguft teige Dreitfchfe boeh ju futjetn ©efu<b ber Seinen nach $avfe. 
0 Die (Platter »ar (Piontag Sbcnb um 10 Uhr gegorben unb fchon Donnerflag 
früh um 7 beerbigt »erben. (Born gttjt oor ber Sngedungtgefahr bringenb ge 
»amt unb auf bie in bet garten 3ulihifee vermutlich rafche Ttuft&fung ber Btiehe 
hingewiefen, hatte ber SBater geglaubt, bie ttmvefcnheit bei Sohne* entbehren )u 
müffen unb ihn nicht telegraphifch, fonbem am Dien flog brieflich benachrichtigt. 
3nbeffen hatte geh bie Vermutung bei Slrjtei nicht begütigt; fBater unb Schwegem 
tonnten bie Sntfchlafene in ber Jlafematte ber ftegung, wo ge aufgebahrt »ar, 
noch am PXittwoch Äbenb jum lebten (Plal fehen. 8 ». ©utfehmib. 


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ükptmtta 1861« 


169 


I 


809] 9it tat Söttet. 


2Äeron, 9. @ept* 61« 


3Rein lieber Qtatcr, 

ieb will mit niebt turd^> eigne ©ebulb meine gewöhnliche @eburt*tagö* 
freute, einen Sörief non ju Jj>au* oerfeberjen; barutn fd^reibe ieb einige 
feilen, freilich fo fluchtig ol* ei biefe tafele unb anftrengenbe Steife, 
unb fo leferlicb, al* ei bai wunberbare ©tbreityeug biefe* $a(fc 
wölfcben ©afibofe* erlaubt. ©o bub’ ieb «lf® wirtlich ben beutfeben 
Sauer, ferner unb (fort unb bonbfefi wie bei un®, unter Reigens 
bäumen unb ßleanberbüfcben arbeiten feben, unb bin brüte fhmben* 
lang bureb SRaiOfelber unb unter Stehen bingewanbert, bie b»er febon 
nach italienifcber SBeife am Soben entlang gezogen werben. Unb biefe 
gange ^»errliebBeit be® ©üben* umfingt mich, naebbem ieb gefiem 
erft ben fcbauerlicben (Sngpafj ginftermünj burebwanbert, bie Stfcb 
auf einem @letfeber entfpringen unb non ber SDtalfer $aibe bie ©ebner* 
felber be* Ortlerö nor mir liegen gefeben. Da* ift mein Gewinn non 
biefer Steife, baf ieb hier in ©übtprol unb in ber febönften aller 
beutfeben ©tibte, in ©aljburg juerft gelernt habe, wa* ber £auber 
be* ©üben* iff. Stuf ben fonnenbeifen ^erraffen ©aljburg gegen* 
über, wo bie äapujiner ihre febbnen Slumen unb eblen Stehen pflegen, 
bab* ieb jum erflen unb einigen fWale ben ©ebanBen gehabt, ob ein 
folcbe* befebauliebe* ©tillleben niebt auch fein @tüef in ficb trage: — 
aber nur für wenige SDKnuten, benn a(* einige ber umberwanbelnben 
9>«tre® ein ©efpräcb mit mir begannen, war ieb fofort wieber ber 
alte Steuer. 3eb begreife je§t, wie in biefem wunberbar reichen Sanbe, 
in biefer Sülle ber irbifeben ©ütet ba* gutmütbige finnlicbe Sott fo 
gang im gcifHgen ©cblafe babinleben Bann. — Doch man wanbeit 
niebt ungeftraft unter Halmen: feit ieb ben (StfebwinBel Benne, ifl 
meine ©ebnfuebt nach Italien nur um fo mehr gelegen. 3<b werbe 
jeboeb niebt einen ©ebritt nach 3Belfeb*£irol tbun, fonbem morgen 
nur noch Sogen feben unb bann bireBt jurücBreifen, fo bafj ieb fpite* 
flen* am Donner*tag in SRüneben bin. — 3n Dre*ben hob’ ieb Stainer 
einen SlugenblicB gefeben, unb fuhr bann bi* Stiefa mit bem Steg* 
Statb SBigleben 1 . . . SBt'e unruhig unb reieb an neuen SinbrüeBen 


1 ®fll. ©.187 8.8. — „mein alter Sobfetnb 0?«g^0?ai^ 2Bifcl«ben u geigt et in 
einer ©rgilbetung beifelben Srlebniffe* im ©rief« an Älee »om 27. Dftober. „St 
begann fofort ein ©efprddj, unb fo gäbe i<g mi(g bi» Wiefa mit einer bipiomatifrgen 
@e»anbtgeit ogne ©(eiegen Ober aOgemein menfegtiege Dinge mit igm nntergalten. 
Sffiir ftgieben mit gerjtitgem J^Anbebrutf*. 


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Sqitonfo 166L 


tiefe Zage auch waren, fo M>’ i<h boeb afftAglich an meinen lebten 
Äufentbalt bei Surf), 3b* Sieben, gebaut, an affe bie greunblirfifeit, 
bie 3br mir erwiefen, unb an aff ba* Zraurige, wa* wir jufammen 
erlebt. 3<b hoffe, 3br werbet fo Reiter fein al* e* möglich ift, unb 
irf) will Äffe« tbun wa* irf) fann um meine Serbinbung mit unferm 
Jgtoufe, bie mir nun hoppelt emfl unb wertb ifl, recht lebenbig ju er* 
batten. 5<b werbe in STiöncben ununterbrochen arbeiten — unb ich 
freue mich frf>on je$t barauf — fo bafj ich ju ©eibnachten nach 
Sacbfen tommen unb Such bann öfter feben tann. — Doch mit 
biefem ?eben*jeicben fei e< genug, icb wiff Seine Äugen nicht (Anger 
burch ba* grAfliehe ©efcpreibe ermüben. — Äm 15. trifft mich ein 
SOrief »on ben Sehweflem befHmmt in SDMnchen. — 

Sie brrjtichffen ©rifje. 

Jjeinrich 


810] Än k«t Statn. 

SRünchen, 14. Septbr. 61. 

ÜJlein lieber Später, 

. . . 3ch bin noch über ben Äfeblerbaeb bei ©argajon, ber »or 
1000 Sabren bie ©renje »on ©elfdjlanb unb Seutfchtanb bitbete, 
binau*gejogen unb (wbe einen herrlichen Zag in SBogen »erlebt. Sie 
Bauart ber Stabt unb bie ?eben*weife ifl fchon ganj wetfch, obwohl 
bie Bewohner Seutfche finb. Jpobe luftige J&Aufer mit flachen SAchem 
unb Sachbauben baruber, bie Sicht unb ?uft eintaffen; bie äauflAben 
im Srbgefchof unter Ärfaben, welche bie ganje Stabt burchjieben. 3<h 
war grabe jur HJleffe bort, unb bie reiche Stabt war »off »on 3ta* 
lienem unb beutfchen dauern, bie mit ihren farbenreichen 2BAtnfern, 
fpigen JJrvcten unb tiefbraunen ©efichtern auch fchon bie 9Mbe be* 
Silben* »erfönbigten. Äbenb* faf ich ntit ben SWefjfremben im 
©arten be* ©affbof* unter Sppreffen unb SitronenbAumen unb »er* 
jebrte frifche geigen ju bem ffarfen buftigen ©eine, ber nach welfcher 
Sitte mit ©affet gemifcht wirb . . . ©aren biefe Zage an ber 
Stfch bie (ieblichflen, fo höbe ich ben Smff unb bie Srhabenbeit ber 
Älpen begriffen auf ber öben JpocbffAcbe ber 9tefchen*Scheibegg, welche 
ba* £ber*3nntbal »on bem Stfchlanbe fcheibet. Sort fleht man, fo« 
halb man burch ben fchauetlichen ginffermänj*^)a| auf bie $öbe ge» 
langt iff, am Ufer eine* (leinen See* unb fleht unmittelbar »or fleh 
bie Sehneefelber ber böchflen beutfchen Älpen, ber ßrtlerfette — unb 


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Dftob« 1861. 


171 




tiefen wunberbaren Änblicf genof ich in bet fetten burebfiebtigen £uft 
eine« Waten JJwbfhag«. Sine unvergefltcbe Srinnetung; unt &erj* 
fielen Danf Dir, liebet Sätet, baf mit Dein @eburt«tttg«gefcbenf 
folehe ©enüffe bereitet bot. — Seit jmei »lagen bin i<b wiebet hier 
unb ftnbe mi<b mit Srflaunen auf biefer falten J^otbflätbe fd^ott mitten 
ffc im herbf unter entlaubten Säumen. (Überhaupt fommt mir 3Run= 

eben recht nüchtern vor, ba i<b boeb feine menf(bli<b< ©eele b»rr ftnbe, 
bie mi<b anjbge, (lefdjenborff ifl, wie ei f<beint, no<b in tymd.) 

3br hobt mich bur<b Sure @üte wägrenb meine« (egten Wufent* 
galt«, fo traurig er war, toieber reibt baran erinnert, baf botb nur 
bie £b<ilnabme ber Senfeben ba« geben verfebbnt ... 3n 4,5 lagen 
fibreib’ itb toieber; brüte foHt 3br nur tviffen, baf id) lebe unb wobt 
bin unb Suer unb unfrer lieben Sutter täglich gebenfe. Sielen Danf 
für all’ Sure $reunbli<bfeit unb bie besticht Sitte, baf 3br fo bettet 
feib a(« e« Such mbglicb ifl. 

Dein treuer ©obn 

Heinrich 


811] Sa fc« »Mn. 

Süneben, 5. £>ct. 61. 

Ik SReiti lieber Später, 

Dan Srief ifl )toar erfl wenig über 8 5£age alt, aber mich vet* 
langt {egt fo häufig nach Saebriebten von Such, baf ich febon jegt 
antworte. Siel gegeben ifl nicht, nur feit geflern bot Süncben ein 
anber Qkficbt; taufenbe von Säuern sieben ju allen »Igoren an, benn 
beute beginnen bie ßctoberfefe. 3cb bin fegr begierig auf bie Sennen; 
bie $ferbe fab ich geflern; e« war ein brrrlicber ©eblag, unb e« tbat 
mir nur leib, baf bie febbnat Xbiere von ben gteftgat franjbfifcb gefcbulten 
fcblecbten Reitern follen gebraucht werben. — Den Sefl ber warmen 
Xage bab’ ich benugt, um noch Sinige« von ben ätunflfcbägen )U febm 
ege ber Sinter fie unsugänglicb macht, ©o war ich fürjlicb in ber 
Stjgiefetti. 3n ber Sobetlfammer flehen bie Sobelte von einer grofen 
3agl ber berübmteflen, weit über bie Srbe jerfireuten Denfmäler. $fm 
Seifen feffelte mich ba« Safbington^Denfmal für Sicbmonb; ich 
, weif nun, baf e« auch unter ben $anfee« ÄünfHer, j|a grofe fünfter, 

geben fann. Doch folcbe ©enüffe finb feiten; in ber Segel bin ich 
bi« auf 3 ©tunben ben gansen Sag su hau«. Dann unb wann 
befuebe ich Stefcbenborff wenn er für fein grofe« fcbtvere« gutfxrbilb 


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Dfteb« 1861. 


$tdne auf 9>(4ne entwirft unb bann jut Srbolung einmal ein bübfcbe* 
Stübchen matt, Sonß febe üb wenig SNenfcben. 2Äit ^opfen werb* 
üb wohl au*einanbetfommen, benn er gab mir fürjlicb ein fcblecbte* 
Xrauerfpiel, bamit üb i^m mein Urtbeit fage, unb üb fann ibm wirf« 
lieb feine Schmeichelei fagen. Seinen $(an, mich mit feinen Steißern 
Seibel unb Jfoße bcfannt ju machen, fcbeint er aufgegeben gu hoben; 
er merfte wobt, bafj wir nicht jufammen paffen, unb mir iß e6 fo 
recht. Dagegen bat er mich neulich mit Jßerrn. gingg befannt ge« 
macht, ben ich für ben ©egabteßen bet bießgen ^ottenfcbule batte. 
Sfobanna fottte feine Schichte ober wenigßen* bie fchbne ©allabe 
Xannbdufer tefen (fie ßebt in Schwab’* Stußerfammlung, bie ich ber 
guten Stuftet gefebenft habe) 1 . ?ingg iß fchon ein Älterer Stann 1 , 
ber rechte üttbaier, berb unb grabeju, aber, wie mir fcheint, im Srunbe 
eine unglücflicbe jerrifne Satur. Sr bat mit feiner bairifchen $(ump« 
beit meiner ^>erfon bie größte Schmeichelei gefagt, bie fie je gebbrt 
bat. Sr batte tut) juoor meine Schichte getefen, unb a(6 ich ihm 
»orgeßellt warb, meinte er: „ÜBaö? Sie ßnb*? Seßem bab’ ich 
Sie auf ber ©riennerßtaf’ b’gegnet; ba bab’ ich mir g’bacht: ba* 
iß halt g’wif a Dichter." 3eb glaube aber, ich habe babei butcbau* 
nicht wie ein ^o£t auOgefeben, fonbern eher wie ein begönnet $unb. 
Uebrigen* geßet er mir gang gut; nur tarn ba* Sefpräch nicht über 
bie gewöhnlichen ?iteratentbemata b«au*. — 

3ch mag nicht erß fagen, wie oft meine SebanfCn bei Such ßnb; e* 
iß fo gar Siete* unb Srnße*, ba* mich immer wieber in bie J)eimatb 
jutüef führt. Damit Du in bem langen SBinter eine intereßante 
Äeftüre baß, mein lieber Sätet, fchicfe ich bi« bie oerfprechnen 3 erßen 
©dnbe oon J^ufjet (ben 4ten fann ich nicht entbehren, unb bi* 
Skibnachten wirß Du ihn auch noch nicht brauchen). S* iß nicht 
grabeju ein SBetf erßen {Range*, aber lebenbig gefchrieben unb au*« 
gezeichnet burch bie gewißenbafte ©enuffung neuer guoerldfßger Quellen, 
bie Siele* — §. ©. bie fReoolution*friege — in ein ganj an bere* 
Sicht ßetlen 3 - 

äBiltß Du mir wobt mittbeilen, wie ba* Urtbeil ber fdchf. Ofßjiere, 
bie am 8tb«ine waren, über ba* preufifche Sptet lautet? 3ch habe 

1 €>. ©b. 1, ©. 299.438. 3 er n>at bamaU 41 3 a br* «ft- 8 Über JpAuffrrf 

J>eutfd)f tyat fi<f> 5tteitfcf>fe al* (Rrjenfrnt brr brittm Auflage im 8it. 

Smtralbfatt unb af* Jherauigeber brr «irrten im Söorroort nAf)rr mrtgefprocbm. 
(^tfter. n. <pelit. luffi|e 4,318 ff. 689f. 601 ff. 177ff.) 


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Oftofen 1861. 


173 


mich nie befreunben fonnen mit bem Schimpfen über bic preufj. 
3frmee, ba« jegt unter ben liberalen jum guten £one gebürt. 3cg 
batte bie Skrmcgrung be6 #eete6, fo fcgwer fie ba6 lanb brücft, für 
eine Wotgwenbigfeit; unb jene traurigen SWilitärejrceffe, bie g>reufen6 
Stufe fo febr fcgaben, finb »enigflen* jum Xgeile burcb bie Haltung ber 
liberalen treffe erflärt; benn wirb eine «truppe alltäglich aW eine über« 
mütgige Jßorbe gefcbilbert, fo ifH fein Sßunbet, wenn enblicb ein @rotl 
gegen bie Siviliflen ficg igrer bemächtigt. Um fo mehr müchte ich wiffen, 
wab bie6 vermehrte J^eer militärifch leiflet ober )u leiflen verfpricht 1 . — 
8 jDct. Der SJrief ifl 3 «tage liegen geblieben, »eil ich fc ie Bücher 
noch brauchte. Snjwtfcgen gab’ ich ba6 jDctoberfefi gefebn — recht 
bairifcg: einige taufenb SWenfcgen unter freiem Fimmel faufenb, 
faufenb, faufenb — unb über biefem Sewügle ber eble SWarmorbau 
ber Stugmcbgalle. — lebt beglich »obl unb fchreibt mir ja recht halb. 

Heinrich 


312] 9n töuboff Jßaottu 

München, 19*. jDct. 61. 

©eegrtefler Jgttrr, 

-2Nh f<h*<f< 3gnen hier meine jroeite unb legte Sorrefponbenj 

au6 SW. 3 Solche Beiträge flelle ich 3gnen, »ie Sie »iffen, unbebingt 
jut Verfügung. Doch bitte ich ©i« um Schonung für bab, »ab ich 
über bie Gattung ber fübbeutfchen Wationalpartei gegenüber ber preufji* 
fegen ätrone gefagt habe 4 . Sor jwei bib brei Sagten gaben Sie mir 
Heufjerungen ägnlicgen Sinneb alb „nicht an ber -tot" gefbriegen 8 . 
3<h meine aber, jegt fei eb an ber £eit eine lanje ju brechen für bie 
\ ^Berechtigung beffen waV man fälfcglicg preufjifegen ty»rtitulartbmub 
nennt. Diefe Herren im Süben gebägrben fieg, alb hätte bab fouveräne 
Wolf über Deutfcglanb ju entfegetben, »ägrenb wir unb boeg an bie 
Ärone ^reufjen wie fie ifl ju galten gaben. 3cg benfe. Sie fbnnen 
meine SBemerfungen um fo leichter liegen taffen, weil ich fein ^reufje 
bin unb gier auch a(6 Wicgtpreufe rebe . . . 3cg bin, geehrter #err, 

3gr aufrichtig ergebner 

«treitfegfe 

* Der ffiater antwortet, er gäbe jroar notg reinen jener fätgfiftgen Dfgjtere gefproegen, 
„allein minbeftenS gefeitf, baß fie mit »oder ftnerfennung jutütfgefegrt finb". 

* herunter von Jpaprnl Jpanb: 12. 8 jpiflor. u. Stuf füge 4,83 ff. * ®. 89ff. 

8 3n ber dSefprecgung von 9egibi< Sotus eaiqae ( grtuß. 3®gtbfe. $ebr. 1869. 


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174 


Dfttbtt 1861. 


1 


318] Än @ufta»a oon Jpafdbtrg. 

SWüncben, 22/10 61. 

91 für feinen 3b«r Briefe bin ich 3bnen fo b«*jlwb banfbar 
gewefen, gnibige« grdutein, wie für fcen lebten, ©ie hoben ftch ba 
fo ganj geben taffen, unb ber (Brief traf mich in einem Stugenblicfe, 
wo i<b eine« freunbti<ben (Sorte« febr beburfte — a(« icb eben ba« , 
Steftament meiner SDtutter getefen ^atte. S« war ba« ©cbwerfte, wo« 
mieb je§t treffen fonnte. Srft feit ieb au« bem österlichen Jjaufe 
fortjog, wufte icb, wie grenjento« gütig fte gegen mich war. grübet 
habe icb fl* teiber nie otrftanben unb ibr fcbweren Kummer bereitet. 

Dafür war in ben testen 10 3abren mein (Bcrbdttnif ju ibr ein fo 
fcbbne«, baf icb nticb oft gefragt habe, ob fo oiet Olücf bauern unb 
wie icb fo oiet Siebe je oerbienen fünne. Den Sater unb meine ®e* 
fcbwifler liebe icb b**Jti<b> aber meine ganje Denfmeife über bie ernfte* 
ften unb beitigffen Dinge fleht ber ihren teiber unenblicb fern. (Nur 
meine Butter ift niemat« an mir irr geworben; oon ibr — nicht 
oon ihren Sehren, fonbern oon ihrem fffiefen — bab’ ich« gelernt, 
baf man 3eben ben tffieg geben (affen fott, ben Jtopf unb Jj>erj ihm 
weifen. ©ie batte in ihrer Äinbbeit am Stnbalt’fcben Jjofe, fpdter 
oiet am Dre«bner#ofe gelebt; unb bie fanfte freunbticbe grau batte 
ftcb in biefen Umgebungen eine fotcbe oorurtbei(«freie ©etbfldnbigfeit t 
ber fDfeinung bewahrt, baf fie e« ganj jufrieben war, wenn ihr ©obn 
ficb in ba« Stenb ber beutfcben fffiirfticbfeit nicht fügen woUte. 9tun 
ift fte, bie fafl nie franf war, am 15. 3u(i ganj ptbftich wübrenb 
eine« (eichten Unwobtfein« geflorben am Sungenfchtage. 3«b fonnte 
nicht einmal jur (Beerbigung gerufen werben . . . teiber ift mein 
(Bater febr angegriffen. Stuf bem einfamen gelfen war ihm feine 
gamitie Sitte« in Sittern, jeber ©cbritt erinnert ihn an bie (Bertorne... 

3m ©eptember wanberte ich einige £eit in 5£*>rol. S« ift wirfttch 
eine neue ffiett, biefe Sttpen; wer alte fWittetgebirge Deutfchtanb« 
fennt b«t oon biefer ^»errticbfeit boch feinen (Begriff. (Bottenb« im 
Stfcblanbe bab’ üb ein ganj anbre« Seben fennen gelernt. 3<h war 
wahrlich nicht attju Reiter at« ich bort etnjog — nach biefen Sr* 

(ebniffen unb nach bem unerfreulichen ganj einfamen SDtünchener 
©ommer, ber mir oiet Slrbeit unb wenig Srgebniffe gebracht batte. 

Stber wer je oom ©chtof Xprot, oor ficb ben buftigen ©ein oon 
ttertan unb einen Äorb oott frifcher geigen, hinunter gebtieft in 
biefen wunberbaren (Bogener Xbalfeffet, auf biefe gütte oon (Sein* 


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Dftcbn 1861. 


175 


» 


unb fimonengdrten am gufe btt fcbneebebecften ©etge, auf biefe 
©urgen, bie au« Äaftanienrodlbem ^eroorfugeit/ auf bie Stdbte mit 
ben offnen Jpalfen unb flachen ©dcbern unb bem luftigen bunt« 
gefleibeten ©olfe, ber muf begreifen/ wa« eö b<ift ganj bem Eugens 
bticfe ju leben, ©ort (ab’ ich »erfianben, wie bie« Steif über bem 
©muffe ber feligen Stunbe feit 3a(r(unbertm bie febwete Slrbeit be« 
©enfen« unb be« politifeben SBirfen« »ergeffen unb bie J&errfcbaft bet 
©tbnebe unb ber Jfrabßbutget ertragm fonnte. 3eb habe ben ganzen 
9tei$ biefer ©etfuebung empfunben; aber/ icb brauche’« 3(nen ntcf>t 
erft ju fagm, icb bin fcblief lieb al« ber alte dieser unb gute ©eutfebe 
jurüefgefebrt, nur mit »erftdrfter Sebnfucbt nach Italien im #erjen. 
SBaö muf bief Sanb fein/ beffm ©orballe febon fo fe(r entjücft!... 
Seit 5 Soeben bin icb wieber hier unb f6(re ein Seben, ba« icb mit ber 
duf etffen ©enügfamfett nicht al« gtüeflieb bejeiefnen fann. ©ft »ergeben 
8/ ja 14 itage, ohne baf icb aufer mit meiner ©ebienung eine Silbe 
rebe. ©teine Stbdtigfeit führt mich nicht mit ©tenfeben jufammen, 
unb ich febeue ed, bureb ©efuebe Slnbren IdfKg ju toerbm — bmn ber 
Umgang mit mir ift fwrjl»<b unbequem. ©tein Staehbenfen bringt 
mich freilich ju ber Srfenntnif, baf fein ©tann, fein 8Beib, Stiebt« 
um« aufer un« liegt/ unfer ©lief febaffm fann. Sfber meine Smp« 
finbung fagt mir tdglicb/ baf biefe ftoifebe 8Bei«beit ein bobler 3beali«s 
muß ift/ ber fbr mich nicht taugt unb befbalb iberbaupt Stiebt« taugt. 
Ungebulbig unb unruhig wie ich bin/ wie foll ieb mir in biefem ein« 
famm ?eben jene ©leicbmdfigfeit ber Stimmung bewahren, ohne 
welche feine ttrbeit gebeizt? Stun gar Arbeiten, beren ®nbe ich noch 
gar nicht abfeben fann! ©enn 3bre Hoffnung, halb ein biftorifebe« 
SBerf »on mir ju feben, wirb ftcb fo rafcb nicht erfillm. 3<b brauche 
noch eine lange gtifl jum Sammeln unb Sernen; unb leiber ift bie 
Srnte, wo e« fleh um neuere beutfebe ©efebichte hanbelt, eine gar ju 
traurige, ©ote unfre moberne ©efebichte Sticht« al« ba« Treiben 
unfrer gurften, biefen trofilofen SBechfel oon ©o«beit unb Iborbeit, 
e« lohnte nicht bet ©tüb< f<b bamit ju befaffen. 3lber wer ben 
freim ©lief bat bie grofen ©runbjüge ber ©efebichte ju »erfolgen, 
ber erfennt in ber Sntwicflung unfre« ©olf« ein regelmdfige« gort« 
febreitm, fo ftdtig, fo fteber, baf Sinem enblich ba« #erj grof wirb 
»on Stolj unb Hoffnung, ©iefe Sinftcbt treibt mich immer wieber 
ju ber Arbeit jurfief, beren ©etail« mich mit (?fel unb SBiberwillen 
erfüllen. — Son poftifeben Arbeiten febief’ ich 3^nen »ielleicht ba« 


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Oftebn 1661. 


eine ober ba* anbere Weine ©tbicht, b«6 gelegentlich entftanb. SBägrcnb 
bet legten 3agre, wo b«6 Dociren unb bie SBiffenfchaft mich faft 
ganj in Slnfprutg normen, hat mich brftänbig bet S>lan einer gtifeten 
poWifchen Arbeit oerfolgt, ja gequält. 3egt enbUch ift mir bie Sache 
War, ich fege: «6 ift möglich; unb wenn bie ©öfter freunblich ftnb, 
wirb bie Wrbeit oiedeicht in einem 3agre fertig. Sie fegen, ich lerne 
jegt erft — leiber fegr fpät! — wa* gleif ift: (tätige*, auf jeben 
augenblicWicgen €rfolg »erjichtenbe*, Streben nach einem entfernten 
■Jiele . . . Uebrigen* will ich feine*weg* gänjlich in einfteblerifcher 
Sltheit aufgehen; vielmehr freue ich mich von Jgerjen barauf von 

Neujahr an wieber in Seipjig Storlefungen ju holt««-ju 

einem Stufe nach Shreufen ift wenig Sfudftcgt. Skrfcgaffen Sie mir 
ihn — unb fei e< nach ©reiflwalb — fo »erb’ ich 3gnen gerjlicg 
banfen. SJi* jegt weif ich nur, baf man füg im berliner <£u(tu*e 
minifterium für mich intereffirt, weil ich m Sachfen preufifege 
©efegiegte gelefen gäbe. Wber benfen Sie, wie lauwarm ift bie 
Siebe unb bet Jj>af biefer SDtinifter, unb ermeffen Sie banaeg, wo* 
Siner ju erwarten gat, für ben fte (leg blo* interefftren. Dap icg 
eine ^rofeffur in Serlin erwarte, ift natürlich teere Srfinbung. 
Uebrigen* benfe icg wie alle $rivatbocenten, beten giften) bekanntlich 
barin beftegt, baf fte wunfegen biefer 6]riften| ein 6nbe ju machen. — 
®af 3gnen „bie Freiheit" gefallen ift mir lieb. Darüber fegreib’ icg 
in 10 Sagten ein 95ucg. 3<h glaube, Sein Stoff gat fo tief unb grof 
über biefe gragc gebaegt, wie ba* beutfege. Stur leiber fteefen biefe 
guten ©ebanfen in lauter troefnen €ompenbien unb pgitofopgifcgen 
Spftemen, unb e* lohnt ber SDtüge fte au* biefen Scgacgten gerau** 
jugraben, ju prüfen unb ju bereichern. 3gr Sob, meine verehrte, 
greunbin, ift freilich nur ga(b verbient 1 . 2Reine Denfwetfe gab’ 
icg egrtieg bargeftellt: icg gäbe fte mir erworben befonber* bureg meine 
Grlebniffe, weil icg in einer ähnlichen SRittelftedung flege wie Sie — 

t „Sie gaben*, feg reibt ©uftaoa am 21.3uli 1861 Ober „bie Jreigeit" an ireitfegfe, 
„fegt viel Scgbnel unb Segcr)igenlwertgel gefast unb icg will 3gncn wftnfcgen, 
bafi Sic fi<g biefe Äet, bat Jeben von eben geeab cuijufcgauen, bewagren. $aft 
finb Sie noeg ju jung, um fie f<gon errungen ju gaben. Jgätte icg tt gelefen, 
ogne ben ©etfaffer ju wiffen, fo würbe icg nur an einen SRann gebaegt gaben, 
bce fieg in fegweren Stürmen einet gafbeu SXenfcgenlebcn* bie (Rüge unb Älargeit 
bei @ ei fiel erworben, bie folcge Jfafcgauung erjeugt, obwogl gönn unb Äulbtucffc 
weife immergin noeg jugenbiieg genug finb." SDureg biefe Vbganbiung fftglte fie 
fieg »eranfaft, bie ffiortrige igrd SBaterl, bie fie bann Sreitfcgfe fegidte, wieber 
geroor}ufucgen. S. oben Sb. 1, S. 291. 


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Oftebn 1861. 


177 


» 


jwiffhen abligen unb gekörten Greifen — unb weil (Wehrere btt 
SDtenfchen, bie mit bie Siebffen ftnb, eine von bet meinen himmelweit 
oerfepiebne (Richtung »erfolgen. Slber welche Äluft jwifepen Xheorie 
unb tytajrie! 3ch bin febr eifriger tyirteimann, eö wirb mir fürchterlich 
fchwer einen (Bertheibiger brt ^articuloridmuO auOreben ju (offen ohne 
t ju fluchen, unb eine ^hrebigt »on bet gewöhnlichen ©orte fann ich 

gar nicht mehr (efen. ©och »<h will mich nicht fchlechter machen a (0 
ich bin. iff mehr bie ©ummheit alo bie abweichenbe Meinung waO 
mich erbittert: »on ©tapl hob’ ich faff ade 2Berfe mit grofjer ZfyeiU 
nähme gelefen, aber auf bem Äünigffeine »erachte ich auf jebe polirifche 
Nahrung weil ich bie Slrmfeligfeit ber füchfffcpen (RegierungOpreffe 
fchlechterbingO nicht ertragen fann. — <50 iff hoch fpafhoft, bie ©amen 
ffnb wenn gegen ihr ©effhlecht ein (Borwurf erhoben wirb toujours 
en vedette, »iel eifriger alo wir; aber gewif hoben ©ie (Recht, wenn 
©ie ben (Wünnem »orwerfen, baf bie (Dteiffen grabe ben Umgang 
geifflofer grauen fuchen. ©ie Suff am SRebiftren, bie gurcht peban* 
tifch ju erffheinen, bie (Sequemlichfeit — benn eO füllt unO recht 
fchwer unO in bie SRethobe beO ©enfenO ber ©amen ju gewüpnen —, 
ganj befonber» aber bie unter ben SDtünnem, ehrlich geffanben, beinah 
epibemifche ffre 3 bee, baf bie grauen feinen (Berffanb ober wenigffend 
t feine Sogif haben, baO trügt bie ©chulb. UebrigenO iff baO ein gelb, 

wo man auf ©chritt unb Xritt auf Unbegreiflichfeiten ffoft. ©ie 
greunbe meiner greunbe haben mir in ber (Regel gefallen, ihre grauen 
»iel feltner, unb meine ©chweffern »erffchem mir ihrerfeiw baO 
©(eiche. — 

3hw ©chilberung »on ©tralfunb hot mir grofje Suff gemacht 
meinen (Better ^)acfewi § 1 einmal ju befuchen. ©chon ©tettin unb 
bie ©ber unb fogar baO ©tücf #interpommern bei Sammin unb 
©reptow hot mir fehr gefallen; Sanb unb @ee — aber nicht bie 
(Dfenfchen. greilich traf ich eO unglucflich: ich bewegte mich unter 
ben Sunfem in ber (Rachbarffhaft ber Xhobbens£riglaff 6 1 . . . ©ie 
(Borlefungen ihre« (BaterO fehiefen ©ie mir hoch ja fpüter einmal burch 
S5uchhünb(erge(egenheit; ffe intereffiren mich um beO SWanneO willen, 
»on bem ©ie fo gern unb liebevoll fprechen, unb um ber ©ache willen 
— benn ba< Zfyma ffhlügt in meine jegigen Arbeiten ein. — (Wit 
bem ©pielhagen »erführe ich 0 ern nach 3b*em SBunffhe, wenn ©ie 

1 ©utfbrflbrr in bar 914p« von ©tralfunb, mit rin« Seufint foritfcpM wh«ratft. 
3 S 89 L ®b. 1, ©. 463. 476. 

n. 12 


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178 


Dfteb« 186L 


mir nur fagen wollen, welche« Such oon ihm Sie meinen 1 ? SW 
ferme ihn nur au« einigen ebettfo unoetfehimten al« finbifchm Ärittfen, 
g. SB. einer, bie @. gretjtag wie einen Stümper hehanbelte. — 
geben Sie wohl, gnübtge« grüulein, unb glauben Sie, baß grabe 
jegt in meiner Sinfamfeit einige feilen »on 3fmen mir eine große 
gteube fein würben. 

3hr aufrichtig ergebner 

Streitfchfe 


314] 8n 3«Ii u » Al«. 

@<<hrter £<rr Dtector, 


München, 27.10. 61. 


(affen Sie mich« ehrlich geffehen: meine fchlechte Hbßcht war, 3hnen 
in tiefem Vierteljahre nicht gu fchreiben, ba ich meine £eit fehr gu 
(Rothe holten muß. Doch foeben erhalte ich einen (Brief von .£rn. 
JJürgel, bet mir »on 3h<*r Aranfheit fpricht. 8Ba« er fagt Hingt 
gwar nicht bebenHich; aber eö bringt mich boch, meinem lieben ?ehret 
meine hergliche SEheilnahme au«gufprechen unb meine heften SSünfche 
gu fenben. Die 2Billen«fraft, bie einft bie ftürmifchen Verfammlungen 
beO beutfehen Verein« binbigte, wirb boch im Stanbe fein bie un* 
faubren ©elfter brt giebet« im Raunte gu halten . . . Huch meine 
Schweftern fügen ftch fchwerer al« gut ift in bie Schtcfung 1 . 3<h 
bin immer noch ber Seichtfinnigfte ber gamilie unb burch meine Ver* 
hiltniffe »on biefem traurigen 3beenfreife mehr abgegogen J . . . Jjjier 
lebe ich ftitler benn je — eigentlich eine unwürbige ©nfiebler* 
®rifteng; boch hob’ ich ®i«l gu thun unb bin feiten traurig. SDteine 
wenigen (iterarifchen SBefannten fehe ich feiten, unb wir «ertragen 
un« noch weniger al« früher, weil fte mich trog meine« 2Biber* 
fpruch« für ben Verfaffer einer fehr fcharfen unb fehr wahren 


1 „tyrobiematiftht (Watuten*. ®p. habe bann ®tralfunb« ©«bAltniffe unb p«fönen 
„auf unmätbige unb unffmfHerifche ©eife" tarifiert. (Wae« b eiben (Richtungen be; 
gr&nba Sufiava bie* Urteil »eit« mit feparfen ©orten in ihrem n&chften Briefe. 
* ben (Berfuft ba (Wutta, auf bie b« (Bat« in feinen Briefen „immer unb imma* 
}u fprechen fommt. 8 hierauf antwortet ber treue, fcharfblicfenbe (Wann, ba 
biefen S<$&(a au* bem Srunbe fannte: „Sie finb nicht (eichtfinnig; Sie haben 
f<h»a g«ragen, 3hte vorodrt* treibenbe Watur, 3h* ganje# Streben l&ft Sie nicht 
in bem (Erauagefftbt verweilen, bafftr bonfen Sie Sott; ich batte imma, c* giebt 
ein jebei Sreignif, ba* fftr un* bebeutenb ift, in unferm geiftigen Boben einen 
fWieberfc«(ag, ba auch von traurigen her ein h<Hfama ift, wenn man ihn brav 
verarbeit«." 


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Oftote 1861. 


17» 


(Eorrefponbenj über ©pbefe ©tttoffung in ben pr. Stobrbb. galten K 
©o iß bet SDtaler Xefcpenborff fafi mein einjiger Umgang, aßerbing* 
ein ijwAvfytt Stenfch; er iß fo toflfübn jene non greptag fo gut ge« 
föitberte ©eene ju malen, wie Suther an StetanchtbonO Jtranfenbette 
betet. — Neulich befugte mich ber Heine *** in bem £ußanbe, ber 
bem beutfcpen ©urftben nach einer Steife eigentümlich iß. Stein 
Äleiberfchran! unb mein ©elbbeutel malten e6 ibm mbglich, wieber 
in ber bürgerlichen ©efeßßhaft ju erföeinen. Dafür fchrieb er mir 
einen Dantbrief, ber mich lebhaft in meine eigne ©tubentenjeit »erfeffte. 
<5« iß hoch fchrecflich, welch’ «in ^«ttofer Doftrindr ber Stenfch mit 
19 Siahren iß. ©ne regelrechte äatbeberoorlefung — unb mit ttoter* 
lieber greube erfannte ich in. feinen ßaatOwiffenfcpaftlichen ©etrach« 
tungen mehrere ©ebanfen au6 meinen ©orlefungen. 8Bober fommt 
nur bie6 unbegreifliche Stdthfel, bafj wir ©ße in ben (ußigßen Stohren 
be6 ©enuße6 fo abßraft benfen? — Shh fange je$t an, neuere beutßhe 
Siteratur ju ßubiren — Slfltf für meine Arbeit ©oeben lefe ich 
©laten unb ßnbe unter ben unbefannten Oben fehr viel ©chbnrt; 
bie Dramen freilich, mit Hutnabme be6 gtdfernen ©antoffelff, ßnb 
entfeglich leblo6. Überhaupt iß für mich ber ©nbruef feiner Dichtungen 
ein fehr trauriger: überaß büre ich ben geheimen ßweifel an feiner 
eignen Äraft binburch. — 

Sehen ©ie wohl, lieber $err Stertor, unb werben ©ie fa halb 
gefunb. ffienn ©ie ©ich beeilen mit Sfyrer ©enefung, t&nnen ©ie 
©ich noch an bie ©pi$e einer ©olfobewegung ßeßen unb ©achfen 
preufifch machen fo lange baO #eer feine Flinten hnt*. — 3 U ®eih* 
nachten hofft ich ©i« fidler in Drrtben ju fehn. ©io bahin nehmen 
©ie bie h<r)lichßen SBünfche 


3hre6 alten ©chülert 

Xrettfchfe. 


i ,9brt 6flMxntf<hlanfe*, tat «uguffbtft (Sb. 8, 6.171 ff.). 3 Da« Äri«gfc 

nttniffntam hatte eben bi* f4mtH<b«n n«u«n 2fttti<h<* 6*»*ht* b(« f4<hf. Qttxti 
na<h Vaurifa onfauft, uat anbne, #on gleichen Aalibe »i« bi« btt auifftn beufebet 
Sunbe« floaten, an« b*r SBiene @en>«brfobrif ju b*|i*h«n. 

12 * 


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180 


1861« 


316] %n b tn ©«te?« 


5D?ün0en, 5, ©o». 61. 


SDlein lieber Watet, 

bie lange unverjeibl»0e ©etjögetung meinet Antwort ifl ©iemanbem 
<Srgerli0er alP mir felbfi. 30 bin 9 Zage lang meinet -Jett unb 
meiner ©ebanEen ni0t Jperr gewefen: eine ©iogtapbie beP alten 
©agetn, bie i0 ben preufj. 3<0rbb. oerfpro0en, mufjte gef0rieben 
werben. Da bet ©fann oom St^einbunbe biP jum 3. 1848 faß in 
allen wichtigen beutf0en ©taa«s2lctionen feine $anb gehabt bot, 
fo war bie Arbeit febr oerwieEelt, gab mir ©elegenbeit ju reeapituliren 
waP i0 biPber gefammelt. ©ottlob, feit geflern SSbenb ifl atdeP 
fertig; man wirb ganj bumm unb falt von folgern gewaltfamen 
airbeiten. Jpeute will i0 mir ein Vergnügen ma0en — wabrf0ein* 
li0 ein febr bef0eibeneP. DaP wirflicb f0öne Sanb liegt ju fern für 
einen furjen SluPflug; baber rnufj i0 m«0 mit einer gabrt na0 bem 
@0loffe @0leiPbeim im Da0auer ©foofe unb feiner ©alerte be* 
gnügen; in 3 Stunben ijl mit #ilfe berDjlbabn ©efu0 unb unb 
9tti<ffahrt abgetban. ©ur einmal höbe i<b in biefen Zagen an etwap ' 
ainbreP gebaut alp an ©agern, am aiderbeiligenfejle. Sine un* 
bef0retbli0 traurige geier. Der ungeheure Äir0bof über unb über 
mit ©turnen unb ©dnbern gef0mucEt, auf jebem britten ©rabe eine 
heilige Sampe. Unter biefen taufenben höbe i0 laum jwei f0mueEs 
lofe ©rüber bemerft. 3n ber Äir0e auf bem ©ottePacEer ein ewigeP 
aib* unb ^ufirSmen von JWnbem, bie geweihte Äerjen anjunben taffen. 
Jjalb ©lun0en war braunen, aber alle ffielt ernfl unb f0weigfam. 
Daju ber matte Sonnenuntergang eineP grauen ^erbfltagp. ©lir würbe 
ganj wei0 ju ©lutbe; bei biefem etnflen gefie hob’ i0 bie ©lön0ner 
wtrflt0 lieb gewonnen. SP war jebenfallP baP S06nfie unb Jjeri* 
li0fle waP i0 oon Eatbotif0en ®ebr<Su0en gefeben; aller ^omp ber 
grobnlei0namPfeier oerf0winbet bagegen. — ©rofjen DanE, lieber 
©ater, für Deinen lieben ©rief unb bie fronen ©erfe. 30 warb 
re0t febnfu0tig na0 ber Jjeimatb alp i0 fte laP 1 . — -Ju SEBetb* 
na0ten hoffe »0 wieber bei Su0 ju fein; eP ift mir fegt wtrfli0 
ein ©eb&rfnifj geworben, öfter in unfer fhder geworbeneP Jpaup ju 
Eommen. 30 höbe mir bereitP eine ©Wohnung in Äeipjig befiedt, 
unb werbe bie legten 2Bo0en hier fo gut atP m6gli0 auPbeuten, 
bamit i0 mit gutem ©ewiffen fortgeben Eann. Unfer ©5eibna0tP* 


1 „©trine ©fatie* äbrrfdjrietxn; ihr Singang bei ®<f)iemann ®. 7. 


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Ploetmto 1861. 


181 


fejt wirb freilich gar traurig werben; aber et wirb Dir bocb l«b 
fein. Deine Äinber wieber alle um Dieb »erfammelt ju feben . . . 2Bie 
ich gelebt, fbnnt 3b* fc^on auO bet vorigen Scbilbmmg feben. 3cb 
bitte früher nie gebaut, baff ich ein folcbeO £rappijlen«Dafein auO« 
batten fbnnte. 3e§t ftnbe ich* ganj erträglich — et giebt eben »oll« 
auf )u tbun — unb i<b weif, baff ich burcb bieO jeitweife Sinfiebler* 
leben ni<bt oerfömmere noch unbrauchbar werbe für bie SJtenfcben. — 

deinen Scbweftern jur ffreube bie IRacbricbt, baf icb foeben beim 
ffr&bffüct mi(p mit ihrem Liebling 0eibel befcbiftigt habe. 91(6 Sprifet 
bat er bocb eieleO Scbbne gef (baffen, unb i<b bin in meiner Stubenten« 
jeit wohl ungerecht gegen ihn gewefen. Slber biefe SEragbbie SBrun* 
bilb, bie i<h jefft lefe: ber robeffe, für unfer @ef£tbl unbegreifliche, 
Stoff auö ber #£men«2Belt ber IRibelungen in jierticben nieblicben 
Slerfen — bat ift mir ju ®iel. — SO giebt eine ganje SReibe »on 
Poeten, bie man bi« in fff. bewunbem muf bei Strafe ber Achtung 
auO ber literarifcben @efeßf<baft. Siner ift atterbingO barunter, ben 
man auf erbalb SaiernO noch nicht recht wörbigt: $laten. Da* ift 
bocb, «öS «ner gewiffen Äilte, eine oornebme 9tatur gewefen. Diefer 
offne 23ticf für bie grofen Kämpfe beO ®6tfer leben» war bamalo faft 
neu in unfrer Literatur. 3cb freue mich ihn fe$t fennen gelernt ju 
haben 1 . — 

{Recht febr bitte ich um Nachricht über ben SReetor Älee. 3(b 
bitte au» Seipjig, baf er febr ernffbaft erfranft fei, habe ihm ge« 
febrieben, erwarte aber natürlich »on bortber feine Antwort. — Sonft 
weif ich au» Seipjig nur, baf mein Sollege {Riffen gebeiratbet bat... 
ich werbe alfo in 2. noch mehr at» früh« bie {Rolle brt alten 3ung« 
gefeiten fpieten. 2110 ich ju bem Weinen #epne neulich eine fotebe 
SJemerfung machte, fagte er mit »erbinbticbem Sicheln: ich weif aber 
auch feinen SDtenfcben, ben ich mir weniger »erbetratbet benfen fann 
al» Sie* — unb war iuferft fiberrafebt, at» ich biefe Sottife nicht 
at» Sompliment gelten taffen wollte. — Sebt Sille wobt, unb boffent« 
lieb febreibt mir eine ber Scbweffem halb; mein Schweigen war febr 
wiber meinen SBtllen. 

Dein treuer Sohn 

Heinrich 


i SBfiL DmtfcfK pt* 8,692 ff. 4^07. 444. 


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182 


9toMmfe<r 1861. 


816 ] ®n bot ©afcr. 

Wünchen, 20. 9loo. 61. 

SOlein lieber Sßatet, 

. . . «Kein ?ebcn oerfliefjt nach wie t>or fehr füll unb einförmig. 
Son J>aupt* unb @taat«aetionen weif ich 9lte^«d ju berieten al« 
jene gahrt nach ©<$Ietfftetm — unb leibet war fie nur eine grofte 
Snttdufchung. Witten im Dachauer Woofe (unb 3h* ahnt gar nicht, 
wie trofffo« biefe oberbairifeben *W6fer* ftnb — meilenlange 6in* 
üben ohne Sufch unb Serg unb Dorf) — mitten in biefer Wüfte 
hält ber pug. ßbne Weg gebt man über ba« ©teingerill h»n unb 
flebt enblieb oor einem ungeheuren 9lococo*@chloffe. Unb leiber ift 
ba« oerjauberte ©chlofj fo frifchtoeifj angeffrichen, baf man nicht 
einmal ben Sinbrucf ber Weltoerlaffenbeit recht empfmbet. Da« ganje 
riefige ©ebiube tft oon oben bi« unten mit ©emitben angefüllt — 
an 2000 — unb herunter haften« jebn, bie ber Wühc be6 Se* 
trachten« lohnen. Wir warb ganj grimmig ju Wuthe, al« mich 
wieber unb nrieber biefe SDiajc Emmanuel — unb wie bie bairifchen 
Xirannen alle fytiften — umgeben oon obligaten 9>ofaunens@ngeln 
unb oerliebt licpelnben atlegorifchen grauen jtmmcrn, angrinjlen. Snbs 
lieh ein b«rliche« SBilb unter all bem Unfug — oan DpcF« grau, 
bie fchbne flotje ffimifepe ©rifin mit bem blonben Jpaar unb bem 
tro$igen SJlacfen. ©te legt eben bie ©eige au« ber $anb unb ficht 
p richtig au« in bem weiten weifen Wantel Dann noch ein Wichel 
älngelo unb ein Jpeiligenbilb oon £eonarbo ba Sinei — unb ich toar 
fertig unb hotte Wufje ^Betrachtungen anjujietlen über ba« fünbliche 
Xreiben biefer deinen De«poten. Willionen hoben fte auf biefe garben* 
fubelei oerwenbet, wihrenb ihr arme« Soff für fte blutete unb faft 
oerfam in 9loth unb Dummheit, hinter bem ©chloffe wieber eine 
weite Sinhbe, unb bann ein paar Saumginge burepjogen oon fcplam* 
migen Äanilen — ba« ifi ©cpleifbeim, oor honbert Sohren ein 
Wunber Europa« 1 . Wir jum Xrofie war bet J^intmel b«tt/ unb bie 
ganje Kette ber Xproler Sllpen oom Unter«berge bi« jum 3ugfpi$ 
ffanb grofj unb Har am Jporijonte. — ©eitbem bin ich nicht wieber 
au« ber ©tabt gefommen; hoch ben!e ich bereit« an bie ^cimreife... 
Such an Weihnachten hob’ ich gtbacht unb frage bie ©cpweflern, wa« 
ich bem Saritonfinger fchenfen foff . . . Wenn 3b* ro«me Senu«* 
bei Slrnolb nicht ftnbet, fo wünfehe ich ntir eine anbre Äntife, bie 
1 SB 9 I nach Politif 1,376. 3 een SRilo, in q>|otegnq»hie; «• ffi*ibn<Mbt*®unf<b. 


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9tavtmtar 1861. 


183 


Überfegung bt« Sopgofle« oon Bonner (bie einfaege Hu«gabe in 
einem ©anbe); boeg ift mir bie @6ttin natürlieg lieber . . . üfteine 
beften SBitnfege, mein lieber »ater, ffir Suer 5BogL 3cg freue mit# 
reegt «on Jper)en auf ba« 2Bieberfegen. 

JJeinrieg. 

» 

817] Sfc» Solomon 

SRönegen, 25/11. 61. 

9legmen Sie großen Danf, «eregrtejler Jjerr, für 3gre gestiegen 
feilen ... 3gr »rief war mir niegt bto6 felbft eine fcreube, er gat 
mir aueg eine anbre greube oerfegafft. Huf 3gre »aegriegt fc^rieb ieg 
natürlich an SRector Älee unb erlebte wieber wa« wir 3ungen ben 
Sitten )u wenig anreegnen, wie r&grenb banfbar »äter unb £egrer für 
jebe« Jeiegen ber Dgeilnagme oon un« flnb. Seine Antwort war 
gan) munter . . . SDieine 'Pläne bleiben wie ieg fee 3gnen fegrieb. 
2ref> werbe bie (egten Steegen ganj ber bairifegen @efegiegte wibmen, 
bie ieg nirgenb« beffer fennen lernen fann. 5Ran muß ti fegen um 
eö ju glauben, wie tief gier bie mittelflaatliege ©efegiegffoerfälfcgung 
in« »off gebrungen ift. Unter ben bairifegen Jpifiorifern ift niegt 
Siner, ber bie infamen £ögen oon bem wiebergergejlellten bairü 
> fegen Jt&nigtgume niegt ju fKarfte bräegte. Die ganje SRiegtigfeit be« 

bairifegen Sonftftutionalffmu« begreife ieg erjl, feit ieg £eregenfelb(t)’« 
SRajr 3ofepg (efe. Sin gogleö ^atgoO, eine Unfiegergeit bet fittlicgen 
unb eine »erfegrtgeit bet politifegen Urtgeil« ogne ©leiegen. Doeg 
iff ©ottlob ein anberer Seglag SRenfegen unter ber $forbtenfcgen 
SRutge groß geworben. Sin gan) ungefegminfteö Stert über »aiem 
f&nnen freilieg aueg bie »ratet unb ®6l(c)f noeg niegt oertragen... 

Sie werben über bie preußifegen »etgältniffe flarer fegen aff ieg. 
3eg betenne, baß ieg, trog einet oortrefflicgen »riefe« oon ^apm, 
noeg immer im Jjalbbunfeln irre. Sö taufen ficgerlieg unter ben 
gortfcgritffmdnnem manege unfaubere ©efelten mit um. ftrogbetu 
bin ieg mit bem Su«falte ber Steglen im @an)en jufrieben. 9Benn 
bie neuen SRännet in ber Srmtefrage bem Einige entgegenfommen, 
bann bringt bie Kammer oietteiegt neue« £eben in bie »erliner Sta* 
gnation. Sebenfad« wirb bie Seffton bie gegenwärtige »erworrengeit 
Hären. — Daran liegt mir aueg perfdnlieg fegr oiel. 3enen »rief 
«on J^agm, ber mieg über bie £age aufHdren fodte, unterfegreibe ieg 
buregau«} aueg fann ieg mir’« gar niegt «orfteUen, baß ieg je ein 


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184 


Dtjtmb« 1561. 


politifcher Segnet non JJtapm werben fottte. £efe ich ober bab mtniffetiette 
»erlinet »latt 1 , fo meine ich bpjantinifche £uft )u atbmen. 3<h hoffe, 
bat wirb fleh dnbero. 3n biefer Hoffnung bleibe ich bei ben preufj. 
3uhrbüchem unb ich benfe, ich werbe et nicht ju bereuen buben. $lu<b bau 
neue »latt von 3* Schmibt* wirb ficberlicb jur Stjiebung unb Aldrung 
bet hortet beitragen. Sie bebarf beffen wahrlich; benn bau »erbulten 
ber Slltliberalen bei ben SBablen fcbeint mir tldglich obrnndchtig, unb 
an »incfe’U jüngften Schritt * mag icb gar nicht benfen . . . 

®ou meinem £eben ift wenig |u fagen. 3<b bube mich utlmdlig 
in eine Sinfamteit gefunben, wie icb f ,e fr&^er nie gefannt. Sie foÜ 
nicht bauern/ atfo wirb fte mir nichts fcbaben. SJtünchenU Schütten: 
feiten werben mir immer fühlbarer, bie Unnatur biefer Jtunftblüthe 
unb bie grunblicbe Stohhcit bet fogenannten »oltUlebenU fyiet in ber 
Stabt (bau £attbvott gefüllt mir unvergleichlich beffer) . . . 

£eben Sie wohl unb wenn Sie meinem alten £ebter fehret ben 
foUten, fo grüfjen Sie ihn von mir. üRit ben heften SBünfchen 

3ht ergebender 

Xreitfchfe 


818] 3Cn 3uliu« Ä(ff. 

Sieber Jperc Rector, 


»tünchen, 1. Dec. 61. 


nicht • auoftthrlich — benn meine ^eit ift gar farg gemeffen — aber 
boch >ttit einigen feilen rnufj ich 3hren freunblichen »rief beant* 
Worten. <£U ift mir wirtlich eine »efchdmung, wie huch @ie mir’U 
anrechnen, bafj ich buU Setbfberftdnbliche that unb 3bnen wdbrenb 
3h«r Äranfheit ein Reichen meiner 5£hcilnahme fehiefte. Die alte 
Sefchichte fo lange bie SBelt ftebt: et giebt feine bantbareren »tenfepen 
alö Eltern unb Sichrer. 3ch buffe. Sie finb nun über ben »erg, unb 
ich werbe Sie )u aBeibnacpten ganj genefen finben ... Schun vor« 
her benfe ich, wenn bie SRebaction ihr »erfpreepen pdlt, 3bnen ben 
Sägern ju fehiefen. St ift mir bei biefer unerquicflichen Arbeit recht 
tlar geworben, wie alle folche biograppifepe ©fiji<n ein SunuUgeftept 
tragen, »alb fteigt ber »iograpb hinab biu ju jenen tteinlichen »e« 
gebenbeiten, bie fchon mehr ben 5£opfgrdbet alb ben J^iftorifer an« 
gehen, halb erhebt er fich wieber über ben Jjjiftorifet unb tarnt, faft 

1 Di« tprenfifept 3«itnng. 2 Di« SSeriin« 9ßgtm. Rettung. > er lernte «in« 
ÖBifbnroaljt fftr ba< 9bgwbnrtmf)flui ab. 


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Deitmtar 186L 


185 


► 


wie ein Äünßler, ergreifen ber al« e« eine SBeltgefchichte vermag, He 
gebeimßen Sünben unb Xugenben einet ^eit in einem SRenfchen «et» 
fbtpern. Unb HW iß möglich nicht bloö bei großen Naturen, fonbern 
auch bei beweglichen Vlenfchen oon geringerem Debatte. SOHr tft ba« 
gonje unwürbige Slenb unfret JnfWnbe nie fo unmittelbar nabe ge* 
k treten, aW bamal« ba ich biefen braoen gefcbeibten alten $erm fein 

{eben grabeju vertieren fab, weil He äleinßaaterei ibm feinen Stoben 
gewährte. — Wrtürlich H&’ icb jeßt viele Memoiren unb {eben«« 
bef<breibungen gelefen. Unter ben taufenb SBemertungen, bie fi<b Sinem 
babei auf bringen, füllt mir bie eine ferner auf« J^erj, wie früh 
bo<b unfre ®üter ju einer entfcheibenben einflußreichen Stellung in 
ber SBelt gelangten. Da« iß Hute nur noch in ben technifchen 18e* 
rufen mbglich. Da bleibt un« nur Sine« übrig: recht lange jung ju 
bleiben. Unb icb benfe, ba« bringe icb ju Stanbe, vielleicht grabe 
befbalb, weil icb nur eine ganj furje Jett wirtlich rob gelebt habe 
unb auch bamal« nicht glaubte, nach ber Surfchenjeit ginge ba« 
^btltfferium an. — Neulich fprach ich flüchtig .£erm. {ingg; ba« 
brachte mich barauf feine ©ebichte orbentlich ju lefen. & ftnb bo<h 
herrliche Sachen barunter. Webt bie vtelgepriefene „bißotifche ipti V 
gefüllt mir; ba« fann hoch nur jenen {iterarhißorifem behagen, bie 
b nicht eher ruhig febtafen Knnen, alö bi« ße für jeben neuen Rotten 
einen befonber« bejeichneten ©laOfaßen gefunben. 9lber mehrere 
SBattaben ßnb fefton, unb bie fchwermütbigen {über mit ihrem er* 
greifenb wahren Scßmerje verßeßt man recht, wenn man ben SWann 
gefehen: berb unb plump in ber Haltung unb bo<h ßcßtlich im 3nnern 
arbeitenb unb leibenb. — Äürjlicß warb hier ju Äbnig« @eburt«tag 
ScheUing« Statue enthüllt — be« (gefeierten unb be« Stifter« wür* 
big — fchauberhaft! Diefem wiberlichen (geflehte — halb finntich halb 
anmaßenb — fleht man e« an, baß von bem Spanne Weht« — ober 
nicht« ©ute« — in unfer gleifeh unb »lut übergegangen iß 1 . Da 
rühm’ ich mit 3bren Sichte, bem Sie ja, wie He Leitungen melben, 
bie verbiente Shre er weifen. jDb S)t. von Stouß nicht auch <*uf ben 
©ebanfen tommen wirb nach bairifcher Seife bie großen fonigl. 
Sachfen ju verewigen? fthomaßu«, {eibniß, {efßng, Sichte müßten 
t ftch neben Sluguß bem Starten in 9teußabt herrlich au«nehmen. — 

Da fehen Sie übrigen«, wie wenig ich in 3R. acclimatißrt bin, baß 


1 »gl. Dratfcbe @ef<bi<btt 1,806f. 8,77. 


» 


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186 


Sctoafo 186L 


1 


ich fo lange oon ein« neuen 23ilbfdule trete. ©ergleicgen fdtCt gier 
nicht mehr auf wie anberwdrtg ein Scgweinefcglachten . . . 

Seben Sie wogl, liebet JJxrr Sftector unb fcgw&ren Sie — unfrei» 
wegen — bie mogfooitifcgen ©runbfdge ab, bie Sie bigger einge« 
ganbnermagen gegen 3gr« ©efunbgeit befolgt haben. 

3gr alter Spüler 

Üreitfcgfe. 

Sehr intereffirt bat mich, bag Sie »ietfeicgt jener Äritifer ftnb 1 , bem 
bloten feine pibelgaften Slrtigfeiten wegen ber £iga oon Sambrai fagt. 

319] Än J&uao SW«»«. 

Süncgen, 1. ©ec. 61. 

... 3m September erholte ich wich auf einem nur allgufurjen 
Slugfluge nach Xprol unb feitbem ftg’ ich bie* fchauerlich einfam unb 
»ergraben in Arbeit, aber guteg SWutgö. 811« SBeiggeit für bag Seben 
ig ber Stoicigmug gtgerlith eine arge Sünbe; für furje ^eit ifl er 
mir ein Strog, ba ich weif, bag meine Sinnlichleit (gottlob barubet 
nicht ju ©runbe geht. 3cg übe ihn htier reblich, fehe eigentlich nur 
Sinen SDlenfcgen . . .* 3 U Seignacgten gehe ich nach #aufe, wohin 
ich »«*» fegt an meineg ®atert wegen fehr häufig reifen werbe, gu 
Neujahr nach Seipjig • • . 23i« Seignacgten aber mug ich noch bie 
traurigen Saoarica abthun ... kleine Quellen ftnb fo fdrglicg, bag 
ich auch — Segfe nicht oerfegmdhen barf. Sr citirt oft feltne 
Schriften, bie man fong nicht gnbet, unb mit einiger Sorgcgt lügt 
ftch auch Sinigeg feiner eignen Angaben betrogen. ©ie SJdnbe über 
SJaiem ftnb girr natürlich oerboten, wie bie Setfenbdnbe geger in 
©einem Sognftge, lieber 2Belfen*.#ugo. Sllfo bitte fcgicle mir bie 
legten Sdnbe oon SSehfe’g bair. J^ofgefcgicgte . . . ©ag Sünegner 
geben hat mich ®i«k« gelehrt; bag S3ege war bag ich unfren herrlichen 
Süben fennen gelernt unb über meine Sebengpldne fegt etwa« Rarer 
fege, ©och bin ich froh, bag ich halb wieber unter SDienfcgen fornroe. — 
93on ben gieggen Soften hob’ ich £ingg fennen gelernt... feine Rn» 
läge fleht hach Aber ©eibel unb J&egfe, aber fte ftnb mehr Äüngler unb 
harmonifche Staturen ... Sag fagg ©u gu ben preugifegen ©ingen? 
®g ig eine furchtbare -Krifi«. 3cg fann mir bag ^ufammengegen 

1 in b«n f. »iff«nf<b. Äritif 1833, Dft. @». 699 f. 3 5E«f<$«nborff. 


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Dttember 1861. 


187 


von Regierung unb Kammer al« mbglicg benten ... Slber im befielt 
Satte mürbe bie Regierung boch nur von ber Kammer geflohen 
»erben; unb »ie »itt eine fott^e Regierung in ber beutfcgen Sache 
felbftdnbig vergeben? 3ch geflege, bie Dinge fchefnen mir geitto« »er# 
werren. Rieine erfte grage ifl, welche 9>artei bereit ijt, ben beutfcben 
Staat sans phrase ju grünben. 3n biefer jjnnficgt erwartete ich mehr 
»en Rinde at« von ffialbedf, unb würbe e6 ne<b tgun, wenn nicht 
bie Slltliberaten bei ben ttBaglen fe tgatlo« aufgetreten wüten . . . 
Segt 3gr bie Sache flarer? 2eb wobt, grüße gten«bff unb Rlbt 1 
unb nimm im Rorau« meinen Danl. 


Dein 


D. 


380] Kn ßranj JD#etb«f. 

Rlüncgen, 11. Dec. 61. 

3<b batte bie Kbfugt, lieber gteunb, Dir in biefen Dagen einen 
Rittbrief $u fcgiden; ba macgft Du mir burcb Dein Schreiben eine 
unerwartete große greube in meiner Sinfamfeit. 3<h wünfche Dir 
froge« 3lu«garren bei ben ©runbfügen, bie Du auöfpticgft. 2Bie febr 
ich Dir« gbnnte, baß Du febr halb bie leibigen ^rüfungOnbtbe hinter 
Dir bÜttefl, fo macht hoch Deine ungewbgnlicge Sage eine ernjigafte 
Rorbereitung nbtbig, unb e« barf auf einige Rlonate mehr nicht an# 
tommen. 9lbet burchbringen mußt Du; baß wünfche ich nicht blo« 
um meinetwillen, fonbern mehr noch »egen ber Unioerf. — Du tannft 
in S. febr viel @ute6 wirten/ mehr fogar at« Xipfiu«. Denn Du bift 
eine menfcgticb freiere Ratur al« er, an Dir haftet Rieh» »on jenem 
theologifchen ©efegmüefeben, ba« er nicht ganj verleugnen tonnte... 
Ron mir mag ich nicht Riet fchreiben; bie legten Dage in Ri. wotten 
noch rebtich benugt fein. 3<h habe viele $lüne unb werbe fte auch noch 
burchfübren; aber ich bebarf ber 3eit Unb oft macht e« mich «tnft 
)u benten, baß noch 4 3agre in« Sanb gegen werben, ege ich f*ßen 

guß in ber tffiett faffen tann-Sttfo auf 2Bieberfegen — 

oermutgtich wieber in einer Dre«bner Kneipe mit meinem lieben alten 
Klee. — ©tüße bie Relannten unb nimm für Dich meine heften 
SBünfcgc ... 

Dein 

Z. 


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188 


Dqmtlxr 186L 


821] 9n @uffrroa stn 

Äbnigßein/ 26. ©ec. 61. 

©iefe ©age hoben meine (gebauten febt oft )u meiner Sutter 
jurücfgefübrt. ©ie* geß mar ibr ber liebße ©ag im 3a$re, fte mar 
unemtüblicb e* un* ju verfebbnern, unb bie*mal ifi ei un* recht 
traurig vergangen. @o forame ich ganj von felbß auf 3^ren SBtief, 
meine verehrte greunbin, ber mir fo betriebe Sorte fagt über biefen 
©ebtag. ©ie hoben übrigen* Stecht: ich fann von folgen ©ingen 
nicht lange reben. Stur Sin ©ebante fdßt mir bei 3b*en Sorten 
febmer auf* #er$, melcbe unbegreifliche ^ufüffe e* boeb f«nb, bie Sen* 
feben einanber entfremben ober jufammen fuhren. 3cb fann ©ag unb 
©tunbe angebc^ feitbem meine Butter von bem ©lauben jurüeffam, 
baß ich fie nicht liebte. 3cb fam au* meinen erjien Univerßtät*« 
ferien jurücf unb fanb fie franf an ber ©eßcbt*rofe. ©a* ganj ge« 
möhnlicbe Sitteib/ ja ber rein pbbßßbe ©ebreef, ben ich {eigen mochte/ 
al* ich ba* liebe ©eßebt fo entßcßt fab — ba* bot ihr juerß bie 
Überjeugung gegeben/ baß ba* $erj ihre* ©ohne* ihr nicht fremb 
fei; unb von ba an mar mein SBerbültniß ju ihr ganj ftar unb rein. 
S* iß boeb traurig/ folcber gdße ju benfen. ©enn mie viele Senfeben 
mag jeber von un* fennen, benen mir unenblicb mehr fein fbnnten, 
bitte fleh nicht au* taufenb unßcbtbaren Jtleinigfeiten eine ©ebranfe 
jmifeben un* aufgebaut. Sa* mir ßeben*mürbig nennen/ ba* iß im 
©runbe nur bie Äunß — ober ba* ©lücf — jur rechten ©tunbe ba* 
rechte Sort ju ßnben, ba* folcbe Jpemmniffe jmifeben ©eelen, bie )u 
einanber gebbren/ befeitigt. ©iefer ©ob bot mir fo emß gejeigt, baß 
boeb eine ©tunbe fommen fann/ mo e* baju ju fpit iß; unb ich 
tbue jegt mein SSeße*, um ju ben Seimgen ganj ftar unb aufrichtig 
)u ßeben. Stur gelingt e* leibet nicht recht mit meinen ©cbmeßem. 
Sir verfebren ganj gefcbmißerlicb jufammen/ aber bei jebem Sorte 
über ernße ©inge ßoße ich auf ein falte* Slblebnen, meil einmal 
— jum guten ©beite bureb ba* ©erebe alberner ißermanbter — bie 
Seinung feß ßebt, ich fei in jeber J^inßcbt ein unverbefferlicber Sflabü 
falcr . . . 

3cb muß 3b«en noch erjäbten, mie ich bierbergetommen. 3ch bobe 
ben Seg über Sürjburg genommen unb bort ben ©ebbrarjt ©riltßb 
confultirt Sr bot mir gefagt/ baß ich feine Hoffnung bobe/ aber 
auch bei einiger Sßorßcbt vor meiterer Sßerfcblimmerung ßeger fei; unb 


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Dejember 1861. 


189 


ich Bin mit tiefem 3lu«fpntih jufrieben. Stuf bet SReifc befugte ich 
noch einige boirifcbe ©tdbte, bie ich nid^t fannte, natürlich a(6 guter 
$rtußc 8ln«pach unb (Eulmbach mit bet $(affenburg. 3n 81. geigte 
mit ein alter Äüfter bie 5Rarlgrafen«@rdh«r, ein preußifchet Skteran, 
bet immer wiebet oetfuberte: „x bin halt a $rei§" unb non ben ge« 
fegnetcn vierjebn 3ahren bet preußifchen #ertfchaft nicht genug ju 
preifen wufte. #6rt man fcparf fyin, fo ftnb ti bo<$ bie conftffto« 
netten ©egenfdße, bie ben gemeinen SRann noch immer bewegen. Die 
^(affenburg ift ein wfirbige* ©tammfchloß eine« großen 4?aufe«, unb 
c« war ein hdßti<h*f 8ln6ticf, wenn je$t burch bie herrlichen »ogen* 
ginge, weiche bie »ranbenburget im ebetften SRenaiffancefHU erbaut, 
bie £uchthdu6ter in ihrem traurigen ©infemarfche fchritten. ©tauben 
©ie übrigen« nicht, bafj ich ben Jpohenjoüern fo überfchwingltcp 
hutbige, wie e« mein Liebling greptag thut im neueren »anbe feiner 
»Uber oom beutfcpen fBotfe (ben ©ie lefen müffen) *. 3cp weiß recht 
gut, baß bie treibenbe Äraft in Preußen heute im 93olfe, nicht mehr 
in ber Ärone, liegt; unb bie unfeüge £e$linger Sagbgefchichte fann 
mich in tiefer SReinung nur beftdrfen*. 8iber wir fotten ben $ohen« 
jottern nie oergeffen, wa« ihr 83olf burch fte geworben ift; unb benfe 
ich gor ber anbren Dpnaftieen, etwa unfrer jammerootten 9l(bertiner, 
fo barf ich ®‘ e woht um 3h* gurftenpou« beneiben. — 

Den ©agem hoben ©ie wohl erhalten ? 3<h bitte ben 8(uffa$ gern 
fo gefchrieben, baß er ©ie mehr intereffiren fonnte; aber ich mußte mich 


1 ©. Ireitfcpfe« Slnjeige giftet, u. poüt. Suffdfce 4,564 f. 3 3** bem «Its 
m&rfifchen Dorfe 2eptingen bti ©at belegen, rinrtn beoorjugten (Aniglichen 3agb= 
Aufenthalt, war am 11. Dt), in ?lnwefenheit Äinig Wilhelm« bie if)m ju banfenbe 
Äi«b« geweiht worben. Über feine na<b ber feiet ben oerfammelten qjagoren ber 
Diijefe gehaltene Snlpracpc bie jünggen (Sohlen jum preufjifcben Vbgeorbncten; 
häufe betreffenb brachte bie Äreujjeitung am 17. einen ©ericht, ber bem Buibrucf 
titfget ©etrübni« bie (Sorte folgen fiel: «Wan fcpitft Wenfcpen nach ©erfin, welche 
all politifche (Berbtechet «erurtheilt ftnb, unb welche nur burch bie Bmnegie bie 
©rlaubnig erhaben haben, }urütf)u(ommen. Wein ©tanbpunft wirb aber berfelbc 
unb unverbrüchlich feft bleiben. 3$ habe meine Xtone von @otte< Bitar unb aut 
ber Jpanb ©ottei genommen; ich banfe ©ott, bafj ich gewifj weif, ich habe bie 
Arone von ©otte« ©naben; ge ift auf mich burch eine (Reihe glorreicher (Borfahren 
«ererbt unb ich »i® ge bewahren.* Da« Winigerium, h' (t l u »von .pjehget ©teile 
ermächtigt*, erflärte in ber amtlichen Rettung, bafj biefer ©eriept bie (Rebe be« 
Ainig« «in tenbenjiifer (Seife übertrieben, ja entgedt* fyabt', «or adern fei jene 
Aufjerung über bie fSapl «on amnegierten potitifepen (Betbrechern «in (einer (Seife 
webet btm Wortlaute noch bem Sinne nach 0«*h«» »orben*. hiergegen blieb bie 
Areuueitung im wefmtlichen bei ihrtr Witteilang. 


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190 


Dqanbtt 1861. 


nach bet Decte ßrecfen, b. b- nach ber Stenbenj bet preußcfcßen 3ahrbücber, 
otfo baß ^olitifch« beworbebeti unb baß 9>erf6nli«be jut Seite (affen, 
gcgentlidj bat mi<b baß ^erfinlicbe am SReißen angejogen; benn grabe 
an fo(<ben Innern bet (egten ©eneration, welche nicht ju ben not« 
nebmflen ©eißern geboren, erfennt man am Deutlicbßen ben unge* 
beuten ©anbei unfrer ©eßttung. (Sie hart unb febweigfam, wie tut) 
angebunben unb prunfloß iß bieß ©efehlecßt gegen feine ®<Ster, ja 
notb gegen baß 3abt 48. Sogar unfre politifeben Sbeale verfolgen 
wir rneiß nicht mehr im dtaufebe ber (Begeißerung, fonbem in ber 
nüchternen Srfenntniß einer unvermeibtichen (Rotbwenbigfeit. 3<b will 
bamit nicht fagen, baß wir bie Sentimentalität ber aiten ^eit febon 
gänjticb abgefcbüttelt bitten; wir müffen noch um (Bieleß nüchterner 
werben, ebe ber große Sntfcbluß reifen fann, ber bem 35facben beut* 
feben Slenb ein enblicbeß €nbe bereitet. Slber ein großer gortßhritt 
iß bo<b unoertennbar. Unb wie unliebenßwütbig fie unß oft erfebeinen 
mag in ihrer 3agb nach 2Ra«ht unb (Erwerb — ich (affe mir meine 
•Seit nicht f«betten. 9Renfcb«n, welch« immer wieber pathetifch von 
ber Äranfbeit ber ßeit reben, erf«beinen mir wie jene wunbetlicben 
Zeitigen, bie ihre eignen gehler febamtoß im 2Runbe führen. SBtrfßcb, 
wir fünnen unß felbß nicht außerhalb unfrer -Seit benten, unb fie 
tut) unb gut verwerfen beißt ftch fetter febmüben. 3cb ßnbe in biefen 
Sagen überall einen gefunben Drang nach ©abrbeit »«*> Statut; unb 
ber 5Bunf<b, in einer anberen 3eit ju leben, iß mir nie beigetommen. — 
(Bor 3bn«n freilich muß ich mich wegen meiner gftrmlicbfeit recht« 
fertigen . . . SBenn wir erß ju feber gebitteten grau gndbige grau 
fagen unb feben (Kann f«blichtweg beim (Kamen nennen — ber einige 
foeiale (Borjug, ben ich bißbet beim SCbet entbeeft habe — bann haben 
wir enblicb ben fchlicb^anßdnbigen San gefunben, ber granjofen unb 
Snglänber fegt noch vor unß außjeichnet. Uebrigenß foden Sie auch 
mit bem gnäbigen gräulein verfegont bleiben wenn eß 3(men gar fo 
ärgerlich iß. — SDlit einem anbren ©orte, baß Sie mir vorwerfen, 
gab’ ich mich wohl nur nicht glücflicb außgebrüeft 3<b bin wirtlich 
nie ber Meinung gewefen, baß nicht SWenfchen unfer ©lüct machen 
tünnten. Slber ber ©ebanfe bat mich fange beßhäftigt biß ich tt« 
alß haßten 3bealißmuß verwarf, unb (Briefe ßnb fa baju ba, (aut ju 
benten. Sß gefchiebt manchmal, baß ein Sljriom, befonberß wenn cß 
ßattlich unb logifch flingt, eine Stacht über unß gewinnt, obwohl 
unfer Snnerßeß ftch mit (Recht bawibet ßräubt. Solch« Säge muß 


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Dqembtt 1861. 


191 


man au«f|>tech«n um ft« lo« ju werben. Unb ich bin non btefem 
©toici«mu« wirttich frei unb freue mich b**i(i<h/ baß auf bie 
St&ncbener ginfamteit wieber Slage (ebenbigen Umgang« gefolgt flnb. — 
Stenn ich auf biefe Stünchner 3«* jurfitfblitfe, muß ich ib« 
bocb banfen. 3<b bube Siete« gelernt an 2anb unb Seuten wie in 
ber SBiffenfcbaft, am SEÄciften aber in ber Äunft. Senn an bem 
Stater Sefcbenborff bub’ ich nicht nur einen greunb mir erworben, 
wa« mir feit mehreren 3abren nicht mehr gefcheben, fonbem ich bin 
auch burch ihn mit bem Treiben in ber SJerffiatt, ber unenbtichen 
St&b« ber Entwürfe unb ©tubien, oertraut geworben. Sa« ift ein 
©egen für un« ©cbriftftetter, bie wir ganj ohne bie ©chute be« #anb* 
wert« aufwachfen, am Steiften für mich, ber ich uuch «t« ©etebrter 
Stutobibaft bin. X. ift J^iftorienmater unb gebbrt ju fener realiftifcben 
{Richtung 9K(ott>’«, bem e« bie Sfnbern nicht »erjeiben, baß er malen 
tann. Z, ift noch »or meiner Jeit granfone gewefen unb an ihm 
tonnt* ich techt feben, wie lange bie Äunft ihre Sunger jung erbdtt. 
Sie Steiften meiner Uni»erfität«befannten ftnb in ober ohne Stmt unb 
Stfirben fchrecttich früh alt geworben. Stit Z. tarn ich bartich au«. 
Unfer einjiger Streit war über bie Stntife, bie er nicht fonbertich 
achtet — wa« einem Stater freilich am Seichteren ju »erjeiben ift. 
3ch aber butt* e« noch ntit bem J^omer unb mit ber Senu« oon 
Steto«, bie ich mit bie« Steibnacbten bube fchenten taffen. ©ewiß, 
e« ift eine un« frembe SBett, aber ebenfo gewiß Wnnen wir unfre 
eigne Stett nur bann ttar unb ficher »erfteben, wenn wir jene »et* 
funtene in un« aufgenommen buben. — 

3n einigen «lugen geh’ ich nach Seipjig (3nfetftr. 15.); ich »erbe 
recht unoerfchdmt fein unb ©efchichte be« beutfchen Sunbe« tefen. S« 
ift febr nbtbig, baß bie ©tubenten etwa« ba»on erfahren. Sie anbren 
Socenten wagen fleh «uh* baran; ich über ftebe bei ber {Regierung fchon 
fo fchtecht angefchrieben, baß ich mir einige greibeit ertauben barf. CE« 
wirb «ine arbeit«reicbe aber, ich buff’ <«, auch «in* gthrftich« £eit. — 
Stuf 3br Serfprechen wegen ber Sortefungen 3b**« Sätet« jdbte i<h> unb 
auch uuf einen Srief hoffe ich über tut} ober (ang. Saß ©ie Sebenten 
haben, ob meine greube über 3b*«n (egten Srief nicht eine höflich« 
gto«fet gewefen, war mir gar fomtfeh. gragen ©ie 'mat ©teinmeg 1 , 
ob ich meiner hbftichen Heimat Sb«« mache. Stuf biefer ©eite liegen 


‘ @. o. ©b.l, @.474. 


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192 


35f}«nbn 1801. 


meine gehler ftc^erlic^ nicht — Xeben Sie wohl, meine verehrte 
gmmbin, unb hoben Sie nochmal* Dan? für Sbre belieben testen 
©orte. 

3f>r Aufrichtig ergebner 

Streitfchfe 


322] 8ln Jh«nri<|t ©«$mann. 

Kßnigflein, 31. Der. 61. 

Sieber §teunb, 

. . . 6$ fonnte mich nicht* Sittrere* treffen 1 . 3e§t grabe/ ba 
ich tügtich om guße be* getfen* ihr @rab unb oben im $aufe überall 
bie XücJe febe, bie fte gelaffen/ fegt grabe wirb mir ber Scbmetj tdg* 
lieh neu. 3<h hnbe in ben lebten 10 Soßren feinen ©enfehen fo innig 
geliebt. . . 3n Xetpjtg hob’ ich trog aller afab. Erfolge nicht einen 
Schatten oon 3lu<ftcht; ja, oon allen Seiten werbe ich gewarnt oor 
ber Sorlefung über beutfehe ©efchichtt feit 1815/ bie ich in 8 «tagen 
beginnen werbe. Unb wenn Du oon biftorifchen Arbeiten einen Segriff 
baft, fo wirft Du begreifen, baß jene, welche ich unter Jpdnben bube, 
erft in einigen Sohren fertig fein unb mir erff bann einen Stuf oer* 
fchaffen fann. Sin naQtayov baoon fleht im StoobrsJJieft ber preuß. 
Sobrbb., ba* Sehen ^>an* oon Sägern* ... So finb meine mate* 
rieUen 3lu*fichten feine*weg* gldnjenb, wenn ich ouch nicht, wie 
meine fchwarjfichtigen gteunbe, meine Sfbfegung befürchte. Dagegen 
ifl mein Xeben in ber «tbat reicher unb gehaltvoller geworben, feit ich 

fo wichtige SKrbeiten begonnen-9tun gebt e* in ba* neue 

Saht mit etwa* eingenommenem .Kopfe (benn bie ©affe ber Arbeit, 
bie noch vor mir liegt, oerwirrt mich oft), aber mit gutem ©utbe. 
2Beiß ich hoch, bafj mir in X. oiel Siebe unb oiel nicht minber ehren* 
ooder 4?aß entgegenfommt, unb ein reiche* gelb gefunber «tbdtigfeit 
oor mir liegt — Sluch Dir, lieber Fachmann, wirb ba* Sohr wohl 
enblich einen einflußreicheren ©irfungöfrei* erfchließen. ©einen Slücf« 
wunfeh jum Slffeffor, unb Sottlob, baß bie Sramenqudlerei enblich 
ein Snbe bot. 3<h benfe, eine gefittetere «Jufunft wirb biefe raffinirte 
Dummheit unfre* ©anbarinentbumö bereinft nicht für mbglicp holten; 
biefe Prüfungen ftnb wahrlich barauf berechnet, febe gefunbe Kraft in 
ber „Staattjugenb* ju erftiefen*. — Sch wünfehte Deine traurigen @e* 
banfen über unfre polit. ^ufunft wiberlegen ju fßnnen. 9tur in Sinern 
1 a» bff iöb brr OTutttr. 3 ®flL politif 1,48 f. 177 f. ” 


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3 annor 1868. 


103 


► 


ßehß Du jebenfatl« ju fchroarj; hie Äluft jwißhen Norb unb ©üb iß 
ganj beßimmt fo groß nicht wie Du rneinß; ße wirb ßch von fetter 
ßhließen, wenn bie ©egenfäge in einem beutfehen Parlamente einen 
freien Äampfplag finben. 9tter Preußen? Buch bort ßnb bie Schwierig* 
feiten ju bewältigen, freilich nur für eine Negierung, beren Zugenben 
ba« grabe ©egentgeil beffen fein mußten, wo« wir in Seglingen ju 
hören befommen ... ©telen Dan! für Deine Nachrichten von alten 
Gebannten; e6 bleiben leiber, nur 2Benige übrig, bie man lieb behalten 
barf. Sin frohe« Neujahr. 

Dein Z. 


888 ] «n Äflri »«!'. 


©eehttefter Jgxrtr, 


Äönigßein, 1. San. 62. 


-ich ***ag nicht erfb verjichem, baß ich nicht au« Smpßnb* 

Uchfeit über 3b« ^Beurteilung ber ©tubien gefchwiegen höbe, ©anj 
ohne Entgegnung foll ße barum nicht bleiben. Piit bem Puche iß 
mir« wunbertich gegangen; faß iebe« ber ©ebichte bot feinen befon* 
bem Siebhaber gefunben, jegt alfo auch hohe Seiche, von ber bi«» 
her Niemanb etwa« wißen wollte. 4?ier iß 3bt Urtheil vielleicht )u 
günßig; aber ich mag e« nicht verwerfen. Die Perfe finb wirtlich 
ein ©elegenheit«gebicht; ich f<h*ieb ße, al« mein Pater mir von feiner 
Zobten wache am ©arge be« legten Äönig« von ©achfen erjäglte; an 
bem Pfanne hot ßch bie Zragit be« Königtum« wirtlich offenbart. — 
3h« anbem Sinwenbungen ßnb in ber Pfebrjagl ßcherlich wahr, aber 
ße treffen mich htute nicht mehr. Die ©tubien ßnb fchon vor reich« 
lieh «ter 3ab«n gebmett; viele ber ©ebichte ßnb noch in meiner 
©tubentenjeit, alle in einer -Jett entßanben, wo ich äßbetifege ©runb« 
füge noch gar nicht unb anbre ßttliche ©runbfäge al« heute hatte. 
3ch fegrieb immer unter bem . übermächtigen Einbruch eine« äugen« 


1 Jtarf ©ilh (1880—1901) war nach berührtem vgilologifchen ßtubium jun&hft 
an h«h«Kn Schulen tätig, ging 1861 nach ©rrlin, uw fich gier für bat afabemifthe 
Schrämt oorjubereiten, würbe bann aber (1864—70) tXebahrur ber Notbb. «Qgem. 
Leitung unb feit 1879 if>r ft&nbiger ©erichterflatter fftr bat ÄgL ©thaufpielhaui. 
„Dramatifche ©tubien* (3 Jgeftt 1868) folgten auf bie, wie Dreitfchte im Sit. 
Sentralblatt 19. fDtai 1860 urteilte, „anregenbe, bei Durch benfeni werthe deine 
Schrift*: Die bramatifche ßrage ber ©egenwart (1869). dugetbem lebte er in 
©ertin, bann in ©rof^ichterfetbe, eigener bramatifd^er ^tobuftion jumeift von ber 
fomifchen ©attnng unb fprachwiffenfcbaftlicbcn unb literarhiftorifchen Arbeiten, 
«uch ©ebichte hat er »erhffentlicht. 

n. 18 


L 


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194 


1868. 


bildlichen Crlebniffe*. Storau* ertÜrt ftch Biele*. Wenn @ü txn 
Eingang ber Äranfentriume verworren finben, fo (amt ich mit fagen: 
ich fcbrieb ba* ©ebicht, al* ich eben febr ftanf — unb in golge beffen 
fafl taub — gewefen war unb baburch non felbfl auf biefe Smpfn* 
bungen geführt würbe. Da* „Wieberfeben* würbe ich beute nicht 
mehr föreiben; banial* wufte ich nicht/ baf ber flarfe patbologifcbe 
Sinbrucf biefer ©efcpichte Sitte* ifi, nur nicht iffbetifcb. — Slber bie 
Sucrejü» geb’ ich 3b**en nicht prei*. 6* ifi wirtlich fo, unb ich höbe 
ba*, wie ficher viele Sintere, felbfl empfunben: ein SBeib (ann fo 
fcpin fein, baf man jebe* ftttliche Urtbeil vor ibr vergift Da* ifi 
gewif nicht bie vomebmfle Slrt über grauen ju benfen; hoch ichfebe 
nicht ein, warum man nicht auf biefe wahre unb berechtigte Cmpfin* 
bung eine Srjiblung aufbauen fott. 3br Liebling 2ingg mochte biefe 
Berfe vor allen übrigen leiben. — Doch genug bavon; e* giebt @e* 
fcheibtere* ju reben al* Betrachtungen über meine eignen 2Berfe. 3ch 
banfe 3hnen für 3br Urtbeil berjlich, benn ich ertenne Sinige* bavon 
al* unbebingt richtig an, unb von bem Slnbren (ann ich wenigflen* 
ba* Söefte fagen, wa* f»h über ein Urtbeil fagen lift: ich febe einen 
befHmmten Wenfchen babinter unb begreife, baf ©ie grabe fo urtbeilen 
muften. Slber wer in oder Seit bat 3bnen gefagt, baf ich von 
3brem Soriolan „9licht* wiffen will*? Dann muf ich meine Weis 
nung febr unglüdtich au*gebrücft hoben, ©oll ich ft* »n 2 feilen 
jufammenfaffen? 3<b meine wie ©ie, unfre Sbiffaffung ber Wenfchen 
ifi eine anbre al* bie ber ©bafefpearefchen £eit; aber biefe Äluft ifi 
nicht fo grof, baf fchon brüte ein Dramatifer ungeffraft einen von 
bem ©riften aller Dramatifer behanbelten ©toff wieber bebanbeln 
finnte. ©ie hoben einjelne Bewegungen im Cbarafter 3bre* gelben 
febr glücflich aufgebecft, bie un* mobeme #6rer am Weifen feffeln 
müffen aber von ©b* gar nicht bemerft ftnb; bafür werben ©ie in 
ben ©eenen, bie ©ie mit @b. gemein haben, von 3brem Borginger 
erbrüdt. Daju (ommt — unb ba* fott ber Dramatifer nimmermehr 
mifachten: — unfer publicum lebt noch unter bem unvergefliehen 
Sinbruefe ber ©b’fcb«n Werte — jum ficherfen Beweife, baf wir 
iener Weltanfchauung fo fremb nicht finb wie ©ie meinen, ©ie 
(innen alfo bei einem folgen ©toff« nicht auf fo unbefangen empfing* 
liehe #6rer jiblen wie ber Dramatifer fte braucht Berfuchen ©ie 
e* einmal mit einem ©toffe, bei bem ©ie ganj auf eignen Beinen 
flehen ... unb ich wette, e* (ann 3bnen gar nicht fehlen, am Wenigflen 


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3 anuat 1862. 


195 


bei einem fomiföen Stoffe, ©aff Sie gar 3h« ffhon »offenbeten brarna; 
turgifchen Schriften nicht herauSgeben »offen/ finbe i 4> abfcheulich. 
erlauben Sie mir 3bnen ju fagen, baff ein Sann niemals mit ©es 
wufftfein einer „rechten Sarotte" naxbgeben foff. Denn bafAr iff 
f<bon geforgt, baff wir ohne es ju wiffen ©rillen im Uebermaffe mit 
uns herum tragen. Senn 93if<ber fchweigt, bbrt man fein »ernAnfttg 
Sort mehr Aber baS Drama; ber ^uffanb unfrer fritifeben ©lütter/ 
bie ©renjboten nicht ausgenommen, iff einfach unter bem 9tachts 
»Achter. Darum fargen Sie nicht mit Sb«« ©ebanfen. Senn Sie 
wAnfchen, baff ich mit 4?rn J^irjel fpreche, fo fchretben Sie mir*«/ 
unb ich roiff mein ©effeS tbun. 3n SAnchen §<&' ich «inen tiefen 
unb wenig erfreulichen ©lief gethan in bie heidofen Ädrnpfe ber 
ÄAnfflerwelt. Qi iff in ber Salerei Ähnlich wie in ber ^oCffe: bie 
reatiffifche #ifforienmalerei oon ^ilotp wirb in tdcherlicher Seife an* 
gefeinbet. ffion namhaften Rotten fannte ich nur 2ingg . . . Sit 
9au( JJfcpfe mochf ich nicht befannt werben. 3<b fann mir nicht 
helfen: in feinen 9looeffen fommt er mir vor, wie Siner, ber wunber* 
fchöne SlrabeSfen jeithnet — »unberfchin aber ohne 3nbalt. Unb bie 
Sabinerinnen ffnb fAr mein ©efApl fchlechterbingS fomifch» Sagen 
Sie mir boch 3h« Seinung. 

£eben Sie wohl/ unb wenn Sie mir nochmals fchreihen . . . fo 
werbe ich minber fAurnig fein. Jjerjliche ©rAffe. 

Der 3hrige 

Xreitfchfe 


13* 


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WcW t>er Seidiger 

Die ©ebnfucbt nach bem brimifeben Äatbeber, bie Dreitfebte in 
Sünden fo halb etnpfanb, war wie eine Stynung, baf bie ßeit feine« 
frucbtbarfen Sitten« in 2eipjtg noch tommen fottte. Sbenfo überragte 
bet Heine gefellige Ätei«, ber ihn einige Soweit nach feiner SRücffebr 
an ftc^> jog, unb wo er fogleicb nach ©erbienf gefdjdgt würbe, in 
feinen befien Sitgliebem, ben greptag, Satbp, ©atomon .pirjel, an 
©ebeutung faft alle« wa« Xreitfcbte bi«ber freunbfc^aftti nabe ge« 
treten war. Sohl begreiflich alfo, baf er in biefen legten einunb* 
breioiertel Sabren bie ihm erfl fo wiberwdrtige ©tobt lieb gewann 
unb fie »nur mit febr fcbwerem Jjetjen* oerlief. 

■Jwar brürfte ibn bie SÄrbeiWlafl fegt noch bitter at« früher febon. 
Sie bie Süncbener ©riefe immer wieber oon Dreitfebte« einfamem 
£eben bort erjüblen, fo bie au« ber legten £eipjiger 3«t oon ber 
brdngenben Arbeit, bie ihn nicht ju Htem tommen Idft. ©önnt er 
fleh mitten im ©emefer einmal, wie 1862 ju tyftngften, eine furje 
gerien* unb SKeifepaufe, fo muf er fie bann bureb oerboppelte 2fn* 
fhengung einbringen. »Den ©öttem fei Danf", beifit e« in einem 
©riefe »om 2. Sluguft 1862 an feinen gteunb Defcbenborff, »in acht 
SEagen tft ba« ©emeftet ju Snbe unb für mich ba« febwerfe tiforifebe 
SoUeg, ba« fleh überhaupt tefen Idft, ©efebiebte ber neuefen $eit, 
glücHicb überfanben." Dreitfcbfe hotte feine öffentliche ©orlefung 
über beutfebe ©efebiebte feit bem Siener Äongrefj, bie er gleich nach 
ber SRüetfebr au« Süncben im 3anuar noch begonnen, im ©ommer* 
fernerer fortgefegt, erf mit oier, feit bem 3uli mit fünf ©tunben 
wöchentlich unb jwar nachmittag« oon 6 bi« 7 Uhr. Der Erfolg war, 
wie er ihn nach feiner Erfahrung fegt febon ficber erwarten tonnte. 
Hber auch al« Stebner außerhalb be« afabemifeben Jpörfaal« würbe 


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Ibfötufj brr 2eip)iger 3<*$**• 


197 


er viel begehrt unb erntete warmen »etfatf bet Urteitefähigflen be« 
fottberS att gichteS buttbertflem Seburtstag unb bann, jurn fchMfcn 
Slbfchluf futj bevor er bie Stabt für immer vertief?, in feiner bin» 
teifjettben Siebe auf bie Seipjtger Schlacht 

Unb neben biefer VortragSarbeit ging bie wiffenfchaftlich literarif<be, 
rneifl ber grünblichen Vorbereitung feinet geplanten SefchichtSbucheS 
bienenb, ihren fertigen Sang. Die gorfchung in ^reufjenS Vergangen« 
beit aber brachte in ber Sfbbanblung über baS beutfcbe ötbenSlanb 
fcbon eine grucht, von ber einer ber fachfunbigflen {Richter geurteilt 
bat, fte b&te eine „wahrere, auch im einjelnen jutreffenbere hiftorifche 
Darfiettung" als ba$ ben gleichen Stoff burcb neun bidCe Vänbe 
auSbreitenbe SBerf beS gereich tigfien unter DreitfchleS Vorgängern, 
3oh<mneö Voigts 1 . 

SltleS baS, obwohl bie Saft jujeiten ihn wieber färperfich nieber* 
warf, bewältigte Dreitfchfe mit feinem freubigen RlrbeitSmut, ber ihn 
nie verlief. Vittcre Stunben aber brachte ihm jegt immer häufiger 
bie nächfle Sntwtcflung ber politifchen ^uflänbe Deutfchlanbs, ^reufjenS 
jumat Schon als im grühling 1862 baS fonfervative VKnifterium 
J^ohenlohe*v.b.^epbt jur {Regierung gefommen war, tonnte er nur 
fchwer mit ben noch immer gebulbigen ^reufjifcben Sahrbüchem unb 
ihrem Slnhange Schritt halten. Rite fte aber baS 3ahr barauf fogar 
für Vtemarcfs ^ref verorbnung vom 1. Sunt noch ffiorte wenn fchon 
bebingter {Rechtfertigung fanben, ba brach feine Ungebulb in heUen 
glammen cute. So fchmerjltch er ben Vruch mit ihrem von ihm auf« 
richtig wert gehaltenen Herausgeber empfanb, er muffte ihm fegt 
fchroff bie politifche greunbfchaft auffagen. 

Diefe Smpärung über ViSmartfS Vorgehen in ber $üt beS fchärfffen 
JtonflifW mit bem pteufifchen SlbgeorbnetenhauS, bie bamate jebet 
nur irgenb liberal gefronte Deutfche empfanb, leibenfchaftltch vor allen 
nach feiner Rlrt btr noch nicht breiftgjäbrige Dreitfchfe, änberte jeboch 
nicht bas minbefte an feinem getingfehäfcigen Urteil über ben 9>arti« 
tulartemuS ber SRittelfiaaten unb ihrer leitenben SDlännet. Sein 
Staube an 9>rcufjenS beutfchnationale SefHmmung jfanb felfenftfl; 
(aut ertlärte er, biefen Stauben nicht aufgeben ju wollen, fetbff wenn 

1 3«(ob Caro, ©ortt&ge unb ©ffapl. ©orfja 1906. ©. 198. 3n feinem erften 
©rief an h&uffer (28. ©ept. 62), bem et ebenfo wie ©pbet bie Cbhanbiung fepufte, 
bejeiepnet Re SCteitfcpte alt ein weiter auJgrfCifjrte* Aapitri auS feinen 8eip)iger 
©orfefongen Ober Rheufifhe ®ef<bi<bte. 


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108 


Vbftyfaf btt feipröff 3«^n. 


in ©erlin „ein ©iömarcf bet »fönte* regierte. Stifo beunruhigte bie 
spoHttf immer fühlbarer auch fein ©erhültnio jum ©ater, ben ohnehin 
bie Sorge über bie gefährlichen Stoffe, bie ber Sohn immer wieber 
für feine ©orlefungen wühlte, föt nicht mehr »erließ. Jtreitfehfrt 
Sluffaß über ©angenheim, Sanuar 1863 in ben ^reufifchen Saht« 
büchem erfchienen, brachte feine ©ftßachtung auch beO fdchftfchen 
Staate* unb Jperrfcherhaufeö fo föneibenb $um SÄuObrud, baß er ben 
©ater, wie er felber fehrieb, burch eine Überfettbung be* Jpefte* nicht 
frünfen mochte. 

3n folcher Sage war rt boch ein SÄuffchub ihre» offenen politifchen 
•Jwiefpalt*, bem biefe beiben einanber fo nahe »erbunbenen burchauO 
guten unb eblen ©fenfchen entgegen gingen, baß ber Sohn im Sommer 
1863 einen Stuf at* außerorbentlicher ^rofeffor nach gteiburg erhielt. 
Jener werbe ihn ber ©ater wenigflenO, fo fchrieb er, nicht wie in 
Sachfen in ber Dppoßtion, fonbem auf feiten bet in ©oben ja libes 
raten Regierung erbtiefen, äunbgebungen feiner Schüler unb greunbe, 
bie ihn ergreifen mußten, jeigten Slreitfchfe, wie ungern ihn affe* wa* 
ihm felber in Setpjig teuer geworben je§t feheiben fab. 

Über SBien burch Saljburg unb 5Eirot reifenb, um »on ber genügen 
Snfpannung burch fürperliche fleh ju erholen, unb wie immer Sanb unb 
©tenfehen mit forfchenbem Sluge betrachtenb, traf er am 23. September 
in greiburg ein. 


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334] 8n Nubolf fyayxxu 

fcipjig, 11. 3<m. 62. 

Srnfelfhr. 16. 

©«brtejfcr #err, 

... nacktem bie ©übbeutfcbe Somfponbenj folgen ?dmt erregt (Me 
äugöbutger $tg foß, wie mir ein 6fhceicber foeben fagte, ftcb noch 
immer barüber erbofen), wtß e« mir fcbeinen, al« tonnten folc^e 
Gorrefponbenjen boeb einigen 9lu|en fftften. Unb wettetet überwtnbe 
icb meinen (Efel unb febreibe Sbnen einen ©rief über b«ftge 3 u ftänbe, 
bie mir befannter ftnb al« bie bairtfeben unb — »ertufebt unb ent* 
ßeßt wie fie ftnb bureb bie ftroile geigbeit unfrer treffe — einer 
ehrlichen Seleudjtung bringenb bebßrfen. Sebenfaß« muß fi(b ein 
folcber ©rief burch gänjlicben Mangel an ber 9lationaltugenb ber 
Jjofltcbfeit auöjeicbnen . . . 

Sie woßen »on meinem Treiben hören, ©eit 8 Klagen bin ich 
hier unb höbe jum guten Anfang einige ßtoth mit meinem ©ehörs 
leiben. Doch hob’ icb beute ein Goßeg über ©efeb. Deutfcblanb« feit 
1816 begonnen/ ba« fteb bi« in ben ©ommer binjieben foß, Der 
£ulauf war fo, baß e« mir lieber wäre, wenn icb etwa« au« ber 
ßJlobe fäme. ^SÄudflcbten", wie @te’« nennen, giebt e« natürlich nicht 
für mich; boeb b«t mich ein ©efpräcb mit bem SRinißer überzeugt 
baß icb auch 9li<bt« ju fürchten bube . . . 

Sie gern mochte ich 3bte febwarjen SÄbnungen wiberlegeh; boeb 
wage ich e« nicht, obwohl e« mir unbegreiflich wäre, wenn bie ^Regierung 
mit biefer Kammer fleh nicht »erßänbigte. CE« bängt wieber äße« 
an ber beutfeben grage. 9lur bie ©ewißbeit, baß ba« Jpeer für Deutfcb* 
lanb gebraucht werben foß — unb e« muß gut enben. 2Senn man 
in ©erlin nur ahnte, wie btefe ©taaWmänner ber SRaubßaaten über 


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200 


3«nuat 1868. 


$reuffen gu teben mögen. 3<h höbe toi in jenem ©efprüche mit 
gaßenffetn genoffen; bodj nahm er meinen offnen ©iberfpruch an* 
ffänbig auf,.. 

3hr aufrichtig ergebner 

Streitfchfe 


326] Kn btn Satte. 

Seipgig, 12. 3an. 62. 

ÜRein lieber Später, 

-‘— Die« Unmohlfein 1 gmong mich ben SBeginn meine« 

Soßeg« hi« geffem Slbenb ju oerfchiehen. Qi mar furchtbar voll, fo 
baff Einige gum genffer einffiegen, ütnbre roieber umfehren mufften. 
Sch meiff noch nicht, mie ba« merben fofl; benn e« iff flar, baff mir 
m biefer Sltmofphüre nicht ejcifftren fonnen. Uebrigen« lege ich fein 
aßgu groffe« ©emicht barauf; ich bin nicht fo Knbifch eitel, baff e« 
mich unglucflich machen foßte, menn fpdter ber ^ulauf abndhme. 
«Keine jjauptforge iff vielmehr, baff mich bie Unruhe biefer Sorlefuitg 
nicht an eigenen Arbeiten hinbere. Sch hoffe, ffnb erff biefe tumul* 
tuarifchen Stage bei Anfang« überffaitben, fo merbe ich SKuffe bagu 
ffnben. — Schon bie erffen menigen Sefuche hoben mir gegeigt, 
melche« Keff deiner Sntriguen biefe ©etchrten4Repub(it iff. Qi iff 
traurig, mie gar feiten dare offne (Sbaraftere ffch ffnben. Doch meiff 
ich, baff ich unter ben älteren ^rofefforen auf Sffbrecht unb Srocfhau« 
unbebingt jdhlen fann unb an 3am<Je unb Sllfreb guverl&fftge gteunbe 
habe. Da« unnüfce ©etebe, ba« mohl gemeinte mie ba« abffchtliche, merb’ 
ich ßnf« liegen (affen; unb auch Dich bitte ich Dich nicht fforen gu 
(affen, menn etma in Dre«ben mieber etma« gepuffert merben foßte... 
Sluch von einer ^rofeffur für mich mirb natürlich Siel gefprochen; 
unb ich miß Dir (Einige« barübet fagen. 2Bie ich Dir fchon mitge* 
theilt, iff h»«r — letber eingig burch bie Schulb ber gacultit, nicht 
bei SKiniffet« — bie unverbrüchliche Unfftte eingeführt, baff bie gacut 
tüt über ihre Docenten nur bann ein ©utachten abgiebt, menn ber 
SKiniffet ffe bagu aufforbert. Sine folche Sttufforberung ergeht aber 
grunbfüfflich nur bann, menn ber SDocent um eine 9>rofeffur ober 
fonff etma« angehalten hot. «Kit iff biefer ©ebrauch, ber bie bettete 
hofte ©effnnung unter ben Docenten fpffemaßfeh groff gieht, in tiefffer 
Seele gumiber. Jpdtte ich biefe Serb&tniffe früher getonnt, fo mütb’ 
* «ine fatarr$alif$t Kfftfti*n M Obre*. 


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3«nu«t 1668. 


201 


ich mich nimmermehr fm* ^aSititirt hohen. Doch iff rt burch ba« 
lange Beffepen tiefer Sitte bahin gelommen, haß man in einem 
fotchen ©efucpe (eine Sitte, fottbem lebiglicp eine gormalitdt fieht. 
Senn ich hier überhaupt eine ^rofeffur erlangen will, fo »erb’ ich 
übet (urj ober lang biefen Schritt thun muffen. Sch (ann mich «her 
baju nur bann entfchlieffen, »enn ich »enigffen« bie SDioglichfeit 
eine« ©elingen« vor mir [ehe. Sch bitte Dich alfo, lieber Batet, baff 
Du gelegentlich im ©tfptdcpe ben Siniffet fragff, ob er glaube, baff 
ich 3Tu«fichten habe auf eine ^rofeffur. 2ln bem Xitel liegt mir natür* 
(ich 9Hchtt; bo<h wirb ein $rofeffor leichter al« ein Docent au«wdrt« 
berufen. Segen biefe« Bortbeil« möchte ich hie Sache nicht ganj fallen 
(affen ... Soeben (am ber gamulu« unb bat mich im Namen meiner 
Zuhörer, in ber Slula ju lefen. S« iff fraglich, ob ffe mir gewdprt 
wirb (»enigffen« iff ihre Benufcung bi«her noch (einem Doeenten ge* 
ffattet worben)... Da« Beffe wa« mir bt«bet wiberfahren iff bie Be* 
(anntfchaft mit Steptag. Sr (am mir fo freunbtich entgegen, al« ich 
ihn gleich am erffen Slbenb an einem öffentl Orte traf, baff ich ihn auf* 
fuchen (ann. ©an$ uneigennüfcig iff feine greunblicpfeit natürlich 
nicht, beim wo gdbe e« einen uneigennützigen Nebacteur? Sr braucht 
mich für bie ©renjboten, unb erlaubt e« meine ?rit, fo werb’ ich ihm 
gern gefdllig fein; beim ich wüffte nicht, an weffen Umgang in 2, 
mir mehr liegen fodte... Nun lebt wohl, nehmt Sille meine beffen 
©rüffe. Die Schweffem feilen ©etbel« neue ©ebicpte lefen; ffe ffnb 
wenigffen« oiel fchöner al« bie alten. Dem Xropf fagt, wie fehr ich 
ihn verachte, feit er am Sorgen meiner Slbreife fein point d’honaeur 
fo jdmmerlich verloren unb verfchlafen hat. 

Dein treuer Sohn 

Heinrich 


326] Kn bftt Sßatft. 

2eipjig, 25. San. 62. 

Sielen Dan(, mein liebet Bater, für Deinen Brief ... Snjwtfcpen 
ffnb bie Befucpe fdmmtlich abgetpon. Da« Schönffe war hoch ber 
©ang $u greptag. Sr iff fehr ruhig unb (lar, fehr emff unb gefegt; 
nur an einzelnen Sorten unb Bewegungen errdth man ben phanta* 
ffeteicpen J^umoriffen. Sr fchlug mir vor, wir wollten jufammen 
einige dffhetifche Sluffdge in bie ©renjboten fcpteiben« Ueber ben ?wec( 


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202 


1862. 


unb £on 5er Arbeiten waren wir ganj einig, unb bleibt mir einige 
3eit, fo will ich auch baran geben, f(bon um g’« Umgang nicht ju 
verlieren♦.. Jpett ©.[emtani] läßt ©ich bringenb unb ergebend um 
©eine Photograph« bitten... fo eine SrceUenj ift eine £ierbe für 
ba« ganje Sllbum. SRit unfrer SrceUenj‘ hohe ich injwifchen auch 
ju thun gehabt, ©ie Nachricht, baß er bei mir hofpitiren wolle, 
hatte fich »erbreitet, unb e« war baher ein fo furchtbareg ©ebränge, 
baß bet ©tiniflet fich ntit ben Sllenbogen ©ahn brechen mußte. Sr 
fchüttelte mir nach hem ©ortrage 2lngeftcht« ber ©tubentenfchaft bie 
Jpanb, fprach übrigen« nachher über anbre ©inge; unb ich i weifte, ob er 
fahr erbaut war. 3ch hatte bie polttifchen Sbeeen, bie unfer Sabrhunbert 
bewegen, in großen Jügen ju cßarafteriftten, unb ich tonn nicht hoffen, 
baß er meiner 2luffaffung«weife beifümmte. ©lein Slubitorium habe 
ich behalten müffen; benn e« giebt (ein gtäßere« im ttugufleum*, 
unb in einem nichtsafabemtfchen 2ofale ju (efen fcheint mir ganj 
unangemeffen, jumal bei einem folgen ©hema, ba« oon unnüßen 
Leuten fo leicht mißbraucht werben (ann. ©o habe ich weinen ^u* 
hörem einige Suft oerfdjafft tnbem ich hie ©ichtflubenten herauOwie«. 
©och ifl hie Sriflenj noch immer fcheußlich ... J^inftchtlich ber Pro« 

feffut flehen bie ©inge hoch nicht fo einfach wie ©u meinfl- 

SBiU man hier wirdich meine ©efbrberung, fo wirb man e6 mich 
gewiß wiffen laffen. ÜBahrfcheinlicher aber ifl mir ein SRuf nach 2 h»«e 
wärt«. ffienigflen« einige einflußreiche @6nner habe ich, namentlich 
©lohl, ber mir erfl hrute feine ©en(fchrift übet Äurheffen gefchicft 
hat, bie feine Sollegen am SunbeOtage fo fehr aufregt*. — SBie 
gern, mein lieber ©ater, befreite ich ©ich fogleich unb gänjlich oon 
ber ©orge um meine ©ubftflenj. Sttber ich (ann ©idjt« thun al« 
arbeiten; e« liegt im ffiefen be« gelehrten Seruf«, baß wir bie grüchte 
erfl nach Sohren ernten ... Sieb ifl mir’« boch, wie oiele Reichen oon 
9lnhünglich(eit unb aufrichtiger greube über meine Sftüdffehr ich hiefer 
Xage gefehen habe. Übrigen« lebe ich fehr fKÜ um bie 3«it nicht ju 
oergeuben, aber gegen ©lunchen tfl« ein ungeheurer gortfehritt, baß 
ich täglich einige angenehme ©efannte fehe. — Mt wohl unb laßt 


1 SRinifto oon $alfenfteiiu 2 btm Unioerfitärtgeb&ube. 8 $8gl, 9Xo$(, 
SfbtnSerittnmmgen 2,246« — W« war 1861 jum bat« gtanbeltagtgefanbten txs 
nannt worben, batte fogletd im Auftrag feiner {Regierung bie SBieberberftettung 
bei gebrodenen furbefpfden 93erföffung$redt$ beantragt unb jur Raatgredtliden 
©egrünbmtg biefe* Antrag! eben im 3<*n« 1862 eine eigene 3)enff<brift uerbffentfidt« 


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februat 1868. 


203 

Such Mt ©eile nicht ju lang werben. Eeiber weif id> Such 9Ucbtt 
für Mt langen Slbenbe oorjufcblugen, benn «Paul htbfe’* vierte «Ro* 
vellenfammlung taugt nicht viel; Mt btei erften ©dnbe »erben Such 
beffer gefallen ... 9todjmal$ Mt beften ©rufe, SBenn bet @ ebnet 
fcbmiljt, hoffe ich JjxpP Met ju (eben. 

heinrtcb 

♦ • * 


827] $tt €mtf Xtfömborff* 

. Setpjig, 1. gebt. 62. 

Sieber Sefcbenberff, 

-neulief) b»atte icb fcgar Me gteube btn SBinifter ate 

J?o6pe« bei mir ju ftben, febweiftriefenb im bicfflen häufen. Da 
bub’ icb mein bo<b»ertdtberifcbe6 herj mit Sßollufl auögefcbüttet. 
Diefet £u(auf wdre boeb wobt ©ruitb genug jur ^ufriebenbeit? 2lber 
febe icb Pit ©enu$ non SReloö, bie mein febtuf liebe* £immer febmörft, 
fo muf icb mir fagen, baf icb fo nicht glüeflieb bin. S< muf mit 
btr 9>otfie noch etwa« werben; jundebft will icb mir bie ©efcMcbte 
non SHtpreufen bureb einen 2luffa$ flar machen, unb bann laf un* 
feben wo* Me ©btter fenben. — 3ene ©enuö hut mich lebhaft an 
©efprdcbe mit Dir erinnert, unb icb ftnbe, Du benffi ju niebrig von 
bet Rfntife. ©ewif, wir empfinben fo nicht mehr; aber grabe in biefer 
aufgeregten £eit ifl t6 mir immer ein Segen, wenn ich ju biefer 
ruhigen abgefcblofnen ©ilbung juräeffebre. — 2eb wohl, lieber 
greunb ... 

Dein X. 

©rufe ^ilotp btrjlicb An mir. 

888] (Robert von 9R»$(. 

Setpjig, 3. gebr. 62. 

hochgeehrter herr ©ebeimer OUtb, 

al< ich juerft Me 9ta<bricbt von Sw. Sreellenj neuer ©efhmmung er* 
hielt, bot mich nur Me gurebt jubringlicb ju erfebeinen bavon abge* 
halten 3bnen ju fagen, wie febr icb nicht Sbnen, fonbem unferm 
fcanbt baju ©lädt wunfebe. 3<b hule jtfct Me ©erfdumnif nach, nach« 
bem mir Sw. Sreellenj ein neue« 3ei<ben 3b«6 freunblicben 2ln* 
benlenö gegeben buben. ÜRit meinem Dante bafür muf ich 3bnen 
jugleicb auöfptecben, baf icb bie vornehme 2Rdfigung bewunbert bube. 


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204 


febniat 1862 . 


womit ©it einen folgen ©toff bemänteln fonnten. 3<h fage bie« um 
fo liebet/ weil icb grobe je§t ben Sertf) biefer Xugenb recht ermeffen 
(amt. 3<b befchdftige mich ndmltch mit einer ©efchichte Oeutfchlanb« 
von 1815 bi« 1848 unb höbe bephalb in ben testen brei ©ierteU 
iahten in bet Münchner 95ibliothe( ©tubien gemacht/ wovon Sw. 
Steeden) viedeicht ein nä^eqyov gefehen hohen: — ben Stuffafc Jpan« 
von ©agem in einem ber testen J^eftc ber 9>reufjifchen Sohrbächer. 
©eit einigen Soeben bin ich tvieber hier unb fuche mir bur<b meine 
©orlefungen ben venvidfelten ©toff ju Küren unb )u grupptren .. .* 
Oft höbe ich mit bem dufferflen Sibenvtden )u Edmpfen, ja manchmal 
erf<brec(e ich »vt bem ©orwifc eine -Seit )u fchilbent/ bie mich mit ber 
beibenfebaft felbflerlebter Oinge berührt obwohl ich fl« nicht gefehen; 
aber immer wieber giebt mir bie Sinflcht in bie Stothwenbigfeit unb 
©tdtigfeit biefe« hiflvrifchen 9>roceffe« neuen Suth ju bem ©erfuch«... 

93on meiner J^eimath (onn ich nur melben wo« Sw. Steeden) 
fchon wiffen. Oa« {Regiment ifl wohl ba« gefdhrlichfN> flehet ba« 
unflttlichfle in Oeutfchlanb. Oer Jmtcf — materielle« Sohlbeflnben bei 
vodfommenem politifchen ©chlafe — ifl mit anerfennenötvertber 
SJteiflerfchaft erreicht. Oie Oppofltion befehrdnft fleh im Sefentlichen 
auf ba« unflerblich« rabtfale SRdfonniren. Sie etnfam Sdnner wie 
Jtarl 2Rat(t)h9 unb greptag hier )u bonbe flehen/ wirb Shnen bereit« 
befemnt fein. 

3nbem ich Shnen nochmal« für 3h« ®eflh«n( aufrichtig banfe, 
habe ich hie Sbre )U fein 

Sw. Steeden) hvchochtung«vod ergebener 

<1£. v. Oreitfchfe 


829] ®n b«n SBattt. 

heipjig 17 gebt 62. 

SWein lieber Sfloter, 

-SkhfRath Sunberlich rieth mir neulich/ bei einem £aubs 

flummenlehrer Unterricht in ber Äunfl be« äblefen« von ben Sippen 
)U nehmen. Oie fehr langweilige unb feine«weg« (eichte Uebung 
hat bereit« begonnen; natürlich barf ich mir nur Senig bavon ver* 
fpre<f>en; beim bei holbweg« rafchem Sieben unb bei bdrtigen Senfehen 

1 folgt Ob« bi« n>iff«nfcbaftU<b« Anlage unb ba< praftifcb« $id b«4 ©u<bri nxfmfc 
(ich b<tff«[bt »it an SUgibi o. ®. 140 f. 


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WArj 1868. 


206 


«ft fett Äunft n iä)t ju braunen. Doch liegt mit befonberß »iel baran, 
bi« unbärtige Jpälfte bet SRenfcbbeit etwaß beffer ju txrfhbtn» unb 
fo tbue icb mein ©efteß wenn mein junget barmlofer Xebrer mit ftcbt* 
liebet ©erlegenbeit mit gewiegtem (Delebrten feine ©eißbeit einprägt... 
SDtit bem Äteife greptagß unb bet (Drenjboten »erfebre ich manch* 
mal unb freue mich baran/ namentlich an g. felbft unb bem alten 
Staatßratb I0tat(t)bb ... Jjeute früh befuebte mich Dir. ©ogetep, ju 
bem icb »on £ftem an wiebet watlfabrten werbe; et erjd^lte haar* 
fträubenbe Dinge auß feinet furbeffifeben J^eimatb. Die Jeit ift fyofttnU 
lieb nicht mehr fern/ wo man eß nicht wirb glauben wollen, baf ein 
beutfebeß Sanb oon einem ©abnfinnigen regiert worben ift... £ur 
Xeftüre weif ich Such Sticbtß ju empfehlen, benn ich (efe augenhlicf* 
lieb nur ^flicbtfacben — barunter neulich auch bie oergeffenen fegt 
neu gebrueften ©oßtifeben Schriften »on J£>. o. Äleift. Sin unbeims 
licbeß Such, bie baare ©errüeftbeit neben bem (Driften unb Stbaben* 
ften 1 . 3<b ärgere mich boeb baf ich Sobanna feine ©erte gefebenft: 
eine grau fann biefen wilben ©enfeben nimmermehr lieben ... ffienn 
ich mich in ben legten 2 ©riefen oielleicbt nicht flat genug außge* 
fptodjen, fo will ich eß fegt tbun in 3 ©orten: eß wirb mir fauer 
genug anfommen, mich Sinmal um eine ^rofeffur ju bewerben, aber 
abgewiefen nochmals unb abermalß ju bitten, wie eß hier bie Siegel 
ift, baß märe mir ganj unmöglich; unb Du wirft mir baß nicht oers 
argen. Sllfo warten/ biß ich eine 3R6gli<bfeit fege. — 

3cb grufe Dich/ liebet ©ater, unb bie Scbweftem aufß J^erjlicbft«. 
?ebt wohl. 

Heinrich 


880] Sin btn ©ater. 

Seipjig 16. ©j 62. 

ÜHein liebet Sßater, 

wie oft unb gern habe ich am heutigen Xage in früheren 3abten 
nach J&aufe gefebrieben»! Dießmal foll Dir wenigftenß ein Reichen 
meiner Xbeilnabme nicht fehlen an bem 5£age, ber unß fonft ein 
greubentag war. ©enn ich benfe, wie oft mich noch bie Srinnerung 
bewältigenb überfommt, bet ich boeb bie tbeure ©uttet nut feiten 
fab, fo tann ich teebt empfinben, wie grof bie 2üdEe in Deinem 2eben 
* ©gl. JgiboT. u. p#Ut. Vuff&ßt 4,669f. 3 $am ©tbuitftag bn OTuttfr. 


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206 


mxI 1863. 


fein muß, mein lieber armer ©ater, unb wie ferner Dir morgen ber 
Xag »ergeben wirb. — 

©enn icb mit einer Arbeit noch fertig »erbe, fo hoff« icb am 
Dienstag Slbenbt bei Such ju fein; wo ni(bt, erfl am Rlbenb baranf... 
Sltfo auf balbiget ©Keberfehen. 

Jj>einricb 

331] «n 9BiIb«bn %>«. 

Äönigfiein 23. 2Rj 62. 

... 3<b hotte bocb Siecht, mein lieber greunb, wenn icb Dieb 
früher oft bat nicht alljufpdt ju antworten; et famt in furjer >Jeit 
fo Emfiet gefebeben. 3ch lefe eben Deinen ©rief wieber, unb ba ich 
febe wie Du »on meinen Eltern fprichfl, fo muß ich Dir fagen, baß 
mir »or 3 /< fahren (16. 3uli) meine liebe Butter geworben ifi. Et 
tbut mir jeßt recht web/ baß Du meiner Söitte nicht gefolgt bifl 
unb fte nicht mehr fennen gelernt hoff* SReine ÜRutter — bat fagt 
eigentlich Rillet; aber fte ffattb mir auch »on bem gefammten Jpaufe 
geifKg am Slüchfien, fte war bie Einjige, bie meine freie Dichtung 
mit Dbeilnabme »erfolgte; unb wie biefer Schlag hier/ wo bie SReinigen 
ganj auf ftch allein angewiefen jtttb, für meinen ©ater breifacb febwer 
ju tragen iß, bat magft Du Dir benfen. 3<b möchte Dir gern 
froher auf Deinen frohen ©rief erwiebem; aber Deine Sdumigfeit ift 
bietmal baran fchutb, baß ich bie muhfam uberwunbene fchmerjliche 
Erinnerung fo fpät wiebet auffrifchen muß. — 

©on meinem fonfhgen Reben wüte fo ©iel ju erjühlen, baß ich 

faum anfangen mag-Diefe Erfolge follten hoch wohl hin* 

reichen mich jufrieben ju fümmen? Unb boch ijl’t nicht fo. 3ch 
febne mich aut bt'efem Schaffen für ben Slugenblicf nach größeren 
Arbeiten; baher ßnb mir bie ©orlefungen auch nur ©orarbeiten für 
ein ©uch ... Uebet ^olitif mag ich heute nicht fheiten; nur fo ©iel 
— feit Reblingen 1 ifl mir jebe Hoffnung auf ©erlin gefchwunben. 
SCuch follteft Du, lieber 3unge, enblich aufhören, mich immer alt 
ben reinen Storbbeutfchen anjufehen. 3n biefen fachf»fch*böhmifchen 
©ergen hob’ ich »on Äinbetbeinen an nicht gewußt, ob ich mich jum 
Storben ober jum Süben jdhlen follte; ich bin „Deutfcher fchlecht* 
weg* unb bin et bann am SReiffcn, wenn ich über ben niebertrüch* 
tigm bairifchen ^articularitmut ein »erbientet fcharfet SBort rebe. 
1 &&(* 6« 189 fcjwu 2. 


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®tot| 1882. 


307 

€ben beßhalb bin ich rabifaler Umtarier unb fann (8 nur für eine 
Stüufchung anfehen, wenn Surr Stoggenbach, ben ich von J*>erjenö= 
grunbe verehre, einen (Bunbebflaat noch für möglich hült. Utber bic 
neueren Scbnmerlichfeiten in Preußen benfe icb wie jebet attflänbige 
SWenfch: — ober vielmehr leiber nicht jeber: benn bie geijfreichen 
Spinner/ beten (Befanntfchaft ich biefen ©intet ju meiner großen 
greube gemacht/ ©uflav gteptag unb Sein SaitbSmann Äarl 3Wat(t)h9, 
finb ganj minifieriell 1 ! —- Sllfo mir ift biefe Äette von «Schwachheit 
unb Sntriguen in tieffier Seele juwibet. Soch fann un6 biefe .ÄrifiO 
vielleicht einen großen Segen bringen, ©enn nämlich bab preußifcbe 
(Bolf auch bei ben nächfien ©ahlen fein guteö Stecht muthig vertritt/ 
fo wirb birt mehr alo irgenb etwab bie Sorurtbeile gegen bie Preußen 
im Silben befeitigen. Sehr groß mag ich biefe Hoffnung nicht nennen; 
bet Sonfliet ifi nicht verffönblich genug für ben großen Raufen/ unb 
bereite üben bie neuen ©inifter wieber ben in Preußen fo gefähr« 
liehen Äniff, ben (Warnen brt ÄönigV ju mißbrauchen. — 

(Huf Seine gamitiennachricht fönnt’ ich mit 10 anbem ante 
Worten; fogar ber geftrenge (Bachmann hot ftch verlobt unb mir baO 
in einer phüofophifchen Slbhanblung angejeigt, bie mich ju frampf« 
haftem Sachen gebracht hätte, bliefte nicht bab warme Jpcrj boch hin» 
burch... Su mußt fühlen, lieber greunb, baß Su mir auf biefen (Brief 
eine rafche Slntwort fchulbig bift. Sann will ich Sir auch ben 95anb 
fchiefen, worin bie größeren Slbhanblungen von mir au6 ben lebten 
3 fahren flehen. Sie werben Sir beflfer alb furje (Briefe Stechen« 
fehaft geben von meinem (treiben; unb ich ntag Sein Urtheil, an bat 
ich ntich fo lange gewöhnt, nicht entbehren. 3njwifchen leb wohl, 
grüße Seine liebe grau unb ben fchwarjrothgolbnen (Buben recht 
herglich ... 

Sein 

J?. 5L 


832] Vn Jbtinricb BaAmann. 

Äönigflein 25 SDtärj 62. 

xai av %bnvov\ 

«Kein lieber greunb, 

... Su hütteft bie lange Srflärung bei mir nicht nöthig gehabt; 
ich höbe immer geglaubt, baß grabe Su in einem 4?aufe ®lücf unb 
* fftr M om 18, emgetrrtfne fonfnsati** SXiniftmum« 


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206 


SOMt» 1862 . 


grieben ftnbm wirft. Stlfo nimm meinen ^erjli^en ©lucfwunfcß unb 
grüße ©eine ©raut non mir. 3cß will ©eine ©eßauptungen nicht 
befreiten 1 ; nur bin ich für meine ©erfon fo unbefReiben, baß ich 
mir jutraue, auch unbeweibt im J?erjen jung unb unoerbittert ju 
bleiben ... Ueber lang ober furj fucb’ ich einmal ben woblbeftallten 
Preisrichter in feinem JpauSwefen beim, wenn attberS mich nicht 
felber — mit ©ir ju reben — „baS Scßicffal erfaßt." — ©ie ©ötter 
wiffen, wie icßS angefangen ©ir Nichts oon meiner Arbeit ju fagen... 
©er Pem ber Sache liegt nicht in ben (Songreffen unb Stüitbeoers 
ßanblungen, fonbem in ber wahrhaft erftaunlicßen ©ttwicflung ber 
öffentlichen Meinung ober ber ©olfsfeele ober wie fottff ©u bat nennen 
nrillfi; hierüber aber fehlt tt fafl gdnjlicß an ©orarbciten. ©nige 
neue Quellen werben mir burch ©loßl jugdnglicß werben; ber Raupte 
jwecf aber ift nicht Quetlenforfcßung, fonbem eine fcharfe unb oöllig 
rücfftcßtSlofe ©arftellung, bie tt auch bem bicfßäutigen (Pbiliftertbum 
Rar machen fotl: biefer Nation mit ber oerfcßwenberifcben gülle ihrer 
Prüfte fehlt Stich« — als bie ©nßrit, bie Sßre, bet Staat, furj 
Jenes ©ne was ein ©olf jum ©olfe macht SS ift ein tollfühneS. 
Unternehmen, jumeift für mich, ben ber ©el über baS offkielle 
©eutfchlanb nur ju oft übermannt. Rber eS muß gelingen; unb 
fchon fegt habe ich aus ber Rrbeit bie ©nfteßt gewonnen in bie um 
abwenbbare Stotßwenbigfeit unb Stätigfeit unfrer ©ttwicRung. Solcher 
hifforifeßer Sinn hilft über manche fernere Snttüufchung beS Rügen* 
blicfS hinweg. — ©u ßaft oollfommen Stecht mit ©einen Plagen über 
bie ^reußifeße Sage; aber glaube mir: wer wie ich jahrelang baS ftaat* 
lofe ©afein ber 6 beutfeßen ©tittelflaaten mit angefeßn, ber muß Such 
«Preußen immer noch beneiben, weil 3ßr einen Staat habt. Unb 
biefe ©nfießt wirb ©ottlob immer allgemeiner, felbfl in ©oben, wo 
man im 3nnem ftcßerlicß glücflicßet unb ehrenhafter lebt als 3b* ♦ . ♦ 
3cß hoffe noch immer auf eine oppofitionelle ©tehrßeit*... feßr leib 


1 in ©acßmannS ©rief oom 16. (Wdtj, 6fr feine ©triobung mitteilt, ©ie »fange 
€tfl&tung* fomntf ju feem ©tßluffe: »©ie famitie oerbinbet ben Sinjelnen mit 
bem grbgeren @anjen, mit ber SRenfcßbeit, unb bie Sßeifoaßme fftt biefe erw&cßft 
nur au* bet Siebe )u jener.* €* feien »boeß immer befonbet* geartete ©emfußer, 
8u*naßmen oon ber (Regel, welcße in ber theoretifeben ober praftifeßen ©ß&tigfcit 
in engem ober weitem Pfeife ißte Billige ©efriebigung finben unb babei ein warme* 
$et» Reg erßalten." 3 3n Preußen a(* €rgebni* ber beootfteßenben fflaßlen. 
8m 11. 9Rai 1862 feßteibt Sreitfcßfe an Jpapm: ,3ßre 8bgeorbnetenwaß(en finb 
gem&gigter ausgefallen al* wir ßiet naeß ben (Berichten Ober bie 2Baßlm4nner= 


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mtj 1868 . 


209 

ifl mit’d um J^m. Sch falte ihn für einen au6ge$etd)neten Äopf 
unb aufrichtigen liberalen, auch ifl er mir perf&nlich fehl lieh ge« 
worben. Seiber finb ed webet «Schwächlinge noch Dummföpfe, bie 
heute fo jammerootl gtadco machen; ber berüchtigte €orrefponbent 
ber Preuß. Sahtbb. ifl fein Sfnberet ald — Prof. Reumann, ben ich per« 
fontief) ald gefcheibt unb muthig tenne 1 . Poch unlieber wüte mit’d, 
wenn bie faum begonnene SBefanntfchaft mit gret)tag, einem herr« 
liehen SWenfchen, geflört werben foKte. gut ben Slugenblicf freilich 
werben wir wiebet jufammengehen — benn bad neue PKntfferium 
treibt jeben anffänbigen Pienfchen wieber in bie Dppoffrton —; auch 
theoretifch finb wir einig, benn fee finb fämmtlteh (auch Per alte 
Sabenfet Äarl Ptot(t)h9, ber jegt in Seipjig lebt) rabifate Unitarier. 
SSber ich benfe, über lang ober für} wirb bie alte Pieinungdoerfehieben« 
heit wieber }u Xage fommen; bann müßte ich mich }u meinem großen 
Seibwefcn »on ben preuß. Sahrbb. trennen ... 

SDftt bem beutfehen Parlamente hafl Du mich fehr mißoerflanben. 
3ch habe nie gemeint, bie Einheit werbe und burch bad Parlament 
. tommen; nein, gewiß nur burch Pad «Schwert Preußend. Slber bann 
giebt ed für bie 2ludgleichung ber ftnbtfchen «Stammedoorurtheile frin 
einfachered Plittel, ald bad gemeinfame politifche SBirfen im Paria« 
mente... Seb wohl unb oiel ©tücf }u ben frohen Xagen bed 93raut* 
flanbd. 

SC. 


333] 9ln J^ugo OTtprr. 

fiteher J&ugo, 


Äönigffetn 29 PI} 62. 


... auch Pie Serien finb befegt burch öffentliche Porlefungen unb 
unoermeibtiche Arbeiten für bie Jahrbücher tc. Darin, lieber greunb, 
hafl Du auch Pi« Antwort auf Deine grage, wie ed mit meinem 
Dichten flehe. Quelle mich nicht bamit; ich weiß, baß ich «d nicht 
laffen fann noch laffen werbe; aber fege mit jegt feine griff. ®h« 
biefet unruhige «Sommer überffanben ifl finbe ich nicht bie Sinfam* 
feit ber @eele, bie ich }« meinem Plane brauche... Sch hätte fein 
ffhwetered Sthenra für mein Solleg wählen fönnen; aber ba bad Ding 


wählen «noartet. Jtnmetbin war bi« ^(U<bttteue unb brr HWutb ber SED&f>I«c jeben-- 
fatli gtigft aU if>re politifcfc« Sinficb«- 8fb«t bi«f« Pfftc^mcue allein i(t «in untnb.- 
(i<b«r @«winn; b«r fiinbtutf baoon i|t felbft t)ier «in fefjr tiefer.-*' 1 $Bg(. 
®. 98 9(nin. 

n. 14 " 


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210 


Btdrj 1862. 


einmal mit groß em Hatlob begonnen unb bie Seute mit rüßtenb treu 
bleiben, fo muß ich* auch ehrlich ju Snbe führen, Verlot’ne Vtübe 
ifl* nicht — wenn ich natr auch Vicht* baburch erwürbe al* jene 
harmonifche Sftube be* ©etfle*, bie un* von felbet fomrnt, wenn wir 
eine Vergangenheit, bie beinah noch ©egenwart ifl, mit bem SBliefe 
be* ^»iftorüerö betrachten. — Hat mir baß legte Saht aueh »tel Schwere* 
gebracht, fo muß ich hoch bem Scbicffal banfen für jwet freunbtiche 
©efcßenfe, bie greunbfchaft Xefdjenborff* unb bie nähere Vefannts 
fchaft mit greptag; er ifl mit al* SRenfch fafl noch lieben*wütbiget 
erfchienen beim al* Sichtet — in feiner flaren Sicherheit unb üOtilbe. 
3Rit Dverbtcf verfehl* ich »iet, weit er fafl bet einjige Unbeweibte 
meiner Vefannten ifl. 3<h hob’ ihn feht gern; boch fürcht’ ich, ihn» 
flehen noch horte Äämpft bevor. 2Bie er mit feinen gefunben Savib* 
Straufifchen Meinungen mit ben Setpjtget £ion*fofafen auöfommm 
will, ba* wiffen bie ©ötter. 2lber ich benfe, et ijl SRann* genug 
ben Jjunben bie 3äh»»e ju weifen ... Sit Hingt mein Sörtef viel* 
(eicht etwa* milber al* Su e* fonfl von mir gewohnt bifl, unb ich 
will Sit auch fagen, wie ba* jugeht. 3ch erhielt in biefem Viertel* 
fahre jwet Vttefe oon ^)ut au* 'Pari*. Sie hoben mich wirtlich er* 
fchüttert unb mir — burch ben ©egenfag — gejeigt, wie ba* gefaßte 
©leichmaß bet Stimmung ben Vlann etfl jum Vfanne macht Sine 
fo fchredliche Verbitterung ifl über ben armen Vfenfchen gefommen, 
nicht blo* in politifcher Jjinficht (Hoffnungen auf ein SRobeöpietrefcbe* 
^Regiment fmb ja bei *Put nicht* ©unberbare*), fonbern auch in rein* 
menfchtichen Singen. Vielleicht fommt er ganj nach Xeipjtg, unb 
bann muß biefe unfelige Verirrung jum Seufet; fee ifl ihm wahr* 
lieh nicht natürlich. — 

3u vetwunbem ifl* freilich nicht, wenn ein Sanguinifer heute über 
Seutfchlonb verzweifelt. Unb boch — »nie fcheint ba* gegenwärtige 
VJiniflerium immer noch beffer al* bie neue $ta. Sie gräuliche Ver* 
wirrung hot ein Snbe, bie mich on meinen beflen greunben irr machte. 
3<h gehöre nämlich ju jenen Äegem, welche ben Haöen’fchen Slntrag 
billigen 1 unb in ber beutfehen grage ba* unitarifche Programm offen 


1 ©pbel, ©egrünbung b. beutfehen (Reiche* 2,410. Sie unbebingte Annahme biefe* 
Änttog* gegen ben SBibrrfprocf) ber (Regierung hatte jur Vuflifung be* Äbge= 
orbnetenhaufe*, am 11. 9Rdrj, geführt. 51 ber auch ba* Btinifterium Jh®hen|cQem 
Itfie fich burch ben Olüeftritt feiner liberalen «Ritgtieber fchon im Saufe ber n&chßen 
(Boche auf. 24 mar ba* 2nbe ber neuen Ara. 


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5W4t| 1862. 


211 


— ohne bie fobetalißifche SDtaöfe — ptebigen . . . ©eine Annette 
©roße fenne ich fchmdhlicheTweife noch gar nicht, will fte aber fennen 
lernen, fobatb ich ben frembartigen ©nbrucf bet <S^aFcfpcörefc^cn 
©onette, bie ich jegt lefe, überwunben habe. ©h. »ft &o<h am Reiften 
et fetter, wenn bet bdmontfdje 3 U 8 ßnßrer ÜBeltoerachtung b«t>or* 
tritt. 3tt fann mir feinen ©ramatifer benfen ohne eine 2lber biefeö 
©inneö; biefer granbiofe „Gpniämuö" — mißoerßehe bai 2Bort ja 
nicht — iß auch ber ©tunb, warum unoetbilbete grauen bie wahr* 
haft bramattfchen ©elfter wie ©b. unb Äleiß nie ganj oerßehen, nie 
ganj aufrichtig lieben. ÜBunberbar unb ein ewigeä SRätbfel bleibt e6 
freilich, wie bamit eine ebenfo fouoetäne J^etterFeit jjanb in Jpanb geben 
fann. 2eb wohl, grüße grenäborff unb fchreibe halb. 

©ein 

5t. 


334] Sn Äarl SBU*. 

Äbntgßein, 29. SDtj. 62. 

©eehrteßer Jtperr! 

... ©aß ein 9>o?t auch noch ein S3rotfach höben muffe, ba$ 
fönnen nur bie ^ebanten behaupten, bie gar nicht wißen, wie e6 
©nem ju SJtuthe ijl, bem ein fünßlerifcher ^lan bie ©eele füllt. 
Unb muß ei benn fein, fo tß6 hunbertmal beffet, Stiebtet ober ©chul* 
lebtet ju fein al6 afabemifeber Sehrer unb nebenbei ^oSt — ober 
richtiger umgefebrt. — ©enn ju einem guten afabemifchen Sebter ge* 
hört eine nachhaltige Slnfpannung bei ©eißeö, wobei »telleicht 3 e ‘t, 
aber nicht @emüth$fteibeit, nicht ©title be6 ^lerjenö genug bleibt 
jum ©lebten. Unb ein mittelmäßiger ©ocent iß wie ein mittel* 
mäßiger ©chaufpieler, weit weniger afo Stich tö. ©tauben ©ie mit 
wa6 ©ie binnen Äurjern an fich erfahren werben: Äatheberoorlefungen, 
wenn ße wirten, fchwirren ©nem ben ganjen 5£ag burdj ben Äopf; 
ba$ oerbirbt ben Rotten... SJtich hat ein autobibaftifcher S3ilbung6* 
gang, bet mir äßhetifche Anregungen faß gänjlicb fern h»«lt, unb 
nachher baä (eibige 2)ebütfniß in bie afabemifche Saufbahn gebracht. 
Aber felbß ungewöhnliche* ©lücf auf bem Äatheber war nicht im 
©tanbe, mich »on bem quälenben 23ewußtfein ju befreien, baß ich 
mein SBefen in jwei Jpälften jetfehneibe. Sebenfalt* nehmen ©ie 
meinen au* fchmerjlichet Erfahrung ßammenben Stath freunblich auf: 

14* 


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212 


Wat 1862. 


wenn ©iffenfchaft unb Äunfl fich nicht »ertragen »offen, fo föftcfjen 
Sie affemal bet ©iffenfchaft bie Stbür unb laffen bie ©ufe freunbs 
lief) fjetem. — 

3ch bin für btefen kommet noch burch meine (Sollegien faft oolftg 
in SHnfpruch genommen. 3n ben ©tu cf gebe ich biefet Stage nur 
eine 2frbeit übet ba6 beutfehe £>rben«lanb spteufjen für bie pt. Saljrbb. 
Sie foff nach unftet gereiften mobemen ©etpobe bem Sbeeengepalte 
ber ©efdjicbte naebgeben unb bo<b bie dfipetifche Slnfchaulichfeit nicht 
aufgeben, bie ein unjweifelhafter ©orjug ber alt«romantifchen Jjijlo* 
rifer war. Sie feben, icb oerlache burchau« nicht 3b* Urtbeif übet 
©topfen unb SRaumer 1 . ©och glaube ich, ©topfen« SReffectiren, ba« 
mir in feinet preufj. ©efeb. oft unertrdglicb »irb, ift auf bem Äatbeber 
ganj am 9>la{je. ©a gilt e«, Sbeeen, @eficbt«punfte, ©infe ju geben, 
wie fte nur ber munbficbe Söortrag bieten fann, wdbrenb bie XfyaU 
fachen fub leicht au« 83ücbetn fernen laffen. ©atum wirft ©. auch 
auf bem dtatpeber ungleich fldrfer al« SRaumer fefbfl in feinen beflen 
Stagen. 3<b fcfbft habe in meinen ©ortrdgen recht oft bie dftbetifebe 
Söerfucbung empfunben, ba« (Sbarafterbilb eine« ©enfeben, ein Schlacht« 
gemdlbe u. bgl. recht nach SRaumerfcber ©eife mit wenig ©i$ unb 
oiel SBepagen auöjufüfjren; boeb mufft’ ich mir fagen, e« gelte oiefc 
mehr, ben Leuten bie ju beuten... Sebenfall« oetlieren Sie 

ben ©utb nicht; 3b« Lage ift im ©tunbe flarer unb einfacher al« 
bie meine; unb febreiben Sie halb 3b« m aufrichtig ergebenen 


St. 


386] Sn ben ©atet. 


Leipjig, 7. ©ai 62. 


SWein lieber föater, 

ich höbe unoerjeiblich lange gefchwiegen, benn ich batte fo mel 
ju tbun, baf ich «i<f)t recht jur SBeftnnung fam. 3n $(agwi^ s ift 
ba« Semeflet fchon feit 14 Stagen in ©ang; ber grübfpajiergang ift 
ganj angenehm, unb bie Langeweile be« Sßortrag« fuch' ich baburch 
ju »erfcheuchen, bafj ich mich nicht »orberette, alfo wdhtenb be« SReben« 
probucire. So gebt e« leiblich. 3n ber Stabt finb meine Kollegien 
erfl feit einigen Stagen eröffnet; ber S3efucb ift ganj wie bi«ber, aber 


1 ©g(. ©eutfepe ©efepiepte 6,410.3,696f. .piftor. u. tpolit. Suffdpe 4,660f. 3 an 
ber bottpin von Sftpfcpena «bergefiebelten Stabemie. 


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SOtai 1862. 


213 


ich halt’ et in bet £bat für unmöglich, bajj ei fo bleibt. Die Jj>i|e 
in bem »oUgebrängten ©aale bei gefcbloffenen genftem — bet 2Jfefj* 
lärmend wegen f«nn man fte nicht offnen — ift gtabeju unerträg* 
Kd ). — 

3u all biefen Arbeiten bat mir greptag fütjltcb noch eine neue 
2afl aufgelegt. Slnt 19. foll gi<f>te’ö bunbertjäbrtget ©eburtdtag ge* 
feiert werbet/ unb ich muß bie geffrebe halten, natürlich nur über 
ben ©enfcben, ben ^oliKBer unb Patrioten, nicht übet ben 
fopben. Sd werben ftdj gewif? 2eute ftnben, bie mir bad ald Sin* 
mafung audlegen; aber ich fonnt’ ed nid>t audfchlagen, benn ich 
weif in 2. fonft SJKemanben, bet f»d> grabe mit btefer ©eite 
»on gichted 2eben emfHicf) unb unbefangen befcbäftigt hätte. Sn bem 
Somit* — unb bad ifl bad SBefle an ber ©adje — ^ab’ t<b eine SReibe 
tüchtiger älterer SÄännet fennen gelernt, fo @uffa» J^arfort 1 unb 31. 
Ueberbaupt ifl btefer greptagfcbe Mteii fegt mein angenebmfler Um* 
gang, obwohl ich weitaud ber Süngfle unb faft ber einjige Unbeweibte 
barunter bin. ©it treffen und breimal in ber ©ocbe eine ©tunbe 
lang 2 , unb feiten »ergebt bie Unterhaltung ohne baf ein »erflänbiged 
©ort gefprocben wirb. 3lufetbem bin ich fafl immer ju #aufe unb 
rüfte mich 3llled abjutbun wad ich mir für biefen ©ommer »orge* 
nommen habe, lächerlich iffd wie man in biefet ©uchbänblerffabt 
oerfucht mich audjubeuten. Die Siebe über gichte bah’ ich f<hon im 
föoraud ber (Gartenlaube »etfprechen müffen. 3llle anbem bergleichen 
Setfuchungen hob’ ich ruhig »on ber Jjanb gewiefen. U. 31. wollte 
mich neulich ber Ditectot eined 93atffifcb*3nfKtutd, wo mehrere 9>to* 
fefforen lefen, für feine ©ebenen werben. St fd>lo§ mit bem geifl* 
reichen ©orte: Da bie ©tubenten @ie fo Ueb haben, fo wünfehe teb, 
baf bie jungen ©äbdjen ©ie ebenfo lieb hätten. Sch antwortete fo 
emfibaft ald mird möglich t»at, btefer ©unfeh fei mir aud ber ©eele 
gefprocben, aber ©orlefungen wären boch wohl n\d>t bad einjige SDKttel 
baju. — Sch beneibe Such oft um ben (Senuf btefer brrrlichen £age 
auf bem 2anbe. Jgtter ifl gtäf liched ©efgewübl, aber bad merfantile 
Streiben mtnbett nicht bad polttifcfje Sntereffe, bad in immer weitere 

1 Sdafl**** ©mb« »on friebricb, bem »alten* Jpatfott; (1796—1866). Sr »or 
aOem »irfte feit 1884 für ben ©au b« DtrtbetwSeipjig« ©ahn (Deutle @t= 
f<bi<bt<< 4,686). 1866 mar « SWitbegtünb« ber 2(0gem. Deutfcben Srebitanffalt, 
tu beten Leitung « 1869 OTatfyp na<b Xeipjig b»U<- 3 *» bem Wefiaurant »on 

£ifcing u. Jpelbig in b« $eter<fhafie; f. Steptag, ÜXatb», ®. 402. »Die ©et: 
f<b»irang", »ie 2reitf<bfe 1» fagen pflegte. 


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214 


3Rat 1863. 


Schichten be* Stoffe* bringt 211* neulich am preufiifchen SBahltage 
bie ^Berliner ffiähler anfamen 1 — nach SDtitternacht — waren mehrere 
taufenb SDtenfchen auf feem entlegenen SBafjnhofe. Ungeheurer Subei, 
gtofje Steten oon bem unoermeiblichen ^»epner unb einem ^Berliner 
Kaufmann — bte «Sache h^tte gefchmatfooller fein (innen, aber ich 

freue mich hoch ber £he»lnahme unb ber guten SÄeinung- 

Sehe wohl, lieber Steter, grüfje bie ©chwefietn heejlieh unb ben 
Sltopf, ben ich leibet in ©re*ben oerfehlte ... 

©ein treuer ©ohn 

Heinrich 




336] 9fa bm SSöter. 


SDltin lieber Später, 


Seipjig 20 ®tai 62. 


etwa* mübe unb gewaltig Reifer antworte ich ®it nach glüdfltch 
überftanbener gichtefeier in ber erflen freien ©tunbe — ober eigent* 
lieh im erften freien 2lugenblic(e, benn biefen Stachmittag fleht mir 
wiebet ein Solleg beoor. Sille* ging oortrefflich; ich ben(e, ich höbe 
bie üeute wirtlich gepafft unb erwärmt, ohne boch ju oetfehweigen, 
wie ftemb un* bet abftrafte 9tabicali*mu* unb ber humortofe Sbeali** 
mu* be* Spanne* geworben finb. Sin Singriffen wirb e* oielleicht 
nicht fehlen; aber Du hoff ja an mir fehon fo oft erfahren, wa* oon 
folgern 3eitung*gerebe ju halten fei. Ueberbte* werbet Sh* &ie Siebe 
lefen, unb jwar, ju meiner unb Sofephen* Jj)erjen*erleichtetung, in 

ben Grenjboten, nicht in ber Gartenlaube-©ie ©tabt war 

währenb ber SDtefjwochen fehr unerquirflich; nur ein SBettrennen oon 
Stenj hat mir Vergnügen gemacht: ein Gefpann ging mitfammt bem 
üßagen butch, raffe oiermat butch bie Stehn, über jwei färben 
weg — ein fchöner Slnblirf, unb feltfamerwetfe ohne allen ©chaben. 
©u ftehff, ich bin trog gichte’* ber SBelt nicht abgeflorben; überhaupt 
empfanb ich mich recht oft a(* SBeltKnb in biefen geplagten Xagen 
be* gichte *©tubiren*. Sch glaube, felbft mit. grauem #aar bring* 
ich* nie bahin, wie er, in einem nieblichen SWäbchen blo* ein Sticht* 
Sch )u fehen. 2* war mir ein wahre* 95ab, grabe je§t ©ha(efpeare’* 
love’s labour[s’] lost ju lefen. „gaften, ffubiren, (eine grauen feh’n 


l Sm 28. '2pn( fanbtn in ‘Prrufjfn für bat neue äbgeotbnttrnfjaut bie Urtua^im, 
atn 6. SJtai bie 2Bat)Im ber Äbgfotbnrtm ftatt. 


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«W«i 1888. 


215 




— toastet ©erratg am Äbnigtgum bet 3ugenb" — folcge ©erfe 
totegen fegon ein pgßofopgtfcge« ©pffetn auf. — 3m Uebrtgen gab’ 
teg fegt ffiß gelebt unb triebet einige unnüge SScfudf)« mit fanftet 
©ewalt getau«merfen muffen, batuntet bie Strectrke jener ©aeffffeg* 
Unioerfitdt. «Sie (am einige Sage naegbem icg ben Sirector abge* 
triefen unb feglug mich mit einer fo oemiegtenben, fo unoerffegliegen 
SKebegewalt ju ©oben, baff ieg fte enblicg um Jpimmel«wißen bat ju 
gegen; icg mürbe igt brieflich antworten ... 

3njwifcgen iff e« goge 3ett geworben, baff icg mteg wiebet in ben 
beutfegen ©unb oertiefe.. ©tonegntal wifl mir« fegeinen, baff bie« um 
unterbroegne ©tubtrleben ein Slenb iff. Silber noeg einige Sagte ©es 
butt», unb i<g finbe noeg einen 9>lag in ber Seit unb gäbe genug 
oorgeaebettet um niegt megr immer für ben ndcgffen Sag ju f(gaffen, 
fonbern rugig für bie Sauet ju wirfen... 

Sein treuer ©ogn 

3n biefem Slugenbliefe (ommt eine Seputation be« faufmättniffgen 
Serein«, ffeben SDfann goeg, barunter einige ©raubdrte, unb bringt 
mir eine ©otiotafel, ein faßigrapgifege« SDietffetfficf, ba« meine Älaue 
arg befegämt, roß fegoner Sieben be« San!« für meine öortrdge über 
ben alten grig 1 . Senn bie guten £eute nur wüßten, wie furegtbar 
petnltcg mir aß foteg tenommiffifege« Sefen iff unb — baff icg« nur 
geffege — wie f(gwet e« mir wirb, bei folegetn ©rimborium emffgaft 
ju bleiben. 3cg bin wagrgaftig notg niegt alt genug baju. 


887J ®n ben ©ater. 


Seipjig, 22. SOiai 62. 


ÜWein lieber Söoter, 

icg (ann e« boeg niegt über ba« Jpetj bringen, ben morgenben 
Sag 1 ogne ein Sott meiner gerjliegen Sgeilnagme an Sieg oergegen 
ju taffen. Sein legtet ©rief noeg fagte mit in jebet 3eite, wie fegt 
Su in ber Erinnerung an unfte liebe SRutter lebff. Sieg fetbff laffen 


1 Sin ©ufiaoa v« Jp. am 3. tfprif getrieben: Soeben ( \tfyt icb im 

Begriffe, einem Vereine wiibegieriger Äauffeute einen Vortrag über ben alten Jrib 
ju galten . . . Solche ©orlefungen Aber Dinge, bie man f$on einmal befpro<ben 
tmb tmi&btigemafe burebbacb* ftnb eine »a^re tyeitu 3<b oerliere oorber jeben 
3Xafftab, icb meif nid^t ob biefe Soeben, bie mir fo trivial erfebeinen, Untere no<b 
an|ieben fAnnen; unb erfi ro&f^enb bet {Heben* fommt mir wieber einige SB&rme»" 
3 #o<bjeit$tag ber @Itern« 


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216 


>m 1862. 


jegt gehäufte älrheiten fetten jut SinBebr in mich Bo turnen; ober bie 
©tunheit Bebten hoch immer mietet, mo b«6 traurige ©ebächtnif mir 
lebenbig roitb. Sch begreife je(}t maß mit oor’m Sabre mein gteunb 
itefcbenborff auö eigner Erfahrung fagte, bafj ein folcbcr ©cbmeti nicht 
»erfebminbet, noch ficb minbert unb nur bie ^eit ibn feltener mietet* 
Bebren läfjt. Sluch bie6 mirb bei Dir nach einer fo langen innigen 
©emeinfchaft nicht jutreffen; aber einigen üroft finbeff Du hoch t>iel* 
leicht an ber Siebe Deiner .Rinbet. 2Bir Bonnen eö Dir mabrlich nicht 
genug banBen, bafj mir nur an Deiner oerboppelten ©ute gegen und be* 
merBt fycfotn, mie fchmet Du b«imge|'ucht bifl, mein guter ©ater. — 
©egen meiner jüngften Siebe fchlagen bie ©lätter großen £ärm. 
Sch merbe 6 ff entlieh unb prioatim, fogar t>on ©lämtem mie J^ofratb 
üllbrecht, gebeten, fie gefonbert brucBen ju taffen. 2lbet ich ji<b< «6 
oor, fie nur in ben ©tenjboten §u oero ff entliehen *. Sch mag erfl 
bann mieber ein felbflänbtge# 25uch brrautgeben, menn ich ein ffierB 
fertig fyabe, baö mich feit« ganj befriebigt... 

£ebe mobt unb bie heften ©rufe an bie ©chmeftem. 


Heinrich 


338] Sin ben ©ater. 


SDlein lieber 93ater, 


£eipjig, 3. Suni 62. 


... Sch £x»nBe Dir aufrichtig für Deinen 85rief unb fchicBe Dir 
anbei bie oielbefprochene gichtesSlebe — ober oielmebr eine Siebe, 
metche fo nicht gehalten mürbe. Denn ich fprach nach menigen auf« 
gefchtiebenen ©ttchmorten unb mufte mir nachträglich ben ©otttag 
au$ bem ©ebäehtniffe, mit einigen Slbänberungen, jufammenfe$en — 
eine mibermärtige Slrbett, bie ich fcfwerltch mieberbolen merbe .., 

11862, 9lo.2S. Jhiflor. u. 'fdit. 21uffd$e 1,113 ff. Sn ben ©renjboten lautet ber 
6<b(u§: »Durch eine eigene $6gung f&Ot mit ber heutigen Seiet ber ©eginn be* 
preugifchen Sanbtagt jufammen. *3ur Jreube 21 fl er, jur ©efebämung ©ieler unter 
uni haben unfre Nachbarn jöngfi bei ben SBatjIen bemiefen, bag unter ben Deutfchen 
noch et»a< lebe »on bem „<§h«tafter bei .Krieger*“, ber p<h ju opfern retig. JOpfer 
hat bie* ©olt gebracht — unb fchmerer a(* folche, bie {ich fcf>dpen lagen nach bem 
©aufchmerthe — für bie Srfftflung einer emfien ©ütgtrpflicbt. Un* jiemt e* ju be* 
fennen, ba§ mir miffen: biefe Dhaten be* ©örgetfinne* finb auch für un* ooObracht 
worben, hoffen mir, bag Ober bem an fo oerheifungtoolfem Zage begonnenen 2anbs 
tage ber @ei|t be* RRanne* malte, bem mir ben ©pruch oerbanfen: „Qbatafter haben 
unb Deutfeh fein ifi ohne Zweifel gleichbebeutenb.“ 


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3uni 1862. 


217 


©nen testen begriff oon einer SRebe giebt bat gebrucfte Sßott hoch 
nie; bat üOfeifte wirft feie innere Bewegung bet SRebnert unb bie 
©npfünglicbfeit bet Jpbrer, unb 23eibet war bei jener Siebe ootbanben. 
©n gobn für bie SRebe ifi mir geworben: bie fchone 25üfle Sichet, 
bie wübrenb bet Seiet im ©aale jlanb, prangt je§t auf meinem 
©cbteibtifcb — bet 23enut oon SDHlo gegenüber. ©odj> hoffe ich, ber 
geftrenge ^bü°f°Pb wirb für btefe Setfucbung minbet empfänglich 
fein alt fein gegebner. — 

3njwtfcben fy&t ich füll unb fleißig gelebt. 9lur am SRontag oor 
8 Xagen gefebab bat Unerhörte, bafj icb — jum erfien SRale in meinem 
geben — fchwänjte. 3cb war oom älrbeiten rebticb abgefpannt; ba 
(am eine »etlocfenbe ©ntabung oon (Prof. S3rocf[>aut (ber ebenfalls 
ftbwdnjte) ju einem Slutfluge nach ©ttmma. 3ch fünbigte am fchwatjen 
25rett an, bafj icb butcb Slbwefenbeit oon g. am gefen oerbinbert fei, 
fuhr mit unb b«b« et nicht bereut. 6« war febr bübfcb. Ottilie 25., 
bie mit babei war, läfjt bie ©cbweftem grüßen. 2lucb ber alt großem 
©efellfcbafttsXalent in ganj ©eutfcfjlanb befannte £t. o. ©an§ — Surifl 
in 3ena — war mit unter ben Xeilnebmem ... Sluch er fchwänjte... 

Jpepp mag bie SRebe in ©ottet SRamen lefen; fte wirb nicht 93iel 
baoon oerfleben 1 . ©n Unglücf bleibt et, bafj biefet fchtoffe unäflbe* 
tifcbe Jjelb ben Stauen immer fremb fein mufj... gebt wohl, unb 
(ann ich auch nicht felbfl ju ^fingflen fommen, fo feib bocb gewifj, 
bafj ich in beglichet gtebe (Suet benfen werbe. 

©ein treuer ©obn 

Heinrich 


339] Sin 3»KuS &(«. 

©tebrttf SRtctor, 


geipjig 3. 3uni 62. 


juoörberfi ben Slutbrucf meinet aufrichtigen 25ei(eibt. ©en jroei* 
heutigen ^rofeffortitel hoben @ie wtrflich nicht oerbient. — @ie am 
©enigflen, ber immer fo ftolj war auf ben guten Stamen einet 
„©chulmetfiert". ©och ich hoff*/ @ie werben 3b* ©efchirf mit ebenfo 
chtifHich« ©gebung tragen, wie 3bt Steunb ^rof, 25roc(baut feinen 
2Ubrechttorben. (St ijl b«rt, bafj ju gleichet -3«* jwet SWünner, bie 
ich »«ehre, oon ber ©nabe bet Jjierm o. S3eujl betmgefucbt werfen. — 


i SgL Sb. 1 6.6. 


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218 


3«wi 1868. 


Da* befotmte älttentat auf ben Slubm btefe* Jpetm liegt in bem bei* 
folgenden ^ocfete. Die ©orficht meinet greunbe hat ba* 2ibeU fo 
lange jutücfgehatten. €6 lag fchon längft bei fym. jjttjel; et abet 
wollte e* burchau* nicht b«tau*geben unb fdjicfte mit’* enbltch wohl 
verfiegelt mit bet Smfchrift posa piano 1 . Um Shte Sntrufhmg übet 
bie* ©chttftfhicf,, bie ©te mit ja fcf>on mitgetbeilt, etwa« ju milbetn 
unb eine angenehme mittlete Semperatur in 3hwm ©emüthe httvot* 
jurufen, lege ich bie gichte*9lebe bei 5<h benle, @ie fmb mit meinet 
9(u*fübrung 3h«* Sluftrag* jufrieben: wir hoben an 90 tl nach 
Slammenau gefchicft. Die Sltbeit felbjt abet bebatf bet Sntfchulbigung. 
2Baö ©ie b»« lefen ijl bie wirtliche Siebe nicht... Die geiet tief 
glücClich ab; ba* SBefte tbut bie 2Bütme be* ©ptechert unb ba* 
publicum. Unb wie hätte ich mir tiefe* beffet wünfchen linnen, 
ba Jj>t. o. 23urg*borf(f) 5 bicht vor mit fafj? 

SJleht fchteiben batf ich nicht; benn vor ben ^fmgftferien, bie mich 
nach SBejlen ju einem alten rheinifchen greunbe führen/ foll noch 
9)iel abgethan werben, ©obalb abet bie lange Arbeit über ba* Ötben** 
lanb ^teufen gebrucft ift, fchtcfe ich fte 3hnen mit einem langen 
©riefe; unb ©ie werben bann auch nicht unmenfchlich fchmeigfam 
fein. 83i* bahin bie beften <3tü§e unb SBünfche 

von Shtem alten ©chület 

Steitfchfe. 

#et}tichen @tu§ an J?m Dr. Salfcet. älnbei mit vielem Danf 
bet Siegte 1 . 


340) 91n bm 23atcr. 


SWein lieber 95öter, 


Seipjtg 27/12 4 62. 


-Die Sage in Gatlötube 6 waten freilich füll, abet ich 

habe mich an meinem alten greunbe gefreut, wie männlich et fein 
Unglücf trägt unb wie ganj unveränbert et geblieben tfi... Sin 
paar SRate fmb wir in bie Umgegenb gefommen, fo einen Sag nach 

1 *©otftc$t!*» $er Slrtifel „Die JJuflänbe bei ä&ntgret^* Saufen unter bem 
©euft’fc^cn ^Regiment", in ben tyreufi» 3af>rbb. 3R4rj 1862 erf$ienen; f. je$t Jßtflor. 
u» tyofit. üuffdfce 4,97 ff« 2 127» 8 &mnutlic$ beffen ftberfefcung 

von Sffofefpeare* Sonetten; og(« £iflor. u* ^oltt. Buffäfce 4,571. * ©erfc^rieben 

flott 6. 6 wo £rettfc$fe feinen naef) ganj furjer Sfje oeroittweten Jreunb SBityebn 

9loff befugt $atte. 


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I 


3nni 1862. 


219 


bem ftertlicften 93aben*(8aben, baö mit »iebet bcn alten Iteblicften Sin« 
brucf machte ... ©ie Su ben!en fannfl, mußte ieft aueft ben 3t^ein 
»tbetfeften, wenn aueft an reijlofet ©teile; aber bet anbertftalbflünbige 
©atfcft t>ot» SarlPtuft buteft bte Sbne loftnt boeft reidjtieft: mit Seutfcften 
fonnen unP einmal an unfrem ©ttome nieftt fatt feften. ©iebet ftaft* 
ieft (ebenbig empfunben, wie oiet glüeflieftet unb natutfrifeftet boeft 
bie ©übbeutfeften leben. SaP £anb ift wie ein ©arten; mitten im 
Selbe bieftte Steiften müefttiget Dbflbüumt; überall bet teieftte ©ein 
in ben offnen glafcften unb ben großen ©läfem, unb übet bem @e* 
bitge jener eigentftümlicfte Stuft bet Sltmofpftüre, bet eP boeft befonbetP 
»erfcftulbet, baß unP bie tftetnifeften (Berge fo oiel feftonet etfefteinen 
alp bie mittelbeutfcften. 3n SarlPtufte felbfl waten mit baP Snteteffan* 
tefte bie ©enfeften. 3<ft ftabe ben ©iniflet Sftoggenbacft fennen ge* 
lernt/ bet mieft fefton buteft ben Stuf unb buteft feinen alten politifeften 
2efttet, ©taatPratft ©at(t)ftp ftiet, fannte. SaP ift ein fterrlicftet ©ann, 
bet im ©etfeftte nur ben »omeftmen $erm, nieftt ben ©iniflet jeigt, 
noeft in bet ©itte bet Sreißig. Sin leiefttet Slnffug oon gemütftlieftet 
©ürme, faft ©eieftfteit, ffcftt feinem flaren enetgifeften ffiefen feftt 
gut. (Bei iftm fanb ieft feine liberalen gteunbe Sollft unb ben Jpiflo* 
tifet (Baumgatten. 

3luf bet #inreife, bie ieft in beftet ©efefffeftaft, mit Jjirjel unb 
Steptag gtüßtentfteilP, jurüeflegte, blieben mir einige ©tunben für 
©arburg. Sine teijenb gelegne alte ©tobt; aber ein feftteeflieftet ©e* 
banfe bort ju (eben. Tübingen* Slrmutft, ©eftmug unb »inflige 
©affen »erjeftnfaeftt. Sluf bet StüeJfaftrt »anbette ieft einen Sag im 
ßbenwalb buteft bie (Burgen an bet ©etgfhafe, bie ieft früftet nie ge* 
feften. SP waren neun teiefte Sage/ unb gern ftab’ ieft bafüt gebüßt 
buteft oetboppelte Slrbeiten. Srfl am Sage bep ©ieberbeginnP bet 
(Borlefungen traf ieft wiebet ftiet ein unb mußte noeft im ©aggon 
für baP Solleg arbeiten. — Sie S»<ftlefeiet ftat mit noeft naeftttüglicft 
manefte Steube oerfeftafft, fo einen (Brief oon (8. Sluetbaeft, bet mieft 
fteilieft in ©etlegenfteit fegt/ weil ieft iftm bie Stebe webet gefeftieft 
ftabe noeft fcftictot fann. Unb vielleicht fann jener Sag mein ganjep 
©eftieffol für bie nücftften 3aftre ünbetn. ©an ftat mir/ wefentlieft 
in S^lge jener Siebe/ Stöffnungen gemaeftt wegen bet jweiten ©e* 
feftiefttpprofeffut in ÄieL Sie ©aefte liegt im weiten gelbe/ ba bie 
©teile in ben legten Saftten nieftt befegt gewefen, alfo bie Srlaubniß 
bet Stegietung in Äopenftagen einjuftolen ifl. 3<ft ftabe mieft bereit 


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220 


3uli 1868. 


erftdrt, 60 b« Dienfleib dlichtb entölt wob ein gut« Deutfcb« nicht 
befchwören fönnte unb btt Dänen befanntlich ben ^»olftetnem gang 
freie Jj»onb taffen unb ihre £prannei auf ©djlebwig befchränfem 
SWeine Hoffnungen ftnb gering, benn eb wäre bab erfle 2 Ral, baf ein 

wirtlich ungewöhnlicher ©lücfbfall in mein Sehen eingriffe- 

Uebrigenb f)ab’ ich bet grau 9toff 1 einige gute Suchet gefehen, bie bie 
©chweflem noch «ich* feroten — bie ©ebichte oon 9Rörife unb Dingel* 
flebt, bie Dteuen ©ebichte oon Heine... Damit ein fjetjlicheä fcbewoht. 

Heinrich 


341] Sn 2Bil&rfm %>ff. 

SBlfit» lieber ftreunb, 


Seipjig, 1 . 3 uli 62. 


unbegreiflich unb unoerjeiblich, baf ich f° lange warten fonnte mit 
einem SBorte beb Danfb für Sure ©aflfreunbfchaft unb bie frönen 
Dage am SRhein . . , Sn bet S£hat, ich habe hart bhfen muffen für 
bie fchonen ^)ftngjff«ien: fchon auf b« Heimfahrt ging bab ©tubiren 
lob, unb feitbem hab’ ich leinen mutigen Slugenblicf mehr gehabt 
Vächflen ©ambtag benf’ ich bie ©efchichte beb beutfehen Drbenb ju 
beenbigen; bann fod am ©onntag bet 3Beffenbetg aubgebeutet unb 
abgefchieft werben . . . Stuf bet Heimreife haß’ ich . . . bie H^hen 
an b« 93«gftraf e befliegen unb in 50 SDlinuten Darmflabt mitfammt 
bem Sinen Slccefftflen auf ber SRbetnflrafe fo grunblich fennen ge* 
lernt, baf ich f(hn>ören fonnte, nie wieber bieb grauenhafte 9lefl ju 
betreten. Dab 9>ompejanum in älfchaffenburg hat mir greube ge* 
macht wie ftch« Sebent, ber Statten nicht fennt. 2Betch’ eine 2Be(t 
ifl bab gewefen, ba jeber Hanbwerfer ein Zünftler war! Vornehmlich 
hberrafchten mich bie fchonen Dhierbtlber; ich f a h ß« einen ©inn für 
bie nieb«e 9latur, ben ich ben Sitten nicht jugetraut hätte. Unb boch 
mag ich fei« Slltertbumler werben. 2 Benn ich ben mächtigen rotben 
^)alafl b« SWainjer Sifchöfe mit feinen maffigen Dhhrmen unb ben 
phantaflifchen 3ienaiffance*©chn6rfeln neben bem ^Jompejanum fah, 
ba empfanb ich boch, baf wir mobernen SDlenfchen trog altebem ein 
Stecht haben unb trogig neben bie Sitten ju flellen: eine ©träfe fotch« 
fahl« unmalerifcher Häuf« fönnte unf« unrubigeb Sluge nimmer* 
mehr «tragen. — Hier geht bie Slrbeit weiter: ich weif mit meinen 


l 2BiK)dm 9}cff4 Sc^roägmn, 


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3uK 1862. 


221 


9 ©tunben Golleg f«um wo au« unb ein; aber ich lerne wa« babei 
unb werbe mich funftig nicht fo febt iberlaben. SHu« ber Kieler 
©ache fann wiber ©ermutben borf) noch etwa« werben; febt einfluf}* 
reiche Seute betreiben fte alle* Smfie«, unb vielleicht höbe icb mit 
Einern von ihnen fcbon in nicbfier 2Boche eine £ufammenfunft auf 
neutralem ©oben. Sebenfallo follte mir ber Dine leib tbun, wenn er 
fich fo in Unfcbulb ben Jj>ec^>t in ben Karpfenteich fegte. — Slugem 
blicflicb verweilt „3ob«nn ber 2Beife" (fo nennt ben 3amntermann 
ba« neuefte Sebrbucb ber ficbftfcben ©efcbicbte fir ©cbulen) birr, unb 
icb ärgere mich/ wie viele 2lnbinger felbfl in Seipjig ber fervile 
©tumpfftnn noch jiblt ♦ • • Diefer £age, benf’ icb, gebft Du in bie 
Sllpen, unb icb b°fF«/ baö wirb Dir wobltbun. S« bebarf beffen wobl 
nicht/ aber ich muf Dir bennocb fagen, wie febr ich mich an Dir 
unb Deinem fittlicben SRutbe gefreut habe. Stun grfifje mir Slubolf 
unb Deine ©chwigerin auf« #erjlicbfle . . . 


Dein X. 


842] 91n töubolf Jßapttu 

Seipjig, 9 3uli 62. 

#o<bge«brt«r $err, 

©ie feben, ich b fl be 3bre (egte gnibige grift noch benugt unb bann 
nur wünfcben, bafj man ber Arbeit 1 bie häufigen Unterbrechungen nicht 
anftebt. 3<b tebe biefen ©ommet in einem unbefcbreiblicben ^uftanbe, 
aber bie Arbeit ift nicht ftucbtlo«; benn b a &« ich bie« Solleg über 
neuefle ©efcbicbte glücfltch vollenbet, fo barf ich mich getroft an jebe 
anbre biftorifche ©orlefung wagen. — ^erjlichen Dan! für Sbre 
freunblicben 3Borte über bie gicbte*9lebe. Die Siebe bitte 3br Sob 
vielleicht verbient, ber 3luffa§ ficherlich nicht . . . 

Die ^reufjen*2lrbeit fommt mit mehreren ©itten. 3bre Singe 
entfchulbtge ich nicht ... benn wie follte ich bie ©efchtchte mehrerer 
3 abrbunberte furjer bebanbetn? 2lber etwa« unverfchimt flingt e«, 
wenn ich ©ie bitte, ba« umfingliche SDJfer. nicht ju jertbeilen. ©ie 
werben rafch felbjl erfennen, bafj bei bem notbwenbigen ^ufammen« 
bange be« ©anjen eine unterbrochene Secture ben ©enufj unb fogar 
ba« ©erflinbnijj verbirbt. Ueberbie« fallen alle ^unftgelebrten Uber 
einen folgen essay gern her öl« über Dilettantenarbeit — wibrenb 
i „X)a< bnitfch« DrbcnManb ‘Pttujjfn." 


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222 


3uli 1862. 


ich mir fagen barf, baß ber SSorwurf fciet nicht ju trifft; alfo »dt* 
«6 gut, ben gefcr burch ungetrennten Slbbtucf fogleicf) jum unbefam 
genen Uttheile über ba« ©anje in Stanb ju fegen . . . 2luch im 
Uebrigen bitte ich febr um Schonung: manche« bem rafchen SSItcfe 
anftößige 2Bort ift ben Quellen entnommen. SDtit Slbficht höbe ich 
mich al« SRichtyreußen genannt; benn barin liegt ein guter Xheil ber 
^Rechtfertigung für ba« Unternehmen, ba« manchem Preußen oietteicht 
tollfübn ober überflüffig erfcheinen mag. Ueberflüffig minbeften« ift 
e« nicht, benn Sie glauben nicht, toie wenig man außerhalb Preußen« 
»on biefer herrlichen ©efchichte fennt. Jjier in einer ©efeUfchaft »on 
9 >rofefforen hotte neulich fRtemanb außer mit jemal« oon ber 
SRarienburg gehört . . . Die Arbeit fürnmt, wie ich nachträglich ju 
meiner greube fehe, an mehreren Stellen mit ©olbfchmibt« $anfa* 
überein. Sch will jufrieben fein, wenn Sie ben Sluffag ebenfo gern 

lefen, al« ich »bn gern gefchrieben höbe-SJtein Preußenthum 

follen Sie in ungefchmälertem SBohlfein ftnben, obgleich, ba« weiß 
ber Fimmel, e« jegt fein leichte« 2Berf ift gut preußifch ju bleiben. 
Seben Sonntag glbenb oerfammeln fieh bie guten Preußen, unb Sie 
werben, benf’ ich, mit biefer „Sterfchwörung" jiemlich jufrieben fein, 
geben Sie wohl unb laffen Sie mich halb ein 2Bort hören über ba« 
Sdjicffal be« Sluffage«. Sn unoeränberter Verehrung ganj ber Shrige 

Dreitfchfe 


848] 9ln btn Sßattr. 

geipjig, 14. Suti 62. 

SDtem lieber SBater, 

. . . 2ln Dich felbft ju fchreiben »erfchob ich bi« heute, weil e« mir 
ein #erjen«bebürfniß ift, baß Du an bem fommenben ferneren Dage 2 
nicht ohne ein Reichen meinet Dheilnahme bleibjt. ÜBie fchwer ift e« 
boch, ba feine Xheilnahme au«jufptechen, wo ber Schmerj jugteich 
unfer eigener ift. Sei Du nur überjeugt, baß wir Dir nicht genug 
banten tönnen, wie ebel Du Dein Unglücf trägft unb wie Du un« 
alltäglich mit ©üte überhäufft. Un« äUnbern wirb ba« 83ilb unfrer 
lieben SRutter in allen ernften Stunben oor bie Seele treten unb 
unfren Sinn auf ba« ©ute unb Dauernbe im geben richten. Du 
weißt fetber, wie fchwer e« einem fOtanne fällt, eine Smpßnbung 

i 'Prtufi. Johtbb. 9,628 ff. 2 fcnn StobfStag btt OTutttt. 


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>(i 1862. 


223 


außjufprecben, bie fein innerfteß .ftetj erfüllt. Sarunt laf mich bei 
btefen Sorten abbrecben, mein lieber Stoter, unb fei verftcbert, baf 
morgen meine ©ebanfen bei Sit unb bem ©rabe ber Sutter fein 
werben- 

3 njwifdj>en ijl auch mein 8luffa§ über baß beutfcbe Crbenßlanb 
9 >teufen beenbigt worben, eine febr fcbwierige unb febr lange Arbeit, 
aber ich boffe, fte fytt ein {Recht ju ejriflireru gür mein Solleg bab’ 
i(b ungeheuer fBiel ju tefen: mancher ganj neue ©ebantenfreiß b°t 
ficb mir erfcbloffen. So fannte ich biö^er ben gebilbeten unb ge* 
mäßigten Äatbolicißmuß nur auß bem Umgänge mit einigen fatbo* 
lifcben greunben. 3«|t aber b<*be icb in bem Seben unb ben Schriften 
beß alten 83ifcbofß Seffenberg 1 nicht nur einen ber reinften unb 
fl&gfien Senfeben unfreß 3abtbunbertß gefunben, fonbern baran auch 
meine alte Ueberjeugung gefejfigt, baf unfre gemeinfame beutfebe 
©eifteßbilbung ben ©egenfafc ber Sonfefftonen in ben tyiUun Hopfen 
febr abgefcbwäcbt fyit. — 2lucb viele £eitgebicbte auß ben vierjiger 
3 abren muf icb tefen; boeb ijl mir baß #erwegb’f<be 9>bwf««macben 
in tieffter Seele juwtber, unb Suffet’ß nous l’avons eu, votre Rhin 
allemand febeint mir taufenbmal ferner alß baß abgefefjmaefte 83eefer* 
febe Sft^etnlteb. Unter all biefen beutfeben ^eitpotten jener Sage ifi 
boeb Singeljtebt ber einjige Siebtet 5 . — Uebrigenß babe icb noch eine 
Stunbe wöchentlich jugelegt unb werbe, wenn 2l(leß nach meinem 
9 >(ane gebt, baß Sbema wirtlich biß jum Snbe, jum Slußbrucbe ber 
{Revolution von 48, fuhren, bann aber auch ber öberftanbenen $lage 
berjlicb froh fein. 3n 3—4 Soeben ift an ber Unioerjttüt Semefter* 
ftbluf; ich aber muf (eiber wegen ber verwunfebten ^(agwi|er 93or* 
lefungen noch biß jum 12. Septbt b<«r außbauern ... 3cb fage Sir 
nocbmalß, mein lieber SSater, einen ©ruf ^crjlicbjer Sbeilnabme für 
morgen. 

Sein treuer Sohn 

Heinrich 


844] ®n fflubotf .ftaijm. 


Seipjig, 17. 3uli 62. 


£o<bgeebrter 

einen fteunblicberen Smpfang tonnte ficb meine SUrbeit nicht wfinfeben*. 
#aben Sie vielen Sanf baffir; eß flecft wirtlich etwaß von meinem 

l ©9L Seutfcbe @ef<b«bte 2,364 ff. » gbenba 6,373f. 86f. 374f. 
batte, narben» « ben „Otben*(laat" im OTanuffript obwohl »nur )tetnß<b 


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224 


>li 1862. 


Jjerjen in ben Slüttern. 3<h meine ein ganj moberner SRenfch ju 
fein unb möchte in feiner anberen £eit leben/ unb boch werben mir 
jene phantaftifchen %age immer wieber im Traume lebenbig. — ©iefe 
flüchtigen feilen foilen 3bnen nur mittheilen, ba§ mein harmlofer 
Meiner ©adjfenfpiegel je|t »on einer biebren ©achfenfeele (nermuthlich 
einem Stegierungörath« in ©rtfben 1 ) vernietet worben ifl — auf 87 
©eiten in ber ©cfjrift: „©ie ^uftdnbe im Ägr. ©aehfen unb ber SÄin. 
o. SJeufl. 3 ur 2lbwebr gegen bie 9>reu§. 3ahrbb. £pj. 5tau(bni|." ©a$ 
SRachwerf ifl fo unfäglieh albern/ fo 2Bort für Sort ein S3eleg meiner 
^Behauptung, bafj ©aehfen politifch erfiorben fei, unb babei fo jabm 
unb hüflicfclangweilig, bafj icb felbjl burch baö 3ubelgefehrei ber S3eufl* 
fc^en SBlättet nicht ju einer Srwibetung getrieben werben fann. 3$ 
tbeile 3bnen jeboch bie ©ache mit, weil ©ie eö »ielleicht im 3ntereffe 
ber 3abrbb. für notbwenbig halten, mit jwei wegwerfenben Sorten 
oon biefem 3«ugnifj unfreö politifehen SBanfrottt 9totij ju nehmen 2 ... 
Unb babei ifl ber SJtenfch fo gutmütig, bafj man nicht einmal einen 
fehleren 2Bi| über ihn machen fann. © biefe ©dchfer! . . . 

3n biefer Soche bin ich etwa# unwohl, boch etwa am ©onntag 
über 8 Sage hoff« ><h ©»« enblich wirflich unb wahrhaftig hier )u 
fehen. 23iö bahin nehmen ©ie bie heften ©rüfje non 3hrem ergebenden 

flreitfchfe 

£affen ©ie ©ich baö SBuch ja nur jur Slnficht fommen; ba$ 
Sluffchnetben bet 33 littet wäre freoelhafter £ujcu6. 3<h empfehle @. 26 
über Satlowij}. 


346] 2In 2Bi[&elm 9Joff. 

Steher Sreunb, 


£eipjig 29/7 62 


fafi vier Soeben fpdter ald ich verfprach fommt enblich ber Seffenberg; 
aber fünftige ©einen 3orn, ich hin wirflich ganj unfchulbig. ©(eich 


erft" gelefen, Streike foeben geantwortet, bafj er „ben 9tuffafc für ein äapitat; 
fiütf ^alte, bad nic^t blofc mir unb ben 3 Ä b f &ft$«n, fonbem ^offent(i(^ auch 
3bnen ju gute fommt* 3$ ftoune 3bren Jfeifj unb 3 b xt Mjhingdfdbigfeit an: 
0ie foQten ft dp bod) jebenfafld nicht ju oiel ttyun \ u Unb am 17. JDftober bann 
beglücf»ünf<bte ^ Xreirfe^fe unb bie 3öfaM<ber *on neuem »egen bed fernen 
Stuffafced: „3<b »üfjte nicht, »ad icf> barum gdbe, »enn am&tbe boc$ noch 3h*< 
$b&tigfeit für bie 3ab*bücher eine SBrücfe würbe, @ie nach ^reufjen b«üb«iufübren*, 
l ». SBifcleben. 2 ©efc^af) noch im 3«l<^eft (SBb. 10, ©. 94) gan| in fcreitfchfed 
ftuffaffung; ogl. auch n 3&b r * Deutfcber Ädmpfe, 2. 9t. €>. 61. 


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3»(i 186?. 


225 


nach meinem (egten (Briefe mürbe ich fepr unmopl unb ich bin feitbem 
fo von allem möglichen Unbehagen geplagt morben, bafj ich nur mit 
ber gröften ©elbflübetminbung meine So (legten unb bie baju nötpigen 
arbeiten beforgen tonnte unb auch biefe feilen noch auf bem ©oppa 
fegreibe. Da ifl mir oft baß 2Bort beß ©imonibeß burch ben ©inn 
gegangen: jurn Srflett, ihr ©öfter, fepenft mir ©efunbpeit beß ?eibeß. 
Die grofjen alten! Daf mir boch immer burch b‘ e Erfahrung an 
bie eble Sinfalt ihrer SfBetßpeit erinnert merben ... Die lange beutfehe 
Drbenßgefcpicpte ifl lingfl fertig; Du mirfl ft« im ©eptbr*#efte ber 
prf. Saprbb. lefen 1 . Jjapnt ifl fanguinifch genug, mir eine preufifepe 
^rofeffur bafür ju prophezeien (o SWupler!). Sn etmaß mehr alß 8 Dagen 
fehltest ©ottlob baß ©emefler. (Biß bahin foll auch noch rine ßritif beß 
£ubm. beß (Baiern vonJ^epfe fertig merben, bie mirgreptag mit ber 9>iflole 
in ber #anb abgebrungen pat — eine trofllofe arbeit, benn mag Idfjt 
ftch fagen über baß fcplecptpin Wicptßfagenbe? Da lob’ ich mir bie löflliche 
SRohhrit in 9>feubo*@hafefpeare’ß Heinrich VI, ben ich jum erflen 
«Wale lefe. ÜBelcpe Äunfllopgfeit — mie in bem ^uppenfptele — 
unb boch welche pinreifenbe ©emalt ber üeibenfepaft in biefem ©ebiepte 
ober vielmehr in biefer ©efepiepte. Sch bettle, auch in unfrer mittel« 
alterlichen ©efepiepte liefe ftch bie gleiche gulle pnnlicper Äraft unb 
noch mehr ©ern&tp finben, nur bafj leiber aileß nach 3«t hrtb'Drt 
jerfplittert ifl unb — maß für bie ^>o5fie entfeheibenb ifl — unfrer 
(ebenbigen #erjenßtpeilnapme fo gar fern liegt, ©onfl hob’ ich non 
*Po?fie «Wancpeß gelefen, aber nicht nach rigner SEBapl, fonbem nach 
ben (Bebärfniffen meineß feollegß. Da mürbe mir ber Sfel an ber 
Denbenjpo?fte beß platten ©cplageß mieber fcprecEltcp (ebenbig; biefer 
#ermegb, ben bie ^eitgenoffen vor alten anbern auf ben ©cpilb hoben, 
ifl boch btt profaifchfle Äerl von aßen gemefen: fetbfl ^)rug hotte 
bamatß noch mehr ©eflaltungßfraft. — Son bem greiburger Deutonen* 
fefle* mufften bie pieftgen ©tubenten Siel ju erjdplen. ©epr fcpön 
— menn nur niept biefer alberne Denbenjbir ffienebep bie ©tubenten 
mit feinen gabaifen beraufepte 3 ! Der Suttuß ber Dummheit unter 

t Srftpien ftpon im 2(ugu|tpeft, bann Jpiftor. u. $otit. Stuffipe 6. 91. 2,1 ff* 3 23gt. 
oben ©b. 1 ©. 174. 8 ©gl. Deutftpe ©eftpitpte 4,641 f. 607. 6,88. 669. ©o 

mie et an biefen ©teilen gejeitpnet ift, (tat 93. auefj 1866 mit ber fonfufen Streit 
feprift ,3. ©enebep an ißrof. Jpeinticp ». Iteitftpfe* pereor. „9Bie ade Daube »er; 
biffen unb mit ber 2BeIt jetfallen*, erftpeint pier Dt., „troß bet Dalatß ein ©ods 
blutjunfet", an ber ©piß« »ber fteepen Watpl&ufet beß pteufjifcpen 3“nterfiegeß.* 
„3m Warnen ber beutftpien ©epam, ber beutftpen €prenpaftigfeit, beß beutfepen 
tt 16 


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226 


Bugtift 1862. 


bet 3ugenb eine« geifhreichen ©olfß — baß ifl eine entflicht Ser* 
irrung; wir erfuhren eß ffhon einmal, alß Sßater Sahn bet Sugenb« 
heilanb war. — Sein Sotteg iff fchrecflich jeitraubenb; benfe baß ieh 
in l 1 /, ©tunben ben Äolner S3ifc^of6^anbel abtbun mußte, woju eine 
ganje Literatur nothwenbig iff 1 . Slber greube macht mit je§t bet 
Schluß — bie preuß. 93erfaffungßbewegung 1840/48. ©o »iel Siß* 
griffe, fo »iel Sborbriten, auch auf ©eiten beß ®olfß: unb boch wie 
bat bieß Soll im Schweiße feineß Sigeffchtß gearbeitet für ben 9leubau 
feinet ©taatß, unb wie müht «6 ftcf) noch. 9luß SSarnhagenß Jilat* 
fchereien lernt man bieß freilich nicht. Sir follen unß nicht gegen 
einanber uberheben; gewiß, ohne bie Sinflüffe politifcher SBilbung auß 
©öbs unb Sittelbeutfehlanb hatten bie Preußen biefe Slußbauer nicht 
gefunben, aber wenn ich bwl'/ baß ber (Bereinigte Sanbtag eine 
feubale Sfnffitution war, fo erffaune ich &och, wie ffarf ber gefunbe 
Srieb in Preußen iff. — Seine Vieler ®efRichte wirb fich erff in 
ben großen Serien erlebigen; ich h«&« wenig Hoffnung. — ©iefe 
peilen ffnben ©ich wohl foeben juröcfgelehrt »on ber ©chweijerreife; 
hoffentlich ha* ff' ©it baß #erj gefWrft. Sir aber fei gnübig unb 
antworte halb. 

©ein Z. 


346] 8n ben S3ater. * 

Seipjig, 2. Slug. 62. 

SOletn lieber 95ater, 

heute »or einem Sabre machte ich bie traurige Steife ju Such. &ie 
Erinnerung an biefe Sage wirb mir recht lebenbig burch ©einen (Brief, 
ben ich foeben wieber laß. Jjabe belieben ©anf bafür unb für alle 
bie Siebe ju unß, bie batauß rebet. — Sein Seben ging injwifehen 
in ber alten angeffrengten Seife fort; nur war ich in ben lebten 
Soeben oft recht unwohl unb fo abgefpannt, baß mir bie Arbeit viele 
©elbffüberwinbung foffete. .Reine (eichte Sühe unb feine greube, in 
6 SSortrdgen griebrich Silhelm IV biß jur Sirjrevolution ju fchilbern. 
Sein Urtheil über ben 58arnhagen* hot fleh wir bei biefen ©tubien 
beffütigt: baß (Buch iff von großem Serthe für ben Äunbigen, aber 

3Ranne*fta4e6 befämpfen mir biefen ©dfcenbienft" Denn „bie ,(Einheit Deutf^s 
lanb$‘ mirb nie auf bem 2Bege erregt merben, auf bem tyreugen in ben festen 
Dogen gt6§er geworben ifh* * Deutle ©ef^ic^te 4,683ft. 6,279ff, 2 ©gl, 

Jßißor. u« feti t. Buffdfce 4,663f. 668 f. 


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Buguft 1862. 


227 


©ift, gerabeju @ift für ba« unmiffenbe publicum. Die Hemuögabe 
im gegenmdrtigen ©ugenblicfe tft eine ©emeinbeit: ju fo viel geregter 
Erbitterung noch eine folcbe glutb ungerechten ©rimmß unter bie 
gäbrenben Saffen ju gieffen! . . . 9lo<b iP einige Hoffnung auf 
©erfbbmmg ber Regierung unb brt Sanbtag« in ©erlin. Ein unbe* 
recbenbare« Unbeil für un« 2lffe, wenn fie fcbeitem follte. Denn 
einem ©erfaffungöbrucbe — ba« glaube ich ganj ficber ju troffen — 
mürbe ba« Soll einen jdben, unbepegbaren ©Siberpanb entgegenfefcen; 
bie folgen mdren unabfebbar. — 

©or bem 12. ©eptbr nimmt leiber bie ^lagroi§er ©läge fein Enbe. 
Dann benfe icb fogleicb auf 4 ©Soeben ju Euch ju tommen. Xefcben* 
borff bol mir gefebrieben megen feiner etwaigen Slnfunft . . . ©ein 
groffe« Sutberbilb ip fertig unb bot in Sünden ju meiner greube 
groffe« ©uffeben erregt . . . Son ber Vieler ©ngelegenbeit verlautet 
feit Sängern ©i<btt; fte mirb ftcb erff mdbrenb ber groffen Serien er» 
lebigen. Sir mir’ e6 boeb bwjlicb lieb/ in biefe neue ©Seit unb in 
ba« febr angenehme gefettige Seben ber Vieler ©elebrten ju fornmen; 

aber meine Hoffnungen ftnb gering- 

©Kt brrjlüben ©rüffen 


Dein treuer ©obn 

Heinrich 


847] 9n @uflava #on Tafelberg. 


Seipjig 14. ©ug. 62. 


«Hoben ©ie bie ©üte, $eit für mich ju hoben 1 ’. ©Sie jufrieben mofff 
ich fein, meine verehrte greunbin, menn mein guter ober fcblecbter 
Sitte über ba« ßeit hoben entfebeiben tonnte. Da« UnroabrfcbeinlicbPe 
iP bieömal mabr: ich bin feit vier Sonaten nicht au« einer ununter« 
broebenen ©rbeit«bef}jagb b«ou6getommen. ©ie fennen hoffentlich 
ein folcbe« raplofe« Arbeiten auf ©tunbe unb Sinute nicht, ba6 un« 
mobl manche ©ugenblicfe, aber nie ben Äopf frei Idfft. San verlernt 
b&ei fap fleh $u fammeln unb in ftcb einjugeben; man mirb ftcb 
fetter fremb. 3cb höbe barau« ben Entfcbluff gejogen, baff ich ein 
folcbe« Eotteg fo halb nicht mieber lefe. füglich follte ich beutfebe 
©efebiebte feit 1815 vortragen — ein faP ganj unbearbeitete« Schema, 
ba« für Jebe ©tunbe jum ©emdltigen einer Keinen ober auch groffen 
Siteratur jmingt; baju noch nationalbfonomifcbe ©orlefungen, bie 

15* 


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228 


Suguft 1862. 


I 


gichterebe, eine lange (Befeuchte be* beutfchen Orten*, bie jegt gebrucft 
wirb, enblicp feit ^fingften ein anbaltenbe* Unwohlfein, ba* mit fetbfl 
btefe unumgänglichen Arbeiten fehr etfch werte. €ö war bet Arbeit 
genug, unb ich barf mir fagen, ba§ ich toirflich nicht eher fch reiben 
fonitte. Seib thut e* mir trogbem von Sjayen, benn ich bitte lingft 

gern ju 3hn«n von ben Sortefungen 3hre* Sätet* gefprochen 1 - 

<E* ift nicht blo* eine greube, fo viel Klarheit, Stuth unb Schärfe ju 
fo vieler Jjerjlicbleit unb guter Saune gefeilt ju ftnben, unb ©ie 
bürfen ©ich batum nicht wunbem, wenn ich 3bte (Erlaubnis benugt 
unb ba* Silb jutücfbehalten habe. Sluch für bie (Erfenntnifj bet £eit 
ift mit ba* Jjeft wichtig gewefen. ÜBir hoben nicht viele Stebner, bie 
in wiffenfchaftlichen Sorträgen fo rücfhaltlo* fleh felbet geben; unb 
boch läfjt fleh au* ben Ueberjeugungen unb Hoffnungen eine* bebeu« 
tenben, vorwitt* ftrebenben Stanne* ba* Herjen*geheimnif} einer (Epoche 
weit fieberet erratben al* au* bem forgfiltigften Berichte über bie 
@taat*aetionen. 3<h f«be nun bie £eit, bie bet Revolution voran« 
ging, weit beutlicher vor mit mit ihren Slbftractionen, ihrer leiben« 
fchaftlichen ©ebnfucht unb — ihrem föfttichen Shithe, ber un* oft fo 
febr befchämt. 2fber vor welchem publicum bat 3h* Sätet gelefen? 
2Benn ich wir Honoratioren einer ^>rovincialftabt benfe, bie fotche 
©äge ruhig mit anhören wie jene über bie Semunftwibrigfeit ber 
Slonatchie, fo gemahnt e* mich an ben franjöfifchen Slbel, ber ben 
Sterten Seaumarchai*’ jujubette. Sei ber heutigen ©Reibung unb 
(Erbitterung ber Parteien wäre ba* unmöglich. 2Ba* ift fo räthfelhaft, 
fo wiberfpruch*vo(l, wie bie (Empftnbung, bie wir bem (Befchtechte, 
ba* un* voranging, entgegenbringen? Da* Sefte wa* wir hefigen, 
banfen wir ihnen, unb feben wir fte felber vor un*, unfre Sätet, 
wie in ihnen Sille* reif unb fertig ift wa* in unfren Äöpfen noch 
burcheinanber gährt, fo haben wir fein (Befühl al* ba* natürliche be* 
Danfe* unb ber Serehrung. 2Bie anber*, wenn wir un* in ihren 
3beeenfrei* verfenten. JDann fühlen wir, baff bie reifenbe Jeit un* 
älter unb erfahrener gemacht hat al* unfre Säter, baff eine Stenge 
(Bebanfen, bie ihnen ba* reiffle SKanne*alter erfüllten, von un**tn 
wenigen 3ugenbjahren überwunben unb verarbeitet werben. 3cb benfe, 
auf biefem rücffichtölofen £roge beruht ber gortfehritt unfre* (Be* 

1 fftr bmn Empfang £reitf<&fe (<$on Anfang Sfytil futj gebanft fyattt, „gan| er= 
fftiunt fibtx btc ÄüJjnfjeit im 3* 1847 in ^reu^en folc^e SBorte ju fagetu* ©gl. 
©b. 1 ®. 291. 


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Hufluft 1862. 


229 


fehlest*, unb dchter Vilbung barf ftch nur rühmen wer bteS freubige 
3ufunftSgeföhl ju verbtnben weif mit bem liebevollen Verftdnbnif 
ber Vergangenheit. Stoch eine Vemerfung hoben mir biefe Vortrdge 
wieber lebhaft aufgebrdngt: wie verf«hieben boch bie ganje Senfweife 
ber hifforifch unb ber naturwiffenfchaftlich gebilbeten Vtdnner ift. 
Ser ÜJlann ber Staturwiffenfchaften fcbtieft aus feinen Vorberfdgen 
löhn unb folgerichtig weiter; aber ber Jjiftorifer unb ^olitifer von 
gach lebt mit ber ftrengen 2ogif auf f<hle(htem gufe. SaS Hingt 
unbegreiflich unb eS ift auch nur ein Schein. Senn in jebe politifche 
grage fpielen eine folcpe SKenge wiberfprechenber SDtdchte h«rein, 
barunter bie unberechenbarfte von allen, bas Vtenfchenherj, baf ber 
J^iftorifer über biefer gölte ber £batfa<hen bie allgemeinen Senl* unb 
Staturgefege, bie biefem Spiele ju ©runbe liegen, faji vergift. 9)tir 
ift bas oft in ben politischen ©efprdchen meiner Vefannten aufge* 
falten, wie ber J^iflorifer vor attfeitiger Srwdgung faum von ber 
Stelle rötft unb allgemeine Sdge grabeju fcheut, wdhrenb ber Statur* 
forfcher Schlöffe an Schlöffe reiht. Sine ^ufunft, bie wir hoffentlich 
noch erleben, wirb einft Srnft machen mit ber Srfenntnif, welche bie 
©egenwart nur im Vtunbe föhrt, baf biefelben ©efege, bie bas 2eben 
ber Statur leiten, auch bie h»ftorif<he ffielt bewegen. Sann wirb auch 
biefer ©egenfag ber naturwiffenfchaftlichen unb ber hiflorifchen Vilbung 
fchwinben; bis heute aber beftebt er noch unb tritt mir attemal ent* 
gegen, fo oft ich einen Staturforfcger öber politifche Singe reben höre 1 . 
— Soch ich uoörbe nicht fertig, wollte ich »on öden ben ©ebanfen 
fprechen, bie mir bat Jjeft aufbrdngt Sllfo nochmals, hoben Sie 
herjlichen San! baför, baf Sie mir bas ©löcf verfchafft, einen ganjen 
SOtann fennen ju lernen. 3<h fann nun anndhernb 3h*e Vegeiftcrung 
begreifen unb ich höbe einen Vegriff bavon, welche adgemeine #och* 
achtung man 3h*tm Vater entgegenbrachte, wenn er in fotcher $eit 
fo röcfholtloS reben burfte. ■*— 3h« greube an ben £eitpo(ten ber 
40er 3ahre vergehe ich f«h* gut . . . Soch fafi unmöglich wirb es 
mir (unb baran erfenne ich mieber, wie rafenb fchned unfre Jeit ftch 
wanbeit) $u begreifen, wie Sie unb bie SDtetfien meiner dlteren greunbe 
in ber Vewunberung Vörne’S grof geworben finb. 3<h bin fein 
Seutfchthömlcr unb bewunbre Jfcine aus voder Seele, ber boch noch 
fchonungSlofer als Vorne unfer Volf gefcpmdbt hot 3 . Stber eine fo 

1 Vgl. #iflor. u. spolit. äuffitf 4,447 ff. ^olitif 1,6 ff. 3 93gl. noch J« 5£r«tfcbft4 
Urteil 6Jb« fytint batnaU: Jpifiot. u. folit. Vuff&h« 4^74f. 682. 628f. 


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230 


ttugufi 1862. 


teere, fofette unb unharmonifche Watur ift mir fetten oorgefommen; 
ich begreife nicht, wie man ihn alb Sharafter über #eine (fetten mag. 
4?eine mar wab er fein woflte, ber große #umorifl; unb wab er auch 
gefünbigt tyxt burch fein thorichteb ^olitifiren, wer ein ©ebicht fchrieb 
wie jeneb Sonett „an meine SRutter", ber war fein gemeiner SRenfch- 
3tber biefer SSotne, ber (ich mit $oc$trabenbem ^>atf»o6 alb großer 
Wolfbtribun geberbet, unfer Wolf unb atte unfre ©enien, bie er nicht 
oerßanb, unbarmberjig herunterreißt, ber Wichtb fein miß alb ^otitifer: 
er war fein gebtag ju faul unb ju ohnmächtig auch nur über eine 
potitifche grage cm (flieh nachjubenfen. 253ab hat er gefchaffen? ©es 
fchmdht unb wieber gefchmüht, unfeligeb ©ift oerbreitet; er ift mir 
bab Urbitb beb homathlofen Sfuben, bem bie ©eit nichts #eiligeb 
mehr bietet. Sab will ich nicht betonen, baß feine 2Bi§e unb heute 
fchat unb langweilig erfcheinen; fo ift bab gemeine £oob alter Jjumos 
riften, wenn fie nicht ungeheure £raft hefigen, älter lefen Sie bie, 
teiber furjlich heraubgegebenen, SBriefe unb Tagebücher beb 17jd^rigen 
SRenfchen, alb er in Henriette ^>erj oerliebt war. SBenn ein junger 
SRann mit feiner erften giebe eine folche frioote Setbffoerg&tterung 
treibt, fo ift er ber Ulichtigfte unb Sitelfle ber 2Renf<hen. 3<h f«he 
in jenem 93örne=€ultub nur bab gieber einer in ihren ebeiften #off* 
nungen fchünblich getüufchten ^ett. Taufenbe braoer 9Renfchen h<»ben 
bamatb ihre reine Sehnfucht hineingetragen in bie äBerfe eineb flachen 
Äopfeb, ber jeber großen Smpfinbung fern ffanb. — 

Sie ftnb fehr nachfichtig, meine oerehrte greunbin, baß Sie meine 
gichte*9tebe toben . . . Weffer jufrieben bin ich »nit ber ©efchichte 
beb beutfehen Drbenb, bie ich 3hnen nüchflenb fcbitte, gär bie reij* 
ooßfle Aufgabe beb jpifloriferb, bie Sharafterjeichnung, war hier freilich 
wenig ju tgun, benn nur jwei bebeutenbe SOfenfchen heben fich greifbar 
aub bem grauen Webet. Slber ber ßrben felbjt hat Sharafter, unb eb 
wirb Sie oießeicht intereffiren, in biefem SRitterbunbe einige ^üge beb 
beutfehen SBefenb oerförpert ju finben, bie man feiten recht beachtet 
— bie aggreffioe Äraft unb bie berrifche gemüthtofe #ürte... Sie 
moßen etwab oon ben SReinigen büren . . . SReine Verehrung für 
ben Water iß wo müglich noch geftiegen, feit er ben Tob meiner 
üRutter fo ebel trügt. Sr hat fleh ohne aße ©ünnerfeßaft in ber 
Slrmee fo weit heraufgearbeitet, unb ich habe einmat eine Kammer* 
bermfeele gebürt, bie fi<h wunberte, baß er alb Sjrceßenj noch berfelbe 
gefegte fchtichte SRann fei wie atb Leutnant. Sin unfügticheb ©tücf 


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ttuguft 1862. 


231 


t 


für un6, baf er in b. 3. 48/60 nicht — wie ber verßorbne Äönig, 
fein greunb, wußte — Äriegöminißer würbe. Sr bitte rt für ©ol* 
batenpßicht geholten, in aßen SBanblungen unfrer niebertridjttgen 
23euft’fcf>en ^Potitif auf feinem Sofien ju bleiben. Sie« iß unö er* 
fpart geblieben, unb fo fann er jegt rubig auf eine ehrenvoße ©ol* 
batenlaufbahn jurücfblicfen. Siecht fchwer wirb mirö oft, mit meinen 
politißhen SReinungen ihn nicht ju fränfen. Sine Setßänbigung, 
eine Dulbung wenigßen«, iß möglich, fo longe ein ^)unft nicht be* 
rührt wirb — ©achfen. 2Nh liebe meine fthöne Jjeimath unb bie 
unverwüßliche elaßifche ?ebenöfroft ihre* vielverfannten ©olfOßammrt; 
aber für biefen verfaulten ©taat hob’ ich Glicht* ob ehrlichen Jjaf. 
"Darum vermeibe ichO, be$ Sßatert wegen, über biefe Singe öffentlich 
ju reben — wo« obnebieö verlorene 9Rühe wäre bei bem ©tumpfßnn 
ber öffentlichen Meinung in ©achfen. Darum thut e$ mir auch leib 
baß ich <n biefem Frühling, in einem 2lugenblicfe ab ich nicht an ben 
93ater bachte, auf JjapmO 93itte in bie Sohrbücher einen $uffa$ über 
©achfen ßhrieb. 3<h fogte nur web ftdh von felbß verßeht; aber in 
ber SEobtenßiße, bie ber lächelnbe fchleichenbe SefpottemuO unfrer 
{Regierung über bad Sanb verbreitet, erregte baO ehrliche 2Bort ein 
gtofe* 2luffehen ... unb jum erßen ÜRate in meinem Sehen wünfehe 
ich, baf meine Slutorfchoft verborgen bleibt, hoffentlich wirb bie 
©ache halb vergeßen. — 3n meinem #aufe hotte nur bie SRutter ein 
(ebenbigetf ©efüfl für baO kleinliche unb Sngherjige ber fleinßaat* 
liehen ©erbältniffe, bie jeben ßarfen Shorafter empören ober ver* 
tümmem müffen: ich weif nicht, lag e6 ihr im 93lute von ihrem 
©otet h«r, ber unter ßBafhington gefönten, ober beßimmte ße ihre 
natürliche Smpßnbung für aßeO ©rofe unb ©tarfe. 3<h fonn rt 
nicht genug bewunbem, wie biefer ©inn für boO ©rofe ft<h oerbanb 
mit einer fo liebevoßen ©orge für boö kleine unb Äletnße, im 
SRenfchenteben wie in ber ©atur. Son biefem ©aturßnn ber SRutter 
hat ßch leiber nicht viel auf bie Ätnber vererbt; ihre fchönen ©arnm* 
lungen liegen jefct unberührt 1 . — deinetwegen bin ich fehr froh, baf 
mein ©ater fein ©eiehrtet iß. Sinem ©etehrtenfobne ßiegt bie formale 
©ilbung leichter an, aber er wirb fchwerer felbßänbig, er gewöhnt 
ßch früh fertige Urtheile nachjufprechen. Slber meinen ©chweßem 
wünfehte ich, baf ße einen minber einfeitigen Umgang gehabt hätten. 


1 0* o» 23b. 1. ©.6f. 


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232 


Vugufl 1862. 


©ie ofmen foum, tote gut eß Sitten würbe, ba§ «Sie ooit früh auf 
fo oiele f(uge Spinner an 3^re6 Baterß Xifch gefehen. ©enten ©ie 
bagegen bie Monotonie beß ©reßbner gefeUigen Sebenß: £eutnantß, 
SRajore, ©enerale, €abetten mutter, dabettenfchweflern unb too möglich 
€abettentöchter, fämmtlich oerfchwiegert unb oerfchwägert, fämmtlith 
feit unoorbenHichen £«ten j U Ererben in ©amifon. 9Rich tounbert 
oft, ba§ meine ©chweflern ftch bei folgern Umgänge noch fo oiel 
geifligeß Snteteffe bewahrt hoben. SCber ich höbe fte oiel ju lieb, alß 
bojj ich nicht wunfchen follte, fte waren frei oon jener fonberbaren 
©cheu oor allem „gelehrten" 2Befen, bie in militärifchen Greifen 
heimifch ifl. SRein SBruber ij! jejjt (frfler unb SRuflerfnabe beß 
ßabettenhaufeö, guter SRothematifer unb ein prächtiger Srunge. 3hm 
Bann eß nicht fehlen, benn alte feine fünftigen föorgefefjten ftnb meineß 
IBaterß alte Untergebene, unb er war ber beliebtefle ©enetal ber drmee; 
aber leib tbut mirß, bafj mein SBruber fein £ebtag nur bie SBahl 
haben foll jwifchen Seipjig unb ©reßben unb ©reßben unb £eipjig. 
®on anbren SBerwanbten ifl nicht oiel ju fagen; mutterlicherfeitß ftnb 
fte fehr oornehm, hoben aber feinen Stnflufj auf unß — gilt etlicher* 
weife, benn bieß 3unferoolf ifl ein @räuel. SBerfen ©ie mir nicht 
^arteifonatißmuß oor; ich jähte mehrere politifche ©egner )U meinen 
beflen greunben. Slber biefen engen ©inn fann ich nicht ertragen, 
ber in ben gtonbiofeflen Bewegungen ber ©efchichte, in ber englifchen 
unb franjbftfchen Deoolution einen „Srawall" fleht (wörtlich) — 
nicht biefen Üafaiengeifl, ber bie Deformation alß ein Unglücf für 
©achfen beflogt, weil unfer elenbeß Äönigßhauß wieber fatholifch 
würbe. Einige h«rltche Slußnahmen finb barunter, fo eine Xante unb 
mütterliche greunbin meiner SRutter, grau oon Deibolbt. 2ln ihr 
hob’ ich gelernt, waß wahrhaft ariffofratifcheß 2Befen ifl; aber 
ich glaube, bieß ©efchlecht fhrbt auß ... kennten ©ie baß Glenb biefeß 
#ofabelß unfrer fleinen ©taaten, ich glaube, ©ie würben ©ich noch 
erwärmen für bie 3bee beß beutfehen ©taateß. ©afj ©ie biß jefct 
bafür noch nicht begeiffert finb, oerarge ich 3bnen gor nicht. 2Ber 
nicht jum ©octrinär geboren ifl, ber erwärmt fleh für eine politifche 
3bee erfl bann, wenn er fleht, bafj ihr @egenfa| entflttlichenb auf bie 
SRenfchen wirft, ©arum hoben ©ie ein fo feftöneß ©efühl für bie 
perfönliche greiheit, weil ©ie bunbertmat gefehen haben, wie niebrig 
bie SRenfchen werben, benen biefe greiheit oerfümmert wirb. £eben 
©ie eine 3Beile in ber Dähe eineß fleinen #ofeß, unb ©ie werben 


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t 


»ugug 1868. 


233 


biefelben entßttlicbenben SBirfungen be* ^articulari*mu* mit Jjinben 
grafen. Sur beßbalb hoffe ich «uf ben beutfcben ©taat, bamit bie 
^erjen unfrei Solle* freier unb reifer werben, bamit wir nicht mehr 
oerücbtlicb leben, mal bie gtemben un* »erachten. — 

34» habe 3^nen bie*mal für fo Siele* ju banfen, auch noch für ba* 
geißreicbe unb boffnung*ootle 2Bort oon SReabe'. ©ehr ebel iß e*, aber 
fo tonnte hoch nur ßiner fc^reiben, bet fein Äünßler iß. ©aß unfre 
3eit geifüg unb gemütlich reicher ift ol* ba* 2lltertbum, wer barf e* 
leugnen? 2Bo* aber heute ben Zünftler brütft unb noch jeben Zünftler 
unfre* Sahrhunbert* gequdlt b«t, ift biefe*, wie mir fcbdnt: bet 

reichere geißtge 3nhalt unfrer €po<be erfcbeint in ben benfbar uns 

fünften gormtn unb ift beßhalb für ben Zünftler fo fcbwer ju er* 
faffen unb barjuftellen. Sur Snglünber unb Slmerifaner fönnen bie* 
überfeben, fie, bie feit S0?ilton nur ben ©ittenroman fennen unb ihren 
größten neueren Siebter Spron oetleugnen. — 

3<b beneibe ©ie um 3h*< ßopenhagener Steife . . . Sictteicßt 

tomme icb felbft balb in biefe norbifebe Seit . . . 3<b glaube noch 

nicht recht boran; benn bet Sine wäre bo«b ju thöriebt, grabe mich 
ju wühlen. Sa* werben 3bnen bie beiliegenben Saterldnbifcben ©es 
biebte beweifen, bie ich 3hnen boeb febiefen muß, ba ße mir grobe in 
bie #ünbe faßen, ©ie ftnb faß jwei Sabre oor ben „©tubien" ers 
febienen, unb mehrere ftnb mir febon recht fremb unb fegen mich in 
Serwunberung bureb ibten Ueberfluß von ©eßnnung unb ihren Stängel 
an 9>loflif. — ©ie halten e* hoffentlich nicht für jubringlicb, wenn 
ich ein Silb beilege, ba* ber geipjiger ßubirenbe Süngling eifrig fouft. 
6* galt bi* oor Äurjem für febr ähnlich; feitbem ober iß ein Solls 
bart entßanben, unb bie ©ötter febenfen ber jungen 9>ßanjung fo 
fröbli<be* ©ebeihen, baß meine beßen Sefannten mich nicht wiebet 
ertennen. — Sief er ungeheure Srief — ber längße, ben ich je ges 
febrieben — geigt 3bnen hoffentlich, baß nicht Unluß mein ©cbweigen 
oerßbulbet hat. geben ©ie wohl, meine oerehrte greunbin unb fueben 

1 ©er SBerfaffer bei Ofomani The Cloister and the Hearth (1814—74) etfl&rt 
feierlichft, in bem von ©ufiflsa ihrem $rtunbe mitgeteilten jSitat, ben Jpiftorifer, 
ber bie @ef<hi<bte jener Zage in unvergänglicher ©arjleHung frfijuhalten oerm&chte, 
im ooraui für ben geboten afler je bagemefenen ©chriftgeder: such is the force, 
rreight and nnmber of the grand topics that lie this day on the world’s face. 
I say that he who has eyes to see may nov see gxaater and far more poetic 
things tban human eyes have seen since onr Lord and his apostles and his miracles 
left the earth. 


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234 


lugtifl 1868. 


©ie, wenn (6 noch müglich, ben Unwillen }u fünftigen, ben »<h bo<h 
nur halb verbient habe. 

3h* aufrichtig ergebener 

Sreitfchfe 

348] Sn btn SÖatfr. 

Seipjig 15/8 62. 

tOtein lieber ©ater, 

ba< ©emefter iff glücflich ju Snbe, unb ich höbe, bevor ich an 
bie Serienarbeiten gebe, einige Sage jum SBrieffcpreiben unb Slbthun 
von Steffen. Daö Sotteg war bocb mit all feiner Sfoth eine $reube: 
ich lai am le§ten Sage vor ebenfo vollem ©aale wie $u Steujahr. 
Die wahre Prüfung freilich ber ©tubententreue foll er ff im ndchften 
Sinter fommen. Dann lefe ich privatim englifche ©efcfnchte, ob* 
gleich ei hier unerhört iff, ba§ ein hifforifchei (Solleg, baß nicht jum 
Sramen notbwenbig iff, privatim gelefen wirb. 2lber enblich einmal 
mufjte ich bocb bamit anfangen, unb meine Hoffnungen ftnb fühner, 
ali bie trüben (prophejeiungen meiner Sollegen, bie nicht viel mehr 
ali bie gewöhnliche 3«hbrerjahl folcper 93orlefungen (4—6 SJfann) er* 
warten. Dai benF ich bocb nicht. — Um fo wibriger ftnb mir bie 
$(agwi$er Söorlefungen ... Stach f«h* langer Jeit war ich neulich 
auf einem ©tubentencommerfe. So gefiel mir ganj gut, benn um 
verfennbar iff unter ben ©tubenten in ben jüngffen 3ahren ein regerem 
geiftigei Sehen erwacht. Stur wieberholt fich leiber bie alte Srfcheinung, 
bie Seipjig von jeher von anbren Univerfitdten unterfcbieb: bie ©tubenten 
ftnb entweber politifch ganj inbolent, ober, wenn fie politifchei 3n* 
tereffe haben, fo verfallen fie gleich in ejctremen ütabicaliimui. — 
<2i freut mich belieb/ ba§ 3h* ei ln Seplif} fo gut getroffen ... 
3<h felbff will, fobalb ei irgenb angeht, etwa morgen über 8 Sage, 
irgenbwohin ini ©ebtrge wanbern. Sahrfcheinlich geh* Dr. SSufch 
mit mir, von bem 3br einmal bai Such „eine Sanberung nach 
Serufalem" lefen müfjt. Äomrnen wir in fatholifche ©egenben, fo 
fann ei uni gar nicht fehlen: bann verfauft 58uf<h 3orbanwaffer, 
unb wir fchlagen bie Sftetfefoffen wieber beraub. 23ib bahin aber werben 
einige Slublagen unvermeiblich fein, unb befhalb wdr’ ich ®i* fehr banf* 
bar, wenn Du Dein Verbieten auiführen unb mir bai ©eburtitagi* 
gefchenf vorher fehtefen wollteff-Sit beglichen ©rufen an 2llle 

Heinrich 


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&tpttmbtx 1868. 


235 


349] Sin @uftava »on 


Schwarjburg 11/9 62 

Sie werben oermutblicb über ba« 2lu«feben biefe« Stiefel nicht 
rninber Sich entfefcen al« ich felber; aber ich will mir bie greube nicht 
oerfagen 3^nen enblich einmal außer ber Sfteibe ju fchreiben, meine 
»erehrte greunbin, um enblich einen Übeil meiner Untetlaffungöfunben 
gut ju machen. fibrlich gefprochen, tiefer Srief, gefcbrieben mit bem 
unbefchreiblichen SKaterial einer übüringer äBalbberberge, fiebt noch 
um ein gut Übeil reijenber au« al« in biefem SlugenblicEe fein Schreiber. 
9tacb »ierjebntdgiger SEBanberung unterfcbeibet ft cf) ba« gebilbete Äinb 
gehüteter filtern »om j?anbroerf«burfchen nur noch burcb ben rotben 
Saebefer. Üroßbem beftnbe ich mich febr roof)l in biefer beutfcben 
9teich«bauptflabt, welche nach meiner Schwung außer einem Jpof* 
marfcball, ber fein fcbriftfieHerifche« Üalent an jeber SBegecEe brt 
bochfurftlicben ffiilbparf« getummelt bat, noch etwa 100 Seelen um* 
fcbließen mag. £>a« Sdnbcben ifl gar nicht fo Eiein. SDlan bat 
— ohne Uebertreibung, ich bab’ eö beute felbfl erfahren — voll* 
Eommen Jeit, beim ©urebwanbem ganj unb gar burcfmißt ju werben. 
Doch ich habe all biefe politifche Äomif oergefien, »ergeffen, baß hier 
ju ?anbe alle SHeilenjablen unb Sefanntmachungen blau auf weißem 
@runbe gemalt ftnb, bamit ber getreue fntertban bie garben feine« 
©aterlanbe« ftch genögenb einprägt: — wer benft baran, wenn er 
ba« liebliche Sbpll biefe« Schwarjatbal« befchaut, ba« Schloß auf 
hohem ge(«Eegel au« hellem SBuchenroalbe auffieigenb, im J^albEreife 
umfloffen non bem bunElen ®ebirg«fluß unb in noch weiterem Greife 
umfchloffen non gelfen mit fchwarjem Blabelwalbe? fi« ifl ein reijenbe« 
£anb, bie« üh&ringen — nicht grabe bie ffiartburg, bie mir nie 
einen großen fiinbrucE machte: fte bat ihren SJtuhm wohl nur baruin 
weil ber gebilbete Durchfchnitttmenfch an weltbiflorifcher Stätte feine 
gcbilbeten Durchfchnitt«empfinbungen haben muß: — aber bie ent* 
tegenen füllen SBalbtbäler im 3nnem, bie mich f° betmatblitfcerj* 
gebirgtfch anmutben mit ihren heilem unb Gifenbammem, ben ^olj* 
arbeitem unb Jjmufitem, ben einfamen SDlöblen im tiefen Srunbe — 
unb nor 2Klem, mit ihrem heiteren, einfachen, burch unb burch lieben«* 
wütbigen 93olEe. Sor folchen Silbern fchlichter SRenfchenfttte Eommt 
mir immer ber (DebanEe, wie wenig boch ba« SBirEen ber SRenfchen 


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236 


Gcptmbtt 1862. 


itt gefdjichtlicher bebeutet im Setgleich ju bern, ma* fit fchon 
feit einer un»orbenFliehen Vergangenheit beftßen. Die SAuetin im 
felbflgefponnenen bleibe, ba* £inb auf ihrem SRücFen eingebunben, 
ber #irt, ber h«<r im üattbe be* alten Schlenbrianö noch afle* Sieh 
bet ©emeinbe, ütinboieh, ^ferbe, ©Anfe buwheinanber in bie gemeine 
SDtorf treibt — fit Fonnen im äußern unb alfo auch im J^erjen »or 
1000 Safjren nicht gar viel anber* auögefehen haben al* tyutt, unb 
boch fc^einen fie nicht fremb inmitten ber mobemen ©efellfchaft. 
Solche ©ebanFen ftnb boch hetlfam, fie fch&ßen »or Ueberhebung — 
mich menigflen*, ber ich mit Seibenfchaft an ben gortfehritt uttfre* 
©efchlechtö glaube. Unb baß mir mirFtich fortfehreiten/ baß bie Seele 
unfte* Solle* reicher mirb, ba* hab’ ich »or einigen Stagen recht leb* 
baft empfunben, al* ich gwptag auffuchte auf feinem 2anbfi|e ins 
mitten biefe* harmlofen Sillchen* unb mich einen Stag lang an feiner 
ttfUichen getflretchen Siebendmürbigleit erfreute. Sonbetbar freilich, 
neben ihm feine fehr gute aber minbeflen* 10 3ahte Altere grau ober 
gar feinen Stieffohn ... $u fehen. ^Natürlich h«* 8* fetbfl in biefe 
eermicfelten SerhAltniffe fehr glötFltch unb ficher fich gefunben. 9116 
ba* erfie Sefremben (ich gelegt, meinte ich halb, e* Finne gar nicht 
anbet* fein. 5Bie liebenörourbig unb gefcheibt bie Sthüringer ftnb, ba* 
fAUt mir grabe bei meinem je$igen Sefuche recht auf. Senn ich 
Fomme hierher auf ber SRficFreife »on ber 9thin unb bem gulbaer 
2anbe unb habe bort einen ber unerfreulichen Steile unfre* SolF* 
gefehen, ben beutfehen Hatbolici*ntuö in feiner hAßlichflen ©eflalt. 
äße anbre Fatholifchen Deutfche ftnb luftige fmnlichfrohe StAmme, 
benen ber ftnnliche ©laube noch leiblich ju ©eftchte eh** SDurch 
rcelche ftheußliclje SJtittel be* 3efuiti*mu< mag aber biefer »orges 
fchobene Soften ber Fatholifchen Äirche miebergemonnen fein inmitten 
ber Reffen, be* ernflhafteflen unb nachbenFlichften Stamme* »iel* 
leicht, ben mir befi$en? Dorthin mäffen Sie gehen um ju »erflehen, 
baß biefer ©laube für unfer SolF eine Unnatur ift Doch nehmen 
Sie btefen Sftath ja nicht emflhaft: e* mAre mohl nicht 3hre Sache, 
Sich ben 9lnblicF biefe* allerbing* großartigflen ber beutfehen «Kittel* 
gebirge, ber gemaltigen fchmarjen unb meißen Safaltberge unb Seifen* 
meete unb ber Hochmoore fo theuer ju erFaufen. UeberaU ein »er* 
bummte* unb gebricFte* SolF, ba* ben einfachflen gragen nicht Siebe 
flehen Fann, ein unbefchreiblicher Schmu$, leibet nicht golge ber 9lrs 
muth, fonbern ber StrAgheit, unb jurn Schluß bie betrunFenen SlAnche 


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September 1868, 


237 


im jtloftar auf bem Äreujberge 1 — ba« ftnb pitge von biefem Bilbe 
ber neufatbolifchen Seit. ©äre bie Statut bort nicht gar fo fyem 
lieb/ ich Knute btefe ©anberung bereuen, wie mein minber abge* 
härtetet Neifegefäbrte efi wirflicb tbat ... nehmen Sie bie b«fi s 
lieben ©t&fj e 

3bre< aufrichtig ergebenen 

Sreitfdjfe 


860] Än Jranj Ovnbtd. 

Äänigflein 20/9 62 

Sieber §rcunb, 

. . . J^ebbete Nibelungen ftnb ein monumentaler Bewei« für 
bie ©abrbeit, ba§ epifcbe Stoffe in ber bramatifcben Bearbeitung 
einer rationellen Gpoche notbwenbig »erlieren muffen: man trügt 
Nicht« baoon ate einen muffen Scbauber 1 . — Noch trofllofet ift eine 
anbre Sectöre, bie mit Bufcb mit auf ben ©eg gab — Bombagen« 
lebte Bänbe — ein älbgtunb von ©emeinbeit. ©och bat bat wibtige 
Buch fonberbarerweife mein biftatifcbe« Urtbeil etwa« rnilber gefHmmt, 
3cb febe barau«: e« ifl bocb nicht blo« geigbeit, fonbern eine ©abr* 
beit, wenn man fagt, e« gebe -Seiten be« ©abn«, wo Sitnbe unb 
ftborbeit in ber £uft liegt wie fcbteicbenb gieber. — 211« Sohn unb 
Bruber bin ich b»** f«b r jufrt'eben; al« Kolititer febe ich mit Scbauber, 
baf} mein Sacbfenfpiegel feit 8 Sagen ober länger alltäglich oon 
hm ©uflemann 3 tobtgefcblagen wirb, Seltfam, ber Narfer will 
ewig leben! — 3n ©reöben feiert man b«ute burcb Soncert unb Sr* 
leucbtung ber ©erraffe ben 1000jährigen Befianb be« rufjtfcben Neich«, 
woju ein rufftfcb unb beutfcb gefcbriebne« Programm im Bnjeiger 
einlabet! — 3n golge biefer Nachricht werben ©ir wabrfcheinlich auf 
einige ©inuten bie Sinne vergeben, unb ich nehme bie« jum Bor« 
wanb um mit vielem ©anf unb guten ©rufen abjubrechen. 

©ein 

£. 


l „am lebten Zage flAtfte id> meinen fefcetifcben 2ei(f)nam nach ben Strapazen bet 
fRhbnnanbetung am gafMi<f>en Stifcbe btt JtanjiScaner auf bem Äteujberge*, batte 
Xteitf<bfe tag< juuot aut Sonnebeeg an ben Battr gcf<btieben. 3 ©gl. Jpiftot. 
u. folit. »uff&be 1,478 ff. 8 Sbenba 4,106. 


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238 


©eptfmb« 1888 . 


361] «n SBitydm 9»#«. 

Äbnigflein 29/9 62 

Sitber grcunb, 

,.. Sdbrenb Du in ben Sllpen wanbertefl, war ich viele Soeben 
fang recht franf unb bo<b gejwungen bie ©ollegien fortjufübren. €nb* 
(ich im September b«b’ ich müh auf einer gufjreif« erholt. «EBie gern 
wdte ich Jen Norben gejogen um bag Seer unb SHfe^reufjen ju feben 1 ; 
aber ber ©elbbeutet gebot, mich auf Thüringen unb bie Nbün ju be* 
fcfjrdnfen ... Noch einige Xage bleibe tcf> hier mit meinem Süncbener 
greunbc Xefdf>enborff jufammen. (Sr malt meinen SSater für bie 
gefhmgggallerie unb gefüllt aller Seit fo gut wie ibm bie geftung; 
eg ifl ein f>errlxc^er Senfcb, bie dchte Äünfllernatur. — Dabei ift für 
mich freilich wenig Brbeitgjeit geblieben, unb befhalb flüchte ich halb 

wiebet in meine fülle ©laufe-#ier im Jpaufe ifl äugen« 

blicflich bewegtet feben. Seine dltere Schweflet b«t ftch foeben »er« 
tobt mit einem fdchf. Dffijier, ber mir jum Schwager grabe recht 
ifl*. — 3n Dregben fpielt man fegt bdufig ©eibelg SBrunbilb. Doch 
will mir biefer IBerfuch, bag Sptbifcb« $u mobemifiren unb bag 
SRecfenbafte in fentimentale Sleganj ju verflüchtigen, gar nicht ge« 
fallen. Slucb Jpebbelg Nibelungen ftnb mir feine greube gewefen. 6r 
bat ganj recht gefühlt, bafj unfre ©mpftnbungen von ®runb aug 
anbere ftnb alg jene ber alten Neefen, er bot barum nicht einmal 
verfucht, biefe ©bnraftere pfpcbologifch ju motiviren. SÄber wo ich 
nicht lebenbtg mit empfinben fann bürt für mich bag Drama auf. 
Dagegen freue ich ntich auf ben ©elebttenroman, ben greptag unter 
ber gebet bot» wer ihn petfbnlicb fennt, fann gar nicht bejweifeln, 
bafj ber ^umor fein eigenfleg gelb ifl. — Die bürftigen politifchen 
Nachrichten, bie ich b»« nug ben lügenhaften ©rjdbtungen unfrer amt* 
liehen SBldtter mübfarn beraugtefe, reichen grabe bin mich aufg tieffle 
ju verflimmen. Du weift, wie leibenfchaftlich ich $reu£en liebe; büre 
ich nüer einen fo flachen Srunfet, wie biefen 85»gmarf, von bem „@fen 
unb 25lut* prahlen, womit er Deutfcblanb unterjochen will, fo fcheint 
mir bie ©emetnbeit nur noch burch bie SdcherlicpFeit überboten 3 . 

i 9m 27. 9ug. (©rief an Doerbet!) mar ber ©efucfc DanjigS (mof>in er oon 
Stettin in 28 fHmbiger Seefahrt für 8 rl gefangen f&nne) wnb ber (Warienburg für 
(Ereitföfe f<$on fo gut wie beföloffen gewefen: „9lfo laf* i<b alle anbren (Reife: 
pldne fallen unb faf>re, wenn bie ®6ttet gndbig finb, am Sonntag na$ bem 
%>rben.* 2 Oberleutnant ©aron OlBpm. 8 ©gl. ©ebanfen tt. Erinnerungen 
l,283f. Die oielberufenen ©orte ©UmarcfS fielen in ber ©ubgetfommiffion M 


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ßfteber 1863. 


Saß bie erftounlich« Sntfchloffenheit bei preußifchen ©olf« in einigen 
Sauren jum Siege gelangen wirb unb muß, baran ifl mir fein 
gweifel. Soch (eiber, einige 3ahre ©erjögerung fönnen in biefet 
raffen geit bie »erhingnißootlften folgen haben — jurnal ba ber 
gefd^rlic^fie geinb, ben Seutfchlanb jeßt befigt, biefer burchtriebene 
Schmerling, alle ©tinen fpringen (ißt. Sie ganje Unnatur unfrer 
Sage fommt bei folgen geffen, wie ba« granffurter unb ber Suriffen« 
tag, )u Sage 1 . 2Bir follten un« freuen, baß bie Seutfchen im leben» 
bigen perf&nlichen Serfehre ftch ihre* ©olf«thum« bewußt werben; 
unb hoch, folange wir nicht al« ein gefchloffene« Bleich ben ßeffet« 
reichern gegenüberffehen, finb folche ©erbrüberungen mit bem fchlauen 
Stamme hochgefdhtlith* 2>er ^afenbunff, ben bie Oefferreicher fo 
gefchicft aufjuregen wiffen, betäubt ben gemütlichen Seutfchen, unb 
bie ©tenfcgen gewöhnen ftch wieber ju meinen, bie nationale Arbeit 
fei abgethan mit einigen tönenben Sieben ... 


Sein 


JE. 


352] 9fn töubolf Spaym. 

hochgeehrter Jperr, 


Seipjig 19/10 62. 


herjtichen Sanf für 3h*« ©üte 1 . Qi war fein gar große« ©erbienff, 
au« bem fchönen Stoffe etwa« ju machen. ©ießeicht lehrreicher, aber 
ftcherlich rn'el weniger erfreulich wirb ber BBangenheim ... Saß Sie 
bie Hoffnung nicht aufgeben, bie 9>r. 3ahrbb. würben mich felber 
noch nach ©reußen führen, nehme t<h banfbar al« ein geichen Sh*«* 
Shetlnahme für mich auf; aber ich glaube nicht recht baran. — Sagegen 
fann ich Preußen« Sage feine«weg« ganj trofllo« frnben, fo gräßlich 
e« ifl bie ooUenbete grioolität am Bluber §u erblicfen. Ser guftanb 
fann ja gar nicht bauern, unb fchon jegt ifl bie Blachwirfung ber 
legten .Kämpfe auf bie beutfche öffentliche Meinung ungeheuer, ©tan 
beginnt }u fühlen, baß ©reußen nicht blo« burch feine ©lacht, fonbern 
burch fein ©otf ber erffe beutfche Staat iff, unb ich f«h« bie geit 


Äbgectbnettnbaufei am 90. ©ept. Sreitfchfe t)at alfo am 29. ben ©rief ju fchreiben 
nur begonnen. i 3« ffranffutt barte gerabe in jenen Sagen eine £)ufammen: 
fünft gro6beutfd)fr Äbgeorbneten fiattgefunben; in 2Bien war bet beutfche 3uriften= 
tag am 26. Äug. uon bet ©eobiferung fef>r frtunblid) empfangen, von Schmerling 
in feierlicher (Rebe begiAgt worben. 3 ®g(. ©. 229 31.8. 


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240 


Ottober 1802 . 


fommen, wo man in Preußen mit ©tolj auf tiefen jwanjigjdbrigen 
.Kampf jurücfhlicfen wirb, ben f o fein anbrer bcutfcbcr «Stamm bureb* 
gefotzten bat. 2fuc^> ich habe SMitleib für ben Ä6nig, aber wenn ein 
gürfl (ich, wie SDlatbp fagt, nur alß £ücfcnbüßer ber ©crfaffung fühlt, 
fo barf bie 3«* fein SWitleib mit ibm haben. — 

£aß Arrangement, baß ©ie binftentlief) ber 3abrbb. »orbaben, ifl 
mir natürlich hoch erfreulich/ benn ©ie wiffen/ baß ich bie Haltung ber 
Sabrbb. feboti feit langem §u conferoati» ftnbe unb bie enge ©etbinbung 
mit ben anberen liberalen gractionen für baß SBiebtigfle halte *. 85ei 
biefem Anlaß will ich einen 33orfcf>lag außfpreeben, ben i(b febon Idngfl 
auf bem ^erjen habe, unb ich hoffe, ©ie werben feine perfonlicben SRüdf* 
(lebten babinter feben.. 3cb halte eß für einen fehler, baß bie nicht im 
ffrengffen ©inne politifeben Artifel ber 3abröb. anonpm erfebeinen. 
Blicht einmal — bunbertmal hob’ icb fagen büren: bdtt* ich gewußt, 
baß ber Auffag von ©trauß wdre, fo bdtt’ ich ihn gelefen. SBir 
Deutfcben fmb einmal fo, baß baß (Bewirbt eineß guten Blamenß bie 
gute ©a<be fldrft, unb ich glaube, bie 8Birffamfeit ber 3abtbb. würbe 
bureb Nennung ber «Mitarbeiter ftcb bebeutenb heben, ffiir finb feine 
Sngldnber unb follen eß nicht fein, unb im (Btunbe ijl eß boeb nur 
eine giction, wenn man oon ben biflorifcben Auffdfcen behauptet: biet 
fpriebt bie Partei, nicht bet Sinjelne. ÜBenn babureb bie 3abtbb. 
an (Bleicbfürmigfeit etwaß »erliren unb ber SRebacteur (ich manchmal 
(Bemalt antbun müßte, fo würbe baß bureb ben größeren Einfluß 
auf baß publicum reichlich aufgewogen 1 ... Uyfrem btefigen Greife 
(lebt bureb ben Abgang beß anerfannten ©eniorß ber ©erfebroürung 
ein großer ©erlujl betwr; wir müffen eß ertragen, ba «Matbp’ß 93e* 
rufung für bie fübbeutfebe j?anbelßpolitif oon großer unb boüfamer 
SSebeutung ijl. — 3b«« (Belbfenbung ifl bureb «in ®e«f«b«n noch 
nicht in meiner Jjanb ... Mebmen ©ie auch bafür meinen beflen 
£anf unb bie ©erficberung ber aufrichtigen Serebrung 

3b«rö ergebenflen 

Ureitfcbfe 

l 3m Jpinblid auf Zreitfcpfei ju ermartenben SBangenheinvftuffab batte Jpapm jroei 
Sage jusor gefchrieben: „3<b »»ünfcfjte btingenb, noch in biefem 3 a b Te einige* recht 
Anfiänbige tn ben 3ahfbAchern bringen ju finnrn, ba i<b an einem Arrangement 
arbeite, wonach -hAuffer, ©pbe(, Zweiten bie Autorität ihrer «Kamen unb ben «Ka<h= 
baut ihrer etwa! frifcheren polit. £)enfweife ben SaptbAchetn unb bamit ber alten 
tonfütutiontden «Partei leihen wArben." 3 Diefem SBorfchlag Zteitfchfe* folgten 
bie «preuf. 3ab*ba<h** feit 1863 mehr unb mehr. 


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OftebfT 1862. 


241 


868] Kn tat SBflfn. 

Eeipjig, 29. ©et. 62. 

ÜJlein lieber Später, 

... naturlieb wollte ich erfl ben beginn ber Söorlefungen abwarten, 
um Dir Aber bie wichtige grage, ben 2lu«fall meine« Solleg«, SBes 
fcbeib )u fagen 1 . 3eßt fann ieb Dir bie befle Antwort geben: ber 
ganje ©aal ooll, fcbon in ben erfien 2 ©tunben 79 £ub&rer unters 
jeichnet, unb noch ifl bie Eifle nicht in 2111er Jjdnben gewefen. Da« 
ifl ein febr erwünfchte« Srgebniß: eö oerfcbafft mir §u ©(lern eine 
febr anflanbige Sinnahme unb macht mit einem ©chlage bem freunb* 
liehen ©erebe ein Snbe, al« »erbanfte ich meine ^uhorertnenge nur 
bem ©toffe meiner SBorlefungen. Dabei (ann ich« mit großer @e* 
mätb«rube mit anfehen, baß unter ben rechtmäßigen Zuhörern noch 
ein febr flarfer #aufe oon „©chnurrern" fi$t. — SBon Such, 3ht 
Eieben, h«be ich juerfl burch jene« SWeifferwerf Jjeppifchen Jjumor« 
etwa« erfahren, ba« am ©onnabenb anfam, unb wenige ©tunben 
barauf burch Xefchenborff, ber bi« geflern 2lbenb bei mir blieb. Sr 
war noch ganj ooll non ber gejtung, unb jjepp’« SBeforgniffe wegen 
ber Eangeweile ftnb fteherlich unbegrimbet. 2luch ich muß Such noch 
banlen, baß 3h* meinen greunb fo lieben«wörbig behanbelt habt... 
3n biefen äBochen hatte ich alle JJdnbe ooll ju thun um bie wirflich 
unoerfchdmten Jumuthungen abjuweifen, bie ju SBeginn be« Sffiinter« 
oon oortrag«burßigen SWenfchenKnbern erhoben werben. Ueber 2Itle« 
freilich bin ich m<h* hmmeggelommen. ©o fonnte ich bem ©taat«* 
rath SÖlathp, ber ben SBermittler fpielte, feine Sitte unmbglich ab* 
fchlagen unb werbe am 8. San. ben weiblichen @ußat>s2lbolfs58erein 
in ©otfja beglücfen. ©oeben habe ich beßhalb an eine 19 Äinber ge« 
boren habenbe grau t>. J^olßenborff in ©otha gefebrieben. — Dem 
jjepp fage ich noch ganj befonberen Dan! für ihren SBrief; e« ifl 
hoch gar ju gut baß fte behauptet mich i u »ermiffen: ich mar bie«* 

mal wahrlich fehr ungefeltig-SOlit meiner 3«it bin ich gar fehr 

im ©ebrdnge; außer an jwei SBerfchwörung«abenben bleibe ich immer 
}u Jpau«. Diefer SBerein hat bereit« Aber bie große ©chlachtfeier im 
ndchßen Sahre berathen, woju man oiele Xaufenbe au« ganj Deutfeh* 
lanb erwartet; oon allen ©eiten wirb fchon bafür gearbeitet ... 
3um ©chluß ban!’ ich Dir, lieber SBater, unb ben ©chweflem h*fjli<h 

* ©ff<$i<$te von Snglonb, breifHümbig« ®o$ erfte ^nvatfoöeg. 
n. 16 


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242 


9tooember 1868. 


für Sure Aufnahme; Sohanna wünfch’ ich aüet ©lücf im ©raut: 
fianbt unb bem Jpepp bie SRube beö SEBeifcn in ben jahlreichcn ©tunbm, 
bie Sohanna mir Äofen verbringt. 

Dein treuer ©oßn 


364] %ti ölubolf ^apttu 

Seipjig, 5. 9too. 62. 

#och8«ehrter $err, 

ich eile ©ie wegen brt ©angenheim ju beruhigen. 3hr Dermin ift 
freilich früher angefegt aU ich bachte, aber ich werbe ihn einbatten, 
unb im ©runbe ift eö auch gefcheibter, ben b&<bff unerquicflichen 
Stoff wie eine bittre Slrjenei auf einmal brrunterjufchlingen. 3cf) 
werbe alfo alle SRußefhmben ber nächffen Soeben baran wenben unb 
hoffe noch vor bem 1. fertig )u fein. Der SB. iff nicht bloO ein 
ähnlicher confufer Schwäger wie ©agem, fonbern eO flecft in ihm 
auch «in boshafter SRänfefcbmieb; unb wenn ich benfe: biefer SRenfch 
war ba« #aupt ber beutfehen Dppofition, er war ber Älugffe von 
Sillen, bie je in granffurt große 9>olitif getrieben! — bann mdchte 
ich bie geber im Stet wegwerfen . . . Sntfinnen ©ie ©ich noch 
unfrrt ©efpräcb*, wie ich ber vernünftigen Gattung beö #rn v35euff 
in ber Jjmnbelöfache nicht trauen wollte? 3ch höbe leiber Stecht ge* 
habt. Der ... *J5oppe, ber in SRünchen „im Stamen beö fdchfifchen 
JjianbetOffanbeö" gegen ben #anbel6vertrag fh'mmte, batte einen ©rief 
von 33euff in ber Dafche, beruft fich jegt barauf, wagt aber nicht 
ihn herauO}uholen. Sollte er eö thun, fo würbe natürlich ber SRinifler 
ihn lächelnb beöavouiren *. 3<h fürchte, wir werben in biefer Sache 
noch anbre groben ber Puncia fides beO Jjaufe* SBettin erleben. — 
3Rit ber „ju confervativen Haltung" ber 3ahrbb. meinte ich natür* 
lieh nur bie Dage beO SRinifleriumO Sluerbwalb. Seitbem habe ich 
}war noch einige Sinwenbungen ju machen; ich finbe §. 35. baß 3h?e 

l Ab« bie ©eufl’fcbe ipolitif gelegentlich ber preufifchen ©erhanbiungen feit 1860 
wegen Slbfcfjluffei einrt JhanbeWoertrag« be« gcttseteinJ mit ffrantreich (»gl. Spbel 
2,422 ff. u. epteufc. 3af)tbb. 10,886 ff. 487 ff.) fchreibt Xreitfchfe am 17.9to». noch an 
.ßapm:,, Die ncuefie üBürjburgmi werben Sie bo<b hoffentlich geböheenb jü<htigen? 
Der ©rief »on ©euft wirft auf mich — ich finbe fein anbre« SBort — wie ein ©reth= 
mittel. Unb fo(<he ... regieren un«, unb wir wiffen, bafs Jpr. ipoppe bereit« in 
AR&nchen einen anberrn, noch niel naiveren ©rief unfre« Staatsmann« in ber Xafcge 
hatte!* 


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9fo»tm6«T 1862. 


243 


(Sorrefponbengen bie Schutt in bet SWilitdrfache gu gleichmdftg heiben 
5£h«tf«n gufchreiben, mdhrtnb nach meinem ©efühle bie gortfchrittts 
partei erfl burch bie Starrheit ber ^Regierung in bie reine Negation 
hineingetrieben mürbe 1 . SHber mit adern ffiefentltchen, namentlich mit 
3h*«« 1 Urtheüe über bie SReorganifation felbft, bin ich einnerflanben. 
Dennoch freue ich «M<h b « r beabftchtigten Verfldrfung ber SRebaction, 
mei( baburch bat Statt größere Verbreitung unb mehr Sinftufj auf bie 
liberalen geminnen mirb. Mur hoff« ich/ baf Sie, geehrter #err, bie 
leitenbe Stellung nicht aufgeben, ber bie 3ahrbb. bi$h<t »h« ®effrt 
verbauten ... 3m grühjahr fomme tch 3h* 1 «* 1 viedeicht mit einem 
dffh«tif<h s potitifchen Sffap über #eine & S36rne unb bie offentl. «Weis 
nung . . . 

«Wit ben beffen ©rufen 

3h» aufrichtig ergebener 

£teitf<h?e 

9tn ber heutig«» 1 Semegung in $reu£en, fo ehrenmerth fte iff> 
miffaden mir oiete franfhafte 3«i«h«u btinber Verbitterung — fo bie 
fchmdblüb« Sammlung für bie ©raubenger «Meuterer (ich fp*«<h« h 1 «* 
mahrtich nicht atö Sotbatenfohn) 1 , fo bie Idppifche unb wirtlich idopale 
Demonffration mit ben dlrdnungothalem unb anbere Heine Jüge, bie 
gu unvernünftig flnb afc baf nicht ein SRücffchlag folgen müfte. 


866] ttn bm ©ater. 


SWcttt UeBer ©ater, 


itty jig, 12/11 62. 


wenn ©u meine augenblicfKcbe Sage fennteft, fo würbcfl ©u mir« 
boeb anreebnen, baß icb jegt $tit finbe Such ju febreiben. 3cb habe 
eine ©tograpbi* wn SBangenbeim für bie $r. 3abrbb. übernommen, 
bie bi* jum 1, ©ec. fertig fein muß, unb febe ju fpdt, wie fetywer 
bie Aufgabe ifl. £ro$ enblofen Sueben* in Suchern unb Sunbe** 

1 Salb barauf, am 17. 9tov. in bem eben f<bon zitierten ©riefe, beifjt el: 
fann bie JJeit nicht etfebnen, mo mir uni toieber mit ber ©emofratie meffen müßten; 
fie wirb noch lange unfer befter ©unbelgenoffe bleiben." 3 20. ®ept. mären 

in ©rauben) 6 Unteroffiziere, 6 ©efreite u. 68 ©emeine ber 12. Äomp. bei 8. ofb 
preuf?« 3nfanterieregimentl megen tfufmiegelung, Meuterei unb ©ermeigerung bei 
©eborfaml gegen ihren #auptmann vom .Kriegsgericht verurteilt morben. €nbe 
Oft. mürben bie Sammlungen für beren ttngebbrige in verriebenen preujj. St&bten 
von ber Polizei verboten. 

16* 


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244 


(Wowmbtt 1868. 


tag«protofoden, trog brieflicher SWittbeilungen au« Württemberg/ 
bleibt noch fehr Stiele« unb Wichtige« au« W’« Sehen bunfel, unb 
meine burch bie (Sollegien fehr befchrdnfte »»d fchlechterbing« 
nicht au«reichen. Doch natürlich/ trog adebem muß bie Arbeit fertig 
werben. Snjtoifchen hol*’ ich »»el öu thun, um mir ade bie SJereine, 
getaufte unb ungetaufte/ »om Seihe ju holten/ bie mir )umutben/ 
SBortröge ju ihrem SSejlen ju holten ... S« ifl ftarf, oon mir ju 
verlangen/ baß ich meine $eit für eine naturwiffenfchaftliche @efed* 
fchaft unb jum j?eile ehelicher Wöchnerinnen begehen fod; bie un* 
ehelichen brauchen e« wirflich nötiger ... 

Wenn 3br Such nicht »or bem, fehr leichten, ^lattbeutfch fürchtet, 
fo müßt Sh* ben 2. 93anb oon Öde Äameden oon §ri§ SReuter lefen. 
gretjtag fagte mir geflem, ba« fei ba« ©chönfte unb Suftigfte, wa« 
in ben jüngjlen fahren gefchrieben worben. Sfteuter erjdhlt barin 
fein Sehen: wie er wegen be« fcgwarjrotbgolbnen SJanbe« jum «lobe 
oerurtheilt würbe unb bann 7 Sabre auf oerfchiebenen gelungen faß. 
Unb biefe unfelige £eit weiß ber (ieben«würbige Wenfcß mit einem 
folchen Räuber unoerwüjtlichen ©cherje« ju oerfldren, baß man be« 
Sachen« fein Snbe ßnbet 1 . — Jjier ift fegt eine fehr lebhafte unb 
fehr erafte Bewegung für ben ^odoerein unb ben preußifchen J^anbel«* 
oertrag im ©ange. Der #anbel«fianb hot in ben legten 30 Sohren 
feine Sntereffen ju würbigen gelernt, unb fehr jur rechten 3«t er* 
innert man fich, baß berfelbe Jj>r. spoppe, ber fleh in Wüncgen fo 
unverantwortlich benommen, fchon vor 30 Sahren ein Jjauptgegner 
be« ^odoerein« war. — Neulich hob’ ich bei ?)rof. SSroefbou« an 
einem jufunftömufifalifchen Diner ju ©h*en Sticgarb Wagner« theil* 
genommen. Sch n>ar nebft ber Keinen Dori« bie einige Saroe unter 
lauter füglenben 85rüften. Wagner felbfl war ganj menfehlich unb 
einfach, ba feine Sterwanbten fleh f° freunblich gegen ihn geigten; 
aber bie anbren Jufunftömufifer flnb grdßlicge« Stolf, namentlich 
muß ich Stau o. 25*** ... entfehieben alö eine verfehlte ©peculation 
ihre« Stater« bejeiegnen. — Doch mein Wangenheim forbert gebieterifch 
fein Stecht . . . 

Heinrich 


1 4,612, 


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©ejember 1862* 


246 


868] 2U> öiubolf Sfrayuu 

^oc^geefirter Jgferr, 


Seipjig 9/12 62, 


einen S£ag fpdter ofe ich Raffte, ober hoffentlich nicht ju fpdt für ba* 
©ecbrsJpeft bin ich entließ fertig unb banfe ben ©ottern 1 * ©iefe* 
©unbe*tag*eleitb ift hoch ju jommeroolL fiinen 9Biberfpruch 3h*e*f*to 
fürchte ich hHffen* gegen bie SBemerfungen über ba* ^weifammer* 
fpfiemC*) ©. 26. ©och bitte ich Sie fehr um ©chonung; mir fcheint 
ber tolle Slbergloube an bie Olothwenbigfeit einer 2lbel*fammer eine* 
ber traurigflen ^ennjeichen unfrer potitifehen Unfdhigfeit. — ©ehr 
um Sntfchulbigung bitten muf* ich wegen ber Singe ber Slrbeit. Sefen 
©ie felbfl unb ermeffen ©ie, ob ich weht gelungen war, ba* Schema 
ju ©em ju erweitern wa* bie Ueberfchrift fogt ©er SWann at* 
Solcher bot wahrlich leinen SReij. ©em tyiV *4 wich ftcherltch nicht 
fo lange bei bem Stoffe aufgeholten. — ©ie SWittheilungen au* 
Slctenffücfen finb jumetff au* Öueden entnommen, bie im publicum 
Otiemanb tennt, j*©. au* ben inbi*creten Schriften oon 3lfe*. ©a* 
her lohnt fich wohl ber SBieberabbrucf .., 

1 j}ur ftberfenbung be* SWanuffript* o. dBangenhetm. Sin Sapitel au* 

ber ©ef<hichte be* beutfehen ©unbe*." 2lm 25. 9too. hatte Hreitfehfe an $apm ge? 
febrieben: *3hr SBangenheim fängt an, mir fürchterlich ju »erben. 3$ b ö &e fo 
©iele* 6ber ©inge, bie ich nicht mit Sicherheit beurtheUen fonnte, (efen müffen 
(Ober bie Soncorbate, bie Srünbung be* godoerein* u. f. f.), bafj ich erft morgen 
an ba* Schreiben gehen famu Unb ba ich an vier Hagen in ber SBoche gar nicht 
ju ber Arbeit fomme, fo (lehn bie ©inge recht fcblimm. Hro* adebem »id ich 
Sie nicht oerlaffen" ... ®a J^apm bann ben Suffa* erft in ba* 3anuarheft aufs 
nehmen fann, bittet Hr. am 18. ©ej. fein fo febned niebergefchriebene* ©tanuftript 
ju nochmaliger ©urchficht unb fHIifHfcher Teilung jurücf. dHit einer nicht nähet bes 
jeichneten inhaltlichen Anberung, bie #., in einem nicht erhaltenen ©riefe, injmifchen 
oorgefcblagen hat — fie betrifft jebenfall* „bie ©emerfungen über ba* g»eifamtners 
fpftem" tyreufi. 3ahrbb» 11,26. Jpifior. u. tyolit. tfoff. 1/211 f. — erflätt fich Hr. 
am 12. 3an. einoerftanben: *nur ba* ,fafP, »eiche* Sie einfachen »öden, »id mir 
fchlechterbing* nicht gefaden. 34 weif* feinen beutfehen Staat, ber oon biefer 
Oiegei eine $u*nahme machte." ©a* bezieht fich auf Hreitfchfe* ©ehauptung, e* 
fei „ein Srunbirrtum ber beutfehen Sonffitutioneden", an bem fie feit SBangenheim 
auf ba* gähefie ffftyielten, # obgleich bie Erfahrung in aden beutfehen 2änbern ihn 
adt&glich unbarmherjig »iberlegt", bem unpolitifchen beutfehen 2lbel eine politifche 
Aufgabe übertragen ju »öden. So fagt noch bie 3. HCufL ber Jpifior. u. tyolit. ftuffäge 
1867. 3n ben fpäteren aber nennt ber ©erfaffer ber Hbhanblung „®a* fonfHtutios 
nede JUnigtum in ©eutfchlanb" unfern 2lbel nicht mehr fchlechthin unpolitifch im 
Segenfa* jum englifchen, »ohl aber monarchifch nach faner gefchichtlichen €nfc 
»idlung, nicht parlamentarifch» Unb #apm alfo recht gebenb fe*t er flatt „2äns 
bem" jefct „Äleinfiaaten". 2 23gl. Jpiftor. u. ^olit. 2Cuffü*e 4,588 f. 


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246 


3<muar 1863. 


3u meiner großen greube befugte mt<h neulich 3ßr greunb ©uncfer. 
©och leibet war ich unwohl unb noch weht taub al$ gewöhnlich/ 
unb er fproch feßr leife. ©aß er mir troßbem in ber furjen Viertel* 
fhmbe fo gut gefallen ßöt wie feiten ein Vtann, brauche ich wohl 
nicht ju »erftchetn . . . 

Nehmen Sie meine beßen üBunfcße }u ben geßtagen. 

3ht treu ergebner 

Hreitfcßfe 

367] 9(n ben ©ater. 

2eipjig 10/1 63. 

SDlettt lieber SBater, 

baß ich »or acht Hagen „mit einer rei)enben Jungen ©ame", wie ber 
alte Sonful J^irjel 1 fagte, glucflich hier angefommen, ba$ wirb Such 
#epp wohl fchon gefchrieben höben . . . SKit bem $epp faß ich 
natürlich ba6 ffierf beö guten #m Hefcßenborff, unb beim jweiten 
Sehen hot ba$ Vilb einen noch ßirferen Sinbrucf auf mich d es 

macht-Seit geßern höben meine Vorlefungen wieber be» 

gönnen/ nacßbem ich bie ©otßaer Strapaje überßanben. ©enn eine 
Strapaje mehr alö ein Vergnügen war biefe Steife ... ©er jjerjog 
war feßr artig/ erfunbigte ßcß angelegentlich nach ®it unb Idßt ©ich 
grüßen*, ©och ßöt er mir nicht fonberlicß gefallen*; um fo mehr 
bie JJerjogin, bie auf ben erßen 23licf für fich einnimmt Slucß einige 
intereffante SDWnner lernte ich fennen, ben Sonßßorialratß Scßwarj 4 
unb ben SRegierungöratß Samwer; aber an ein vernünftige* ©efpricß 
war natürlich nicht )u benfen. 3m ©anjen langweilte ich wich ßerj* 
ließ/ boeß intereffirte e* mich einmal in biefe Greife ju fommen... 

SnbHcß muß ich ®ir noch/ lieber Vater, von einer ©efcßüftdfacße 
fpreeßen. SJleine Sinnahmen in biefem Vierteljahre ßellen ßcß, wie 
icß ©it fagte, feßr gunßig; ße werben fteß höher belaufen al* mein 
Vebarf. Unb, wenn nießt Sllleö tüufcßt, fo wirb ßcß auch in ben 
folgenben Vierteljahren ähnliche* wieberholen, unb icß werbe vom 
4?aufe nießt meßr bebürfen al* 45 rl vierteljößrlicß. Slber wenn ba* 
Sinfommen eine* Scßriftßeller* unb ©ocenten jefct einen reicßlicßen 

r ©ruber ©ftlomon*. 3 ©gl. 93b. 1, ©. 3. 8 „ber reine ©cbaufpitler*, ßeigt 
ti an 9loW, 16. gebt. 4 Aart ®<hroarj (1812—1886), ber ©erfahrt M ©ueße« 
„$ut ©reichte bet neueftrn SCßeotogU" (1866), bat .ßetj 09 Smfi von Sobnrg bt-- 
ftimnue, ben bamaligen ao. 9 >rofeffor in 3 «na aI4 feinen Jßofprebiger nach ©otßa 
ju berufen. 


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3«nuat 1868. 


247 


betrog au«macht, fo hot (6 bo<h bie ©chattenfeite, baf <6 mit einer 

unberechenbaren Unregelmdgigfeit eingeht 1 -Du hofl immer 

non einem regelmdfig eingehenben ©«halte gelebt unb wirft ©ich 
fcf)wer in meine Sage »erfegen fbnnen. 216er ich benle, ©u wirft 
meinen SBunfch, enblich eine georbnete ®irthf«hoft ju beginnen, ge* 
rechtfertigt ftnben unb barauf eingehen. ©ei im »orau« meine« berj* 
liehen ©anle« oerfichert . . . 9Rit ben beften ©rügen 

©ein treuer ©ofm 

. . . Heinrich 


368] 9n ben ©ater. 

Seipjig 24/1 63. 

©u weift vom jjepp, warum ich ©einen Sörief noch nicht beant* 
wortet, mein lieber 93ater . . . ©ehr gut fiel bie Sefftngrebe au«, 
eigentlich beffer al« bie gichtereb«, nur baf ber ©toff »or einem ge* 
mifchten publicum weniger banlbar ifl. ©en ©eifall ber ©tubenten 
fann ich mir erlldren, fee finb nicht burch elegante Slebner oerw&hnt 
unb holten fich »orwiegenb an ben Inhalt. ®ie ich aber fchon jwei* 
mal »on einem gemachten, bie«mal fogar »on einem befonber« au« 
©amen beftehenben, publicum einen folchen Beifall habe ernten tünnen, 
ba« »erflehe ich nicht recht. 3ch rebe feine«weg« fehr fliefenb unb 
mache e« meinen Jjorem nicht leicht. 216er minbeflen« »or £ri»ialitdt 
finb fie bei mir ficher, unb fie fühlen wohl, baf mein ®ort au« bem 
jjerjen fommt. ©arauf muf ich ouch lünftig meine Hoffnung fegen. 
Sin eleganter Slebner werbe ich nicht, unb ber alberne Sobhubel ber 
hiefigen ©Idtter beirrt mich nicht. Slach ber Siebe faf ich neben bem 
Äreiöbirector J . Sr war fehr artig unb offenbar angenehm überrafcht, 
benn er hotte fich überjeugen linnen, baf ich »on ^olitif nur ba 
rebe, wo ber ©egenftanb baju aufforbert. Uebrigen« fafte ich on 
jenem SHbenbe ben Sntfchluf, nie wieber im ©chillemreine aufjutreten. 
Jjdtten meine greunbe unb ich biefe ©efellfchaft ndher gefannt, nimmer* 
mehr wir’ ich ouf ben ©orfdjtag eingegangen. ®dbrenb be« ©ortrag« 
war bie gute ©efellfchaft fehr ftarl »ertreten; nachher jum ©ouper 
blieben, aufer einem fteinen Greife meiner 93e!annten, nur bie fchlechten 

1 Sieh n b<n Sreitfcbfe «en ben im erften ©iertetjabr für ibn füfligen Honoraren nur 
7 r( een ben ©cenjbotrn erbalten. Daher in ©erlegenbeit, befonber* weil in biefen 
erften 3anuartagen bie üblichen ©eujabrfrecbnungen einlaufen, bittet er, ihm ben 
feinem ©ermbgen 100 r( |u übertaffen. Der ©ater »idigt ein. 3 «en ©urgSbetf. 


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3«nuot 1863. 


Siteraten ©enebijr, StpeC unb ßonforten, einige @cb weißer von (Bewerbe, 
wie Jjepner, unb — ber ©amen Slbrabam#... 9tun begann ein ©cbwafl 
Idc^ertic^er Xoaße, eine fo coloffale Srivialität, baß icb mich nicht 
entließen tonnte ben auf mich au#gebra<bten Soaß ju beantworten; 
unb greptag gab mir burebau# Stecht. 3cb bube an biefer Erfahrung 
genug, unb fdjon um meine 3«* ju SRatbe ju batten, werbe icb fo 
ba(b nicht wieber eine folcbe Sjrtra*©orlefung butten. 2lucb bie wenigen 
©efeßßbaften, bie icb biefen SBinter befuebt, werben mir febon jur 
Saß . . . SJtein beßer Umgang bleibt bie „©erfebwütung"; fie hält 
auch nach SRatbp’# Abgang treu jufammen unter greptag’# Seitung, 
unb eö iß mir immer eine greube, unter biefe ÜRänner ju tommen. — 
Sie beiben Sortrdge über Sefjtng unb Ublanb werbe icb ®ir balb gebruett 
jufebirfen. Sen ©angenbeim aber, ben icb täglich erwarte, werbe ich 
Sir nicht fcbicten, wenn Su eö nicht auöbrücfltcb »erlangß; fo glaube 
ich am ©icberßen al# guter ©obn ju bunbeln. (Jö iß eine rein polt 
tifebe älbbanblung unb würbe faß auf jebet ©eite Seinen ©iberfprueb 
berau#forbem. Su büß mir, waö ich Sir nicht oft unb berjlicb genug 
banten tann, »oßfommene greibeit gelaffen, mir meine politifeben 
Slnficbten felbfi )u bitten. 9lun finb fie groß geworben, unb leiber, 
anbet# al# Su roünßbteß. Sa bonble ich wohl rüctßcbt#ooß unb 
ehrlich jugteicb, wenn ich oon folcben Singen vor Sir febweige, wo* 
rüber wir un# boeb nicht einigen t&nnen. Saß meine Santbarteit 
gegen Sich bureb biefen politifeben ©egenfaß nicht gefcbmdlert wirb, 
baoon biß Su ja uberjeugt. Seiber tann ich auch, lieber ©ater, bettt 
Sftatbe nicht folgen, ben mir Sein leßter ©rief giebt 1 . 3<b bube ihn 
emßlicb erwogen, aber mir bleibt feine ©abl: wiß ich jene# ©ueb 
ßbreiben, wa# Su ju felbß wünfebeß, fo muß ich im näcbßen ©ommer, 
wie im vergangenen, über einen batnit jufammenbängenben ©toff 
lefen. Sinen entlegenen bißorißben ©toff für ba# CEoßeg unb einen 
ganj mobernen für ben Srudf jugteicb bearbeiten, ba# iß eine pbpfißbe 
Unmöglich feit. 3cb bube alfo ©efebiebte Europa# in b. 3* 1848/50 
angetünbigt, unb ich foßte meinen, ber SRinißer tann bamit nur }u* 
frieben fein, täglich lefen unb büren bie ©tubenten von aßerbunb 


1 33cm 12. 3an. „2Bdf>U feinen ©toff, bet Sieb unmiflfätlicb jut Offenbotnng 
Seiner politifeben beutf<ben Snficbten fübtt ... bie man nun einmal oben nicht 
billigen tann unb bie icb fdbff auch aut innetffet ilberjeugung für ju »eit gepenb 
halte ... St »erlangt niemanb »on Sir, baff Su übertreten ober onbert fpreeffen 
foOff, al# Su bentfi; nur Klugheit foflff Su »alten (offen.“ 


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ftferuar 1868. 


249 


unoerßanbenen Sreigniffen unb ©tichwortern au6 jener 3eit; eine jus 
fammenhdngenbe ©Witterung bet Spotte fann alfo nur »ortheilhaft, 
auffldrenb wirten. Ueberbirt bin ich non einer 93ettbeibigung be6 rohen 
Demagogenthum6 jener 3ahte, tote Du weift/ himmelweit entfernt. 
2(uth weif ich wohrlicf (einen Dheil ber ©efchichte, ber nicht }unt 
Üu8fpre<hen politifcher Meinungen jwdnge. 3a, ich glaube, bie Dar* 
fteßung entlegener ©efchichtVepochen führt viel leichter ju SDtifver* 
ßdnbniffen. ©o behanble ich bie engltfche Stepublif unb muf 
natürlich Sromwell al6 ben grof en SJtann fchilbern, ber er war. Da6 
(ann, foffte ich benfen, einen urtbetlölofen -Juhbrer weit leichter )u 
repubtifanifchen ©rillen verführen, al6 wenn ich bie republifanifchen 
Denbenjen be6 3ahre4 1848 in ihrer ganzen boctrindren Hohlheit bar» 
fleUe ... 66 thut mir wahrlich leib Deinem SRathe bie6mat nicht 
folgen )u (innen. Doch ich glaube, Deine vdterliche ©orge um mich 
Idft Dich 2Ranche4 ju fchwarj fehen. SJlan hat fich, wie ich beßimmt 
glaube, in ben 8tegierung6(retfen überjeugt, baf ich (*in ba6 Äatheber 
mifbrauchenber ©chreier bin, unb bie Dheilnahme ber ©tubenten für 
mich (ein »erfliegenber Staufch war. ©o, ben(e ich, wirb man mich 
auch bie6mal gewdhren (affen, unb ich wdre (ein 2)tann, wenn ich 
bei bem fchweren Crnße ber ©egenwart bie jungen £eute burch un* 
befonnene ©orte aufregen wollte... Daufenb ©rüf e an bie ©chweßem. 

Dein treuer ©ohn 

Heinrich 


869] $n ffiubolf 

2eipjig, 11. gebr. 63. 

J^o4>g«ehf«f -Otrr, 

... Der ©ghm iß, wie ich »h« jeft wieber lefe, beffer aber auch 
fchdrfet gerathen a(6 ich buchte — fo fcharf, baf dngßliche ©emüther 
mir hier b«6 ©chrecflichße prophejeien. Die Starren! — 3ht 2ob iß 
mir eine greube, weil 3ht Dabei fo gerecht iß. Da6 Dociren über 
hißorifche Dinge iß boch recht gefunb: man lernt babei erjdhlen unb 
bie ^Betrachtung befcheibener in ben Jjintergrunb brdngen. Sinen Stach* 
theil biefer Sterbeßerung rnüffen ©ie freilich ertragen: bie Sluffdge 
werben (dnger. 

Die beiben geiem ßnb vorbei, ©ottlob, unb ich banle für bie 
©Überholung. Der ©othaer ©orlefung folgte ein Jjof*6oncert — wie 


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250 


gttaiar 1868. 


fle eben finb —> ber ^iefigen ein Souper, wobei bie Hefe ber Seipjiger 
Siteraten fid> in ©rivialitäten fiberbot unb Sefffng ftch viermal im 
Srabe umfehrte 1 . ©en Seffing hob’ ich bereit« an IBuffh gegeben, 
ber ein fchrecflich unbequemer SRahner iff 1 . ©ie Arbeit gefällt mir 
nic^t, fte iff nicht gifch nicht gleifch, weber SSortrag noch Abhanblung, 
unb wa« läßt ffch über 2. im Allgemeinen in fo furjer Jeit Sute« 
fagen? — ©er Uhlanb aber fod beffer werben; ich will ben Sborafter 
eine« Sortrag«, ben man hoch nur währenb be« Sieben« trifft, beim 
Schreiben ganj oerwifchen ... (Bebe ber Himmel, baß Sie ju trübe 
benfen von ber Auöbauet 3hre« SJolf«. Stach Adern wa« ich hfite 
hoffe ich Seffere«. ©ie Abreffe 3 hotte ich natürlich auch nicht für ein 
SReifferwerf, aber ein ehrliche« 2Bort war nothwenbig, unb ber Sin« 
brucf war hier wenigffen« in allen Äreifen vortrefflich. 83i«her hat 
Preußen burch feine gegenwärtigen Abgeorbneten in ©eutfchlanb mehr 
Stoben erobert al« burch hie neue Ara. SReine Hoffnung fffigt fleh 
auf 2 ©rfinbe: ber H«nbel betrifft ba« Siecht, unb barin iff auch 
ber 9>h»Kfftt jäh«/ unb er betrifft einen tiefgehenben focialen Segen« 
fa$, ber ftch adtäglich fühlbar macht unb gewiß nicht von felbcr ein« 
fchlafcn wirb, ©aß Sh«« 1 ** unglücf liehen 2anbe bie Slettung fommt, 
iff mir unjweifelhaft; mbglich baß e« noch Sabre währt, aber viel« 
leicht wirb auch hie 3ntervention in *Polen, bie ber SRiniffer ju woden 
ffheint, ein Slagel ju feinem Sarge. — 

3Rit vielem ©an! unb ber ©erffeberung aufrichtiger Hochachtung 
3h« ergebener 

©reitfehfe 


360] SH oben von SHobl* 


Seipjig 11 gehr 63. 


Hochfiwhrter Herr ©ehetmer 0tath, 

heute enblich erhalte ich bie Exemplare be« Auffafje« Aber Sangen* 
heim, von bem ich 6»* Srcedenj früher gefproeben, unb ich beeile 
mich Shnen bie Arbeit ju fiberfenben; fte fann feinen eompetenteren 

1 $n £lee, in einem ben SBangenhemt begleitenben ©riefe vom 28. Jebr., fügt 
$reitf<bfe noch: „Die 2eute befrachten ben Sefftng all Sinen ihresgleichen.* 2 ®as 
mall SHebafteur ber ©renjboten, n>o ber 2efttng:&ortrag in 9fr. 8 junächfl tat 
Drud crfchien« Seit 1870 in ben £ifhr. u. $olit. ftuff&feen. & bei preuf. %b: 
georbnetenhaufel, nach breitägiger Debatte am 29. 3an. angenommen; fte befebufc 
bigte bie 9Htntffrr ber Söerfaffungloerlebung. 


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februar 1863. 


251 


Sticktet ftnben *. SJlancge 2&cfen meinem üBtffenb, bie ich fetber fcgmerj: 
lieg empfinbe, werben Qm. Srcellenj fcgneß entbedfen. ÜBenn mir nur 
gelungen ijl, bem SWanne gerecht ju werben! Die Späten feiner Blae#* 
folget forbern ©pott unb Unwillen fo gebieterifcg gerauö, baft ed fegr 
ferner ifl oon biefem SBeften unb ©efcgeibteften aller Slngdnger bri 
itriads©ebanfen6 unbefangen ju reben. 3Rein Urteil über Äbntg 
griebricg oon 2Börttemberg finben Qm. Sjrcellenj oielleicgt )u gart. 
Unb wirtln#, in biefem bebeutenben SRenfcgen mufj eine bdmonifcge, 
ben Blacglebenben faurn ertldrlicge, 2lnjiegung6traft gewohnt haben, 
unb wir t&nnen und nur fcgwer in jene Blapoleonifcgen »tage oer* 
fegen, wo bie jDtijjacgtung brt beflegenben IRecgtb in ber 2uft lag. 
3c# bin nic#t im ©tanbe gewefen ben 2Biberwißen ju unterbrucfen, 
ben mir folcge be6potifc#e Blaturen erregen*. 

3Benn ich bente, in welcher ©timmung icg biefen äluffag ge: 
fcgrteben, bann tann ic# baö ©rauen nic#t bemeiflern oor ben jwei 
3agren, bie ic# not# über bem ©tubium biefer traurigen SJunbeö* 
gdnbel werbe jubringen m&ffen. Slber wa6 wollen folcge Keine fcgrift* 
fleßerifcge ?eiben bebeuten gegen bie fcgwete, unerfreuliche praftifcge 
Aufgabe, bie Qm. Sjrcellenj übernommen gaben. 2Bir arbeiten eben 
3eber im Keinen unb im großen Äretfe an ber Anbetung biefer un* 
mbglicgen Juftdnbe, unb oießeicgt erleben Qm Reellen} not# ben »tag, 
wo @ie mit greube auf eine Ügdtigfeit jur&cfblicfen, bie Sgnen fegt 
unbantbar fegeint. 

3c# hatte gehofft, Kegibi’ö 83uc# über Äarlöbab unb 2Bien noc# ju 
genügen *. 3#n aber #dlt baö ©tuet beö jungen ßgeflanbö unb bie Stuf* 
ftnbung immer neuer Quellen noc# fern oon ber SoUenbung ber Arbeit. 

©enegmigen Qm. Sjcceßenj bie SBerficgerung ber aufrichtigen 95ers 
egrung oon Qm. Srceflenj ergebendem 

Streitfcgfe 


t SJtogl gatte am ©unbeötage unter SB. in brr ©tettung einet ni<gtamtU<grn 
Bttatgrt vom 91#». 1821 ab rin gatbet 3 a b r lang grarbritrt; „bie Erinnerung an 
biefen autgejeiegneten SXann ift mir eine brr aderangenegmften", fagt er in feinen 
fefbftbtograpgifcgen 2lufjei<gnungen 1,123. SDennocg fab au<g er „ftarte ©(gatten* 
in SBangengeimt ©ilb. 2 93gt. OTogl 1,25 u. 9tAmelin, Dieben u. 9tuff. 3,39. 
3 SJgl. 6.169. 


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252 


fdHruflt 1868 . 


861] 9(n 3<>b- @«fl. 

«hochgeehrter -berr, 


Seipjig 11. gebt. 63. 


©ie »erben jwar Idngjl im Söcfiße beS 3anuat*hefteS ber ©reufj. 
3a$rb£tcf>er fein. Dennoch mag ich mir bie greube nicht verfügen, 
3bnen ben 3uffa$ über SBangenbeim als einen (leinen 33e»eiS meiner 
©erebrung ju fiberfenben. 2dngfi höbe ich gerounfcbt Sfbnen berjlicb 
)u ban(en für vielfache ©elebrung. Sin WrperlicbeS Seiben bot mich 
verbinbert jemals ©orlefungen ju beren; feit meiner ©cbuljeit habe 
i(b (einen 2ebrer mehr gehabt, unb in baS biftorifcbe gacb bin ich erft 
admdlig non ber ©taatSwiffenfcboft herüber, burcb baS Dociren felbfl 
gelangt. @o höbe ich all mein ®iffen auS ben ©Serien non SJldnnern, 
bie mir perfbnlicb unbe(annt finb; unb vielleicht bot 3b«en meine 
Arbeit über baS DrbenSlanb Preußen gejeigt, »ie Sieles icb 3brer 
©reufifcben ©efcbicbte verbanle 1 . Den gegenwärtigen SHuffag bobe 
i<b freilich mit ungleich geringerer greube gefcbrieben . . .* 8Benn 
eS mir nur gelungen ift, meinem »unberlüben Selben gerecht ju 
»erben: — eine febr fcb»ere Aufgabe, »enn ber Biograph in ber 
aufreijenben 2uft eines ©üttelflaats, unb gar in ©achfen, lebt! Sine 
etnjige ©tdtte ijl in biefem gottverlaffenen £anbe, baS aufjer einem 
Stefte ber alten Demo(ratie nicht einmal ©arteien mehr befigt — ein 
einziges Slfpl für gute ©reufjen unb Deutfcbe: bie (leine, aber leiber 
gdnjlicb macbtlofe, ©efellfcbaft, bie fleh hier unter greptagS S3orft| ver* 
fammelt. Dort treffe ich auch bdufig 3br«n alten ©cbüler Dr. 3orban*. 
©eftatten ©ie, hochgeehrter S)tn, bie ©erficberung ber aufrichtigen 
©etebrung 3breS ergebenden 

Jj>. v. Xreitfch(e 


362] 2ln 9BiIf>flm 91 off« 


2eipjig 15/2 63. 


Sieber Sreunb, 

fchon Idngfl (ebne ich mich nach einer freien ©tunbe um mit Dir ju 
reben; fie bot lange auf ftch »arten laffen. Arbeit unb (ein Snbe! 
SS ifl mir ein rechtes JjerjenSbebürfnifj Dir ju fchreiben: Du barfd 
nicht oereinfamen, unb ich freue mich ber ©flicht, bafj ich baju ein 


1 Der „©efcbicbte ber prettfifeben tyolitif", bie feit 1856 erfc^ien. * golßt f<bon an 
anbrer ©teile ©efagte* über bie ©unbeSgefcbicbte. 8 ben fpAteren SDireftor ber 
berliner 9?ationalßalerie* 


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ßcbniat 1863. 


253 


wenig Reifen fofl. Um meine fiinfamfeit mache Dir feine Sorgen; 
über fotefje ©ritten bin i<b binau« . . . 3<h höbe ba« neue Saht mit 
einem febr ffbweren (fntf«bluffe begonnen, ber mir für lange £eit alle 
SDtußc rauben wirb. 3cb febe ein: bie $8unbe«gefcbicbte, bie boeb ben 
baffen wiffenffhaftlichen Slnforberungen nicht entfpredjen fann, bot 
nur bann eine ^Berechtigung, wenn fit Jur guten Stunbe erfebeint, 
wenn ffe wirft auf ben beutfeben ^^ilifter. ÜJfbgltcb iff bie Arbeit 
febon fegt, benn ju einem bifforifeben Urtbeil über ba« ©roße unb 
©anje reicht ber oorbanbene Stoff au«, unb foeben febreibt mir 2Wobl, 
ber lange unter ©angenbeim gearbeitet, bafj ich im ©anjen burebau« 
ba« SRecbte getroffen. Sflfo halb ober gar nicht. £mei Sabre werben 
wobt über ber traurigen Arbeit bingebn... Sch glaube, noch nie iff 
mir ein Sntffbluß fo ffbwer geworben, boeb je§t bin icb gan§ leicht: 
taufenbmal beffer, ficb ehrlich befennen: Du mußt Dich jegt befebränfen, 
al« oiele Dinge neben einanber oerfueben, wooon eine« ba« anbere au«: 
fehltest. Seiber laffen mir felbff ju biefer (Jinen Slrbeit bie Kollegien faum 
geit, unb wieber biefe fann ich nicht befebränfen, wenn icb unabhängig 
leben will. Sch benfe aber, ba« richtet ficb noch ein, unb für meine 
Unabbüngigfeit iff geforgt, wenn Sitte« fo fort gebt wie e« begonnen. 
3n Äiel wirb man freilich bie fragliche SJtofeffur nicht wieber beferen, 
unb in S&tewfen iff für fegt nicht bie femffe Sluöficht; aber ich fann 
hier non meinen SSorlefungen febr gut leben, unb ehe ich bie... in 
Dre«ben um etwa« bitte müßte e« mir febr fchlimm geben. S3on 
biefem $lane ber Söunbedgefcfjicbte werben auch meine näcbffen Steifen 
leiber abbängen: im #erbff gebe ich (ffatt, wie ich febnlicb wünfebte, 
in bie Sllpen) nach ben mir noch unbefannten Steijen non SJlecflen* 
bürg, Dlbenburg, SBremen; ich bin fein SBücbermenfch unb muß bie 
Sänber gefeben haben ehe ich barüber febreibe. 3« 9>fmgffen aber 
treffe ich Dieb gewiß irgenbwo; bin ich reich genug, fo fomme ich 
fogar nach IBaben. — Die lebten SBocben haben mich jweier unwill* 
fommener Slufgaben entlebigt...‘ 3<b bin biefer geiern beglich mübe. 
Dem großen publicum ffnb ffe febr gefunbj ein SBolf, ba« be« Staate« 
entbehrt, fann ffch nicht oft genug feiner Jjeroen erinnern, aber ein 
Slnbre« iff e«, ben geffrebner bei folgern Slnlaß ju fpielen. SBunbers 
lieh, welche häßliche Äebrfeite bie ©efebiebte bat, biefe geiffreiebffe unb 
ffbbnffe aller ©iffenfebaften: fie bringt ihre 3ünger hoch gar ju leicht 


1 unb ttytanbrtbf» 


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254 


gtbwar 1863. 


in ©efagr ato Epigonen ju empftnben. 3n ein« folgen gefhebe 
wirb man untoillfütticg jum laudator temporis acti, unb wenn üg 
noeg fo aufrichtig einen Sichte, geffing, Uglanb tobe, gang ruhig bin 
ich nicht babei, immer wieber fag’ ich »nir: warum fo lange bei ben 
alten ©efegiegten oerweiten? haben wir felber nicht noch fo unenbtich 
oiet ju tgun? Darum werb’ ich fotche Anträge fo batb nicht wieber 
annehmen. ®on ber albernen Sean^aukgeiet, bie nicgfienO oom 
Stapel geht, halt’ ich ntieg grunbfcSgticg fern; ich fünnte auf ben 
wiberlichen SKenfcgen hoch nur ein ^aOquill fegreiben. — «Keine eng* 
lifcge ©efegiegte gegt nun halb ju Snbe. Sin unenbtieg große* 93olf, 
je naher man e* fennen lernt; unb boeg mbegte ich nnfer beutfcgeO 
Unglücf niegt gegen bie englifcge ©lorie oertaufegen. 3eg fege immer 
flarer: wenn e6 je einen wagrgaft freien Staat, einen Staat inner: 
lieg freier «Kenfcgen, geben wirb, fein anberet fann e6 fein alö ber 
beutfege. — «Katgp grüße gerjticg. Sr gat über Dieg an greptag 
fegr lobenb gefegrieben ... So follte mir eine große greube fein, 
wenn Dir unfere greunbfegaft feine nigere SBefanntfcgaft oerfcgajfte; 
er ifl ein ganjer «Kann. — ©ejlern war ScgelOfe gier . . . 3ft eO 
niegt feltfam, baß oon meinen UnioerfitdtOfreunben grabe ©legrere 
ber gagigßen, $ut, ScgelOfe, grangiuO noeg gang jielloO in ber 2Belt 
gerumtappen? 3cg glaube, noeg feine -3«* gat eö einem «Kanne oon 
©eifl fo fegwer gemaegt feinen reegten 2Beg ju ßnben wie bie ©egen* 
wart. 2Belcge «Kaffe oon gewaltigen 3ntereffen in Staat, Äunff, 
8Biffenfcgaft nimmt unO in glnfprucg? Der bumme 3unge bleibt 
fall babei, aber ein begabter SKenfcg oerfüumt über biefer breiten 
SMlbung nur ju leiegt, waO boeg bie erfte $£ugenb im geben ijl, bie 
©abe in fteg ju entbeefen unb $u entwicfeln, bie wirflieg eigentgümlicg 
in igm ijl unb ign befähigt etwaö SelbflünbigeO ju leiffen. DaO ifl 
boeg ber galt bei all ben Dreien. — ®on ber Äunfl gab’ icg außer 
geffing unb Uglanb lange Kicgt* in bie #anb befommen. 2lber geflern 
fag icg ©tinna oon JBarngetm in einer niegt grabeju fcglecgten Stuf* 
fügrung unb war boeg erflaunt, wie wunberbar jugenbfrifeg baO SBerf 
noeg ifl. Die Breiten, bie unO beim gefen fo flbren, wie ganj oer= 
fegwinben fie auf ber Söügne, unb wie jubelt felbfl bie ©alerie ju 
biefen Scgerjen, bie nie flerben werben. Solcg ein gob flingt reegt 
trioial, aber icg freue mieg noeg je$t an biefen glbenb ju benfen, 
naegbem mir unfre 93ügne fo oft nur Stet erregt: eO bleibt boeg baO 
fcgbnfle oon geffingö SfBerfen. — lieber $olitif geute Kicgtö: bie 


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$rtmar 1663. 


256 


©inge in $reufen flehen ja fo, baf anftönbige ffltenfcben ficb 9Ucht6 
mehr barübet ju fagen haben. 9lut ein 2Bort bei ÄönigS an Söernutb 
fc^rcibe ich %ec, ei jeicbnet ju fc^6n, in reeller ©efpenjlerwelt bet... 
lebt: „\)\ex auf biefem ^)ia§e wirb ba6 ©cbaffot für mich errietet 
werben!" 1 — ©treibe rec^t halb, lieber 3unge, unb gebe ja unter 
ÜRenjcben. ©u bifl nicht bet ÜJlann um unter mieten unb £unfb 
gefehlten allein frob }u fein, ©rüge ©eine ©efcbwifter belieb* 

©ein 

Z 

Suer ©cbugUng ÜRangolbt fehlte mir (ürjlicb fein beifpielloS 
leberneö Such über 9lational6(onomie. Sin folcbeS SDleifterwerf ber 
Jjaarfpalterei bitte icb nie für möglich geholten. 

©iegle ©eine ^Briefe an mich gut. 3ch weif ftcher, baf Stburn 
unb StajriS in granffurt ein deines fcbwarjeS Sabinet errichtet bot. 


363] Vn €mil St«f<b*nborff. 

Sieber §reunb, 


£eipjig 15/2 63. 


. . . #obe ©anf für ©einen Srief; mir ijt ei boch febr lieb, baf 
ei ©ir bei un6 gefallen bot. SBenn ei ©ich nicht eitel mocht, will 
ich 2)ie ouch fogen, baf ©u bei meinen ©chweflern in febr gutem 
ftnbenfen ftebfi; Sofepb« nennt ©ich nur mit bem ÄunftauSbrud: 
ber gute Jj>r Xefchenborff. (Natürlich wirft ©u über lang ober furj 
burch ©achfen (ommen unb bann jebenfalls ben Seifen auffuchen: 
©u weift ja, baf jeber SBefuch uns ju ©anf verpflichtet unb (eine 
UmfWnbe macht, ©och jut 4?auptfacbe, ju ©einem Üutber. ÜÄir 
ift er eint grofe greube, ich 8«b< immer wieber bin . . . ©er Sin« 
brucf im publicum ift ein getbeilter; ich habe Scanner gefeben, 
barunter fo ruhige unb fchwer ju begeifternbe wie Jpirjel, bie beS 
£obeS voll waren von ber SBabrbeit ber Äöpfe unb ber fcbönen SNalerei; 
aber neulich in einer ©efedfchoft, wo alle Äunftfenner £eipjigS oer« 
fammelt waren, würbe lebhaft gekritten. Siele tabelten heftig . . . 
SKber auch f«b* eifrige Sobrebner ftonben für ©ich auf... Ueber bie 
sportrdtS wot in ©reSben nur Sine Stimme beS £obeS. ©ie SJloler 
fonben mein Silb am Selten*, weil eS eine technifche Sodenbung jeige. 


* ©gl. ©ttmarcf, ©ebanfen u. Srinnenmgrn 1,284. 2 J)o$ im 1. ©attbe biefei 

©uin 2i$tbnn! »irbergrgebene. 9u$rtbnn fjatte 2. auf Um A&nigfiem ba$ 


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266 


grbruar 1868. 


bie ben beiben anbren fe^Ce; ba« ertldrt fich ja au6 bcn ungfinffigen 
©erhdltniffen, unter benen Su bei un« malen mugtefl. üRtr gefüllt 
befonbert ba« Söilb vom 33ater. — Ser ^lan mit ber Shrietnhilb tft 
ein guter ©ebanfe; lie« ja jpebbel« Nibelungen, im lebten Siete be6 
jroeiten X^eilö ift grabe biefe ©eene befonber« fchün. Sa« ganje 
Srama ijf, trog vieler ffiunbertichfeiten unb tro| be« ©toff«, ber ber 
mobernen 23uhne wiberfteht, wirtlich fchün unb bie SörunhilbsQeibetei 

füllt bavor in« Nicht« jufammen-Sehe wohl unb lag müh 

wenigjlen« von ben Jpaupts unb ©taat«actionen Seine« Sehen« etwa« 
wiffen. 

Sein 

X. 

Nielleicfü ftnbefl Su etwa« für bie Äunjl in Sarlple’« ©efch. 
griebrüh« be« ©rogen (b. 6* eigentlich ©efch. von ^reugen ab ovo.) 


364] 91n bm Sßatrr. 


ÜBein Heber Später, 


Seipjig 28/2 63. 


. . . 3<h glaube wirtlich, fo gar fchlimm hat e« mit meiner £eit 
noch nie geffanben, unb fommt eine freie ©tunbe, fo wirb fie ficher 
burch eine Sinlabung Verfehlungen . . . SRorgen fehiefe ich 2)ir ben 
Slbbruef ber Sefftngrebe; Su wirft barau« erfehen, bag ber Slbler mich 
ba« ©egentheil beffen fagen lieg, wa« ich fagte. Ueberhaupt bitte ich 
Sich/ feine Nachrichten über mich an« tiefer Quelle ju f«hüpfen. Ser 
Neferent ift ein ©ubject, ba« ich au« meinem Solleg auOgewiefen, ber 
Nebacteur ^rof. SButtfe mein perjonlichet unb politifcher geinb, ba 
er feit ich Hfe feine Zuhörer mehr hat, unb — hoch ich bitte Sieh 
um Sntfchulbigung, bag ich ®if non biefem SWenfchen fpreche 1 ... 
SNitten unter bem tüchtigen 2iberali«mu« ber 23ürgerfchaft hier fteeft 

$ortr&t br* 23at«rt ffit bi« bortige ©alrrir brr ÄommanbflntmbilbnifT« unb ba< 
brr ©(^rorfirr 3<Mrpf)< grmalt. 1 Sögt. ©. 16 9nm. 1. SButtf« frlhrr in ftinttn 
Such« „©ir brutfe^rn grttf^riftrn* 3. 21. ©. 167 ttwd^nt bitftn »äblrr*, brr »ic 
ba* burch ihn rrfr«tr furjtrbige Üripjigrr 3»umal mit 6ftrtr«i$ifchrm @«lbr gr: 
fprift für üftrrrrich* brutfeh« (politif rintrat, ot)nr rin «ignti ndfjrrr* 23trf>d(rm* ju 
brr $«itung anjubtutrn. 21nfdng(u§ i)ab« man urrmutrt, fit fofle rin frrirt ©latt 
frin; „aflrin baf brr Jh«rau*grb«t fid) mit gtbunbrnrn Jpdnben brwrgt«, tourb« fo: 
fort tlar. ©«noch mu| ffiofjl brr Jlug brt ,21bler4‘ noch immrt ju fifin grmrfrn 
frin, brnn auch von birfrm ©latt« jog fi<h bi« orft. JpCUfe Snb« 1864 jutftd unb 
rt h^n* a“f** 


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tym( 186a 


257 


boch ein gut 3$eit pb*ofenboftet unverbefferlicher Demofrotie, feie je$t 
mietet anfüngt für bi« getafen ju fcbrodrmen u. f. tu. 3ch holte mich 
von folgen Dingen/ gleich aßen meinen politißhen greunben, natürlich 
fern unb bebaute nur, baß bie St&or&eiten beö 4?m v®i«marcf biefer 
Stiftung einigen Schein be« SRecbt« geben... 3ch bitte Such, gebt 
mir ja rechtjeitig (Nachricht von (Rainer« ©tarnen; ich miß nicht ber 
2e|te fein, ibm (Dlücf ju münfchen. 3Cu<^ münfche icp febt, ben tyofy 
jeit«tag 1 im SJorau« ju miffen ... Snblüb müßt 3b* fchon töngß 
im SBefige be« gri§ (Reuter fein; mit mir’ rt eine gteube, menn 3be 
ba« (Buch fogleich fcpirftet. 3e|t fommen bie guten Sage, mo id) ber* 
gleiten micbcr (efen fann. Denn bid^er bah* ich in biefen SERonaten 
von ^>ogfte nur gelefen roa« ich mußte: einige« Snglifche für mein 
©oßeg; bann SRücfert unb Ubianb, unb (Rücfert gegenüber ift mir 
Ublanb« SRufe in ihrer ganjen Steinzeit unb ©chbnbeit erfcbienen; 
cnblich Seffing, bem ich auch ben einzigen bramatifcpen @enuß biefer 
üRonate verbanfe ... 

3<b grüße Such 3tße beglich. 3fuf frohe« SBkberfehen. 

Dein treuer ©obn 

Heinrich 


866] Vn Jpugo ^Rtptt. 

Äbnigßein 16/4 63. 

Sicher £ugo, 

foeben erholte ich burch Dverbecf bie gute Äunbe von Deinem @lficf l , 
unb ich muß Dir hoch in jrnei -Seilen meine begliche gteube barüber 
au«fprechen. 3n meiner ©igenfcßaft a(« emiger ^rivatbocent vermag 
ich natürlich Deine greube fehr roobt ju roürbigen, unb befonber« 
fchbn iß e«, baß Du Dir nun auch Dein J£au«mefen grünbcn fannß. 
Davon vetßebe ich freilich nicht«, benn bie beutfche 3Junbe«gefchichte 
iß eine fo verjmeifelt fchmierige Aufgabe, baß ich nur bann hoffen 
fann ße ju bewältigen, menn ich noch jtvei 3ahre lang mein (Soelibat 
hartndcfig feßbalte unb aßein mit ber SEBißenfchaft jdrtlichen Umgang 
pßege. — 

©inen orbentlichen Sörief von mir foß Dir Deine ^rofeffur boch 
nicht einbringen; mir merben ja von nun an gute (Rachbarfchaft holten. 

l Ott 3®b annfl * 3 bem (Ruf nach Jpaöt aU «o. ^>rofeffot. 

n. 17 


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258 


«pril 1868 . 


SBiffe hiermit, baß Sein SJbfteigegunrtier in Seipjig Xauchaerfhr. 3. 
1 Streppe liegt . 8üfo auf balbigeO ÖBieberfeben. 


Sein Z. 


866] ttn SRubolf Aonnu 

«eipjig/ 30/4 63. 

•Oocbgeebrter Sfrttt, 

. . . SBilbranbt* iüeift ^ab’ ich auch gelefen, unb ich muf ju 
meinem (Jrftaunen geflehn, bafj ich »on 2B. etma* SJefj’re* ermattet 
bitte. Stein alter Sffap über Äleif} enthält $»ar einige arge Summ« 
beiten unb iff, al* ber erffe, fehreeflieb ungefchieft getrieben; aber 
fomme ich je baju einige biefer alten Sachen ju überarbeiten/ fo 
brauche ich «lieh burch SB’6 Such nicht abhatten ju taffen. 3cb fage 
bie6 Urtbeil ungern/ benn ich holte »on 2B’6 Stücbtigfeit febr »iel 1 . — 

Son bem (Blitterffborff (affen Sie un6 recht lange nichts fpreeben *. 
S3or bem Jfcrbfl mirb Sicht* barau*, benn morgen gebt ei an bie 
Sortefungen über ba6 3abr 1848! ©tauben Sie Sicht* oon bem/ 
mc* 3hw Leitungen über ?eipjig melben. Sie Serfammlung unfrer 
fogenannten gortfebritttpartei mar recht {täglich unb nrirb nur febr 
befcheibene grüßte tragen. Slnbrerfeit* ftnb mir auch nicht fo gar 
finbifch/ mie bie Leitungen melben: Ser „Erfolg* Xaffatle’* mar nur 
blauer Sunfl, unb ba* Söefle an bem gemeinen Jjanbel ift, ba§ unfre 
©roffbeutfeben (2Buttfe unb feine Sippe) fich burch Parteinahme 
für ben (Sontmuniömu* um ben lebten Kejl ber Achtung bringen 
merben*. Stein Urtbeil über bie (Berliner Politil »erben Sie nicht 
verlangen: ma* !ann 3bnen an einem Stofjfeufjer über ben offen« 
baren 2Babnmi|} liegen? . . . 

SRit bttjlichem ©ruf 

3b* treu ergebener 

Sreitfchfe 


1 SßgL JfKftcr. u. tydit. Suffdfct 4,693 ff. 3 2lu<b Ob ft ©. woQtt Sreitföft fftt btt 
ffhtufs. 3#btbb. f<htfibtn; eint »on btn ütbtittn, bie fftt fein ©u<b ,unttld£Ii<b 
nitfjifl* ftitn. (SBgi. Seutfcht @ef<hi<htt 8. ©b. ©orroort u. ®. 287 f.) ® 8m 

16. Äpril haut 2. in 2 eipjig ftint (Rebe »gut Äibtitttfrogt* ge&alttn. S}. Dndtn, 
«offaOt. 2. U. ®. 830 ff. 


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ÜKnt 1868. 


250 


867] «n SBitytlm 91»«. 

Ztipbk 3/5 63 . 

£ieber »Iter §reunb, 

-3ht tiefen Serien bat’ ich bet ber jjochjeit meinet Schwerer 

bie ©rautjungfer gezielt ©lein ©chwager ifl Äatholif; alfo ging bet 
3ug au* btt proteflanttfchen Ätrche nach einet tmpro»tftrten fatho* 
lifchen äapelle. Die $rtebrith*butg, ein alter ^aoiUon auf bem SBatle, 
worin Sugufl bet ©tarfe »tele beibntfche ©cbHferfhinben »erlebt, war 
butcb energtfche Xeufetau*treibungen in einen heiligen Ort »erwanbelt, 
unb ju meinet ©efchimung gefleht ich/ baf €uet äaplan fein ©prüch* 
(ein viel beffet abfagte nie unfet $aflot. Uebrigen* »erlief Sille* ganj 
fchbn, unb ich hoffe ba* ©efle für meine ©cbroeffer; nur bauert mich 
meine £iebling*fchwcffer Sefeph«, bie fegt mit bem ©ater ganj allein 
auf bem Seifen lebt unb al* gute Zofyet beinah nie berunterfommen 

wirb-3<b lefe fegt Aber bie Sahte 1848/60, natürlich im 

bichtefhn ©ebringe. €6 ift eine auftegenbe Arbeit, unb nicht leicht 
ba* unnü|e ©arteigejinf jener «feit ju »ermeibenj aber fchaben fann 
e6 nicht, hier, wo SaffaQe einigen ©oben gefunben ho*/ ben jungen 
Leuten ben SBahnftnn be* SRabtfattdmu* ju fchilbem. 3ener Stuffag 
über ©littertborff ifl übrigen* nur aufgefchoben, nicht aufgehoben, 
unb ich bitte ©ich alfo mir über bie Srlebniffe biefe* Z .,. feit bem 
®törj, bie mir gänjlich unbefannt finb, Sille* wa* Du fannfl ju 
fchreiben: ich *»eif nicht einmal ob er noch lebt. — Äannff Du ju 
$fmgften auf ein haar Zage abfommen? Dann fchlage ich »or, baf wir 
un* in Saffel treffen; »on ba giebt eö allerhanb fchone 2lu*flüge. 
SBeiter wirb mein Selb nicht reichen, unb Dir ifK gefunb einmal 
nach bem Olorben ju gehen, ©chreibe mir recht halb barüber. — 
©ehbrfl Du )u ben „©Ären* 1 ober bifl Du etwa gar bie (Sbrenbdrin, 
bie un* auf Sreptag* ©rief fo fchbn geantwortet hot? — Der SBangen* 
heim ho* mir »tele ©riefe eingebracht, barunter einen »on Drohen — 
eine ©nttüufchung. Der ©lann tff ein hortgefottner Doctrinür unb 
gehört ju ben Un»erbeffer(ichen, bie gar nicht begreifen, baf e* auf er 
geubalen unb Slltliberaten noch anbre Parteien geben f&nne. ©lir ift 
e* unheimlich/ wie rafch biefe ßeit felbft gute ©lÄnner »ernuft. 2Bir 
werben aß' unfre Äraft brauchen, bamit wir nicht auch * n 16, 20 

1 €in« # ®moff«nfchaft »Artiger unb rfjrbarrr SWdwift*, bie ficb in AatKnih« im 
iScinhaui )um ©dttn, ein« f<hon bunh JfrtbtH Stttii geneiijten ©tdttt, jufammnu 
fanbett. (frrptag, SWatf >9 ©. 404 f.) 

17* 


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260 


2K«i 1868. 


Sauren jum alten Sifen geworfen werben. — 3cb weif nicht, ob ich 
Dir oon ben beiben einjigen pottifeben Srfcbetnungen gefproeben höbe, 
bie mir neuerbingö greube gemacht? 3<b meine 2Bilb* Sorban’ö 
©opbofleö*Ueberfefung, bie einjige poötifcbe, bie wir bejtfen 1 . Der 
fatale SRenfcb bot ein felteneö gormtalent unb feine« Serfldnbnif; 
icb glaube/ jebeö junge 2R4bcben (ann an biefem ©opbofleö ftcb er* 
bauen. ©obann baö fofiticbe „Ut mine geftungötib* oon grif 
SReuter . . . 

3<b bobe mich gewaltfam oon bet ^olitif fern gehalten: bie Sage 
iff ju entfeflicb. Den Kammern bleibt nur übrig — ftcb auflüfen ju 
laffen nach einem testen mutbigen ©erfuebe, ben SBabnmif beö Äonigö 
ju breefen. Unb bann — wirb baö ©cbicffal feinen @ang geben/ 
b. b. im Kampfe für bie fcblecbtefie ®a<be oon ber SEBeft wirb Deutfcb* 
lanb nicht im ©tanbe fein ben 9tb«n ju behaupten — oon ©cbleö* 
wig gar nicht }u reben! Dabin finb wir gefommen! 

Seb wobt. 

Dein Z. 

B68J fcn ben Stater. 

Seipjig, 6. ©toi 63. 

Sitterbanb Strbeiten hoben mich gebinbert/ Dir früher ju fepreiben, 
mein lieber ©ater . . . Sin 2roft iff: baö ©emefter wirb früh 
fcbliefen, benn baö Stumfeft füllt in bie erflen Slugufftage, unb nach 
bem geftc fdngt boeb ©iemanb ju (efen an. Da« fott meinem ©uebe 
ju gute fommen. ©iö babin wirb auch mein Sffap über ©pronö 
Sinfluf auf bie beutfebe Siteratur — eine Sorarbeit ju bem ©uebe — 

fertig fein-3n ©efettfebaft war ich biöber nur einmal/ geflem 

in einer ©oiree beim ©ucbbünbler ©roefbauö, wo ein paar bunbert 
Herren, ©abobö unb literarifebe ©otabilitdten, oerfammelt waren. 3cb 
lernte eine 8teibe befannter ©amen fennen, unb feit ich baö @lücf 
habe J^etrn ©uffowö ^erfon ju fennen finbe ich feine SBerfe oer* 
gleicböweife liebenöwürbig. Slucb mein jarteö ©erbdltnif ju #m 
o. SBifleben friste ficb wieber auf. Uebrigenö bot ber Dumme baö 
©lücf. Unter jweibunbert Herren waren nur bie oier Damen oom 
#aufe, unb ich faf auf ©efebl ber SBirtbin jwifeben jwei Damen; 
feitbem weif ich/ baf ©efebeibenbeit nicht ju meinen gehlem gebürt — 
Srftaunlicbeö Sluffeben erregt bi« baö ©ilb Seffingö: Jjuf oor bem 

l SBfll. giftet, u. $ 0 lit. «uff&bc 4,690f. 


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Wo» 1868. 


261 


Scheiterhaufen. 3cb ftitbe at auch febr fcbün, nur nicht lebenbig genug, 
©o gemütlich hoben bie ©übmen gewiß nicht babei geßanben, bie 
um biefe« Sanne« wißen breißig 3obre fang fümpfen unb würgen 
wollten. Da« ©«bünße wettetest iß bet Jtopf eine« alten SBetbe«, 
ba« foß be« Später« grau fein. — 3<b höbe wieber Einige« son 
©pron gelefen, unb babei würbe mir ba« ©Üb be« großen eblen 
Senfeben wieber recht (ebenbig. San fann ihm hoch nie gram fein. 
Sie wunberbar finb fepon feine ©riefe. 3eben bot er getrieben 
mit bem ©ewußtfein, baß Sfaufenbe ibn lefen würben/ unb boep iß 
jebe« Sffiort bie reine (Ratut, ber ungefuepte reiche 2Bi$ facht au« jeber 
£eile ... 3<h muß mich mit ©ewalt von ben politifcpen Dingen 
fa«reißen/ um mit Such/ 3b* Sieben/ ein b«tte« 2Bort ju reben. Die 
Sage tft furchtbar ernß, ba« Sabnwißige iß müglicp, wir fünnen in 
vier Soeben einen unfinnigen ärieg hoben 1 . 3e aufregenber bie 
©egenwart/ beßo mehr hob’ ich mir« jur Pflicht gemacht/ in meinen 
©ortefungen ganj leibenfcpafttlo« ju reben. Da« gelingt mir auch/ 
benn mein ©toff — bie ©chilberung ber erßen wilben {Revolution«* 
feenen — wirft auf ben Srjibler wie falte« Saßet. — Seht wohl. 
3eb grüße Dich unb meinen lieben $tp taufenbmal unb bitte halb 
um einen ©rief . . . 

Heinrich 


869] Sin Start Watpp. 


Seipjig 13. Sai 63. 


JP>ochgeebrt<r JP>err @taat«ratb, 

eine perfünliepe Singelegen beit verfepafft mir bie greube 3bnen ju 
fchreiben unb 3bnen bie ©elüßigung burch eine ©itte. S)rof.». San* 
golbt bot mich nümlicb geßern im Auftrag feiner gacultät gefragt/ 
ob ich bereit fei bie außerorbentliche ^rofeffur ber ©taat«* unb 
Sameralwißenfcpaften in greiburg anjunepmen; ßimmte ich )»/ f° 
würbe mich bie gacultit bem Sinißer »orfepfagen. Die grage war 
feine«weg6 einfach. Sein bieftger Sirfung«frei« iß grüßet al« jener 
in g v meine materielle Sage würbe ftch bort erheblich verfcplecbtem; 
enblich lefe ich biw übet bißorifepe Stoffe, bie meiner üleigung unb 
meinem ©ilbung«gange entfprechen, wdbrenb ich bort in gücpet ein* 

1 3t> folge bet 'politif SBitmarcM bem polnifcben Sfaffhmbe gegenüber; vgl. @t)bel 
2,601 ff. 


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262 


W«i 1868. 


treten würbe, Me mir weit ferner liegen. Xrofebem feab’ i<fe miefe 
vorläufig jur ttnnafeme feereit erltdrt, feenn feei einem erflen Stufe 
foff man niefet offju wäfelerifefe fein, unb — e6 wäre mir eine 
grofe greube, enbtiefe .einmal unter einer anftdnbigen Stegierung )u 
leben, ffidre einfaefe ein ^rofeffor ber Cameralien i. e. ©. »erlangt 
worben/ fo feätte iefe fofort bet» Stuf abgelefent, ba meine fiaat»* 
wiffenfefeafttiefee ©ilbung eine burefeau» feifh>rifefe*politifefee ift ©tatt 
beffen maefet man mir einen/ naefe meiner SReinung, niefet ganj Haren 
unb wiberfprucfe»lofen Hntrag. SRan will au»brüefl«fe leinen teefe* 
nifefeen gaefemann, fonbem einen ^Mittter, ber bie fünftigen ginanj* 
feeamten Aber bie politifefee unb foeiale ©ebeutung ber .fcauptgewerbe 
feelefert unb auferbem einem geiferen Äreife ^olitil, ©efefeiefete ber 
politifefeen Zfeeorieen u. bgl. »orträgt gür bie tefetere ttufgabe glaube 
i(fe bie gäfeigfeit ju feeftfeen, für bie eigen tlüfeen Cameralien ifl meine 
Steigung unb ©orfeilbung weit geringer. Hfeer iefe tenne leinen Do* 
ernten/ ber feeibe feimmelweit txrfcfetebene Aufgaben jugleiefe »ollfommen 
tifen linnte. Darum feabe iefe ben Antrag vorläufig angenommen; 
e6 wirb ftefe ja fpäter jeigen, wa» iefe au6 SRangolbt» ©riefe niefet 
ftefeer erlennen lonnte, auf welefee ber feeiben Stnforberungen ba» Raufet* 
gewiefet gelegt wirb. ©otau8fiefetliefe wirb alfo bie gacultät in einten 
Zagen miefe bem SRiniflerium »orfefelagen/ unb man feat mir von 
greifeurg au» eingefefeärft, iefe foffe miefe an ©ie, feoefegeeferter #err, 
wenben. 3efe tfeue bie»/ inbem iefe @ie einfaefe bitte: wenn ©ie glauben/ 
baf iefe bie ©teile au»füllen fann, fo werben ©ie miefe burefe einige 
an ben SRinifler unb an Jfern Director dtnie» geriefetete Sorte ju 
grofetn Dante »erpfliefeten. 3efe bitte natürliefe niefet um 3fere ©er* 
wenbung/ aber iefe würbe 3fenen fefer bantbar fein/ wenn ©ie ben 
Herren, bie miefe ja niefet perfbntiefe tennen, einige» über meine $erffen* 
liefeteit mittfeeilten. Stamentliefe meine ©efewerfebrigteit wirb grofen 
Slnftof geben; man »erbinbet bamit gewifenliefe bie ©orffcdung »off* 
lommener praftifefeer Unbrauefebarleit. Da» Sofelwoffen, ba» ©ie 
mir fo oft erwiefen/ feat miefe ju biefer SBitte ermutfeigt. Doefe be* 
merle iefe nocfemal»: will man für bie „^rofeffur ber Camerat* 
wtffenfefeaften" einen ©eleferten, ber genau ba» ift wo» ber Xitel 
fagt, fo bin iefe niefet ber SRann baju. Snbliefe forbert miefe SRangolbt 
auf ©ie )u erfuefeen, baf ©ie erft bann mit bem SRinifter übet 
miefe fpreefeen/ wenn iefe »on ber gacultät bereit» »orgefefelagen fein 
werbe. — 


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3uai 1863. 


263 


(Rehmen ©ie im ©oraud meinen bereichen ©anf für bie drfüllung 
btefer dBünfcge. — Und ge^t ed ()ier fo gut a(d ed ©eutfehen gegen 
fann in fotzen 3«ten: ßefhreich fptelt ben „beutfegen Patrioten" in 
Jgolfiein 1 , unb in Startin würbe icg mich nicht wunbern, wenn bie 
SRinifler füg morgen mit ben dlbgeorbneten prügelten. SBelcpe Sage! 
— (Sichernd*, »ufeg unb ich (»offen von 3(»rtr @üte, baf ©ie und 
in einiger Jeit etwad SRaterial über bie babifege ©erwaltungdrefomt 
fegiden werben. — (Regnten ©ie berjlirpen ©ruf/ #err ©taatdratg, 
unb bie ©erfiegerung aufrichtiger ©eregrung 

eon 3b*«m ergebenen 

Sreitfcgfe 

©er Jtiging gilt ndcgflend feierliche ©tgung um bie Jufcgrift ber 
©üren mit aßen mflitdrifehen dgren in dmpfang ju nehmen. 

370] Hn bm SSattr. 

2eip$ig, 8. 3uni 63. 

dd ifi recht wohlfeil fteg nachträglich feiner guten ©orfäge ju 
rühmen; ich b<wf ed aber, weil ed wahr ifi. 3<h wollte ©ir ohne« 
bied biefen Stbenb fchreiben, mein lieber ©ater, auch wenn ©ein ©rief 
nicht gefommen wäre. ©af ich fo lange fchwieg hat guten ©runb: 
ich war hier fehr befegäftigt unb, wenn ich freie Jett hatte, nicht hier, 
©iefc dlbwefengeit war über alle Erwartung angenehm. 3ch wollte 
fchlieflich etwad ©egbneted fehen ald bad SRulbetgal unb ging enb* 
lieh, nachbem ich wägrenb ber Feiertage gearbeitet, am SRittwocg nach 
bem gefle mit bem (leinen Dr. JDoerbecf in ben Jgatj. dd waren 
brei tüfilicge SRarfcgtage beim fünften dBetter; biefe ©erge ftnb bad 
©cgbnfie wad (Rorbbeutfcglanb beftgt. 3n ber fäcgf. ©cgweij unb in 
Thüringen fleht ed boch nur aud, ald hätte bie (Rotur ftch einen guten 
2Big machen wollen. SRit bem ©roden aber war ed ihr droit: bad 
ift wirfliched ^ochgebirg. SÄn & ©tunben fliegen wir ununterbrochen 
von Jgarjburg aud, unb ald nun bie legte einfame Jgirtengütte oor* 
über war unb ed immer Aber würbe unb bie Sannen immer oer* 
(rüppelter unb (norriget, unb enblich ber ©aumwuchd ganj aufgbrte 
unb auf ber #6be, wo ed gar nicht (Rächt werben wollte, bie grofen 
Oranitblüde auf weiten ©chneefelbero lagen, ba glaubte ich faft wieber 
1 ©flU 69M 8,120 (f. 3 fBipfefegmanfht m Xripjig. 


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264 


3n»i 1863. 


in ben Sllpen $u fein. Sogß botouf butch bie fteineme Stinne binob 
nach SBernigerobe. Sin .£>anbroerfßburfch auß bet Steumarf lag am 
2Bege unb getraute (ich nicht ben (teilen Berg hinunter. 2Bir fprachen 
ihm geifHicpen Stoff ju, unb et gelangte glücfltch biß SBemigerobe, 
wo man im ty»rf noch einmal über baß enge Shal ben Brocfen 
heraußragen fieht. Daß alte Schloß läßt bet ©raf von Stolberg, im 
Vollgefühle feinet beinah* wieber errungenen Souveränität, fehr ffatt* 
lieh httflelltn; bie 12 Vtann hüffelgarbe aber, bie er in eine ähnliche 
Uniform wie bie ©arbe bu Sorpß in Berlin geffeeft h«t, hüben wir 
leiber nicht gefehen. Dann gingen wir immer am Stanbe beß ®e= 
birgeß hin nach Blanfenburg. Seitab, oor bem ©ebirge liegt ein 
(feiler Sanbfteinfegel, ber Stegen (fein, mit einer gefchleiften preuß. 
geftung. ©ben erinnerten mich bie grablinigen formen beß Steinß 
unb ber Äiefernwalb lebhaft an Deine geftung: ber SSlicf auf baß 
©ebirg iff auf bem Stegenftein großartiger, aber ber fchone gluß im 
Vorbergrunbe fehlt. 3lm britten Sage fahen wir baß Bobethal, unb 
eß iff auf ber Stoftrappe eine fchäne Ueberrafchung, wenn man re<htß 
hinabgefehen bot in bie violette gelfenwilbniß beß Bobefeffelß unb 
bann von einer Älippe (iniß gan) unerwartet bie norbbeutfehe Sbne 
biß weit über ÜJlagbebutg hinauß überfchaut. Stuf ber Stücffahrt blieben 
wir einige Stunben in SRagbeburg unb fahen in 4?alberfiabt bie mittel« 
alterlichen J^oljbauten, bie heften, bie ich lenne. So war SlUeß fehr 
hübfeh, unb alß ich h«*nfom, hotte ich bie greube 3ofepheß liebenß« 
würbigen Sörief ju finben. 3<h banfe ihr berjlich für ihre Belehrungen 
unb für bie guten Stachrichten . . . Sieben J^eppchenß Briefe lag 
ein neueß Schreiben von SRangolbt . . . 3*$t iff bie Sache ohne 
Slnffoß burch bie gacultät unb ben Senat gegangen; feit 14 Sagen 
bin ich bem Vtinifterium wirtlich vorgefchlagen, unb bie Sieten liegen 
je$t in Sarlßruhe, wo fte wohl noch »ne gute SBeite bleiben werben. 
Sinige Bebingungen finb bereitß günftiger für mich geffellt. «Mehrere 
eameraliffifche gächer, bie ich meber lefen will noch (efen fann, finb 
mir abgenommen; aber noch immer gefällt mir ber Antrag fehr wenig, 
immerhin bleibt eß müglich, baf man in Sarlßruhe mich richtiger 
beurteilt unb mir enblich einen Stuf für ^olitit unb ©efchichte fehieft. 
Doch baß iff jweifelhaft, ba ber ^»iftorifer in greiburg nach oltem 
©ebrauche fatholifch fein foll. Sllfo laß unß warten, unb nimm 
meinen Danf für Dein lebhafteß Sntereffe an ber Sache. — ©effero 
hob’ ich, }um erften Sföale, ber Berfammlung ber 3 fächfifchen Uni« 


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3uni 1863. 


265 


oerfitüten beigemobnt, bi« adjdbrticb einmal in Äbfen fiattfinbet ... 
©er intereffantefle neu« ©elannte mar mir $ott au« #ade; bem un* 
f(beinbaren alten $erm fiebt ber geniale Sprachforfchet gleich au« bem 
grunbgefcheibten Sefichte ^ctaai. 9tu<b ber alte Äitchenrath J^afe au« 
3 ena fuchte mich auf unb mar fehr (ieben«mürbtg gegen mich... 5Kn 
S)t$p hab’ ich gefiem recht oft gebacht: alle Jjäufet unb @drten, bie fchon 
flanben, alo fle noch ba« mriß unb grün carrirte Älribchen trug, hab’ ich 
gleich toieber erfannt 1 ... 9loch einige Sorte, lieber ©ater, über ©einen 
heutigen SBrief . . . Schon oor Sonaten, al« ber geflau«fcbuß ju« 
fammentrat, mar eo befchloßne Sach«, mich jum geflrebner ju mühten, 
obgleich ich natürlich (einen ginger barum gerührt hübe. Die Sntfchri* 
bung oerjbgerte fleh/ meil junüchff anbere ©efchüfte bem SluOfchuffe ob« 
lagen, fobann meil man nicht muffte, ob ich annehmen mürbe, enbtich 
— meil S )r SButtfe Fimmel unb J£6de in ©emegung fefcte um meine 
Saht ju hintertreiben. 91(4 mir enbtich ber Antrag gemacht mürbe, 
modte ich nicht barauf eingehen, benn mir ifi bei unfrer gegenmürtigen 
beutfehen 2age gar nicht fefflich ju Sutbe, auch bin ich ber gefheben 
mübc unb flehe ber Xumerei gang fern ... Sch gab aber meinen 
ffiorfaß auf, meil mir ber 9tu«fchuß befümmt erflürte, man mürbe im 
gälte meiner Seigerung fleh an einen audmärtigen JJKflortfer menben, 
ba 2eipjig (einen anbren für biefen $m<S brauchbaren SRebner beflße. 
©ief« Ermügung hat mich enblich befümmt, benn bie ©etfehreibung 
eine« 3lu«mürtigen hütte aderbtng« unfrer Stabt nicht jut 6hre ge« 
reicht, ©er Auftrag iff mir tifüg, aber ich muff rnohl eine 9lu«* 
jeichnung barin fehen, ba in 2 biefern 5£age bie eigentliche Erinnerung«« 
frier für bie Schlacht flattfinben, bie geier be« 18. öetbr. bagegen 
(eben meil ba« groß« SCumfefl (urj oorhergegangen) nur in Sdumina« 
tion u. bgl. bcflehen mnrb. Seine näheren politifchen greunbe münfehen 
natürlich auch fehr, baß unfre Partei bei einem folgen allgemein 
beutfehen gefie anfWnbtg oertreten fei — unb ©u (ennfl menigflen« 
ben ©ebeutenbfien unter ihnen, greptag, fo meit, um mir ju glauben, 
baß ich mich unter ihnen in fehr anflänbiger ©efedfehaft befinbe. Sch 
habe ©ir oerfprochen, lieber ©ater, ba« Äatheber nicht ju Partei* 
jmeefen ju mißbrauchen; ich habe bie« Sort gehalten unb merbe e« 
halten, ©agegen muß ich mir mein Siecht oorbehalten, außerhalb 
meine« a(abemifch«n ©erufe« ein ^arteimann ju fein, mie bie« bie 


1 Ogi. Ob. 1, ®. 22f. 2 fo bte #anbf$rift flatt: an. 


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266 


3«mi 1668. 


ungeheure Stebrjabt meinet ©Hegen ift. Sicht ba* teifeffe Sebenfert 
fte^t bem im 8Bege. Bie §acu(t£t wirb an bet ©cbtacbtrebe ebenfo 
wenig Vnftof nehmen wie oor’m Sabre an bet $icbtcrebe, bie mit 
nur Seifaff non ben ^tofeffoten — aufet natürlich non J^tn Ä. — 
eingebracbt bot. Uebrigen* bonbett ti fi<b in biefem fcaffe burebau* 
nicht um eine ftotteifacbe. 3eb foff vor Beutfeben aller Parteien 
unb affet £dnber fprnben, unb eben weil man mit baju Unbefangen* 
beit genug jutraut ift bie SBabt auf mich gefallen ... ©iblicb lege 
icb Bit nochmals meine alte Sitte an’* J^et}, liebet Sätet. Seuttbeile 
mich na<b bem, wa* Bu non mir felbet b&tft unb ftebff} Bu weift, 
baf icb offen gegen Bi<b bin. SBiffft Bu ja fternbe Urtbeile übet 
mich beachten, fo bfo< »enigften* nicht, ich bitte Bich, auf biefe 
fpafbaften JUtte. Äennteff Bu fle perfbnlicb, Bu wütbeft b<rjlicb 
übet bie .$an*wurffe lachen. Unb wirHicb gelacht bot hier Sebermann 
ohne Unterfcbieb bet Parteien über ben Sirtifel be* Sbter*, 
bet bocb gar ju beutlicb fagt: mich fcbteibt ©ner, bet lieber fetbff 
fptdcbe! . . . Sein, lieber Sätet, mein Serb&tnif ju Bit ift bocb 
wohl ju feff unb gefunb, al* baf e6 burcb folcbe Siebtigfeiten getrübt 
werben fbnnte. SBer b<ute irgenb auf ben ÜÄarft binau*tritt, bem 
tommen bie (Segnet non affen ©eiten. 3<b geffebe, ich beftnbe mich 
recht wohl babei. Sur jwei Binge tbun mir leib: baf folcbe Stehen 
meinet Segnet (unb gemeinere al* biefe b«&< ich nicht) Bit eine trfibe 
©tunbe bereitet hoben, unb baf leibet nur biefe ©timmen ju Bit 
bringen. 2Ba* in bet treffe Sofe* fibet mich gefagt worben, iff Bit 
fo )iem(ich 9lffe* ju Seficbte gefommen, non bem 8obe fo gut wie 
Sicht*. Bocb wa* braucht e* jwifchen un* folcbet frember Setmitt* 
lung? Bu weift, baf Bu an mit einen liebenoffen unb geborfamen 
©obn hoff, auch *®«nn ich einmal Beiner ©rmabnung nicht ganj ent* 
fptechen fann. 

Stufe mit meine Sefcbwijler recht btrjlicb von 

Beinern treuen ©ohne 

Heinrich 

♦ ♦ • 


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3«ni 1868. 


267 


871] Xn ttaboif hopm. 

JOechgeehrter $ttv r 


?eipjig 27. 3uni 69. 


erlöuben ©ie mir juerfl reinen ftifch ju machen unb 3hnen ju fagen 
wa* ich bie*mal unethortenveife gegen ©ie auf bem #erjen habt. 
Qi geht fchlechterbing* nicht an, baß ©ie folche Srtifel, bie ich unter* 
jeichne alfo vor bem publicum moralifch vertrete, abdnbem ohne ©ich 
juvor mit mir ju verflänbigen. 3<h will au* bem ffluffaß über 
tthlanb nur eine ©teile hrrvorheben, eine (eife inberung fcheinbat, unb 
hoch eine folche, bie mich faß ba* ©egentheil meiner Meinung fagen 
läßt. 3<h b<*tte gefagt, bie Demokratie jeichne fi<h butch thatfräftige 
jDpferfreubigfeit vor ben gemüßigten liberalen au*, unb ©ie wenben 
bie* fo, al* habe ba* Uhlanb nur alfo gefc^ienen*. Stein, oer* 
ehrteßer S}m, e* ift wirtlich meine Ueberjeugung, baß bie große 
Saffe ber liberalen burch ©ei$, Feigheit unb Mangel an Dpfermuth 
ftcf) oon ihren ehrenwerthen Führern in jammervoller Seife unter* 
fcheibet, unb ich febt nicht ein, warum wir unfrer Partei nicht ein* 
mal ihre fehler in* ©eficht fagen unb ihr bie Sorjuge anberer ß)ar* 
teien Vorhalten foHen. Ob ich hßrin Stecht habe, baruher läßt ftch 
ßreiten; jebenfalt* fbnnen ©ie mir nicht jumuthen, etwa* mit meinem 
Stamen ju vertreten, wa* meine Meinung nicht iß. Doch genug. 
3ch fchlage 3hnen vor, baß wir hiermit ßittfchweigenb un* beßimmt 
baruber vereinigen: ©ie änbem mir fönftig an ben tluffäßen, bie ich 
unterfchreibe, Sticht* ohne vorherige SSetßänbigung, unb ich verpflichte 
mich bagegen, fo nachgiebig |u fein a(* meine Ueberjeugung e* irgenb 
erlaubt. 3ch bente, barauf fbnnen ©ie eingehen. Sann wir wicber 
in bie Sage tommen werben, Aber einen Suffaß un* ju verßänbigen, 
ba* fann ich nicht befKmmt fagen ... Der 23litter*borf[f] junächß 
ift vorläußg (eiber eine Unmbglichfeit; ber Sann ßeeft fo tief in 
allen 95unbe*intriguen währenb eine* Senßhenalter*, baß meine Äennt* 
niffe für jeßt noch nicht au*reichen ju einem erßhipfenben Urtheile. 


1 3n ber Darlegung, wethalb Ufyianb in ber PauUtirche brr 2infen fiep anfeptoi, 
„mit fefjr auch bie betnagogifchtn Xutfchweifungen feinen mafieoDen ÄönfHetfinn 
anwibetten", fagt Xreitfcßte, J^iffor. u. Pdit. Muff. 1,801 (nnb gteichiautenb f<hon 
in ber 1. Xulgobe): # 3ß n erfreute bie menf<h(i<ht Xh*Un?Äme ber befferen Demos 
ftatie für bie Meinen unb 2eibenben unb ber willige Dpfetmutb, weicher ge vor 
ben SWitteiporteien auljetcßnete.* Jßapm aber hatte ftatt ber te*ten f«h* ®orte 
Xreitfcßie* bauten taffen: ben biefe Partei *©r ber ber ©emdfiigten ootauljuhabca 
f<hien. 


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268 


3uni 1868. 


Unb nun fc^icft biefe* ©cheufat 3tfe alljährlich einige SBänbe in bie 
Welt mit immer neuen/ teiber unentbehrlichen, (Jntbullungen über 
ben 23unbe*tag. SÄuch 3hnen fann DUcht* baran liegen/ fchon jegt 
einen 2luffa§ ju erhalten/ ben itb über* 3abr »eit beffer fchreiben 
fann. 3<h muß atfo ein Schema wählen, &«6 mit meinem jeßigen 
#auptftoffe, ber romantifchen Jeit, enger jufammenhängt; ich b^fft/ 
3hnen im $ erb ff etwa* über @örre* unb bie Uttramontanen ju geben. 

66 thut mir leib, 3h«en eine Erwartung »orläufig ju ©chanben 
machen ju muffen. £och »erfegen ©ie ©ich in meine Sage: mein 
Xhema ift wirtlich enblo6, biefe ©efchichte muß wefentlich eine @e= 
fchichte ber 6 ff entliehen Meinung £eutfchlanb* »erben — benn hierin 
liegt ja bi6her unfer Söejte* im politifchen Sehen — unb »ie fott ich 
biefen ©toff bewältigen? 

3ch »ar 3h>ncn SHnfang* emfllich bofe, boch haben ©ie mich 
»ieber »erfbhnt burch — 3h*en Samhagen 1 . 3ch bebaure ©ie, ich 
fann mir lebhaft »orftellen, baß ©ie bei ber Arbeit grabeju gelitten 
haben. 3ln 3hren ©chriften (auch an ber „fJlationaloerfammlung*, 
bie ich je§t täglich lefe) erfreut mich ganj befonber* ba6 eble mora* 
lifche 9>atho*, bie „geiftige ©entilität", wie ©ie e6 fetter einmal 
nennen; ba6 macht mich auch bann noch »arm, wenn ich nicht bei« 
ftimmen fann. 3<h begreife, »ie fehr fich grabe biefer fittliche €rnft an 
bem föarnhagen »erefelt haben mag. Un6 ift 3hre unerguicfliche 2Rüh< 
bennoch ju gute getommen; ich michte »iffen, welcher Slpologet etwa6 
au6richten will gegen biefe mufferhafte 6harafteriffif. — ©ielen ©anf 
für 3hren freunblkhen ©lucfwunfcf). ©eit oorgeffem ift ber 9tnf 
wirtlich ba, boch hbchffwahrfcheinlich lehne ich ab. X5en Theologen 
wirb ber Srjbifchof meine Sollegien fofort oerbieten, ba6 ift ficher, 
unb waö fott ich meine Äraft oergeuben an 8 ©tubenten? IDielleicht 
gefchieht hier etwaO för mich; i<h hbre eben, bie ©tubenten fehiefen 
um meinetwillen eine Petition nach X)re*btn. Materiell fann ich’6 
auch al6 sprioatbocent hier fehr gut au6halten. Wein größte* 83e* 
benten ift, baß ba6 babifche Winifterium mir mit einem Wohlwollen 
entgegenfommt, ba6 ein SRein fehr erfchwert. — 

Snblich — ba6 älöerwichtigfle — wie benfen ©ie ©ich ju ben 
Orbonnanjen J ju feilen? Wentgflen* ber erfte Xheil ber 3ahrbb. (bie 
größeren äfuffäge) wirb boch »»hl unoeränbert bleiben? Jjier meine 

1 gtoul. 3«hrbb. 11,446 ff. bann in Jpaimti @*f. Vuff&fm. 3 b« jt&nigL S8«ts 
orbnnng Ob« bie gJtffft »om 1. 3»"« 


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3unt 1863. 


269 


J£>er jenOmeinung in oder Stube unb ©ebücbtigfeit. Die Steoolution ijt in 
meinen Äugen nur noch eine ^wetfniäßigfei «frage; fobalb fie ÄuOftcbt 
auf £rfo(g bat, muß fie gewagt werben. 3<b wünfebe fein ®nbe bet Ärifte 
ohne eine bentütbigenbe, fcbmacboode Äbbanfung. Da* Äonigtbum 
o. @. @n. bebarf einer beilfamen, furchtbar ernten Züchtigung 1 . — 
SJtit berjtiebem ©ruß 3b* treu ergebener 

Sreitfcbfe 


872] ffa ben ©ater. 

SOleitt lieber ©ater! 


Seipsig, 30. 3uni 63. 


... 3eb habe bi*b«* oon bem Stufe Stieb« gehabt a« eine SDtaffe 
ungewafcbn« Zeitung*gerebe; ich oerbalte mich gegen biefe — auch bie 
unwabrften — Staebricbten grunbfdßlieb febweigfam, weil ieb meine/ 
folebe perfbnliebe Ängelegenbeiten geb&ren niebt oor baO publicum. 
Stur Dir gegenüber wid ieb *in SBort fagen, bamit Du nicht bureb 
biefe ©eriebte an mir irre wirft... Um mich ju entfebeiben muß 
ieb bie Situation ganj überfeben; ieb muff alfo wiffen, ob ieb in 
Sacbfen irgenb eine ÄuOficbt für bie£ufunft habe, unb barübet habe 
ieb an ben SRinifler eine einfache Änfrage gerichtet. Änbrerfei« muß 
ich wiffen/ ob ich in greibutg b'ftorifcbe Sotlefungen holten barf, 
waö auO bem ©riefe b« bab. SRinifterium* nicht ganj flar betoor* 
gebt; beßbatb höbe ich noch einmal an SRangolbt um Äufftärung ge« 
fcbrieben. Di« ijt Äd«, wa* ich getban. Seiber tann ich wieber 
fagen: ©ott bewahre mich oor meinen gteunben. Die Stubenten 
haben eine Äbreffe an ba* SRiniflerium gerichtet/ unb a« ich nach« 
trüglicb baoon erfuhr/ tonnte ich « nicht mehr oerbinbem. 3«b mußte 
freilich bie gute Äbftcbt ehren/ aber ich wußte ja fcbon obnebi«, baß 
bie Stubenten gut oon mir benten. Stufen wirb mir bie Petition 
Stieß«/ «her fcbaben, unb überbi« ijt baburcb bem Jpanbel eine mir 
febr unerwünfcbte ifcffentliebfeit gegeben worben. — Älfo junücbfl gilt 
«z bie Äntwort au* Drrtben unb gretburg abjuwarten. Dann werbe 
ich mich fofort entfebeiben. — 

3cb hielt « für meine Pflicht Dir bi« ju febreiben, weil ich 
weiß/ baß Stiemanb auf ber 2Bdt einen lebhafteren Äntbeil an meinem 
©efchiefe nimmt ... 

Heinrich 

1 SSgl. Jpiflcr. u. tyolit. Äuff. 4,189f. 


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270 


3ufi 1868. 


873] Sn ben Skt«. 

?eipjig 3. 3uli 63. 

totem (über füattr, 

foeben höbe ich ben Ruf nach ftreiburg angenommen, unb ich hoffe. 
Du wirft meinen ©cbritt billigen. SRein JJwuptgrunb ift biefer: 3dj 
bebarf fegt t>or Sttem 3Rufje um mein EkfcbicbtSwert ju fcbreiben, 
bavon bängt meine weitere ^ufunft ab. Diefe wirb mir in Reipjig 
niebt jn tbeil, ba ieb fycc immer neue große Eollegien (efen muß, 
wenn ich fubftfhren will. 3n ^retburg bagegen tefe ieb JebeS ©emefter 
ein Eolleg über tyolitif, Enepelopäbie ber @t*2Biff. :c. unb eine meiner 
bisherigen Sotlefungen. £e$tere maeben mir fafl gar feine, erftere 
nur wenig SRübe; i<b bebolte a(fo 3eit für mein 99u<b. — Daju 
fommt ein ^weites: bie SRuefft^t auf Dich, mein lieber fflater. Es 
wirb Dir jwar, gleieb mir, leib tbun, baß ieb fo »eit non Euch fort» 
gebe, aber ieb weif}, meine Entfernung wirb Dir manchen Jtummer 
erfparen. SReine polttifcbe Richtung ift nun einmal eine anbere als 
bie Deine. DaS fann ieb niebt änbem, aber ieb fann Dir bieS SRifj* 
verbältniß erleiebtem. Du wirft von meinem SiberaliSmuS weniger 
unangenehm, weniger unmittelbar berührt werben, wenn i$ nicht 
mehr jur fücbftfcben JDppofttton, fonbem jur babifeben RegierungS« 
partei gehöre. Dann fallen auch bie münbtieben unb (cbriftlichen 
Zuträgereien über mich hinweg, bie Dieb fo oft geärgert hoben, wenn 
fie auch — unb bieS banfe ich Dir von Jjhrjen — Deine gute 
SReinung von mir nicht beeinträchtigen tonnten. 

Dies meine $auptgrünbe. Roch Einiges tritt binju. 3n Earls* 
ruhe unb greibutg fornrnt mir 911leS — Roggenbacb, SRatbb, SRobl — 
mit einem SBoblwoHen unb Vertrauen entgegen, baS mich ju großem 
Dante oerpfliebtet unb mich ju ben febbnften Erwartungen für meine 
Zufunft in SBaben berechtigt. Die $artewerbültniffe ftnb bort febr 
flar, fo baß ich mich febnetl barein ftnben werbe. Z»*» etwa gleich 
flarfe Parteien ftehen fleh in §. gegenüber, bie ultramontane unb bie 
liberale (RegierungS*) Partei. 9((S 9>roteflant fann ich über bie SBabl 
nicht jweifelbaft fein, baS Zetergefchrei ber Ultramontanen wirb nicht 
auSbleiben, aber mich nicht flöten. SRein SBirfungSfreiS ferner wirb 
hoch nicht fo flein fein als ich bachte. Z»«r ben fatb. Theologen wirb 
ber Erjbifcbof noch bevor ich onfomme ben,93efucb meiner ©orlefungen 
verbieten; aber mir bleiben bie weltlichen ©tubenten unb bas publicum 
ber ©tobt, baS in §. fleißig Eoltegien bürt. — Enblich, wie lange wirb 


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3*li 1863. 


271 


beim bar SÄufentbult in bauern? @ewt£ niebt länger at« 4 Sabre, 
ffienn mein »ueb b**uu«, wirb ftcb ba« 2Beitere finben. — »etläufig, 
Mttu gntfenflein hut mir einen jener »riefe gefebrieben, welche man in 
ber guten ©efettfe^aft nicht $u beantworten pflegt; ich werbe alfo 
auch niept antworten« Dieb bat mir meinen Sntfcbtuf febr erfebwert; 
benn nach biefem »riefe war ich burebau« berechtigt ju fagen: Du 
w&nfcbefl fo febr, baf ich gebe; nun gut, fo bleibe id} erft recht 1 « 
Doch genug baoon; ich glaube ba« nicht oerbient ju buben. — dnU 
febeibenb war für mich ein geftem eingetroffner »rief au« grritmrg, 
ber mir fagt, bag man mich buben will wie teb bin unb bag ich lefen 
barf wo« ich will« Sch buffe auf Deine »illigung, mein lieber 
»ater .«« 

Dein treuer ©obn 

Heinrich 


x lebhafter h«§t et Sag« batauf an Alee, mit bet 9la<bricbt oon ber Shtnahme 
be« fretburger ftufe« („meinem alten tbeurtn 2ehter mug ic« boc« in wenigen 
feilen barübet fHechenfchaft geben 4 '): „Der Miniger bat ba« Seinige getban mit 
ben Weggang ju erfebweren. St fchrieb mit einen fo gemeinen »tief, bag mein 
erger Sebanfe war: Du 2. ♦ ♦ fpttcbg bu fo, bann bleibe ich erg recht. Doch oon 
fo(<ben Aufwallungen fofl man gc« nicht beberrfchen lagen. 4 ' — Saltenflein batte 
anf Sreitfchfe« Anfrage, ob ba« Minigetium in bet 2age fei, ihm „itgenb eine 
Autgcht auf ©ef&rberung unb ©ebalt an bet Unioergtdt 2. }u eröffnen*, am 
80.juni geantwortet, bag et St. „je«t eine bet ©abenfehen Ähnliche Offerte 4 ' nicht 
machen fbnne, unb bann biefet Mitteilung bet „Sachlage* einige oon beutlicher 
3tonie butchiogene ©emerfungen angefügt: „2Bel<hen Sntfchlug Sie fagen wollen, 
habe ich natürlich ganj 3b rem Stmegen anheim ju gellen unb jwar um fo mehr, 
je weniger gern einetfeit« man 2eipjig ju oerlagen pflegt unb je fchweter unb folge 
reichet e« oft anbererfeit« ig — wie ic« febr gut weig — einen ergen SRuf abjus 
lehnen unb je günfHget bÄuftg bet Sinflug ig, ben bie Aenntnignahme oon bildet 
ftemben ©erhÄltnigen 'aulübt. 2Bie aber auch 3b r Sntfchlug aulfallen m&ge, 
immer werbe ich ntich — baoon tonnen Sie überzeugt fein — freuen, wenn ich 
hüte, bag Sie immer tiefet in ben eigentlichen ©eig bet ©reichte einjubtingen 
unb bie unbefangene Andauung ju gewinnen geh bemühen, welche }umat in 
unferet Seit fo n&tbig ig»" Den für bat »erbleiben ihre« bewunberten 2ebtet« 
petitionieren ben Stubenten bagegen, fo fchreibt St. am 9. Slug, an Dr. Sb. ©rock 
bau«, habe bet Mutiger fein ©ebauern aulgebrücft, „bag eine fo aulgeieichnete 
2ebtftaft bttreh bie rafche Annahme be« (Ruf« e« ihm unmöglich gemacht habe, ge 
(Änger in 2. }U halten*, unb zugleich bie Hoffnung aulgefprochen, „man werbe 
ben ©etr. halb nach 2* jutücfntfen. 4 ' 


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272 


3ttn 1863. 


374] 8n JreptÄg 1 . 

Jpochgeehrtet Jgierr, 


geipjig 4. 2fuli 63. 


-©eflem hab’ ich ben 9tuf nach groburg angenommen. 

ÜRangolbt’ö ©rief fam Xag« juoor an, unb ich erfah barau«, baf 
ich in §. tefcn (ann wa« ich will; alfo begatte ich bort mehr ^ctt für 
bie beutfche ©efchtchte at« fytt, unb bieö i(t entfcheibenb. ©ein Ser» 
biltnifj ju meinem 33ater wirb baburch auch ganj Har unb einfach. 
3dj ben(e, @ie werben meinen ßntfchluf billigen. 5Dfir tbut eO leib, 
bafj ich benen eine frobe ©tunbe bereite, bie ich am Siebten jammern 
fehe. Unb noch fehlerer wirb mit« au« bem Äifctng ju fcheiben; er 
lernt fchon in jungen fahren ben Srnfi beö geben« fennen, hoch wirb er 
ficherlich jufammenhalten trog ber Fahnenflucht fo oieler ©ttglieber. 

©enn ich <4 möglich machen (ann, fo folge ich Shrer freunblichen 
©nlabung unb fuche ©ie auf in 3hrem fHlten ©arten 1 . 

©it hochachtungOootlem ©ruf 3hr aufrichtig ergebener 


5£reitfch(e 


875] Än bat ©ater. 

geihjig 8. 3uli 63. 

Sein ©rief, mein lieber 33ater, hat mir in tieffter Seele weh ge= 
than. ©efentlich burch bie Sftüc(ficbt auf Sich habe ich meinen Snt* 
fchluf befhmmen laffen, unb nun fehe ich leibet boch, baf er Sich 
fchmerjt. 3ch ban(e Sir oon #etjen für Seine »iterliche Siebe, nur 
glaube ich, fiebft bieOmat ju fdjwarj. Huf eine fotche Trennung 
mußten wir ja lingfl gefaßt fein, unb auch f»e wirb wahrlich (eine 
auf 9limmerwieberfehen ... ©eine Huöjcchten ftnb febr günfttg; fo: 
eben erfl erhielt ich einen ©tief »on ©taatOrath ©athh, worin er 
mir fagt, baf ich, wenn ich mich bewähre, fchon nach einem 3ahte 
Drbinariuö werben foU; unb er tfl nicht ber ©ann leere ©orte ju 
reben, er hat auch Mt ©acht feine ©orte ju erfüllen . . . 

Saß ich m ©achfen (einen ©oben fänbe, (ann ich burchau« nicht 
jugeben. Sie ©tubenten ftnben e« nicht, wie noch ihre Hbreffe beweift, 
meine (Sollegen — alfo jene ©inner, bie meine Ühitigfeit genauer unb 

1 ©ri«f« an grtptag bat (eben b«tau*fl<geb«n SUfteb $ow: Jreptag 

unb Jp. v. Smtfcbf* int ©riefn>«<bW.“ Sripjig, ®. ^itjel 1900. $tx bat voa 
(tegtnben, gcWrjten Olaibnnt ftnb auch bi« Jpanbföriften auf« ntu« vag(i<b«u. 
a 3« ®i*bt*b«n. 


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3uli 1868. 


273 


(ernten unb auch mehr Urthetl barüher Robert alö ber SRintfler — 
ftnben eö auch nicht. Die gacultit bat mit bereit# ben 23rief be# 
SRinifter# abgeforbert unb rnitb ftch förmlich bagegen »ernähren. 
Da# (ann an meinem Schicffalc (Rieht# mehr dnbern, aber e# ijl mir 
lieb, wenn conflatirt wirb, baß bie Unioerfitdt empftnbet, fte höbe 
burch meinen ffieggang einen (Betlujl erlitten. 

Doch über 2llle# bie# unb noch viele# SHnbete will ich lieber müttte 
lieh mit Dir fprechen, mein liebet (Batet ... Sch t»etb’ e# möglich 
machen, mich auf anbertbatb Stage »on meinen Slrbeiten lo#juretßen, 
unb ben(e Such am «Sonntag ju befuchen ... 

Dein treuer Sohn 

Heinrich 

S# hat mich oft gefchmerjt $u benfen, baß (eine# Deine» Äinber 
Dir fchon fo »iel Sorge gemacht hat al# ich. 3f<h trage felber manche 
Schulb baran, boch nicht ade: e# finb eben nicht Sebent bie 2Bege 
be# geben# ganj einfach unb unoermirrt »orgejeichnet 


876] 8n Otubolf ha»m. 

hochgeehrter Jgierr, 


gethjig, 17. 3uli 63. 


niemal# habe ich gefürchtet, baß ich je fo ju Shnen reben müßte 
wie ich e# heute ju meinem tiefften Schmerje tbun muß 1 . 

* üuf biefen ©rief/ gefchrieben an bemfelben £age, an bem bie ®ren$boten itreitfehfe# 
heftigen Angriff auf Jpapm# ftrtifel im 3uniheft ber «Preufi. 3a^rbb. *$ie ©et 
orbnung vom 1. Juni unb bie treffe* brauten (je$t auch Jptfiot u. ipolit. ftufs 
füpe 4,126ff.)/ antwortete Jpapm am 18., noch bevor er bie stummer ber ©renjs 
boten erhalten gattet *3$ neunte bte# ©latt Rapier vor mich, mein bochoerehrter 
$txt unb (angj&briger treuer Jreunb unb Reifer, um Aber bie bittern Spänen 
hinwegjufommen, bie mir 3h r ®«ef, fo oft ich ihn nun f$on gelefen habe, ent 
locft". üuf feiner iSnftc^t „bafj ber Aampf gegen bie jefcigen Regierer, trofc adern 
ununterbrochen fortgefü^rt »erben muH* bleibt er boch befleißen, „unb bie §um ©ehufe 
ber 9H6g(ichfeit be# Kampfe# gemachte Annahme, bafj fchliefjlich auch unfern 
©tiniftern um ben Staat ju thun ifl* 1)&U er einfhoeilen nicht für irrig, würbe 
fte aber al# Jiction überhaupt fo lange feftyalten „bi# ich tni<h — unb |U>ar nicht 
theoretifch, mit dBorten, fonbem burch bie £hat — ftuf ben ©oben ber dies 
oolution fledte," @onf* fbnnte ihn aderbing# ein Urteil wie itreitfehfe#, wenn 
irgenb ein#, an ber Wichtigfeit feiner J^anblungen irre machen; „benn au# 3h R en 
fpricht ein ohdig reiner, burch fein 3utereffe unb burch feine Weflejcion#fophifHf gt 
trübter @inn; ich h ft *te 6ie rein wie ©olb, ©ott weifj e#.* öffentlich, unb h*er 
fchürfer, antwortete Jpapm im 3ulih«ft feiner 3oh*&ü$tt’ 

n. 18 


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274 


3oK 1868. 


2Rit greube unb b<*}lwb«« ^ujlimmung la« ich 3bren fcbriftUcben 
unb 3b*«R gebrucften SSrief 1 , ich billigte ben wacfeten Sntfcblufj, auch 
je|t noch auf bem Sofien ju bleiben, ich batte non 3bnen nicht« 
Slnbere« erwartet. Slber a(6 mir 3b« Sfunibeft jeigte, wie Sie biefen 
(Sntfcbluf verfleben, ba erfannte icb fofort, bafj eine 9Reinung«vet* 
fcbiebenbeit jrotfc^en un« befiebt, weit, weit grüfjer a(6 icb j«*nal« 
glaubte, unb bafj icb nicht mehr mit ben 3abrbücb«m geben lann. 
2Rein erfler ©ebanfe war: barauf mufj erwibert werben, unb Du 
felber mufjt bie Srwiberung fcbreiben, bamit alle 9täberflebenben fo* 
fort wiffen, eO bnnble ficb b»«* nicht um eine perfänlicbe ©ebäffigleit, 
fonbem um einen loyalen Streit politifcber greunbe, bie je|t einfeben, 
bafj ihre 2Bege nicht mehr jufammenfatlen. Sch traute meiner erfhn, 
fehr flarfen, Smpfinbung nicht völlig, ich wollte einen fo fchmerjlichen 
Schritt nicht leichtfinnig wagen, ich 1*$ barum mehrere Stage ver* 
^reichen unb befpracb mich ntit SBufch unb anberen ^arteigenoffen, 
boch Sille waren barin einig, bafj ein lauter äßiberfprucb geboten fei. 
Um leinen freies wollten wir ben Schein auf un« nehmen, al6 ob 
wir Sbw, nach meiner Ueberjeugung, viel ju mitbe ^Beurteilung be« 
gegenwärtigen Spfleme« unterfchrieben,al6 ob wir ein Vertrauen tbeilten, 
wovon «RichW in unfrem J^etjen lebt. Unb nicht bureb Schweigen, 
nicht burch «inen ^Drioatbrief lonnte ich meine abweichenbe üReinung 
betätigen. Sie felbfl verlangten ja eine SBefprecbung ShreO 3uni* 
beft« in ben ©renjboten, unb ich bi«l« «« für meine Pflicht }u com 
flatiren, bafj ich «in Urteil nicht billige, welche« nicht mehr bto« 
Uiebenumflänbe, fonbem ben Sem ber Sage be« preufjifchen Staat« 
felber berührt. Stuf bie grage: wer regiert beute in ^reufjen? finbe 
ich bei laltem JBlute nur bie eine Antwort: auf Seiten ber SRinifler 
eine grivolitüt, ber ein gefchworener Sib fo leicht wiegt wie eine geber; 
auf Seiten be« Äonig« eine 93erblenbung, welche frechen Sopbiflen 
erlaubt Schwär} für 2Beifj unb Schon für Jj>äfjlich au«}ugeben, mit 
einem 8Borte, eine 93erblcnbung, bie verflänbigen SRännem nicht mehr 
al« }urechnung«fäbig erfebeinen lann. <£« ifl entfeglich, bafj ber Staat, 
an bem meine Siebe bängt wie bie 3b«i0«/ in einer folgen Sage ficb 
befinbet, aber ich bin über}eugt, e« ifl fo. Unb wäre felbfl bie« Urs 
tbeil }u hurt, fo meine ich boch: naebbem bie IBerfaffung gebrochen 
ifl, bürfen bie 5Berfaffung«treuen nicht reben von woblmeinenben Stb« 


1 an btt SWitorbtUft btt ^mi§. 3abtbb. 


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3«R 1868. 


275 


fisten bet 3«tftöt«r beb Sanbebrecbtb, fie b&rfen iWicbtb fugen, wab 
bi« geregte, leibet nur alljumatte, €ntrfifhing be6 &mbeb fcbwdcben 
fbnnte. 

©ieb meine ftnficbt. Sie mag irrig fein, aber Sie felbfl, hoch* 
geehrter Jj?err, werben mir jugeben, ba§ ich, mit biefer ©enfwetfe, 
nicht auf bem je$t von 3bnen eingefölagenen ©ege 3bttrn folgen 
fann. 93ie(leicbt bitte icb fcbon früher einfeben (innen unb foUen, 
wie weit unfre Meinungen aubeinanbergingen, bocb ich geflebe, ba§ 
erff ba8 Sunibeft mir biefe traurige ßinficbt »erftbafft bot. 

3<b fuge 3bnen ©an! für bie greunbfcbaft unb @üte, bie Sie 
mir in ben fecbb 3abren unfreb 3ttfummenwir(en6 fo vielfach be* 
wiefen. Unb obfcbon eb febwierig ift in biefen Sagen ber Umbilbung 
ber Parteien unfre eigene 9>arteiflellung in ber ^ufunft voraubjufagen, 
fo gebe icb bocb nicht bie Hoffnung auf, ba§ wir einfl wieber auf 
bemfelben ©ege geben werben, gut je$t (ann icb ba6 nicht. 

©it unverdnberter Hochachtung unb Serebrung 

3bt ergebender 

©reitfcbfe 


877] Vn Wubolf J^apnu 

Seipjig 19. 3uli 63. 

4>0Cbgetbrter Jperr, 

3bt 85rief ifl ganj fo ebel unb würbig wie ich eb non 3bnen er* 
wartet bnbe. ©afj Sie in bem ©»genblicfe, ba ich @ie febwer ge* 
frdnft, noch fo woblwollenb unb acbtungbvotl von mir reben, ba6 
werbe ich 3b«en nie »ergeffen, ich rechne bab ju bem Cfbrenvotlflen, 
wab mir je wiberfabren ift. Unb brüte grabe war eb mir febmetj* 
lieh, non 3brerHanb folcbe ©orte ju lefen; benn noch nor 8 Sagen 
batte ich bte Slbficbt, brüte $u 3bnrn binöberjufabren um Slbfcbieb 
ju nehmen unb ein freunbfcbaftlicbrb ©ort $u boten über bie febr 
febwierigen fBttbdltniffe, benen ich in greiburg entgegengebe, ©ab ifl 
nun ©leb unmöglich unb burch mich unmöglich, unb bocb, ich mag 
bie Sache wenben wie ich will, bleibt mir bab ruhige fiebere Sefübl, 
baf ich nicht anberb bonbeln burfte, wie 3b«rn 3br S3ewuftfein bab 
Sleicbe flogt. 3cb gäbe ber Himmel weif wab barum, wenn Sie 
vor bem Sunibefte mit mir Sftücffptacbe genommen bitten, flott von 
vornherein auf meine ^ufümmung ju jdblen. ©ein Sftatb wäre bann 

18* 


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276 


3uli 1863. 


bahin gegangen, junächfl im Sunihefte Sitte#, fchlechtbin Sitte# heraußs 
jufagen, wa# je$t baß Jperj eine# liberalen bebrücft; bie ©erwantung 
wäre nicht außgeblieben, aber bie ^teforbonnanj ifl nach meinem 
©efühle eine# oon jenen Sreigniffen, worüber man Sitte# ober Glicht# 
fagen muß. Da Sie fo befHmmt auf meine Uebereinfümmung rechneten, 
fo erwartete ich mit Sicherheit, Sie würben wirtlich biefeö ©ege# 
gehen unb erfl wenn bie ©eroalt an Shoen oottfhecft wäre eine anbrc 
Stellung ju gewinnen oerfuchen. Da# Suniheft hat mir nun leiber 
gejeigt, baß 3h« Slnfichten oon ben meinigen unb oon benen aller 
meiner hefigen politifchen greunbe erheblich abweichen; unter biefen 
waren Sitte einig, baß wir barauf nicht fchweigen fonnten, nur ber 
Sine ©uflao Jjarfort, ber Slttetconfetoatiofie oon un#, buchte Slnfang# 
anber#, er hotte 3h«n Slrtifel oom Slnfang bi# jum Snbe für 3ronie 
gehalten! Da# war nun leiber ein 3rrthum, unb e# blieb 9Hchtß 
übrig al# laut }u wtberfprechen, unb grabe in ben ©renjboten ju 
wiberfprechen. Die grünen ©lätter ftnb fchon feit langem in einer 
fchiefen Stellung: fie flehen gegenwärtig, wie Shnen jeber Slrtifel oon 
greptag jeigen wirb, oiel weiter (inf# al# bie Slltliberalen, unb boch 
werben fie noch oon ben ©leifien für altliberal gehalten wegen ber 
früheren ©erbinbung mit 3ul. Schmibt, ber neulich hier war unb 
fich, fo hetjlicb wit ihm entgegenfamen, boch ßcherlich baoon übers 
jeugt hat, baß feine alten ©enoffen feiner heutigen Dichtung nicht 
folgen. 9lun war 3bt Suniheft grabeju ein Slufruf garbe ju be* 
fennen; ba# äpeft wirb, wie ich fürchte, nicht ohne golgen bleiben, 
bie preußifchen ©lätter (bie bummen natürlich ooran, aber leiber auch 
bie guten) werben 3hnen bie# JJeft nie oerjeihen. So warb ben 
©renjboten bie ©elegenheit, ihre ©arteiflettung ganj flar außjufprechen, 
nicht nur bargeboten, fonbern aufgebrängt. Darum hat mich ©ufch 
leibenfchaftlich gebeten, ben Sntfchluß außjuführen, ber ohnebie# bet 
mir feflflanb. ©ir tarnen eben Söetbe mit Sinem ©late ju ber Sin* 
ficht, baß unfre Stellung $u Shter SRichtung eine fo nahe nicht ifl 
wie wir bißher bachten. 

Sie werben, hochgeehrter #err, in btefem abermaligen ©riefe oon 
mir nicht eine ^ubringlichfeit fehen, fonbern ein ^eugniß beffen, wie 
fehr fchwer mir ber nothwenbige Schritt würbe. 3n biefen Zagen 
am Sltterwenigßen war ich m ber Stimmung, mich oon einem lang* 
bewährten hochoerehrten greunbe leichtftnnig abjufcheiben. ©lein ©egs 
gang nach greiburg, ber boch einer Slußfloßung fehr ähnlich ftebt, hat 


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3uli 1868. 


277 


fr 


meinen 93ater ferner gefrdnft; erft biefer Sage n>at ich bei ihm, um 
müh mit ihm ju oerftinbigen. Sn fotc^er Sage b&t bet SRenfch gern 
9llleg wag tbm lieb ift gewaltfam feft, unb ©ie fbnnen baran er« 
lernten, baf icb nicht oorfcbnell gebanbelt bube. Sehen ©ie wohl unb 
nehmen ©ie meine beften @ru§e unb 2Bünfche. 

* 3br 

Sreitfcble 

878J 8n bnt aSflttr. 

Setpjig 24. Suli 63. 

SWein lieber ©ater, 

eine fpite Slbenbfhtnbe muf ich mir fieblen, um Sit ber}licb ju 
banfen für ben febenen Sag auf ber geftung, ben Sb* mir bereitet 
hobt 9tach 311lern, wag ich feitbem erfahren, wirb mir bie Ueber« 
jeugung immer flarer, baf ich SRec^t getban habe, alg ich ben Stuf 
nach greiburg annabm ... Safj wir fo weit augeinanbet fomnten 
ift freilich traurig, aber eg giebt beute feine Entfernungen mehr, unb, 
wie mir eben mein alter greunb unb (Sonnet SRathb fchreibt, bie 
Sanbe ber greunbfehaft bebnen ftch wohl, aber fte reifen nicht: 
b — um wie viel mehr gilt bag non ben Sanben be6 Slutg. — Einen 

©chtitt, ber meiner äuferen UBoblfahrt ju ®ute fommen foH, höbe 
ich bereitg getban. Sch habe mich entfchloffen, bie 8luffä$e, bie au6 
meiner gebet ba unb bort jerftreut flehen, ju flehten, bie befferen 
weiter augjuf&bren, jwei neue binjujufügen unb bag @anje alg Such 
beraugjugeben. ©egen fWeujabr fall bie ^anbfehrift fertig unb halb 
barauf gebrueft fein; fyc JJitjel bat fefton ben 93erlag jugefagt. Eg 
ift mir ein SBeb&tfnifj, mit biefen Slrbeiten abjufchliefen, unb ich 
hoffe, fte werben ihr publicum ftnben. Sie beutfehe ©efchichte fann, 
wenn fte gut werben foö, beim beften SBiden nicht fo fchnell oorn 
Stapel laufen, unb ich w&nfche hoch febr, mir in Saben rafch burch 
eine literarifche Seiftung einen feften $>la$ ju erobern. Sag wirb 
noch f<hn*re 3lrbeit in ben ndcbften SJtonaten foften. Sie erften 
oierjebn Sage freilich, bie noch »or mtr liegen, werben noch über 
anberen ©elften oergehen. Sn 8 Sagen fchliefe ich mein Eolleg 
k in ber ©tabt, wag oiet ju tbun giebt, unb bann ftebt mir noch ein 

gacfeljug beoor. 93ergeb(ich habe ich turch meinen gamulug mich 
bagegen oerwahrt; bie ©tubenten laffen. ftch ib* alteg Utecht nicht 


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278 


3»(i 1668. 


nehmen/ ftc betreiben btt Sache hrtntlich, unb ich ton« nicht* ba* 
gegen tfiun, fo fegt mir auch eine foldje öffentliche Jpulbigung wibet* 
fhebt. ©achher fommt noch We gefhrebe; morgen will ich ft« fegteiben/ 
aber bie ©öfter wiffen, wie meine arme Stimme not biefer ÜRenfchen« 
maffe belieben foll. Da* gefl wirb wirtlich großartig, bie Stabt 
bietet ihre beflen Kräfte auf/ unb ich freue mich/ jum erften 9Rale 
in meinem geben einen folgen SRaffenjubel ju fehen. S* ifl boch 
gut/ bafj un* Deutfcgen atlmAlig ein ©erflAnbntfi aufgeht für bie 
geflfreube freier ©ölfer. SRancge ©grafe, manche Xurnerplumpgeit 
wirb freilich mit unterlaufen; boch mit fegwaegen ©erven lebt man 
nicht in biefer berben $eit ... Such mit einigen inbuftrietlen Unter« 
nehmungen/ bie mich wiber ©iöen unfierblich machen wollen/ gäbe ich 
)u fdmpfen. Die ©artenlaube wollte mich in ihren Spalten verewigen. 
Sch höbe in einem energifchen ©riefe an ben ©erleget bagegen proteflirt, 
unb ich hoff«/ bet ©rief wirb wirten. SBibrigenfall* wäre ich möglicher« 
weife gejwungen, mich öffentlich gegen bie £ubringlicgfeit meiner un« 
bequemen ©erebrer $u verwahren 1 . Dagegen tonnte ich «* ber ijunrich*« 
fehen ©ucghanblung nicht abfchlagen/ mich noch einmal photographiren 
ju taffen. Die alte ©latte ifl b<tlb verborben, unb bie ©ucghanblung 
will eine billige Su*gabe von mir veranflalten. £> ©apa, auf 5 ngr. 
ifl Dein Sohn bereit* im ©reife gefunten! Sin Sremplar biefer ©olt*« 
au*gabe fehiefe ich anbei meinem lieben S)t pp. — Stwa* fehr Schwere* 
unb traurige* habe ich in ben legten Sagen burchgemacht: ich habe 
mich tn einem unterjei ebneten Srtitel in ben ©renjboten von ben 
©reufj. Sagrbücgern lo*gefogt... ©och Einige* über meine greiburger 
©erhältniffe. Die ultramontanen ©Idtter, fchreibt man mir von ba/ 
fegimpfen fchon im ©orau* fchrecflich über mich; bi« #an*würfle flöten 
müh natürlich nicht. Srnflgafter ifl/ bafj ich nicht grabe billig bort 

leben werbe-*. Soganna wirb Such «tun verlaffen haben ... 

Jgepp aber fotl mein — wie meine Sitelfeit finbet — fehr Ältliche* 
unb bumnuglogige* Sonterfei gnöbig aufnehmen/ unb Sh« Seibe 
feib h«rjtich gegrüfit von 

Deinem treuen Sohne 

Heinrich 

t Sin SfrtifcC Ober Zteitfcgfe nnttr bem Zitel »Sin ÄAmpe fftt Deutfeglönbt Süc 
beit", mit ©itbnii, erfegien 1866 in ber ©artenlaube 91#. 86, auch er noch begitwenb 
mit ein« treffenben SBörbigung »ber ftg&nen ftotjen (Rebe jnr Srinnerung an bi« 
ffiMferf<b(a<bt.* > Zreitfcbfe bittet um »eitere 400 r( »on feinem ©etmbgentanteit. 


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3*ß 1863. 


270 


379] ®n Salomen Jptrjtl. 

?eipjig 25. 3uli 68. 

$o<hgtrbrttr 4>err, 

ich bin jeßt »on Arbeit aller 9lrt arg geplagt unb fomrne erfl fceute 
baju, S^nen, wie ich »erfprocben, 9ld^ere6 über baß Such mitjutbeilen. 
3ch benfe bie Sammlung mit ben brei 8luffägen ju eröffnen: ba6 
beutfche Drbenßlanb Preußen, SRilton, Sefftng. Dann foßen folgen 
Stubien jur Sefch« Deutfchlanbß im 19. 3abrbbt: Äteifl— gierte, 
Ublanb — Spron’ß Einfluß auf bie Literatur beß geftlanbß, ,#anß 
Sägern — SBangenbeim, Dahlmann — *0t. Slum, *baß beutfche Se* 
amtentfcum im 19. 3abrbbt Der SRealißmuß in ber Dichtung, inßbef. 
£>tto £ubwig. Jum Schluß: über bie greibeit. 

Die mit * bejeiebneten Sluffäfje follen erfl noch getrieben, afle 
anberen (namentlich Äleiff, Dahlmann/ £ubwig) grunblich umgearbeitet 
unb in Sejiebung ju einanber gebracht werben ... 2Benn ich t&chtig - 
beije, fann bie #anbf<hrift biß jum Sanuar fertig fein. 3Rit iß eß. 
ein Sebürfniß, mit biefen (leinen Arbeiten/ bie ich nicht mehr fort« 
fe$en werbe/ abjufcbließen. SKuch wfinfehe ich f«b*/ 3bnen ein Such 
ju überlaffen, baß boch »ießeicht fein publicum fin bet. fWit ber 
„beutfehen. Seßhichte* gebt eß beim beßen ßBtßen nicht fo fchneß. — 
Natürlich müffen bie 2luff<J§e in eine gleichmütige §orm gebracht, 
ber Sbnrafter beß Sortragß ober ber (ritifchen Sefprechung, ber einigen 
anbaftet, ihnen genommen werben. 3<b fchtege baß Sanje auf etwa 
400 große Seiten (minbeßenß) an. 

Daß iß mein 9>(an, geebrteßer JJerr. Sß foß mich freuen, wenn 
enblich einmal eine Schrift »on mir 3bnen einigen Sortßeil brächte, 
nachbem Sie fchon beren jwei, mit ber größten Uneigen nü|ig(eit unb 
ohne Slücf, verlegt buben ... Die Umarbeitung wirb eine jiemßch 
rabtfale werben, benn ich bube in ben 4 1 / 2 3abten, feit ber erße Stuf* 
faß erfchien, erff aßmülig beutfeh fchreiben gelernt 
SOOit ben beßen ®rußen 


3b* aufrichtig ergebener 

- Dreitfch(e 


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280 


3uli 1863. 


380] Sn Solomon Jpirjel. 

geipjtg 27. 3uli 63. 

93t«*brteßer 4>err, 

... Die Arbeit, welche mit bo6 »ucb murfaeben wirb, iß bocb 
nic^t fo groß ale «6 beti Stnfdftein fort 1 . Sie beiben neuen 2luffä$e 
nämlich, bie ben größten ^«toerlufl bewirten, werben mir oßnebie* 
faft mit ©ewalt oufgebrungen. Ueber bai moberne »eamtentbum 
will ich in greiburg in meiner 2lntritt6oorlefung fprecben, unb Stöbert 
®tum6 geben wirb mich jefct längere Seit befcbäfttgen, ba mir fein 
©ob« bie »enugung feiner »ueber unb einiger Jpanbfcbriften ange* 
boten fort, bie i<b unmöglich oon ber J^anb weifen fann*. 2Ba$ 
enblicb bie Umarbeitung ber übrigen 2fuffd$e anlangt, fo follen bie 
3 etßen nur mäßige $nberungen erleiben; bie übrigen aber ftnb fammt 
unb fonbert Vorarbeiten ju ber beutfeben ©efebiebte, unb bie 9lrbeit, 
bie icb ihnen juwenbe, fommt auch bem fpäteren »uebe ju gute. 
SDtir iß ei nämlich oöüig flar geworben, baß eine ©efebiebte be* 
mobernen £eutfcblanb3, will ße nicht ganj troefen unb geißloö bleiben, 
in erffer ginie eine ©efebiebte ber öffentlichen SReinung fein muß. 
@o angefeben wirb bie Darfledung biefer ©efebiebte alletbing* febr 
febwierig; aber auch nur fo fommt geben unb ^ufammenfomg in bie 
Dürftigfeit ber fleinßaatlicben JJänbet. — ÜRir liegt Viel an ber 3lu8* 
fübrung bei $lane8, nicht btoä weil ich mich in greiburg gern mit 
einem »uebe einfübren unb meine »ereebtigung ju foßorifeben Vor* 
lefungen, bie fo oft bejweifelt worben, beweifen will, fonbem oor* 
nebmlicb, weil ei mir ein »ebürfniß iß, mit biefen Arbeiten abju* 

i $irjel fyat £reitfchfe# neue# ©erlag#anerbieten banfbar acceptiert, ltnb hält 
auch mit ben ©ebingungen, bie £r. ihm (teilen »erbe „gewifs im norau# einners 
ftanben.* €r jetgt überhaupt, »ie ha<h er biefen Slutor fchon bamal# fchdfcte: 
*©ei biefer Gelegenheit fpreche ich ben SBunfch au#, baf ©ie meiner $irma treu 
bleiben unb niemals ©eranlaffung höben mügen, fich nach einem anbem ©erleget 
umjufehn." $ber er flehtet ba# J^inbernU für bie ungef&umte Jortfefcung ber 
©unbdgefchichte, fdhe lieber junor btefe beenbet. 2 Robert ©(um# ©ohn Jpan# 
»ar in Seipjig einer ber begeifiertfien Jpbrer Slreitfchfe#. Die non ben ©tubenten, 
a(# toreitfehfe# (Huf nach fjreiburg befannt würbe, burch ben ©enat an ba# 9Hini= 
fterium gelangte Petition um Erhaltung ihre# Sehrer# für Seipjig »ar non ihm 
entworfen, unb auch nachher blieb er itreitfehfe bauernb in treuer ttnhänglichfeit 
nerbunbeiu Da# Sehen feine# ©ater# fchrieb er fpdter felbft. foeitfehte führte 
biefe Arbeit nicht au#, obwohl er fie fofort angriff unb fchon am 3. ©ept auf bem 
äbnigfiein, »ie er jDnerbect in feinem %bfchieb#brief mitteilt, einen ganzen Jahrs 
gang ©dchf. ©aterlanb#b(dtter grjerpierte* SBenigfien# ber Deutfchen Gefehlte 
(6,343) ifi bie ©tühe noch jugute gefommen» ©gl« o, ©b« 1, ®. 32. 


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Sfafluft 1863. 


281 


r 


fcßlitßen unb enbgiltig unb für immer von bem Sffat) ätbfe^ieb ju 
nehmen. 3$ frfjlage 3^nen atfo vor, baß ich 3fmen baO Such, fo* 
halb ba« ©anje brucffertig ifl, fchicfe. Dann mögen ©ie, je nac^bem 
baO 8Berf gerätsen, 3hre »ebingungen ftellen, bie icf> gern annehmen 
»erbe. Ste bahin »irb fich wohl auch ber geregte 3om ber $reuß. 
b 3ahrbücher, ben ich leibet nicht abmenben burfte, ein »enig legen/ 

unb eine Serßdnbigung mit Jjtn Reimer leichter fein. 3ch höbe baO 
©efühl, baß ich/ finb biefe Dinge ahgethan, an bie beutfche ©efchichte 
mit erhbhtrr Suft unb mit vermehrter ©achfenntniß httangehen werbe. 

3hr aufrichtig ergebener 

Dreitfchle 

381] «n ben $Batet. 

Seipjig 8. Slug. 63. 

9lach fo vielen bewegten Dagen enblich eine holbwegO ruhige ©tunbe/ 
unb ich eile fte Dir ju wt'bmen, mein lieber Sätet. Daö gef! war über 
alle Sefcßreihung fchon; wir liberalen erlebten bie ©enugthuung/ baß 
ftch aümdlig alle Parteien an ben Sorbereitungen betheiligten unb je§t 
Stemanb ein anbereO 5Bort übet bie Seiet rebet alO Dan! unb greube 1 . 
SO war mir eine große Ueberrafchung ju fehen, baß bie Durnerei in 
1 ber Dhat gewaltige gortfehritte gemacht unb baO lächerlich renom* 

mifhfehe 2Befen beO alten 3ahn grünblich überwunben hat. Unb Seipjig 
that SllleO um mir ben Slbfcßieb fchwer ju machen/ um mir julegt 
noch ju jeigen/ wie viel tüchtige Äraft unb htrjliche ©utmüthigfeit 
in biefen SRauern lebt DaO ©chbnfte aber war bie gewaltige bemo* 
fratifche 3u*ht in biefen SRaffen: nicht ein einjiger SRenfch ijl »egen 
9luhefl6rung verhaftet worben. 3ch woge nicht ju berechnen, wohin 
biefe große bemofratifche ©tromung unferer ^eit noch fluthen wirb; 
nur baO weiß ich: ich freue mich »R biefer ^eit ju leben unb ich 
benfe mit grauen paaren noch ein ganj anbereO Deutfchlanb ju fehen 
a(0 baö heutige. Sluch baO iff fchön, wie bie verfchiebenen ©tdnbe 

1 €ine aulfä^dic^e ©chilberung bei gefiel mit märmfler Starbigung bet (Hebe 
£reitf$fel gab St $Buf$ in ben ©renjboten (9ir. 32 u. 33)« SHe bie Stimmung 
von ©chtobtenben fei el über bie »eite Serfamtnlung gefommen, ad bet Sebner mit 
benfelben Starten, mit benen et begonnen: „Deutfche, geliebte 2anblleute!" auch 
* ben Sbfchlufj bet Webe einleitete unb julefct aulrief: ,3fa »eff ©tarnmel, 

»eff* @aue$ 3h T feib, flimmet ein in ben (Ruf: €l lebe Deutfchlanb!" Unmittek 
bat vorher hatten bie ©dngerchbre bie Stacht am (Rhein unb Älrnetl ©ch»ettlieb 
vorgetragetu 


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ftch frieblich unb ftreunbfdfjaftttc^ jufammenftnben; ble nämlich 

würben fchwer enttäufcht, welche meinten, bie Xunterfchaft befiele 
nur au« ben nieberen Stoffen. ©a« M & ». €tau«haar fchmerj* 
lidj) erfahren, bet, wütbenb übet bat bemofratifche ?eff, na<b langem 
Sträuben fein fchlecptefie« Äämmerchen für feine ©nquartierung ein« 
richten lief unb enblich — jwei ©rafen al« ©äffe erhielt. — 3<h 
weif fehr wohl §efl unb ©efchäft, 2Bort unb Xhat ju unterfcheiben, 
ich übetfchä$e nicht ben 2Berth be« gemütlichen SRaufcpe«; aber ein 
Reichen, ein gute« Reichen ber von ©runb au« verwanbelten ^eit* 
fümmung war bie« gefi. — 9Rit meiner SRebe h«b’ «h unverfchämte« 
©lief gehabt €« war nicht (eicht, ehrlich ju fein unb boch deinen 
ju oerlegen, von ben glitten ber Parteien nicht ju reben unb boch 
feine ^>hrofen ju machen. €« war boch möglich, unb am SSeiften 
hat mich ber ©eifall polittfcher ©egner, namentlich ber l&fferreicher, 
gefreut Der heftige 2Binb, ber mir grabe in« ©ejtcht blie« auf ber 
fehr hohen Xribäne, hat boch Glicht« gefchabet. (Such bie gemflehenbcn 
haben jebe« ÜBort verftanben, nur $r SButtfe natürlich nicht. SBknn 
Du ben 2Buthau«bruch biefe« SKenfchen gelefen hoff/ fo hoff ©u bie 
einzige Stimme gehört, bie fleh gegen mich erflärte. Solcher SRaffen* 
beifall hot im erffen Slugenblicfe etwa« SBeraufchenbe«, aber er macht 
mich nicht eiteL Sch weif ju gut, wie wohlfeil folche Sorbeeren er* 
rungen werben, wie rafch fie weifen, ©iefet Srfotg hat mich nur 
beflärft in bem fntfchluffe, burch Schriften bauerbafter unb unjwei* 
heutiger ju wirfen; fchon auf bem Äönigfeine werbe ich an bie Arbeit 
gehen. — Sehr fchwet würbe mir ber SKbfchieb von meinem üatheber. 
©er gacfeljug war mir, wiber Srwarten, eine grofe gteube, nicht 
weil er bet längfle war, ber feit vielen Sohren einem $rofeffot ge* 
bracht worben, fonbern weil ber Sprecher ber Stubenten ein #r. v. Stern 
au« Shemnif, fehr gut unb herjlich fprach. JJofrath Sllbred^t, ber 
mit auf meinem ^immer war, banfte ihm noch befonber«. ©ann 
verging bie halbe 9lacht über einer Kneiperei mit meinen Sollegen. 
Selbfi bie alten JJofräthe hielten bi« (Mitternacht bei meinem Sham* 
pagner au«. (Beiläufig, habe ich ju ben Stubenten natürlich nur 
von afabemifchen ©ingen gefprochen, unb wenn mich ©ein „Slblet* 
ju ben Stubenten über ba« Xumfeft reben lief, fo war ju einer 

folgen 2üge wieber nur Jj>t SButtfe fähig- 

Sch fehne mich recht nach ®tille; benn feinem (Menfchen ift e« 
läfttget al« mir, von aller SBelt befprochen unb in effigie getauft ju 


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Vttgvft 1868. 


283 


werben ... 2lm ©cbwergen wirb mir bocb bet übföiefc von meinen 
gteunben auO bem grebtogfcben Greife; weit leistet bet von einigen 
Damen/ bie mich neulich bei bem genüge mit ©(unten überfcbütteten. 
D, wer baV früher gewuft bitte. 

Dein treuer ©obn 

J^einricb 


888] Vn grau iouif« fttomti. 

Äüntggein 20. %ug. 63. 

0nAbige 

... @ie häufen freilich allju viel 2ob auf meine Siebe (unb natür* 
lieb bin ich eö getvefen/ ber ge 3b««n ouO Eetpjtg febiefte) K Dennoch 
mufj icb 3bnen, ohne alle falfcbe Jpoflicbfeit, gegeben/ baf mir 3bt 
©eifall baO ?iebge gewefen ig von ältlem, waO mir über bie Siebe 
gefagt worben ig. ©or einer grojjen, auO allen Parteien gemifebten, 
©olftverfammlung mußte icb jebe reine ©arteifrage übergeben unb 
von ben politifcben Dingen nur baO SRenfcblicb«/ nur baO ©ittliebe 
berühren/ waö 3eber vergeben unb mitempgnben fann. Db mir 
bieo gelungen fei/ barüber gnb eble grauen bie begen Stifter. Defj* 
halb war eO mir eine große greube, @ie von bem Sinbrucf erjäblen 
)u büw»»/ ben meine ©Sorte in 3b<*m #aufe b«w>rgerufen. ©eit 
meine ©lütter tobt ig/ b<>&* i<b Sliemanben/ ber mir ein folcbeO Ur* 
tbeil fagt ©ie ganb ber ©olitif vielleicht noch ferner alo @ie, 
gnübige grau; aber wenn ihr ein politifcber 9luffa§ von mir gegel/ 
bann wußte ich geber, baf er mir gelungen fei. ©lein begeh ©et« 
bieng an ber ©acbe ig übrigen* biefrt, baß ich/ wie bie ©lebrjabl 
ber heutigen ©linner, erfüllt bin von politifeber Seibenfcbaft; unb 
unter Zaufenben muß geh boeb €iner gaben, ber lebenbig berauöfagt 
waO SUffe fühlen. 

i 3n ba# Jpau# »on Jrau Ä#i>etu#, geb. au# 9ieu<batel, fffiime eine# 
«Profeffor# ber (Hechte unb Dberappeflatiertfgericbtirat#, fyattt ihr 6o$n Jpermann 
feinen Unh>erfit&t#genoffen Dreitfcbfe geführt unb fo auch ©cbettfe unb befonber# 
granfciu# feinet Wutter befannt gemacht 2Bie bie (Hebe auf bie geiziger ©<b(a<bt 
febiefte £reitf<bfe biefet (iterarifcb utnfaffenb gebilbeten ©cbmeijerin auch feine tlufs 
f&be unb erfreute fi(b ibte# entbuftafhfeben ©eifaHS. Die non ibr noch erhaltenen 
©riefe an ihn (affen bie geifHge 9(nmut ahnen, bie ihrem perf&nUcben Umgang 
bi# in ein b*b* ttiter eigen blieb» $U# Dreitfcbfe fte fennen (ernte, ftanb fte im 
©eginn ber fündiger Jahre. 


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284 


guguft 1868. 


i 


©er Slbfchieb von Seipjig würbe mir feht ferner; ich (affe siele 
vortreffliche greunbe bort jurud. ©och hoffe icf> auch *« gteiburg 
glüdlich }u fein, in bem fünften beutfdjen 2anbe, unter einem lieben*« 
würbigen Solle ... einmal in jebem Sabre befuge ich ^ebenfalls 
meinen Sätet... Stuf biefen Steifen nach Sachfen werbe ich gewöhnlich 
einen Slbjtecher nach 3ena machen um Sie ju fehen unb einen meiner 4 

heften grcunbe Dr. ßoerbed au* Petersburg, ber in einigen SBochen 
nach 3ena lommt. er wirb gewifj auch in 3h* gafffreunbliche* Jjauö 
lammen, unb ich hoffe, er wirb 3hnen feht gefallen, gur einen 
Theologen glaubt er freilich fefjr wenig ... Sei fo entfchiebenem 
Unglauben hat er ben Plan aufgeben muffen ftch in Seipjig ju habt« 

(ihren; er wirb fein heil »erfuchen in ber legten ^ufluchtfidtte aller 
heutigen Heger, in 3ena. 3n allen weltlichen ©ingen aber ift er ge* 
fcheibt unb berjendgut. 3cb bitte Sie alfo, gndbige grau, lommen Sie 
ihm mit bem SBohlwoUen entgegen, woburch Sie mich immer ju 
grofjem ©anle verpflichtet haben ... unb nehmen Sie bie Setpche* 
tung ber aufrichtigen Serebrung 

3hre< h»chachtung*soll ergebenen 

Slreitfchle 

3Rit öeerbed lönnen Sie auch ' n 3hrer Stutterfprache reben; er i 

ift ber Sohn einer granjbftn. 


383] «n SBUbclm So«. 

Sieber $reunb, 


Äbnigflein 21/8 68. 


mein legtet (alonifcher Srief hat jwar leine ©efdlligleit oerbient; 
bennoch wage ich* ®i<h um eine ju bitten. Schide mir bocb, wo« 
möglich umgehenb, fdmmtliche ©efege unb Serorbnungen über bie 
bab. SerwaltungSreform, foweit fie aufjutreiben. meiner 2tn« 
trittsoorlefung über „ba* beutfche Seamtenthum im 19. 3ahrh«" fann 
ich biefe ©ocumente nicht entbehren, unb oor meiner tlbreife nach 
SBien mufj ich P< noch anfehen. — ©ie öPr. „Steform *" ift in bet 
«Chat ba* SÄu^erfte was JDeftrcich un* ju bieten oermag! So oiel 
fch&nc ffiorte, unb ber Hern be* ©anjen, SDlinbetung ber Souoerdnität 
ber ©injeiPaaten, nicht einmal berührt! 3<h habe nie einen elelhafteren 

i eben bantali auf brm Jnmffurt« JürfCcntagt wrbanbtbe SBunbrireforau 
htojtft. 


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Suguft 1868 . 


285 


politifcben 3efutti6mu6 gefeben. ©anj Schmerling! 9ln ber Slufnabme, 
bie biefe grechbrit bet unfreit liberalen finbet, »erben »ir etfennen, 
ob wir noch immer ^>^rafe« brefd^ert ober enbltcb reatifKfc^cr ge* 
worben finb. 

3m 58orau6 meinen Dan!, ©rufe bie ©einigen. 

©ein 

©. 


384] 9ln Salomen .ftirjrt. 

Äonigfein 26/8 63. 

#o<hgeehrter Qttt, 

3bt ®rief traf mich at$ ich grabe bie Seipjiget Rettung gelefen 
batte unb mit bem Sberjthofmeijter ß’Sprn ein ©efprdch führte. 3ch 
war atfo grabe in ber rechten «Stimmung um 3b« liebtofen #ufe* 
rungen über einen hoben gürftentag mit gebübrenber Ädlte aufju* 
nehmen, ©iefe politifebe SDtrinungooerfchiebenbrit foll mich aber nicht 
btnbern, Sbnen betjlicb für 3b« grofe ©efdlligfeit ju banfen. ©ie 
beiben ©abtmann’fchen Sammlungen febirfe i(b ndcbftenO jurücf; bie 
anbern Schriften fallen mir in greiburg trefflich i« Statten fommen, 
auch bie beiben Büchlein oon Äombfl 1 , wooon ich baß eine, ruchtofere, 
noch nicht !annte. ©rofen ©an! bafür, ebenfo für baß ^)roto!off 
auß bem Äifing. Uebrigenß, atß ich greptagß SRebe* in Stube wieber 
laß, erfchra! ich boch barüber, wie ich eß anfangen fall ben Erwat* 
tungen meiner greunbe auch out entfernt ju entfprechen. ©aß 2eben 
ift fo febrerflieb !urj; ich empfinbe baß grabe je§t febr lebhaft, wo 
ich mit Einem SSRale bie 2Berfe oon ©en§, bie Slußbeute eineß ganjen 
reichen SRenfcbenlebenß, überblicfe. ÜBie Slnbereß bdtte ber geniale 
SRann triften binnen, wenn eß nur miglich wüte, bie 24 Stunben 
beß SEageß ju oerbrrifacben, unb wenn er nicht, jum Ueberfluf, in 
bem beutfeben Elenb enbltcb jum ?umpen geworben wdre. 

©ie Slaturerfcheinungen, bie meinen 2Beggang oon Setpjig be* 
gleiteten, hoben auch in mir mptbologifcbe Erinnerungen wachgerufen; 
boch buchte ich nicht, wie Sie, an ©onnet unb 95ti§, fonbern an ben 
©eflan!, womit bet ©ottfeibeiunß ju oerfchwinben pflegt, ©en ©ittem 
fei ©an!, ber 2drm ifl fegt oorüber ... unb auch mein 83ater war 

glricbmütbiger babei alß ich gefürchtet- 

1 ®gl. ®tutf<b« 4,640. 9 f. ©tbiftnann ®. 206ff. 


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286 


Scptanta 1968. 


©utfchmtb ^ab* ich foeben ©lütf gewunfcht 1 ; mich h«t feit Sängern 
Kich« fo hrrglich gefreut 96er tote leichtfinnig fyrt greptag in feiner 
lebten Borlefung ben Xeufel an bie 2Banb gemalt: birt 3«hr ift für 
ben Aiging wirtlich graufam. 3<h hoffe, neue Seute werben in bie 
Süden treten, bie ©chetbenben aber wiffen Sitte, baf fie fo halb leinen 
Aiging wieberfinben. — KochmalO vielen, ^»erjli^en Sani unb bie 
beflen ©rüfe. 

3h» 

Xreitfchle 


866] 9ht ben föater. 

SEBien, 8. ©ept. 63. 

SDleiti lieber 95ater, 

Sitten Slnfhrengungen jum Xrog will Kiemanb fommen um mir 
ben gewünfcpten Briefbogen ju bringen. Saturn erlaube mir, Sir 
auf biefem Bldttchen einen berjli$en ©ruf jujurufen. Bleine Keife 
lief biober vortrefflich ob: Slufig, Brünn, ffiien, gefhm ber ©ümme« 
ring — Sitte* nach SBunfch; baju Bogetep al6 liebenOwürbiger Keife« 
geführte... borgen trennen wir un6; ich verlaffe mit bem Sampf* 
boot SBien — betjlitf gern ... Sa6 Befte ift bie herrliche Umgebung, 
bie @teph«n6firche unb ba6 gewaltige Sehen unb SSogen auf ben 
©trafen. Biber hier )u leben — nimmermehr... Uebrigen* hot un« 
ein gute* ©tü<f vergbnnt, bie ©tabt in febem ©ewanbe ju fehen: 
juerft unenblicper Samt bei ber 3ttumination ju Sbren be* Aaifer*, 
bann ba* SBerfeltagO* unb ©onntagOtreiben, enblicp h<ute emfe ©titte 
(foweit man h>« bavon reben lann) am hoh«t ScfHage Blariä @e* 
burt. — Ser Slbfcpieb von Such würbe mir bteOmal recht fchwer; ba 
war mit* eine gteube, al6 ich in meiner Brieftafche unerwartet #epp6- 
Photographie vorfanb. ©ie fott mich — nicht }um Bortheil für ihre 
eigne ©auberfeit, aber fehr jur Srhühung meiner ©emüthlichleit — auf 
bem gangen SBege begleiten . . . Saufenb Sani für bie freunbliche 
Slufnahme unb bie beflen SBünfche. 


Heinrich. 


8«t SBmifung aM ao. proftffot nag Aid. 


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Bcpttmbn 1868. 


287 


> 


886] Sn Qtaffava von Jbaftfttrg. 

Saljburg 11/9 63. 

Siecht mit ben Smpftnbungen eine« armen Sunbet« backte ich 
biefen SJrief ju treiben, meine liebe, verehrte greunbtn, unb bocb 
wollen mir biefe reuigen ©efüble fegt gar nicht tommen. Sie haben 
mich für meine Saumfeligfeit gar ju großmütig befiraft, unb ich 
bin fchlecht genug, fic nicht ju bereuen, ba ich ib r bie greube 3$*** 
legten SJriefe« verbanfe. #aben Sie vielen X)anf bafur, auch barum, 
weit Sie mir fo offengerjig fagen, baß Sie burtgau« feine Serehrung 
f&r mich empfinben. ®« ifl ein berjlich langweilige« goo«, verehrt 
ju werben, wenn man ti weber wunfcht noch verbient; ich wänfche 
bie gebrucften unb getriebenen gobfpr&cge, beren mir bie jüngflen 
Stage fo viele gebracht, oftmal« ju allen Steufeln. Stertrauen unb 
Zuneigung eine« Keinen Areifrt von greunben wiegt all biefe Weberei 
taufenbfach auf. Da« ift freilich ein feltfamer Anfang für einen 
SJrief, ber Sie um SBerjet'bung bitten fo fl, baß ich f® wenig gethan, 
mir 3bre greunbfchaft ju erhalten- 

SEBir SWännet von heute fuhren auch innerlich ein ju raftlofeO 
geben, wir beftnnen un6 alljufelten auf un6 felber, unb ftnbet ein 
^ Scgriftfieller enbltch (ine folche Stunbe ber Sammlung, fo verwenbet 

er fte ficherlich um ein Stucf von feinem jjerjen vor ba6 publicum 
ju bringen. Daß follten Sie auch bebenten, meine verehrte greunbin, 
wenn ich 3gnen etwa« Sebrucfte« fchicte; ich tbue bie« fiele in ber 
Hoffnung, baß meine greunbe noch etwa« mehr al« ba6 große g>u* 
blicum, einen @ruß an fte felber, barin finben mieten. Sie man 
bie 24 Stunben brt Stage« verjehnfachen finnte, ba6 ifl mein ewige« 
Sorgen, jumal fegt, wo mir Sfebermann mit fo großen Erwartungen 
entgegenfommt unb ich 8 0r «ti weiß, wie ich ihnen auch nur ent« 
femt entsprechen foll. 2ln biefe fJlotb 3bre« greunbe« erinnern Sie 
Sich, »enn ich »über einmal }u lange fchweigen follte. Sleich* 
g&ltigfeit werben Sie mir nicht jutrauen; ich mag 3hnen feine Slrtig* 
feit fagen, aber verfchweigen fann ich 3hnen nicht, baß e« mich 
jebeOmal ergreift unb befch<Smt, wenn ich feg«/ »i< unbegreiflich götig 
Sie ftnb, bei folcher Klarheit unb Sicherheit be« Urtgeil«. — 

Senn ich ®i* bitte, mich f&nftighin sprofeffor ju fcgtmpfen (aber 
um J^immelowillen nur auf ber Slbreffe) unb ju abrefftren: »Uni« 
verfitit greiburg im SBreiögau", fo wiffen Sie auch, wie f»<h »ein 


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288 


September 1863. 


©cbicfföl gewenbet. — harten bte wir ftnb, über eine ©tobt nach 
bet feinen Sage unb ben ©ebenöroürbigfeiten ju urteilen; bie 
©lenf<ben ftnb eö, unb fte aßein, bte unö einen Ort treuer matten. 
Oarum fann ich in 3ht Sob ©ßttingen* nicht einftimmen; bie ©tobt 
fd^eint mir noch in bet Erinnerung abfcbeulicb/ weil ich bort ein 
wenig glucftid^eä 3ohr unter meift gleicbgtltigen ©lenfcben verlebte. 
Unb barum ifl mir baö reijlofe Setpjig in ben lebten Sauren fo lieb 
geworben, baß icf) mich nur mit fehr fcbwerem #erjen bavon trenne; 
noch bei ben $bfc$ieb6b(fu$en fab ich, wie viel warme greunbe icb 
bort jurücflaffe. 3cb höbe ben fcbweren ©cbritt ben noch getban, weil 
ich fcbonenber gegen meinen ©ater verfahre . . . Oie geinbfcbaft 
bet Ultramontanen in g. ifl um SticbW fcblimmer afe bie ©entern» 
beit ber „reenen ©äcbfer" in Seipjig; unb poßtifcbe greunbe finbe 
icb öucb ' n Stoben, wenn auch leibet gewiß nicht jenen fernen 
Weinen KreiV politifcber unb perfonlicber greunbe, ber ficb in S. unter 
greptagö ©orft§ verfammelte. Entßbeibenb bleibt bie SluVftcbt auf 
größere SRuße ju literarifeben Arbeiten. Oie Sorbeeren be$ Slebnert 
f<bä$e icb nach ihrem wahren ÜBertbe — nämlich febr niebrig; ich wtß 
etwa« ©efferrt leiften . . . Oaö ftnb für bie näcbflen 3abre meine 
wicbtigflen Aufgaben; anbre ^Idne, bie mir tbeurer ftnb 1 , höbe icb 
juräcfgefleßt. 3<b bin einmal Unitarier, unb bevor bie beutfebe .Klein» 
flaaterei vernichtet ifl, höben bie ©länner meiner garbe feinen wiebti* 
geren ^weef, al6 an biefer politifeben Aufgabe ju arbeiten. Eö giebt 
genug anbere ©toffe in Kunfl unb 2Biffenfcbaft, bie für gleiche 2ln* 
flrengung unjweibeutigeren Slubm gewähren; aber baß Slotbwenbigfle 
ifl heute, mitjuarbeiten an unfrer politifeben ©ilbung, unb wer bteß 
begreift, bem fann einige Sleftgnation nicht febwer fallen. — @ie 
fragen, ob ich ein geborener Slebner *fet, wie @teinme§ behauptet? 
3cb muß wohl glauben, baß ich baju geboren bin, benn eine ©cbule 
habe ich letber nie burebgemaebt, ich höbe nie einen guten Slebner 
vergehen fönnen. 3<b fpreebe im Eifer viel }u febneß, unb boeb 
fetneßtvegß fließenb, aber eß ifl mtr, wenn ich emfllicb warm würbe, 
noch immer gelungen, meine ^ubärer ju feffeln. Ob eß mir gelingen 
wirb, mich für meinen ©toff ju erwärmen, baß weiß icb nie vorher; 
manchmal höbe ich nöcb einer Siebe baß ©efühl ber ©efriebigung, in 
ber Siegel bleibt waß ich fögte unenblüb weit hinter bem jurücf, waß 


1 pottifdje; vg(. ©. 209.211 f. 


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Scpttmfo 1863. 


289 


mir oor brr Seele ftanb. Sin guter Parlament«rebner mürbe icp 
gewiß fein/ wenn mir mein {eiben nicpt jebe ©u«ftcbt baju abfcpnitte; 
auf bem jtatpeber aber bot ber gute ©ortrag nur eine untergeorbnete 
©ebeutung; ich (ege beßpatb auf biefe Sftebefunft nicht viel SBertp ... 
9la<b ber fcpbnen Sonaufaprt will ich fe|t burcb Styrol, unb ©orarl* 
betg in 14 Stagen nach $. ... ©Kt b«tjli<b*n ©rüßen 3b* aufrichtig 
ergebener 

Streitfcpfe 


387] Vn ben ©ater. 

St. 3ohann bei ©aftetn, 12. Sept. 63. 

©lehr al* einige flüchtige fehlest gefepriebene feilen wirft Su oon 
hier au« nicht erwarten/ mein lieber ©ater. ©ber ganj ohne ein 
Xeben«jeicpen oon mir foS mein ©eburtttag Such boch nicht oorüber* 
gehen. 3ch weiß/ wie lebhaft Su grabe bieOmal meiner gebenden 
wirft/ unb auch weine ©ebanBen werben noch in ber alten ^eimath 
fein. — ©lein fReifegeftyrte hotte ben guten Sinfall/ über Salzburg 
unb ©tünchen juruefjufapren. So blieben wir benn noch einige Stage 
jufammen unb waren ©eibe fehr froh/ Sffiien ju oerlaffen. 3ch maße 
mir Bein Urtheil an über bie Stabt: roa« ein Jrember in wenigen 
Stagen ju ©eficht befommt, hängt fa oom ^ufaS ab. ffiir aber fahen 
wirtlich nur coloffate Sfferei unb Strinferei unb eine Unmaffe feiler 
Sffieibet/ unb man braucht Bein ©Boralift ju fein um fiep an biefem 
fchalen Sinerlei/ ba« burch ba« Sffiiener Selbftgefüpt um ©iept« beffer 
wirb/ ju oereteln. ©ber auch onbre Singe/ bie ber grembe beurtheilen 
Bann/ gefielen mir wenig/ namentlich bie ©lenge unerphrt gefcpmacB* 
lofer Prachtbauten. Sffiie oiel Scpine« ift in ©erlin/ ©tünchen, 
Srrtben, Stuttgart/ Jj>annooet mit ungleich geringeren ©litteln ge* 
fepaffen worben/ unb in 2Bten Bein einjige« bffentlicpe« ©auwert/ 
ba« bem guten ©efepmaef niept grabeju in« ©efiept fcplüge. Sin 
©l&dt/ baß roenigften« Scpine« gefammelt worben (bie ©Uber im 
©etoebere ftnb oortrefflicp), unb baß ba« 8Biener ©ürgertpum in feiner 
guten 3eit neben bie oerpfufepten ©auten feiner gürften fo perrlicpe 
SSerfe geftellt pat wie St Stephan unb St ©tarien. Jperrlicp aber/ 
einzig für eine ©roßftabt/ ift bie Umgebung/ unb oortrefflicp war 
auch unfre Sonaufaprt. Uebcr ben Straunfee, ben weitau« fepinften 
oon allen beutfepen Steen Barnen wir bann nach 3f<pl/ ba« übrigen« 
nur burep feine greife. Bei ne« weg« burcb ben gteieptpum feiner @e* 

n. 19 


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290 


Scptnnfer 1863. 


bdube unb Anlagen (ich at« einen SRittelpunft ber vornehmen Seit 
barftefft. Der gelinge Vormittag in Saijburg ging bureb Stegen 
verloren. Stacgmittag« trennte ich mich von »ogetep, unb feitbem 
bin ich, tbetiO ju guß, tgeil« ju Sagen, an ber Saijacg aufrodrtö 
gejogen unb beute Mittag bureb ba« majefldtifcge Zfyot ber Jpocgalpen 
gefommen, ben 2ueg mit feiner Keinen fiarfen gefie. Die 
Sanbfcgaft erfegeint jegt befonber« großartig, ba bie »erge bereite bi« 
fafl jur butten #&b« mit Schnee bebeeft jtnb, unb bie SRenfchen ge« 
faden mir immer beffer/ je mehr ich au« ber grembenregion b«nu«s 
fomme. ÜRorgen fr&b gelange icb in ba« Dorf, wo bie braven pro« 
.teftantifeben »auern Satj lechen, wie icb #epp erjdbtte, unb am 
SRittag hoffentlich nach ©aftein . . . Doch icb muß fegließen: ber 
Sitte eine« fetten wirb )u Seganben vor biefer Jgocgalpenftber. — 
6$ ift eine feltfame Smpftnbung, fo in ber Seit umgerjureifen, ohne 
ju wiffen, wo man eigentlich feine Jgeimatg gat Doch icb 8<b< ja 
mit guter, woglbegränbeter Hoffnung meiner £utunft entgegen. Da« 
rum feib auch 3gr außer Sorge. Stegmt taufenb Danf unb berjlicge 
©ruße unb wunbert Such nicht, wenn icb erfl von gretturg au« 
febreiben fottte. 

Heinrich 


888] Sin Sufiava von Jgafdberg. 

3lu im »regenjerwalb, 19. Sept. 63. 

Jgier ber verfproebene j weite »rief, meine verehrte greunbin . . . 
Diesmal ift ein hin unnuger Siegentag, ben icb 3gnen wibme, 
fonbem ber Sttenb eine« geißen, fegbnen Sanbertag«, unb icb bdtte 
ein Stecbt mube ju fein, jumal ba ich bie legten Stdcbte butt bureb« 
waebt bube . . . Jgeute früh fab icb juerff bie Quellen be* 2ecb uuf 
ben iben Klpen be« Krttcrg«, eine Stunbe barauf ben Urfprung ber 
»regen jer Siebe; fo bin ich benn gtucflicg au« bem Donaugebiete 
gerau« unb gebe ber Kege entlang bem Stbeine ju; unb fofort im 
Stbeingebiete dnbem ftcb uueb bie SRenfcgen. Der »orartterger ift 
febon mehr Deutfcber aW Streicher, er but bereit« ben emften nach* 
benfliegen jtofl unfrer »auem um SRunb unb Siuge, nicht jene fegeuß« 
liege, faltenlofe, gebanhnlofe, ewig fettere Stirn, bie ben ^fheieger 
ul« eegten ^faffenjbgltng bezeichnet: — gof ber genfer bie „©emütg« 
licghit", wie ficg biefe geiftige Sticgtigfeit fetter fo gern nennt Sie 


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©tpttmbtt 1868. 


291 


fehen, ich fca&e auf meiner $ahrt burch ißretch von Ungarn’« bi« jur 
©ehweijer @renje bie fDtenfchen nic^t eben achten gelernt/ boch nimmt 
bie Düehtigfeit be« ©oll« mit ber Entfernung von 2Bien fiehtlich ju. 
@ie werfen mir oft meine ?e«htfertig!eit vor, Sie ßnb graufam 
genug fogar einen hamtlofen „unbeweibten* ©cherj ju tabein/ wdbrenb 
ich ruehlo« genug bin ju verfichem, baf ich mir bergleichen ©cherje 
gegen pebantifche ©rofeßeren auch noch mit grauen paaren erlauben 
werbe. Stun, icb, «Sie ficberticb nicht einen SDtoraltßen freiten 
werben, bin in SBien gar nicht au« bem fitttichen Efel berau«geforamen: 
fo nacft unb frech tritt bie gemeinte ©innlicbfeit bort überall ju 2age, 
unb ohne atte Knrnuth. Unb bei fo großem Steichthum, fo vielem ©e* 
fchmacf in aßen «Sachen be« Eomfort« eine fo unglaubliche Stohbeit in 
aßen Dingen be« geißigen, feineren Sujru«! ... 3cb traf e« freilich 
befonber« fchlimm, ich uw* anwefenb, al« ber bumme #aufe ben Äaifer 
unb feine ©piefgefeflen nach bem grantfurter ©offenfpiele mit Subei 
empfing. Ein erbitternbe« ©chaufpiel für mich ul« guten ©reufjen 
unb mehr noch für meinen Geführten, einen alten furheffifchen Dfftjier, 
ber weilanb, weil er feinen ©erfaffung«eib nicht brechen wollte, burch 
ben ©rafen Stechberg von #au« unb #of vertrieben würbe unb e« 
jefjt mit anfehen rnufjte, wie berfetbe Siechberg oon bem vornehmen 
unb bem gemeinen ©übel SEBien« al« ber Steformator Deutfehtanb« 
gehriefen würbe 1 . SJtit biefen fogenannten beutfehen SJrübem in 
Deßteich iff für un« Deutfche eine Serßinbigung nur möglich burch 
ba« Schwert; wir ßnb ihnen gegenüber genau in berfetben Sage wie 
Eavour, nur wirb freilich ein 23t«mar! bie« beutfehe «Schwert nie 
fchwingen linnen. — Uebrigen« iß SBien impofant burch fttnen ges 
wattigen grofjßübttfchen ©erlebe; Berlin erfcheint al« eine fülle 2anb* 
ßabt bagegen; boch beutfehe« 2eben iß e« nicht, ba« burch bie engen 
©trafen wogt, fonbem ein ©üllergemifch oon Sftaltenem, Deutfchen, 
Ungarn, Jhannalen, ©lowalen unb wie bie ©ippfehaft fonß hüft: 
unb ba« nennen gutmütige Starren „Deutfcplanb"! SH« ich au« 
meinem fchinen Storbbübmen, ba« ich fo oft burchwanbert, h«au«* 
tarn, war freilich eine lange 2Büße ju überßehen. Da« ?anb jwifchen 
SBien unb ©rag iß lanbfchaftlich, ein paar Dafen abgerechnet, taum 
fchiner al« bie SRart, unb wührenb ich iut Sterben mich immer baran 
erfreute, wie ber eifeme beutfehe gleif bem targen ©oben reiche Ernten 

1 ®tr bamaligt eeftm. SÄinift« tx< ftuftm hatte im 9tov. 1861 at< ©nnbrt; 
Eivilfommiffat Mt Sxffntwn in Jb*ffm g<(tim; vgl. ©phtl 2,116. 

19* 


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292 


Ctpttubn 1968. 


ju entlocten weif, emp&rt man fiep in £>ftreicp übet bie gaulpeit bet 
©enfcpen, welcpe bie unermeflicp gefegnete ©bne fo ldcpet(i<b net* 
nacpldfftgen. ®6 tfl eben ©eftreicp! Unb bann bie pracptoolle ©affet« 
ftrafe bet Donau! Stunbenlang fabten Sie auf bem Dampfet unb 
begegnen enbltcp einem obet jwei JUpnen opne Äiel, ohne Segel, mit 
ettoaö jDbft für ben ©iener ©arft belaben! Unb auf bet Keinen 
Spree fiebt man oft taum baö ©affet oot lautet Schiffen. Sbenfo 
auf ben Sllpenfeeen fabten bie ©enfcpen no<b immer auf bem. Gin« 
bäum, bet fiep in 9licpt6 unterfebeibet oon bem poplen Saumftamme 
be6 9leufeeldnbet6. 91(6 icp auf bem $tütx See überfahren wollte, 
webte ein ©inb, fo feptoaep, baf man bie Zweige bet Sdume fiep 
taum regen fab, unb bet Sebiffet etflütte: icb fahre niept, bet Sin* 
bäum fcpldgt um. 9(16 icb ftug, ob et benn fein Segel bube, glopte 
miep bet ©ann mit bibbern Saepen an. — ©6 fputt unter unfren 
fogenannten Sebilbeten noep fepteefliep viel ungefunbe SRomantif. Da 
jubeln unfre norbbeutfepen Zouriffen, wenn fle oon einet angenehmen 
Sabeteife jurüeffepren, übet ba6 glütflicpe äDefbeicp unb bebauem ihre 
emfte Jpeimatp. 2fcp fage: fle ftnb 5£poren. 3cp bin gtof geworben 
in einem perrltepen Sanbe unb habe oon Jtinb auf ein offneO JJetj 
gepabt für bie Scpbnbeit bet Statur; aber icp weif auep wa6 fcpbnet 
ift, a(6 afle6 9Upenglüpen unb alle ©affetfdde bet weifgrauen 
Sletfcperbdcpe: ba6 finb bie pellen 9(ugen unb bie ftarten 9lrme unftet 
bem £icpte jugewanbten, rüptigen Starb«Deutfcpen. — Die Scpweijer 
unb allenfalls auep bie Saietn beweifen freilich, baf auep in ben 
9llpen freie unb fepüne ©enfepenfitte gebeipen fann; boep bin icp, bei 
aUcr Sewunbetung bet Sllpenlanbfcpaft, petjlicp frop, baf icp niept 
bort geboren bin. ©opl ift e6 ein Segen, eine fepine Jjwtmatp ju 
paben wie Sie unb icp; e6 bleibt Sincm oon biefen etffen 3ugenb« 
einbrücten etwa! oon Staturfrifcpe unb peiteret Sinnliepfeit al6 eine 
©itgift für ba8 Seben, bie bem Sopne eine6 teijlofen Sanbe6 butep 
feine Silbung fe etfept wirb. 9(bet bie 91atur fann auep )u gtof, )u 
übermächtig fein, fle fann ben freien Sinn be6 ©enfcpen erbrütfen. 
Da6 ift in ben 9Kpen entfepieben ber galt. 3n fo granbiofer Um* 
gebung oerfepwinbet ber ©enfep, auep ber geiftige 95licf wirb eng, wo 
ba6 9(uge be6 Seibe6 nirgenbs übet eine weite gläepe fcpweift, unb 
wenn man, fe naep ber Saune ber ©ölten, am ©orgen in einem 
^arabiefe unb eine Stunbe nachher in einer grauen ©üfte lebt, fo 
übertommt ben ©enfepen ein alljuftarfeS, entneroenbeO ©efüpl bet 


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©fptmibtr 1863. 


293 


StbhAngigteit oon ben Saturgewatten. S« ift (ein %ufaü, bafj in 
tiefen ©ebirgen bie grftmmigBeit fo oft einen fnechtifchen SboraBter 
jeigt- 

©ie werben/ wie Siele meiner greunbe, in ©orgen fein/ wie ich 
mit meinem proteftontifchen 2Befen in greiburg burchjuBommen benfe. 
©ewif/ bie Uttramontanen werben ihr ©e{le« tbun mich ju Ärgern/ 
wa« ihnen aber nie getingen foffj unb auch anbere SerbAttniffe finb 
»erwicBett. 3cb bin berufen ju einer cameratiftifcben Profeffur, unb 
man bot mir nur unter ber <$anb oerfichert (ba ich »on Sameratien 
wenig ober Sieb« oerflebe), biefe ertebigte ©teile fei nur ber Sorwanb 
um m«b/ wie ich fei/ nach & ju befommen: ich fotXe getroft ©e* 
fcpicbte unb PotitiB tefen. Ueberbirt bot ber neu berufene JJiftorifer 
Siegele in ber elften ©tunbe erHArt, er fomme nicht/ benn er bobe 
feine Suff fi<b von mir tobt tefen ju taffen! ©o wunberticb {Beben 
bie Dinge, bo<b hoffe icb f<hon in biefem SEBinter }u beweifen/ bafj 
icb/ wie icb «ben bin/ ber UnwerfitAt etwa« nüfcen Bann/ unb bann 
wirb man mir in ber SBabt meiner Sortefungen oittig freie -#anb 
taffen. — Socb bobe icb 3bn«»/ meine mehrte greunbin, gar nicht 
gebanft für 3b* ©üb. $a« ift freilich teiber eine jener Photographien, 
bie Ähnlich fein rnhgen, aber ganj gewifj ben rechten $(u«brucf nicht 
haben. Stber wie fott auf einer Photographie {ich ber StirtbrucB wieber 
geben (affen. Sin gemalte« Silb, auch wenn e« nicht ganj Ähnlich/ 
führt fein eigne« {eben/ unb man gewinnt e« attmAtig lieb unb lieber. 
Sine Photographie wirb un«/ wie alte« Bebtofe, attmAtig frember. — 
Doch ich bin unoerjeibticb tange aufgebtieben. Beben ©ie wobt unb 
fchreiben ©ie mir recht batb (Unioerf. greibg). 3n ben erflen {litten 
Stonaten in g. wAre mir ein ©rief von 3hoen eine grojje greube... 

3br aufrichtig ergebener 

SCreitfchBe 


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Ster allem bie Sfudflc^t auf reifete Phtfje ju literarifcber ürbeit 
batte ftreitfcbfe befHmmt, ben Stuf nach greiburg anjunebmen. 9K<bt 
mehr allein auf bie ©mtabmen bet Aodegiengetber angenriefen, 
brauchte et auch auf bie Stebl neuer Stoffe für feine Sterlefungen 
nicht adju dngfdicb bebacbt ju fein. £itbem batte ibm Ptotbb, bamaltf 
t>orft$enbetf SDKtglieb beb babifcben gtnanjminifleriumb, fiebere J?off* 
nung gegeben auf eine orbentlicbe Ptofeffut febon nach 3abtebfrifL 3n 
bem väterlichen gteunbe, bet SCreitfcbfeb ganje Skbeutung vielleicht am 
früheren erfannt, unb bet alb Staatsmann für biefelben %itU beutfeber 
Polttif wirfte wie fcrettfcbfe alb Publijift, batte beffen SRuf nach SBaben 
„gemifebte ©efüble* erweeft ,£)ab ©efübl bet gteube über bie üuS* 
ficht, Sie in unfet £anb unb in meine Stäbe ju befommen: ein ©es 
fühl gelinber Sntrüfhmg über unfere {Regierung, bafj fle entern Pfanne, 
wie Sie feinen beffem Stuf gefenbet alb ben an eine aufjerorbent* 
(tebe Ptofeffut an ber Univerfttät greiburg.* über auch weiterhin 
tonnte Ptatbh, ber 1864 bab JJanbelbmtnifietium übernahm, für 
Streitfcbfeb Sefbtberung in Paben niebtb ewitfenj bi« etftbwn getabe 
in jenen Sabten bie üufbeffetung anberer Peamtenffeden bringen bet 
nbtig. 

Xrritfcbfe ertrug bab unbefümmert mit gutem ^umor. peinlicher 
»ar unb blieb für ihn ber gtofje übflanb ber greiburger Stubenten 
in Ptlbung unb Xemeifer von ber emfigen, jumrift auf ben guten 
fdcbfifcbtn Schulen vorgebilbeten £eipjtget Jpbrerfcbaft. paar in fein 
erfteb iffentlicbeb dfodeg über neuefle beutfebe ©efRichte im SBinters 
fernerer 1863/64 brdngten ficb — wie er bem Steter febreibt — 
„Stubenten unb Pbiliflet", biefe jumal; unb für feine Privatvorlefung 
über Politif fanb er boeb ftebjebn afabemtfebe .$6ttt. ülb er aber im 
3abre barauf bem neu berufenen jOrbinariub für ©efebiebte, ber fein 


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Swiburg. 


295 


> 


erfleß äolleg gar nicpt jufknbe gebracht, Aber bi« böfe Snttdufcpung 
gutmütig ^inn>eg^<tfen wollte, ba fd^rteb et: „Dtoflen ©ie Step mit 
mit. 3cp bin bocp (in alter Practicuß unb habe in meinet beutfcpcn 
©efcpicpte mich biß ju fecpß Leuten — unb maß füt Äerlenü — auf* 
gezwungen. SBo ftnb bie fcpinen £etpjtger Dage bin/ ba meine 
©tubcnten auf ben genfteebrettem ftanben?" 

©ie b«tte noch mebt Unwtebetbringlicheß enthalten, biefe legte 
fcpbne Seipjiger $nt, maß Dreitfcpfe in greiburg, wie feine ©tiefe 
immer wiebet außforecpen, noch fcbmerjliebet oertnifte alß folcpe junge 
©egcificrung. Sine geifKge ©enteinfcpaft unb »atme Teilnahme, wie 
fte ibm jene patrtotifcpe „©etfcpwotung" geteiftet unb bebeutcnbet 
SWättnet im Aiging gebeten, fud^te Dreitfcpfe nicht nut in greiburg »er« 
gebenß, et p<rt fl« fo bicbt unb ungetrübt, fo fruchtbar füt feine wiffen* 
fchaftliche Arbeit überhaupt nicht wieber gefunben. Slnfangß fcpien 
wcnigftenß fein fottcgialcr ©erbebt an bet Unioerfttät belebter werben 
)u wollen, alß bet in Seipjig gewefen war. SDtangolbtß wiffenfcpaft* 
liehe unb menfchlich« 2lrt jwar blieb ihm nach wie tot innerlich fremb. 
Slbet befonbetß bet feit 1862 in greiburg habilitierte Prioatbojent 
griebttep von ©eecb, bet fiep um babifche ©efepiebte unb ©efcpichtß* 
fotfehung noch mannigfach oerbient machen fodtc, unb bet UnioetfU 
tütßamtmann grep ftimmten politifcp mit ihm jufammen unb würben 
ihm auch im Umgang rafch oertraut. Doch gerabe fie oerliefen halb 
barauf greiburg. Die ©efanntfehaft mit jwei ©eiehrten, bie fpätcr ju 
hohem Slnfehen unter ihren gaehgenoffen auffhegen, bem ©iologen 
Sluguft ffietßmann 1 unb bem Philologen granj ©ücpcler, führte nur 
mit bem etfien ju bem ©ebürfniß häufigeren ©ebanfenaußtauftpeßj 
nach Saht unb Dag noch war biefer ©etfehr Drettfcpfeß „befier Drojl" 
in einer unaufhörlich besagten ,geifKgen £>be". 

SÄber bie turjen 2*/ t Sahre, bie er in greiburg jubraepte, ftnb 
trogbem wiffenfchaftKch/ politifcp unb auch füt bie £ufunft feineß 
perf&nlicpen Dafeinß ein bebeutfamer üebenßabfcpnttt Drettfcpfeß ge« 
worben. Die „JJtiftotifcpen unb Poltttfcpen Sluffdge", beren erfle ©amm« 
lung hier in jwei Auflagen erfepien, unb mit benen bie reiche äenntniß 
wie bie batfhllenbc Äraft tpreß ©erfafferß fo gldnjenb pwoortrat, 
ftnb jtoat gröfjtenteilß fepon auf Xeipjtger ©oben erwaepfen. ©erabe 

1 SBKtfl. ©tpftm« SXat SBfUmamt in gitibrng ift vopl bet rinjtgt noch Itbenbe 
ganj nage SUttrigmefft 5twUf(pft< aal btfftn einftigem ftennbcfc unb ftefanntent 
ftttl bott; rt ift am 17, Januar, Stcttfcpte am 16. ©eptanbet 1884 geboten. 


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296 


grciburg. 


igr .^auptflücf aber, „©unbeßflaat unb ©ngeitßftaat*, biefe gewieb* 
tigfle aßet publi)iflifcben Arbeiten Xreitfcbfeß, geriet gteibutg an, ift 
erfl [)itt fon)ipiert unb außgearbeitet. „Der gemütliche Unftnn", bet 
nach bem granffurter gürflentage (Slugufl 1863) übet biefeß £b<ma 
aller orten ftcb gören lief, batte Dtettfcgfe gettijt, „ben Stier bei ben 
Römern )u paefen". Sfucb ber erfle feinet großen Ruffdge übet ben 
©onapattißmuß in granfreteg, bie febet betounbem wirb, bet ftcb nach 
ibm mit biefem Stoffe befegdftigt, ifl noch in gteibutg verfaßt. Die 
Arbeit war buteg Rapdeonß DI. Histoire de Jules Cdsar veranlaßt 
worben, für beten ©efptecgung in ben ©teußifegen Sagtbütbem 
©ommfen auf Zreitfcgfe vetwiefen batte 1 , ©eßfldttbig erfebien biefe 
f<btießli(b faff 400 Seiten füßenbe Rejenfton, an bet ibr ©etfaffet 
Jahrelang arbeitete, erfl 1870 in ber neuen golge ber Vuffdge. 

©enige ©onate nur toat Zreitfcgfe in gteibutg, atß, von ben 
meiften, )undcgft auch von ibm felbet no<b unerfannt, bie £eit ber 
entfegeibenben Singeittfdmpfe in Deutfcglanb anbraeg. 9lm 16.Ros 
vembet beflieg bet 1862 buteg baß Sonboner ^rotofoß vom 8. ©ai 
auch für Schiebung* Jpelflein jum Raegfolget beß regierenben Ädnigß 
befhttte |>rinj von ©lüdfßburg alb <5^rifH«rr EX. ben bdnifegen 
Zgron, unb am 18. befldtigte er bie für) )uvor vom Rcicgßrat an« 
genommene ©etfaffung, bureb bie gegen Recgt unb ©ertrag Scglebwig 
von $o(ftein getrennt unb Ddnematf einverleibt würbe. Damit war 
biefe nun febon fo lange 3agre binbureg febmet)enbe ©unbe an Deutfcg* 
lanbb Jtdrper — bab Sebieffal Scglebwig * #olfteinb unter bdnifeber 
©ißfürberrfegaft — ganj unertrdglicb geworben; ber Stbprin) von 
Sluguftenburg, ber ftcb fogleieb bureb patent vom 16. November alb 
#et)og griebrieb Vin. für ben in ScglebwigsJjolflein aßein legitimen 
Racgfolget beb legten Jtimgß auß bdnifebem ©annebfhmtm erfldrte, 
trogbem fein ©ater wie für ficb felber aueb für bie Signe auf biefe 
Racgfolge vet)icbtet *)u haben fegien, fanb weit unb breit in Deutfcgs 
lanb flürmifeben Mngang. Unter ben Regierungen ber ©ittel* unb 
dtleinßaaten wirfte aueb bie babifebe eifrig für ign; fte ließ ihren 
Sunbeßtagßgefanbten Robert von ©ogl )ugleieb von bem neuen ^ct)og 


l «u<b an Zteitfcgfel groget Arbeit nagm ©ommfen lebhaften MnteiL VU et im 
Jgetbg 1863 einige Zage au* Berlin, ba* igm „unettrAglirg geworben", nach Seidig 
imn Sefmge Jgirjel* gelommtn vor, feßreibt biefet am 7.Roo. an 5treitfeg Je, jur 
ffeetfeßung bet beu(fegen @ef<gi<gtc magnenb: „Sie gAtten ©ommfen gbten fallen, 
an bem Sie fi<g einen wannen freunb erobert gaben." ©gl. noeg Sb. 1,6.66 f. 


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>l\ 5>cui>tfturf ober, i/*‘ % fitteitrVr. , Nt;< . 

tig#< aller pufcliufrif^cit -i t *• '>?<* j«>r* ig '* 
erft f>ier fcnjtpten irt ?a'\ **?\ , /.^n.utWi/\ ‘Unn* -** - 

narf) Stm ?%x***ft »"ter ~ :t-:u« .** ‘*':#vr : -«„« o*a ; ' *■ 

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^crfifltunö Itx 'runjvji-t «* < v m.^nrnt*: IjÄttra Wcmstr * s 

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‘fy einrief) 'von 2r*iffcf)fe 


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grnfeutg. 


297 


©oßmatbt annebmen unb am ©unb« fofort fit beffen 91etbte rin* 
treten. 

Autb fctettföfe ging fit bie „heilige Satbe" anfang* mit bem 
breiten Strom. Al* ibra aber natb bem bdnifdjen Stiege bi« ©abr* 
ftbrinlitb?eit immer fldrfer etfebien, baf ©iOraartf @tble*wig*.#oljlrin 
fit ©teufen gewinnen woße — fit ©teufjen, ba* ibm trog aßet 
Snttduftbungen in jüngfter ^rit ber rinjige gübter ju Deutftblanb* 
Sinbeit blieb —, ba wanbte er furj etitfd? (offen um unb arbeitete noch 
»iel heftiger ber Strbmung entgegen. Deutftblanb* Einheit iber aße*, 
ba* war unb blieb fein Seitdem, Such in ber politiftben Au*fptatb« 
mit bem ©ater, bie bietbuttb neu erregt würbe, feblug er je§t Don« 
an entf<biebener alb je ju»or; fie wetten im Sefet ber Briefe immer 
fibtbarer bie ©eforgni*, bafl eine fo jlarfe politifcb« ©ietät einmal bie 
tinblicbe rücfficbtölo* unterbieten fönnte. Da* fteigenbe ©ertraucn 
in ©i*martf* dufjete ©olitif bdmpfte autb Xrritfd^Ce^ 6 ff entliehen 
©iberfprutb gegen bie innere, lief aber feinen ©iberftanb hier uner* 
febittert befteben. 3Bie er ibn autb in ben Briefen an St*martf falber 
nitbt oerbeblt unb Anerbietungen abweift, bie feinen pteuff iftbbeutftben 
©ublijiften bamal* ftdrfer lotfen tonnten al* ibn; wie anbererfrit* 
©i*martt Dabei unb ©eigerung Drritftbfe* aufnimmt — biefe grofjen 
menftbßtben £üge (affen bie futje Äottefponbenj beiber au* ber übrigen 
©riefmaffe leudjtenb berautöeten 1 . 

Der ftproffe ©anbei Dreitftbfe* ber „ftble*wig*bolflriniftben grage" 
gegenüber erregte nab unb fern heftigen Anftofj, er trübte botb nitbt 
feinen ©ertebr in bem ^aufe, ba* ihm unter ben wenigen, bie er in 
greiburg gaftlitb befutbte, julefct rin* ber bebaglitbften war. Der Sfurift 
granj oon ©oringen, rin belehrter »on fitbeter politiftber Haltung, 
ber suglritb feiner rbeiniftben Heimat rin finnige* ©tdrtbenerjdblet* 
tolent oerbantte, war mit einer Stbwefter SRubolf ©tbleiben* »er* 
heiratet. Autb fl« war fünftleriftb begabt; ihre SWutter, bie rinft viel* 
gefeierte ®ut*berrin »on Aftbeberg am ©tönet See 1 , fanb Drritftbfe, 
ber ihrer in ber „Deutftben ©eftbitbte" gebentt (2,111), al* faft Atbtjig* 
jdbrige notb im S)n ufe ber Dotbter. Sor aßem aber begegnete er hier 
juerft einer jungen greunbin ber gamilie: €mtna »on ©obman, Dotier 

1 3$r Eingang/ treitf<$fe$ @efu<p um gutritt )u bm fcften M preufifäen Staate 
Qtfyvot in Serlin bil |um 3af>re 1848, f>at in biefet Sammlung )um erffen Wale 
gebrutft »erben tbnneiu 2 % S$teiben, 3ugenberinnerungen eine* S^leimig; 
Jßotffeinete S. 63 ff. 


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298 


frtifturg. 


be# im feigen JjKmf« toohnenben ßberffen ber ©enbarmeri«. Unb auch 
fpdter fab er fie bür häufiger no<h al# bei ihren Sttern, betten er butch 
feine greunbfchaft mit 3Bi(b«lm Stoff, ihrem ©chwiegerfobn, ebenfad# 
gugef&hrt war. SBie in folgern Umgang bi« Steigung ju bem etwa# 
flotgen greifrdulein au# altem J£*gauet übel#gefcble«bt in Xreitfe^fe 
admdbli<h ffdtfet unb fforfer »urbe, ba# au# mancherlei ffheinbar 
in# üdgemeine jtelenben Steflerionen ber Briefe )u erraten, ift für 
ben aufmerffamen Sefer befonber# anjiebenb. greunb ©achmann# un« 
Idngff noch b«Wch«ite £eben#t>hilofo)>hie »urbe al# JBahrhett erfannt: 
„3ch weif fehr wohl, baf @tucf im J^erjen bie ficherffe ©runblage 
ift für ein tüchtige# ©irfen." üm 18.3uni 1866 oerlobten fie ftch. 
Sr reichte, ba ©oben in bem beoorffebenben beutfchen Sntffheibung#* 
fampf mit bem ©egnet ging, am ndchffen Stage fein Snttaffung#« 
gefuch bei ber Stegierung ein; fie aber, fjochb<t}ig unb mutig, jhgerte 
nicht, in biefer Sage ihr ßkfchicf an ba# feine ju fnipfen. Sine *Ju« 
funft erwartete fie, in folcher ©emeinfchaft reich an freubigem, (folgern 
@lücf; bann, lange 3ahre hinburch, at# ber Stob ihre# einigen ©ohne# 
unb eigene Srfranfung fie hrimfuchten, reicher an ©«hmerj unb Snt* 
fagung. SDaf bie an fie gerichteten ©riefe ju ben inbaltoodffen ber 
©ammlung gehören, wirb man oon »omherein erwarten; oor adern 
enthalten fie au# StreitfchJe# gebet bie (ebenbigffen ©<hilberungen btffo* 
rifch benfw&tbiget ©tdtten unb fremben wie hrimifchen Soff#tum#, 
beten ©eobachtung biefem Unermüblichen in ben Raufen feiner ferneren 
wiffenfchaftlichen ürbeit immer oon neuem Pflicht unb Suff war. 

Streitfchle hatte ft«h al# „ein oorgefehobenet ©offen proteffantifcher 
©Übung" inmitten ber gerabe in jenen Sohren b<ftig erregten ultra« 
montanen ®elt greiburg# gefühlt. Sie begegnete ihm oom etffen 
Stage ab mit offener gcinbfchaft, bie er offen erwiberte. über am 
1. Sanuar 1866 fchlofj er einen ©rief an Doerbecf bo«h wicber mit 
einem ©toffeufger, ben er fchon friihrr hotte hüten laffen: „3<h f«hne 
mich nach ^rm proteffantifchen Storben". 2>«r Steujabr#wunfch ging in 
ffrfüdung, am 29.3uni oerlief er greibutg. Sn ber Stacht nach bem 
Stage oon ffbniggrdf hm er in ©erlin an, unb am ndchffen ©Jörgen 
übernahm er hier bie Sei hing ber ©reufifchen Sahrbücher. 


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889] Vn toi ©ater. 

greiburg 23. Sept. 63. 

«Weil» lieber State?, 

Deine beiten ©riefe finb mir eine große freute gewefen, nament* 
(üb ber erfte, ben ich in 3nn«brucf »orfanb. Stur tbut e« mir febr 
web, baß Du mein Scheiben in fo trübem Siebte ftebfh Und 3üngeren 
erfcbeint eine Entfernung oon 100 Seiten nicht fo arg] üb weiß, 
baß üb Dieb ba(b unb oft befueben »erbe, unb ieb gebe bie Hoffnung 
nicht auf, Dieb einmal in meinem Jjaufe ju feben, toie J?an« ©tan* 
go(bt feßt feinen ©ater beherbergt. Doch wünfehe ich freilich, baß 
bie« mein fünftige« $au«wefen, wenn ich mir je eine« grünbe, nicht 
für immer in greiburg flehen mbge. Dernt fo ©wl !ann ich febon 
nach bem erflen «läge fagen: bie afabemifeben ©erbdltttiffe hier finb febr 
Kein; ich würbe meine Prüfte fehlest oerwerthen, wenn ich immer 
hier bliebe, unb ich holte e« für meine Pflicht, tüchtig (iterarifcb )U 
arbeiten, bamit ich in einigen fahren in einen grbßeren 8Bitfung«ftei« 
treten tonn. 2Ba« ich hier fage, ifl Dir nicht« Steue«: ich holte ba« 
ja Äffe« oorher gewußt unb mit Dir befproeben. 3m Uebrigen bin 
ich mit biefem erflen «tage ganj jufrieben. ©leine (Bohnung ifl febr 
bübfcb, ich febe au« einem freunblichen ©artenjimmer grabe hinüber 
nach bem ©lünfler ... gür heute nur noch Einige« über meine 
Steife . . . #uf ben weiteren (Banberungen waren mir bie ©tenfeben 
fafi noch merfwürbiger a(« ba« fcb&ne Sanb. Sticht« oerfehtter, a(« 
bie ©ebouptung, baß bie tllpenbewobner fich überall glichen: nirgenb* 
wo in ber Ebne höbe ich fo biebt bei einanber fo grunboerfebiebene 
Seute wohnen feben. 3n Salzburg unb ber ©aftein houfl ein etwa« 
füllet unb gebrüefter, aber boeb gefunber unb frdftiger ©tenfepen* 
fchlag. ^art baneben, ün ©injgau, hoben bie weiten Sümpfe, bie 
feben £wifcbenraum jtoifeben ben b«h«t ©ergen füllen, auch auf bie 
©tenfeben einen wahrhaft febtecflicben Einfluß gehabt. 3eber britte 


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300 


Dftobfr 1863. 


Senfch ifl fein Kretin, ich lenne ntrgenbwo ein fo grauenhaft hüf* 
Itchrt (Bott. SDenfe 3Mr biefe unglücfltchen ©efchtyfe, bi« auf bie ein* 
fa<hfte grage nur mit einem blbbfinntgen ©rinfen antworten/ nun gar 
bie Seiber mit ihren fofetten «trachten! Sin Sdbchen mit brei ober 
oier $r6pfen, ein Stofe fofett über ba« £>ht gefteeft: beim Sefen (acht 
3ht vielleicht barübet, unter biefen Senfehen ju weilen ifl feheufjlieh. 
3ln meinem ©eburtotage war ich uni« biefem (Sötte, unb nur ber 
Slnblicf ber Ärimler Safferfdlle, ber fünften in Xteutfchlanb, fann 
Sinen biefen Sammet brt Sott« auf Slugenblicfe »ergeffen (affen. 
Sch war h«)(t<h ft*h/ ol« ich über ben Äarnrn beO ^(attenfogl ge« 
fliegen war unb nun unter bie Schbnflen ber itproler fam, bie Ritter« 
thaier, ein übermütige«, lufitge« Sott von Sdgem unb Sdngem, 
bie wirMich ba« finb wa« man fich in ber Sbne unter einem 8Hpen* 
bewohnet benft. Sieber unter anbre Senfehen tritt man, foba(b man 
ben Ärlberg überfliegen hot. £rit Vorarlberger finb nicht umfonfl bie 
(Nachbarn M freien ©raubünben«: ein berbeO Sauemvolf, emflhafter, 
nachbenflicher al« bie itproter, fchon ben Schwaben Ähnlich; fte re« 
gieren fich felber burch ihre Sauerntage unb ihren fanbamman, nach 
Schweijer Seife; fte haben mir oon allen l6flreichem weitau« am 
Sejlen gefallen... 3m ©anjen bin ich »« biefen 3 Soeben vielfach 
belehrt unb erfreut worben unb gehe jefct mit greuben wieber an bie 
(ang entbehrte Arbeit... heute (ich f<h(ttfK biefe feilen am Sorgen 
barauf) gehr ich P xm $rorector, unb e« wirb mir eine fchnurrige 
Smhfinbung fein, wenn ein fatholifcher «theolog mich verpflichtet. 
Stecht halb fottt Shr wieber (Nachrichten hoben; injwifehen bie heflen 
©rufe unb Sünfche oon 

Heinrich 


390] %n Salomen ^irjtL 

greiburg 9/11» 63. 

hochgeehrter herr, 

-Sit meiner neuen heimath hin ich recht jufrieben. 

Sch wohne fehr fchbn, ba« (eichte rheinldnbifche Sehen erfreut mich 
wie früher in (Bonn, unb meine (gottegen hohen mich fehr freunblich 
aufgenommen, namentlich Sangolbt, Schmitt*, Sejcet unb ber J^tflo» 
vifer Seech, ein funger Schüler oon Spbel, ber mir recht gut gefüllt. 
Sit bem ultramontanen Sefen fleht eO nicht gar fo fchttmm, alo ich 
bachte. Die Slrtigfeiten, bie mir bie fehwarje ^hreffe bereit« im Sorau« 
1 ®«f<hri*bm flott 10. 2 Profeffot Oft CRcffjrtntiftmfcpoft, fpAttr in geizig. 


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Oftober 1863. 


301 


gefagt bot, etfebeinen mir ungewöhnlich fanft unb jartfühlenb: gteunb 
Suttle hot mich an eine fröftige« Äoß gewinnt. Sin btt UnioerfMt 
hoben bic Pfaffen wenig ©nfluß; felbfl in bet t^eotogifc^en gacultüt 
gebieten fie nicht Aber bie Sehrbett, unb bet alte geifH. Sftath Sei«, 
bet bebeutenbfle Sonn bet gae., iß ein »«nünftiger ©cbüler Seffen* 
berg* unb »on aßen fotogen, bie üb je gefeben, bet menfebtiebß« 1 . 
Somit ift freilich ni<bt gefügt/ baß bie gute ©acbe bi« großen 83oben 
gewonnen bobe. ©emütblübe weltliche ßefheichewi febeint ba* 
©lauben*befenntniß bet Sebrjabl ju fein; bo<b beßeht ein Wein« 
liberaler Sietem, in bem ich recht tüchtige Seute gefunben. — ©ehr 
befebetben finb meine Stu*ßchten auf afab. Sirffomfeit. Stur bie Heine« 
«^ülfte btt ©tubenten gebürt nicht ju ben Xbeologen, bie oon ihren ge* 
beimen geifHicben Oberen, gegen ben Sillen ihr« ^tofefforen, beberrfebt 
waben. Unb in biefem winjigen weltlichen J^dufletn ^errfeftt eine 
Saulbeit, wooon mit unglaublicbe Singe erjdblt werben. Sch bin 
alfo auf ein ganj Weine* Stubitorium gefaßt, w«be auch ben Slot* 
lefungen müglühß wenig -leit wtbmen. gür ba* Such ift febon aßet* 
banb gef<beb«n unb Smdje* gednbert worben. 3ch wiß nur folcbe 
Sluffäße geben, worin ich etwa* ©elbßinbige* fagen fannj ich laffe 
alfo ben Sefftng weg, weil ich boeb nicht 3«t b«be, mich j«$t tief« 
in biefen ©toff ju oetfenfen. gern« werbe ich in mein« Slntritt** 
oorlefung, bie, oerünbert unb erweitert, mit in bie ©ammlung auf* 
genommen werben foß, nicht über ba* beutfebe SBeamtentbum banbeln, 
fonbern über eine wichtige« grage: ©taatenbunb, 93unbe*ßaat, Sin* 
beittßaat. S« gemütliche Unßnn, b« nach bem granffurter gürßen* 
tage aßüberaß gewbet würbe, bot mir gejeigt, wie nötbig e* iß, ben 
©ti« bei ben #6rn«n )u paefen unb biefem 2b*ma einmal ehrlich 
in* Öeficbt ju feben, ba* unter woblWingenben Strafen beinah be* 
graben ifl ... 

St ber geftwbe jum 18. bin ich auf eine recht Ärgerliche Seife 
überrumpelt worben. Sangolbt febrieb mir beßbalb nach Seipjig im 
Stuftrage feine* liberalen 3l«ein*. Sch mußte nach feinen Sorten 
glauben, e* bonble ftcb um einen Slortrag in einem Weinen Äretfe 
oon Stotteigenoffen. 3e$t ergiebt ftcb, baß eine große Stolf*feier ge* 
meint war. Süb foß alfo jweimal üb« ba*felbe 5£b«no, unb beibe 
male oor einer Saffenoerfammlung «ben, b« man mit eigenthüm* 

i Über ben fatbol. Sttwotegm ®balbert Watet (1811—1889) f. SWj). 2). SBiegr. 
62,162 f. unb 3Bec<b< ©abif<$e Biographien 4,264 ff. 


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302 


JDfteb« 1863. 


ticken ©eficbtdpunften nicht fommen barf. Dad tjl eine mjweifelte 
Sage. Ratten ©ie ben Daumen, bafj mit noch ein guter Einfall 

fommt —-Sufcb’d ©enbung traf geftem ein; ich »erbe ibm 

nicbfiend antworten unb fage ihm injwifehen »iele ©rufe von meinem 
Nachbarn Sangolbt, ber b«ute ^erbftet unb mir foeben eine Sagen» 
labung feiner Drauben fcbicft. 3n einigen Dagen wttt icb in Sorte* 
rube meinen anjufiammenben Sanbteberrn befugen, »orber unb nach» 
ber aber mich bemühen immer tiefer in ben eigentlichen ©eifl ber 
@ef<bi<bte einjubringen 1 ... 

Durch ben Dob Safob ©rimmd buben wir »ieber einen fcbweren 
Sßertuft erlitten, unb ich bube 3brer lebhaft babei gebaut Senn fo 
Einer nucb bem Slnbren einte reichen ©efcblecbtd non und fcheibet, 
bleibt und nur ber Drofh fie 2Ule, fchlechtbin Sille, benen bie Siebe 
unfrte Solfd noch über bad ©rab binuud folgt, buben fleh ju jenem 
Sanner gebulten, um bad auch wir und f(haaren. — 

Sehen ©te wohl unb erjiblen ©ie mir halb etwad non Seipjig 
unb bem fliging. 

3bt aufrichtig ergebener 

Dreitfeble 


391] 9n ben ?8ater* 

SDleitt Heber Sßater, 


greibutg 29/10 63. 


wäre ed nur irgenb mbglich unb jfunbe ich nicht grabe am Se* 
ginne meiner neuen Sirffamfeit, fo fegte ich mich morgen in ben 
Dampfwagen unb brächte Dir meinen beglichen ©lürfwunfcg }u Deinem 
Ehrentage 3 münblich. Ed muffen bewegte ©tunben für Dich fein, 
wenn Du jutücfblidfl auf Deine lange Saufbabn, aber bie emften 
Erinnerungen, bie Dir babei auffteigen, werben Sielte oon ihrer 
Sitterfeit oerlieren, wenn Du benlft, wie »iel ©uted Du gefftftet 

unb wie »iel Serebrung unb Siebe Du gefunben buff-?ür 

meine bfentliche Sorlefung über beutfeh« ©efchichte* bube ich bereit* 
bad anatomifche Dbeater nehmen müffen, ba ft<h ©tubenten unb 
^bififto baju bringen; unb baf ich für ein $roatco(leg über SMitil 
10 «Jubbter gefunben, ifl für bie biefigen Serbiltniffe febr »iel Die 
öffentliche Sorlefung wirb mir nicht (eicht, obgleich ich fie fchon ein* 
mal gehalten bube, benn ich muff ein jablreichte unb gewiblted 


1 SBgl 6.271 Sinnt. 3 ban f&nfjigj&lmgtn XHtnfljuMl&um am 1. 91«. 8 feit 1816, 


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Cftofcer 1863. 


303 


^htblitum befriedigen, unb ich fe^e wiebet einmal, baß ^ifforifc^e ©ot* 
(efungen von affen ©ottrdgen die fcbwierigflen find, fcbwieriget fogar 
al« ein feflematifcbet ©otttag über ^oütif. 3m Sanjen gefaffen mit 
die biefigen ©tubenten weit weniger al« bie Seipjtger, meine Goffegen 
bagegen erheblich beffet afe bie in üetpjig. Da« babiföe ©chulwefen, 
namentlich in bem fatbolifcben Dbetlanbe, fleht bem fdcbftfcben weit 
nach, bie ©tubenten erf(feinen im ©ergleicb mit ben notbbeutfcben 
entfliehen fcbülcrbaft, unb bie Regierung ifl im »offen SRedf>te, wenn 
fte bur<b ein neue« ©cbulgefefc bie ^ieftgen ©pmnaften nach bem 
©lüftet bet notbbeutfcben umjugeflalten fucbt. Slaturlicb bat bereit« 
bet Entwurf biefe« @efe§e« unter ben Ultramontanen ungeheuren gdrrn, 
unb eine glutb von ©cbmdbfcbriften, erregt. Deflo mehr freue icb 
mich, ju meinen (Soffegen in einem febr guten ©erbdltniffe ju fiebern 
3n Jeipjig würbe icb von ben ©teiften gemieben al« ein anrüchiger 
liberaler; §\<x fommt mir bie große ©tebrjabl mit Sertrauen ent* 
gegen, unb eine ftarfe Jlnjabl von ^rofefforen bbrt meine ©orlefungen 
über ©efcbicbte. ©He ich erwartet, fcbimpfen bie ultramontanen ©lütter 
nach prüften über mich, unb von bem Xone tiefer ©olerntf fannfl 
Du Dir einen begriff bitten, wenn ich Dir einmal für affemal eine 
$robe mittbeile: fetten, bie mit X. Umgang gehabt, erjdblen, er fei 
fcbmerbbrig. Da biefe« Uebel ficb befanntlicb mit ben fahren »er* 
fcblimmert, fo ifl »otau«jufeben, baß er in einiget £eit nicht mehr 
im ©tanbe fein wirb, feinem Xebramte votjufleben." Du fannfl 
benfen, baß ich bie gute Jttftcbt b«8e, biefe menfcbenfreunblicbe €r* 
Wartung meiner Segnet nicht ju erfüllen. 3<b habe mir vorgenommen, 
febe« ©emefler ein publicum ju lefen, um nur bie Saulbeit ber ^tcfigen 
©tubenten ju betömpfen unb fte für bie biflatif<b*politifcben Sieber 
ju interefftren, bie bi«ber hier ginjUcb »ernaebliffigt würben. Einige 
Sebutt wirb nitbig fein, aber mit fcbeint, ber ©oben ifl für ehrliche 
9lrbeit nicht unbanfbar, unb ba ba« gefammte fünftige babifcbe ©es 
amtenthum nicht in ^etbelberg, fonbern %itv gebilbet wirb, fo habe 
ich bi* ©Wgliebfeit wirflich etwa« ju nüßen .,. Sieben ben ©or* 
lefungen geben anbre Arbeiten her. Den Schluß be« ©ucb«, ba« ich 
unter ben Jhinben habe, foff ein Sluffag bitten über „©unbe«flaat, 
©taatenbunb, SinbeiWftaat" — eine febr mübfame Arbeit, ba ich bie 
Sefchichte aller mobemen gbberativflaaten baju fhtbiren muß unb 
vornehmlich bie Sefchichte ber Sereinigten ©taaten noch febr im Jürgen 
liegt ... 


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304 


9)evember 1868. 


SBenn wir feinen fRebel gaben, fo iß grate jegt ba« Sanb »unter* 
fd^6n: ringsum gemixter Sffialb unt ein fbfHüge« garbenfpieC Setter 
gäbe teg 5 mal 9la<gmittag« ßotteg, ater ®am«tag unt Sonntag 
Slatgmittag werten reblitg )u ©pajiergängen «erwentet. Son antren 
£erßreuungen, tie einen getiltcten 9Wann loefen fJnnten, «fl wenig 
tie Stete; itg tin alfo, ganj wie itg« wänftgte, fetr »iet ju häufe... 

©ein treuer @ogn 

heinricg 


898] Vn ben Catn. 


SWein lieber ©ater, 


greiburg, 29.9?o». 63. 


wa« tie geletrte Urbeit an £eit übrig Idßt wirt von ter ^Jolitif 
»erftglungen, unt mit SDlüge flehte icg mir eine ©tunte um ©ir ju 
antworten ... Set tin in ter lebten £eit mietet reegt unwotl ge* 
wefen, fo baß icg fogar einige Stage lang tie Sortefungen au«fe§en 
mußte. ©o<t goffe icg nunmetr ten legten Stribut an ba« greiburger 
Slima entrichtet ju taten, ©er SBinter ift hier immer fetr feuegt 
unt weieg; ©cgnee giett e« in ten meinen 3agren gar nicht, um fo 
empßnblicger fint tie ei«falten ÜBinbe, tie ploglicg auf furje $tit 
vom ©ctwarjwalt teratweten. — 2Nh fange an/ tier feßen guß )u 
faffen; namentlitg freut e« rnieg, baß megrere ter älteßen unt beßen 
9>rofefforen meine regelmäßigen £ut6rer ftnt. Slucg in antren Greifen 
gewinne icg SBefanntfcgaften; fo war icg tiefen Mittag tei tem @rafen 
SBaubifßn, einem »ortreffliegen SWanne, ter foeten, auf ten Stuf feine« 
J&etjog«/ naeg @otga abreiß 1 . ©a tin icg tenn gleich tei ter fegweren 
grage angelangt/ tie Sille« in Spannung gilt, ©ie Aufregung 
gier iß ßarf, ater tei ©eitern nicht ßarf genug um tie ungegeuren 
Jpemmniffe ju überroinben, tie unfre J?6fe bureg tie Unterjeicgnung 
te« Sontoner ^Jrotofoll« ficg felter bereitet gaben. 3(g füregte, mein 
lieber Söater, ter teutfege 83unb wirt aueg ta« noeg m&glicg ntaegen, 
wa« ©ir unmbglicg fegeint 1 . ffielcge Söirfung für tie £ufunft, wenn 
unfre ©pnaßieen ta« legitime Stecgt eine« teutßgen gürßen miß* 

1 @raf Hermann von ©aublffin, 9*b« 1798 in .Scpent>agen, gtft in ßreifnng 1891; 
93atct bei iprefeffert bet tgeoliogie ©taftn fficlf ». ©. 3 „meine! €ra<gteni 

ift H unmigtict, bie (Recgte bei neuen Jpeqegi von ©<g(e<»i$Jgofjtein ju mifh 
achten obre finten ju (affen*, gatte bet ©atet am 21. 9fov. geftgtteben. 


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Rowmba 1863. 


305 


achten, baS mit beit &eiligfhn Sntereffen unfter Nation jufantmen* 
fddt! gilt Rlittelweg tfl unmöglich; bafür b«t ©dnemarf geforgt. 
hunberte von Beamten ^tben bettt Ufurpator beit gib verweigert 
(auch SHfveb bat, wie ich titelt anberS erwartete, feine ©flicht getban). 
Rtit weltfern diente roid ©eutfcblanb biefe SRdnner febügen, wenn 
es baS Recht beS 4>erjogS mi$a<$tet? gs ifi bie £u!unft ©eutfeh» 
lanbs, barum es (wnbelt. ©ie Revolution, ber wir febr langfant, 
aber unvermeiblich, entgegentreiben, wirb um ©ieleS entfefflicber wer» 
ben, wenn auch biefe gtage ein fcbmachvodeS gnbe nimmt. SDleine 
Hoffnung auf einen glurfticben IfuSgang ift febr gering. ©olfsvet* 
fammlungen (beten eine beute hier gehalten würbe) unb gteiwidigen« 
Werbungen entfebeiben RicbtS. 3«b bin nicht fo blinb, ben ©^nafüeen 
adein bie ©cbulb jujufebreiben; bie Gattung Hamburg« fann uns 
lebten, bafj auch in ber Ration baS einfache ©efübl für baS Recht 
febwer verfümmert ifi 1 , unb ich furchte, es wirb noch einer barten 
Sebrjeit bebürfen, bis wir bie etfle alter politifchen Äunfle fernen: ju 
bewahren was von Rechtswegen unfer ifi. ©erjeib ben ©tofjfeufjer. 
©ie neueften Rachricbten aus ©erlin unb ffiien lauten wahrlich trofl* 
loS genug*- 

üBenn ich vorhin meine godegen lobte, fo behebt fich baS nur 
auf bie Rtdnner; ihre grauen ftnb mit brei Ausnahmen entfefjlicb, 
begleichen ihre ©efedf(haften. 3<h taffe, wenn es irgenb angebt, ab« 
fagen unb höbe nur bei ©obmannS unb ©aubifftnS eine angenehme 
©efedigfeit gefunben. — ©ebt es irgenb an, fo fontme ich ©fiem 
)u guch. — Rainer wirb fegt hoffentlich am £iele feiner SBünfche 
fein*; mich fodte es herzlich freuen, wenn er befiimmt würbe für 
©cb(eSwig»hotfiein ju fechten. Rur mufj es ein ehrlicher Ärieg um 
baS ganje, gute Recht fein. — Xaufenb betjlicbe ©rüfje. 

©ein treuer @obn 

Heinrich 

• • ♦ 


1 „®er (Hat von Hamburg l&fte am 27» %>v. 1863 ben f<^U6n>la-f>olftetnfdben Slufc 
f$ufc att angebttyel SBerbebureau auf." 3anfem®atnn>er, ®$fetoigs$olfieint (Be; 
freiung. @.130. 2 (8g(. Spbef 3,156 ff. 8 Der ©ater fc^reibt in bemfelben 

(Briefe: „(Hainer ifi ber dltefie jum JDfft|ier, $at bie beffrn JJeugniffe au6 ber ftnfhtU 
unb au6 ber (truppe, man ^dtte tym |u meinem Sfcrentage ba# (patent geben 
(Annen.* 

n. 20 


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306 


Starnnb« 1863. 


888] frani Oo«b«t 

greibutg, 29 Stov 63. 

Dein 93rief M wir, mein lieber greunb, noch mehr freute be* 
reitet ald Du fetber erwarten wirft ... 3« bie Keinen SJerbdltniffe 
wirft Du Dich fcbtcfen muffen, gleich mir. Kuch üb empfinbe jefct, 
ba ber bitte Scbwarjwalbnebel und tagtdglicb umgiebt unb und unfer 
Sefted, ben Staturgenuf, raubt, oft fefjr lebhaft, baf ein vernünftiger 
SJtann nur in grofen Stdbten ober auf bem flachen ianbe leben 
foU; bie SJtittelflrafe taugt niematd. Siniged von mir weift Du 
fcbon; bie jjeitungdnacbticbten haben nicht übertrieben 1 , ich lefe meine 
beutfche ©efcbicbte dor einem, nach büftgen Gegriffen, ungeheuren 
publicum, aber bie .fcdlfte ber J^örer beftebt aud ^rofefforen unb 
^blliftw«/ unb ed ift Idftig oor Seuten ju tefen, bie beftdnbig friti* 
fiten, obgleich ben Steiften bie ^Berechtigung baju fehlt. Defto fldg« 
lieber ftebt ed mit meiner ^olitif, bie, ald ^rivatcoUeg, nur etwa ein 
Zehntel meiner ©efcbicbtdjubürer anjiebt, ndmlicb 17 (eine für gtei* 
bürg auch flattlicbe Summe) . . . 3<b fchteibe Dir biefe Detaild 
nur, weil Du baraud etfeben fannft, baf ich mit ber SRebrjabl 
meiner Sotlegen gut ftebe, von ben Stubenten geliebt werbe (fo weit 
bied möglich ift bei bet mdbrebenbaften greiburger gaulbeit unb 
Sauferei) unb von ben Ultramontanen in fcbriftlicbem unb münbs 
liebem dtlatfch aufd Keuferfte mifbanbeit werbe. Die Seute verlieren 
übrigend 58iel von ihrer gurchtbarfeit in btr Stdbe; ed ift erftauntich, 
wie wenig geiftige dtrdfte ber Surie noch ju Sebote flehen; unb wad 
ben Älatfcb betrifft, fo ift ed in greiburg (eine Dugenb tugenbbaft 
}u fein; ich lebe, bid auf bad SBeintrinfen, Idcherlich folib, aber mein 
©ewiffen bat fein Stecht fieb wad barauf einjubilben. — Die erften 
fonnigen SBocben in bem febönen Sanbe waren febr angenehm; unb 
auch je$t bin ich jufrieben, benn mein #aupt}wecf, Stufe jum Arbeiten, 
ift im SBefentlicben erreicht. Stur ift aud bem Arbeiten bidber leiber 
noch fein Scbriftfledem geworben. 3# will meine Sammlung mit 
einem langen Sluffafje „Staatenbunb, ©unbedflaat, Sinbeitdflaat* 
fcbliefen . .. Unfer 2Beg wirb jenem ber Italiener nicht gleichen, 
aber febr dbnlich fein; unfre ©efchichte weift und auf ben Sinbeitd* 
ftaat, wenn nicht bie grenjenlofe Siiebertracbt unfrer Dpnaftieen und 
enblich, wiber bie Statur ber Dinge, jur goeberativrepublif treibt. Da 
bin ich benn bei bem angelangt, wad beute Silier Jjerjen bewegt. 

1 ©gl. ©$irmaiui ©. 213. 


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X>tjonbtr 1868. 


807 


34 fegre foeben von einer großen ©ottSverfatntnlung, höbe bort 
au4 meine Sunge prei«gegeben, aber Du weißt, wa« <4 von bem 
fouverdnen Unverflanb gölte. 34 feg« ba« ©4Ummfle voran«. Der 
beutfc^e ©unb wirb feine ©atur ni4t verleugnen, unb ber «Ration 
mangelt m>4 bte gewaltige Seibenf4aft um ign ju jwingen. Sin 
Stgor wer für Deutf4lanb etwa« anbere« erwartet als @4onbe, f° 
Icptge Defhei4 über un« b<trf4t. SBir werben unfre $fK4t tgun, 
un« mfibe f4reiben unb mübe reben, bo4 für fegt ogne Hoffnung. 
Den ©tauben an mein ©olf, bie« ßttlügfle ber Srbe, werbe üg auch 
na4 biefer neuen ©4onbe nie^t verlieren. S« wirb beretnjl no4 bie 
f4fummerfü4tige Xrdggeit von fic$ werfen, bie un« ba«felbe ifl, wa« 
ben 3talienem bie geheimen Serf4wirungen waren; aber ein 9Renf4en* 
alter mag no4 baruber hingegen ... 

©4reibe recgt halb. 

Dein 

SC. 


394] 9n Salemn £irjel. 

greiburg 5. Dec. 63. 

#o4geebrter Jg>err, 

... im ©ansen ftnb meine Erwartungen erfüllt, in mancher J&in* 
fi4t fvgor übertroffen worben. 3ln ber Uuiverfttdt gobe ich f4**ell feflen 
guß gefaßt... 3n meinem publicum bringen fich an 150 ©lenfchen 
in einem winjigen ^immer, benn greunb ©uß got wohlweislich 
gleichseitig ben einigen großen ©aal, ben wir hefigen, belegt, greunb 
©uß! Da gaben ©ie ben gansen #umor meiner Sage! 3n Seipjig 
hatte ich« üoch nur mit ffiuttfe ju thun, ber trog 3Webem hoch ein 
©etehrter ift, hier mit ©uß unb ©ocf, ©lenfchen, benen man im 
©orben gar nicht geftatten würbe ftch ju gobilitiren. Es mutget mich 
oft feltfam an, hier über Dinge fheiten §u müffen, bie ftch baheim 
von felber vergehen, unb über Sutger mit biplomatifcger ©Wßigung 
SU reben. Sfber e« hot ouch feinen Sftcxj ein ©rebiger in ber fffiüfle 
Su fein, unb einige Dafen seigeti ftch hoch. Unter ben Sollegen finb 
mehrere tüchtige ÜJldnner, namentlich unter ben SRebicinem *. 34 
flehe mit ber ©legtsagt re4t gut; e« wäre in Seipst'g unmügli4 de« 
wefen, baß ein Drittel ber ^rofefforen bei mir bürte ... Äurs, i4 

i 9fof „beberjigenln>ertt)e Sffiorte* be4 ©pndfologen £cgar «erroeifenb, erinnert 
fi<b Xreitftyfe no<$ 1883 ber fräf>eten gemeütfamen Jreibnrger i e^rtdrigfeit (£etttftye 
Mmyfe 91. $♦ ®. 230 .) ffior adern aber ifi $ier an ttugufi dBeilmann )tt benfen. 

20* 


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308 


jDqtmbtr 1863. 


hoffe, in einiger 3eit mic^ hier jurecbtjuftnben. Slut mit ber greis 
bürget fogenannten ^olitif muf man mich »erfchonen. ©ir hoben 
hier einen fog. liberalen ©erein, ein wunbetbareS 3<ugni# unfrer 
Politiken Unfcbulb: £>eflerrei«her unb Deutfche harmlos burchetnanber 
unb auch unter ben SBebetjten nur ©enige, bie bei bem ©orte 
„Slationafoerein* f »&t nicht entfärben. Das {{} fo recht baS Element 
für politifirenbe jtleinflübter wie ©angolbt, unb ich banfe ©ufcf 
herzlich/ baf er ©’S Auffa$ über bie fcbleSwigbolfleinifche Anleihe in 
ben ©»pierfotb geworfen b°t. Da bin ich benn bei bem/ was alte 
anberen ©ebanJen jurütfbringt ©an fcfümt ftch fafl, in folchen 
Sagen über feine perfönlichen Angelegenheiten ju fchteiben, unb mir ifl’s 
ein nieberfchlagenber ©ebanfe, baf ein Söolt mit einer halben ©illion 
©olbaten in einer Lebensfrage auf greif«haaren jüge finnen fann, unb 
noch trauriger/ baf wir Sinjelne fo blutwenig thun (innen. Denn 
bie öffentliche ©einung auffldren über eine ©ache, bie Har ifl wie 
ber Sag/ baS ifl unnüfe Arbeit. Sticht an bet Sinficht gebricht eS 
unS, fonbetn ben ©chlechten an ©ilten/ ben ©Uten an ©acht. 
Natürlich thun wir hier unfer ©efteS um bie Aufregung ju fleigem. 
3cb habe mich nicht gefchümt neulich in ber ©otfSoerfammlung nach 
einem ©ollblutultramontanen eine Siebe )u halten; nach mir fprach 
ein Saplan unb oerübte burch eine herrliche Abraham a ©. Claras 
S>rebigt ein rühmliches Attentat auf bie ©elbbeutel ber ©auern .. . 
3m ©anjen haben unfre ©auern baS J^erj auf bem rechten glecfe, 
unb ich traue ihnen bas ©efle ju im galle eines Kriegs. Aber werben 
wir fo weit Jommen? ©iebet einmal offenbart eS ftch/ wie richtig 
wir rechneten/ wenn wir fagten/ 9>reufen befümme Deutfchlanbs 
©efehiefe, unb wieber einmal fcheint ^reufen uns jeigenju wollen/ 
baf wir bie richtige Rechnung/ hoch ohne ben ©irth/ gemacht, ©ie 
oft wirb man ©ontgelaS’ ©ort über Skiern auf ^)reufenS ©efchichte 
anwenben müffen: l’histoire des occasions manqules! 1 Doch baS 
ifl ja baS Sntfefcliche, baf unfre Lage fo »erjweifett Har ifl unb 
deiner bem Anbren etwas SieueS barüber fagen fann. ©eine Jpoff; 
nung ifl feht/ fehr gering; fte oötlig aufjugeben fann ich mich noch 
nicht entfchliefen. ©agen ©ie ©ufch, bitte, wenn er meine geber in 
biefer ©ache gebrauchen fann, fo foll er mir feine ©efefjle fehiefen. ©iS 
jeft aber weif ich barüber StichtS ju fagen, was nicht jeber ©chuU 


1 SögL ©Umarcf, ©fbanfeit u. €nnnemngen 1,273» 


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Dejember 1868, 


309 


bub auch fugen ftnnte. greptag b«t «0 bann beffer; er erwirbt ficb 
bureb feine ©otbarr Sorrefponbcnj ein wirfltebeO ®erbienft 3eb freue 
ntieb immer, wenn ich feine Stacbricbten aßmdltg in unfren ©infel* 
bldttem auftaueben febe 1 ... Stur um biefer ©aebe wißen werbe icb 
aßenfaßo eine SluOnahme machen non ber Stegei, 9ti<b to ju tbun unb 
ju benfen, waO fi<b ni<bt auf unfer Such bejiebt. 3<b b<tte biefe 
©orfebrift in ben legten Monaten fo fhreng befolgt, baf i<b mir oft 
re<bt bomirt oorfomme in meiner Sinfeitigfeit. Safür aber, »erebrter 
#err, bitte icb auch um etwa* Sangmutb. <50 ift fieberlicb fcb>6n 
bureb ti« wiffenfcbaftlicbeO S5u<b politifcb ju wirfen, nur muf eO 
auch wirflicb wiffenfcbaftlicb fein. (Sin mittelmdf igeO ©erf Bann unb 
wiß icb nicht fcfjretben, unb wenn eO gut werben foß, fo bitte i<b 
©ie ju bebenfen, baf mir unter aßen Mitarbeitern ber ©taaten* 
gefebiebte entfliehen bie febwerfe Aufgabe jugefaßen ift. Sie ©amen* 
lung erlauben ©ie mir boeb ja oorauOjufcbicfen. So ift für mich 
ju wichtig, halb ein biftorifcbeO ©erB berauOjugeben. Son aß meinen 
biftorifeben Sluffdgen ift hier gar Stiebt* befannt, unb meine greunbe 
fetter bitten mich, bie ©egner ju entwaffnen, bie aßwbebentßcb baO 
©uttBefcbe „©utaebten" aufwdrmen unb auOfebmucfen. Sen Stob. 
Slum opfre icb 3bnen; ©ie haben »oßfommen Stecht*. Ser „Sinbettd* 
fiaat" fommt an baO Snbe beO Such*. Siefe Unterfucbung bot mich 
»erftoeften Unitarier noch »erftoefter gemacht ... So ift mir lieb, 
baf ich Aber biefe wiebtigfte grage unfrer neuen ©efebiebte in* Älare 
gefommen, unb wenn ich mich nicht unwiffentlicb fettft belog, fo 
bin ich ganj unbefangen an bie grage berangetreten ... 

©utfegmib bat mir neulich bureb einige feiten bewiefen, baf er 
ftcb auch in feiner ernften Sage ben 30tam, bie gute Saune unb baO 
preufifebe ^erj bewahrt bat. — 3n meiner Sigenfcbaft alo ^rofeffor 
ber Sanbwirtbfcbaft erfldre ich meinem greunbe Sufeb, baf fein 
Steinbolb ©«bäum ein 3gnorant ift*. ©ie fonnte „ein in ©aebfen 


1 »fre^tag oerforgte bie £age*bldtter mit Stachrichten unb Enleitungen im Vugugem 
bürget 3>umffe bureb eine flutogtapijifrte Aottefponbenj gleich ber 1853 oon ihm 
gegrftnbeten (Erinnerungen, SBerfe 1,176).* (Dooe.) 2 ff i<h halte e* nicht fär möglich, 
bah ©ie ju einem befriebigenben Stbfchluffe Ober ihn gelangen, er geht ber ©egem 
wart noch aB)u nahe", hatte J^irjel am 7.9teo. gef<hrieben. 8 Da* Freiburger 

DorlefungtoerjeicbnU fftnbigtc für ba* 6^©. 1864 at* britte* Aodeg Xrcitfchte* 
an: 2anb»irthfchaft*lchre; jtoeimal michcntt. oon 7—8 Uhr. „Die beutfehe 2anb= 
mirthfehaft fong unb je*t* ig ber (Eitel cintr Vrtifelreihe oon (Neinharb ©chaum, 
bie geh burch bie lebten 6 Stummem ber @ren)boten 1863 lieht. 


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310 


Z)q«mb<t 1863. 


erfcheinenbri unb »on einem Sächfer rebigtrte« SBtott" ber Slectoral* 
fchafe treuloO »ergeffen unb ben SRuhm bet »etebelten Schafzucht 
wahrheittwibrig bem preufifchen Srbfeinbe jufchreiben? Ober galten 
bie ©renjboten Saufen etwa bereit* für eine preufifche 9>rot>inj, wa* 
bocp bem eigentlichen ©eifle bet @efchicf te entfchieben wibetfpricbt ? Sie 
(eben, ich tef* eifrig bie ©tönen ®littet, hoch fann ich fie leibet nicht 
mehr auf bem SDJufeum auflegen, weil fie, gleich ben $reuf. 3ahrbb v 
oon ben Ultramontanen jetriffen werben! *©ott erhalte bie ©en*= 
barmen* ifl h»er mein täglich ©ebet, benn ohne biefen JpimmelOfegen 
wären unfre Schwaben mit ihrer Vorliebe für hanbgteifliche Slrgu« 
mente fchon längfl wieber beim äegemtbrennen angelangt . . . 
©rufen Sie SKÜeö am runben ©ifche her}lich> SRichten wir, wenn 
Sie biefc feilen beantworten, fchon mitteninne flehen in einem ehr« 
liehen Kriege um unfer 2anb; ber ©ebante oerläft mich nicht unb 
bringt ftch immer wieber »or. ÜRit ben beflen ©rufen 

3hr aufrichtig ergebener 

Xreitfchfe 

396] t(n bm SDatre. 

greiburg, 19. ©ec. 63. 

SDlefn Heber ©ater, 

... 9loch fann ich nicht fagen, baf e* mir hier auOnehmenb ge* 
fiele, aber tf hat fich hoch 2We* beffer geflaltet alb ich hoffte. 3ch 
habe mir rafch hier gteunbe gewonnen, unb wenn mir auch bie 
Kollegien mehr £eit foflen a(0 ich »ünfehte, fo werbe ich hoch nicht 
wie in £eipjig butch alterhanb nichtafabemifcbe Slnfprüche jerftreut 
9lur geflem lag ein fotcher Slnlaf »or. ©0 war eine horte £umuthung 
an meine Sörufi, baf ich nach zweiflünbigem Solleg noch 3 Stunben 
lang über bie ©efchichte Schlelwigholfletn* feit £>lim« feiten reben 
mufte. ©et Stoff ifl fo fchon, baf bie öftrer rebtich SDIann für 
ÜRann auOhielten unb SUIrt auf« SBeffe ablief. ®on Jjerjen lieb aber 
ifl mir, baf übermorgen bie gerien beginnen; ich brauche fie bringenb 
für meine literarifchen Arbeiten. SReine Sollegen finb fchr anflänbig 
gegen mich, nnb e* wirb wohl nicht lange währen, bi* ich meiner 
fonberbaren Stellung al* „Sameralifl* enthoben unb auf ben $la(j 
gewiefen werbe, ben ich thatfächlich auOfütle. ©ie Ultramontanen, 
bie mich noch immer regelmäfig aller 8 Xage abwechfelnb al* Scheufal 
ober al* ©ummfopf in ihren Slättem fchilbem, hoben an ber Uni« 
»erfität 9ttcht* }u fagen. SRetfwürbig ifl mir an ber Partei nur bie*. 


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Dfjtmfc« 1865. 


311 


tote- wenig wirflicpe latente fiep barunter finben, neben fepr t>ie(en 
gefcpicften 3ntriguanten. Unb noch feltfamet erfepeint en einem 9lorb« 
beutfcpen, wie erttf^aft felbft gefcpeibte ÜRünnet jcbe bicfe Dumm» 
beit bet uttramontanen Siebtet beachten: — Äapujinaben gegen Xutper 
unb üpnlicptn Unftnn, ben bei unn {ein gebiibetet SRann, gleicpoiel 
ob Äatpofc! ober ^roteflant, tefen würbe, Diefeü Unwefen ift bie 
fcplimrafte ©epattenfeite bet fübbeutfepen Juflinbe unb für ben ©üben 
ebenfo gefüprlicp ober oielmept noch unheilvoller afe ban Sunfertpum 
füt ^teufen *. — deinem lieben Stüber wünfebe icb petjlicp ©tücf 
)u ben Spauletten/ abet et ifl witflicb ju bebauem, baf et babeim 
bleiben muf. Lorbeeren freilich werben fich bie SunbeOtruppen feproer* 
lieh b»lm*; bet Ärieg ift »erborben unb oerfabren noch benot er be* 
gönnen pat. Unfte lebte Hoffnung beruht noch barauf, baf bie 
$erjogtpümer felbet fich tegen unb butch eine oodenbete Dpatfacpe 
eine glüefliepe Sntfepetbung bringen. Slun Striefen non Saubiffin 
unb greptag weif ich/ &«£ bet Jjerjog in fein 2anb geben unb tf 
barauf anfommen (offen will/ ob beutfehe «truppen einen beutfcpen 
©ouoetün au« feinem £anbe »erjagen. ©ebe bet #immel, baf biefer 
Sntfcpluf nicht wieber aufgegeben wirb, Sn wüte entfepliep, wenn 
en bapin fdme, baf J?r nStemardf unfrer Nation wiber ihren 2Billen 
bie ©cpamrütpe in« ©eftept jagen bürfte- 

Stainer foll bttrep bie erften gelehrten Slbfepnitte im SRomrafen 
fiep niept fepreefen (offen; er bann fte ja überfcplagen 3 . Dan golgenbe 
gepbrt ju bem ©epünften wan je in unfrer ©praepe gefeprieben worben/ 
unb er müfte (ein junger SRann unb (ein ©olbat fein/ wenn ipn 
bie ©cpilberung Jjamtibal’n unb Sdfat’ß niept entjüefte.., SRancp* 
mal oerfpüte icp boep ftarfe ©epnfucpt naep ben füfen ©ünben einer 
großen ©tobt dt if) perjlicp langweilig/ ftep jeben Dag bie grage 
»orjulegen/ ob man im *£opf*oben ober im „Äopf^unten ben Saffe 
trin(en will. Sin ©Uten bat bie pieftge ©efelligfeit, fte ifl (einen» 
wegn ffeif; unb bie Stofefforen würfeln gelegentlich baf ein Sanbn* 
(neept fiep baran freuen (ünnte. — Sin fropen SBeipnaepten unb ein 
glüeHicpen Steujapr für unn unb für unfer unglüefliepen Sanb. 

SDtit taufenb ©rufen 

Dein treuer ©opn 

^einriep 

1 $igor. n. iötifc iöffSpe 4,76. 2 Sgl. ®. 818 SL 2. 8 freitfepft 

fäidtt ban Srabn ju ©«ipiwepta» bie QUmtfcpe ©«fepiepe«. 


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312 


£qnntar 1863. 


396} 31n @ufh» fwptag. 

greiburg 29. Dec. 63. 

J£>o<hgeehtter $err, 

-3<h habe ©ie in 6«« (egten (Soeben ernfflich beneibet; 

©ie finnen bodj etwa« für bie gute Sache thun, ober »ielmebt fegt 
oiel, benn ich uberjeuge mich tdglich, wie trefflich Shre Sorrefponbenj 
auf bie fübbeutfche treffe wirft. 3<h feinte mich recht meinet ge* 
jwungenen (JlichtätbunO, benn aufer bem Slgitiren burch (BolfOs 
»erfammlungen, Sßerlefungen u. bg(. habe ich SRichW leiften {innen, 
©elbfl für bie ©renjboten {onnte ich bi*b«t 9lidjtt> fchreiben; bie 
Sreigniffe bringen fi<h, unb in unferem entlegenen (Sinfel erfahren 
wir (Wie« ju fpdt. (Rur Sinei/ wai ftch im (Srunbe »on felbfl oer* 
fleht/ muf ich Shnen noch fagen. (Senn ©ie glauben/ baf man mich 
in ©otga braunen fann (natürlich * n einer Sache, wofür ftch fein 
anberer ebenfo brauchbarer SRann finbet), fo bin ich (eben (Äugenblicf 
bereit meine ^rofeffur nieberjulegen. — Ueber bie Sage bebarf ei wohl 
jwifchen uni feiner (Sorte, ©o weit alfo ftnb wir/ baf biefe (Beuft 
unb ©chrentf an ber ©pige ©eutfchlnnbi flehen — SRenfchen, benen 
bie heilige ©ache im beflen Sode nur ein Mittel ifl um ihren »er« 
rotteten 2>pnafüeen ein paar 3afjre länger bai armfelige (Dafein ju 
friflen *. ©eit ben neueffen (Rachricgten aui Jjolflein athme ich wieber 
auf. 3egt enblich fommt bie Bewegung in tie rechten #dnbe, unb 
hoffentlich ifl bet lag nicht mehr fern, wo ber Jherjog, auf febe 
©efahr f>in, felber in fein Sanb geht. — ©ie {innen ©ich benfen, 
wie augenblicklich ein guter ^reufe im ©üben fich befinbet. 3ch 
weif nicht: bin ich oerblenbet burch bie (Borliebe, bie mich mit oder 
Seibenfcgaft, beren mein 83lut fdgig ifl/ an biefen ©taat fettet: 
— ich fann $reufen auch jegt nicht aufgeben. (Sohl empört mich 
- bie ©ebulb ber ^reufen, aber ich weif nur ju wohl: auch meine 
heifblutigen unb — grofmduligen (Babener wdren im gleichen 
Salle noch nicht fERann* genug um $um Siechte brt SSiberfianbO ju 
greifen. — 

©ie fragen, wie mir greiburg gefüllt? ©ehr wenig, obgleich 
ich bat ben Seipjiger greunben noch nicht geflanben habe. (Kein 
(troff ifl: ich fann immerhin Sinigtf nügen (hoch oiet weniger a(6 
in Seipjig) unb ich finbe etwa« mehr 3«it jum Arbeiten. — 

1 %(. 3,166 f. 3 an fcn^aimotr, S(f)Wwi8-'.£>otftfine Btfwiung. 6.166f. 

134. 


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1868. 


313 


Smpfehlen Sit müh 3htet grau ©emahlin unb nehmen Sie bie 
beflen @rifje tmb ÜSünfche / 


3h*e« treu ergebenen 

Dreitfchbe. 


387] 8n bfli SSatcr. 

greiburg 31. Dec. 63. 

SOlein lieber SSatcr, 

-Da« ndchfte Sierteljaht wirb mir mehrere aufjetorbent« 

liehe flogen bringen, >Juetff bie 2lntritt«votlefung . . . Salb bar« 
auf mufj auch üb in bem Spclu« non Sortefungen jum ©eften 
Schle«p»igbolflein« auftreten, ber hier wie in ben meiften UnivetfititO« 
fWbten veranflaltet wirb. 3<b werbe vermutlich über ÜBafbington 
fpreehem 3<h weif fehr gut/ bafj man eine grofje politifche Unter« 
nehmung nicht auf bem Settelwege burchfubrt; aber ba bie Deutfehen 
ei noch immer nicht (affen binnen, bie sehnte Stufe, ba« Stitteib, 
für patriotifche 3werfe anjurufen, fo mag ich mich nicht atrtfehließen. 
Der #erjog braucht vor Slllem (Selb, wie @raf ©aubifftn un« immer 
wieber »erjichert. 8Bir hoben atfo gewaltig agitirt unb eottcctirt 
unb siemtich Siet jufammengebraeht. Silber fotche freiwittige @aben 
bitben niemal« eine hmreichmbe Summe. SO gilt fegt vor 9l(lem, 
bafj man fich an ber Anleihe betheitigt, obgleich ber^erjog fie leibet 
recht ungefchirft eingerichtet hot. 3ch werbe 100 £hlr* baoon 
nehmen ... Du ftnbefl vielleicht bie Summe etwa* hoch für 
meine Stittel; aber mit biefer Sache ift mit« bittrer Smfl, unb ich 
mag nicht )u ben beglichen ©efellen gehören, bie, mit ben Sippen 
freigebig, mit bem ©eutel bargen. 3lu<b fcheint mir* nicht gang un« 
möglich, bafj ba« fcb(e«w«bolfl. Sopiergelb einft einen reellen ffierth 
hoben wirb, ©orberhonb gehn bie Dinge leiblich; mir ifl eO eine 
JjerjenOfreube, bafj meine Sanboleute im Sorben ber guten Sache 
beiftehen, unb hoffentlich iff, wdhrenb ich f<h**t&e, ber Jjerjog bereit« 
in fein Sanb eingejogen. Die wirbliche Sntfcheibung wirb aber erfl 
an ber Siber eintreten. 3<h hofft/ bei bem SinfaUe in Schleswig 
werben 3ene im ©orbertreffen ffehen, bie am Srnfthoftefitn betheiligt 
ftnb: bie SchleOwigholffeiner felber. 3ohonna hot freilich Stecht: ber 
•Oerjog ifl bein bebeutenber Stann; ich weiß ba« au« ber £eit, ba 
ich mit ihm in ©onn ffubirtt, unb au« ben ©erichten feiner Um« 
gebung. älber er hot boch ©erflanb genug, fteh mit tüchtigen Slännem, 


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314 


3anuar 1864. 


wie ©amwet/ Stande/ SRichelfen, ju umgeben unb (ich mit beut 
SiberaliVmuO leiblich ju ftellen, ohne beffen J^ilfe heute auf bet SBelt 
9ticht$ auögerichtet witb. 9toch ift 9tichtt verloren/ unb noch iß rt 
möglich/ baß baO verrötberifche Regiment in ©erlin mit ©chimpf unb 
©chanbe jufammenbricht... bie 2Beihnach«tage ftnb mit/ bid auf eint 
(leine fe$r ^ubfcf)t ©efeCßhaft bei ©obmantrt/ ganj bäuVlich »et* 
gangen ... nehmt vielen Danl unb begliche ©ruße von 

Deinem treuen ©ohne 

$einri<$ 

398] t(n 3u(iu( Ate«. 

Sreiburg 6. 1. 64. 

borgen fangen bie ©ortefungen wiebet an; ich muß mich alfo 
beeilen/ wenn ich mein ffiort holten unb meinem lieben alten Sebrer 
noch in ben 2BeibnachWferien ßhteiben mid . ,» 3$ wollte/ rt 
wüte ©ommer, unb bie ©onne fd^iene auf ben Stebgarten vor 
meinem genßer unb auf bie tiefbunden ©cbwarjroalbberge im hinter* 
grunbe. Dann briete ich wohl einen ©tief ju ©tanbe, bet 3bnen 
greube machte. 3m 2Binter ift folch ein deinem 9leß fcheußlüh/ ßhlimmer 
att ©ie verwöhntet ©robbtet glauben mögen ... 3cb batf mit 
fagen/ baß ich Einige» nu§e alo ein voegefchobener hoffen proteßan* 
tifchet ©ilbung inmitten biefet ulttamontanen SBelt, aber hefaufä 
werbe ich hier nie/ unb in einigen 3abren muß ich mit einen größeren 
unb natürlicheren 2Birfungö(tetd errungen hoben, ©ie wunbem ©ich 
vielleicht (einen JppmnuO von mir }u hören auf ben beutßhen libe* 
ralen SWußetßaat. ©ewiß/ bie ^Regierung iß vortrefflich/ aber ba< 
©oll ift {ehr unfchulbig baran, baV politißhe Sehen ift (aum lebhaft 
unb gebilbeter al6 in ©achfen, unb — waV unO ©roteßanten un* 
begreiflich fcheint — bie deine SRinberheit ber Ultramontanen bM 
bie vernünftigen Stute in einem fortwöhrtnben Jußanbe ber dngß 
unb Schüchternheit. Aut)/ rt giebt hier für mich SRancheO ju thun; 
ich »etbt wohlgemuth einige Sahre lang in unfrem alten Sefuitencolleg 
meine (e$erifchen ©orlefungen holten unb verfuchen, ob e6 mir ge* 
lingt/ bie grenjenlofe gaulbeit ber weltlichen ©tubenten ju breebew 
Daß mir bie unau*gefe$te ©chimpferei ber'Ultramontanen bie Saune 
nicht »erbitbt, werben ©ie mir glauben, Süich ßnbe-nch einige »er* 
ßönbige ÜRönnet unb gute Aametaben, bie mir freilich ben Atyütg 
nicht erfegen. 3m ©ommer/ wenn ich unfern herrlichen ©Sein mitten 


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3<>nuar 1864. 


315 


Cm ©albgebitge, in ©t Ottilien, trinfe, wirb eß mit pcherlich beffer 
behagen. 3njwiftben arbeite ich eifrig an ber ©ammlung meiner 
Rluffäfce unb lerne baran — Befcheibenbeit. ©nen gonj feblertofen 
biftorifthen 2luffa§ ju fthreiben ift ein bötteß ©tücf, noch baju für 
mich, bem ber ©inn für baß Detail nicht angeboren ift, fonbem erft 
anerjogen werben mu§ . . . Slachber fommt bie beutfcbe ©efchichte 
an bie (Reihe, bie ich nicht hergebe fo lange ich nicht bamit |u* 
frieben bin . . . lieber bie heftige ©ache, bie heute vor allen an* 
beren meine ©eele bewegt, fann ich nur fagen: wir muffen wacfer 
fort agitiren um unfre feigen Dpnaftieen in ©chach ju galten 
unb bem Jperjoge bie Bilbung eine« ftbleßwigholfteiniftben fyttti ju 
ermöglichen. Denn in bet #anb t>on Sntriguatrten, wie Shr viel* 
geliebter (!!!) Beuft, wirb baß Siecht julefct rettungßloß verrathen. 

3b* ultet treuer Schüler 

jtreitfchfe. 


899] 9fa ben ©ater. 

greiburg 20.3an. 64. 

SDlein lieber ©ater, 

ich bube bießmal Deinen Brief etwaß länger liegen (affen, benn ich 
wollte erft meine Slntrittßvorlefung vorüber laffen ... 3ch nahm 
auß ben Unterfuchungen über ©taatenbünbe ein ©tücf herauß, baß 
fich in einer ©tunbe abthun lifjt: bie SRepublif ber (Jtieberlanbe, unb 
ich föht baß 5£hema, fo fremb eß unß fcheint, läft fich boch wirffam 
behanbcln. Solch eine Sache wirb an (leinen Univerptäten noch mit 
vielem £ärm getrieben: Slnjeige in allen Leitungen. . . bann feiet» 
liehe Auffahrt. Dann marfchirt baß corpus academicum, einen 
Bebell mit bem ©cepter voran, auß bem donferenjjimmet in bie 
Slula, ich alß Delinquent jwifchen bem Decan unb bem $rorector mit 
feinem ©nabenfettlein; nach ber Borlefung folgt bie Bereibigung. 
& war fehr voll, obgleich ber Srjbifchof ben Sonvicttbeologen ver* 
boten hötte ju erfcheinen. Unfre Slula ift baß alte SRefectotium ber 
Sefuiten; baß Sefuitenjeichen prangt noch grofjmäcptig inmitten ber 
Decfe. Sß machte mir abfonberliche greube in biefem (Raume von 
ben nieberlänbifchen gelben beß ^roteftantißmuß ju reben unb von 
ber älteften grtiftatt confefponeller Dutbung... ©eit ich ®ucp ju* 
le$t fchrieb ffnb wir in einen ©intet hineingerathen, beffengleichen 
man h*erjulanbe feit SDlenftbengebenfen nicht gefehen höt. 3mmer 
wieber, wenn ich bie feftgefrorene ©chneebedfe fepe, benfe ich baran. 


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316 


Januar 1864. 


tote leicht ft# tiefer fofHi#e gtofl benufcen liefe, um ©#ledwig ju 
erobern. älter meine finfhen (Jrroartungen von tiefer teuren äln* 
gelegenbeit fangen an ft# ju erfüllen; in wenigen «lagen werten tie 
^)er)og#ümer tem natften Skrra# anteimgefallen fein 1 . SR&gli# 
— ni#t wabrf#einli# — ifl ed, baf wir tur# fol#e 9li#tdwürbig* 
feit für ten älugenblidf einem europiif#en Kriege entgegen, älter 
ganj gewif, baf in wenigen Sabren tiefe ©ünben ft# f#reefli# tes 
flrafen werten. Unt ju äl liebem fommt, taf ter 9ti#flbetbeiligte, 
ter Jpetjog, au# fein ganjer SWann if}. Sföan befreuntet ft# am 
älugufienburger #ofe (angfam mit tem ©etanfen, @#ledwig aufju« 
geben, greptag bot tie älnfänge tiefer oerjroeifelten ©taatdfunfl f#on 
in ©otba beoba#tet, unt jeft taffen und ©raf ©aubifftnd Söricfe aud 
$iel tadfelbe jwif#en ten ^rilm lefen. 93on ällfreb lad i# geflem eine 
oortreffli#e Sorrefponbenj in ten ©renjboten 1 ; au# er bot wenig Jjoffs 
nung. — Do# i# fÄnte fein Snbe, wollte i# weiter t>on tiefen uns 

feligen Dingen reten-SRe#t beimif# füble i# mi# bt«r im 

ÜBinter immer no# nt#t, aber ed bebagt mir to# beffet ald i# früher 
geglaubt... älu# einige angenehme 5D?dt#en fenne i# jeft. Sd giebt 
hier im jDberlante febr »iel bübf#e @eft#ter in allen ©tänben, unt tad 
SBolf neeft tie ©#weijer graufam mit #ren plumpen b^f (i#en grauen, 
gur tie Damen werte i# (natürli# jum SJeffen @#ledwigs«Oolfleind) 
eine SBorlefung holten: Slifabe# Sbarlotte am #ofe Sutwigd XIV, 
unt i# hoffe mit einige greunbinnen tatur# ju erwerben. — 

£aft mi# mein @#weigen ni#t entgelten. 9tamcntli# Jjepp 
fonnte ft# wohl einmal ju einer literarif#en £eiflung aufraffen, 
ffiiele berjti#e ©rufe. 

Dein treuer ©obn 

JJ>einri# 


1 £age ba fcreitfchfe biei fchrieb, ttbtmafym SEBrangel ben Oberbefehl über bai 
preuiifch-'ifferreichifch* £eer, bai bir von bm beiben ^Rächten auf ©runb bei 2oiu 
boner $rotofotti jwar gegen £&nemarf aber nicht für ben €tbprinjm ffriebrich er? 
hobenen fforberungen ju ©unfien 6chleimig:Jpo[ffeini mit ©ematt burchfefcen wollte. 
®tefei Vorgehen mürbe weit unb breit in £eutfchlanb ali „©errat* bei Sache 
bei (Srbprinjen empfunben. ©gl. Spbet 3,215. 9}och am 3. gebt, fchreibt SCreitfchfe 
an garnefe: „meine le$te Hoffnung iff, bai bie $reuien butch ben Ärieg weiter 
getrieben werben all ihre luchtimftrbigen genfer motten.* 2 1864 Wo. 3, 6.112 ff. 
„9u$ Sthleiwig^olflein*. ®er Slttifel, ber fcharfe €rwibentng in bemfelben Statte 
erfuhr, war nicht von ©utfehmib, fonbern von ©ufch, atterbingi mit fehr inbiifreter, 
jum 5teit wirtlicher ©enufcung ©utfehmibfeher ©riefe unb „©ummefwibe", ,bm$ 
einige ©ufcbmännifche Äraftauibrttcfe verbeffert* (©utfehmib an foeitfehfe 26. Jan.). 


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fcbruar 1864. 


317 


400] Vtt bat Statcr. 

gretburg 9/2 64. 

©lei» lüftet ©ater, 

-Vor einigen Stagen ift aueft meine öffentliche Vorlefung 

uberflanben. 3cft fpratft übet 8Bafftington; e« ging Sille« gut/ nur 
fonnte ieft au« ben Slrtigfeiten ber Damen reeftt feften, baff unter Jeftn 
(aum Sine etwa« Äecftte« »erftanben ftatte. 3n ba« gefeltige Seben 
fange ieft an rnieft fteteinjufinben; unter ben Vlübeften fterrfcftt ein 
leieftter ungezwungener Ston unb geftern al« am Stofenmontag ging 
e« fogar etwa« au«gelaffen ju 1 . Die Äfteinlünberinnen oerfleften e« 
vortrefflich/ mit Slnftanb feftr (uffig ju fein. Ueberftaupt gefallen mir 
bie grauen ftierjulanbe weit fteffer al« bie SRünner. Der groffft. 
ftabifefte allerftöeftft coneeffionirte Dureftfeftnitwliberalümu« ifl Vtcftt« 
al« wohlfeile ©eftreterei oftne rechten SWutft*. ©lüef ftat fteft 
bie Stegierung jeftt bureft SRatftp’« Ernennung jum J?anbel«miniffer 
bureft einen eifemen Sftarafter serftörft. Dftne fo früftige guftrer 
würbe ber Siberati«mu« in Vaben feftr wenig gefiebert fein unb für 
bie Ultramontanen ftalb wieber eine £eit be« Siege« fommen. Da« 
ultramontane ©eftimpfen gegen mich »ft feftt abfonberlicft ffarf, feit 
alberne Vereftrer in ben >ü»tungen ben ffiunfeft au«fpreeften, man 
möge mir bie bureft ©frörer’« Stob feit Sängern erlebigte ©teile (ba« 
Drbinariat für ©efeftieftte) übertragen. 3cft weiff reeftt woftl, baff ieft 
im ©tanbe würe biefen ^)(aft au«jufüllen, aber ieft barf mir fagen/ 
baff ieft nie baran gebaeftt ftabe, benn bie Ernennung eine« „^fcoteftanten* 
jur ©efeftieftttprofeffur würe eine feefe Veleibigung be« Srjbifeftof«/ 
woju ieft unfrer gacuttüt ben SDtutft nieftt zutraue. fOlit bem Flamen 
„tyroteflant" treiben bie Pfaffen groffen fWiffbraueft. ©frörer felbfl war 
gebomer ^roteftant unb trat erft futj vor feinem Stöbe zur fatftolifeften 
Äircfte über; aber feine Ernennung würbe von bem Domcapitel eifrig 
betrieben/ weil man iftn al« einen Slnftünger be« 9>apfhftum« fannte. 
Doeft jefct, ba man meine (Ernennung fürefttet, feftreit Sille«, greiburg 
fei eine fatftolifefte Unioerfitüt, bürfe nur fatftolifefte @efeftieftt«leftrer 
ftaben. Die gacuftüt ifl in Verzweiflung; benn e« giebt gegenwürtig in 
ganz Deutfcftlanb nur Sinen jüngeren braueftbaren fatftolifeften Jj>ifto= 
rifer, meinen Sollegen SBeeeft, unb, ber ifl gar zu jung unb feiner 

1 ©et am gafhunftttbienttag gefeftriebene ©rief beginnt mit ber SRitteilung, ba§ 
©teitfeftfe in bet teftten Stacht bi« morgen« frfkft um fünf Uftt getanzt ftabe. 
3 „ift mit in tiefflet Seele vetöefttlicft* (an Stoff 30. 3an.). 


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318 


gtfeuar 1864. 


©eftnnung nach ein 9>roteftont! 3cb taffe natürlich greunb unb geinb 
ruhig reben unb rühre feinen Singet in bet Sache. Da6 6nbe wirb 
wohl fein/ bafj bie ^rofeffur abermalv jahrelang unbefegt bleibt 2Kb 
wünfche gar nic^t <3frürer6 ^Nachfolger ju werben; ba6 briete mir 
nur eine Serbefferung meinet 6infommen6, aber eine Unmaffe ge« 
Affiger Sttnfeinbungen unb feine Setgtofjerung meinet Sirtung6« 
freifed, benn ben Geologen würbe e# nach wie vor verboten bleiben 
bei mir ju büren. Du magfi au6 biefen Dingen erfeben, wie febr 
fcbroierig hier bie Stellung eine* ^roteffanten ift 3Rir finb biefe 93er» 
bültniffe febr lebrreicb; ich len« b«t einige ©(battenfeiten be6 beutf<ben 
£eben6 grünblicb fennen, wovon 3b* w» korben faum eine Innung 
habt Slber für immer bleibe i<b nicht b«r; mein ^ta$ ift an einer 
ber proteflantifchen JJocbfcbulen, fte finb bie ein|igen/ benen ber 9tame 
Univerfität gebührt 66 wirb mir hier immer flarer: ber @cgenfa( 
von Katbolici6mu6 unb $rotef!anti6mu6 ift leibet unenbti<b tiefer 
al6 bie gutmütbigen Seute glauben. 66 banbeit fiep babei ni<bt um 
ben Unterfcbieb einzelner Dogmen/ fonbem um ben @egenfa$ von 
Knecptfcbaft unb geiftiger greibeit Sin einer #o<hfcbule, bie eine 
fatbolif<be gacultät bat/ ift e6 eine 3>b*afe von Sehr* unb Scmfreibeit 
ju reben. Sille tbeologifdpcn $rofefforen finb orbinirte 6(erifer unb 
von ihren geiftlicpen Dberen fo volttommen abhängig/ bafj erft für)« 
li(b ber 6rjbif(bvf unferem wadferen alten ©eiftt SSatb SRaier feine 
$efte abverlangte. Daju bie tbeot ©tubenten in ein 6onVict ein« 
gefperrt unb nach alter Sefuitenroeife butcb gegenfeitige geheime 
6ontrole auf ©ibritt unb Dritt beobachtet. Da6 nennt man afabe« 
mifebe greibeit! — 

Deine begliche 6intabung bat mir bie ©ebnfuebt nach ber $eimatb 
wieber recht (ebenbig erregt. Unb boch fann ich augenblicflich noch 
nicht fagen/ ob ich im ©tanbe fein werbe )u tommen. 3<b muf 
burchau6 mein Such fettig bringen unb froh fein/ wenn ber Dermin/ 
ben ich wir bafür au6gebacht (ba6 6nbe ber ©fterferien) nur um 
einige Soeben Übertritten wirb . . . Die Dinge im SRorben 
haben ficb rafch unb über 6rwarten glüdflicp geftaltet 1 ; boch bauern 
mich bie fäcbf. Struppen, bie tbatlo6 jufeben müffen*. Soeben er* 
halten wir bie noch unverbürgte Nachricht/ bafj man in Kopenhagen 

l Schon am 6. febr. Rotten bie £&itro bat Danewerl aufgegeben. 3 ®ie waten, 
alt (JpeCuriont truppen bet ©anbei jufammen mit ben JpanuooeTanem, burep bat 
ftiegerifch« Stegreifen $reufjent unb £{terret<bt funttiontlot geworben. 


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gebruar 1864. 


319 


jtarl ». Schweben jum Äbntg audgerufen. Dad wäre eine gewaltige 
£b«tfache, bie und Sined von ©ei bem bringen müfjte, entweber einen 
glänjenben grieben ober einen europäifchen Ärieg. 3ch wünfcge, baf 
bie Stachrüht ftcb betätigt; jebenfoßd wäre bamit ber legte Segen 
bed Sonboner ©rotofolld jerriffen .., 

Dein treuer Sohn 

$etnrtcb 

401] Vn Salomen Jgfa|«L 

greiburg, 14. gebr. 64. 

Jg>o4>gee$rt«r #frr, 

... SJtein ©ucb lägt mir leine Stube unb geigt mir täglich Rarer 
meine Unroiffenbeit 1 ... Der afabemifcbe ©ortrag 1 bot mir viele 
altebrwürbige Jjofratbdberjen gewonnen. #ofr. Sengler, ein »er* 
fcbämter Ultramontaner/ ber ft<b mit 3 bicfen ©änben an bem 
„©ottedbegriffe* »erfünbigt bot/ brücfte mir bie Jjanb unb freute ftcb, 
bag id> offenbar gar feiner Partei angebäre! Sr bärt regelmägig 
meine beutfche @efcbiegte, itb »erntete alfo barauf ibn aud feinem 
Xraume ju gären. Diefe finblicbe politifcbe Unfcbulb ift bw unter 
ben aufgeflärten Seuten allgemein, unb — nach ben Srfabrungen ber 
legten 9Bocgen fe^cfnt mir bie groge fWebrbeit ber „nationalen Partei" 
in Deutfcglanb nur wenig reifer ju fein. 3ft ed erhört, bag tüchtige 
SDtänner ibr guted ©reugentbum audjieben wie einen alten Stocf unb 
nach ein paar gleignerifcben Stebendarten bed »©eug ftcb Jpald 
über dtopf in ben Äotb bed Stbeinbunbd flütjen*? Dag #err Jjepner 
für bie btübenbe Staute fcgwärmt unb ber ?eipjiget mob bem rauten* 
befränjten Stetter bed ©aterlanbd jufubelt, ftnbe ich ganj in ber Crb* 
nung. Rber wenn J^äuger bie Xriad prebigt unb ©luntfcgli bad 
Direftotium »ertbeibigt — in einem Slugenblicfe, wo »on ben 30 Älein* 
floaten grabe jwei ehrlich ftnb: — fo fomme ich mir »or wie ber 
einjige ©emünftige unter einem Raufen ©efeffener. Sie wiffen, 
mein ^reugentbum iff febr arg unb ed wirb hier täglich ärger, wo 
ich beutlich febe, bag geh hinter ad’ bem gefinnungdtüchtigen «Schimpfen 
auf ©idmarcf Stichtd weiter verbirgt ald ber gemeinte g>reugenbag. 
3a, ich habe mich bed Uebergangd über bie Schlei aud »oller Seele 

* Stn Dotrbed 8.SW Ar}: »fort unb fort rtnpftnbe i$ meint Ua»iffenbeit unb f<brcibe 
langfamer att meint unb pirjeU Ungcbutb wOnfcben.' * Die ttntrittfvoriefung. 

• ffigl. ©pbel 3,243. 


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320 


gebniot 1864. 


gefreut; es ift getlfam, wenn bie 9Belt erfdgrt, baf bie teufen trog 
altebem baS bejte Sjttt in Deutfiglanb gaben. 816er fo blinb ift 
meine Vorliebe für ^teufen botg nicgt, baf icg nun 8WeS in rofigem 
Siebte fige. Sollten bie @6tter, ©sJJolftein w&rbe preufifcg, wie 
unfre 9>giliftet gier winfelnb verfitgem. 3<b fege wenig ÄuSftcgten 
ba ju, unb wenn es bo<g geftgAge, fo rnufte ber Stwerb erlauft 
werben bur<g felbflmbrbetifcge ^ügejlAnbniffe an Deftreitg, wovor uns 
ber Jjimmel bewahre. 3cg benfe, aus biefer Verwirrung wirb am 
legten Snbe eine grinblicge ^erfe^ung ber nationalen Partei gervor* 
gegen. 2Bit gaben unter unS nocg aUjuoiel $reufenfeinbe unb 
pgantaftifcge ©igreter, unb viefleitgt geteilt es ber beutf(gen ©e* 
mutglicgfeit jum ©egen, wenn igr bie Vebeutung ber Vtacgt in ber 
$olitit einmal re(gt unbatmgerjig gejeigt wirb. Der Zag fommt 
boeg, wo bie beiben naturliegen Verbunbeten, ber preufifcge ©taat 

unb baS beutfege Volf, fieg wieber ju einanber finben werben- 

©.[utfcgmib] fegreibt naturlieg fegr enteuftet über SufcgS neueften 
©enieftreieg boeg fonft Hingt fein ©rief gell unb geiter wie bie 
Zrompete beS SRuejjin auf ber fDlofcgee. @6 ift mir übergaugt eine 
greube, wie aus meinem alten greunbe ein ganzer SDtann geworben 
ift. ©eftgeibt unb gut war er immer, aber fegon als Äinb fo fegr 
©onberling, baf ieg mancgmal jweifelte, ob er ftcg in ber Seit ju* 
reegt finben werbe. 3egt fommt aßmAlig baS üRenfegliege unb Sugenb« 
liege, baS fonft unter ben Aggptifcgen Königen in feinem ©egirne 

vergraben tag, ju Zage unb fügt igm ju ben Slugen gerauS- 

Sfft Stegtag wieber bei 3gnen, fo banfen ©ie igm gerjlicg für 
feinen legten ©rief 2 ; baS waren boeg einmal flare unb mutgige Sorte 
in biefer allgemeinen Verwirrung. 

ÜJtit ben feg&nften ©rufen an ben Aiging 

3gr gerjlicg ergebener 

Zreitfcgfe 


1 Sögt. ©. 816 8. 2. 3Rorig ©uf<g, fett 1867 Oiebatteur btt Orenjboten, hat in 
Äiei, wogin ign freptag aU ©eritgteigatttt geftgidt gatte, in bie Dien fit be* €rb; 
prtnjen «on Suguftaiburg. 2 ©ejtegt füg eermutlüg anf gregtagt Vrtitel »Die 
legte SBotge*, (grenjboten 1864 Vo. 6, 6.195 ff. 


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«pril 1864. 


321 


403] Vn fron) JDoetbeef. 

9Jl<tn liebte Sreunb, 


Äomgftein 9/4.64. 


... SD« Peinigen fonb ich leiblich wo$l unb lübcuoll wie immer 1 ; 
boch i«$t, ba ich ber fäthf»f<h<n fBetterfd^aft allmätig fremb werbe, 
fällt mir btc Eintinigfeit biefe* gcfhmgOleben* ^A^lic^er benn ft in 
bie klugen. E* waren unerqutdltthe Soeben; gearbeitet warb Siel, 
hoch ging ei nicht fo raf<$ non ber J^anb a(6 üb wollte. Um fo 
mehr freue ich mi(b auf ba6 SBiebcrfeben in £eibjtg ... Stächen 
Dienhtag 9tachmittag6 benfe üb anjufommen unb noch am Slbenb 
in ben Ät&ing ju geben, bann no<b 2—3 Xage ju bleiben — wenn 
mein iSatarrb ficb etwa« milbert, 3<b b®ffe ganj ficber auf Dein 
Eintreffen; bemt fo gern ich Srau ASoeniö befugte, fo wirb ei boch 
biebmal nicht angeben, ba üb mich in Erlangen unb Stuttgart auf« 
batten mu§ ... Am Ebarfreitag b*b’ icb alb frommer Ebriflen* 
menfeb non fr&b bi6 jum übenb ba* neue Such non Strauß gelefen, 
mit großer greube, nontebmlicb ben erfien Xbeil 3 . E6 giebt boeb noch 
SMnner, bie ben SRutb ber Meinung buben. 3<b will mich bei Dir 
noch über SRancbe* belebten. — Schreibe ja fogteüb, lieber Sunge. 
Stuf frohe* ©ieberfeben*. 

Dein X. 


1 Km 16. 9X&(| mar ©reitfchfe }um geritnbefuch auf bem JUnigfiein eingetroffen. 
Unterwegt ben« «r in Aatttruh* -holt gemacht um, mit et 4>itjel <un 17. 8. be 
richtet, »«in« Slubienj unb «in« SBerlefung «et bem ©rohh«t|oge in übergehen. 
3<b !*• über OBafhington, unb ber «ertrug bie* für gefrbnte J^Aupter wenig 
erbauliche £b ttem »otttrefflith. 9» ftnb in ber ©hat liebcntwürbig« fRenfcben; 
namentlich meine Sanbeimutter ifi eine nieblicht fleine grau unb fpriebt glücHichers 
weife fo btutüch, bah wir fef)t gut jufammen auSfamen." 3 «Sehen 3«fu für 

ba* beutfebe ©olf bearbeitet*. Der «rfte ©eil enthAlt bie ©arfteflung bei 2eben«. 
3 ©iefet ©efuch Äetpjig* brachte ©reitfehfe bie Ctfenntni*, bah er in einem namhaften 
Jhaufe bort w&hrenb feine* früheren Aufenthalt* ahnung*lo( eint mit fieberet 0t; 
Wartung oerfnüpftt Neigung geweeft hatte. üBie er biefe j«*t ebenfo befümmt ent: 
tiufchen muhte, unb bah bamit auch bie Sichtung einer ihm feibft teuer geworbenen 
nahen ©trwanbtcn berfeiben gamilie vielleicht oerloren fei — foleb« Erfahrung füllte 
feinen nAcbften ©rief an 0. (au* greiburg vom 20.4.) mit trüber (Reflqnon: »3<h 
werbe«ermuthlich allein imSeben bleiben; )um fOtinbefien will ich nüglich »et: 
wenben unb mich eifrig in bie Vrbeit fHtrjen. ©ah ich ba* fann, baju mu§t ©u 
mir auch «in wenig hdfen. hier habe ich feinen SRenfcben, bem ich, ®i f Dir, 
Stile* fagen (bunte. Schreibe mir fo halb ai* mbgiieh SUerhanb; mir ifi e* jegt 
ein ©ebürfni* baran erinnert ju werben, bah *<h »och greunbe auf ber SBeit habe*, 
©r&ftlich lägt hoch eine %>ti| am Sehluh be*felbcn ©riefe* «ermuten, bah biefe 
Stimmung nicht bauern werbe: „Jhier fanb ich ben grühling wnnbervoO, baju bie 
Nachricht, bah ©Appel unfer ift* 

u. 21 


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324 


^Jtai 1864. 


Unter folgen (Renfcpen lebe ich pier. — 3tn Sommer fod bie be* 
rtyrnte Freiburger Faulbett ihr iuferfteb letffcn, fo baf bie 9tacp* 
mittagbcodegien vbdig verüben. 3<b bin begierig, ob i<b mich gegen 
biefe (Jpibemie werbe bitten (bnnen. Ädetbingb ift bie Umgegenb iegt 
gar ju fcbbn, unb Ulleb fo bequem jur J^anb, baf man fiep mit 
Gewalt in ber Stabt jurücfpalten muf. 9D?ir tput’b nur leib, baf 
icb fo wenig ^eit bube bab fcbbne £anb ju genießen ... «$>ier war 
bab (Jrfh wab icb vorfanb bie (Racpricpt von ber (frftfirmung von 
Düppel. Gottlob, enbticb ein anflänbiger Sieg preufjifcper (Soffen!... 
(Senn nur bieb wacfre Glut nicht umfonft geflogen ift — 9lebmt 
vielen San! unb perjlicpe Griffe unb fcbrcibt mir halb. 

Dein treuer Sobn 

Heinrich 


406] Un franj Ovnbtd 


Freiburg 7/5 64. 


ÜRew lieber §reunb, 

einen folcben Grief wie Dein legtet war fattn icb felbfl bei meiner 
gegenwärtigen Urbeitblaft nicht lange ohne Untwort (affen. (Rimm 

vielen, perjlicpen Danl bafüt-3cp ftöpne fegt an meinem 

Suche; eb will immer noch nicht rafcb genug vorwärtb. Gutp ift eb 
hart, fegt über beutfcpe ^olitif $u fcpreiben. Unfre nationale Partei 
bat Ulteb getban, um unfer cbleb Soll alb einen Raufen alberner 
Scgreier vor aller (Seit btof ju fidlen. Dab einjig (Sittliche in all 
biefem Dunfi von Gbrafen unb Gpantaftcreien, ben man beutfche tyolitif 
nennt, bleibt trog Udebem g)rtufen. 3cb fühlt mich wie alle (Seit an* 
getvibert von ber Grofpraplerei ber Servilen in Gerlin; aber ich meine 
hoch, in ber (Seife, wie bie braven «truppen formten, verr&tp ficb wieber 
jener £ug von Grbfe, ber in biefem Staate fleh nie ganj verleugnet bat 
unb fclbf) in einzelnen Uugenblicten beb (Rücfjugb v. 3» 1806 ju «tage 
trat (Sie eb einf) babin tommen wirb, baf wir Ude gfreufjifcp wer* 
ben, bavon habe ich f® wenig ein Gilb wie irgenb ein Sterblicher. Die 
Deutfchen ftnb eben bab pttdiepfte Soll von ber (Seit um in einem 
bereitb fertigen Staate fittlicb unb tapfer ju wirten, aber verjweifelt 
unbrauchbar, wenn eb fiep barum banbeit, burep einen tüpnen revolu* 
tionären Cfntfcpluf einen Staat ju fepaffen. Uber verjweifeln tann ich 
niept; bie wunbervode Stitigfeit unfrer Gefcpicpte tann niept in pipni* 
fepem Unfinn enbigen. 3n folcpen — wenn Du widfl, fatalifttfcpen — 


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<R«i 1864. 


926 


P 


tlebetjeugungen liegt eilt guter 3$ei( meiner Steligion, unb ndchßen* 
fleht mir tat* Vergnügen bevor, biefe Singe meinem Sater auhetnanber* 
jufegen. Sr hot foeben bie (leine ©chwdche gehobi, mich ju fragen, 
mie ich ti mit ber Religion holte. Sr meint e6 h«jlitb/ bie grage 
mag ihn ernfHich beunruhigen, unb er würbe ßcherlich befriebigt fein, 

b wenn er mir in ber Seele lefen fönnte; aber leibet fletlt fcch bie 

Rebeweife ber Pfaffen, bie ich nicht nacbbeten (ann, hinbernb jwifchen 
ihn unb mich. — Sie hitfnpn ^faffw hoben mich 8kt<h bei meiner 
Rüctfeßr mit einigen ffiutharttfeln begrüßt; bo<h geht meine Refor« 
mation6gefchichte vortrefflich ... Sie rheinifche ÄunfiauOftetlung ift 
jefct hier; ich ding hin — glücklich, wieber einmal @emätbe ja fehcn 
— aber ich Begehe: einen folgten SBerfott ber Äunft hotte ich nicht 
für mhglich geholtem — Ueberlege Sir recht ernfllich, ob Su nicht 
im #erbfl fommcn (annß. Su tnachfl mir eine große Sreube ... 
©ei herjlich gegrüßt unb fchreib’ recht halb. 

1 Sein 

Z. 


406] Xn Solomon 


greiburg 19. 9Rai 64. 


-So iß erftaunlich, wa6 bie SDlenfdjen hier faul jtnb. Ueber 

meine ©tubenten tann ich übrigenO nicht (lagen. Sie ReformationO* 
gefchichte geht fehr gut, unb meine ultramontanen greunbe freuen 
(ich baß 1 . Shre Slitter hoben mein Signalement fchon fo oft unb 
fo liebevoll gebracht, baß mich neulich ein Sauer tief hinten im 
©chwarjwalb fogieich erfannte: er (annte mein JJirrohr au6 bem 
Äirchenblatt ©onft treiben’6 bie fDtenfchen toll unb toller, ©eit vier 
SBochen bürfen bie Pfarrer, auf Sefehl beO SrjbifchofO, in ben Sie* 
mentarfchulen (einen SReligionOunterricht mehr geben, weil fiame^’O 
Sntwurf einer (ünftigen ©chulorbnung bem $apfle nicht gefüllt. 
Sffiir wollen fehcn, wer ba6 ^ungern am Sdngflen auohdlt. Sie SRc= 
gierung iß in biefer Sache vortrefflich, ober (ein verffdnbiger SDlann 
wirb ben ^weifet loO, wie lange ein ©pßem (ich holten (ann, ba6 
ben SleruO unb bie Slrmee 3)lann für SRann unb # /io ber Seamten 

1 Xufkt b<m ©. 300 X. 8 grnanntm Jtefltg XrritfchM führt bat Jutburg« SSoc 
Ufuna<Mr)«i<hni4 für b«l ©.»©. 1864 von ihm noch auf: ®rf<h»<ht« b*4 Wcfot; 
mationlttitallrr*, vunnnl »6<b<ntli<b von 4—6 Uhr; unb @ef<h. JDeutfchlnnb* frir 
1816 (6ch(uf), 6ff«uL; einmal mlchtntt. um 6 Uhr. 




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326 


Wai 1864. 


ju bittren geinben unb an bem noch immer fe$r ruhefeligen ©offe 
feinen feften SRfirfbalt bat. — 

©ielen ^«rjticfjm Danf ffir 3bw freunbtühe Aufnahme in Seipzig. 
(Senn nur nicht jroei (tage unter ben alten greunben mich nachher 
hoppelt ftarf empftnben tiefen, wie wenige geniefbare ©tenfchen frier 
(eben ... gör biefe SReifeträbfal 1 warb ich reichlich entfchübigt, al« 
ich bei ber JJeimlehr bie Wachricht non bem D&ppler ©türme not* 
fanb. Snblich, enbtich etwa« (Sittliche« unb ©nfiünbige« in biefet 
ungeheuren $hvafenbrefcherei! 3ch habe mich gefreut wie ein äinb. 
3<h weif Sttte«, wa« man an ber ©ache befritteln tann, ich weif, 
baf man bem Srften, ber unfre Sahne aufpflanzte, fünfzig Xhaler ge« 
Zahlt hat u. f. w. u. f. w. Unb bo<b befc$aue ich wir anbüchtigtich affe 
bie bummen ©Uber von ben helbenmfithigen preuf ifchen güfilieren in 
unfren ittufrirten ©lüttem. & ift nun hoch fo: lieber gufbreit Srbe, 
ber je feit 200 3ahren für Deutfehlanb erobert warb, ift burch ©teufen 
erobert, ©tauben @ie mir: bie (Berichte eine« fotchen ©taat« tann 
nicht in fchnöbem Unfinn enbigen, fie wirb erfi recht anfangen, wenn 
atl bie deinen Weiber unb Suftpolitfter ring«um oon benen, bie immer 
unb immer allein für un« gehanbelt haben, enbgiltig oerfpeift finb. 
3<h bin rafch ülter geworben in biefem (Sinter, ber bie Unreife unfrer 
öffentlichen Meinung fo fcfrecflich offenbarte; ich baffe nicht mehr fo 
f&hn unb will glucfltch fein, wenn ich mit grauen paaren noch ba« 
einige preuf ifche Deutfcfrianb fehe; aber baf ein glucflichere« (Befehlest 
noch )u biefem £ie(e gelangen wirb, ift mir unzweifelhaft. 3nzwifchen 
fehiefte oor einigen Zagen ba« fouoerüne ©otf oon greiburg eine 
dbteffe an ©euft nach Sonbon: „wtr erflüten für null unb nichtig 
jeben etwaigen ©efchluf ber Sonboner Konferenz, welcher u. f. w.* 
3ch habe (Seech weiblich bamit geneeft, baf er fehr wiber (Billen alfl 
©efretür biefen ©rief abfaffen mufte, unb freue mich fchon auf bie 
bieberen oaterlünbifchen Saute, bie ber reimbeutfehe @taat«mann al« 
Antwort au«ftofen wirb. Uebrigen« ftnb einige biefer @chl*J?otjtein« 
©ereine fo bumm nicht wie fie au«fehen. Der Sr langet ©erein $. ©. 
oerfolgt in alter ©tiUe ben £wecf, eine wirtlich« £>ppofition«partei 
in ©aiem zu fehaffen; fonft hütte (ich ein fo gefcheibter ©tann wie 
©tarquarbfen nimmermehr fo tief barein oerfenft 1 ... Doch genug. 

1 ©egegnung in Stuttgart mit ©rofeffot Siebte Sohn* 3 Drei ©riefe Sreitfebfef 
an J^einrüb «Ratquarbfen bat beratrtgegeben unb erf&utert Ä. SL non OTftOcr in 
ben Sftbbeutfcben 9Ronat«beften J)ej. 1912, Vm 28. Wo». 1864 f<bicibt Sr. in 


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Woi 1864. 


327 


3cb n>tOC noch eine onbere brüefenbe Srieffcbutb obwilien unb für 
■Jamcfe einige fRooitäten )ur neueflen beutfehen Gkfchichte befpreeben, 
u. 31. J£eine ’6 Sriefwecbfet. ©ob Such M mit Köret benn irgenb 
ein onbetrt bie Stimmung bet £eit be 6 jungen ©eutfebtonb« net« 
gegen wirtigt. ttnfte unAflbttifche Segenwatt ift wobt manchmal oer* 
k jweifelt troefen unb langweilig; aber wenn üb ben febmugigen Ktatfch 

jener -Jett unb ben feübten geuittetonfüt unb bie wibertübe ®er* 
mifebung oon ^BotSfte unb $rofa tefe, fo meine ich bo<b: um foteben 
spreiö waren bie bauern ben ffierfe non Jjeine unb 3 mmermann )U 
tbeuet erlauf unb wobt unö, bafj jene «tage bobin finb 1 . — SWit 
meinem Stube gebt e* oorwArtt; e< fott jut befKmmten ^eit fettig 
fein, obwobt i<b noch immer nübt bobintet gefommen, wie man 
febnett unb boeb gut febteiben tonn. — 

9to<bmat6, geehrter Jfctr, »erjeiben Sie meine Saumfetigleit unb 
vergelten Sie wo mbgticb nicht ©teiebe* mit ©leichem. 

1 9Jiit ben beften ©rufen 3 bt XreitfcbFe 

3b« ®rof<bürenfenbung ift gtücfticb angenommen unb mit oietem 
©anfe aufgenommen, ©er „^Beobachter" ift namentticb für bie J^an« 
nooet’fcbe ©efebiebte intcreffant 

► 

407] «n ben »«er, 

greiburg 19.Stot 64. 

ÜRetn (Uber S&ater, 

in ben 14 Sagen feit Sntpfang ©eine* Srief* ift nicht Siet (SrjAbün** 
wertbe* bi« gefcb«bm. 3<b faf fKtt }u Jjmirt unb nahm mich jufommen, 
bomit bet febbne grvibttng mich nicht attju oft von bet Strbeit abjbge. 
9tur in ben $fingjtferien, bie bi« nur bie brei geiertage übet bauern, 
bab’ ich feit bem #erbft )um erften State wiebet grofje SMrfcbe ge« 
macht. 3cb wottte mein Selb für bie ^erbftreife )u Stotbe batten, 
30 g atfo mit ein paar Sottegen nur ein wenig in ben Scbwaqwatb. 

feinem ©tititbrief ju bat giftet, u. Polit. Sluffägen an 9X.: „Die ©erganblungen 
brt €rlangtt Serein* hob’ i<b eifrig geiefen nnb banfe 3b*ten an meinem Steife 
beejli<b fftr 8He* mal Sie für bie gute Sache getrau." tlu<b b*” fpriebt ee bie 
l Sermutimg anl, baf fDtatqua«bfen< Jpauptabßcbt gewefen fei, »eine entfepiebene 

* liberale Partei fär Satan g»£ U» lieben*, unb fügt pinjn: „3P bin bamit »olfc 

tommen einverftonben, beim trog meiner unitarifepen Sefinmmg weif icp be<b febe 
nwbl, baf »ir noep jahrelang mtfre bege Kraft an ben Vniban ber Sinjelftaaten fegen 
mftffen". * Sgl. Juffer. u. Petit. Süffige 4,683f. ®eutf<pe ©eftpiepte 4419 ff. 


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328 


SRai 1864. 


Sin gtühmorgen auf betn ©lauen, betn junücbfl am Styemc liegen ben 
hohen ©ipfel be# ©chwarjwalb*, ift in bet Xhot ein ©enufj: man 
fleht weithin bie Stheinebne jwifchen vier Gebirgen — ©chwarjwatb, 
Saifcrfluht, 3ura, Sogefen — unb in weiter gerne wunberbar flat 
fümmtliche ©chweijer Sftpen vom ©etner überlanbe bi* jum ©oben* 
fee; fogat ber ©tontblanc war beutlieb erfennbat ... Unten in bcr 
reichen 6bene, wo ber ebelfle SRarfgrüfter wüchfl, erholten wir unb 
bur<h ein rechte# ^hüofenfcben 1 . Der Überrhein ift ber wahre ©arten 
Deutfchlanb*: überall eine gruchtbarfeit be# Stoben*, eine flhwedenbe 
gutle be* gaube*, bie an ben ©üben gemahnen. — Dafj ich mich mit 
einer fo befcheibencn Steife begnügte, hot feinen guten ©runb. Die 
©taat#biener*2Bittwencaffe überrafchte mich neulich burch eine Siech* 
nung von 140 ff — ein in ber Xhot coloffate* €intritt#gelb noch 
baju für mich, ber ich (eine*weg# bie Slbflcht höbe eine SBittwe in 
greiburg ju hiotcrlaffen ... ©chreibt mir recht ©iel oon ©dem wo* 
Such betrifft. 3<h freue mich belieb baran; benn ich lebe gan) füll, 
fehc fafl nur SWittag# SXenfchen, unb barunter hoch Trinen, ber mir 
meinen geiziger Umgang auch nur holb etfefcte, unb um ben flhbnen 
©ommer werbe ich boch grbfjtentheil# betrogen. Die ©chwüche meine* 
SBiffen# fällt mir oft fchwer auf* JJter); unb bann hot mich SXutter 
Statur fo wunberlich gebilbet, bafj mir ba* Sieben fehr leicht unb ba# 
Schreiben viel fernerer füllt. 3«h benfe, ba* ift eigentlieh eine fehr 
natürliche 2lrt ber ©egabung — bie Sitten wenigften# in ihrer glücf* 
liehen Sinfalt urtheilten fo — aber eine fehr unbequeme für unfre 
tnobeme ©elehrtenwelt, bie nun einmal auf ba* gebruefte SBort Sille*, 
auf ba* gebrochene Sticht* giebt. Darum muff ich wohl mit meiner 
•Seit geijen, wenn ich etwa* leiften will. — 

Deine grage, wie ich e* mit ber Slctigion holte, hot mich über« 
rafcht. S* thut mir weh, mein lieber ©ater, bafj Du Dir barüber 
©orgen machft, um fo weher, weil ich weif, bafj fte unnithig flnb. 
2Büre c# mbglich, über fo große Dinge mit wenigen ©Sorten er* 
fchbpfcnb )u reben, fo würben wir un* gan) ficher oerftünbigen. 
Ohne religibfe 3nnig(eit ber Smpflnbung (ann ich mir (einen eblen 


i ©<b*n im IDtj. 1866 fchricb Creitfcbfe bem ©ater; bat btft» tyrobuft greiburgt 
fei fein flBein, ber ,fi<b mir fc*on f* fehr int QtfömtüfyHt fyat, bafj ic* fein 
Siet mehr trinlen mag*. Unb noch im 3»ni 1864 fyeiit et an ©tiflaoa v. .$«• 
„einen SDcin wie nnfern tWarfgtdflet giebt et nicht mehr, einen bcr fo milb unb 
rein }u jeber ©tunbe ohne @rfal)t genoffen werben fann.' 


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2Rfti 1864. 


329 


Senfeben oorßeßen. Sie ober tiefer religtbfe ©loube füb in bem 
J£erjen beb ßinjelnen geßaltet, bab, meine icb, iß @ocbe ber un* 
bebingten greibeit. @elbß erlebt, felbß erarbeitet foß ber ©laube fein; 
barauf, fehtint mir, fommt eb allein an. Die Seit iß fo unermeß* 
lieb groß unb mir Senfeben fo winjig, baß Seber ßtb begnügen muß 
auf irgenb einem Sege bem ©erßänbniß ber ©ottbeit ein menig 
näb<r ju Jommen. 3<b oerfuebe bieb am Siebßen, inbem ich bie ewige 
Vernunft ju ergrünben fu<be, bie in bcrSenfcbengefebicbte maltet. 
Diefer Seg fagt meiner Anlage am Seißon ju; mich bur<bf<bauert 
babei eine tiefere blnbacbt, alb i(b ße je beim ?efen tbeologißber 
Schriften gefühlt. 3<b meine, in biefen gebeimßen Dingen beb @e* 
rnütbblebcnb foße Seber ben Stören gewähren (aßen unb ßch an bie 
iteberjeugung polten, baß man bie {Religion eineb Senfeben am 
@i<berßen an feiner ©ittlichfeit unb Dulbfamfeit er Jen nt. 3eb geßebe 
ben ßreng SBibelgläubtgen burebaub ni<bt bab {Recht ju, fkb aßein für 
Abrißen $u holten. Dob $brißenthum bot feit jweitaufenb 3abren 
feine gorm fort unb fort geänbert; fein ewiger ©ebalt iß barum boeb 
unoerloren geblieben unb wirb eb au<b ferner bleiben. Senn Sutber 
noch meinte, an bem Suebßaben ber ©ebrift feßbalten ju mäßen, 
fo ßnb mir injmifcben um 3Q0 Sabre älter geworben unb hoben bab 
2Red)t weiter ju geben alb bie {Reformatoren, 3<b höbe ein (ebbafteb, 
bem&tbigeb ©efübl oon meiner ©ünbbaftigfeit unb Schwäche; bab 
aber weiß ich, baß bie Seife meineb ©laubenb an meiner ©ebreeb* 
licbJeit nicht febulb iß. 3<b beule, mein (über ©ater, babei fannß 
Du Dich beruhigen. Senn mir ßiner fagt: bieb ober jetteb follß 
Du glauben! — fo befenne ich; ich oerßehe bieb Sort nicht. 3«b 
begreife nicht, wie man beim ©Iguben oon einem ©oßen reben tonn, 
aber ich weiß auch, baß unfer ßttlicher Sertb nicht, an ein beßimmteb 
Dogma gebunben iß. Sch bin eb nicht gewefen, ber biefe Srflärungen 
oeranlaßt bot. Sißocrßänbnißc in folchen Dingen ßnb gar }U (eicht. 
Sch hoffe, lieber ©ater, eb fann Dir genügen, wenn ich meine ©ßicht 
tbue. unb Dir ein liebeooßer, banfbarer. Sohn bin/ unb wir einem 
Seben bie Seife ffineb ©laubenb mit chrißßcher Dulbfamteit über« 
laßen. — Siete herzliche ©ruße an bie ©efeßwißer, unb laßt halb 
oon ffueb büren. 

Dein treuer ©obn 

Heinrich 


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>m 1864. 


408] ln ©ttfhwa so» Jßofrfbetg. 

grei&utg i/58. 10/6 64. 

SDteine liebe, verehrte Sreunbin. 

-Sie hoben mich gewaltig aubgefcholten, unb biebmal geb’ 

ich 3bnen Stecht. €b ift wahr, ich lebe mit meinen ©ebanfat, wenn 
ich mich geben (affe — unb bat tbut man hoch in jebem (Briefe — 
faft immer in ber £utunft unb achte vielleicht ju gering wab icb be* 
fi^e. über im geben ift bab bocb anberb unb beffer: icb gebe bo<b 
recht brtjlicb in ©enuf unb Arbeit beb HugenMicfb auf, eb macht 
mir grcube ju reben unb gut )u reben, wenn mein (Blut in (Ballung 
gerätb, unb ©ie bürfen eb nicht ju wirtlich nehmen, wenn ich nach« 
triglich Aber ben (Bertb beb Stebenb adju gleichgültig fpreche. Dab 
ift bab Heillofe an ben ©riefen, baff man taufenb Dinge erfläten mu|, 
bie im ©efpräche nicht mifjverflanben werben, ©ie haben ganj Stecht, 
eb ift fchabe — unb auch mir tbut eb •hcrjlich leib, ba§ wir unb 
nie gefeben haben. ©ie würben mich fehnell burchfchaut haben — ich 
bettle, bab ift nicht fchwer. 2 et benfehaft unb UngefHim — nach tiefer 
©eite liegen wohl bie ©chlimmften meiner gehler, unb fo bin ich, 
auch in ©riefen, oft mehr alb billig unruhig, ©ie aber müffen fo 
unbegreiflich gut fein unb nicht febeb meiner (Borte ju ftreng wägen. 
Unb in noch ®nem, meine liebe greunbin, hoben ©ie Stecht gehabt: 
©ie hoben bie greiburger ©erhältniffe in trüberem Sichte unb richtiger 
alb ich gefeben* (Kein College (Dtangolbt, ber meine (Berufung be* 
fonberb betritb, hotte >nit ©ieleb ju rofig gefchübert. Doch benten 
©ic nicht, baf ich unjufrieben bin. Sin paar Sabre will ich hier 
recht gern «erbringen. Dab Sanb ift herrlich; ich mar in ber Scipjiger 
€bne ber Statur hoch etwab fremb geworben unb freue mich hier 
mieber gut greunb mit ihr ju werben. Die ©chwarjwalbthäler finb 
nicht «iel fchbner alb man eb im #ar|e auch finbet; aber nicht fatt 
fehen lann ich mich «om ©chlofftcrge aub, ein paar ©dritte «on 
meinem Haufe; brei ©ebirge: ©ogefen, ©chwarjwalb unb Äaiferftubl, 
unb inmitten ber Sthein in lachenber ebne . .. Doch ich wollte 
Shnen «on greiburg erjählen unb (eiber bin ich mit b« Herrlichkeit 
fchon am Snbe. Die ©ieberbeutfehen finb hoch (Choren, ben ©üben 
um feiner Sanbfchaft willen )u beneiben; bab ift recht fch&n für eine 
Serienreife, unb barum bin ich auch troff allebcm immer wieber in 
ben ©üben gereift, aber eb wiegt bie gefedigen ©orjüge beb norb* 


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3uni 1864. 


331 


beutfcßen SebenP bei ©eitern nicht auf. ©an lebt eben überall »on 

ben ©ettfcßen; mir iß bic £eipgiger «Steppe je$t bet (iebftc ßlecf ber 

©eit/ unb Sßnen verarge icßp nicht, baß Sie auf bap reigtofe Reß, 

baP (SJttingen, Rieß« tommen (affen, ©it ben ©enfcßen ßeßt eP 

hier traurig: ich genieße bie gange ©ifere etnep Keinen ReßeP unb 

einer Keinen Unwcrßtdt... bie weltlicßen Stubcnten ßnb nicht gang 

utroerbefferlicß. Seit in ben (eßten 3aßren eine Reihe tüchtiger ßhro* 

fefforen berufen worben/ beginnen bie jungen geute ein wenig fleißiger 

gu werben, ©ein ©irtungpfreip iß etwa« großer alt ich buchte ... 

ffienn Sie bie Eatholifcßen 83(dtter gu Seßcßt beWmen, fo würben 

Sie nicht Kagen/ baß man Rieh« meßr Aber mich feßreibe. 3cß könnte 

3ßnen eine reigenbe 83lumenlefe mittheilen/ g. 83. „Z. iß nicht h«* 

gerufen worben/ fonbem hergefeßrieen, benn büren fann er ja gar 

Riep«* mf.f. attwbcßentlich. Solche Dinge Kingen (ußig genug; / 

nur ßnb leibet* biefe mobemen Kbraham’P a S. ßlara noch immer 

eine ©acht. Roch nie bin ich f° ß»lg barauf gewefen auP gutem 

Jßufßtenblute gu ßammen. 66 bleibt boch wabrwaP unfre ®üter 

fagten/ baß ber Rapß ber Knticßriß iß. Sie wißen/ mein religiüfer 

Staube ßebt bem lutherifchen äatecßiPmuP feßr fern/ unb ich habe 

hier wieber gelernt/ wa6 ich nie begweifeltC/ baß bie wahrhaft ge« 

bilbeten jtatßolifen burcßauP von berfelben beutfch<proteßantifcßen @e* 

ßttung getrünft ßnb wie wir. Unb boch iß'« (aber noch immer 

nicht gleichgiltig/ ob €iner fatßolifch ober proteßantifch getauft iß. 

©an muß « feßen um ei gu glauben/ welche ©acht bie Jtircße 
fort unb fort auch ouf iß« ungläubigen Jtinber auPübt. ©ir tßun 
bie aufgeKÜrten JtatßoliCen unter meinen ßolltgen oft leib/ am ©eißen 
bie Theologen, worunter einige auPgegeicßnete ©inner. Kuf Schritt 
unb Xritt ßnb biefe ©inner beobachtet/ ße filmten g. 83. gar nicht 
baran benfen, mit mir näheren Umgang gu pflegen/ ße bürfen nur 
Sorlefungen holten unb ßnb auPgefcßloßen auP bem 6onotct, wo 
ihre Scßüler ergogen werben. 2Ht biefe heiligen Räume (ißt ber <£rg= 
bifeßof nur einige ßanatifer (natürlich 3efmten). Dagu auf allen 
Mängeln ein Schimpfen gegen bie Regierung, bap bem Kufrußrprebigen 
feßr ähnlich iß, bocß glücKicßerweife vorn Rolfe oerlacßt wirb. Der 
CleruP wirb bureß eine tiefe Äluft von ber ©ehrgoßl beP RolfP ge* 
trennt, unb boeß iß unfer Zeitalter viel gu weltlich, alP baß an einen 
neuen KbfaU »on ber Äircße gu benten wire. Diefe Dinge ßnb weit, 
weit trauriger alP icß baeßte. — ©ein Rerfeßr iß auf einen Keinen 


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332 


3»m 1861. 


Ärei! befcprinlt/ unb icp »ermiße meint Seipgiger greunbe, naments 
lieg gteptog unb Jptrgel, oft fegmetglüg. 8ucp ben ßamilienumgang/ 
ben icp gulegt in Setpgig genoß, entbehre ich. ©amit iß! mir eigen 
gegangen. Srß in ben jingßen Sagten bin ich päußg in grauengefeß* 
fegaft gefommen. griger meinte «g, baß mit mein £eiben folgen 
Serfegr in bet Kegel unmhgticp mache. Sn ben lebten 3apren gab’ 
ich I« meinet greube gefehen, baß bol eine (Steiße mar. Scg miß 
nicht leugnen/ baß ich mich mit Stauen beinah nie (angmeile — b. b. 
menn bie Öefeßfcgaft nicht gu lange bauert —, felbß mit feht uns 
bebeutenben «Räbchen, menn fle nur leiblich natutlicg ßnb, unterhalte 
ich mich recht gut. &ucp mit biefen «nfprucgtlofen ©unfegen ßegt 
et hier fcplimm. ©er eonfeffioneße gant fpaltet bie Scfeßfcpaft, man 
iß auf einen mingigen Ärti! angemiefen, unb unfte fegine norbbeutfehe 
Saßfminbfcgaft fennt man nicht: bie Herren trinlen aßabenblich 
ihren Schoppen. — ©och im Sangen bin ich gufrieben. 3ch weif/ 
baß ich bet ttniverßtät nicht unnug bin/ unb ich lann mehr arbeiten 
all in Seipgig... ©o! Such/ bat gum JJerbße fertig mirb/ erforbert 
mehr ürbeit unb mirb umfänglicher all ich baegte. 3<h fugte babei 
oft fcpmcrglicp meine Unmißengeit — ja/ meine Unmiffenheit: ich 
miß burchau! nicht mieber in ben aßen gegler «erfaßen. Steine aß« 
gemeine Sitbnng iß aßcrbingl vießeitiger unb beffer aU bie ber 
SReprjagl meiner Coßegen; aber bie gocplenntniße! ®ü haben leinen 
Segriff, mal man Slße! mißen muß/ bevor man nur bal Recgt 
hat mitgufpreepen über Jgißorifcpe ©inge... Sin paar bife Stonate 
ßehen mir noch benot/ hoch haß« ich mich im JJterbß in g>«ril )u 
entfepäbigen. greilicp menn ich aul Sari! gutucRomme, geht bie 9totg 
erß recht an; bann muß ich an bie verfprochene neueße beutfege @e* 
fegiegte. 3pnen marb el gu Siel/ all Sie ein paar Jßefte über bie 
©emagogenverfolgungen gelefen patten, ©enten Sie Sich meine Sage: 
eben mit biefen mibtigen ©ingen befepäfttge ich mich ßß brei 3apren! 
3<P bin burep mein ©ort gebunben, bie Arbeit gu maepen unb icp 
meiß, baß grabe jegt menjge ©erfe fo viel n&gen linnen all eine 
gong ricfficpttlofe Sefcgicgte unfrer jüngßen 50 Sagte. So merbe icp 
benn, fobolb bie Sammlung ber esaays fertig/ noch ein paar Sagte 
gang ber (Stefcpicpte unb $olitil leben mißen. Stauben Sie mit/ ber 
Sntfcpluß mirb mir fepmer/ unb et mar mir niept leiept um! 
all Sie miep ermähnten/ icp foße niept gang in biefen Arbeiten auf* 
gegen, über icp lann Sie mitSgren eigenen ©aßen fcplagen. ©a! 


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3tmi 1864. 


383 


mir am itttermeifan gefiel in Sfören »riefen roar bocp ba* SBort 
3bre6 Söatert: werbet wa6 3b* wollt/ Sängerinnen, ©cbaufptelerinnen, 
aber febr gute! Da< nenne üb ein tapfre» 2Bort, unb e6 wirb barum 
fließt fcble<bttr, weil b«tfe nur SBenige fo reben unb noch feltener 
Ciner fo bettft. Wun, wenn ba6 ^iflorifc^e ffierf, ba» ich febreiben 
muff/ gut werben foff, fo muf üb mief) ibm ganj wibmen. @lürfs 
lieberweife tfl bie Spocbe literarifcb reich/ bie Arbeit felbcr swingt mich 
|um Scfen ferner üteratur, unb fo boffe ich, wenn bie6 bnrte SBerf 
überftanben ift, s»r Äunfl jurürfjufebren. Der Sntfchlufj war bort/ 
aber e6 febreibt Wiemanb ein Sefcbicbttwer t unb ein Drama su gleicher 
«Jeit — üb wenigfan» nicht/ bem ba6 Schreiben ebenfo febwer wirb 
ato bat Sieben leicht — unb faeft wirKich etwa» »on einem AünfHer 
in mit/ fo wirb e6 fieb auch hatten. — 

3n ber legten fait bub' ich oft öftrer gebucht... ß wäre unfre 
flotte erfi fo fiarf, bafj wir 3b* geliebte» fchüne» SBunberlanb Düne« 
mar! bi» auf ba6 legte Dorf befegen fonnten. Snjwifcben freute ich 
mich wenigfan»/ baf mir 3b* »rief gleichseitig mit ber Nachricht 
vom Sturme auf Düppel jufam. Die wibrige $rabfari ber feroilen 
»rcufjen »erleibet mir bie greube nicht. SO war bo<b ein ehrenvoller 
Zag. ^»ierjulanbe freilich/ unter biefen wabnwigigen »reufjenbafarn 
bitte man auch über biefe Xbat bie liberalen Seute fagen, ba» fei ber 
tftutb ber ^unbe! Weib unb Scbeetfucbt ohne Snbe — ba» ift ber 
»atriotiOmuO/ ben bie beutfepe £kinflaaterei gro^giebt! 3cb will bie 
Stunbe fegnen/ ba bie gesogenen äanonen Preußen» biefem Sommer 
ein Snbe machen! Sinb wir erft 9f(fe Sin Staat/ bann werben auch 
jene niebertrüebtigen >$üge »erfebwinben, bie beute noch ba» eble @e= 

mütb unfre» »olfo entfallen-Webmen Sie »ielen ^ergftc^en 

Dan! für 3bte Schreiben unb bie befan ©rufe unb SBünfcbe. 

3b» aufrichtig ergebener 

Zreitfcbfe 


409] Vn ben SOatet. 

greiburg, 28/6 64 

-3egt finben atlabcnbticb grauenanbaebten im Wlünfar 

fattt/ um bie 3ungfrau SWaria su bitten/ bafj ba» neue Scbutgefeg 
SU Scbanben werbe. 3<b war foeben bort unb fab mit Senugtbuung/ 
baf nur SBriber auo ben nieberfan Stänbtn, aber leiber auch oiele 
fleine Wläbcben, ficb S u biefem gtofanfpiele bergeben. Snswifcben ift 


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384 


3«rii 1864. 


beute, trofc btt Sungfrau SRaria, ba« Schulgefcf} oon btt lammet 
mit alten gegen 2 Stimmen angenommen worben/ unb bie ^Regierung 
if} batauf gefafjt, einem neuen 9>6belauflaufe hier emftbaft ju bes 
gegnen. 3<b will bic Setrachtungen untetbrüefen, bie fief €incm 
aufbtdngen, wenn man bie 3ungfrau unb bie deinen Jtinbcr jum 
^werfe pfdfftfchet J£*ttfcbfuebt mißbraucht fiebt; genug/ ich bin hier erft 
ju btt Srfenntnif gefommen, welch ein ©lücf ti ift ein $roteftant 
)u fein. Der $*oteftanti«mu« ift einet uncttblichen SBeiterbilbung 
fdbig; et M gerbet unb {efftng ertragen fonnen unb wirb bereinft 
noch fübnere ©eifter ertragen; bie rbmifche .Rtrtbe bleibt ewig wa6 
fie war. — Da« ift ba6 {dchcrlichc unb boeb Zieftraurige an ben 
fübbeutfeben ^ufidnben, baß man hier bem confeffioneHen $aber gar 
niebt entgehen tarnt. 3<b fc^lage bie Sorjuge bc6 fübbeutfeben {eben« 
febr hoch an/ vornehmlich bie febütte dcbtbürgcrlicbe Sitte/ bie vom 
3untcrtbume gar Sicht« mehr weif unb ben Äbel gdnjlicb oetgeffen 
bat. ttber halte üb bie Segnungen be« notbbeutfeben {eben« entgegen: 
ben ©eltbanbel unb ben freieren ©efiebttbei«, bie großen Stübte unb 
ben ungleich f<b>vA<h<?cn 9>articulari«mu«, unb vor X0cm, beit com 
feffioneflen gricben: — fo ift mir nicht jweifelbaft, wo beute bet 

Scbwerpuntt be« beutfeben {eben« liegt-Soeben erbalten wir 

bie erften 9tacbricbtcn oon bem ©iebetbeginne bet Jtunonabe im Sunbes 
witt. 3<b f<be nicht ab/ wie ^teufen hätte anber« b«nbeln fönnth: 
ba« Scbictfal eine« beutfeben {anbe« auf gut ©lud einem fremben 
Scbieb«ricbter anjuoertrauen ging boeb nicht an ... 

Siele begliche ©rufe. 

Heinrich 


410] 9n Solomon ^>itjtl. 

§reiburg 5. 3uli 64. 

-€« thut mir 3btet* unb meinetwillen leib, baß ich nicht 

früher fertig werbe 1 ; aber ba« 9)tfc. wirb 3bnen jeigen, baß febr Siele« 
neu geworben ift unb eine frühere SoHettbung nicht möglich war... 
Den $auli bab’ ich *nit vielem Dant et halten 5 . Der Sanb ift weit: 
au« am fünften bearbeitet oon aßen Sänben bet Staatengefchichte; 

1 a« Dorauiji<btli<b im September (mit ben Jpiftor. u. Spolit. Äuffi&en), 3 Den 
elften Sanb bet Sngliftben @ef<bi<bte, bie wie £reitf<bte4 grofirf Sffietf ein teil 
oon Jbiejett A Staatengefibt<bte «*» nenefien geil" ift. 


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>li 1664. 


335 


bodj bab’ ich tbn nicht ohne Weib gelefett. 2Bie gut ift e$ Pouli ge« 
tvorben: er fc^itbert grofe SBcrbültniffe unb eine einheitlich« Sühn«. 

Unfer Wnbcben ifi ougettblicflicb fe&t lebhaft erregt... Sott 2amcp 
»erlangt btr örjbifebof bi« Cntlaffung ber Schullehrer, toelcbe eine 
Sertrauenöabreffe an ?amep unterjei ebnet haben!! Doch fotebe Äapu« 
iinerfeberje ftnb ja nicht# Steue# mehr. — Dagegen bat unfer $rcuttb 
SWatbh &i«f« Zage ade vernünftigen Seute f«br beforgt gemaebt: feine 
erfie Schöpfung, bie projectirte babifeb« SBanf, ifi von ber Kammer 
verworfen worben, unb Anfang» fürebtete man, er werbe feine Snt* 
laffung nehmen. Da# ®anje war ein« wibrige Sefcbtcbte, wie mir 
febeittt, ein Urmutblftcugnif für bie beutfebe JHeinflöbtcrei unb Mein« 
fiaaterei; fotebe fübne Statuten wie SW. ertrügt unfer Pbißfl« nicht. 
SW. batte einigen SWatmbeimcr Capitaliflen bie (Soneeffion für eine 
babifeb« San! ertbeilt, unb )war foflten bie ©rünber einige, wie mir 
febeint, febr möfige, ©oroebte geniefen. Dagegen warb nun feit 
9 SWonaten (eibenfcbaftlicb agitiert» 3eb bin fein Sacbverftönbiger, 
aber fo viel glaube i<b }u wiffen, baf bie ©rünbe, bie man gegen 
SW. vorbraebte, feinen Schuf Pulver wertb waren. SWan fpracb von 
©anffreibeit, att ob ©oben allein ©anffreibeit einfübren finnt«, wüb* 
renb ringsum Privilegien befteben! Dann fam ber Stetb, müfelte an 
ben ©orreebten ber ©rünber, muttfeite, SWatbh’6 eigner ©cutel fei 
betbeiligt. Daju ber unvcrföbnlicbe JJlaf unfrer Wotben, bie bi<*&u« 
lanbe eine ungewöhnlich gemeine SWenfcbcnclaffe futb unb bem Rieflet« 
fünget // noch immer ni<bt vergeben finnen; enbticb unb vor $Wem 
bie Wiebertracbt ber Ultramontanen, bie auf einmal für ©anffreibeit 
febwürmten. Diefe Koalition bat nun SWonate lang unfren alten 
greunb bureb ©ranbfebriften unb Eingaben alter Urt bitterlich ge« 
frünft Da rif ihm enblicb bie ©ebutb, unb neulich b«lt er ber 
jtammer eine Webe, fo febroff unb fdjonungOlo#, baf $r v. ©iOmarcf 
bavor bie Segel fhreicben muf. <fr fpracb von Steigungen, für welche 
bie beutfebe Sprache ben StuObrucf „©emeinbeit* habe u. f. f. Solch 
eine Stcnc bat ba# frieblicb« Mtrliruber Stdnbcbau* feit 1849 nicht 
mehr gefeben. Die SWannbeimer JjanbeUfammer bat jeben ©erfebr 
mit bem $anbel#minifter abgebrochen, unb ba# ganje fouoerüne ffiolf 
ift empört über bie Schroffheit be# SWinifler#. 3cb weif nicht, ob 
ich unbefangen urtbeile; ich meine, SW. »erfleht von ber Sach« mehr 
al# fümmtlicbe Jtammermitglieber, unb ich habe eine natürliche Spin* 
potbfe für einen SWann, ber einer erbitterten SBerfammlung feine 


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336 


•3«U 1864. 


Innung fo f<bonung#(o# in# ©eficbt fagt. ©enug, wir haben äugen« 
blicßicb eine SDtinißcrfrtfi#, bocb hoffe ich ßchcr', &«ß ÜRatbb bleibt; 
fein Slbgang wärt ein unerfe(K<$er Scrluß. — 

Sinnt anbren, fchwcrcn Scrluß hoben wir erlitten burcb ben Unter« 
gang bet ©ubbeutfcben Leitung, {atroner# $at )war in bcr testen £eit 
fcbwcr gefünbigt burcb ^reußenboff unb Slugußenburgerei, aber man 
muß b>er (eben um )u ermeffen, wo# ba# Slufhüren be# einzigen ge« 
biibeten unb vernünftigen fübbeutfeben Statt# bebrütet 1 , ©obalb @te 
Stwa# büren faßten van ber beabftebtigten ©rünbung eine# dbnßcben 
Statt#/ fo bitte ich febr, metben ©ie mich an a(# einen bereitwißigen 

Sctiondr-Äennen ©ic bie „fettere di Daniele Manin a Giorgio 

Pallavicino. Torino 1859 “? Sitte, feben Sie ©ich bie ©ebrift, ein 
J^cft van faum 200 ©eiten, einmal an. ©ie iß unzweifelhaft ba# 
Sebeutenbfte, wo# bi# je$t über bie Jüngße italienifcbe Sewegung ver* 
üffent(i<bt warben. SWan (emt barau#, wie bie Patrioten ft<b aßmdlig 
von bcr Stotbwenbigfeit be# Sinbcit#ßaat# überzeugten, ©oßte ftcb nicht 
ein leiblicher Ucbcrfcfccr bafür ßnben, naebbem foviel febteebte# bemofra« 
tifebe# £eug ou# Stalien überfeßt warben? Son ben Sriefen Knnte 
wobt Sinige# geßricben werben; unfcbdfcbar aber finb bie angebdngten 
Suffdße van ©anim febneibenber, unbarmherziger iß bie Unm&gticb« 
(eit einer (eben#fdbigen, ehrlichen ßoeberation monarebffebet ©taaten 
noch nie naebgewiefen worben. 2 fcb glaube, mancher hart* Äopf in 
2 )eutfcb(anb würbe ftcb baran belehren*. — 

£aß Kegibi auch ©ie heimgefuebt bat, wunbert mich nicht. Sr 
wirb teiber immer pbantaßifcber unb pbrafenbaftcr. 3m Staat#« 
wdrterbucb hot er ßcb Je$t febwer verfünbigt bureb eine fcbwütßige 
Sieberei über ba# heilige rim. 9teicb, bie van ßaifer«Sntbußa#mu# 
ßrofct. Stjbel gegenüber hot er, meine ich, im ©efentßcben Siecht: 
ich wenigßen# hohe in ben ^ab#burgem niemat# bie Stacbfotger ber 
alten #obenßaufcnpoliti( erlennen (bnnen; aber fa emße ßragen er« 
(ebigt man nicht mit patbetifeber Slbetorif. — 8 Ba# ©ie von 3 hrem 
©ohne erzdbten bot mich lebhaft an meine Sanner Srtebniße erinnert. 
Sagen ©ie ihm nur, bafj er mich befuebt, wenn ihn bie ©ebnfuebt 
nach ©ein, Statur unb gotbifeber Saufunß hierher führen foßte. Ober 


1 ftugufi Sommert gab 1862—64 in fronffutt 0./2Ä. bie (mit bet ein 3ol>t zuvor 
von ihm gegränbeten vereinigte) „©ftbbeutfche Leitung" beton!. Übet ihn 

f. Siftor ®i(jmtrt in bet SWg. ®, Siogt. 61,686—42. 3 SBgl. giftet, u. ^olit. 

Sluff&be 2,281 8. (®e f<$*n in bet etften Sltrtgabe ©.686.) 


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tfaguft 1864. 


337 


werben @ie etwa felbft bureb (Baben in bie @ebwei| reifen? 3n 
©t. Ottilien fonn ich S^nen einen 9Battfa$rt6ort {eigen/ fo lieblich ein* 
fam im füllen SBalbt^ale, baf man fatbolifcb werben tbimte. — Doch 
gute Slaebt. 3# will oerfucben/ ob ich feblafen tarnt; üb brauche 
morgen einen (eiblieben (lag, benn ieb fomme im Solleg auf 3gna§ 
Sopola {u reben unb will rt boeb nicht an bet nitbigen Snbrunff 
fehlen laffen. — ©rüfen @ie ben Aiging h&jlitb* Slu6 alter «treue 
für bie ehrwürbige Kumpanei hob’ ieb mir Sregtage ©ebicbte ,,au« 
(Breblau" tommen (affen/ unb ieb freute mich/ boeb f<b* »ft ben 
Dichter von ©oll unb Jjaben wieber j« erfennen. 

SWit ben beffen ©ruf m unb ®önfeben 

3b* 

«treitfcbfe 


411} Vn Salomen 

#o<bgeebrter J^ert, 


greiburg, 21. Slug. 64. 


-Oie legte ©cbulb an ber (Berjogerung trügt ber Sluffag über 

ben (Bunbetfiaat, worin ungebübrlicb viel Slrbeit fteett-(Reine 

Sieben in ©achfen hoben mich nicht oergeffen. OaO bejeugt mir fo* 
eben mein Sollege SBeech* Sr bringt mir //bie b<f{(icbfün @rüfe", 
bie Syt(x) t>. ©igleben ihm noch inO Dampfboot für mich nachgerufen 
bat. ©. tft mir //fchr befreunbet" gewefen unb hot //mein «latent 
unb meine SiebenOwürbigfett nie genug bewunbern föhnen". Stjdblett 
@ie ba6 95uf<b» ©o tief fintt ber SRenfcb a(6 foumalifüfcber Sie* 
gierungOrath! ,.. Snblieb bin ich 3h»tn noch bafür verpflichtet, baf 
©ie mir 3b?c ©bhne {ufcbütten ... 3n ben wenigen ©tunben ihre* 
J^ierfein6 tonnten fie fleh boeb genügenb überjeugen, wie einfam ber 
oerfWnbige (Wenfcb h<« lebt unter biefen ^teufenfreffetn. (Bei 3b*ten 
febeint ti nicht mel beffer ju flehen, febrieb mir einen gan{ 

unfinnig leibenfcbaftlichen (Brief über bie SlenbOburger Slffaire 1 , unb 
meine liebe (Baterflabt hot fieb wieber ein neueb (Blatt in ihren Shren* 
franj geflochten. Doch baO wunbert mich nicht, ©ehr fcbmer{(icb 
aber ifl mir/ baf auch mein (öater wieber in eine ©timmung gerathen 
if} wie {ur £eit ber «Ibeilung ©aebfenO. 2JKt (Beforgnif bente ich 


1 SBtrbrängung brt f&e^fif^hcn Smeralt «. jgufc aut fllMibtburg unb Stiftung bet 
Stabt bunh ^>rinj grirbrich Kart «en ^rtufitn. (Spbri 8,866.) 
n. 22 


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338 


«iiguft 1864. 


baran, wie er mein SBueg aufnegmen wirb: ber Segtußauffag iß frei« 
tic^ fegt offenherzig 1 ... 

3n unfrem Xinbegen lebt man in heftdn&igcr Sorge/ ob bie neue 
Sera ni<bt boeg nocg faßen wirb. Die greeggeit ber Ultramontanen 
ßeigt tdglicg; ber neueßc Hirtenbrief unfte* 92j4geigen, oon Sott 
eingefegten Dberßirten iß ba* Äergße, wa* ich je in bteftr Ärt gelefen. 
SRatgt) bleibt freilieg ÜRinißer, aber oon aßen Seiten angefoegten... 

StlfO/ ein anßdnbiget grieben iß un6 fieget, unb ba* alte Preußen 
iß noeg nicgt ganj erßorben. Sebe ber Himmel/ baß bat neue Herjogs 
tgum, wenn e* boeg niegt preußifcg werben tonn/ wenigßen* niegt 
mit einem ®erfaßung*Srucge anfingt! ... 

9Rit ben beßen ©rußen 

3gt 

Xreitfcgle 

Olicgßen* goffe icg bie Srlaubniß ju ergaben jut Senugung be* 
ßar(*ruger tlregio*. Dann wirb gojfentlicg bie beutfcge ©efcgicgte leib« 
lieg geratgen. SRein greunb ©igleben(*) meint wenigßen*: //Wenn er 
ßeg noeg etwa* abgeKdrt gat, wirb er nocg ein audgejeicgneter ÜRann." 

418] Bn bin SBatir. 

greiburg 30/8 64. 

ÜReiu lieber SBater, 

-Der Druef be* 83ueß* gat bereit* begonnen unb foß ju 

Snbe be* öetbr. fertig fein. Der Xitel iß einfacg //gißorifcge unb 
politifege Kuffdge", unb icg bin feelenfrog/ bie Xaß enblicg oom Her* 
jen ju gaben. Serien, reegtfcgaffne Serien genieße icg freilich niegt; 
benn wdgrenb icg bie erßen Dtuefbogen eorrigire, fegreibe ieg nocg 
an ben legten SRanuffriptbogen. 3eß goffe, fpdteßen* am 15. Detbr. 
ben legten Strieg ju tgun; bann bleibt nocg £<it ju einer 14 tägigen 
$arifer Sfteife. Diefe moegte ieg nimmermegr aufgeben, benn in ben 
nießßen Sagten werbe icg mieg wigrenb ber Serien immer in SJiblio* 
tgefen unb Slrcgioen oergraben mfiffen; e* gilt atfo bie ©elegengeit 
beim Segopfe ju faßen ... 

Der Keine 2lu*flug in bie Seßwetj* war niegt fonberlicg oom 
SBetter begunßigt, unb bennoeg bet fegbnße, ben icg je unternommen. 

1 „©unbttflaut unb €ing<ittfiaat*, naeg bit irflen Ditpofitien bat 6eg(uffHk<t 
bit Sammlung. 3 int ®rm« Otxrfanb unb an bat flJimvalbftötttt 6«, von 
bmt Xrtitfegfe «ft vor jnm Zagen jutödgiffgrt war. 


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€>q>ttmtar 1864. 


339 


Die tanbtäufigen begeiferten ©tfilbetungen ber ©ehweijerlanbfchaften 
fmb burchau* nicht übertrieben. Di« beutfcfen 3(lpen »erfchwinben 
gänjHch t>ot biefer granbiofen J&errlichfeit bar Natur. 3lucf wäre ti 
mit fefr Ufymiä}, bie potitifcfen unb foeiaten «toftänbe be* Sattbe* 
einmal roäfrenb eine* längeren Slufenthalt* ju beobachten. SJletne 
furje Stnwcfenheit hat mir ungefähr ba* betätigt/ map ich au* SBü« 
ehern unb St)äb(ungen unb au* bet Natur bet Demofratie gefchloffen 
hatte. Da* burchfchnittliche 3)taf be* SBoflflanb*, bet 33übung, be* 
©elbflgefäfl* im SÖolPe ift bort erftaunlicf gtof, grüfer oetmutfUch 
at* irgenbwo fonft» Slber bamit ifl auch Stile* gejagt. ©afrhaft 
33ebeutenbe*, ©länjenbe* fcheint biefe Heine Stcpubtit nicht )u er« 
tragen. Äeine Jhtnfh — in ben reichen ©täbten 25afet, a3em, 2u* 
jern ifl oon Äunfwetfen faum bie Siebe, Äeine SBJiffenfcfaft — 
benn wa* ftnb bie fchwei}erifcfen Jpotbftfulen anber* al* Sotonieen 
ber beutfehen unb fratt|äftfchen SBiffenfcfaft? jteine gtofe $oliti!J, 
fonbem grunbfäftiche Neutralität in alten eutopäifefen Stagen; leine 
bebcutenben politifcfen Talente, fonbem fchlichte <3efchäft*männer, 
welche bie Dinge wohl ober übet nach &et Meinung be* fouoeränen 
Stolf* weiter führen. Der Streit wirb nie aufhbren, wa6 menfehen* 
würbiger fei: biefcr >}uflanb einer allgemeinen ehtenwerthen SNitteU 
mäfjigfeit, ober bie Sage unfern Nlonarcbieen, wo bie nieberm ©tänbe 
(ich unjweifelfaft fchlechter befinben, aber auch «ne reiche felbflänbige 
Kultur gebeiht? 1 3 cf petfünlich würbe mich m ber reinen Demokratie 

. auf bie Dauer nicht hetmifch fühtm- 

lieber bie fthle*wig*bolfleinifthe Sache will ich nicht freiten, Heber 
SBater. Die beiben Sanbe ftnb burch ehrlichen ätampf wieber beutfeh 
geworben; ba6 ifl ber grbfte Stfolg, ben unfere auöwärtige ^olitif 
feit 50 fahren errungen fat. Nach meinem (Befühle haben wir allen 
@runb un6 beffen ju freuen; alle anberen Stagen erfcheinm mir al* 
untergeorbnet . , . 

SWit ben h«}Hchflen ©rufen 

Heinrich 


413] Sn ben SSater. 

Steiburg 21/9 64. 

SDletn lieber 95ater, 

ich weif nicht wie e6 jugeft — genug, ich entfinne mich nicht, baf 
mir Sure ©eburt*tag*gcfchenfe feit langen Saften fo mel S*« ut)e 


©gl* X)nitf<$c Ädmpfc 2« & ©♦ 473« 744* 


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840 


Stptanfar 1864. 


gemalt Ritten wie feirtmal. 3<h glaubt/ u>ti( ich fo lange hingeleht 
batte ohne ein freunbtiche* Sott ju boten, war ich bie*mal befon« 
bet* empfänglich für Sure Siebe ... Wabt Äffe b«rjti<h«n ©an! ... 
©irflich gerührt hat mich 3ohanna’* »rief; fie fpricht fo ganj im 
Zone reiner / cbter ©utterlwbe, unb buch ohne affe weichliche Ser« 
hätfchdung über ben Reinen Georg 1 . Schabe, baß biefcr Sube — »et* 
jeih ba* fübbeutfche ©ort, hier fagt man nie anber* — eine gefchichw* 
philofophifche Zbeorie von mir ju Schauben macht. ©ie ©u weißt, 
bin ich ber ©einung, baf bie fortfchreitenbe Sultur bie Waare bet 
!au!afifchen SRaffe bräunt 3 . 3ch »iff ben Sungen batum nicht weniger 
lieb haben, wenn er btonb wirb. Äu<h wa< ©u über bie Zaufe 
fchreibft fab’ ich lebhaft mit empfunben. ©a* ift e* eben, wa* un* 
bie Ächtung oor bem Jiatholicfemu* fo fehr erfchwert. Sch habe hier 
reiche Gelegenheit, auch bie guten Seiten ber latholifchen ätirchc fennen 
ju lernen; ich lenne mehrere vortreffliche Geifftiche unb hege auf« 
richtige Ächtung oor ben weifen Schweffttn. Äber aller Srnff geht 
mir verloren bei bem Wocu*pocu* leerer gormen, ber wahrlich nicht 
jum ©efen ber latholifchen ätirche gebärt, unb — wa* fchlimmet iff 
— bie gebilbeten ätatholffen flehen biefen ©mgen noch weit feinbfeliger 
gegenüber al* wir: ich habe bei $roceffionen u. bgl wenigffen* meinen 
äußerlichen Srttff immer bewahrt, wäbtenb meine fatholifche Umgebung 
fleh ungefcheut ihrer Weiterleit hingab ... ©ir bruefen frifeb brauf 
to*, ich erwarte brüte ben elften Sogen, womit halb ein ©rittet be* 
Such* abgetban iff. Äm Snbe fehreibe ich noch; <4 fanb fleh noch 

unerwartet Siel ju tbun*-Sebmt meine febbnffen Grüße; 

Sb? habt mir neulich wirfticb eine große greube bereitet. 

Weinrich 


1 3&* erftel, im Auguft geborene* Äinb. 2 ©gl. J^ifior. u. (polit. Auffäfce 1,282. 
3 # 3Rit bem Dahlmann gebt e* (angfamer all ich bautet bie ©ettrtbeilung ber 
Schriften unb bie Darftettung ber Rtarlammtojeit flnb eben febr ferner, unb bie 
®cbriftfiellerei (Aßt fleh nicht in Accorb gebend (an J^irgel 2. Oft), ©ei fragt 
(Ereitfcbfe f$on am 21. Aug. an, ob er oiettei$t einen ©rief Dahlmann* habe ober 
eine Äußerung oon ihm fenne über feint Abficbt bei Verausgabe ber beiben (Reoo= 
lutionen. „Der n>iffenfcbaftli<be SBertb namentlich ber franjftf. (Reoolution ift in 
ber 2^** gering ^ all ehrlicher (Wann muß ich ba! in meinem Auffafce fagen. 
(Wan fann ba* ©u$ nur bann oertbeibigen, wenn man weiß, baß e* unmittelbar 
praftifcb toirfen fodte; e* rndre mir lieb, »enn ich Abficht be* ©erfaffer* burch 
ein authentifche* (Wort belegen tonnte." 


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Dfrobn 1864. — *Jie»«nbrr 1864. 


341 


414] Vn Salcmcn 

greiburg 14/10 64 

hochgeehrter S&ttv, 

ich b«be 3bnen foeben telegrapbifh mitgetbeilt, baf ich meine 3lb* 
reife um 24 ©tunben oerfchiebe, unb fcbreibe noch für) um ®ie }u 
bitten, baf @ie ©ich burcg tiefe Steife nicht am raffen ©citerbrucfen 
binbern (affen tnftgen . . . icb werbe mit ber Sorrectur in gJari« 
ebenfo pfinftlicb fein wie bi«ber. — 31m ©onntag fcbicfe tdf» Str. 10, 
wenig über anbertba(b Sogen 1 unb bann bitte icb um 3b*< ©enetal* 
abfolution für manchen (Berbruf unb manche £bgerung, bie 3(men 
bie« (Buch oerurfacht bat 1 — Sch freue mich unenblicb auf 3>ari«, 
benn ber nicbfie ©intet hier wirb gar trojHo«. (Bon ben 4, budjjfWblich 
vier, vernünftigen ©enfcben, bie ich bi** bube, gebt ©ner, ©eecb, ben 
©intet über nach Carfcrube; unb wenn mir nicht eine unbegreifliche 
SJarmgetjigfeit be« hirnmel« bie (Befanntfchaft eine« SR&bcben« fchicft, 
ba« ich au« reiner Langeweile beiratben fbnnte, fo wirb biefe ©intet* 
)eit bbchff einförmig ... 

©it Zergliedern ©ruf 

3b* 

SCreitfchfe 

31 br: Dr. 31. Oppenheim, $ari«, rue de Seine 66. 

415] 8n ben ®atct» 

greiburg 6/11 64. 

... 3<b bube nie eine genuf* unb (ebrreicbere Steife gemacht, ja, 
ich glaube jegt erft ju wiffen wa« Steifen ifl. Stur in ber grembe, 
unter ©enfehen anberer Sunge wirb man grünblich au« ben alt« 
gewohnten fßorftettungen b**uu«getiffen, unb barin liegt boch ber 
bbchfle (Bortbeil be« Steifen«. 3ch werbe in ben nüchften 3ab**n, ba 
greiburg« Lage bie« fo febr erleichtert, meine 3(u«flüge wenn mbglich 
immer in« 3fu«(anb richten. 3<b weif boch, baf mir mein (Bater* 
(anb baburch nur um fo lieber werben wirb, ©o beneibe ich uueh 
bie gran)ofen !eine«weg« um ihre hauptfiabt. ©ir Oeutfcgen haben 
feine fo g(4n)enbe, impofante ©tabt wie biefe, aber $ari« befigt auch 
nur ©enige«, wa« man nicht bei un« an ein)e(nen Orten febbner 

1 „Oie $r«igeit*. 3 9m 16. fegtribt ftreitfegte bem 58«cer: ,©ucgfMb(i<g bi* 

jur [rgtrn ®tunbr gab’ icg an meinem ©negt gtfffftn. tnblicg fnb bie Itgten 
Stilen geftgrieben, unb morgen mit bem gtAgcßcn wiO icg in ba« €>ein<&abel 
reifen. 64 ift fegon SRittcmacgt. . .* 


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342 


9lov«mfe« 1864. 


fehen fännte... Sat ©rofartige Hegt nur in ber ©ereinigung von 
fo vielem Seinen unb ©ebeutenben auf engem Staunte. Unb baju 
ifi bie ungeheure Stabt fo fauber, lachenb, freunblich; von Sunfl unb 
Stuf gar ©ich«, man hetjt nur mit #olj, ber fchone weife Äatt* 
ftein ber alten ©auwerfe fteht aut wie geflern erft gebrochen. Siefen 
freunblichen Slnbltcf gewährt bie Stabt freilich <rfl feit wenigen 
fahren, ©apoleon in hat ungeheure ©taffen fchmugiget Käufer 
hinwegreifen/ meilenlange breite ©oulevarbt burch bie alte Stabt 
brechen laffen unb fo ben tymfem einen Sienft, unb fleh fetter einen 
noch grbfeten erwiefen; benn ein ©arrifabenfampf fcheint fehr aut* 
fichtttot feit bie rue de Rivoli bie Stuilerien mit bem Stabthaufe 
verhüttet 1 . ©ar eigen ifl ber Vnblicf bet Stetten, wo bat alte unb 
bat neue $arit auf einanber treffen, fo an bem fefttnen boulevard de 
Sebastopol, wo ber alte Xhurm St. Sacquet, von freunblichen Anlagen 
eingefaft, mitten hineinragt in ben ^etlichen ©auftit, ber, hott 
Stoeoco, hott SRenaiffanee, in bem neuen $ari6 autfchlief lieh h<rrfcht. 
Sat ©terfroürbigfle bleiben bie alten ©oulevarbt, bie, eine Stunbe 
lang, in weitem $attfreife bie alte Stabt umjiehen unb burch 
Fracht ber gäben unb bat unenbliche ©tenfehengewimmet einen b«ri* 
liehen Cfinbrucf machen. Sie finb alt Strafe bei SBeitem nicht fo 
fchän wie bie Äinben ober ber 3ungfernffieg, aber bie gewaltige 3tut* 
behnung unb bat wogenbe ©ew&ht ber ©taffe macht fte unvergteich* 
lieh* ®on ©ebäuben weif ich nur Sinet, beffen ©teilen ich in 
Seutfchlanb nicht fah: ben Souvre, ber auch burch feine Slntilen* 
fammlung einzig bafleht; hier enblich fah ich meine alte greunbin, 
bie ©enut von ©tetot, unb fte oerbient ihren Stuhm*. Sie ©alletie 
bagegen fontmt ber Sretbner ©emälbefammlung nicht gleich, i<h 
glaube bat juverftehtlich fagen }u fännen. 5EBte billig ging ich ntit 
befonbrem Sifer nicht ben ätunftfehäffen nach/ bie ©apoleon ju* 
fammen geflöhten hat, fonbern ben 9Berfen ber fran)6ftfchen ätunft. 
3hre ©übhauerei reicht ber unfmt nicht bat ©taffer; einige Sculp*. 
turen von probier unb eine ftberau* (ebenbige, wunberbar ffolje unb 
feurige Statue ©tirabeau’6 im $atafle bet ©efefcgebenben Äirpert 
gefielen mir am ©efien. 3n ber ©talerei haben fie CSiniget wat wir 
ihnen nicht nachmachen: faft burchgängig eine glänjenbe ©irtuofität 
in ber garbe unb grofe Äunft in bet Sarflettung von Schlachten 


1 Jpifter. n. fofit. Huffdfct 3,888. 3 @*fc^le^tc 6381. 


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Sloofmba 1864. 


343 


unb nacften «Stübchen. Sa# cbarafterifirt granfreicb. Rorate Semet’# 
©df)la<btenbilber ftnb wahrlich eine gemalte SJtarfeillaife, unb al# ich 
©renabiere unb Ebaffeur# in biebtem Raufen mit leucbtenben 9tugen, 
febnatternb unb gefliculirenb, not biefen Silbern flehen fab, ba ver* 
flanb ich erft bie fanatifebe Rubmgier biefe# Soll# 1 . Sie jabllofen 
unjroeibeutigen Silber finb bureb fiel» felber merfrourbig unb mehr 
noch bureb bie jungen Samen/ welche regelmüßig biefe ©toffe fieb 
jum Eoptren au#fuchen. SDtancbe# au# ber franjififeben ©efebiebte 
warb mir erfl an ber ©eine flar. Sie# £ufammenbrüngen ber Kultur 
eine# ganjen Solf# an einer ©teile erföeint un# Scutföen febeuß* 
lieb, aber btenbenb/ betbürenb iß e#, unb ich begreife/ wie ein eitle# 
Soft in biefer troffen Eentralifation feinen Stubm ftnben fann: welch 
eine Stoffe großer Flamen ßblummert auf bem 9>ere*2acbaife, unb 
wie gewaltig muß ein ©ang bureb biefe ©rüberreiben ben Ebrgetj 
eine# granjofen aufregen. Slucb bie blutigswilbe Seibenfebaft biefe# 
Soll#, bie jübe Jjifce feinet ^arteifümpfe begreift man erfl, wenn 
man in $ati# bie ©leine reben läßt: wie viele ©rüber großer Stünner 
fab i<b, barau# bie 9lf«be geraubt unb in bie ©eine geworfen warb! 
wie viele Silbfüulen von Königen an ©teilen, wo vorbem ba# Silbniß 
eine# $reibeit#belben unb vor biefem ba# Silb eine# Sourbonen ge* 
ßanben bat 1 ! 9fuf bet Stitte bet place de la Concorde, wo einfl bie 
©tatue Subwig# XV prangte unb naebbtt bie ©uiliotine arbeitete, 
bat man enblicb, um bie alten Erinnerungen ju erßiefen, ein mög« 
licbß gteicbgiltige# Senfmal aufgeriebtet, ben £>beli#f von Suror. Sie 
Station gefüllt mir beffer a(# ben meißen Seutfcben: — icb b<*be 
3ntereffe für ben esprit, für bie elaßifebe ?eben#fraft unb ben Stationais 
ßolj ber granjofen — aber recht wohl wirb auch wir unter ihnen 
nur auf ülugenblicfe, fo al# ich ben Xartuffe fpielen fab unb bie 
ganje £ieben#wfirbigfeit be# geiftreicben Soll# vor Slugen f«baute, 
©onß tritt hinter ber Slrtigfeit biefer Stenfcben boeb alljufebttell 
bie beleibigenbe Eitelfeit hervor. A toutes les gloires de la France 
— fleht auf bem Serfailler ©«bloffe. Sieber Fimmel, wie viele 
©cblacbten, wo wir bie $ran)ofen prügelten, prangen al# gloire de 
la France in biefer ungeheuren ©ammlung bißorifebet Silber. SBenige 
©ebritte von bem ©cbloffe in einer JJintergaffe liegt ba# Satlbau#, 
eine SBinfelfneipe, noch b«ute von ben ©olbaten jum Saßfpiele bes 


1 giftet, u. ^r«.-«ttff. 8,206. 2 3,49. 


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344 


Stosemb« 1864. 


nu$t — bie weltbiflorifche ©tütte, wo bie Stevolution begann. Die 
grivolitüt be* ©arifer geben* ifi gtenjenlo*; felbjt wer Sien fennt 
macht fich bavon Seinen ©egriff; fie tritt Stnem halb in ber ge» 
metnften, halb in ber bejaubembften Qeftalt entgegen. Die bunberte 
von Sagen/ oft vierfpännig unb mit altem gujru* au*gefiattet, bie 
alltäglich um 4 Uhr am €orfo im bois de Boulogoe tbeilnebmen, 
enthalten fafl nur femmes entretenues, barunter bilbfehbne Seiber. 
Saft noch beffer al* 9>art* felbfl gefiel mir ein breitägiger Vu*ftug 
nach Stouen, havre unb Jjonfleur ... Die ganje Steife verbrämte 
ich in befler (Befellfchaft, mit £>ppenbetra unb granhiu*, unb e* tfat 
mir fehr wohl/ enblich wiebet greunbe unb gefcheibte Sännet um 
mich ju haben. Äoftfpielig freilich war bie Steife; 9>ari* ift ein 
tbeure* $J)flafler, unb meine beiben greunbe batten Seine* weg* ifono* 
mifebe Steigungen. — Jturj, icb bin febr jufrieben, unb mir wirb e* 
nicht gar leicht/ mich wieber in ba* greiburger geben ju finben ... 
greptag’* neuen Stoman hab* ich für hepp getauft. Sr ift, wie 
Sille* wa* au* greptag* gebet ftammt, reich an @ei|t unb ©oifie, 
aber er füllt leibet fowobt in ben ©cherjen at* in ben Steflerionen 
etwa* in bie ©reite/ unb wenigften* bem erften ©anbe fehlt )u febr 
ba* fpannenbe Sfntereffe. ©itte, (ie* ba* ©uch bem $tpp nicht oot/ 
bevor ich «* ju Seibnachten fchicte ... 

Sit taufenb ©rufen 

Heinrich 


416] 9(it @u{hn> Jtfptog. 

hochgeehrter herr, 


greiburg/ 13/11 64. 


gleichjeitig mit biefen feilen wirb 3haen au* Seipgig ba* ©uch ju* 
Sommen, ba* ich 3bnen jugeeignet habe, ©eben ©ie in ber Sib* 
mung 1 einfach eia Slnbenfen an bie Slbenbe im Aiging unb ein 
Reichen meiner ^«rgltchen DanSbarSeit. ©ie wiffen fchwerlich, wie 
werthvoH mir ber Surje ©erfehr mit 3bnen gewefen. 3ch weif Sticht* 
in meinem gebm, wa* mich f* fehr jugleich ermuthigt unb bekämt 
hätte wie 3hr< 3(bfchieb* w orte bei meinem ©cheiben von geipjig. 
Doch ich vergehe müh fehlest barauf, über folche Dinge viele Sorte 
$u machen, gaffen ©ie mich liebet Sinige* über ba* ©uch fagen. 


r brr erflen Stuflage; auch bei Dose ©. 18ff. 


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9}o»nnfe« 1864. 


345 


©ton ^egt bei un* gegen folcge Sammlungen ßarfe* ©fißtrauen, 
nennt fit wogl gor unoerfegimt, wenn fein anerfannter ©ante fte 
trigt. 3<g gäbe *ni<b trogbem gu bet $erau*gabe entfdjloffen; benn 
mit mat batan gelegen/ mit biefen Keinen ürbeiten enbgiltig abgu« 
fcgließen; aueg benfe ich, baß bie Sammlung boeg ben Sinen ober 
ben ünbren gum ©acgfefcnten über einige große fragen unfrei ©otf*« 
leben* anregen wirb. Der Sffap barf ja febt fubjectio fpreegen unb 
fi<b 2Binfe unb Hbfcgweifungen erlauben/ bie in einem großen gißo* 
rifegen SBerfe unm&glieg ß«b. ©on bem äBertge foleger Stuffd^e benfe 
i<b natürlich febt befegeiben; bie große Arbeit, wclcge fte erforbem, 
bringt feine »ergiltniOmißige Srnte. — ©amentlicg bem 8uffa|e 
über ben €ingeit*ßaat roünfcge icg Lefer. Sinet mußte bo<b enblicp 
auftreten unb runb betau* fagen, roa* Zaufenbe im Stillen benfe«, 
baß Deutfcglanb niemai* ein rechter ©unb getoefen if) unb bem Sin« 
geit*ßaate entgegengebt, greunbe wirb mir biefe Arbeit »otliuftg 
ni<bt erwerben/ am wenigßen bi«; benn c* iß boeg gar )u fpaßgaft, 
baß fofebe Äegereien gerabe in Sreiburg gef cg rieben werben mußten. 
3n gwangig Sagten wirb minbeßeit* gang ©orbbeutfcglanb unfrer 
Meinung fein; fcute bin i(b frob, wenn eine Heine ©tinbergeit gu« 
ßirnmt. ©on aßen ©ienfegen, bie ba* ©ueg trünfen wirb, ifb nur 
Siner, beffen Urtbeil mir SBertg gat. ©fein ©ater wirb leibet febt 
ungl&cflicg fein über ba* ©ueg, aber bei fotegen Stagen fommen bie 
©Siebten be* Sobne* nicht allein in ©etraegt. 

Sie erratben leicbt, baß ade Staffige außer ben beiben erffen 1 mit 
meinen Stubien gut neueren beutfegen Sefcgicgte gufammengüngen. 
3 egt gilt t*, biefe unb ungüglige «nbte $iben gu einem Gewebe gu* 
fammengufcglagen. Hber noch habe ich feinen ©egriff, wie ba* mbg* 
lieg iS ogne ©erwirrung unb Langeweile. Diefe beutfege Gefcgicgtc 
wirb mir noeg mehrere Sagte rauben; aueg ba* €arl*ruger ©regio 
bpffe icg au*gubeuten. SBüßte icg niegt fo gewiß, baß bie Gefcgicgte 
be* beutfegen ©unbe* gefegrieben werben muß unb großen 9tugen 
ßiften fann: icg w&glte jebe anbre ©rbeit lieber al* biefe, bie aller 
Grüße, ade* äßgetifegen Steige* baar iß. Snblicg wirb boeg bie ^eit 
fommen, wo aueg biefe ©rbeit überßanben iß unb icg mieg Aufgaben 
guwenben fann, bie bem bergen wogltgun. Sinßweilcn lefe icg im 
Zaritu* unb ßubire ben Zon, welcher bem SrgAgter fegmüglicger 


c Do* taufe*« JDrtatilanb tyrofen. SWUtcn. 


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346 


Wowmber 1864. 


Singe gelernt. Seiber tff baO ÜBerf be6 WärnerO un6 nur uwotU 
flänbtg ermatten. 

So bin ich benn bei Sbrem jüngfien Äinbe, unb ich banfe Shnen 
beglich für bie £ufenbung. Gin Urtbeil werben ©ie nicht erwarten/ 
fo lange ba6 ©er! nicht fertig vorliegt 3eb wäre auch nicht baju 
im ©tanbe. Sie Grjähtung befcgäftigt mich noch ju fegr, fte hängt 
)u nahe mit meinem eigenen Zbun unb Senfen jufammen, alo baf? 
ich *h< f<h°n unbefangen gegenüber fhben fännte. Unb ich nteine, 
e6 muff Shnen boch lieb fein, bafj Sh« SSilber unb ©ebanfen eine 
fo flarfe ^Bewegung hervorrufen. Wur Güte* muff ich Shnen fchon 
fegt fagen: bie 3lfe ift boch ber fünfte von allen 3hren grauen* 
charafteren. — 

SDfeine greube an biefem Pfaffenftdbtchen hat fich nicht gemehrt 
Wur GineO fleht heute beffer at6 vor einem Sabre. 3<h weif jegt, baf? 
mein SBirten hier nicht gan) frucgtlo* vorübergeht ©chon reicht bie 
Vula nicht mehr um bie £uhärer meinet publicum $u faffen 1 . Slber 
freilich/ bie ©tubenten finb fehr fcg&lerhaft unb franfen an fchläfriger 
SbUerei/ wie immer auf 2anbe6univerfitäten. Sie 9>h*Kfter finb mir 
!ein Grfag für ein guteO ©tubentenpublieum; fte {ommen boch 
eingenommen in bie 3lula, mit bem feflen ®orfage, febeö SBort, baO ich 
über $reuf?en fage, a(6 eine Säge aufjunehmen. Sie S£b<»en, bie bläben 
Shoren/ bie von moralifchen Groberungen $reuf?en6 im ©üben träumen! 
©ie hätten bie Sithpramben auf ben Stheinbunb in ben legten SWonaten 
hären foUen — unb ba< 8llle< mit bem $atho6 be6 echten $atriotife 
mu6! 5Jtan meint/ bie ©ftbbeutfchen feien bie ®efcheibenfien unfrei 
®ot{6. Sch fage/ fle finb bie Sunfelhafteffen, fte hatten fich SWann 
für IsWann f&t bie eigentlichen Seutfchen unb ben Worben für ein 
halbbarbarifche* Sanb. Saju ein juchtlofeO SWaulbelbentbum, baran 
ich nicht ohne Gfel benfen (ann. (Stauben ©ie mir/ nur ba6 gute 
©chwert be6 Gröberer* bann tiefe Sanbe mit bem Worben jufammen* 
fchweifjen. Sn einem beutfehen ©taate erfl werben bkfe häßlichen 
£uge ber ©fibbeutfegen verfchwinbenj e* finb trog attebetn hetrliche 
SWenftgen, unb ich hübe fte herzlich lieb gewonnen. — 

i $rit>atim faS £reitf<pfe in biefem €>emefter w @efc$i<£te ber polit. ZfytQxitn von 
i|Haton bi* jur Qegenroart" viermal u>6$entH$ Mn 4—6 U$r; bffentfub „®efä). 
(jurepa* in ben Jagten 1848—1860" jmeimal »Mjmrtub *on 6—7 ityr. n %n 
200 ^erfonen" f$4fct er feine Su^retf^öft in ber 4lu(a am 22.(an 9Xof)l); 
ba* ^risatfofleg $brten 80, „na$ tyiefigen Gegriffen unbegreiflich *ie(" (an ben 
Später, 19. 9fov.). 


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Wowntbfr 1864. 


347 


«Seit 3Beech unb unfer woderer spolijeiamtmann greiburg ver* 
(affen/ h®b’ ic$ nur $n>et ©lünner, SWangolbt unb #ofratb ©chmibt, 
mit benen ft<$6 vernünftig verlebten töft. ©onfl ifl bie ©tabt tröffe 
lo6 arm an intereffanten ©lenken; unb immer )u geben/ nie )u 
empfangen — ba6 ifl lein gefunbeO £eben. Dennoch bereue icb nicht, 

bafj icb bictber ging- 

3 n treuer Slnbinglichleit unb ©erebrung 

3bt 

SCreitfcble 


417] 9h ötubolf Jßapm. 

•Oocbgeebrtet §tvc, 


greiburg 13/11 64 


mit ober ba(b nach biefen feiten wirb baO Sjr. meine* ©ucb* bei 
Sbnen eintreffen, baO 3bnen #r ^irjel in meinem ©amen fcbicft... 
Der 2luffa$ über ba* DrbenOlanb tfl nur wenig geänbert $<d)Utid)ft 
finb bie Slenberungen in SBangenbeim unb ©pron, bo<b e* finb meifl 
Zufügungen übergangener itbatfacben. Diefe brei brauchen ©ie alfo 
nicht wieber ju lefen, wenn ©ie ben ©pron fcbon fennen. Dagegen jeigen 
„Ublanb* unb „bte greibeit^ ein neue* ©eficpt. 3n jenem war wibet 
meinen SBitten ber ^>oet ju furj gefommen, in biefem hotte icb nicht 
erlannt/ baf} SWitt’O ©runbgebanle falfch 'fr DaO tfl jefct gebeffert. 
©on ©runb au* umgearbeitet finb ©Klton, gicbte, ©agem. Der 
Sichte war ju fKjjenbaft, unb al* ich bie beiben anberen fchritb, 
lonnte ich noch nicht recht etjdblen unb reftectirte ju viel Die Um« 
arbeitung war febt mühfam, überhaupt lofiet ein Sffap ungebührlich 
viel Zeit/ aber ich empfanb wdhrenb bet ©chtetbenö, baf ich io« 
jwtfchen etwa* gelernt höbe. Die beiben längflen Sluffige finb neu. 
8 (u* bem Dahlmann werben ©ie feben/ wie ich nt«b ju ber Äaifer« 
partei flelle, unb ich hoffe/ ©ie werben im ©anjen jufiimmen. Da« 
©erbüngnif be* ^Parlament* lag ja nicht in ber ©erfchulbung Sin« 
Seiner/ am SBenigflen ber ©tebrbeit, fonbern in ber Unmbglichleit be* 
gartjen Unternehmen*, bie leine* ©lenket SBif ünbem lonnte. Der 
„Sinbeittfrtat* enblich gebt ben fables convenues unfre* ©unbe*recbt* 
herjboft )U Seihe. Waffen ©ie mich ben etwa« verklungenen ©ebanlen« 
gang ffijgtren. 9luf jwei einleitenbe Slbfchnitte über bie ©Iptbologie 
be* ^>articulari0ntu6 unb bie entfittlichenbe SBirlung ber gegenwärtigen 
Sage folgt im britten Slbfchnitt bie Unterfuchung/ welche reale ©or« 


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348 


9lo»ember 1864. 


augfeftungen ein Sunbe«ftoat forbert. Sabei wirb gleich am Sin* 
gange bie bfterreichifche grage betrautet. See vierte Sfbfchnitt fragt, 
ob bet Sunbe«ftaat in unfrer ©efgicbte begrünbet fei unb verneint 
bie* nach einer Setgleicbung unfrer ©efchichte mit ber Snttoieflung 
ber anbeten großen mobernen ©taatenbünbe. Sen fünften 9lbf<hnitt 
möchte ich übetfcbreiben: Sreufen— unfte Jufunft! 3ht ibmergiebt 
fid^ von felbft ein <J;cur* über bie grage, ma* mir von Italien ju 
lernen hoben. SXein Seffreben mar ben botbverftanbenen Sers 
gleichungen Seutfcblonb* mit ber Scbroeij unb 9torbamerica ober mit 
3 ftalien burcb ein ganj offene« Verfahren entgegenjutreten. ©ie 
mcrben ftnben, baf ich ein rabitaler Unitarier bin... 3ch meif febr 
roobl, ade biefe Singe liegen no<b in meiter gerne. Slber e* gebt 
nicht länger mit ben gutmütigen Srtluftonen, bie noch 2Bai$ in feiner 
9 >olitif vorbringt 1 . rtnbltcb einmal muf runb berau* gefügt merben, 
baf unfre Sage meit emfter, bie gäutnif ber äleinflaaterei meit uns 
beilbarer tff al« bie gemütbiicben Seute benfen. Sie politifcbe Siteratur 
menigflen* fort ganj ebrrtcb fein unb bie grofje unitatifcbe Semegung 
vorbereiten Reifer», bie über furj ober (ang unfer Saterlanb ergreifen 
mirb — trenn mir überhaupt eine £utunft hoben. Sodf) mie immer 
©ie über ba« Such urtbeiien merben — einen Sorjug bot e«: 
nicht ohne Sachen fann ich unter ber Sorrebe ben Samen greiburg 
lefen 1 ; e* tff hoch fcb&n, baf ba* ©ift ber Äegerei unb be* *Preufen* 
tbum« bi* bisher vorbringt. SBenn e* nur gelefen mirb! #irjel 
unb ich fühlen Seite, baß mir ein SBagnif unternommen hoben, 
©olche Sammlungen, in Snglanb unb granfreich ganj gewöhnlich, 
merben Einern in Seutfchlonb erft bann verjieben, menn man im 
©rabe liegt. 

Sich freue mich, baf mir ba« Such (tuen Slnlaf giebt, 2fbnen 
mieber ju fchreiben. .gaben ©ie San! für Sfbten testen Srief. Sin 
Schreiben von Jjrn Dr. SBehrenpfennig bot mir injmifchen abermal« 
bemiefen, baf ©ie ben alten ©treit vergeffen unb begraben münfchen. 
3cb merbe 3bnen einen Sffap über bie SRepubli! ber Sieberlanbc 
fcpicfen — ben lebten für lange ^eit — menn greptag fein Anrecht 
barauf aufgiebt ... (Sine (Sorrefponbenj bagegen tft febr fchmer, 

1 Sgl. giftet, u. $olit Äuffäge 4,686 f. 3 bet abn mit b«n Saturn: 81.Oft. 
1864, ba« unter bem Somort gebt, ft<g nicht »erträgt; in SBäfligfeit watXrcitftbfe 
eon feiner Variftt Seife, bie er am 17. Oft. angetreten, erft am 2.9)oe. nag grefc 
bürg )urft<tgefebrt. 


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%>»roib« 1864. 


349 


felbß wenn ich bi« teinebwegb geßeferte «Stellung unfrei: Regierung 
mit »orßcbtigem ©tiflfcfweigen übergeben woßte. Sb ift nic^t leicht, 
ben $reufen einen 99egriff pi geben non bem fanotifchen, an 816b* 
finn grenjenben JjKtffe, ber hier in aßen ©tinben gegen Preußen be* 
fte^t. Sie ©ünben ber ÜXontgelab unb ©enoffen 1 wirten fort bib }u 
biefer ©tunbe. Bor fünf 3abren ber bßemiebißhe furor, beute bie 
©«hwürmerei für ben Rfjetnbunb* — bab iß bie öffentliche Blei* 
nung jener Seutfchen, welche ßch alb bie eigentlichen, bie reinen 
Seutfcfen betrachten unb babei mit tugenbbafter Suttüßung über ben 
berliner Jjocbmutb reben! ... 

ÜXit berjlicbem ©ruf 

3b« 

£reitf<bfe 

418] Sn Slftcb son ©urfcfcmib. 

greiburg 16/11 64 

Sieber 2flfreb, 

-3n einigen Sagen roirß Su unb SJufch »»n #irjel in 

meinem Flamen meine SKufföge jugefanbt erhalten .. < Ser Sbiffaf 
über ben Sinbeitbßaat iß meineb SBtffenb ber erße Berfudj in Seutfch* 
lanb, bab ©laubenbbetenntnif ber Unitarier in gebilbeter gorm aub« 
jufprecfen unb ju begrünben... Sa ich aufer meinem Batet leinen 
Btenfchen tenne, oor bem ich micb }u geniren brauchte, fo bab icbb 
für meine Pflicht gehalten über biefen Sarbinalpuntt oon ber ?eber 
weg ju reben. Sie gorm iß leiber ungefcfictt. Ueber taufenb Singe, 
bie ßch für unb oon felbcr oerßeben, muf man ßch breit aublaßen: 
unfer publicum ßecft noch i» ti*f in ben reimbeutßhen $b*afen... 
Saf unfer ©cbicffal ßch enbtich burcb eine Eroberung runb unb nett 
entfcheiben wirb, iß mir inmitten biefeb fcheufliefen fübbeutfefen 
Barticularibmub ooßfommen tlar geworben. 3n meinem £immer 
hingt fegt bab 5Silb Sampbaufenb, bie ©flacht von ^obenfriebberg: 
gleich im Borbergrunbe ein gefangener fdcfßfcher ©renabieroberß unb 
«in paar ßlbemer Raufen mit unfrem oaterlünbifcfen SBappen. 
S 2llfreb, wann werben biefe gefegneten Stage wiebertefren? Soch 
wab tlage ich aber ben Barticularibmub ber ©übbeutfefen? 3n 
biefem Sapitel wirß Su in Seiner Raten Jpetmatb ebenfo traurige 
Erfahrungen machen. Sie breijebnjübrige Sinenberrfcfaft bat offen* 
1 £tutf<b« ®rf<bi<bt« 2/338 ff. » ©0(. @pb«( 3,206.243. ' 


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350 


9}o»«nbn 1864. 


bar entfittliibenb auf bag wacfre Sanb gewirft, bie ©nen fhmtpf 
unb frefjtuftig, bie Slnbren gemein gemalt, Sille aber bem Rater* 
lanbe — b. b* bem Deutfcbtbum saus phrase — entfrembet3cb 
febttefe ba6 au6 ben Leitungen unb aug meinen ©efprdcben mit 
Cinem Sur et beflen Zmtt, Scheiben *. ©. ifl geiflreicb/ welterfahren, 
liebengwurbig, aber ein Storticularift vom reinfkn ©affer. ©enn auf 
^reufen bie Rebe (ommt, hirt au<b fein ©eifl auf/ er wirft bann 
um ft<b mit ben trima(ftcn Abrufen: man bürfe boeb $reu§<ng ©acht 
nicht verftdrfen fo fange Rigmarcf regiere — unb wag ber (naben« 
haften Reben mehr finb. ©rüfje SBufch belieb; «r wirb mich ent« 
febufbigen/ bafj i<b ihm nicht febreibe. ©ein Such giebt ja genugfam 
Recbmfcbnft non bem/ wag ich in ber lebten £eit gebaut, Schreibe 
mir recht ehrlich/ ob SBufcb in feiner neuen Stellung etwa* nü$t. 3fl 
bieg ber gatl, bann bin ich vollfommen einverffanben, bafj er, alle 
S8eben(en feiner Jreunbe mifjaebtenb, nach 5ttet gegangen ifh Slber 
ich fürchte/ (Suer Slngeftammter ifl auch beutfeber JÜeinfinig unb wirb/ 
einmal auf bem itbrone, alle Untugenben biefet gemeingefährlichen ... 
entfalten; unb wag folt bann unfer greunb anfangen? Juni Diplo« 
maten ifl er boeb ju ehrlich« — 

Ron greiburg mag ich niebtg fagen. Ron feiner ©egenb lebt 
man nicht ... 3cb febne mich nach bem Rorben. Dahin gehöre ich 
nach meinem ganjen ©rfen, unb bort wirb auch unfer ©cbicffal ent« 
febieben: ber ©üben ifl nur fcbä$bareg ©aterial für bie Eroberung... 
3ch • ♦ ♦ war (ürjlicb in $arig unb ber Romtanbie mit Oppenheim 
jufammen unb mit grangiug, ber Rufcb herjlicb grüßen läjjt. (Sine 
febüne unb lehrreiche Reife/ aber gefährlich für ben Reutel unb bie 
Xugenb. ©teile Dir vor: ich war unter biefen rotben ©ünbern ber 
Xugenbhaftefle unb ber Reactionärfle! Dafj bie Deutfchen in 9kmg 
(eine theologifcbe ©ittlich(eit lernen/ ftnbe ich in ber Orbnung; traurig 
aber tft, bafj im Sfuglanbe überall ber ^reufjenbafj in ber 2uft ju 
liegen febeint. ©ir werben/ wenn einfl bie entfebeibenbe ©tunbe 
(ommt/ nicht einmal auf bie Sympathien ber gremben rechnen (innen, 
©leiebviel, bag preufjifcbe Deutfcblanb (ommt boeb }u ©tanbe. — 

1 fttathp urteilte „beim @föfe ©irr 4 ' etwa* fpäter: „Dtefe meerumf<h(ungenen, um 
gebeelten @<hmerjm6fmber finb bie gr&fjten S^tfaneure ber 2BeIt. Da fifcen fie 
auf i^ren alten llrfunben unb (affen et auf einen Ärieg }U>ifchen ^reufen unb 
öfierreich anfommen. Sieber mftgen in Deutfchlanb bte SBblfe Raufen, a(6 bah fie 
etwa* von ihren alten Etyartefen nacbttefieiu* Jßauftrath/ $nx Erinnerung an 
3* 3otty, ®.96. 2 ©gl. ®. 297. 


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Tlcwmbn 1864. 


361 


{(6 roofe, liefe? Sltfeeb, unb febretb mir, wie e 6 mit Deinen $fenen 
ftefe, namentlich mit fer (Sfervnotogie. 

Dein 

Jfeinricb Z. 


419] Vn btn SBalfr. 

greiburg, 19/11 64. 

-©übt ohne einige ©eflemntung, lieber ©ater, fcfeefe ich 

Di? fee? ba 6 ©ucfe Du biß fer einige SWenfcfe beffen 2Biferfpru<b 
mich emßticb traurig macht. Du weife, wie ich fenfe, unb ich fann 
Di? nicht genug banfen, baf Du mir ttogfem immer gütig warf}, 
©un foßte ba 6 ©ucb baran eigentlich ©icpt 6 finbem; benn baf ein 
ehrlich«? SWann feine Meinung auch ehrlich fegt, oerßefe ß«b von 
fetbfl. ©fer üb weif wofe, ein gebrucfte 6 SBort nimmt ftcb anbe ?6 
au 6 a (6 ein gefcferietone*, unb icb muf fürsten, ba 6 ©ucb werfe 
Düb frdnfen. Stufe? ben feiben Stuffefen „SBangen feint* unb 
„©unbeOßaat* wirft Du jwat bie ©fetter ohne ernßlitfev ©ergemif 
lefen finnen. SRit biefen feiben aber, wenn Du fie tefen wißß, wirft 
Du unjufrieben fein; unb i(b fann Dieb nur bitten, )u glauben, baf 
Du in aßen menfefeüfen Dingen immer einen geborfamen ©obn an 
mir ftnben wirft. Sn Stagen fer Ueferjeugung freilich fommen auch 
anbere ©ßüfeen in ©etraefe, unb Du wirft wenigßenO finfen, baf 
ich ©runbe, jablreiefe unb burchbaefee ©rünfe, für meine Meinung 
habe. ©aeb fern Stufene, von ben ©egnern unparteiifcb genannt )u 
werben, trachte icb ni<fe> ba 6 feefe ba 6 Unmiglicfe verlangen. ©o 
lange bie Srfe ftefe ift ein Jpißorifer in bewegter feit immer bann 
erft unparteiifcb genannt worben, wenn er im ©rafe tag, unb icb 
erfebe nicht ben ©nfprueb eine ©uVnabnte ju bßben. 3 ene btuttofe 
Dfeectifetfe, bie gar nicht fegt, auf welcher ©eite fer Darfteßenbe 
mit feinem $erj«n ßefe, ift ba 6 gerabe ©egentbeil be4 rechten bißo* 
rifeben ©innev. 2 fße grofen Jfeftorifer fetben ifee ^arteifteßung offen 
befannt: 5£bu«t>bibe6 iß ©tfener, Xacitu 6 ©rißofrat. 66 fommt nur 
barauf an, baf man ben ©acfe>crhatt fo voßffenbig ald man ihn 
fennt barfteßt; ba 6 Urtfeil bleibt bann Sebem, auch fern ©erfaffer, 
frei. Die4 febe *<b 0 ttfem fo weit mein SBiffen reichte.' Ucberbaupt 
jeichnet fleh bi« beutfeh« ©efebiebtfebreibung burch einen feb? b®b«n 
©rab unbefangener SBafefetoliebe au 6 , unb ich miß ben ©totem 
banfen, wenn etwa 6 baoon in mein ©lut fibergegangen ift. ©on ben 


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362 


Otwmb« 1864. 


granjofen gar nicht ju reben, bie meißen* bum wißen wa* Sa$rs 
haftigfeit tfi — auch bie englifchen $iftorifer finb einfeitiger ab bie 
unfeten. Sacaulap betrautet bie ganje Seltgefchichte ab Sb‘8, 
Jpurne ab 5£ort>. Solche* fann man unfren namhaften #iftorifern 
nicht oorwerfen. ©eine Slnflagen gegen #<$ußet unb Spbel finb/ 
wie mir fcheint, triebt richtig. Jjüußer oerfchroeigt feine*weg* wa* 
er weif — er ifl ein ganj ehrlicher Sann — fonbem er weiß wirb 
lich oiele* Sichtige nicht. ®eine öelehrfamfeit ift burchau* nicht 
ooflfMnbig, er fennt von bet Sefchichte ber (Jinjelflaatett bei Settern 
nicht genug. ©pbel bagegen wirb oon einem anbren Sorwurfe ge« 
troffen. Sr hat bie Steigung phtfofophtfchtt JWpfe, bie ©efchichte )u 
conftruiren, ganje Spochen f&hn unb nicht immer gtiWHich )u einem 
€km$en jüfammenjufaffen; fb gefchieht e*, baß er Seftrebungen, bie 
erft im 18. unb 19. Sahthbt. auftauchten / breift in ba* Sittefolter 
jurücf oerfegt. 2k* ift ber gebier feine* Such* über ba* Haiferreich 1 ; 
e* enthalt feine falfehe Xhatfache, fein abfkhtfeche* Serfehweigen, aber 
oiefe falfchc Urtheile, unb bagegen hob* i<h mich felbft auf ©.637 f. 
ber 3luffä$e au*gefpro$cn*. Sirffeche Qefchichttoerf&lfchung fommt 
neuerbing* nur im bfterreichifchen Säger oor. Senn $err Dnno Älopp, 
ben bie ietpjiger Leitung preift, ben Sadonen Stülp a(* einen 
beutfehen Patrioten unb einen greunb religiJfer Freiheit rühmt, fo 
hbrt aderbing* Sitte* auf. Jpr Ätopp ift folgerichtig, wie feine @e» 
ftnnung*genoffen gurtet unb Sfrirer, jum Aatholici*mu* über: 
getreten. 3cf> aber wid ein ©eutfeher bfeiben unb ein ^roteflant 
unb werbe nie ben unbeutfehen, fathoiifchen ©e*poti*mu* be* JJwufe* 
©cfterreich p reifen. — Stechmal*, lieber Sater, laß unfer Serbelt: 
niß burch ba* Such nicht getrübt werben. #erjliche ©ruße bem 
lieben J£>epp. — 

Heinrich 

♦ • ♦ 

4*0] 9tn ßrcui) Otttbtd. 

greiburg 19/11 64. 

tötet* lieber §reunb, 

ein Srief, wa* man fo nennt, fommt hoch wohl nicht ju ©tanbe. 
3 ch f»|e babei, oerfchiebene gewogene unb ungewogene $erfonen mit 
Segteitbriefen ju meinem Suche ju bombarbiren unb höbe foeben ba* 

1 ber gegen ben 3nn$bru<fer tßrofeffor 3u(tu$ Jicfer gerichteten Vbhanbfnng (1862) 
»Sie beutf<h* Nation unb bat Aatferreich** 2 jefct ©b. 2, ©♦ 178 f* 


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9fo»«mPn 1864. 


363 


fepwierige ©cpreiben an meinen ©ater abgetpan. Diefeß leitete wirft Du 
ficper mit Deinen guten ©finden begleiten. Sß mibe ju traurig, wenn 
aucp noch ein ©ruep mit meiner gamilic erfolgte. Sttfeß fommt barauf 
an, ob mein ©ater feinem eigenen eblen unb tapferen ©efüple über« 
(affen bleibt. Dann wirb er betrübt fein, aber Slfleß wirb jwifcpen un6 
beim Sitten bleiben; benn ba er meine Stnficptcn (ennt, fo (ann ipn 
boep niept erbittern baf? icp fie außfpreepe. ©enn ipm jeboep bie 
©cpranjen in Dreßben ober gar ©eteniffimuß fetter baß j?erj fepwer 
tnaepen — unb biefe . . . pat freilidp @runb miep für einen palben 
J^oepoerrütper ju palten — bann fiepe icp für SSieptß. Sß wäre ju 
traurig. Jener empftnbe i<p tetpt, welep fbftticpeß Ding eß ift um 
ein paar Jjerjen, bie unß eprlicp lieb paben. 3cp mufj mir ben ©es 
battfen, baf? i<p in ber gerne wenigftenß folcpe ©enfepen beftpe, oft 
in bie (Erinnerung rufen, ©eine Sage pier ift waprlicp ju unnatür* 
(icp ... Die ganje ©tabt fpriept oon mir, feber britte ©enfep grüfjt 
miep, bie Slula faßt bie «lupürer in meinem' publicum niept. Unb 
boep lebe icp wie ein Sinficblcr. Sß ftnb eben Sllleß ganje ober palbe 
©egner... Die ^upürerfepaft beftept ndmlicp jut »ollen Jpdlfte auß 
©piliftern. Daß ift (ein gefunbeß ©irfen. Unter ben nicptstpeolo* 
gifepen ©tubenten glaube icp beliebt ju fein, fo weit bieß tpre gaulpeit 
juWfjt; aber icp (enne Äeinen, feit ein paar 9torbbeutfcpc unß »er: 
taffen paben. 9tie iftß gefepepen, wie fo oft in Scipjig, baf? miep 
(Einer naep einem jweifelpaften fünfte in meinem ©ortrage gefragt 
pütte ... Stbcr waß pab’ icp von StUebem? Sin ©irfen, baß »ieb 
teiept ganj (angfam ba unb bort anfängt grüepte ju tragen, aber bei 
ben ©eiften auf ben fteinigen ©oben »erpärteten ©arteipaffeß fällt. 
Unb bagu aufjer ©angolbt (ein ©enfep, »on bem icp etwaß empfinge 1 . 
Sin paar freunblicpe ältere Damen, bie icp aller ©ierteljapre einmal 
fepe, ftnb noep bie Seften. ©eftern laß icp in ben ©erfen 9lapoleonß III 
über feinen jDpeim: „eß ift ein (inblicper Srrtpum, baf ber grofe ©ann 
Sltleß auß fiep fetter fepöpfe." ©ie wapr, unb wie viel mepr gilt baß 
»on unß gewipnlicpen ©terblicpen! 3<P pöre wenig, aber waß icp püre 
paftet mir in ber ©eete; ein furjeß ©efpräcp mit Dir ober gregtag 
ober ©utfepmib pat miep oft auf lange Xagc reieper gemaept alß biefe 
©üeper. Unb nun bieß 9teft, wo 9tiemanb mir etwaß ©efepeibteß ober 
Siebenßwürbigeß ober auep nur ©ifanteß fagt, wo icp niept einmal, 

1 ®o<p peijjt rt futj juoot in biefon SBritff »on btmfdben SW., baf er „für SBidtf 
wa< mir bi« @ed« «wännt, gat fein jp«r| pat.“ 

“• 23 


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354 


9taxmfen 1864. 


wie fo oft in ieipjig, an gremben auö bet gerne bie gteube unb bie 
Dummheit/ ba* ttbenbige 2Renf<hen treiben beobachten !ann! ©eben 
bie ©ittet/ baf ich mich butch Srbeit frei botte oon biefem epibe? 
mifchen ^hiKffertbum, biefem flachen fchoppenfetigen Phlegma, baö 

man im ©üben ©emüthlichleit nennt!- 

Deine ©chitberung ber Docentenleiben hot mich fröhlich ergigt. 
«Weinen ©tücfwunfch ju bem guten Anfänge! Da* erfie ©emefler 
geht freilich brauf, aber bann muft Du Dich on bat ©chreiben 
machen. 8Bit wollen noch wa* Siechte* au* Dir herauOfchlagen. 
«Rur um $immel*witten leine äteinigfeiten, leine Äritilen! 3<h weif 
baoon ju erjbhlen/ unb bie SBarnung if bei Dir wohl unnbtbig... 
lieber mein Such lann bet Saie eher urtbeiten 1 , unb mir ift* lieb 
wenn Du mir ein SBort barnber fagf. (3ch benfe, Du erbiltf ba* 
opus gleichseitig mit biefen feilen). J^ier werbe ich/ oufer oon 
SRangolbt/ leine ©itbe — buchftöbticg! — baruber hüten, bi<hften* 
einmal eine ungeheure Dummheit/ j. SB. ©ie ftnb hoch ober ju 
preufifch! Sllfo fog’ mit/ ob ich ein Stecht hotte mich mit bem 
©anjen berauOjuwagen, ob ich in bem „Sinhcittfaate* ungefüge ben 
rechten Xon getroffen/ ob Du meinfl, biefer ©til fei für ba* grofe 
publicum oerftünblich u. f. f. 3cg will wiffen, wie mein Such auf 
unbefangene gefcheibte SJWnner wirft . , . at* SfngalMpunlt für 
meine beutfche ©efchicgte. 3<h benle fegt Xacitu* unb Xhuct>bibeO 
ju tefen; bei ebter Einfalt linnen wir SWobcmen nie genug in bie 
©chule gehen. — Srhatte Dir frohen SRuth unb mir Dein treue* 
#erj. 

Dein 

Zreitfchle 


421] 9fa $röü 2ouife Sttueru*, 

@ndbige grau, 


greiburg, 20/11. 64. 


fchon Wngff wollte ich Sgnen he*jt»<h banfen für bie freunbtiche 8uf* 
nähme/ bie ©ie meinem ©cgugbefohtenen Doerbecl erwiefen hoben. 
2 fbet bie Arbeiten tiefen mich nicht baju lommen, unb ich buchte 
mit/ baf mein greunb 3gee greunblichleit mehr fich felber al* meiner 

* M iWxr CmWcW Jßabifttatiotilförift, |«t bet Stwtföfe im ^uguft bm Stennb 
begtö<ft»ftnf<$t fcattc, befonbert tym *pml»6rbt8fii" a$ten 3$ef* |ufttsranenb: 
Thcologiam disciplinas naturales impugnantem male feriatam esse. 


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Moww*n 1864. 


356 


Smpfeblung twrbonft. Sr ifl rin treuer, guter unb gefcbeibter Mtonn 
wie ich SBentgt fettne ... 

Do« Srfcbeinen meine« neuen &ucb« gtebt mir bie wiüfomm’ne 

©clegenbeit 3$nen ju fcbreiben-Do« Sine menigften« werben 

Sie ou« biefen 33töttern feben, bof bie Stoter(onb«(iebe für mich fein 
fcbbne« 8Bort, fonbern eine ^eUigc £eibenfcboft, jo bo« Sinnige ifl, 
wo« mir bo« geben fcbin unb reich erfcbeinen tögt. Do« b«t mich 
in Sbtrnt lefcten ®riefe fo tief ergriffen/ bofj ©ie für unfer beutfche« 
geben ein fo liebeoottc« SDerfWnbntfj {eigen. 3ch benfe bocb/ wir 
Deutfchen finb ein grofje« SBoff, wir arbeiten foeben ehrlich baran, 
bie gebier objulegen, welebe ein »ieibunbertfübrige« Unglüef un« an« 
erjogen bot. S« wirb no<b lange w&brcn, bi« etwa« mehr ©toi}, 
etwo« mehr feurige geibenfcbaft in ben *bern unfre« Motfe« fließt. 
9ber unfre @6bne wenigffen« werben noch erleben, bof unfer 93olf 
»on fremben Motionen geachtet wirb. — 

3<b war fürjiicb einige 9Bo<bcn lang mit grangiu« in $ari«. 
S« tff nicht erfreulich/ ein große« unb geifhreiche« ®oif ju feben, 
bo« bei fo vielem Talent unb {Reichtbum bie grcibeit nicht fennt. 
Der beutfche Xumverein, ben wir jufommen befuchten, ifl ber einige 
bo(b*holitifche Serein in ber ungeheuren ©tobt, ben bie 9>olijei bulbet 1 . 
gfber biefe Sentrolifotion ber Sultur einer gon)en Motion, bie« $us 
fommenfirbmen fo vieler griffiger unb wirtbfchoftßcher jiräfte on 
einer ©teile wirft bcroufchenb. SWon ifl juerft wie gebtenbct unb 
crfmnt erfl allmählich bie ©chottenfeiten. — 


1 Jgier gielt Xreitfcgfe bamall einen ©ortrag übet ein igm fegon «ertrautel Xgema: 
SBafgington. Dal «on beut jXurnrat 4 ' unb betn »Somitd tut Leitung ber gefefligen 
Xbenbe* (©orggenber ©ictor ©raarp) Unterzeichnete Danffcgreiben «om 24. Oft 1864 
ifl in Sreitfcgfel 9lacgta£ ergattern €l gibt *bie ©ergegeruttg, bag 3b* ^tbe 
unfere $eqen gewonnen, bog ge uni ein Sporn fein »irb, )n (heben für Oute* 
unb Scgbnel, für greigeit unb Stobt»* 3« 1 Xugug 1866 fegreibt Oppenheim, 
bamall ©tjeprdgbent bei Xumoereinl neben 2ub»ig Simon all ^rägbenten, 
Xreitfcgfe fei in biefem Greife „noeg in allgemeiner Srmnerung 4 '» Schon im Xpril 
1866 batte ib» ber gretmb im Aufträge bei ©ereinl gebeten, an einem allgemeinen 
beutfegen Xumfeg in tyari! am Jßimmelfabrtltage «on neuem mit einem ©ortrage 
geb |u beteiligen: *Du big gier jegt felbguerg&nblicg unter ben Deutfcben ber Wann 
bei Xagel» Dr. $amberger »ifl an Dicg fegreiben ober bat el getgaiu Dein ©ueg 
eurgrt überall unb erwetft bal gbegge Jutereffe»* ©♦ fegrieb «ielmegr 1866 gegen 
ben ergen Sei! oon XreitfcgfeO ©onapartilmul eine ©rofegüre (ogl* Deutfege 
A&mpfe 2» X« S» 207ff»), über beten Cntgegung Oppengeiml ©riefe an Xreitfcgfe 
ebenfafll einige n&gere XulfUnft geben; oon bem Xumoerein ig in ©ambergerl 
»Crinnerungen* 6* 628f« bie Siebe« 

23 * 


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356 


9}owintor 1861. 


Sie haben richtig vorautgefebn, gnäbige grau, baf? et mir $itv 
nicht gefallen würbe... 3« folget SinfamBeit, umgeben von lauter 
©egnem, wirb man recht banBbar für jebet freunblicbe unb gute 
SBort, bat utt* jemalt gefagt warb. 

SRit aufrichtiger SBerebrung 

S). o. XreitfchCe 


438] Vn SRobtrt von 9Jtqf>l. 

greiburg 22/11; 64. 

■hochgeehrt« §txt ©ebeimer SXatb, 

... SRit zweifelhaften gttvartungen laflfe »<h bie Sammlung, bie 
Sie anbei ermatten, in bie SBelt hinautfliegen ... 9Rit «utnabme bet 
beiben erfien «uffäge, bie mir aut ben SJorlefungen über preufjifcbe 
unb englifche @efcbi<bt« entfianben, bezieht jicb «llet auf bie neuere 
beutfcbe ©efcbicbte, welche ich bereinfi noch fcbreiben werbe — wenn 
ich bie Äraft befi$e bat unenblüb mannigfaltige unb fprbbe SRaterial 
ju bewältigen. Slamentltcb if} mir noch »hllig bunfel, wie man bie 
®efchi<hte von 34 Staaten unb bazu bie Bewegung bet Siteratur unb 
Stolftwirthfcbaft überficbtlicb barftellen fott. — £u ben reinshifforifchen 
«uffägcn werben Sie Sich fcbwerlicb principtell »erwerfenb »erbalten. 
3<b glaube tro$ meinet autgefpro ebenen $arteiffanbpunftet bie SRännet 
ber Skrgangenbeit nicht ganj befangen ju beurtbetlen. 3<b wbe über 
ben alten Sägern milbet alt 9>et§ unb ©ernbatbi, ich habe in bem 
«uff. über SBangenbeim 3bre ^Belehrungen foweit benu$t alt fie mich 
überzeugten; au<b wat ich über £ahtmann unb bie Äaiferpartei fage 
Zeigt minbeftent ben guten SBillen nach allen Seiten bin billig zu 
fein. Ungunftiger werben Sie über ben «uffa$ „SBunbetflaat unb 
ßinbeittflaat" urtbeilen ... 3e länger üb mich mit biefen Stoffen 
befaf te, beflo unerträglicher warb mir bie SBelt von fables convenues, 
woraut bie itbeorie unb SJrapit unfret »unbetreebtt bejlebt. 3<b 
fafte ben gntfebluf}, einmal ganz rücBficbttlot biefen XHngen zu Seihe 
Zu geben . . . Der liberale $articu(aritmut wirb in ber näebften 
-luBunft bie berrfebenbe Partei in Deutfcblanb fein; ich halte ihn für 
ben gefährlichen geinb bet SJaterlanbt, barum entfcblof ich mi<b, 
grabe fefct na<b meinen Kräften ihm entgegenzutreten unb bie uni* 
tarifebe ©efinnung unverhohlen autzufpreeben. Die SJemetfungen am 


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«Jlcwmbn 1864. 


367 


Schluffe be« STuffage« 1 finb nicht 2Bin(e(jüge; fonbern ich bin wir!* 
Heb nicht fo vemteffen über biefe unenblich fchwierigen gragen etwa« 
)u propgefteien; ich ^olt« wtrHich einen SunbeOfaat von ©tonarchien 
nicht für abfohit unmiglicg. Slber ich glaube/ unfre Nation erreicht 
in ihrem Sinbeit« freien Stiegt«, gar Stiegt«, fo lange fle ben 6nt« 
fegluf nicht fmbet, Sille«, febteebtbin Sille« an bie ßtngeit $u fegen. 
Sie werben mich nicht für fo tghriegt hatten/ baf icb meinen follte, 
biefe gragen tiefen feg in 2 Sagten tifen. 3cb weif fegt wobt/ 
noch burch lange Sabre werben wir unfre befte Jtraft brauchen um 
bie Sinjelftaaten erträglich einjuriegten. Stber bie 5tgeorie minbeften« 
muf boeb enbticb beginnen/ ben furchtbaren Srnft bet <£ingeit«frage 
ehrlich $u betrachten. Xktf ich bie« verfuegte, auf bie Oefagr jeber 
©tifbeutung, werben Sie nicht tabetn/ wenn Sie auch wagrfchein* 
(ich meine Meinung nicht theiten. Sftein ^atrioriOmuO ift viel» 
(eicht etwa« wärmer a(« in unferem ISlima üblich; trogbem glaube 
ich ruhig genug }u bleiben um bie Srfinbe für unb wiber emftgaft 
}u burchbenfen ... 

SD7it aufrichtiger ©eregrung 

3b* ergebender 

Zreitfcgfe 


423] 9n 3ch. @uft. Dtcoftn. 

hochgeehrter J£>err, 


gteibutg 22/11 64. 


längfl fchon wollte ich 3gnen banfen für bie ^ufenbung ihrer Slb* 
ganblung über^ufenborf*. Arbeiten unb eine Steife nach 9>o*i« hinderten 
mich baran. 3egt giebt mir ba« Ctfcgeinen meiner Sluffäge, bie 3bnen 
hoffentlich bereit« von hm htrjel überfanbt finb, widfommene @e» 
(egenbeit Sfmen ju fchreiben ... Stoch bin ich weit von ber Sin» 
mafung mich einen hifhmfer j U nennen ... Slber im ©erlaufe ber 
«Jeit hoffe ich noch ein hiftorifer ju werben*. — 

SDaf bie Sammlung Xefer pnbe, liegt mir febr am herjen, vor» 
nehmlieh wegen be« Sluffäge« *©unbe«fiaat unb SingeitOftaat". Sie 
werben finben, ich hätte au« bem reichen ©lateriale (eicht eine gelehrte 
ftaaWwiffenfchaftliche ©Sonographie machen (innen. 3ch sog bie 

1 Jßiflor. il Vo(it« 9Cuff&^e 2,235f.; in brr rrftot fculgabe gfri<£lautenb. S8gf. 

Ä&mpfe 2. X, 6,30. 2 „gut Jtntif tytaftnborfiS* 1864, Sgl« $ifbr« 

u. $©lit Sttff&i* 4,208« & Cbtnfc an Jpdufnr tag* barauf unb tuifbnr an 6pbfl 

unb OTommfrn am 24, 9foo, 


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358 


Wmtmbtt 1864 . 


populäre Jom »or, benn mir tag batan, recht rucfficbtblob ber ©ars 
äcbtlichflen at(er beutfcpen Parteien, bem (iberaten $articu(aribmub, 
entgegenjutreten ... (Senn Sie nicht mitteninne (eben in tiefer ©eit 
beb Jpaffeb, bet 8lngjl unb beb (Reibeb gegen ‘Prenfjen, fo machen 
Sie Sich (einen begriff non ber Stimmung beb S&benb. Sluch aub* 
gejeichnete ©änner werben baoon angefhtft Seroinub ift je§t nach 
meinem Urtheiie $articu(arift oom reinften ©affer, er fchwärmt f&r 
einen Bunb ber ©inbermächtigen, ber nat&rlich mit ber Xriab unb 
bem 9theinbunbe fRichtb gemein hoben fott u. f. w. Such Scpleiben, 
ber feit einigen ©ochen hier lebt, ift in Ämerifa oon ber antipreufüfeben 
Strimung, bie im Kublanbe (eiber immer oorherrfchen wirb, ganj 
unb gar ergriffen worben; er hält Seuft f&r Deutfchlanbb erften 
Staatbmann unb wi(C ben tyreufjen nicht einmat bab Sefafcungbrecht 
in SRenbbburg )ugeftehen; fte ftnb einfach „(Räuber*. — 

Sch »erbe Shnen Verglich bantbar fein, wenn Sie mir einige 
©orte fagen motten über ben Sinbrucf, ben bie Sammlung auf Sie 
gemacht ... Sie werben rafch bemerten, baf ich in ber beutfehen 
Sefchichte mehrfach bei Sbnen in bie Schule gegangen bin. ©ein 
Urtheil Aber bie Äaiferpartei beb $artamentb wirb Sbnen hoffentlich 
nicht $u hört fcheinen. 

Jjalten Sie eb f&r m&glich, bafj mir eine fehr befcheibene (Be* 
nugung beb (Berliner Strcbiob f&r bie £eit nach 1815, namentlich f&r 
bie Sr&nbung beb ^ottoereinb, nicht f&r bie inneren preufüfeben (Der* 
bältniffe, geffattet werbe? ©eine Sefchichte beb beutfehen Sunbeb 
wirb jwar ficher (ein preufjenfeinblicheb Such werben; fchon fegt 
urtheiie ich Aber bie bamalige Solltet ^reufenb weit milber alb unfere 
Siberalen pflegen. Slber in (Berlin wirb man feQt meinen Siberalibmub 
fchwerlich ertragen (innen ... ©it aufrichtiger Verehrung 

o. Streitfch(e 


424] ttn bie @<b»<fttr Johanna Baronin O’Bprn. 

greiburg 22/11 64. 

ÜJteine Hebe ©cbwefter, 

... Der einzige ©enfeh, beffen ©iberfpruch 1 mich traurig macht, 
ift ber Sater. ©it ihm ift bie Serftänbigung fchtoer; benn in ben 
»ierjig Sohlen, bie jwifchen feiner unb meiner @eburt liegen hat fich 

1 8*8*« bie tu ttuff&fct 


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Sfiootmbw 1864. 


359 


bte SBeft oon @tunb au4 oerwanbelt, er ifl in ganj onberen Ses 
griffen aufgeworfen al6 üb. 2af mir ganj offen reben, meine liebe 
Sobanna. ffienn bet Sätet feinem eigenen ebfen ©efüble überlaffen 
bleibt, fo bin ir ohne ©orge ... Sur 2ine6 fürrte ir> nar meinen 
Seipjiget Erfahrungen: wenn ba6 93 uT nur in gewiffe DreObner 
Greife bringen fottte, unb galfenftrin unb Sangenn u. 91., wie fo oft 
fron, ibm Sorflellungen waren über feinen freuflir«n ©obn, bann 
wüte e6 rnügtüh/ baf et füg unglütflüb fühlte. Dann bitte ir Dir 
— unb ir benfe, üb b®&e ein SRer* ju biefet Sitte — baf Du ba6 
Deinige tbufl um ibn ju beruhigen. 26 wüte nar meinet feffen 
Ueberjeugung ein Unrert, wenn fir wegen meinet ^arteifiellung 
unfer bäu6lüb<6 ©lütf trübte; man ifl nor fein oerlorener Sohn, 
wenn man 9lnfirten befennt, bie bem gegenwärtigen f&rf>fr<n 
SJiniflerium nirt angenehm finb. Du weift frwetlicb, wie frt mit 
ein flare6, glü<flübe4 Serbältnif ju meinet Familie am ^»erjen liegt; 
nur terne ir fteilir baju blo6 Sätet, ©efrwifter unb ©r waget. 
3n bet faft oollffdnbigen Einfawfrit, worin ir b»«* lebe, empftnbe 
ir lebhaft ben unenblüben 8Bettb treuer #er$en, bie Sinem ehrlir 
jugethon finb- 

Ueberhaupt wirb bie närfte 3<it frredlüb. Die beutfre ©e* 
frirte, bie mir obliegt, ifl ein ungeheureO SBetf. 9tor begreife ir 
nirt, woher bie £eit baju nehmen, unb nor weniger, woher inmitten 
biefet griffigen 8Büfte bie griftbe unb grurtbarfrit be6 ©rifteO. Du 
thufl alfo, liebe Johanna, rin gute6 2Betf, wenn Du mit halb ein« 
mal frrribft. 3eber Srief ifl mit eine Erguüfung ... 

Dein treuer Stubet 

$einrir 


425] 9n 3tt(iu4 Alt*. 

grriburg 23.11.64. 

©ie haben friert 2Bort gehalten, lieber ^ett SRector. SBenn ©ie 
wüften, wie frt in meinet büftgen Setrinfamung rin bet}lir<6 
2Bort oon ben greunben in bet gerne mir wohlthut, fo würben ©ie 
ftrer meinen nunmehr jährigen legten Srief beantwortet haben ... 
©odte mein 9luffag über ben EinbritOflaat ©ie aur nirt gan§ heilen 
oon ben DreObner ifletreübifren ©rwarhriten, fo wirb er ©ie bor 
wenigffen6 miftrauifr waren gegen ben färfifren allerb&rfl con« 


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360 


9}ovfmtar 1864. 


ceffionirten 2ibetali6mu4. 66 giebt auf bet Seit nicht6 Erbirmlicperrt 
a(6 ben liberalen $articulari6mu6 ober gar beit liberaliftrenben k la 
SBeuft... 3“ Äbnig6 @eburt6tag werben Sie meinen Skrter fehen. 
Sann bitte ich inft&nbig: reben Sie mit i$m über ba6 23uch. Sr 
wirb auf er ftch fein, bie S}S). galfenflein unb (Senoffen werben ihm 
ba6 $erj wieber einmal fcpwer machen. Sie finb ber einjige %it* 
fprccher, ben ich bei ibm b<>be. Seien Sie e« auch wirtlich* ich tonn 
Shnen nicht fagen, wie fehr ich 3h««n baf&r ju San! verpflichtet bin. 
3n alter Xreue 

3hr 

Sreitfchfe. 

426] Vn 6it 3oftyb Sto®* 1 « 

greiburg i/95. 23/11 64. 

©efr geehrter Herr, 

-Sie werben hoffentlich anerfennen, baff ich für 3bre 

9lation bie aufrichtige 95ewunberung h<8</ bie jebet greunb echter unb 
maffvotler Freiheit hegen foff. Unter ben vielen bitteren Erfahrungen, 
welche un6 bie6 emffe 3«ht gebracht hot, fcheint mir eine ber trau« 
rigffen bie Sntfrembung jwifchen Snglanb unb Seutfchlanb. 3ch ffnbe 
c6 gerechtfertigt, baff meine 2anb6(eute fleh jur Sehr festen gegen bie, 
wie ich glaube, ungerechte Haltung Snglanb6 in ber fchleOroig* 
hvlffeinifchen grage. 9(ber ich meine, man iff auch auf beutfeher Seite 
in ben Stnfchulbigungen oft )u weit gegangen. Segenfeitige Scpm<U 
hungen finb nicht ber/ton, in bem jwei groffe civilifirte 936lfer mit 
einanber verlebten foUen ... 

Sfhre 2anb6(eute pflegen unfren politifcpen SchriftffeUern vorjus 
werfen, fie fprichen atlju vorfteptig, man fbnne ihre wahre Meinung 
nur errathen. 3<h hoffe, mich trifft biefer ®orwutf nicht. 93ebenfticbe 
Sreunbe finb in Sorge wegen meiner Sffenberjigfeit; ich ober wünfehe, 
baff biefe Untugenb halb ein 9lationallaflev werben mige ... 

Sit aufrichtiger Hochachtung 

3b<f 

Xreitfchfe 


1 Der befanntc jtanßforftyer unb Diplomat 3*fcp$ ÄrSro»e »ar 1860—72 
englifty« ©«utalfonfuf in £tip{ig unb gehörte g(*i${eitig mit Xmtf<(fe bem 
Aiging an« Sßgf« $rrptag, Srinnmingen 6.837 f. 


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flJowmb« 1864. 


361 


fe 427] Sn @t «9 SEBoifc, 

- greiburg 23/11. 64. 

ic -6« ifl mit au« boppeltem Srunbe eine Sbnen, 

i f>od>gee$rtet fyttr, ba« »uch j« fenben. Der Sfuffag ff 93unbe«flaat unb 

ii öinheittflaat* entölt wo nicht eine 2Bibcrlegung, fo boch (ine 6r« 

je gdn$ung Sb*** Slbhanblung übet Staatenbunb unb »unbe«flaat. Sie 

e hoben, wie ich auch in bem 2tuffa$e $ugcbe, biefe beiben »(griffe nach 

i meinem ftmeffen unwibetleglich fefl gefleßt. Sber bie grage, ob ein 

»unbe«ftaat auf bie Stauet mbglich fei in gbbetationen oon Monarchien, 
noch baju oon oielregietenben Monarchien unb oon Staaten, beten 
Macht febr ungleich ift — biefe grage fcheint mit nicht jut Senüge 
beleuchtet. 9toch fchwietiget »fl ba« »ebenfen, ob bet Seifl unftet 
@efch«chte auf ben $8unbe«flaat hinweiff. Sch weif (6 wohl, bie 
^Betrachtung grofjer hifbrifchcr ^eittdume in »aufch unb »ogen ifl 
unenblich gefährlich unb oerführerifch. Slber mein Äopf wollte {ich 
nie beruhigen bei bet lanbldupgen »erglcichung Deutfchlanb« mit 
htorbamcrica unb bet Schweij. Sch fühlte, bafj ba« 2Befen biefet 
Staaten gtunboetfehieben fei, unb ging enblich baran ihre (Berichte 
fotgfdltig ju oergleichen. Sch bin mit bewufjt, babei Glicht« gefucht, 
fonbem nur gefunben ju hoben; oft war ich felbfl überrafcht übet 
bie Unfruchtbarfeit unb innere Unwahrheit bet füberalcn »efhebungen 
in Deutfchlanb 1 . Sch muffte biefe fehwierigen Dinge leibet weit fürjer 
barfleßen al« ich wünfehte; benn mir lag baran $um grofjen publicum 
ju reben ... (9lut einen Sfbf<hnitt> bie »erfaffung ber niebertdnbifchen 
SRepublif, werbe ich ndchflen« in einer felbftdnbigen Sbbanblung be» 
trachten, ba bie beutfehe flaattwiffenfchaftliche Literatur hierüber noch 
nichts »rauchbare« gebracht hot.) Sch fühle/ bafj mein $atrioti«mu« 
etwa« wdrmer ifl al« bei un« üblich/ ich weif, bafj mein @(aube an 
^teufen« ^ufunft fehr lebhaft iß, weil ich ihn mir erarbeitet höbe im 
SBiberfptuche mit meiner 6t}iehung unb Umgebung. Darum bin ich mifj* 
trauifch gegen meine Unbefangenheit. Sch hohe nicht wie Spbet bie 
^tartcigegenfdfce ber Segenwart in ba« Mittelalter jurüefgetragen, hoch 
oielleicht bin ich/ ohne e« $u wiffen, auf anbere Sffieife in ben gehler bie 
Sefchichte ju confhuiren, oerfaßen. Sie oerflehen, geehrtefler J&err, 


* ©einer in$afc(i$, jum XeU auc£ wbrtti<( dielten Srläuterung übtt biefe 3lb= 
fjanblung in bem ©riefe an ©pbel tag* baranf fügt Xreitftyfe no$ £inju: 
„ffienn n>ir je eine ©unbelßaattaerfaffung erhalten, fo werben mir fie fidler nid^t 
lange bemalten«" 


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362 


UJottembet 1864, 


fonxtt mein Urtbeil reicht, unter ben lebenben J&ißorifern am 93eften 
bie fernere $unfl, auch fotebe ^tflorif^e Stagen objectin gu betrauten, 
bie mit unferen ^arteileibenfcbaften nabe gufammenbängen. ©ef halb 
hielt ich en für meine Pflicht, 3b^en ban 93ucb )u febiefen, ban fic$ 
auf einen fo feblüpfrigen Stoben wagt. 

SDfit aufrichtiger Söerebrung 

Jj. o, (treitfebfe 

428] Sn Subwig JoAufer. 

Sreiburg 23/11 64. 

4>o<bge<btter JP>err, 

-3<b b«tte &«n liberalen 3>articularinmun für ©eutfcblanbn 

fcblimmften Setnb unb febe in ben jüngftat SJefcblüffen ben National« 
oereinn, wenn er nicht noch gu bef'rer Sinficbt gurücffebrt, gerabegu bie 
©elbfbcrbrcnnung ber nationalen Partei/ ben beginn einer neuen Slera 
finn* unb »ertblofer ^brafenfcbwclgerei 1 . 3tb b»«l* e* für Pflicht, 
biefem Unwefen bureb ein offnen unitarifcben ©laubennbefenntnif nach 
meinen Prüften entgegengutreten. Sie werben fcbwerlicb beiftimmen, 
boebgeebrter $err, aber @ie werben jtcberlicb erfennen, baf ich nüchtern 
genug bin weber ein alleinfeligmacbenben 3beat für bie beutfebe ®er= 
faffung aufgufteßen noch an bie IBerwirflicbung unfrer Einheit in ben 
ndcbflen 3abren gu glauben. 3cb bolte ben monarebifeben SBunbcnflaat 
wirflicb nicht für abfolut unbenfbar, aber für ungeheuer febwierig unb 
gebrechlich j unb ich weif febr wobt/ baf wir in ben nücbften 3abten 
befebeiben an ber $ortbi(bung ber Singclfaaten arbeiten müffen, wie 
bien in meiner neuen ^eimatb fo roaefer gefehlt 2 . 3ch bin ergogen 
in ber Xuft ben ©renbner jjofen, in Steifen, beren eingiger politifcber 
©ebanfe ber ^reufenbaf ifi SBenn ich alfo grof benfe oon 9>reufen, 
fo iff biefe Uebergeugung minbeftenn bureb felbftdnbige Arbeit gewonnen 5 . 

SDh't aufrichtiger SBerebrung 

S ).». Xreitfcbfe 

1 93gl. S). Dncten, ©ennigfen 1, 648 ff. 3 ©gl. ©. 326 tt. 2. 8 Such an 

©luntfchli ft^rteb £reitf<bfe noch an biefetn £09« ju bem »om ©erleget Aber; 
fanbttn Ctemplare bet Suffixe einen Begleitbrief, bet ben übrigen gleichet ©e: 
fHmmnng nicht* wefentlicb 9leue* £reitf<hfe erinnert baran, baf ©luntfchli 

ifn eine* Sbettb* im ^anfe $ofmeifter* bereit* „al* einen eifrigen nnb — wie ich 
leibet b<njufAgen muff — gelegentlich etwa* aufbraufenben Unitarier" rennen ge: 
lernt habe. 


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Wovtmta 1864. 


363 


ib 

e, 

* 

& 


1 


-429] Än Ouftoso von -haftfbetf). 

greiburg 23/11 64. 

... 9tiemanb auf ber Seit ift bem Suche gegenüber in einer 
unangenehmeren Sage al* @te; benn ©ie fennen bie meinen Sfuffäge 
fchon im erften Sntwurfe. S* wirb 3hnen ergehen/ wie wenn man 
ein Äinb nach Sohren erwachfen wieberfinbet: man braucht eine Seile 
ben frembartigen Sinbrucf ju überwinben. ©ewachfen ftnb bie Sffa;»* 
wirtlich unb hoffentlich /nicht blo* an leiblicher Sänge ... 3b*t un* 
fchulbigen Semertungen Aber ba* fortfehreitenbe ^teufen, ba* boch 
unmöglich oon Seutfchen gehabt werben ttnne, machten mich lachen. 
@o ift e* leibet/ meine liebe greunbin. Sein Sater fleht in ^teufen 
einfach, ben geinb, ben Xobfeinb, unb Sillionen ©fcbbeutfchet benfen 
ebenfo ... Sich/ biefe Singe ftnb grenjenlo* traurig. Ser ben Stöben 
fennt, oerjweifelt an einer frieblichen S&fung ber beutfehen gtage. Sie 
Slbler oon $ohenfriebberg unb Seuthen werben noch einmal fliegen 
muffen/ unb ich will bem J^intmel banten, wenn ich biefen noth* 
wenbigen Sürgertrieg noch erlebe. Snjwifchen ift e* mir eine Sr« 
leichterung/ bafj ich ln bem Suche meine Ueberjeugung recht offen 
au6geft>rochen hohe- 

3ch freute mich herjlich/ 3bte ©efchwifler fennen ju lernen. 9tur 
leibet ift ein ©tünbehen gar nicht ber Siebe werth. Sann oottenb* 

werbe ich ©ie einmal fehen?-3h« Srmahnung war boch 

recht hört. Sa* benten ©ie oon meinen Kräften? 1859 erfchien 
mein legte* Such/ bie @efeUfchaft*wiffenfchaft. ©eitbem bin ich «ln 
orbentlicher Socent geworben/ unb ber JJimmel weif/ ba* will gelernt 
fein. Saju hob’ ich eine Senge Heiner Stuffäge unb bie* biefe Such 
gefchrieben. Seinen ©ie, bafj man eine Sragobie fo beiläufig au* bem 
Hermel fchuttelt? Sinige Serfe ftnb mir in biefer jjeit jugeflogen, 
aber wenige; ich fühlt/ <<h hin ju hört geworben für bie tyrifchen 
©timmungen. Sagegen ftnb mir bie Sntwärfe unb Anfänge oon 
jtoei Xrauerfpielcn entftanben, hi* ich tnblich einfah, ba* f&nne fo nicht 
fortgehn. 3tu<h ba* forbert ben ganjen Senfehen. Sie beutfehe @e* 
fchichte if^ junächft ba* 9l6thigfte; ich hin gegen #irjel oerpfliehtet 
unb fühlt, bafj bie* Such io nnfren politifchtn Kämpfen nügen tann. 
9tachhtr will ich )ur ^oefie jurtteffehten, aber bitte, brängen ©ie mich 
nicht, ©ie wiffen nicht, wie fehr ba* oerwirrt unb oerftimmt. Sir 
müffen un* ertragen wie wir ftnb. ©o ertragen ©ie ’* auch, bafj 
ich ftgt ein Such gefchrieben höbe, ba* manchmal langweilig fein 


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364 


9}owm6rt 1864. 


mag/ aber hoffentlich ein Sftecht bat ju erffKren. — Ueber greptag’o 
SRoman bab’ ich noch (ein Unheil Srfl rnuf bet britte Sanb ba fein/ 
ber hoffentlich mehr Jjanblung bringt at6 bie jwei erften. ©eifi, Siebend 
wfirbig(eit, Saune ift in g&Ue barin/ auch manchem echt ^oetifche, fo 
ber Qbarafter ber helbin Sftfe. 2ibet bie ©enremalerei überwuchert 
oft recht/ unb ba$ ift e< nicht mag wir brauchen. 3cb hofft/ ber 
(egte Sanb erjüblt noch ©nigeO, wa$ bie liefen ber Seele erfch&ttcrt. — 
©leine Sollegien bringen. So (ann ich nur noch fagen/ baf ich 
bi6 SRitte Dctbr. an bem Suche faf unb bann bie Sorrecturen in 
$ari6 beforgte. 3<h erj^ble 3b«en noch von ber Steife. ©on Slllem, 
wa$ ich in biefen reichen SBochen fah/ fleht, mir am Sebbaftefien vor 
ber Seele bie Sote be ©rate, ©or ein paar Stunben noch in bem 
$arifer ©etümmel, unb nun pt&glich in ber (leinen Schiffetfirche auf 
ber feilen Äret bettippe an ber Seinemünbung. Silber von Seeftürmen, 
wo bie b* SRutter gerettet fytt, an ben SBänben; am Slltar einige 
Schifferfrauen/ bie für ihre SRinner auf ber hoben See beten l Xritt 
man h*nau6/ fo erftaunt man über ben prachtvollen ©lief, Xief ju 
g&f en ber hofen von hvnfleur. SBeiter in6 Sanb hinein ber gewunbene 
Sauf ber Seine/ hovre unb horfleur. Unb nun bie SluOfchau über 
ba6 2Reer, big ju bem fernen buntten Streifen im Storben, ber Äüfie 
von Sngtanb. Sich/ warum finb bie Slugenblicfe fo (urj/ wo wir bie 
Statur in ihrer ©rbfe fchauen bürfen? 

haben Sie taufenb Dan! für 3hren Srief. Sie wiffen nicht/ wie 
fehr mich «in ©ruf au6 ber gerne in meiner ©nfamfeit erfreut. 
SRit bereichern ©ruf 

3bt 

Xreitfchfe 

480) 9n Ufeobor OTommfm. 

greiburg 24/11 64. 

hochgeehrter herr, 

hr hfr)e( . . . fchrieb mir vor einem 3abre, al$ Sie ihn in 
Seipjig befucht hotten/ baf Sie einige Xbeilnabme für mein 2Bir(en 
hegten 1 . 3ch geftebe, tiefe ©erficherung bot müh fehr glücllitb ge» 

1 f8on bemfeften (Reifeerfebnid fpridjt Xreitföfe au<£ in ^Briefen an bat SBatet nnb 
an $iqet* Diefem f$reibt er, no$ auf tyarid am BO« Oft.: „$u bem @$6nftat 
»ad t<$ je aefefjen, jdffle ic£ bie Heine ®c£ifferfm$r 9?otre X)ame be ©race auf 
ber freiten Äreibeflippe bei Jponfreur mit ber »eiten 9udf$aa anf bie b*b* ®ee." 
* SBgl. ©, 296 


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Wostmbet 1864. 


365 


macht, unb ich erlaube mir barauf b»n, 3&nen ba6 Such julommen 
ju laffen. 

Sie wiffen au« Srfabrung, bie fdchfcfche Xuft ifl ganj baju an* 
getban, 3eben, ber fein Schwächling ifl, mit SW gegen bie flr&mmer 
bed Ä^einbunbe ju erfüllen l . 2Ber rollenb« wie ich bie ©efinnungen 
be« fäcbftfchen $of« au« ber 9läbe betrauten lonnte, ber mu§ wohl 
ein Unitarier werben. Sie unfelige Serwirrung ber öffentlichen Meinung 
in ber jüngflen 3«t lief e« mir w&nfchen«wertb erfcheinen, baff ein» 
mal bie unitarifche Ueberjeugung öffentlich befannt werbe, Son ber 
Stimmung be« Suben« ba&m Sie im 9torben leine Kbnung. 2Benn 
biefe fWenfchen nicht glücllicberweife ju phl^dmatifch wdren unb ben 
Schoben attjufebr liebten, fo Ibnnte man bei bem, wa« b«r febr 
anflänbige Seute über 9>reu$en fagen, auf bie Sermutbung fommen, 
ein Sonfbberirter rebe über bie $anlee«. Heine Srage, bie politifcbe 
Semoratifation in Sübbeutfcblanb ifl febr b»<b gefüegen; erfl unter 
ber £u<bt eine« wirKtcben Staat« werben biefe tro$ allebem »ortreffs 
lieben Stdmme wieber Seutfebe werben im roden Sinne be« 3Bort«. 
Unter folchen Umfldnben erfebien mir ba« ^urüdbalten ber Meinung 
unrecht, ßbnebie« ifl bie Xbeorie unfre« Sunbe«recbt« nicht minber 
unwahr al« bie *J>rari«, fte bebarf einer fcbonung«lofen Hritil. 9lueb 
war ich meinen biefigen ultramontanen greunben eine Keine ©ern&tb«* 
erbeiterung fchulbig. 

3<b freue mich, bureh ba« Such mit ben Keinen Arbeiten abju* 
fchliefen, unb gebe jefct an bie beutfcbe Sefchicbte feit 1815. Sie 
haben mich jur Site aufforbern laffen. über bie &uffd$e werben 
3bnen {eigen, baff ich mir bie Aufgabe fe!jr fchwer machen will unb 
muff. 2Bir finb ein auffhrebenbe« Sott, trog aller Sunbe«*9)liflren. 
Saoon aber giebt ber J^iflortfer leinen Segriff, wenn er bie politifche 
Sefchichte allein barfledt. Sr muf bie getfKge unb wirtbfchuftliche 
Bewegung genau fcbilbern. So aufgefaft wirb biefe 34fach jerfplittertc 
Skfchichte, felbft wenn man ben Siel ftberwinbet, fe br fchwietig ... 

1 SWommfcn, f«it h*tbfi 1848 ^Jrofcffct an b« Unistrfitdt itipjtg, tcurb« im SCpril 
1861 juglfi(^ mit SWorij Jpaupt nnb Dt» 3«hn oom f4<bf. SOtiniflmum ftinrt 
Utntrt cnthobtn, n>«i[ tt t»4bttnb bt« Drrtbiwt SWaiaufffanb«« ,»ffmrii<6e« AtgeniU 
8*0*6«* «*»6 «*«* ftb* f<ht«bc*» »*ifpi«t fftt bi« ataban. jugenb aufstffcat* 64t». 3W« 
b»i»am* att SWitgli/bfr brt 2)«utf<b«n 93«rrin4 in Sfipjig in j«n«n Sagrn unb jum 
£«*! ft«h« f<$°n «iftifl gcnxfen; «in attbalb unltt b«r b*uffif<b«n Otcaftun gegen 6« 
eingeieitetet Äriminafoetfabten bau« j«bo<b mit ffttifptucb geenbet. SWommfen ifl 
auch btt ttutot b«4 geflügelten ffBotttl »on bet h«rrfcbaft bei fousetünen Unoer: 
ffanb«4 (f. »b. 1, «. 88 «.). 8. SW. hartmann, 2b- SWommfen ®. 43 ff. 


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366 


Slovnnbrt 1864. 


3ch fann nur wieberholen, 3hr freunbltcheS Urteil ift mir eine 
grofje greube unb Srmuthigung gewefen. 

2Rit aufrichtiger Serehrung 

Sj .». Xreitfchte 


4SI] ün ^«tnti<b S8fld)mflnn. 

greiburg, 26/11. 64. 

Siebet alter $reunb, 

Dein Sefuch war mir eine fehr grofje greube. 3ch fanb Dieb heiterer, 
als ich nach bem Sone mancher SBriefe non Dir baebte, unb jugenb* 
lieber als felbfl in Sonn. DaS ift ja bie befle SÄrtigfeit, bie ich Deiner 
jungen grau fagen fann. 3<h bin eben babei, mein neues 93ueb an 
ade Seit ju nerfenben, unb ich hoffe, Du bift menfehlieh genug, in 
foleber Sage (einen langen SBrief ju nerlangen, fonbern in bem Suche 
felber einen Srief }u fehen ... Du wirft ftnben, bafj ich meine 
Ueber$eugung, wo nicht gut, fo bocb aufrichtig nertbeibige — auf« 
richtiger nielleicbt als (ich für einen mittelflaatlicben $rofeffor gejiemt. 
SDJeine ^arifer Steife ging noch herrlich non Statten. 9>ut war rbtper 
unb tiebenSw&rbiger, auch (ieberlicber benn je. 2Bann wirb ber arme 
3unge enblicb in eine fefte Sahn einlenfen? 3n ben paar SBochen 
an ber Seine lernt man ungeheuer oiel. Stile @rofje unb ade @es 
meinheit biefeS tro§ adebem gldnjenben SodS tritt Sinem unter bie 
Slugen. Die grofje halb Wahrheit beS SBonapartiSmuS, fein 3anu6fopf 
ift mir bort erft »erfMnblich geworben. Die* fytris ift ein praftifcher 
Kommentar ju ben ceuvres de Napoleon HI. ... 

Nochmals, ich glaube je$t ju wiffen, bafj Du gdtrflich bift, unb” 
ich hoffe, Dein nüchfter Srief wirb baS abermals {eigen. 

3n alter Ireue 

Dein £reitfchfe 


4S2] Än &«rf SRatbo. 


greiburg 26/11 64. 

hochgeehrter J£>err ©taatSrath, 


feit bem Sortrage über SBafhington 1 unb ber freunblichen Aufnahme, 
bie ich barnals in 3hrem häufe fanb, habe ich Sie nicht wiebergefehen. 
Weber jenen Sortrag ift, wie ich h&re, in Karlsruhe oiel gefchimpft 
‘ »ei. e. 32i«. i. ~~ 


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9?o»<mbtr — £)«|ttn6tr 1864. 


367 


worben. Doch hoffe ich, bie vernünftigen £eute urteilen milber. Da« 
woblwollenbe, (infame/ verflinbige (Betragen be« ©rofberjog« ift mir 
(ine grofje greube gewefen. Dafj aber mein politifebe« Urtbeil bureb 
biefe ©nabe bet £anbe«berrn nic^t anber« gefirbt worben ifl, baoon 
wirb Sbnen ba« beifolgenbe (Buch ein 3 «*» 0 nifj geben. 3<b bann mir 
bie greube nicht verfagen, 3 b«<n biefe (feine Erinnerung an ben ätying 
)u febiefen. (Bielleicbt ftnbet auch 3brc grau ©emablin Einige« in 
bem (Banbe wa« ftc intereffirt ... 3n ber Arbeit über Dahlmann 
(lebt (Blanche«, wa« icb 3 bten munblüben (Wittbeilungen verbanfe. 
Der 3luffa$ ff (Bunbe«flaat unb Einbeittflaat* wirb vielleicht viel @e* 
febrei erregen. Er ifl febr aufrichtig unb bietet fajl auf jeber %tiU 
©teffen, welche, au« bem ^ufammenbange geriffen unb gefebirft be? 

nufjt, mich al« febmarjen JJwcbverritber erfebetnen (affen*- 

©ie haben injwifcben viel Unangenehme« erlebt*. 3cb bin nicht 
©achlenner, unb ich wünfehte, gewiffe Herren, bie bie« noch weniger 
ftnb a(« ich/ bitten ftcb bemgemifj betragen, (Wir waren bie (Bor» 
ginge in ber Kammer ein neuer (Beleg ju ber (IRcinung, bie ich mir 
allmiblicb Aber (Baben gebildet habe. 3cb glaube, unb ©ie trauen 
mir wohl ju, baf ich 3 bnen bamit (eine Slrtigfeit fagen will? — 
bie (Regierung fleht febr b 0 ( f> über ihrem (Botte. 3n biefem braven 
(Botte berrfebt leiber noch febr viel Slpatbie, ^articu(ari«mu« unb 
dRaulbelbentbum, unb unter ben liberalen finb viele untertbinige 
£eute, SBenigc bie recht fefl auf eignen gufjen flehen ... 

greiburg, ba« fo gar arm ifl an intereffanten 3Renf<ben, gefüllt 
mir wenig j aber ich finbe boeb einige SJlufje. 3 n £eipjig bitte ich ba« 
(Buch nicht fo febned gefebrieben. — (Dlit ber (Bitte, mich in 3btem 
$aufe angelegentlich }U empfehlen 

3br aufrichtig ergebener 

Dreitfcbfe 

438] 9Cn $riebri<b von 2Dee<f). 

greiburg, 3/12 64. 

Steher 2Bee<b, 

-(Bon (R. 9Robl erhielt ich einen (öfllichen (Brief, ber ju 

meiner großen Ueberrafcbung unbebingte £ufKmmung au«fpricbt ju 

1 folgen SBemeifungen mefentlicfc gleiten Jnfjaltf »ie bie entfpre<$enben in ben ans 
beten ^Begleitbriefen, unb wie bort erfe^cint au<£ $ier »ieber „ber particularifHf<$e 
Siberalttmui* all ber „fölisnmfie Jeinb beb Saterlanb#**' 3 ©gL 0« 336 f» 


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368 


SDqantar 1864. 


meinen unitarifcben äegereien. Unb ich weiß, er fagt ba« nicht au« 
©rtigfeit. Denn gleichzeitig geht er mit göttlicher ©robbeit meinem 
gffap über Ublanb ju Seihe: U. fei ein //ganz ftupiber Äeri" gewefen, 
wie fonnte er fich fonfl „unter biefe Schweine auf ber Sinfen" fefjm 1 ? 
Sich glaube nicht/ baß je ein Diplomat einen fo Hafjtfcben ©rief ge* 
fchrieben hot. ©on bem Bieter Hofe bab’ ich burch ©ufeg unb @ut* 
fchntib Nachricht. ©Jan hüft bort bie ©nnejrion für febr möglich, 
©utfcgmib, ein unbebingter ©nnejionift/ baut vornehmlich auf bie 
©erblenbung ber Dünen. Die fortwügrenben Drohungen ber Äopen* 
hagener ©lütter hoben in Schleswig große Furcht erregt unb bie ©es 
müther ber ©nnejrion befreunbet 2 fn Holftein ift ber Sfbel unb ein 
Xb*i( ber reichen ©auem — S efctere au« materiellen ©rünben — berfelben 
Meinung. Sich geftege, meine Hoffnungen fliegen nicht fo hoch. 3eb 
will zufrieben fein/ wenn ein gute« binbenbe« ©bfommen mit ©erlin 
gefchtoffen wirb. Die« aber ift unerlüßlicg. Denn baß ber Herzog 
unb Samwer $articu(ariften ber fchmühlichften ©rt finb, ift mir Rar 
geworben/ feit ich bto tüglich mit Schieiben verlegte. Sin intereffan* 
tet/ licbenOwürbiger ©tonn/ aber in ©reußenhaß unb Heinfiaattichem 
Düntel oerbürtet — er fchwürmt für ben ©unb bet©Jinbermücbtigen. 

— Ueber mein afabemifege« ffiirfen urtgeilen Sie fehr richtig. 3eg 
weiß fehr wohl/ baß ich in bie leere Suft rebe. ©ber biefe Freiburger 
Sagte müffen überftanben werben. ©fit herzlichem ©ruß 

Shf 

Xreitfcgfe 


434) Vn fflobm von ©tobt. 

Freiburg 4/12 64. 

£o<hd«fjrter Herr ©egeimer £Ratb, 

wenn ich ®i« nochmal« mit einer ^ufchrift belüftige unb 3gnen herz* 
(ich banfe für 3b*en ©rief/ ber mir fo viel ©elehrung unb Stmutgi* 
gung gab/ fo hob’ ich bobei nur bie ©bficgt einen unerfreulichen Sfrt* 
thum zu befeitigen. Ueber ba« ©erholten Dahlmann« nümlich in ber 
©Jalmöet 9BaffenftiUflanb«bebatte benfe ich genau fo wie Sie felbft. 
Da hier ber Schein unb folglich bie ©Mehrheit be« ©ublieum« auf 
Dahlmann« Seite ift, fo habe ich — noch einer alterprobten tgetö* 
rifeben ©Jethobe — ©Ile« wa« zu Dahlmann« ©unflen fpriegt voran* 
1 Sögt. Wohl, itbcnlfrinnenrngm 1, 193 f. 


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Sqanbtr 1864. 


369 


geflellt, um bann befto einbringlicher ju fagen, baf et nach meinem 
Urteile ganj unb gar Unrecht fatte. Sin SDtifjoerfidnbmO meiner 
hüchfl unjweibeutigen ©Sorte ifi unmöglich; ich !ann alfo nur am 
nehmen, bafj Sie, getdufcht burch bie etflen Sdfce, im SÄrger über 
meine 3$or$eit einige Seiten überfchtagen höben. SÄit ifi biefe Sin« 
gelegenst ein rechter ^rüffiein bafür, ob Siner nüchterne* politifche* 
Urtbeii befrgt ober }u ben phrafenfeligen .Äpffbdufetbeutfchen gehört. 
3ch wünfche nicht, t>on S^nen ju biefer ©tenfchenflaffe gejdblt ju 
werben; barum bitte ich Sie, noch einmal einen ©lief auf jene 
Seiten ju werfen unb Sieb ju über jeugen, bafj mir bie Siebe, 
welche Sie bamato in ber spaulofirche ^retten, au* ber Seele ge« 
fprochen ifi. — 

3h« ©emerfungen über Uhlonb höben mich febr flußig gemacht. 
SRir fehlt baö Material um baruber ju entfeheiben, aber ich fürchte 
fafi, bafj Sie Stecht höben. Ueber alle anberen ©tdnner, welche in 
ben ©uffdßen besprochen werben, lagen mir ©riefe, SelbfigefidnbnifTe, 
Urtheile funbiger ^ritgenoffen oor, über ben fchweigfamen Uhlanb nicht 
viel mehr at* einige fchlechte ©iographien. So fchtofj ich *>on bem 
.Sichter auf ben SRenfchen, wa* ein arger Srugfchlufj bleibt, unb, ba 
ber Sbelmuth ja ba* ©orrecht unfrer Partei ifi, fo hielt ich mich t*r s 
pflichtet über einen ©egner recht milb ju urtheilen. ^öffentlich ge« 
lange ich im ©erlaufe meiner Arbeiten noch ju einem fieberen Ur« 
theile über U.; injwifchen follen mir 3h« ©emerfungen eine SBat« 
nung fein, feinen Sffap ju fchreiben ohne genügenbe* ©faterial. — 

Sagegen erlaube ich mir bei meiner Meinung über ffiangenheim 
§u bleiben. ß* war ein fehr natürlicher ©ebanfe, gewifj, einen ©unb 
ber ehrlich«confiitutionellen Äletnfiaaten ju oerfuchen. Silber wenn ich 
bebente, bafj bamal* bie gürfien oon ©aiern, ©aben, Sarmfiabt mit 
ootten Segeln barauf lo*fieuerten ihre ©erfaffungen $u befettigen, 
wenn ich mich erinnere, bafj in ben SRittelflaaten beö ©orben* noch 
rein«mecftenburgifche jtofWnbe herrfchten: fo begreife ich nicht, wie ein 
©unb fo grunboerfchiebener ©lieber möglich war 1 . — 

Soch flatt biefe unwefentliche Sifferenj ju betonen, will ich 3hnen 
lieber meine grofje unb freubige Ueberrafchung barübet au*fptechen, 
bafj Sie mit meinen unitarifchen Äeßeteien im ©anjen überein« 
fHmmen. Unb mehr at* eine allgemeine Uebereinfiimmung mit ein« 


1 ©gl. &aitfcbc @*f(bi<h« 9,486f. 
n. 


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Google 



370 


£f)tmtar 1864. 


jetnen Sorbehalten tfl ja nicht möglich in biefer fchwierigflen von 
allen politifchen gragen. SSJir ftnb mit allen unfren Sünben bod> 
ein h«**li<h«4 Sßolf. 3<h fann von btt Hoffnung nicht taffen, baf 
uni enblich auch einmal bai ©lücf lächeln wirb, bai bisher alte 
anbren Sölfer fo unbillig bevorjugt hat. 9tennen Sie bai immerhin 
einen beutfchen Stroft — wenn ich ihn nicht hätte, böte mit bai 
{eben in Deutfchlanb feinen SReij. 

2 Jfit aufrichtiger Sktehtung 

3 h* ergebender 

Üreitfchfe 


436] fcn SBityelm BBefyrenpfennig K 

greiburg 14/12 64. 

-Slber wofür halten Sie mich/ geehrteffer herr, baf Sie 

mir bie Slnnerion ali eine ^offene grage // oortegen — tiefe fchänfte 
unb gerechtere 3$at ber beutfchen ^olitif feit ber ©tünbung bei 
£o(lvereini? 3<h habe fte vor wenigen SBochen noch für unauifuhr* 
bar gehalten unb folglich bagegen gefprochen, weit man ben ^artü 
culariimui nicht ohne 9toth reijen muf?. 3e$t jeigt ftch «in Schimmer 
von Hoffnung — obgleich ich noch nicht begreife, wie man bie jDefi* 
reicher wegmanoeuoriren fann: — unb wir folften ben herrlichen 9>lan 
von ber Jpanb weifen? SBarum? Doch nicht aui Sichtung vor bem 
Siechte bei Sluguftenburgeri, biefei SRenfchen, ber foeben burch feine 
Vieler Leitung erfläten läfjt: Der Danebrog, nicht bai fchwarjweife 
Sännet, ift bie glagge ber JJerjogthumer? Ober aui Sichtung für bie 
öffentliche Meinung in Schleiwigholflein? Sin tiefer öffentlichen 
Meinung werben wir noch SBunberbinge erleben. Die Schleimiger 
werben bereiti vernünftig, fie hören täglich bie Drohungen ber Dänen, 
fie wiffen, wai bte SRücffehr ber Dänenherrfchaft bebrütet; fo werben 
fte aui Slngfi Patrioten. Stuch in #olflein bilbet ftch tangfam eine 
preufjifch« Partei, unb wenn bai ©lücf ber beutfchen Sache gunfttg 
ifl, fo werben wir von bort halb ben Stuf hören: „lieber preufjifch 
ali proviforifch!" Die Sache ifl fo Har, ba§ fogar hi«* in biefetn 

i Damalt allein, feit 1867 jahrelang gcmnnfc^öftH^ mit Sreitf^fe Jpcrautgeber bet 
tyteuf. 3a^rbb. „JJefjn 3afytt beutfeber .SUmpfe", bie Sammlung bet biet etf4>ir= 
nenen tagetpolitif<ben Sänften ftreitföfet ift tyrn geuubntet. 1877 in bat preufj* 
Httnißerium berufen, ßarb er 1900 alt SBirfl. @eb* Oberregierungtrat. €t war 
1829 in Dlanfenburg a. #atj geboten. 


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©qontar 1864. 


371 


bdetreitbiftben Woffennede viele Stimmen fagett, eö banble ficf> barurn 
ba$ Stöberte für ©eutfcblanb ju fiebern . . . 

9Jfit auögejeicbneter #ocbatbtung 

3bt ergebender 

Streitfcbfe 


436] Vn fritbrith «on $8)««$. 

ftteiburg, 18/12 64. 

Sieber 2Beetb, 

-Sielen ©an! für 3bte freunblitben 9Borte über mein 

Sutb. Sie hoben mir, tote SDtatbp, 3bre Seforgniffe für mi(b mit 
einer ßffenbeit mitgetbeilt, bie i<b 3bnen b*><b antetbne. ülber itb 
finbe feinen ©runb jur Sorge. 3n ben Äleinfloaten botte itb, ftbon 
bevor ba« Such erftbien, gar feine Sluäfübt auf einen 3Birfung6frei8, 
wie itb ibn wünftben muf. Steine Hoffnung natb Weufen ju fom* 
men iff burtb ba$ Sutb webet verfidrft notb verminbert worben. 
Son Saben verlange itb Sicht* al* ein älfpl für bie ndtbden 3abre, 
unb meine afabemiftbe SBirffamfett, wie gering fte iff/ reitbt botb 
wobl bin mir biefe £uffutbt6fielle ju verbienen. Sotb weniger fann 
itb jugeben, baf meine £e$ereien bie SunbeOdaatOpartei compro« 
mittiren. 2Benn fte viedeitbt einige Stbwatbfbpfe abftbretfen, fo 
werben fte bafur ben Ärdftigeren witlfommen fein. Sodenb* unbe* 
greiflitb iff mir, wie man in 3odp’$ Greife (natb ber Serfttberung 
von SR. Soff) fürchten fann, mein Sutb werbe ber Regierung feba« 
ben. £)ie SWinifler ftnb botb wabriitb nicht verantwortlich für bie 
Steinung eine« ^rofefforO, ber notb baju nitbt von ihnen, fonbetn 
von ber gacultdt in* £anb gerufen würbe! Sodte aber (wa* ich 
fautn glaube) ba* Such von ben Waffen al* SSerfjeug gegen Soggen« 
bacb gebraucht werben unb biefe Xborbeit an bHdet Stelle Entlang 
dnben, fo weif ich wa* itb ju tbun habe. 3<b bin al* liberaler ver* 
pflichtet einer guten {Regierung nicht ju fdfwben unb würbe im ftblimm« 
den §ade meinen Slbfcbieb nehmen, ©och wie gefagt, ich bade ba* 
Sille* für bb<bd unwabrfcbeinlicb ... 

SDfit bereichern ©ruf 

3b« Xreitftbfe 


24* 


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372 


Deiember 1860. 


437] «n Salomen #irjel, 

greiburg 20/12 64. 

J&ochgeebrter S&ttt, 

-Uebrigen* ^at mit ba* ©ucb fcbon «tele erfreuliche ©riefe 

eingebraebt. Springer, bem ich ©iebt* gefebieft, fdjrieb mir bennod) 
unb oerfebaffte mir fo bie greube, ibm ju fagen, baß icb al* Stubent 
fein fliUer ©erebrer au* ber gerne war unb ©tel non ibm gelernt 
habe 1 . Unfer babifeber ©unbe*tag*gefanbter entpuppte ftcb in feiner 
Antwort al* ein rabicaler Unitarier. ©latbb* Schreiben lautete fo 
berjlicb unb ebel wie ftcb* non unfrem greunbe erwarten ließ; nur 
fpriebt er bie Sorge au*, ba* ©ucb tonne meiner ^utunft febaben. 
So benfen ©iele, man fpriebt mir ©tel non meiner <£otffubnheit. 2Kb 
aber meine, biefe fogenannte .ftuhnbeit fei recht wohlfeil... Die gr&ßte 
greube brachte mir boeb greptag* ©rief, er bat mir wiebet recht gejeigt, 

wa* ich an bem $i|ing nerloren habe-gür 3orban* ©riefe 

will ich mich oorldufig babureb bantbar beweifen, baß ich ihn bringenb 
bitte, ben unglucffeligen ©erliner ^rinatbocenten au* ben @runen 
©lüttem berau*)uwetfen 2 . Diefe gafeteien über Sotbert unb ßarep ge* 
b&ren in bie 21ug*burger ^ritung, nicht für un* Preußen. (5in win* 
jige* Äbmcben 3Babrbett flecft barin, boeb ba* ift tÜngfl beffer gefagt. 
3 cb würbe febweigen, wenn e* ft<b nicht um fo emfte, prattifcb wichtige 
Dinge banbeite, ©or unften Slugen bitbet ftcb ber große weffeuropdifebe 
©larft ber <SultumMIer. Unfre Staat*prari* bleibt oerjagt in ber 
©orballe flehen, unb unfre gelehrten ©littet tifteln über CEatep! Um 
bie febwete Sünbe wieber gut ju machen, müffen bie ©renjboten 
ndcbflen* über bie ©o(t*wirthfcbaft ber Scbweij febretben unb jeigen, 
baß bie Schwerer barum eine btübenbe ©olföwirtbfcbaft hoben, weil 
ihr gefunbet prattifeber Statt ihnen fagt, baß hinter ben oerjwicften, 
übergeifheicben Sieben biefe* #anfee* nicht* SInbere* flecft at* bie 
ganj gemeine Scbußjbttnerei be* trügen, nach Staat*bilfe febreienben 
gabritanten. Sorban wirb mir hoffentlich nicht jürnen; ich höbe mich 
wirtlich gefeßimt, in ben ©renjboten folcbe* *$eug ju lefen, wie ben 
Jßpmnu* auf <£arep* Srunbrententheorie. gragen Sie mal SRofcher 

t ©on Sreitfcpfee ©riefen an Springet ift leibet bi«her feinet ju beftpaffett ge= 
tvefen; ebenfo von betten an ®tar 3orban. % »ach 3 . Scpmibtt Vnljcpeibcn 
(1861) SKitrigen töntet bet @ren)boten, vertrat bamatt ©uf<h att (Rebafteut. 
3 €ugen Döpring, non bem bie ©ttnjboten 1864,4, 404ff. einen Dg. gejeiepneten 
Slrtifei Ober „Solberti J^anbettpolitif in ihren ©ejiepungen jur Segenmart* ge; 
bracht hatten. 


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I>ejembet 1864. 


373 


ober gar SUfath*)! .,. 3 « meiner großen Sreube Ja« ich neulich eine 
außerorbentftch loben be Recenfton von ßoerbecP« JjabititationOfcbrift 1 ; 
nun ifl er mit allen militirifchen (Ihren in bie afabemifche £unft 
eingefubrt. 3 ch glaube/ an bem {leinen Äerlchen erleben mir noch 
viel greube. ©ottlob/ baß er mit einem Haren Stopfe unb fefhn 
Sbarafter fo mitbe formen oerbinbet; ba« allein macht c 6 ihm mbg* 
lieh/ mit feinen Hnftchten in ber tbeologifchen gaeultdt ju bleiben; fo 
fann er vielleicht unter ben funfttgen ©eelforgem einen ganj (leinen 
oernAnftigen Äern bilben helfen ... 

Verbringen ©ie ba« gefi recht froh! 3<h empfinbe in biefem Rügen« 
bliefc einige« #eimmeh/ benn foeben fehiefte ich meine SBcibnachttlifte 
nach «#aufe» 3<h freue mich barauf/ mie meine ©chmefter von Saura 
Rummel entjAcft fein mirb. 

SWit ben fchinften ©rußen 

3hr 

Streitfcpfe 

Slegibt ifl natürlich nicht mehr bei ber Rlfg. £tg. Rlfo mirb mohl 
SButtfe bort feinen Saich abfefcen. 

488] Kn ®iIMm Jbofmeiflet*. 

greiburg, 20/12 64. 

Verehrter $reunb, 

... ©egen Reufahr milt ich nach Carttruhe gehen um mich in 
bem Hrcpröe vorläufig ju orientiren — menn anbet« bie Regierung 
ihren ©egen baju giebt. Die« aber ifl feine«meg« fieper. fRatpp 
freilich hnt mir auf meinen unitarifchen ©treich fo herjlich unb ebd 
gcantmortet mie ich« ermartete. Doch anbren Sarl«ruper ^olitüer 
finb von meinem SSucpe ebenfo menig erbaut mie S3luntfcpli/ ber mir 

jur drmieberung einige Rb«mbunb«pbantaften fepiefte- 8 Ba« 

©ie Aber ben fAbbeutfcpen 9 >h*liffer fagen ift mir au« ber ©eele ge« 
fproepen. ©länjtnbe Ru«nahmen giebt ei, j. 23. ben Rmtmann grep, 

1 Sitcrar. Sentralblatt 1864, @p. 1198 ff. „ffierfitgenbt #abiIitation4f<brift ift (int 
fo »or}6gIi<be Stiftung, baf man bi( UnioerfitAt Jena ju bet ntutn in bem S8tr= 
fflfftt ihr jugenMchfraen Scbrfraft nur aufri^Hg beglAtfwftnftben tonn"; fo beginnt 
bie SBefprccpung. 3 .peroottagenber SBotanifcr, (1824—77); fett 1868 ^>tof. erft 
in .peibtlberg, bann in ZAbingcn. (KOg. £>. SSiogr. 12,644 ff.) Kl* SOtitglieb 
brt Äiping, in ftintt SBaterftabt uh» er jutrft Zrcitfcpfc nAper gefommen, ber ihm 
feit bet gemeinfamen $eibclbergcr Seit in ptrjlicper greunbfepaft jugetan blieb. 


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374 


Dtjmtb« 1864. 


bet f&rjlicb »on hü* nach feeibelberg oerfegt warb ‘. Sr ift mir in 
furjer 3«* feb* liefe geworben. BBenn ©ie ihn irgenbwo fehen, oers 
fdumen ©ie ja niefet ihn fennen ju lernen. — ©utfcbmib fchil* 
bette mir neulich ben feofffeinifcfeen ^articutari«mu« in ben gretlften 
garben. Sv bat nur $u fefer SHetfet. ttnb unfer ©ufcb feUft in feiner 
unglucffeligen Diplomatenflellung bie Annexion oerbtnbern! Sch werbe 
mich freuen — »ergeben ©ie mir« — wenn unfer greunb enttüufcht 
$ie( wieber »erlaffen mug; benn fyiev banbeit e* ficfe um unfer 2anb, 
um bie grage, wie ba« Stöberte für Deutfcblanb ju fiebern fei. Sinen 
neuen Äliffer in ber ©leute ber 9>reugenfeinbe braueben wir nicht. — 
©on .feerjen ber 3brige 

Xreitfcbfe 


439] Vn ©uftoo fmjtag. 

#ocbgeebttet .feerr, 


greibutg 27/12 64. 


-bag ©ie fo gut »on mir beulen, macht mich glueflieb, 

unb wirflicb ergriffen bat mich wo« ©ie über meinen ©ater fagen. 
S« tfl b«rt, am eigenen Seibe }u erfahren, wie rafeb bie Sielt fleh 
brebt. Stein ©ater tfl aufgewaebfen in ber ©tammeOfembfcbaft ber 
alten £eit, bie wir längeren laum noch begreifen. 5fem ift $u 
©lutbe, wie mir, wenn mein ©obn unter bie granjofen ober Dünen 
ginge; er ftebt in ©reugen einfach ben geinb, ben Dobfeinb, unb bie 
©6tter wiffen, bag bie jüngflen ©unten hüben unb trüben tiefe 
©itterfeit nur vermehren fonnten. Der alte ©ruberbag brennt wieber 
auf; bei manchen iugerungen fefer »erflünbiger ©lünner ifl mir’«, at« 
b&rte ich ba« ©efchlecht be« breigigfübrigen ÄriegO reben, unb ich 
fühle lebhaft nach/ wo« ein alter Jpetr empftnben mug, ber bie 
Dbeilung ©achten« mit erlebt fett. 3n ©<ble«wigbolflein ifl e« ju* 
legt fo weit getommen, tag ^trugen unb ©achfen geltwachen unb 
©ebetten gegen einanber aufffellten. Äutj, bie £eit»erbültniffe fonnten 
nicht ungünfKger fein für bie ©timmung meinet ©ater«, unb er ge« 
fleht, bag ihn feit bem 5tobe meiner ©lütter Blicht« fo fchmerjlich 
berührt buhe wie mein ©ucb*. Strogbem ifl er fo freunblich unb 
nachfcchrig gegen mich gewefen, bag ich ihm nicht genug bafür tanfen 
fann. ©ie wünfehen ihm etwa« Siebe« ju erweifen, unb ich freue mich 
be«, aber ich wrif Blicht« ju fagen. ©leine ©efchwiflet unb ich fmb 

1 ©pdt« HXinifterioIbirrftor in ÄfltMruljt. (Dost.) 9 S 89 I. 0. 83b. 1, ®. 6 . 


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jDtjtmbtr 1864. 


375 


tmjner in iBertegenbeit, wenn wir benfelben Sunfcb ^egm. 

©er ®ater gehört noch ju jenem ©efcblecbte fpartanifcber, vollfommen 
bebürfniffofer SWenfcben, bat in ben gteibetWftiegen grofj warb unb 
ftcb fetber harter bebanbelt at* wir Sungen tt jemal* tbun, Kleine 
Siufmerffamfeiten fcblagen bei folgen Statuten nic^t an. greunblicb 
unb natürlich mit bem Stotet ju verlebten, bat ifi für un* ba* 
einzige SJlittel ibm greube ju machen. 3<b hoff*/ @>« treffen noch 
einmal petfönlicb mit ibm jufammen. ©a* würbe ibm lieb fein; 
feiner etflen {Begegnung mit 3bnen im Sartefaale ju ©te*ben er« 
innert er ficb noch immer mit gteube. — 

Jjirjet wirb 3bnen meinen SBotfcblag für bie SRebaction ber 
©renjboten mitgetbeilt hoben. 3<b ^<rtte Silbranbt für votjügltcb 
geeignet, für bie befie Erwerbung, bie augenblicflicb möglich wüte... 
Olamentlicb feine äfibettfcben Kritifen in ber @übb. ^tg. waren oft 
mufierbaft, unb @te hoben mir felbfl geflagt, wie febr ben @runen 
{Blättern eine Kräftigung nach biefer ©eite bin notb tbut 1 . 2Ba* 
ihm im iBerfebre mit .fcepfe unb {Brater von überäflbetifthen unb 
preufienfeinblichen Schwachheiten 1 angeflogen ifl, ftfct nicht tief 
unb wirb von 3bnen halb auOgetrieben werben. $erfbnlicb hob’ 
ich ihn nur ein« ober zweimal gefeben. Sr gefiel mir febr. 95ei 
Stilen, bie ihn näher fennen, gilt er al* brav unb gefcbeibt, von guter 
Saune unb fo viel {Beweglicbfett al* jum joumalifiifcben Jjanbwerf 
gebärt. . . Senn Sie et wünfcben, übernehme ich gern bie etfie 
Anfrage. Sille* unter ber iBotau*fe$ung, bafj SBufcb unwiberruflich 
jurücfgetreten ifl. ©iefer gteunb unb fein Treiben wirb mir leibet 
febr problematifcb. 3cb begreife nicht bie* ©ilettiren in einer Sauf« 
bahn, barin er boch nie ein Seiftet wirb. Unb follte er gar bie 
beitfame Sfrmejrion verbittbem helfen, fo mag er e* vor bem Zeufel 
. verantworten — vor mir nicht. Sr infptrirt bie f<hle*w«botft 
treffe, unb fte bringt SSrtifel wie ben berühmten: „©et ©anebrog 
ifi bie glagge ber Jjetjogtbumer!" 3<h meine, ^reufjen bot genug 
getban für bie Sanbe, e* folt enblicb an ftcb felbet benfen, bie ver« 
biffene, verbitterte, Unflate bffentliche Meinung getrofi vor ben Kopf 
fiofjen unb mit bem Stöberten fo verfahren, bafj e* für ©eutfch« 
lanb nicht wieber verloren gebt. SRätbfelbaft ifi mir nur, wie 

1 Sn #ir}fl ftytibt Zmtfcbte von brat »tüc^tigm politifcbra* ntbtn brat „»etwaig 
(oftm iftbetifcben Zfytil* bri SStattrt. 3 »on „Brattri &pffbätif«=@*banfra* 
fvricbt ber ®ruf an Jbirjel vom 20. Dtj. 


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376 


®ej «nbtt 1864. 


man bie ßegerreicher ohne ungnnige ©erfprechungen lo6 werben 
will- 

©a6 kopier ertaubt nicht mehr, etwa* Aber 3h*«n britten ©anb 
ju fagen. „Jjtarmlo«", wahrhaftig, ig er nicht. Um fo beffer! <?6 
tbut wogt, bag bie J&anblung gegen ba$ Snbe mieber rafcger oor« 
mir« gebt; unb bie ©eene, wie 3tfe (nach bet Meinung fcbwacber 
Seelen) fo gar unweibticb ihr $au#recht oettgeibigt, fchemt mir ent« 
jücfenb wahr unb febbn. SBet hat Sbnen ju 3b*em Srbprinjen 
ÜJtobett geganben? ©ewig Utiemanb, unb bo<b ig bie gigur tebenbig 
bi6 in ben fteingen ^ug unb ganj neu in unferer Literatur. 

©rügen Sie ben Aiging unb fomrnen @ie ja. 

SÄufricgtig bet 3b«9« 

Zreitfchfe. 

440] Vn b<n 93atnr. 

greiburg 31/12 64. 

... ©or StUem banfe icb Dir au« »ollem Jperjen, lieber ®ater, 
für bie gütige SBeife, wie Du ba6 ©ueg aufgenommen bog; icb weife 
bag Dir biefe ©üte nicht leicht warb, um fo banfbarer bin ich bafür. 
Snjwifcgen gnb auch pünftlüh am ^eiligen Stbcnb Sure reichen ®e« 
fegenfe eingetaufen unb hoben gtoge greube m< j)au« gebracht. -. 
©it ben gerien ig e* bo«h anber« gefommen al« ich bachte. 3cg 
habe noch fegr ©iel gier ju fchreiben, auch gnb ein paar Zage im 
Slrcgioe nur wie ein Zropfen auf einen ^et^en ©tein. Sttfo jiege ich« 
»or, erg ju Ogern auf längere $tit in ba6 Sattoruger Strcbw }u 
gehen, Die Srtaubnig ig mir mit ber grbgten Siberalttät jugegegert. 
3 fntereffant wirb bie 9tu6beute jebenfatf«, wenn auch nicht erfreulich* 
©o fanb SBeecb lürjticb im Strchioe einen eigettgänbigen ©rief ©etter« 
nieg«, worin biefer ben ©roggerjog Subwig oon ©oben bittet, er mbge 
ben ©brber Äogebue’6, ©anb, foltern taffen! SBeedj ifi jegt an ber 
Sarteruger ©ibliotgef angegellt unb wirb »ielleicbt halb in bie Diplo« 
matte eintreten. ©ein gortgang ijl mir fehr unangenehm, ba er 
mein befter Umgang war, unb bringt bie gacultät in groge ©erlegen« 
heit: fegt mug man um jeben 9>rei6 einen fatholifchen $igorifer 
haben. ©a6 aber ig unenblich fegwer, benn merfwürbigerweife fommt 
auf je 10 namhafte protegantifege ©eiehrte faum ein latgolifcher, 
unb oon ben wenigen Züchtigen hot natürlich deiner Sufi, geh in 
ben hiefigen wüthenben confefgonetten Streit hinein ju fegen, ©on 


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IXjfmbtr 1864 — Jtbruat 1865. 


377 


tiefem teligiofen Jpafj unb bet Spionage, tie bamit jufammenbängt, 
habt 3b* ©lucdicben im Lotten (eine $$nung. 3<b muf mich in 
meinet eignen Sßobmmg mit (auten ©efpräcben febt in 2l<bt nehmen, 
ba aufet meinet SBirtbin, einet febt guten unt butbfamen &at$o(i(in, 
nut fanattfebe Ultramontane im Jjaufe wohnen. — 

9Äit tem 9l6faf}e meine« 23ucb« gebt e« gut. Die treffe fingt 
bereit« an lebhaft fit unb wiber ju febteiben, unb bet Streit wirb 
»orau«ficbt(icb halb noch lebhafter werben. Dem ©rofbetjoge bab’ ich 
ba« 23ucb, nach bet Sitte oder babifchen |>rofefforen, gefebieft, obgleich 
icb wufte, ba| er mit Vielem barin nicht etnoerftanben fein würbe. 
2J?ir febien biefet offne SBeg anfldnbiger unb (läget, unb bie Erwartung 
bat nicht getrogen. (St bat ba« Such gelefen, wie ich fteber weif, unb 
mit bennoeb eine febt (ieben«wätbige Antwort gefebieft. St ifl in bet 
Zb«t ein oortrefflicbet fDtann, bet jebet ehrlichen Ueberjeugung ihr 
SRecbt lift. S« freut mich recht, bafj 3b* «$rn o. Sobjnann fo fteunblicb 
aufgenommen habt 1 . 3<b »erlebte manchmal im 4?aufe feinet Sltem; 
feine SWutter, eine Snglänberin, ifl eine »orttefflicbe grau, unb feine 
Schweflet b«t ficb in ben 3abren, wo fte «ftofbame war, eine SBil* 
bung erworben, bie unter ben Freiburger Damen unerhört ifl. . . 
Seht begierig bin ich, wie bem #epp bet Vornan gefällt. Da« SJucb 
ifl geiflteicbet al« Soll unb Jpaben; al« Äunflwerl fleht e« nicht fo 
hoch ... Den heutigen Slbenb werbe ich odein über meinen Fächern 
»erbringen, feiert 3bt ihn froher unb feib oerfichert, bafj Dir unb 
Such meine beflen ffiünfcbe in ba« neue 3abt folgen. 

Dein treuer Sohn 

Heinrich 

441] %n ben ©ater. 

Freiburg 2J2 65. 

ÜRein lieber 95ater, 

... 3n ben Freiburger ©efedfehaften fange ich on mich **nju* 
gewöhnen. Sinige (ieben«wurbige üttenfeben finb boeb barunter, unb 
man (ommt mir überad febt betjlieb entgegen. 3d bie Sßerlegenbeit 

i gerbinanb ©obman, ein jüngerer ©ruber bet jufärtftigen Jrau o. Xx. 3*K* 
von Xreitföfe in $o$er ©ere^rung gehaltene SRutter, geborene 0$one, ifl erfl 1891 
geflorben. €mma oon ©obman, am 10.3 on * 1836 geb v mar mehrere 3af>re Dame 
ber JürfHn ju gürjlenberg, @emaf>lin beb Jürflen Aarl €gon m. (1820—92), unb 
blieb bann, na$ beren »orjeirigem 5lobe (1861), no$ mit bem fürften unb feiner 
Softer Sprinjefftn Amalie bauernb in ben freunbli<$ften ©ejie^ungen« 


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378 


grbroör 1866. 


be* erfhtt (Belanntwerben* überflanben, fo verfldnbige ich mich auch 
mit tarnen recht gut. Sur mit ben Ulttamontanen, bic ich ©ott* 
(ob nur feiten ju ©eficht befomme, wirb e* mir ferner artig ju fein. 
3«b bin nicht fdjmiegfam genug, um benen eine freunbliche SSiene ju 
jeigen, bie mich hinter bem (Rücfen mit ben gemeinten Schimpf* 
Worten bewerfen; bo<h ifl e* mir vielleicht gefunb, bafj ich hk* lernen 
muff, auch mit fotchen heuten auf eine ©tunbe leiblich ju verlebten. 
Sine gtofje greube brachte mir neulich gteptag* (Befuch. Seiber blieb 
er nur einen Zag, unb bie dflpetifcben grauenjimmer (egten ihn al** 
halb unter (Berfcblufj, fo bafj ich mir wenig von ihm hatte. Unter 
biefen Samen ifl bie merfwürbigfle grau o. Rittern, bie Zoebter ber 
(Bitchpfeiffer, früher ©cbaufpielerin, unb fegt an einen hieftgen Äarnmer* 
herm verbeiratbet, jung aber hd&lich* Unterhaltung mit ihr ifl 
mir immer eine wahre greube — aufs er an bem Zage, wo fte grep* 
tag belagerte. — J3<h habe faum je eine geifheichere grau gefehen — 
merfwürbig genug für bie Zochter einer fo trivialen (Kutter — unb 
ich bin begierig auf ba* StfHing*linb ihrer (Kufe ober (Suffe, einen 
Vornan, für ben greptag* beicbtvdterlicher (Rath eingeholt warb 1 . 
Suer Urtheil über greptag* (Buch hat mich überrafcht. SCuch üb finbe 
ben Saefarenwahnftnn unb bie Zigeunerin nicht ganj glüctlich er« 
funben. Kbet bafür ftnb ber jDberhofmeiflet unb bie jungen $rinjen 
unb (prinjefftnnen herrliche giguren, burch anb burch leben big unb 
mit golbner Saune gefchilbert. Sie Jjiofgefcbicbte fcheint mir geifiteich 
unb von hHfler (Sabrheit, wdhrenb ich van ber Rummel*Jjwhnerei 
(Kanche* wegwünfehte. greptag ifl eben ber gebome ©enremaler, ber 
bei fomifchen ©eenen (eicht behaglich in bie (Breite geht unb fafl 
(dppifcb werben lann. Sa* ©chinfle an bem (Buche bleibt hoch ber 
©eifl be* Sichter* felber, ber au* fo manchem tiefen (Sorte fch&n 
unb ehrlich tebet. (San foll freilich, fagt ber dftyetifcbe Sober, bei 
einem (Romane nicht an bie $erfon be* Sichter* beulen. Sie vet* 
(ome Jjanbfcbrift wirb, tro$ ber dflhetifchen Segeln, ben meiflen 
Sefem barum lieb fein, weil fte ba* (Bilb wiberfpiegelt von einem 
eblen unb geiflvollen (Sanne, ber grofj benft von ben (Senfehen unb von 
feinem (Dolle. Sen fchlimmflen gehler be* (Buch* lennt greptag felbfl 
fehr gut. Sr fchrieb mir: ich habe ben ©toff einer Keinen (Novelle 
ju einem (Romane au*gefponnen. @o ifl e*. 3n einem (Romane will 

-r- . . ■-■■■■■ - ■■ — - ■ - ~ • ■ ■ - 

1 „Doppelleben*, 1865 etfc^Unm. 


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Jfbruar 1866. 


379 


matt feh«t, tote ein 2J?ettfch wirb; unb bag ©erben einrt ©elehrtrrt 
tft für einen Dichter ein fehr lohnenbet Stoff: eg währt eine gute 
SEBeile, bi6 bie jugenbliche Juß an bem ©enuffe bet 2Belt fich ber 
^u<bt ber Arbeit fügt. Stber ich benfe, man fott einem reifen ©eiße, 
bet un6 erfreut unb erbebt, nicht oorrecbnen, mag er hätte barfieQen 
fallen, fonbem befcbeiben fragen, ob bag fehin fei toag er wirflich 
bargefteUt bot. Unb bann, benfe ich, bleibt bag Buch eine fchine 
unb tiehengwürbige Dichtung, nicht blog für mich, ber ich vielleicht 
parteüfeh urtheile ... ferner iß fein Porträt, aber eg ßecfen ßchttich 
3üge in ihm von greptagg gteunben ^>aupt, Sahn unb iDtommfen. 
Rummel unb #ahn finb bie beiben J?ut* unb Strohhänbler Jjaugf 
unb ^ennigfe auf ber Sftofenthalßraße in Seipjig, fo fpteehenb ähnlich, 
baß greptag fich gelegentlich auf eine Fracht Grobheiten von <&etm 

$augt gefaßt machen fann-jjerjtiche ©tüße nach Drrtben 

unb bem gelfen. 

Heinrich 

442] Vn ©flfemon 

greiburg H/2 65 

#oehgeehrtet J£>ert, 

... Soeben lefe ich *n bet Slberfelber ^tg 1 eine pfpchologifche Slna* 
Ipfe meiner fchwarjen Seele: bie greiburger Juft, fagt £r Jammert 
mitleibig, macht bie SDlenfchen entweber ultramontan, ober in St* 
mangelung fteunblichen 3 u fPtuchg gemäßigter greunbe werben fte 
hifftg unb annejrionißifeh. getnet werben Sie aug ber Stummer ber 
Stationaljeitung, bie Sie mir fürjlich fchicften, erfehen haben, baß 
mir jeber Sinn für ben Jpumor gänjlich abgeht unb meine puritanißhe 
Sittenßrenge mich leicht ju weit führt auf bem $fabe weltoer* 
achtenber SCugenb*. Slug all biefen betrübenbm Betrachtungen beutfcher 
x Äritifet muß Shnen flar werben, baß mein ©emüthgjußanb gegen* 
wärtig ber fepwärjeße iß unb ein Brief meineg milben väterlichen 

11864—66 von Sommert gefettet 2 bie reiflich fobenbe, au<b man<herlei gut 
bemertenbe unb bo<b £mtf$fe# tvefentfiche ^Begabung, befonbert feinen politif<hen 
@<harfbfi<f no<h nüht erfennenbe &efpre$ung (von JCarf Jrenjel, 2. % ebr.) beginnt 
mit bet {Erinnerung an bie (Hebe auf bie Seipjiger @$la<$t Crmit bet .ßeinrieh 
von Zteitf<hfe bat Jeff in ebeffter IZBeife befehfofs, fo einbringfi<h, »aht unb m&<btig 
mären bie @ebanfen, fo gehalten unb pathetifeh if>r Sfulbrud*) unb fagt von ben 
tfuff&ben: *3eber Sehet), jebet ©fifc bet Jßumort fehlt, bat Qenrebtfb, bat in ben 
(Sffapt von £h* Satfpfe einen fo breiten (Raum einninratt, ha* h*et feine Stellet 


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§<bruat 1866. 


greunbe# in Xeipjig mit febt mobl tbun mürbe. 3cb bitte ©ie bet) lieb 
barum. — 

greptag# Söefucb mar eine grofje greube — wenn ich ihn nur 
mehr ^dttc fpwben fbnnen ... Sine# minbeftenö tvar mit erfreu* 
lic$ on bem Sntbufia#mu# unfret dfibetifeben Damenwelt: bie Skr* 
lorene Jhanbfcbrift bot unter ben grauen tief unb gut gemirft. 3<b 
habe von Kolleginnen manche# feine unb verfidnbige SBort batüber 
gebürt; fte fühlen boeb, bafj ber Siebter ben beutfeben Skofefforiimen 
manche# JJer)en#gebeimnif} abgelaufcbt bot. 3cb benfe, ba# muf 
greptag freuen unb bafür entfebdbigen, bafj e# auch feine Unbequem* 
liebfeiten bot ein berühmter Sann )u fein. — iöalb naebbet mar 
ein anbrer grofer Sann bei mit/ SBilb. 3orban. 3<b banfe für 
biefe beleibigenbe Sitelfeit, biefe fcpdbige Siegern); an bem ifi Stiebt#, 

e# tbut mir leib um fein grofje# gormtalent-Jpdufjer batte, ob* 

gleich meine Meinung tannte, fteb eine Keine $erfibie nicht ver* 
fagen füttnen unb bie einzige ©teile meine# SBucb#, melcbe ich bi# 
jeQt emfKicb bereue, jum Söeflen be# Kugufienburget# vermertbet. 3cb 
tonnte ba# natürlich nicht bulben unb febrieb eine gan) petfütilicb 
gehaltene Srmiberung 1 . Diefe bot 3b>*>*i J&etm ©cbmager fo ge* 
fallen, bafj er fie befonbet# abbruefen lief. 3e$t fallen bie geftnnung#* 
tüchtigen £cute barübet ber. Sir ftnb unb bleiben boeb ba# politifcb 
unfdb